Autor Thema: GDL im Einzelkampf  (Gelesen 40623 mal)

Troll

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Re:GDL im Einzelkampf
« Antwort #30 am: 09:40:59 Mo. 27.Oktober 2014 »
Zitat
GdL-Streik: Wer sind Volker Siewke und die “Initiative für mehr Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in der GDL” – und was ist dran am “offenbar wachsenden Widerstand gegen Weselsky”?

Das ist schon mysteriös. Ein Gewerkschafter der GdL, Volker Siewke, setzt in die Welt, dass der Widerstand gegen den derzeitigen Vorsitzenden der GdL, Claus Weselsky, wächst – und verlässt sich dabei auf seine “Stimmungslage”. Gleichzeitig stellt Siewke im Interview mit dem Deutschlandfunk dazu fest: “Das ist schwer zu sagen, das ist ganz schwierig auszumachen. Ich denke mal, es gibt auch keine Erhebung.” Das hält den Deutschlandfunk nicht davon ab, in den Nachrichten zu senden: “Widerstand in der GDL gegen Weselsky wächst“. Und prompt wird diese Meldung als neutrale Nachricht auf allen Kanälen der einschlägigen Medien gefunkt. Wie neutral und verlässlich aber sind Volker Siewke und seine Aussage – und Christine Heuer, die ihn im Deutschlandfunk interviewt hat? Und wer ist die “Initiative für mehr Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in der GdL”, für die Siewke spricht?
Quelle: Wirtschaft und Gesellschaft

Quelle: NDS

Vor unserer Nase, ein Mediengewitter, und Wissen tun wir immer weniger.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti

rebelflori

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Re:GDL im Einzelkampf
« Antwort #31 am: 14:55:35 Di. 04.November 2014 »


Finde das ganz gut, vielleicht verstehen mache dann Lokführer etwas besser.



Pinnswin

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Re:GDL im Einzelkampf
« Antwort #32 am: 20:56:58 Di. 04.November 2014 »
Zitat
...  leiden tut hier tatsächlich der kleine Mann. Der Arbeiter, der zu seinem
Arbeitsplatz mit dem Zug fahren muss, der Fahrschüler, der seinen Schulort nur
mit der Bahn erreicht...

Puh, zum Glück arbeiten Frauen ja nicht und müssen auch nie zur Schule. . Ich
bin für Generalstreik, mahn Leute
  ]~~~ Bleibt doch einfach mal zu Hause ~~~~ !!

Ich weiß, da fällt euch die Decke auffn Kopp, die Kinder nörgeln und die
Alte steht mitm Nudelholz hinter der Tür, aber Notfalls kannste ja in die
Sport-Bar abdüsen und Schaaaalke gucken,
wie wärs?

Das Ende Der Welt brach Anno Domini 1420 doch nicht herein.
Obwohl vieles darauf hin deutete, das es kaeme... A. Sapkowski

Troll

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Re:GDL im Einzelkampf
« Antwort #33 am: 18:07:36 Mi. 05.November 2014 »
Die Medienhetze funktioniert, die Kommentare zu dem GDL-Streik sind unterirdisch dämlich, die Bahn und Politik wird das zur weiteren Einschränkung der Arbeitnehmerrechte zu nutzen wissen. Da schreien und betteln Vollidioten darum das man ihnen zukünftig doch endlich den Stuhl unterm Arsch wegzieht.
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Rappelkistenrebell

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Re:GDL im Einzelkampf
« Antwort #34 am: 18:39:41 Mi. 05.November 2014 »
GDL: Richtiger Streik bei der Deutschen Bahn ruft wüste Hetze gegen kämpferische Gewerkschaft hervor


05.11.14 - Seit heute herrscht Stillstand auf der Schiene. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat die Lokomotivführer, Lokrangierführer, Zugbegleiter, Bordgastronomen, Disponenten, Ausbilder, Instruktoren und Trainer bei der Deutschen Bahn (DB) ab 15 Uhr im Güterverkehr und von Donnerstag, 6. November, von 2 Uhr im Personenverkehr bis zum gemeinsamem Ende am Montag, den 10. November 2014, um 4 Uhr zum Streik aufgerufen.

Dazu die GDL in einer Presseerklärung: „Der Tarifvertrag für Verfahrensfragen der Deutschen Bahn ist ein Frontalangriff gegen die grundgesetzlich geschützte Koalitionsfreiheit. Die DB und mittelbar auch der Staat als Eigner der DB wollen hier eine Vorstufe eines Tarifeinheitsgesetzes durchsetzen, das im Lichte des Grundgesetzes niemals zulässig wäre. Und genau das wird das Zugpersonal der GDL nicht mitmachen. GDL-Bundesvorsitzender Claus Weselsky: 'Wir wollen und müssen im Auftrag unserer Mitglieder verhandeln, egal ob diese als Lokführer, Zugbegleiter, Bordgastronomen, Disponenten, Ausbilder, Instruktoren oder Lokrangierführer in den Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) der DB arbeiten. Dieses Grundrecht ist in Gefahr und damit die Funktion von Gewerkschaften an sich. Nach diesem Tarifdiktat sollen wir Scheinverhandlungen für das Zugpersonal führen und würden in Wahrheit zum zahnlosen Tiger. Genau das ist vom Arbeitgeber gewollt.'“

Parallel zum Streikaufruf beginnt in den bürgerlichen Massenmedien eine wüste Hetzkampagne gegen die GDL und speziell Claus Weselsky. Die „Bild“-Zeitung veröffentlicht heute die Telefonnummer des GDL-Chefs mit dem Aufruf, dort anzurufen. „Focus Online“ bringt Bilder vom Privathaus des GDL-Chefs. Somit wird ein kämpferischer Gewerkschaftsfunktionär durch die Herrschenden regelrecht „zum Abschuss“ freigegeben. Der Chef der Berliner Tourismusgesellschaft „visitBerlin", Burkhard Kieker, beleidigt Claus Weselsky persönlich und darf im Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) offen zum Streikbruch aufrufen. Nötig ist dagegen die volle Solidarität mit den streikenden GDL-Mitgliedern und mit Claus Weselsky. Ihr Streik ist voll berechtigt. Darüber hinaus muss die Forderung nach einem allseitigen gesetzlichen Streikrecht wieder ganz oben auf die Tagesordnung.

In der kommenden Druckausgabe der "Rote Fahne" erscheint ein Exklusiv-Interview mit Claus Weselsky. Sie erscheint am 7. November und kann hier bestellt werden.

Quelle

http://www.rf-news.de/2014/kw45/gdl-richtiger-streik-bei-der-deutschen-bahn-ruft-wueste-hetze-gegen-kaempferischegewerkschaft-hervor


Gegen System und Kapital!


www.mlpd.de

schwarzrot

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Re:GDL im Einzelkampf
« Antwort #35 am: 18:40:15 Mi. 05.November 2014 »
Zitat
Die Erwerbsloseninitiative Basta! solidarisiert sich mit den Streikenden der GDL

Wir erkennen die Notwendigkeit, für einen erträglichen Lohn zu kämpfen sowie die Qualität der Arbeitsbedingungen, gerade auch der Arbeitszeiten, die zugleich die Sicherheit des Bahnverkehrs bedeuten. Dies erfordert – gegen kurzsichtige Gewinnplanungen im Privatisierungswahn durch Einsparungen von Personal und Wartung – die Kampffähigkeit der vor Ort Arbeitenden durch Koalitionsfreiheit und Streikrecht. Den feindseligen Attacken von “Arbeitgebern” und DGB, Staat und fast allen Medien ist umsichtig entgegenzutreten.
Auch die weniger kampfstarken Kolleg_innen ins Solidaritätsbündnis einzubeziehen, wissen wir zu würdigen. – Als Erwerbslosen machen uns die Jobcenter durch das Regime ihrer “Zumutbarkeit” jede Qualität der Arbeitsbedingungen streitig, um die Ansprüche aller Arbeitenden zu untergraben. Zugleich haben wir erlebt, dass die Berliner S-Bahn mehr Ausfälle durch grobe Vernachlässigung hatte als durch Streiks.

http://www.bastaberlin.de
"In der bürgerlichen Gesellschaft kriegen manche Gruppen dick in die Fresse. Damit aber nicht genug, man wirft ihnen auch noch vor, dass ihr Gesicht hässlich sei." aus: Mizu no Oto

Wieder aktuell: Bertolt Brecht

rebelflori

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Re:GDL im Einzelkampf
« Antwort #36 am: 18:51:57 Mi. 05.November 2014 »
Ich weiß ja nicht wer heute die Bild in de Hand hatte. Aber so welche Hetze gegen Gewerkschaften gehört in keine Zeitung. kotz kotz Man muss nur einfach mal an die Studentenbewegung in den 1960 Jahren denken. 

Der Größen-Bahnsinnige
109 Stunden Stillstand ++ Längster Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn ++ Geigen Sie dem Gewerkschafts-Boss die Meinung: Telefon 069/405 709 102 ++
http://www.bild.de/geld/wirtschaft/deutsche-bahn/der-groessen-bahnsinnige-38430494.bild.html

BGS

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Re:GDL im Einzelkampf
« Antwort #37 am: 19:03:32 Mi. 05.November 2014 »
Sollen die Hetzer und Verleumder der GDL doch ab jetzt zu Fuß gehen. Wenn es ihnen gelingt, Claus Weselsky zu dämonisieren (und damit die GDL), so kann man die Auseinandersetzung mit der Sache umgehen.

Die Bedingungen für die arbeitende Bevölkerung sind in Deutschland schon heute ins Unterirdische gesunken.


MfG

BGS
"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

https://forum.chefduzen.de/index.php/topic,21713.1020.html#lastPost
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)

Sir Vival

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Re:GDL im Einzelkampf
« Antwort #38 am: 19:35:24 Mi. 05.November 2014 »
Mir ist in den letzten Jahren auch aufgefallen, daß bei Streiks sich die Politik immer mit teils populistischen Aussagen gegen die Gewerkschaften stellt ("...es kann nicht sein, daß......." o.ä.).

Streik ist ein Grundrecht, was in kleinen Schritten immer mehr abgeschafft wird. Da eine Regelung, da ein paar Rechte beschnitten.
Früher, wenn z.B. die IG Metall oder Chemieindustrie gestreikt hat, hat KEINE SAU dies interessiert. Klar, betrifft ja nicht die Allgemeinheit, sondern hat eher Spätfolgen wie z.B. Preiserhöhungen bei bestimmten Waren. Das merkt doch wieder keiner oder kann es auf einen Streik vor ´nem halben Jahr  zurückführen.
Bei der Bahn oder den Piloten aber, da geht´s ja plötzlich um den Urlaub, den WoE-Ausflug zur Tante Emma nach Buxdehude oder irgendein "Event", zu dem der ach so gestresste, gut verdienende Arbeitnehmer  hin will (Scheiss Fußball oder diese Feier in Berlin letztes WoE....da hört man auch nix mehr, oder?). Da kann man sich so schön aufpustern als Politikerarsch. Ansonsten die Fresse halten und ja nicht zu viel für´s Volk tun, aber da wollen sie auftrumpfen.
Was ist da der Unterschied zu den Jahren oder Jahrzehnten vorher? Bei der Bahn geht´s seit der AG Bildung nur noch um´s Sparen (siehe Video "Lieber Kunde... Eisenbahner im "System Schiene"). Früher war das staatseigen! Da waren fast 100% mehr Beschäftigte.
Und bei den Piloten weiß ich nicht so recht, wo ich stehen soll. Einerseits Piensen auf hohem Niveau, andererseits sind da Regelungen, die gebrochen wurden.


Der Tod stellte seine Sense in die Ecke und bestieg den Mähdrescher, denn es ward Krieg!
Politiker sind wie Tauben. Sind sie unten, fressen sie dir aus der Hand. Sind sie oben, wirst du beschissen
Es gibt 2 Arten von Politikern:
- der eine kann nichts!
- der andere nichtmal das!

Rudolf Rocker

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Re:GDL im Einzelkampf
« Antwort #39 am: 19:48:35 Mi. 05.November 2014 »
Ich finde, das Menschen, die eine so hohe Verantwortung für Personen und Sachgüter übernehmen gar nicht hoch genug bezahlt werden können.
Und ich möchte keine, aufgrund unzumutbarer Schichtpläne, übermüdete Lockführer in einem mit hunderten von Menschen besetzten Personenzug oder in einem mit Millionen Litern Epichlorhydrin beladenen Güterzug haben.
Desshalb hat die GDL meine volle Solidarität!

BakuRock

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STREIKZEITUNG: BESTELLEN! VERTEILEN!! SOLIDARISIEREN!!!
« Antwort #40 am: 19:52:17 Mi. 05.November 2014 »
Zitat
Am 5. November geht die erste Ausgabe der STREIKZEITUNG: JA zum GDL-Arbeitskampf " NEIN zum Tarifeinheitsgesetz in Druck. Die STREIKZEITUNG ist einsetzbar bei Veranstaltungen, in Gewerkschaften, vor Bahnhöfen und gegenüber Fahrgästen.

Quelle: http://www.labournet.de/politik/gw/gw-in-d/transnet/streikzeitung-ja-zum-gdl-arbeitskampf-nein-zum-tarifeinheitsgesetz/
---
Wenn eine Idee am Anfang nicht absurd klingt, gibt es für sie keine Hoffnung. .... A. Einstein

Eigentumsfragen stellen!

Wer sind FAUistas

dagobert

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Re:GDL im Einzelkampf
« Antwort #41 am: 22:24:41 Mi. 05.November 2014 »
Inhaltlich nicht neu, aber eine interessante Kombination:



Zitat
Originaltext der GDL-Pressemitteilung vom 04.11.2014, den keine Zeitung im Wortlaut wiedergibt …
http://www.randzone-online.de/?p=24369

Rudolf Rocker

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Re:GDL im Einzelkampf
« Antwort #42 am: 07:23:19 Do. 06.November 2014 »
Jetzt wird auch noch die GdL von irgendwelchen merkwürdigen Seiten instrumentalisiert!
Den Link zu dem Bahner- Video ohne Werbung für fragwürdige Seiten hat rebelflori im GdL- Thread gepostet!
(Ich meine jetzt das YT- Video)

rebelflori

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Re:GDL im Einzelkampf
« Antwort #43 am: 08:55:37 Do. 06.November 2014 »

BGS

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Re:GDL im Einzelkampf
« Antwort #44 am: 11:51:11 Do. 06.November 2014 »
Zitat

Einen Orden für den GDL-Chef!

Die Lokführer werden wegen ihres fünftägigen Streiks attackiert. Dabei unternehmen sie nichts Verwerfliches. Acht Gründe, weshalb sie Vorbild sein können Ein Kommentar von Ludwig Greven

Droht Deutschland in den nächsten Tagen ein Verkehrskollaps, gar der völlige Stillstand? Nimmt der durchgeknallte Chef einer Kleingewerkschaft ein ganzes Land als Geisel, ohne Rücksicht auf die Fahrgäste und wirtschaftliche Schäden, nur um einem Ego-Machttrip zu frönen? Vergeht er sich mit seinem Streikaufruf bei der Bahn gar am nationalen Gedenken zum 25. Jahrestag des Mauerfalls?

Wenn es um den neuerlichen Ausstand der Lokführer geht, der heute Nachmittag beginnt, ist ihren Gegnern im Moment offenbar kein Argument zu blöd. Der Bahnvorstand nennt es eine Schikane, dass die GDL die Tarifverhandlungen abgebrochen hat und zum Arbeitskampf aufruft – und das auch noch ausgerechnet kurz vor dem 9. November. Auch Wirtschaftsverbände und CDU-Politiker warnen vor den ökonomischen Auswirkungen. Sie würden den Streik wohl am liebsten verbieten lassen.

All das ist völlig absurd. Denn die Lokführergewerkschaft und ihr Vorsitzender Claus Weselsky nehmen nicht nur ein selbstverständliches Recht in Anspruch. Ihr Vorgehen ist auch absolut legitim. Es könnte anderen Gewerkschaften sogar als Vorbild dienen.

1. Das Streikrecht ist ein Grundrecht. Es steht Arbeitnehmern und Gewerkschaften zu, ganz egal, für welche Tarifziele sie fechten. Nur politische Streiks sind in Deutschland verboten. Es spielt daher keine Rolle, dass es der GDL bloß am Rande um eine satte Tariferhöhung für die Lokführer geht, in erster Linie jedoch um ihren Anspruch, auch andere Bahnmitarbeiter zu vertreten: Streiks sind immer Machtkämpfe. Normalerweise von Beschäftigten und ihren Vertretern gegen die Arbeitgeber, aber manchmal eben auch zwischen Gewerkschaften. Das hat es in Deutschland auch früher schon gegeben. Diesmal wird es besonders öffentlich ausgetragen zwischen der GDL und der konkurrierenden größeren Bahngewerkschaft EVG – doch das macht den Konflikt keineswegs unzulässig.

2. Deutschland droht durch den bis Montagfrüh dauernden Streik nicht der Untergang. Hierzulande wird im Gegenteil eher zu wenig gestreikt, jedenfalls sicher aus Sicht vieler Arbeitnehmer, die deshalb auch durchaus Verständnis für das Vorgehen der Lokführer haben. Im internationalen Vergleich fallen in Deutschland kaum Arbeitsstunden wegen Tarifkonflikten aus, weit weniger als zum Beispiel in Frankreich, Spanien oder Kanada.

Schwache Gewerkschaften schaden den Beschäftigten

3. An Arbeitskämpfen sind immer mehrere Konfliktparteien beteiligt. Deshalb liegt es auch diesmal nicht nur in den Händen der GDL, den Tarif-, Macht- und Organisationskonflikt zu beenden, sondern auch der Bahn und der EVG. Der Bahnvorstand könnte den Lokführern ein Angebot machen, das sie kaum ausschlagen können und das ihrer Gewerkschaft ermöglicht, auch die bei ihr organisierten Bordbegleiter, Speisewagenkellner und Disponenten wirksam zu vertreten. Und die EVG könnte dem konkurrierenden Verband eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe vorschlagen, statt seine Unterwerfung zu verlangen.  

4. Der jetzt vielfach verfemte GDL-Vorsitzende Weselsky mag auch egoistische Ziele verfolgen, weil er seine Verhandlungsmacht ausweiten möchte. Aber selbst das ist legitim. Denn die EVG verteidigt ja ebenfalls ihre Verhandlungsmacht. Und Weselsky handelt nicht allein: Den Streik hat der GDL-Vorstand einstimmig beschlossen, die Mitglieder haben ihm mit fast 80 Prozent Mehrheit zugestimmt. Das ist mehr als das erforderliche Quorum, und sie hätten es sicher nicht getan, wenn sie nicht hinter dem Anliegen ihres Gewerkschaftsvorsitzenden stünden.

5. Gewerkschaften wollten mit Streiks immer wirtschaftlichen Druck auf die Arbeitgeberseite ausüben und wenn möglich eine öffentliche Wirkung entfalten. Dass die Bahn durch den Ausstand Verluste erleidet, ist beabsichtigt. Es ist vielfach das einzige Mittel, das Arbeitnehmer und Gewerkschaften einsetzen können, wenn sie am Verhandlungstisch nicht weiterkommen. Je länger Arbeitgeber sich weigern nachzugeben, desto länger und schmerzhafter für sie wird der Tarifkonflikt.

6. Das unter dem Arbeitskampf auch die Fahrgäste leiden, ist aus Sicht der GDL eine unvermeidliche und beabsichtigte Nebenfolge. Denn auch das erhöht den Druck auf die Bahn. Wenn der Tarifkampf jedoch zu lange dauert und die Bahnkunden irgendwann kein Verständnis mehr für den Streik  haben, wird die öffentliche Unterstützung für die GDL zusammenbrechen und die Streikbereitschaft der Lokführer rasch nachlassen. Das haben auch schon andere Gewerkschaften erleben müssen. Weselsky wird daher wohl schon im Eigeninteresse hoffentlich klug genug sein, nicht zu überziehen.

7. Die Politik sollte sich wie auch sonst aus dem Tarifkonflikt heraushalten. Dass Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles gerade jetzt ihren Gesetzentwurf vorgelegt hat, der die kleinen Berufsgewerkschaften entmachten soll, ist aus deren Sicht daher eine Provokation. Und es wird die Kampfbereitschaft der GDL-Mitglieder bestärkt haben.  

Auch bei den großen DGB-Gewerkschaften, die von dem Gesetz vordergründig profitieren würden, finden die Pläne der Koalition keineswegs nur Beifall. Denn sie stellen das Streikrecht infrage, auch wenn es zunächst nur um das von Konkurrenzverbänden geht. Aber irgendwann könnte es sie selbst treffen. Denn auch Streikaufrufe etwa von ver.di an Krankenschwestern, Müllmänner oder Mitarbeiter von Kindertagesstätten sind nicht populär, genauso wenig wie Ausstände von Piloten oder Ärzten.

8. Die GDL deshalb zu kritisieren, weil der Streik die Anreise zu den Mauerfall-Gedenkfeiern in Berlin behindere, ist völlig daneben. Schließlich wurde in der DDR nicht nur die Reise- und Meinungsfreiheit unterdrückt, sondern auch das Recht, seine Interessen in freien Gewerkschaften wirksam zu vertreten. GDL-Chef Weselsky sollte daher nicht diffamiert werden, sondern eher ein Bundesverdienstkreuz bekommen. Denn der in Dresden geborene Sachse nimmt für seine Organisation lediglich eine Möglichkeit in Anspruch, die sich die Menschen vor 25 Jahren im Osten mühsam erkämpft haben. Auf Jahrestage muss er deshalb keine Rücksicht nehmen.

Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/2014-11/lokfuehrer-streik-gdl-kommentar/seite-2

MfG aus -10° C

BGS
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