Autor Thema: Immer mehr Selbstständige auf Hartz IV angewiesen  (Gelesen 27864 mal)

schwarzrot

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Re:Immer mehr Selbstständige auf Hartz IV angewiesen
« Antwort #15 am: 17:54:57 Di. 14.Juni 2011 »
...und weiter gehts. Auch in der Taz wird das undifferenzierte geschwafel (oder sollte ich hetze sagen?) von Ede H. Alt abgedruckt.
Ausnahmsweise bringen die, nicht wie SpOn oder ftd, sogar gegenstimmen:
Zitat
Alexander Herzog-Stein, Arbeitsmarktexperte der Hans-Böckler-Stiftung, hält dagegen eine Missbrauchsdebatte für gefährlich: "Hier werden ganze Personengruppen stigmatisiert - auf Basis weniger Einzelfälle." Die Bezugsdauer von Grundsicherungsleistungen für Selbstständige generell zu befristen, sei zu pauschal. "Wenn es keine Alternative auf dem Arbeitsmarkt gibt, dann ist es besser, sich als kleiner Selbstständiger etwas dazuzuverdienen", sagte Herzog-Stein.

Kümmerexistenzen, die gerade so über die Runden kommen
Angesichts der bisherigen Arbeitsmarktpolitik sei es außerdem wenig überraschend, dass es immer mehr Aufstocker unter den Selbstständigen gebe. Schließlich fördere die Politik seit 2005 Existenzgründer, die vorher arbeitslos waren. Oft handelt es sich gerade bei diesen Selbstständigen um Kümmerexistenzen, die mit ihrem Geschäft gerade so über die Runden kommen oder zusätzliche Hilfe vom Staat benötigen.

Viel Lärm um nichts also? Nicht ganz. Dass unter den Aufstockern auch Selbstständige mit Mitarbeitern sein sollen, beunruhigt auch Herzog-Stein. Hier sei die Politik gefragt. "Jobcenter und Finanzämter sollten im erforderlichen Umfang zusammenarbeiten dürfen, um Missbrauch zu verhindern."

Im Bundesarbeitsministerium sieht man derzeit keinen Handlungsbedarf: Es gebe "keine Überlegungen, die Rechtslage zu ändern", sagte eine Sprecherin zur taz. Auch die FDP sieht dafür keinen Bedarf. Das Problem ist auch verhältnismäßig klein: Von 1,3 Millionen Aufstockern sind gerade einmal 125.000 selbstständig - das ist knapp ein Zehntel.
http://taz.de/1/politik/deutschland/artikel/1/grundlos-anspruch-auf-hartz-iv/

Spassig ist auch 'Jobcenter und Finanzämter sollten im erforderlichen Umfang zusammenarbeiten dürfen, um Missbrauch zu verhindern'.

Manchmal frag ich mich, wo diese 'experten' bisher gelebt haben.   ;)
Ich hatte das bisher so verstanden, dass die 'JC's, bei selbstständigen in ALGII, einmal pro jahr die einkommensteuererklärung vom finanzamt sehen wollen.
Aber vielleicht war das ja bisher gar nicht erlaubt?  ;D

@Pfiffi, die sollten eigentlich froh sein, denn immerhin bringen ALGII-'selbstständige' und 'aufstocker' dem amt geld, statt wie in 1-eu jobs und massnahmeschwachsinn zusätzliche kosten einzufahren. Oder mit zwangsbewerbungsmüll die postfächer von mitarbeitersuchenden unternehmen zu fluten!  >:(
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Pfiffi

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Re:Immer mehr Selbstständige auf Hartz IV angewiesen
« Antwort #16 am: 20:10:35 Di. 14.Juni 2011 »
Leider ist in diesem Land die "Selbst" ständigkeit von den Behörden nicht gern gesehen, das so ist meine Vermutung liegt einfach in der "Überwachungswut" des Staates.
Alter Spruch, was eine "Alte Oma, der Polizei nicht erzählt, das weiß sie auch nicht", und ungefiltert trifft dies auch auf andere staatliche Behörden zu.

Natürlich wollen die vom JC den Einkommensteuerbescheid sehen, auch wenn dieser schon lange hintenherum abgeglichen wurde. Das ist nur Show und Verarsche, die wollen die Menschen am "arbeiten" halten, Sie könnten ja sonst auf Gedanken kommen sich aus die "Umklammerung (Verfolgungsbetreuung)" befreien.

Das Problem sind mehrere Sachen, die SB beurteilen einen nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten geführten Betrieb, das passt nicht zusammen, dann sind die SGB Gesetze der Selbständigkeit mehr im Weg als das sie in irgendeiner Art und Weise unterstützend sind, Beispiel gefällig, SB lädt meine Frau zu Öffnungszeit des Unternehmens ein, kurzes Schreiben, das dieser Termin aufgrund Öffungzeiten und bestellten Kunden nicht wahrgenommen werden kann, okay gab es neuen Termin, andere SB (Vertretung), weil ja die zuständige SB nur Halbtagsa arbeitet usw.. Mittlerweile haben sie das aber geschnallt.
Es gibt viele kleine Sachen, am besten war der Spruch des Teamleiters, die Selbständigkeit können wir ihnen nicht verbieten. Meinen Teil als Beistand habe ich mir gedacht.

Wenn man mal genau überlegt wird man draufkommen, warum Hetze gefahren wird, es geht um Einsparungen um nichts anderes, und jeder Euro der die Regelleistung erhöht wird, umso mehr werden Aufstocker oder ALG II Bezieher es schwer haben daraus zu kommen.

In meinen Augen gibt es nur eine Lösung, Regelsatz auf soziokulturelles Minimum anheben und Sanktionsparagrafen abschaffen.
Alles andere ist "Kinderkacke", daher streite ich auch mit keinem SB mehr, es bringt nichts, die haben Anweisung und sind stur wie die Ochsen.
Jeder kennt den "Dreisatz", welcher ist davon bei den JCs anzuwenden?

JC Dreisatz: Warum?  Wo steht das? Alles nur schriftlich!!

schwarzrot

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Re:Immer mehr Selbstständige auf Hartz IV angewiesen
« Antwort #17 am: 17:39:48 Mi. 15.Juni 2011 »
Hier mal ein super kommentar darüber (in der taz!), wow! Wenn die mehr solche beiträge hätten, würd ich sogar taz bezahlen, nur leider gibts sowas dort nur ganz vereinzelt (oder zum glück für meine schmale briefbörse). Aber immerhin. Endlich hat den clownsvorstoss von Alt mal einer richtig beurteilt:
Zitat
Wortklauberei
Die Ärmsten der Armgerechneten

Und um wie viele Millionen haben Sie die Agentur für Arbeit heute schon wieder betrogen?
 

KOLUMNE VON Josef Winkler

Haben Sie's gehört? Die Agentur für Arbeit ist total aus dem Häuschen. "Die Agentur für Arbeit schlägt Alarm", dräute es aus der "Tagesschau" heraus. Ja, was ist denn nur passiert? Hat sich die Leyen um eine Kommastelle vertan letztens oder hat gar mal einer von denen einen wachen Blick auf den Leiharbeitsmarkt geworfen, und es hat ihm gleich dermaßen den Vogel rausgehauen?

Nein: "Die Agentur für Arbeit schlägt Alarm!", weil die Agentur für Arbeit es "mit Sorge beobachtet", dass immer mehr Freiberufler Hartz IV in Anspruch nehmen. Jetzt muss ich zunächst mal sagen: Wenn ich immer gleich Alarm schlagen würde, wenn ich etwas mit Sorge beobachte, dann tät aber wirklich überhaupt keine Ruh nimmer werden. Das würde kein Schwein aushalten. Aber nun gut.

Die Agentur für Arbeit beobachtet es jetzt halt mit Sorge, dass so viele, ja: sogar "immer mehr!" Freiberufler Hartz IV beziehen. Nicht, weil die Agentur für Arbeit den Freiberuflern das viele, viele Geld nicht gönnen und sich lieber selber davon ein Eis kaufen würde. Sondern weil die Agentur für Arbeit einfach nicht g-l-a-u-b-e-n k-a-n-n, dass so viele Leute so scheiße wenig Kohle haben, dass sie sich freiwillig das Getue mit Hartz IV antun.

Da muss was nicht mit rechten Dingen zugehen, so viele können nicht einfach mir nichts, dir nichts so arm sein, die müssen sich wohl künstlich "arm rechnen"! Sicher gibts schon bald Schätzungen, was Experten einer Studie zufolge meinen, um wie viele Milliarden sich deutsche Freiberufler allein im letzten Jahr arm gerechnet haben, und die Dunkelziffer ist noch viel höher! Systematisches massenhaftes Armrechnen befürchtet die Agentur für Arbeit, Selbstständige könnten ihr Einkommen herunterrechnen, vermutet die Agentur für Arbeit, und ihr fehlen die Mittel und Behufe, diesen skrupellos-systematischen Armrechnern auf die Schliche zu kommen - und das macht sie ganz fuchsig, die Agentur für Arbeit, und drum schlägt sie jetzt Alarm.
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Re:Immer mehr Selbstständige auf Hartz IV angewiesen
« Antwort #18 am: 19:28:29 Mi. 15.Juni 2011 »
Ja der Artikel ist sehr gut. Gestern hatte ich diesen link hier gesucht.

http://argbook.de/index.html

Sehr aus der Praxis. ;)
Jeder kennt den "Dreisatz", welcher ist davon bei den JCs anzuwenden?

JC Dreisatz: Warum?  Wo steht das? Alles nur schriftlich!!

Kuddel

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Re:Immer mehr Selbstständige auf Hartz IV angewiesen
« Antwort #19 am: 13:12:41 Mo. 10.Dezember 2012 »
Hartz IV für Selbständige: Deutsche arbeiten wie verrückt und es reicht doch nicht

„Die Zahl der Selbstständigen, die ihr Einkommen mit Hartz 4 aufstocken, hat sich seit 2007 verdoppelt. Dabei arbeitet fast die Hälfte von ihnen in Vollzeit. Obwohl sie in den härtesten Branchen wie Gastgewerbe und Gesundheit praktisch rund um die Uhr arbeiten, reicht ihr Gehalt nicht zum Leben. 16 Prozent der Betroffenen sind Akademiker…“

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2012/12/04/hartz-iv-fuer-selbstaendige-deutsche-arbeiten-wie-verrueckt-und-es-reicht-doch-nicht/

http://doku.iab.de/kurzber/2012/kb2212.pdf

Strombolli

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Re:Immer mehr Selbstständige auf Hartz IV angewiesen
« Antwort #20 am: 22:17:13 Do. 13.Dezember 2012 »
Bloß mal so angenommen, man macht sich selbstständig und rackert wie doof gegen eine Konkurrenz, die es sich leisten kann, billiger anzubieten. Erst nach zwei Jahren hat man mitbekommen, welche Kosten "nebenbei" so staatlicherseits, eigenversicherungstechnisch, haftungsmäßig noch kommen. Bis dahin bist Du krachen gegangen. Schon weil dich der Aufwand jeden Furz beim Jobcenter zu melden, kaputtmacht.
Das Systemmotto: "Gib mir Dein Geld! - Jetzt, Du dreckiges Opfer !!!! - Und habe immer ANGST VOR DEM MORGEN !!!"

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Re:Immer mehr Selbstständige auf Hartz IV angewiesen
« Antwort #21 am: 10:07:21 Fr. 14.Dezember 2012 »
Hartz IV für Selbständige: Deutsche arbeiten wie verrückt und es reicht doch nicht

Und da fang ich an mich zu ärgern, oftmals sind es genau die Nasen welche über den überbordenden Sozialstaat klagen welcher ihnen das Selbständigendasein unmöglich macht, sie blasen ins gleiche Horn wie diejenigen die den Sozialstaat tatsächlich nicht brauchen und ihn deshalb als unnütz diskreditieren. Die vielen Gernegroß die sich mit den dicken Geldbeuteln gemein machen, in der trügerischen Hoffnung auch mal ein ganz Großer zu werden.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
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Re:Immer mehr Selbstständige auf Hartz IV angewiesen
« Antwort #22 am: 10:42:41 Fr. 14.Dezember 2012 »
Und dann verkaufen die sich auch noch für´n Appel und ´n Ei und machen sich mit dem gegenseitigen Unterbieten die Preise kaputt!
Beispiel: MyHammer

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Re:Immer mehr Selbstständige auf Hartz IV angewiesen
« Antwort #23 am: 10:43:42 Fr. 14.Dezember 2012 »
Es gibt eine allgemeine Tendenz zur Verblödung. "Hauptsache Arbeit" und das gesellschaftliche Mobbing gegen diejenigen, die nicht produktiv sind, setzt sich fort bis ganz unten. Und je verzweifelter man ist, desto mehr neigt man dazu an die Lügen zu glauben, die einem angeboten werden. Die armen Würste, die für Ranger Klinken putzen gehen, glauben ja oftmals, sie wären Yuppies, denen alle Türen nach oben offenstehen. Da schützt manchmal auch Bildung nicht vor. Ich hatte einen kleinen Ex-Spediteur kennengelernt, der eher mit vage linker Hippieideologie Umzüge und Spezialtransporte gefahren hat. Durch einen unerwarteten Maschinenschaden bei einem neuen LKW, kam es zu einem fianziellen Engpaß, und da das Finanzamt zu keiner Stundung der Anstehenden Zahlungen bereit war, verlor er alles. Die Erniedrigungen durch das Jobcenter hielt er nicht aus. Er schlägt sich mit irgendwelchen Schwarzjobs durch und ist nichteinmal mehr krankenversichert. Seine Gesundheit ist auch ziemlich durch. Er schimpft auf die Hartz IV Bezieher, die noch etwas selbstangebautes Gras verticken und denen es damit besser geht, als ihm.
Die Armut bringt es mit sich, daß die Menschen einander zunehmend hassen.

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Re:Immer mehr Selbstständige auf Hartz IV angewiesen
« Antwort #24 am: 11:39:44 Fr. 14.Dezember 2012 »
....
Die Armut bringt es mit sich, daß die Menschen einander zunehmend hassen.

Und das regierende Gesindel, samt ihrer Geldgeber und Strippenzieher, reibt sich zufrieden die Hände. Das ganz alte Spiel seit Menschengedenken.
Aber es geht ja nur noch eine Woche!  :evil:   (denk, denk ... Maya-Kalender  ;D )I
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Re:Immer mehr Selbstständige auf Hartz IV angewiesen
« Antwort #25 am: 18:29:31 So. 16.Dezember 2012 »
Zitat
Hartz IV für Selbständige: Deutsche arbeiten wie verrückt und es reicht doch nicht

nee, so läuft es ja auch nicht, die Konkurrenz unterbieten, wie blöd in Vollzeit arbeiten und mit ALG II aufstocken.

Es ist eigentlich mehr so, man hat nur sporadisch  Aufträge, bzw. man arbeitet daher nur weniger Monate oder Wochen in Vollzeit.

Wenn es überhaupt nicht läuft, dann macht man auch mal einige Stunden was unter dem Preis oder probiert was neues aus um wenigstens in  dem Monat die 100 € als Freibetrag zu haben.

Bei so manchen franchise unternehmer, dem die Spitze das Blaue vom Himmel verspricht, mag das aber anders sein.

Zitat von:  "Rudolf Rocker "
Und dann verkaufen die sich auch noch für´n Appel und ´n Ei und machen sich mit dem gegenseitigen Unterbieten die Preise kaputt!
Beispiel: MyHammer

ok , wenn man es so macht, kann man natürlich auch mit Vollzeitarbeit  verarmen.

Rudolf Rocker

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Re:Immer mehr Selbstständige auf Hartz IV angewiesen
« Antwort #26 am: 19:03:05 So. 16.Dezember 2012 »

Zitat
ok , wenn man es so macht, kann man natürlich auch mit Vollzeitarbeit  verarmen.

Offenbar kriegen einige Unternehmer, das mit dem Kalkulation nicht hin!

In meiner Branche gibt es hohe laufende Kosten durch Maschieneneinsätze.
Wer da zu knapp kalkuliert, kann durch den Ausfall der Maschiene oder eine teure Reparatur ganz schnell in Schwierigkeiten kommen.

Wir hatten hier Unternehmer, die Mitte des Monats nicht weiterarbeiten konnten, weil sie kein Geld mehr für den Sprit hatten!


J. Anus

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Re:Immer mehr Selbstständige auf Hartz IV angewiesen
« Antwort #27 am: 11:29:39 Mo. 17.Dezember 2012 »
Der einzige, wirklich einzige halbwegs gangbare Weg wäre, dass man versucht, eine Marke (Klamotte, oder was auch immer) an den Markt und an den Mann zu bringen.
Aber da beginnen schon die Probleme.
Die Kurse, die man vom Amt bezahlt bekommt, bereiten einen in keiner Weise auch nur ansatzweise
auf die Selbstständigkeit vor und wiegen die Leute nur in falscher Sicherheit.
Die Vermittlung von kaufm. Grundlagenwissen wie Buchhaltung (EÜR), die Tücken des Onlinehandels,... Fehlanzeige.
Die Lehrenden dort, sind oft genug Selbstständige am Existenzminimum krauchende Menschen, die in den Selbständigen in spe evtl. potenzielle Kunden sehen. Beibringen können einem diese Lehrkörper nichts!

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass eine Marke in einem möglichst kurzen Zeitraum zu etablieren richtig Geld kostet.
Inkl. Materialeinkauf und Einkauf von externem Sachverstand sollte man m.A.n. schon 10.000 € im Rücken haben.
Ansonsten wird das eine never-ending-story.
Selbst Start-ups mit solventen Geldgebern und Know-how im Rücken brauchen oft ein Jahr um so eine Unternehmen zu wuppen.

Gebraucht Dinge auf Ebay verticken (gerne ehemals als Ich-AG), einen Imbißstand aufmachen
oder ähnlichen Scheiß kann man knicken (hey, reimt sich sogar).
Da schaufelt man sich monetär und gesundheitlich das eigene Grab.

Ich will keinem von der Selbstständigkeit abraten, allerdings sollte man sich keinesfalls auf das JC verlassen. Denn die Vorgabe
der JC die Selbstständigkeit innerhalb von 6 Monaten (dauerhaft!!!) zum Laufen zu bringen, halte ich für utopisch.
Es geht darum die Leute aus der Statistik zu bringen. Das sollte man sich immer ins Gedächtnis rufen.
Ob man sich dabei finanziell den Hals bricht oder nicht, interessiert das JC einen Scheißdreck.

Rudolf Rocker

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Re:Immer mehr Selbstständige auf Hartz IV angewiesen
« Antwort #28 am: 11:41:28 Mo. 17.Dezember 2012 »
Zitat
Es geht darum die Leute aus der Statistik zu bringen. Das sollte man sich immer ins Gedächtnis rufen.
Ob man sich dabei finanziell den Hals bricht oder nicht, interessiert das JC einen Scheißdreck.
   

Genau so ist es!


Auf die, als leuchtende Beispiele angeführten Selbstständigen, die es "geschafft" haben, kommen 10.000 die den Bach runtergegangen sind und sich tief verschuldet haben.

Und sich ohne Eigenkapital selbstständig machen zu wollen halte ich eh für utopisch.

Strombolli

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Re:Immer mehr Selbstständige auf Hartz IV angewiesen
« Antwort #29 am: 11:49:24 Mo. 17.Dezember 2012 »
...
Es geht darum die Leute aus der Statistik zu bringen. Das sollte man sich immer ins Gedächtnis rufen.
Ob man sich dabei finanziell den Hals bricht oder nicht, interessiert das JC einen Scheißdreck.


Danke J. Anus. - Es hört sich immer alles so verlockend an. Man kennt sich, hat evt. ein paar Freunde, die einen unterstützen und dann gibt es die Sirenen der Regierung, die singen von der persönlichen Tüchtigkeit und Selbstständigkeit... Unabhängigkeit, von Freiräumen und Nischen, vom Aufschwung und Ende der Flaute. April, April.
Zielsetzung siehe oben. Der Staat will potenzielle Selbstständige auch ins eigene Risiko auslagern. Und bestimmt auch im Hinterkopf schon die Verwertung des bischen Eigentums, was derjenige noch hatte.

Ich könnte durchaus mit meinem Hobby Geld verdienen... wenn da nicht der kaputtgemachte Markt wäre. Potenzielle Auftraggeber sterben den Unternehmertod und deren Kunden haben kein Geld mehr. Die technische und gesellschaftliche Entwicklung geht in eine Richtung in der meine Branche fast überflüssig wird. "Ge...... wird immer!" Diese Regel gilt nicht mal mehr für den Geschlechtsverkehr, geschweige denn für meinen ehemaligen Job, dem ........-Handel oder meinem musischen Hobby der Unterhaltung von Menschengruppen.

Die Claims sind abgesteckt und ohne Vitamin B (Beziehungen) Netzwerke der wohlmeinenden (wirklich?) Freunde, kann man es knicken. Schwarzarbeit?
Vergiß es! Es gibt tausend Trottel, die diese Dienstleistung billig anbieten, wenn auch schlechter. Einen Pfarrer (bloß so als Beispiel) braucht man auch nur hin und wieder. Und selbst hier gibt es schon Zeitarbeiter. Die Zeiten von Pater Brown sind vorbei.
Es ist kein Hereinkommen. Ich sehe es doch selbst. Seit 12 Jahren tue ich "Gutes" an Weihnachten. Schließlich bin ich ja der Weihnachtsmann.
Die zu denen ich komme, fragen diese Leistung jedes Jahr nach.

Das Jobcenter kennt mich und mein typisches Aussehen. Glaubt ihr, da hat einer mal gefragt ob ich den Santa mache? Lieber kleben sie ner Kindergärtnerin oder dem Hausmeister einen künstlichen Bart an. Und von diesem Weihnachtsmannjob und auch meinem Hobby als selbstständige Tätigkeit angenommen, kann man nicht leben.

Bei einem bedingungslosen Grundeinkommen wäre mir das Wurscht. Der Staat zahlt an mich 1500 Eu und ich mache meine Dinge, kann sogar Werbung machen, was mir ja jetzt verwehrt ist. Aber das riecht nach Sozialismus, obwohl es nur (kurzzeitig) den Kapitalismus stabilisieren würde.

Nee, nicht mit Mutti Merkel. Da gilt der trotzige konservative Kurs des Stillstands, des Aussitzens und Verschiebens auf den Skt. Nimmerleins-Tag.
Das Systemmotto: "Gib mir Dein Geld! - Jetzt, Du dreckiges Opfer !!!! - Und habe immer ANGST VOR DEM MORGEN !!!"

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