Autor Thema: GDL im Einzelkampf  (Gelesen 38886 mal)

flipper

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GDL im Einzelkampf
« am: 18:47:09 Mi. 01.August 2007 »
http://www.gdl.de/

bin ja mal gespannt ob es sich in deutschland durchsetzen lässt, dass leute mehr geld bekommen als die almosen, die die "spd"-dominierten gewerkschaften fordern.

französische verhältnisse wären doch was neues ;)

nachteile hat das allerdings, dürft ihr ausführen...
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Theo Retisch

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GDL im Einzelkampf
« Antwort #1 am: 18:57:49 Mi. 01.August 2007 »
Meinen Seegen hat die GDL, die soll das ruhig durchziehen und auf die 31% pochen. Wenn nicht, die Bahn lahm legen, kostet dem Staat dann schätzungsweise 500 Mio. pro Tag an wirtschaftlichem Ausfall. Sollte man sich also überlegen.  :P
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geschfreak

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GDL im Einzelkampf
« Antwort #2 am: 19:14:58 Mi. 01.August 2007 »
Zitat
Original von Theo Retisch
Meinen Seegen hat die GDL, die soll das ruhig durchziehen und auf die 31% pochen. Wenn nicht, die Bahn lahm legen, kostet dem Staat dann schätzungsweise 500 Mio. pro Tag an wirtschaftlichem Ausfall. Sollte man sich also überlegen.  :P

Ich bin der Meinung, daß die GDL in Widerspruch gegen das Urteil gehen sollte, da ihr durchaus zusteht, um ihren Lohn zu kämpfen. Alternative wäre: Herr Mehdorn gibt den Forderungen der GDL nach.
MFG

geschfreak

Theo Retisch

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GDL im Einzelkampf
« Antwort #3 am: 19:27:20 Mi. 01.August 2007 »
Ja, da stimm ich zu. Das ist sicherlich erstrebenswert. Ist m. E. eh ziemlich grotesk, eine Urabstimmung per Einstweiliger Verfügung unterbinden zu wollen. Was kommt denn als nächstes? Streikverbot?
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geschfreak

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GDL im Einzelkampf
« Antwort #4 am: 19:37:12 Mi. 01.August 2007 »
Ich halte die Einstweilige Verfügung gegen die GDL für eine reine Drohgebährde von Herrn Mehdorn, die völlig überflüssig ist. Es wäre besser, die Verhandlungen mit der GDL wieder aufzunehmen und das Geld für die Rechtsanwälte und das Geld für die Gerichtskosten, den Lockführern als Lohn anzubieten...
MFG

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Theo Retisch

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GDL im Einzelkampf
« Antwort #5 am: 19:44:13 Mi. 01.August 2007 »
Im Prinzip hast du ja recht, nur, die Bahn hat ihre eigene Rechtsabteilung, somit auch ihre eigenen Anwälte, die eh bezahlt werden müssen. Ob sie was tun oder nicht. Gerichtskosten sind ja insoweit noch nicht entstanden, da ja noch keine Verhandlung geführt wurde.

Du hast damit recht, dass Mehdorn lediglich einschüchtern will. Was mich aber ziemlich fuchst ist, dass die anderen Bahngewerkschaften, wie auch der DGB ebenfalls gegen die GDL krakeelen.

Daher kann ich wahrlich nur an die GDL appellieren - durchhalten und weiter machen.
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flipper

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GDL im Einzelkampf
« Antwort #6 am: 19:49:40 Mi. 01.August 2007 »
jaja, aber welche nachteile hat die einführung eines klassensystems innerhalb der organisierten werktätigen? denn was anderes isses ja nicht.

das werden die "SPD"ler bei der bahn (auch in führungspositionen), beim dgb, in den gerichten nicht zulassen.
es ist was anderes hier wie bei der pilotengewerkschaft, deren gegner kein "spd" beteilligter staatsbetrieb wie die bahn war. in fluggesellschaften hat es kaum "spd"ler
und deren knallhart neoliberalen vorstände begrüssen natürlich ein klassensystem unter ihren arbeitnehmern, teile und herrsche und sorge für akzeptanz von wenigerverdienern.

ich evaluiere das scheiterungsrisiko für die GDL daher auf 85%.

da muss die GDL nochn bissl warten, bis die bahn vollständig privatisiert ist.
die GDL strategen testen das natürlich schonmal vorab an...
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Theo Retisch

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GDL im Einzelkampf
« Antwort #7 am: 20:11:01 Mi. 01.August 2007 »
Zitat
jaja, aber welche nachteile hat die einführung eines klassensystems innerhalb der organisierten werktätigen? denn was anderes isses ja nicht.

Na, du kannst es vergleichen mit dem Luftverkehr. Der Pilot/Lockführer hat eine viel größere Verantwortung.

Die Pilotenvereinigung Cockpit stellt auch andere Forderungen/Ansprüche, wie das Bodenpersonal oder die Saftschubsen (ich meinte damit die Flugbegleiter) oder aber auch das Catering, den Triebwerkstechniker usw.
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flipper

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GDL im Einzelkampf
« Antwort #8 am: 21:16:59 Mi. 01.August 2007 »
tut mir leid, aber das "verantwortungsgequatsche" bringen die kapitalisten seit 150 jahren und ist eine reine willkürliche und feudale wertung von mehrwert. das ziel ist die spaltung der belegschaft und appellierung an niedrige menschliche machtbedürfnisse (mehr verdienen, den unteren befehlen) um sich einen getreuen vorarbeiterstab zu sichern..

ohne "saft" würden kranke passagiere, die viel trinken müssen wohl schwer leiden und zur ganzheitlichen sicht des customer care gehört auch der service nicht nur der technische flugbetrieb.

wer hat jetzt mehr verantwortung? der sesselfurzer im cockpit der alle 10min mal nen finger zu tasten rührt und den leitrechner die kiste fliegen lässt oder die stewardess und das billiglohnpersonal, die sich die beine kaputtrennen damit die menschen sich freuen?
ich hoffe, die GDL scheitert, ihr erfolg wäre ein weiterer schritt in richtung neoliberalisierung deutschlands.

danke für dein outing :(
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Theo Retisch

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GDL im Einzelkampf
« Antwort #9 am: 21:43:16 Mi. 01.August 2007 »
Also, die Verwaltungsgliederungen sind nicht nur in Unternehmen getrennt, was du als Verantwortungsgequatsche der kapitalisten abtust. Hierarchien gekoppelt mit zu tragender Verantwortung kommen selbst bei indianischen Ureinwohner am Amozonas, bei den Aborigines, den Massai uns sonstigen Institutionen, Gruppierungen und Völkern, ja - sogar beim Militär, sogar schon bei den alten Römern vor.



Zitat
ohne "saft" würden kranke passagiere, die viel trinken müssen wohl schwer leiden und zur ganzheitlichen sicht des customer care gehört auch der service nicht nur der technische flugbetrieb.

Ich finde es blind, qualitative Eignungen eines jeden gleich zu setzen. Sicherlich sagt eine Eignung nichts über die personelle Charaktereigenschaft aus aber ich vertraue doch eher dem mehr Verantwortung an, der in der Lage ist ein Flugzeug zu starten und zu landen (und das geht nur ohne Autopilot) als jemanden, der einem kranken Passagier mit freundlicher Mimik und Gestik Getränke reicht. Sicherlich sind heutzutage Servicekräfte notwenidig, auch im Flugzeug (wobei diese zu Beginn der Fliegerei auch nicht anwesend waren) und sie haben auch keinen leichten Job aber ob ich denen die gleiche Verantwortung übertragen würde, wie einem Pilot kann ich nun nicht wirklich in Erwägung ziehen. Dann könnte man wirklich allen einen Einheitslohn zahlen.

Würdest du mit einem Flugzeug fliegen, wenn du wüsstest, dass die Stewardess die Triebwerke gewartet hat?



Zitat
danke für dein outing


Womit habe ich mich geoutet?
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BakuRock

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GDL im Einzelkampf
« Antwort #10 am: 22:05:52 Mi. 01.August 2007 »
Zitat
Original von flipper
tut mir leid, aber das "verantwortungsgequatsche" bringen die kapitalisten seit 150 jahren und ist eine reine willkürliche und feudale wertung von mehrwert. das ziel ist die spaltung der belegschaft und appellierung an niedrige menschliche machtbedürfnisse (mehr verdienen, den unteren befehlen) um sich einen getreuen vorarbeiterstab zu sichern..

ohne "saft" würden kranke passagiere, die viel trinken müssen wohl schwer leiden und zur ganzheitlichen sicht des customer care gehört auch der service nicht nur der technische flugbetrieb.

wer hat jetzt mehr verantwortung? der sesselfurzer im cockpit der alle 10min mal nen finger zu tasten rührt und den leitrechner die kiste fliegen lässt oder die stewardess, die sich die beine kaputtrennt damit die menschen sich freuen?

danke für dein outing :(

Beifall @Flipper!

Jede Arbeiterin ist das gleiche Wert - voellig egal welche Arbeit wer macht!

Die DGB-Gewerkschaften (hauptamtlicher Teil) zeigen mit dem Finger auf "Abweichler", weil sie gerne in der Oeffentlichkeit als Einheitsgewerkschaften mit flaechendeckenden Tarifen gesehen werden wollen - Dabei sind sie nicht mal EinheiZgewerkschaften. Sie sind einfach mal schon zu gross, um so flexibel wie ihr "Gegner" sein zu koennen.

Die anderen Bahngewerkschaften haben das uebliche Ritual abgezogen und die vorgeworfenen Kroeten geschluckt - statt sich mit der GDL zu solidarisieren und gemeinsam auf´s Trapez zu gehen. Dann haetten auch sie von der ungeheuren Kampfkraft, die Lokfuerer (Piloten) berufsbedingt nun mal haben, auch nutzniessen koennen.

Wenn kampfkraftschwache Bereiche bei den Bahngewerkschaften etwas durchsetzen wollen, sind sie auf die Solidaritaet von kampfkraftstarken Teilen angewiesen. So, wie Stewardessen und Cateringleute auf die Solidaritaet der Piloten angewiesen sind, wenn sie tatsaechlich mal was Positives aus einem Arbeitskampf fuer sich verbuchen wollen.

Doch leider funktioniert das mit der Solidaritaet offensichtlich nicht!

Scheis* Egoismen  :(

Zitat
Original geschfreak:
Ich bin der Meinung, daß die GDL in Widerspruch gegen das Urteil gehen sollte, da ihr durchaus zusteht, um ihren Lohn zu kämpfen. Alternative wäre: Herr Mehdorn gibt den Forderungen der GDL nach.

Gegen eine Urabstimmung zu klagen, halte ich fuer den duemmsten juristischen Fehlschlag. Aber inzwischen hat sich ja das Blatt gewendet: Das Gericht (Duesseldorf?) hat Aufruf zum Streik und den Streik VERBOTEN........

Mehr an Unverfrorenheit gegenueber der Arbeiterschaft geht wohl kaum. Das einzig real existierende Kampfmittel zu verbieten ist ein Politikum. Wenn sich das bei der Sache mit der GDL oeffentlich akzeptiert durchziehen laesst, gibt es zukuenftig vermutlich nur noch solche Verbote.

Spaetestens jetzt muessen alle Arbeiterinnen hellhoerig werden.
Es geht hier um unsere einzige Waffe.

Das Kapital will, gedeckt hinter der Politik stehend, unserem Speer die Spitze brechen!

Sollten die KollegINNen der GDL dennoch gezwungen sein, diesem Urteil folgen zu muessen, sollten sich alle ArbeiterINNen mit ihnen solidarisieren.

Stellt euch mal vor - an jenem Tag an dem die GDL streiken will, es aber nicht kann, und also die Lokfuehrer puenktlich auf Arbeit erscheinen, aber nicht´s zu tun haben:
Es gibt keine Passagiere.....................
.......... weil alle an dem Tag solidarisch sind.................

 8o3
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Wenn eine Idee am Anfang nicht absurd klingt, gibt es für sie keine Hoffnung. .... A. Einstein

Eigentumsfragen stellen!

Wer sind FAUistas

flipper

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GDL im Einzelkampf
« Antwort #11 am: 22:19:11 Mi. 01.August 2007 »
@Theo Rhetisch

dein erster absatz ist purer sozialdarwinismus sonst nix.

dein zweiten absatz habe ich bereits durch erklärung der intention der unternehmer, die das eingeführt haben, widerlegt, da helfen auch keine noch trivialeren vergleiche..

@BakuRock

"Wenn kampfkraftschwache Bereiche bei den Bahngewerkschaften etwas durchsetzen wollen, sind sie auf die Solidaritaet von kampfkraftstarken Teilen angewiesen. So, wie Stewardessen und Cateringleute auf die Solidaritaet der Piloten angewiesen sind, wenn sie tatsaechlich mal was Positives aus einem Arbeitskampf fuer sich verbuchen wollen.
"

korrekt. genau das ist der punkt.
das paradoxon ist, dass es schwerfällt, solche "besserverdienendengewerkschaften wie GDL oder diesen piloten- oder ärzteverband" oder andere "CDU"-gewerkschaftem dann als feindlich zu klassifizieren, weil die "SPD"-gewerkschaften ja die vorstehende integration nicht auf die reihe kriegen (wollen).
"Voting did not bring us further, so we're done voting" (The "Caprica Six" Cylon Model, BSG)

Theo Retisch

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GDL im Einzelkampf
« Antwort #12 am: 22:24:13 Mi. 01.August 2007 »
Zitat
Aber inzwischen hat sich ja das Blatt gewendet: Das Gericht (Duesseldorf?) hat Aufruf zum Streik und den Streik VERBOTEN........

Du hast es bereits erwähnt. Wenn das nun die Runde macht, dann war´s das mit der Tarifautonomie.


Zitat
Stellt euch mal vor - an jenem Tag an dem die GDL streiken will, es aber nicht kann, und also die Lokfuehrer puenktlich auf Arbeit erscheinen, aber nicht´s zu tun haben:
Es gibt keine Passagiere.....................
.......... weil alle an dem Tag solidarisch sind.................

Wünschenswert wäre es aber wie schreibst du so schön treffend:

Scheiß Egoismen? Gerade Pendler, die sich an ihren Jobs klammern, als hänge ihr Leben davon ab oder auch der Güterverkehr wird sich nicht solidarisieren.

Jetzt bliebe dann erstmal noch das Landesarbeitesgericht. Wenn die aber auch so entscheiden, mit der Begründung, Tariffreiheit, wonach nur ein Tarfivertrag gelten soll, dann kann sich die GDL nämlich auch auflösen, weil sie keine Handlungen mehr durchführen kann.
Wir, der Schwanz der Welt, wissen nicht, was der Kopf vorhat, doch wer nichts ahnt, hat auch vom Nichts wenig Ahnung.

Theo Retisch

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  • Wie schrecklich borniert und noch schrecklicher phantasiereich muss man eigentlich sein, um zu meinen, dass einen im Leben nichts mehr überraschen kann?
GDL im Einzelkampf
« Antwort #13 am: 22:28:45 Mi. 01.August 2007 »
Zitat
Original von flipper
dein erster absatz ist purer sozialdarwinismus sonst nix.

Sehe ich ganz und gar nicht.


Zitat
dein zweiten absatz habe ich bereits durch erklärung der intention der unternehmer, die das eingeführt haben, widerlegt, da helfen auch keine noch trivialeren vergleiche..

Widerlegt hast du gar nichts, sondern lediglich eine Erklärung implementiert.
Wir, der Schwanz der Welt, wissen nicht, was der Kopf vorhat, doch wer nichts ahnt, hat auch vom Nichts wenig Ahnung.

Kater

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Manche Lokführer müssen zum Sozialamt gehen
« Antwort #14 am: 12:06:11 Mo. 03.August 2009 »
Zitat
Manche Lokführer müssen zum Sozialamt gehen

Berlin (AP) Streiks bei der Saarbahn, Urabstimmung bei der Hohenzollerischen Landesbahn - die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer macht in den Regionen von sich reden. Ihr Chef Claus Weselsky legt aber Wert auf die Feststellung: «Die GDL streikt nicht deshalb, weil sie das am besten kann.» Sondern weil bei manchen regionalen Unternehmen Einstiegslöhne deutlich unter 2.000 Euro für Lokführer gezahlt würden. Sie will einen einheitlichen Tarifvertrag für das Fahrpersonal bundesweit durchsetzen.

Vor anderthalb Jahren war Weselsky täglich im Fernsehen. Er profilierte sich an der Seite seines Vorgängers Manfred Schell und gegen Bahnchef Hartmut Mehdorn als harter Knochen im Kampf um einen eigenständigen Tarifvertrag für Lokführer. Schell und Weselsky hatten Erfolg, obwohl die GDL ohne die beiden anderen, weitaus größeren Gewerkschaften Transnet und GDBA operierte.

Waffengleichheit gefragt

Nun kämpft die GDL ohne bundesweite Medienbegleitung an der Saar, in Brandenburg und anderswo darum, diesen Erfolg auch bei den Wettbewerbern der Deutschen Bahn zu verankern. Und wieder steht eine große Gewerkschaft daneben und beobachtet das Treiben mit Argwohn - diesmal ver.di.

Tatsächlich ist es nicht nur für die Arbeitnehmer wichtig, im Fall eines Rückzugs der DB AG von bestimmten Strecken bei den Wettbewerbern vergleichbare finanzielle Bedingungen vorzufinden. Es dient auch der Herstellung von Waffengleichheit bei Ausschreibungen, und deshalb hat auch die Transnet genau dies auf ihre Fahnen geschrieben - jedenfalls im Regionalverkehr.

«Heute gibt es Lokführer, die müssen Zuschüsse beim Sozialamt beantragen», sagt Weselsky. Zwar nicht beim «Marktführer», wie er die DB AG gerne nennt, aber bei dem einen oder anderen Wettbewerber, die der ehemalige DDR-Reichsbahner manchmal mit «draußen» zusammenfasst.

80 Prozent des Fahrpersonals seien bei der DB AG beschäftigt, zehn Prozent bei Unternehmen, die etwa gleiches oder gar besseres Tarifniveau haben. Zu letzteren zählt etwa die Schweizer Güterbahn SBB Cargo. Um die restlichen zehn Prozent aber geht es. Nach Weselskys Zahlen sind das etwa 4.000 Menschen. Die GDL prangert die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft an, die «Lokomotivführer mit einem Nettolohn unter 1.300 Euro abfertigt».

Drohung mit Solidaritätsstreiks

«Faire Löhne wie bei der DB» heißt daher das Motto einer Veranstaltung am Mittwoch, mit der die GDL bei Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft für einen bundesweit einheitlichen Tarifvertrag für das Fahrpersonal werben will. Laut Weselsky glauben die DB-Konkurrenten das Problem «aussitzen zu können, weil regional die Wirkung von Arbeitskampfmaßnahmen nicht so groß ist».

Bei den Arbeitgebern im Regionalverkehr handelt es sich teils um kommunale oder landeseigene Unternehmen mit breitem Nahverkehrs-Angebot, deren Angestellte oft bei ver.di organisiert sind. Die Bahnen versuchten mit dem Anheuern von Teilzeitkräften oder Bus-Ersatzverkehr dagegenzuhalten. Weselsky droht: «Das zwingt die GDL, wenn es denn nicht anders geht, auch zum Mittel eines Solidaritätsstreiks zu greifen und die Lokomotivführer im Bereich der DB regional eventuell dazu aufzurufen, sich zu solidarisieren mit den Forderungen ihrer Kollegen.»

Streiks in der Krise? Das Gespenst der Arbeitslosigkeit sieht Weselsky für Lokführer zunächst nicht. «Was momentan im Güterverkehr passiert, kann ein Stück weit kompensiert werden.» Güterzuglokführer würden im Personenverkehr eingesetzt, und die bislang dort Beschäftigten bauten Mehrleistungsbestände ab. Darüber hinaus gebe es Kurzarbeit. «Der Markt insgesamt ist nicht so, dass Freistellungen drohen», sagt er. Im Personenverkehr habe sich durch die Krise nichts verändert.

Wegen des steigenden Wettbewerbsdrucks zielt die GDL auf den bundesweiten Tarifvertrag für das Fahrpersonal, unabhängig davon, ob es um Nah-, Fern- oder Güterverkehr geht. Das hält Weselsky auch der Transnet entgegen, die einen Branchentarifvertrag für den Regionalverkehr will, allerdings nicht nur auf das Fahrpersonal begrenzt. Der Unterschied ist, dass im Regionalverkehr, der von der öffentlichen Hand bestellt wird, mit Ausschreibungen Leistungen vergeben werden, im Fernverkehr bislang kein nennenswerter Wettbewerb stattfindet und im Güterverkehr pure Marktwirtschaft herrscht.

Hoher Organisationsgrad

Die GDL sieht sich für die bevorstehenden Auseinandersetzungen mit einem hohen Organisationsgrad gewappnet. Er liegt laut Weselsky bundesweit bei 75 Prozent, im DB-Konzern bei 80 Prozent - jedenfalls was die Lokführer angeht. «Wir sehen uns als Lokomotive unter den Gewerkschaften.» Der Mitgliederstand hat sich nominell seit den großen Arbeitskämpfen vor zwei Jahren kaum erhöht. Weselsky nennt weiter 34.000. «Wir haben allerdings intern einen Gesundungsprozess hinter uns», sagt er. Das Verhältnis aktiver zu inaktiven, meist pensionierten Mitgliedern betrage 70:30. Damit steht die GDL besser da als die Konkurrenz. Was sie erstreiken will, «sind nicht unsere Forderungen. Die Kolleginnen und Kollegen stehen voll dahinter. Das sind ihre eigenen Forderungen», sagt das CDU-Mitglied Weselsky voller Gewerkschafterstolz.

http://www.gdl.de
http://de.news.yahoo.com/1/20090803/tde-manche-lokfhrer-mssen-zum-sozialamt-e65a892.html