Autor Thema: Studentendemos & Unistreiks  (Gelesen 180337 mal)

Kuddel

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Re:Studentendemos & Unistreiks
« Antwort #195 am: 10:44:18 Sa. 17.Dezember 2016 »
Zitat
Freiburg:
Hörsaal besetzt: Studierende protestieren gegen Ausländer-Studiengebühren
Studentenproteste in Freiburg. An der dortigen Universität haben Studierende am Mittwoch-Abend den Audimax-Hörsaal besetzt.


Damit wollen sie gegen die Pläne der grün-schwarzen Landesregierung protestieren, wonach Studierende aus Nicht-EU-Ländern künftig Studiengebühren zahlen müssen. Auch Studierende im Zweitstudium sollen zur Kasse gebeten werden. Die geplanten Studiengebühren sehen pro Semester 1.500 Euro für Ausländer und 650 Euro für das Zweitstudium vor. Der Audimax-Hörsaal soll noch bis Freitag besetzt werden.

Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft GEW unterstützt die Proteste. Gute Bildung sollte gerade für Menschen, die NICHT aus dem reichen Europa kommen, ermöglicht werden, sagt die Landesvorsitzende Doro Moritz. Studierende aus Marokko, Tunesien, Ecuador und Kolumbien müssten ihr Studium aufgeben, weil es zu teuer wäre.
http://www.rtf1.de/news.php?id=15122

Kuddel

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Re:Studentendemos & Unistreiks
« Antwort #196 am: 17:06:47 Do. 18.Mai 2017 »
Zitat
Neue Protestbewegung an Unis
Aufstand in den Lernfabriken

An deutschen Hochschulen ist eine neue Form des Protests entstanden - und zwar von Studis, Wissenschaftlern und Verwaltungsleuten gemeinsam. Ihr Ziel: Schluss mit der Ökonomisierung der Bildung.


"Wir haben es uns vor dem Hörsaal 1a gemütlich gemacht. Kommt vorbei! #FUbesetzt". Diesen Tweet schickte kürzlich der Nutzer @fubesetzt in die Welt, und er zeigt: An der Berliner FU herrscht Aufbruchstimmung - zumindest unter einigen Studenten.

Rund 70 junge Frauen und Männer hatten vergangene Woche einen Hörsaal besetzt. Erst spät abends, als die Uni die Polizei gerufen hatte, beendeten sie ihren Protest. Und die nächste Versammlung ist schon geplant, derweil haben die Studenten ein Protestcafé vor dem Hörsaal eingerichtet.

Unzufriedenheit gibt es auch in vielen anderen Hochschulen. In Initiativen schließen sich Studierende, Lehrkräfte und Verwaltung zusammen, um Grundsätzliches an den Arbeitsbedingungen aller zu ändern. Sie stören sich an der Ökonomisierung der Lehre, vulgo: "Lernfabrik".

Einer der Mitorganisatoren der FU-Besetzung erklärt. "Es gärte schon lange, wir wollten spontan zum Semesterauftakt ein Zeichen setzen." Das Ziel der Truppe ist "eine Bewegung, die das Selbstverständnis der Studierenden verändert." Sie hofft darauf, dass Studierende sich politisieren lassen, Forderungen entwickeln.

Uni von unten

Schon Anfang des Jahres hatte es in Berlin eine Aktion gegeben, die für Aufsehen sorgte. Das Institut für Sozialwissenschaften (ISW) an der Humboldt-Universität war fünf Wochen lang bestreikt worden. Ein Ausdruck der Wut und des Frusts, die vielerorts an den Unis herrschen. Begonnen hatte die Besetzung als spontaner Protest gegen die - inzwischen revidierte - Kündigung des Soziologen Andrej Holm, doch die Agenda ging schnell über die Personaldebatte hinaus. "Es geht uns um die Demokratisierung der Hochschule, um Uni von unten", sagten damals drei Studierende, die als Sprecher der Protestgruppe auftraten.

Er sei sehr skeptisch, wie lange der Impuls anhalte, unkte Peter Grottian damals. Er ist so etwas wie der weise Haudegen des Aktivismus, Professor am Berliner Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft und spezialisiert auf soziale Bewegungen. "Es ist ein zartes Blümchen, das man ernst nehmen muss, aber man darf es nicht überschätzen."


Protest an der Humboldt-Universität (im Januar 2017)

Grottians Zweifel sind der oft üblichen Halbwertszeit von derlei Aktivismus geschuldet: Protest versiegt. Oder wie es Mandy Gratz vom Vorstand des Freien Zusammenschlusses von Studierendenschaften FZS formuliert: "Der Kern von Protest an Hochschulen ist, dass er nicht nachhaltig ist." Doch genau das scheint sich derzeit zu ändern.

An vielen Hochschulen sind zuletzt Netzwerke entstanden, Ende März fand in Frankfurt die Konferenz "Lernfabriken meutern" statt. Neu ist, dass sich die Bewegungen an den Unis hierarchieübergreifend aufstellen. Sie verstehen sich nicht als reine Studierendenvertretung. Wie etwa die Hochschulgewerkschaft "Unterbau" an der Frankfurter Goethe-Universität: "Wir wollen eine tief greifende, andauernde Form von Politisierung", erklärt Mitgründerin Conny Pretz. Die Gewerkschaft will für Mensamitarbeiter, Verwaltungspersonal, Hiwis und Lehrkräfte gleichermaßen da sein - quer durch die verschiedenen Statusgruppen.

Ähnliches passiert gerade an der Dresdner Uni: "Arbeitnehmer an Hochschulen sollen sich endlich organisieren und kampagnenfähig werden", sagt Mathias Kuhnt von der dortigen Mittelbau-Initiative. "Wir wollen in der Lage sein zu streiken." Mit Vertretern von rund 40 anderen Hochschulen gründete er im Januar das bundesweite "Netzwerk für gute Arbeit in der Wissenschaft", um gegen prekäre Arbeitsbedingungen zu kämpfen.

Schon deutlich älter ist die organisierte Kritik an der Ökonomisierung des Wissens im Bereich Wirtschaftswissenschaften. Bereits 2007 gründete sich das "Netzwerk plurale Ökonomik", das nicht nur neoliberalen Stoff im Curriculum sehen will. Die Mitglieder, Studis wie Dozenten, organisieren Ringvorlesungen und Marx-Lesegruppen. "Wir wollen Hierarchien hinterfragen - nicht nur wissenschaftlich, sondern auch jene im akademischen Betrieb selbst", sagt Daniel Obst. "Ich hoffe, dass der ISW-Protest Teil einer größeren Bewegung ist und sich Studis weiter politisieren."

"Die Hochschule selbst ist ein politischer Raum"

Mancher Beobachter spricht schon von der "Repolitisierung" der Unis. Denn seit der Bologna-Reform war das Engagement für die Studierenden schwieriger geworden: Wer Bafög bezieht, kann nicht einfach Prüfungen sausen lassen - sonst fliegt er oder sie aus dem System. Auch darum wird Aktivismus nun vielerorts verstetigt; es geht um mehr Mitbestimmung, aber auch um Solidarität.

So forderten die ISW-Besetzer etwa Anfang des Jahres "als ersten Schritt gegen prekäre Beschäftigungsverhältnisse" vom Berliner Senat und der Hochschulleitung "Dauerverträge für Daueraufgaben". Dieser Blick sei selten, so Protestforscher Grottian: "Gerade junge Studierende, die etwas ändern wollen, haben oft keinen Schimmer von Unistrukturen." Mittelbau-Aktivist Kuhnt ergänzt: "Gerade zu den Bundestagswahlen ist es wichtig, Druck aufzubauen."

Mag sein, dass sich sogar etwas tut. So erklärte HU-Präsidentin Sabine Kunst, es sei positiv angekommen, wie die ISW-ler mitwirken wollen. "Wie und in welchem Gremium ist noch zu diskutieren," so Kunst. "Es gilt natürlich nicht nur für diesen Fachbereich, sondern für die Gesamtuni, dass Studierende noch mehr Einfluss als bisher auf die Lehre bekommen sollen - wie das strukturell umzusetzen ist, ist in den nächsten Monaten zu erarbeiten."

Hauptsache, die Motivation des Protests werde ernst genommen, findet FZS-Vorstandsfrau Gratz: "Das sind keine Chaotinnen, die Räume besetzen, sondern Leute mit einem deutlichen Bild davon, wie sie sich einbringen wollen."

Das zeigte auch der Slogan, der im besetzten ISW an den Wänden hing. Angelehnt an den alten Hausbesetzerspruch "Macht kaputt, was euch kaputt macht" von Rio Reiser stand auf ihren Postern: "Bau auf, was dich aufbaut". Ob die FU-Protestler das schaffen, müssen sie allerdings erst beweisen.
http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/protest-an-universitaeten-aufstand-in-den-lernfabriken-a-1144628.html

Kuddel

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Re:Studentendemos & Unistreiks
« Antwort #197 am: 12:09:16 Mi. 26.Juli 2017 »
Zitat
Proteste gegen Razzia an Frankfurter Universität
Beamte durchsuchten Räume der Studierendenvertretung nach einem Anschlag auf das Maritim-Hotel. Der Asta legt nun Rechtsmittel ein


Ein Großaufgebot der Polizei stürmte am Abend des 13. April den Campus der Goethe-Universität und durchsuchte die Räume der Redaktion der Studierendenzeitung »diskus«, des Flüchtlingsprojekts Shelter sowie das Studierendenhaus. Alle dort Anwesenden konnten das Gebäude erst nach einer Personalienfeststellung verlassen. Auch die Mitglieder des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) waren davon betroffen, der in dem Gebäude seine Büros hat. Vergeblich forderten sie mit Verweis auf ihr Hausrecht die Vorlage eines Durchsuchungsbefehls und verlangten ein Protokoll der beschlagnahmten Gegenstände. Während des Polizeieinsatzes wurde ihnen der Zugang zum Studierendenhaus verweigert.

Der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) verteidigte die Polizeimaßnahmen ohne Durchsuchungsbefehl. In der Antwort auf eine Kleine Anfrage des hessischen Landtagsabgeordneten der LINKEN Hermann Schaus erklärte Beuth, die Polizei sei auf der Suche nach einer Personengruppe gewesen, die aus Protest gegen eine AfD-Veranstaltung im Maritim-Hotel die Fassade des Gebäudes beschädigt habe und anschließend in Richtung Campus geflohen sei.

Während der Razzia wurden zwei Personen kurzzeitig festgenommen. Darunter befand sich ein Geflüchteter, dem ein Verstoß gegen das Aufenthaltsgesetz vorgeworfen wurde. Beuth bestätigte auch, dass Mitgliedern des Asta-Vorstands während der Razzia kein Zutritt zu den Gebäuden gewehrt worden sei. Ein Protokoll der beschlagnahmten Gegenstände sagte er zu, wenn diese vollständig dokumentiert seien.

Für den stellvertretenden Asta-Vorsitzenden Johannes Fechner bleiben auch nach der Antwort des Innenministeriums viele Fragen offen. »Die Darstellungen von Peter Beuth zur Durchsuchung des Studierendenhauses sind unstimmig«, sagte er und nannte zwei Beispiele: Entgegen Beuths Darstellung habe der Asta sehr wohl Widerspruch gegen den Polizeieinsatz eingelegt. Zudem seien von der Durchsuchung nicht nur das Studierendenhaus, sondern weitere universitäre Gebäude auf dem Campus betroffen gewesen. Deshalb besteht der Asta auf einer sofortigen Akteneinsicht und kann die Verzögerungen nicht nachvollziehen.

»Für die Akteneinsicht gilt in der Regel eine Drei-Tage-Frist, wir warten nun schon mehrere Monate«, betonte Fechner. Er erinnert daran, dass der Asta bereits am 12. Mai das erste Mal Akteneinsicht verlangt und die Forderung am 1. Juli erneuert habe. Es habe nicht einmal eine Antwort gegeben.

Gegenüber der »Frankfurter Rundschau« erklärte ein Vertreter der ermittelnden Staatsanwaltschaft, dass einer Akteneinsicht durch den Asta nichts mehr im Wege stehe. »Ist es eigentlich der übliche Amtsweg, dass wir das aus der ›Frankfurter Rundschau‹ erfahren, während unsere beiden Anträge auf Akteneinsicht unbeantwortet blieben?«, monierte der Asta-Vertreter.

Der Polizeieinsatz dürfte Politik und Justiz noch länger beschäftigen. Der Asta hat Rechtsmittel gegen die Razzia eingelegt. Auch die dort gesammelten Daten sollen vernichtet werden. In Schweigen hüllen sich weiterhin die Grünen. Die Partei, die sonst immer sehr auf Bürgerrechte pocht, regiert sowohl in Hessen als auch in Frankfurt mit.
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1058608.proteste-gegen-razzia-an-frankfurter-universitaet.html

Kuddel

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Re:Studentendemos & Unistreiks
« Antwort #198 am: 17:56:15 Fr. 20.Oktober 2017 »
Zitat
Braunschweig
HBK-Streik: Jetzt reicht's den Professoren




Braunschweig. Der Streik der Studierenden an der HBK in Braunschweig schlägt große Wellen: Jetzt haben sich alle hauptamtlich Lehrenden der Studiengänge Visuelle Kommunikation, Design in der Digitalen Gesellschaft und Transformation Design in einem Schreiben deutlich von der Drohung der Hochschulleitung, das Atelier räumen zu lassen, distanziert.

"Wir sind entsetzt über die Eskalation der Situation an unserer Hochschule", heißt es in der Mail, die news38.de vorliegt. Die Professoren erklärten sich in ihrem Schreiben mit den Studierenden solidarisch und forderten die Leitung auf, ein Konzept zu entwickeln, "um optimale Arbeitsbedingungen zu schaffen".

Mit der Mail schlagen sich die Professoren auf die Seite der Studierenden und erklären sich mit dem Handeln der Hochschulleitung nicht einverstanden.
https://www.news38.de/braunschweig/article212296537/HBK-Streik-Jetzt-reichts-den-Professoren.html

Kuddel

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Re:Studentendemos & Unistreiks
« Antwort #199 am: 21:35:14 Sa. 04.November 2017 »
Die Kämpfe an den Unis haben Geschichte.


(Zur Erinnerung!)

Kuddel

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Re:Studentendemos & Unistreiks
« Antwort #200 am: 17:20:26 Mi. 28.Februar 2018 »
Zitat
Streik auf dem Campus
An britischen Universitäten geht nichts mehr: Lehrende und Studierende wehren sich gegen Rentenkürzungen



Tausende Studentinnen und Studenten gingen in vielen Städten Großbritanniens für die Ziele des Streiks auf die Straße
https://www.jungewelt.de/artikel/327853.streik-auf-dem-campus.html

Kuddel

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Re:Studentendemos & Unistreiks
« Antwort #201 am: 10:02:42 Fr. 30.März 2018 »
Zitat
Frankreich
Gewalt an Uni - Professoren in Gewahrsam

Vermummte schlagen nachts in einem Hörsaal auf Studenten ein. Daraufhin nimmt die Polizei zwei Professoren in Gewahrsam. Die Uni im französischen Montpellier erschüttert ein seltsamer Vorfall.


Nach einem gewaltsamen Übergriff auf protestierende Studenten an einer Universität im französischen Montpellier sind zwei Professoren suspendiert worden. Das gab Hochschulministerin Frédérique Vidal am Donnerstag bekannt. Zu den Suspendierten gehöre auch der zurückgetretene Dekan der Jura-Fakultät.

Er und ein Professor der Rechtsgeschichte waren am Mittwoch auch in polizeilichen Gewahrsam genommen worden, wie unter anderem die Zeitung "Le Monde" unter Berufung auf den zuständigen Staatsanwalt berichtete.

Der Dekan war kurz nach den Ereignissen zurückgetreten. Studenten hatten ihn in französischen Medien beschuldigt, den Angreifern eine Tür zum Hörsaal geöffnet zu haben. Der Professor der Rechtsgeschichte habe auf Studenten eingeschlagen. Zeugen berichteten der Zeitung "La Libération", ihn an seinen Lederhandschuhen erkannt zu haben.
http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/frankreich-gewalt-an-universitaet-professoren-suspendiert-a-1200577.html

Kuddel

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Re:Studentendemos & Unistreiks
« Antwort #202 am: 09:51:53 Sa. 07.April 2018 »
Zitat
Proteste in Frankreich - Studenten blockieren Universitäten

Eine geplante Hochschulreform hat unter französischen Studenten großen Unmut ausgelöst. Der Bildungsbetrieb setzt mancherorts komplett aus.


Mit Protesten gegen eine geplante Hochschulreform haben Studenten in Frankreich an rund zehn Universitäten den Bildungsbetrieb teils oder ganz lahmgelegt. Mancherorts hielten die Studenten seit Tagen ganze Uni-Gebäude blockiert, wie die Zeitung "Le Figaro" berichtet.

Der Protest der Studenten richtet sich gegen geplante neue Zugangsregeln zu den Hochschulen. Kritiker sehen darin die Gefahr einer neuen Elitenbildung. Im Zuge der Proteste kam es bereits mehrfach zu Gewaltausbrüchen.
https://www.zdf.de/nachrichten/heute/proteste-in-frankreich-studenten-blockieren-universitaeten-100.html

Es wird Zeit, daß die Ruhe an deutschen Unis aufhört.

ManOfConstantSorrow

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Re:Studentendemos & Unistreiks
« Antwort #203 am: 17:10:31 Sa. 07.April 2018 »
So soll es sein!

Zitat
Frankreichs Protestwelle erreicht die Unis

Studenten und Schüler wehren sich gegen die Bildungsreform und schließen sich der streikenden Bahngewerkschaft an.



Studenten streiken in Frankreich gemeinsam mit den Eisenbahnern, hier bei einem Protestmarsch in Paris am 3. April.

„Saint-Denis ist wütend! Saint-Denis ist wütend!“ hallt es über den leergefegten Platz vor der Kathedrale in Saint-Denis, im Norden von Paris. Das Viertel ist großräumig abgesperrt an diesem Donnerstagabend, vor den rechteckigen Polizeigittern sammelt sich eine schreiende Menge. Auf der anderen Seite der Absperrung liegt das renommierte Gymnasium der „Ehrenlegion“, wo heute Abend ein Konzert zu Ehren des französischen Präsidenten Emmanuel Macron stattfindet. Drinnen Eltern und Schülerinnen der Privatschule, draußen circa 300 wütende Eltern, Schüler und Studis: „Das Geld ist da, es ist nur falsch verteilt!“, rufen sie und machen ihrem Ärger mit lauten Buh-Rufen Luft, als der schwarze Mercedes des Präsidenten vorfährt.

Ihre Wut richtet sich gegen die geplante Bildungsreform der Macron-Regierung, aber auch gegen ein Schulsystem, das nirgends in Europa so elitär und gespalten ist wie in Frankreich. Stellt man sich einen Nachmittag vor eine Schule im Herzen der Stadt und vergleicht die Kinder dort mit denen, die in der Banlieue (Vorort) zur Schule gehen, ist der Unterschied schwer von der Hand zu weisen: Außerhalb der Stadt kommt selten ein weißes Kind aus dem Schultor. In den vorstädtischen Gegenden wie Saint-Denis bricht laut einer Studie der Bundeszentrale für politische Bildung jedes zweite Kind nach dem niedrigsten Schulabschluss, also der 10. Klasse, die Schule ab. An die Uni schaffen es die wenigsten. Weiße Kinder gingen auf die guten Schulen, bekämen die bessere Betreuung und hätten deshalb viel höhere Chancen als Kinder aus der Banlieue, beklagt ein Vater mit einer Trillerpfeife um den Hals. Wären da nicht die Absperrungen, würde er sich „den Präsidenten mal vorknöpfen“, sagt er.

Das Regierungsprojekt „Orientierung und Erfolg“ wird den Zugang zur Uni erschweren und die treffen, die jetzt schon benachteiligt sind

Es liegt eine Anspannung in der Luft, die sich derzeit in ganz Frankreich ausbreitet. Macrons Reform-Welle treibt nicht nur die Bahn-Gewerkschaften auf die Straße, sondern zunehmend auch die Jugend. Denn so langsam wird klar, was sein Gesetzesprojekt „Orientierung und Erfolg“ im Klartext bedeutet: Der Zugang zu bestimmten Studiengängen soll beschränkt werden, Stipendien werden nicht mehr an Bedürftigkeit, sondern an Leistung gekoppelt und die Selektionsmechanismen bei einer Bewerbung werden extrem verstärkt – was insbesondere Jugendliche aus sozial schwachen Einzugsgebieten betreffen wird, deren Abschlüsse als „weniger wert“ abgelehnt werden können.


Seit zwei Wochen werden in ganz Frankreich mehr als 30 Universitätsgebäude besetzt oder kurzzeitig blockiert. Hier die Universität Paris 8 im Norden von Paris.

Während Macron an diesem Donnerstagabend in der Privatschule ein hoch abgesichertes Konzert besucht, wird deshalb aus Protest knapp einen Kilometer weiter die Universität Paris 8 blockiert. Barrikaden aus Tischen, Stühlen und Metallgittern versperren seit Montag die 13 Eingänge der Universität im Norden von Paris. Die Uni entstand aus der 68er-Bewegung und dem Wunsch nach einem offenen Ort, an dem alle die Möglichkeit haben, frei und selbstbestimmt zu lernen. Noch heute studieren hier Menschen ohne Papiere, die Kurse sind offen und es herrscht kaum Anwesenheitspflicht. Wenn Macrons Gesetz in Kraft tritt, wäre mit all diesen Freiheiten Schluss.

„Dieser Kampf ist wichtiger als irgendeine Note“

„Das französische Unisystem ist elitär genug, wir brauchen nicht noch mehr Zugangsbeschränkungen“, sagt Léa, 20, die seit zwei Jahren Psychologie an der Paris 8 studiert. Die Studentin sieht etwas müde aus und schaut immer wieder auf ihr Smartphone. Sie habe in einem der Hörsäle übernachtet, aber kaum geschlafen, weil sie ständig daran denken musste, dass das Gebäude jederzeit von der Polizei geräumt werden könnte. Auch wenn die Besetzung sie ein Jahr ihres Bachelor-Studiums kosten könnte, weil sie ihre Kurse nicht beenden kann, ist sie überzeugt: „Dieser Kampf ist wichtiger als irgendeine Note. Und wer sich darüber beschwert, dass die Uni mal eine Woche zu hat, sollte sich echt überlegen, in was für einer Welt er leben möchte.“


Studenten besetzen einen Hörsaal der Universität Paris 8 – manche übernachten sogar dort.
https://www.jetzt.de/politik/gegen-macrons-bildungsreform-proteste-an-universitaeten-in-frankreich
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Re:Studentendemos & Unistreiks
« Antwort #204 am: 09:27:42 Fr. 13.April 2018 »
Zitat
Polizei räumt besetzte Pariser Uni

Frankreichs Regierung setzt eine Hochschulreform durch. Kritiker sehen darin die Gefahr neuer Elitenbildung. Es kommt zu Protesten und Uni-Besetzungen.
Auch an der Pariser Sorbonne-Universität kam es zu Protesten.

Die Polizei hat nach Medienberichten die von Studenten besetzte Pariser Sorbonne-Universität geräumt. Aus Protest gegen eine Hochschulreform hatten Studenten mehrere Universitäten im ganzen Land besetzt. Präsident Emmanuel Macron sagte TF1, es seien weniger Studenten als "professionelle Aufwiegler", die an den Hochschulen für Unruhe sorgten.
https://www.zdf.de/nachrichten/heute/proteste-gegen-hochschulreform-polizei-raeumt-besetzte-pariser-uni-100.html
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Re:Studentendemos & Unistreiks
« Antwort #205 am: 15:29:46 Do. 19.April 2018 »
Zitat
Studenten-Proteste! Universität Hamburg bleibt weiter besetzt
Fachbereich Sozialökonomie soll noch bis Freitag besetzt bleiben


Hamburg - Studierende des Fachbereichs Sozialökonomie an der Universität Hamburg wollen ihre Gebäude-Besetzung aus Protest gegen Geldstreichungen bis mindestens Freitag fortsetzen.

In einer Vollversammlung am Mittwochabend sei dies mit großer Mehrheit entschieden worden, sagte Annika Trommeter am Donnerstag als Beteiligte an der Aktion.

Das im besetzten Gebäude ansässige Verwaltungspersonal habe seine Arbeit zwar wieder aufgenommen, der Lehrbetrieb werde aber weiterhin bestreikt. Ein finanzielles Angebot, das die Hochschulleitung den Besetzern zuvor gemacht hatte, sei von den die Studierenden in seiner jetzigen Form abgelehnt worden.

"Wir begrüßen aber die Bereitschaft der Universitätsleitung, mit uns Gespräche zu führen und stehen weiterhin mit ihr in Verhandlung", sagte Trommeter. Am Freitagnachmittag sei eine Demonstration durch die Innenstadt geplant, mit der die Studierenden gegen eine generelle Unterfinanzierung des öffentlichen Sektors protestieren wollen. "Dies ist kein reiner Studentenprotest. Wir rufen auch Nicht-Studierende auf", betonte Trommeter.

Die Besetzung des VMP 9-Gebäudes hatte am Dienstag begonnen. Am folgenden Tag solidarisierten sich Studierende der Sozialwissenschaften mit den Besetzern und sperrten Teile ihrer Fakultät ebenfalls ab.

Auslöser der Proteste waren Kürzungen bei der Orientierungseinheit um rund 60 Prozent. In der Orientierungswoche werden die Studierenden über Inhalte und Anforderungen ihres Fachbereichs informiert.
https://www.tag24.de/nachrichten/studenten-protest-universitaet-hamburg-weiter-besetzt-demonstration-fachbereich-sozialoekonomie-532701

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Re:Studentendemos & Unistreiks
« Antwort #206 am: 08:33:06 Sa. 28.April 2018 »
Zitat
Proteste in Mexiko nach Morden an Filmstudenten

Seit dem Tod drei vermissten Filmstudenten reißen die Proteste gegen die Gewalt in Mexiko nicht ab


Guadalajara, Mexiko. Nach Bekanntwerden des Todes der drei vermissten Filmstudenten Javier Salomón Gastélum (25), Marco Ávalos (20) und Jesús Daniel Díaz (20) ist es am Dienstag in der Hauptstadt des mexikanischen Bundesstaates Jalisco zu Protestmärschen gekommen. Die Beteiligten forderten Gerechtigkeit für die drei ermordeten Studenten, die mutmaßlich Opfer des Drogenkartells Jalisco Nueva Generación wurden.

Am 19. März verschwanden in Jalisco drei Studenten der Universidad de Medios Audiovisuales. Für ein Filmprojekt befanden sie sich in einer kleinen Hütte in Tonalá, die zuvor einmal im Besitz einer kriminellen Gruppe war. Mutmaßliche Mitglieder des Kartells Jalisco Nueva Generación beobachteten sie. Auf dem Rückweg nach Guadalajara hielten mehrere bewaffnete Männer das Auto der Studenten an und entführten, folterten und ermordeten sie. Ihre Leichen wurden anschließend in Säure vernichtet. Überreste der drei Filmstudenten wurden in den vergangenen Tagen entdeckt.

Empörung und Frustration über einen weiteren Fall von entführten und ermordeten Studenten in ihrem Land brachte am Dienstag viele Mexikaner in Guadalajara zu einer Demonstration zusammen. Mit Parolen wie "Ruhet in Frieden, denn den gibt es hier in Jalisco nicht" gingen sie auf die Straßen. Es wurde auch an die 43 Studenten aus Iguala erinnert, die seit 2014 verschwunden sind und Gerechtigkeit für die Todesopfer gefordert. Zudem wurde der Rücktritt von Gouverneur Aristóteles Sandoval verlangt.

Unter dem Hashtag #NoSonTresSomosTodxs ist der Protest auch in den Sozialen Netzwerken vertreten. Tausende drücken ihr Mitgefühl und Entsetzten aus und fordern, dass die schrecklichen Gewalttaten endlich ein Ende haben. Unter ihnen auch der bekannte Filmregisseur Guillermo del Toro und Schauspieler Gael García Bernal. Weitere Protestmärsche von Studenten sind in den nächsten Tagen zu erwarten.
https://amerika21.de/2018/04/199922/proteste-mexiko-mord-filmstudenten
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Re:Studentendemos & Unistreiks
« Antwort #207 am: 08:47:55 Fr. 15.Juni 2018 »
Zitat
Polen
Studenten-Proteste gegen geplante Hochschulreform

Polens rechtskonservative Regierungspartei PiS will nach Justiz und den Medien jetzt auch die Hochschulen reformieren: Elite-Universitäten nach angelsächsischem Vorbild soll es geben, bessere Qualität, Stipendien. Doch viele Studierende sind skeptisch. Sie fürchten den Einfluss der Politik.




Viele Studierende der ehrwürdigen Warschauer Universität bleiben immer noch erstaunt vor dem Gebäude des Rektors stehen, halten ihre Smartphones hoch und knipsen: Seit Jahrzehnten hat es hier keinen großen Protest mehr gegeben - nun hängt der Balkon des sogenannten Kazimierz-Palasts voll mit Spruchbändern und einer Regenbogenflagge.

Das sogenannte "Akademische Protest-Komitee" hat im Palast einen Streik organisiert - Studierende, die sich von den offiziellen studentischen Vertretungen nicht angemessen repräsentiert fühlen. Zu ihnen gehört Ida Slezak, eine 22-jährige Philosophie-Studentin. Ihre Kritik: Die geplante Hochschulreform solle Elite-Universitäten nach angelsächsischem Vorbild schaffen:

"Die großen Universitäten sollen noch stärker werden - zu Lasten der kleineren Hochschulen. Da scheint es paradox, dass ausgerechnet wir hier in Warschau mit dem Protest begonnen haben. Wir haben von Anfang an gehofft, dass sich kleinere Hochschulen anschließen."

"Anschlag auf unsere Unabhängigkeit"

Das ist inzwischen passiert: Auf einem Band, das vom Balkon hängt, stehen zehn andere Städte, wo Studierende protestieren.

Dabei gehe es nicht nur ums Geld, sondern auch um die Autonomie der Hochschulen, meint Aleks Wojtowicz:

"Die Reform bedeutet, dass wir uns ins feudale Zeitalter zurückbewegen. Politiker werden mitbestimmen, was hier passiert. Das ist ein Anschlag auf unsere Unabhängigkeit."

Damit spricht Aleks die Beiräte an, die künftig die Geschicke der Universitäten wesentlich mitbestimmen sollen. Denn sie sollen überwiegend von Personen besetzt werden, die nicht der Hochschule angehören. Die Befürchtung: Die Universität wird dorthin vor allem Personen berufen, die der Regierung nahestehen. Denn von dort kommt letztendlich das Geld für den Hochschulbetrieb.

"Immer noch müssen wir um Elementares kämpfen"

Der Vorwurf lautet also nicht, dass die Regierung den Hochschulen unmittelbar vorschreiben wolle, was geforscht und gelehrt wird. Aber über die Beiräte könnte sie die Richtung verändern, in der sich die Universität bewegt - und bestimmte Schwerpunkte setzen.

Der 25-jährige Aleks studiert an der Kunstakademie, die sich dem Protest angeschlossen hat. Einige Studierende von dort haben einen nackten Mann auf einem Stuhl vor das Gebäude geschoben - eine Gipsfigur.

"So geduckt wie er dasitzt, drückt er eine gewisse Resignation aus. 40 Jahre sind die großen Studierendenproteste von 1968 her (Anm. d. Redaktion: Es sind 50 Jahre) - und immer noch müssen wir um elementare Dinge kämpfen."

Minister verspricht mehr Qualität und Stipendien

Hochschulminister Jaroslaw Gowin hat seiner Reform den Titel "Verfassung für die Wissenschaft" gegeben. Sein Ziel ist es, dass die Qualität der Lehre und der Forschung steigen soll. Dafür soll schrittweise mehr Geld aus dem Haushalt an die Universitäten fließen. Außerdem will Gowin wissenschaftliche Karrieren erleichtern: Doktoranden sollen ein Stipendium erhalten, und das Habilitationsverfahren wird vereinfacht.

In der Debatte sprach Gowin immer wieder über internationale Rankings, in denen die polnischen Universitäten weit hinten liegen.

Konkrete Folgen der Reform nur schwer abzusehen


Um das zu ändern, sollen sie effizienter werden - mit mehr Macht für den Rektor. Auch die Beiräte, die künftig an der Universität mitbestimmen sollen, verteidigt Gowin:

"Alle Mitglieder werden vom Senat der Universität gewählt. Deren Autonomie bleibt also unangetastet. Solche Organe führen nach und nach auch andere EU-Mitgliedsländer ein. Es geht darum, dass die Hochschulen weniger hermetisch werden, dass sie sich für die gesellschaftliche Umgebung öffnen."

Unter den Studierenden gehen die Meinungen indes auseinander. Viele offizielle studentische Vertretungen unterstützen die Proteste nicht. Schließlich habe die Reform auch positive Seiten, heißt es dort.

Der Dissens rührt daher, dass die konkreten Folgen der Reform nur schwer abzusehen sind.
http://www.deutschlandfunk.de/polen-studenten-proteste-gegen-geplante-hochschulreform.680.de.html?dram:article_id=420408

Kuddel

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Re:Studentendemos & Unistreiks
« Antwort #208 am: 09:42:03 So. 17.Juni 2018 »
Zitat
Die Proteste gegen das neue Universitätsgesetz in Polen drücken sich, nach der Besetzung des Rektorats der Warschauer Universität, durch weitere Besetzungsaktionen gegen zentrale Einrichtungen aus: In Poznan, Krakau, Wroclaw und Gdansk haben sich jeweils Dutzende BesetzerInnen angeschlossen. Die Universitätsgewerkschaften, sowohl von Solidarnosc, als auch des OPZZ unterstützen nunmehr diese Proteste. Demonstrationen und ähnliche Aktionen gab es auch in weiteren Universitätsstädten...
http://www.labournet.de/?p=133498

ManOfConstantSorrow

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Re:Studentendemos & Unistreiks
« Antwort #209 am: 18:25:57 Di. 11.September 2018 »
Zitat
Studierende in Mexiko: Massenprotest für eine andere Bildungspolitik – und vor allem gegen die Gewalt der politischen Banden an den Unis



Zwei Tage nachdem auf dem Gelände der Nationalen Autonomen Universität Mexikos (Unam) protestierende Gymnasiasten von Schlägertrupps mit Knüppeln und Messern angegriffen worden sind, haben am vergangenen Mittwoch zehntausende Studierende in Mexiko-Stadt demonstriert. Sie forderten die Auflösung der sogenannten Porros, gewalttätige Gruppen, die von Parteien und Hochschulleitungen finanziert werden, um studentische Proteste leichter unterdrücken zu können. Meist bestehen diese Gruppierungen selbst aus Studenten, die ihre Kommilitonen überwachen und politische Aktivitäten den Behörden und der Universitätsverwaltung melden.
http://www.labournet.de/?p=137207
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