Autor Thema: Clevere Geschäftsidee  (Gelesen 11707 mal)

ManOfConstantSorrow

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Clevere Geschäftsidee
« am: 18:06:06 Do. 04.Dezember 2003 »
Ich habe mich heute gleich in eine ganze Reihe von Gesprächen verwickeln lassen, die mir wirklich die Haare zu Berge stehen ließen.

Es sind scheinbar massig Leute von Arbeits- und Sozialamt derart eingeschüchtert (und vielleicht auch sonst verzweifelt genug), um auf irgendwelche Bauernfänger hereinzufallen.

Ich hab jetzt noch Kopfschmerzen von diesem Gewäsch von "clevern Geschäftsideen"! Man läßt sich reinlegen von windigen Geschäftemachern um anschließend irgendwelche Produkte zu vertreiben. Magnettherapien, die gegen alle körperlichen und seelischen Gebrechen helfen, Nahrungsergänzungen, die gegen die Mangelernährung der Industriegesellschaften anwirken und Reinigungsmittel, die Schmutz auch da wegbekommen wo man schon alle Hoffnung hat fahren lassen. Und vielles anderes, von dem man noch garnicht wußte, wie nötig man es braucht. Oftmals stehen dahinter Firmen, die nach dem Kettenbrief-Prinzip arbeiten, oft aus Amerika kommend mit großem psycholigischen Brimburium. Man hat es da mit "Supervisorn" zu tun, manchmal gibt es auch Treffen zum Aufputschen der Moral, je nach Betrieb gibt es manchmal auch besondere Gimmicks, wie eine Firmenhymne, Kleiderordnung oder Schulungsfilme...

Entweder hängt man dan den ganzen Tag am Computer oder Fax, man geht Leuten per Telefon auf die Nerven oder man geht Klinken putzen. Auch beliebt ist es, seinen Bekanntenkreis für die totsichere Geschäftsidee zu gewinnen. Nur muß man sich dann nicht wundern, wenn man auf einmal keine Freunde mehr hat.

Gräßlich war, mit diesen Leuten konnte man garnicht reden, sie faselten irgenetwas von "positiv denken" und versuchten einen dabei für ihr Produkt zu gewinnen!

Un zu allem Überfluß erzählte mir noch ein junger Türke, er wolle eine Firma gründen, mit der er arbeitslose Landsleute in irgenwelche Kackjobs vermitteln will. Firmenkontakte hat er schon. Jetzt will er nur noch einen Zuschuß vom Arbeitsamt.

Leute, laßt Euch nicht verarschen und hört auf Leute abzuzocken, die genauso arm dran sind, wie Ihr selbst. Selbständigkeit ist ein Holzweg! Man hat nie Feierabend und Probleme der Firma begleiten einen bis ins Bett.
Eine Ich-AG ist vielleicht noch verzeihlich, wenn man die paar Kröten mitnimmt, zumintest etwas seine Ruhe vor den Ämtern hat und darauf vorbereitet ist wieder auf dem Arbeitsamt aufzutauchen.

Mit einer eigenen Firma ist man nicht "sein eigener Herr", die Bedingungen werden von aussen diktiert und darauf hat man keinen Einfluß!
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Stinkpig

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Clevere Geschäftsidee
« Antwort #1 am: 15:20:46 Di. 16.Dezember 2003 »
yo,

welch ein unwürdiges Gejammer. Die Frage ist doch wohl nicht, was der Preis ist, "sein eigener Herr" zu sein, sondern ob man selbst bereit ist diesen Preis zu zahlen. Ich, für mein Teil, bin lieber den ganzen Tag vor dem Computer und auch in meiner Freizeit auf der Arbeit, als dass ich mich noch einmal in die Willkür des Arbeitsamt/Sozialamt oder eines Firmenchefs begeben würde.
Es ist mir klar, dass ich hierdurch viele Stunden meines Lebens opfere. Zur Alternative stehen mir jedoch nur entweder unwürdiges Arbeitsamtgekrebse oder Malochen für das Wohlergehen eines Chefs samt seiner Managerschar.
Das Angestelltendasein bringt aber noch viele weitere Nachteile, ich erwähne hier mal nur die absolut idiotische Einzahlung in die Rentenkasse oder die einkommensabhängige Einzahlung in die gesetzliche Krankenkasse, bei welcher das Solidarprinzip komplett verdreht wird.
Nur durch meine Selbständigkeit kann ich erreichen, dass von meinem erarbeiteten Lohn so wenig wie möglich in die Tasche des Finanzamts oder in andere dubiose Institutionen wie Kranken- oder Rentenkassen fliesst, da ich Zugriff auf die Moneten habe bevor es von anderen aufgeteilt wird.
Durch meine Selbständigkeit erreiche ich für meine Begriffe eine, für diese Gesellschaft, maximale Freiheit und zwar sowohl hinsichtlich der monetären Mittel als auch der persönlichen Entwicklung, denn ich bestimmte wann ich was tue.  Der Rahmen der Abhängigkeiten ist mit Sicherheit nicht größer als in einem Angestelltenverhältnis.
Ich kann verstehen, dass es nicht jedermanns/frau Sache ist, für sich selber zu sorgen, es ist wirklich viel Stress und auch eine lange Zeit an Ungewissheit dabei, aber ich finde es doch wirklich starken Tobak eine generelle Wanung auszusprechen in die Selbständigkeit zu gehen. Wer es nicht geschnallt hat, dass wir in existenzialistischen Zeiten leben soll weiterhin auf die Ämter betteln gehen oder seinen Chef in den Allerwertesten kriechen. Für alle anderen empfiehlt es sich, meiner unmassgeblichen Meinung nach, durchaus mit guten Freunden oder alleine ein wirtschaftliches Projekt zu starten und sich dadurch einen Teil seiner Unabhängigkeit zurück zu erobern. Hiermit meine ich natürlich nicht die im Posting erwähnten Tätigkeiten in einem Strukturvertrieb, hier teile ich die Meinung meines Vorredners.
Es gibt ja aber genügend andere Möglichkeiten ein Business zu starten.

Bye

Stinkpig

DeppVomDienst

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Clevere Geschäftsidee
« Antwort #2 am: 17:01:51 Di. 16.Dezember 2003 »
Hi,
will mich jetzt nicht unbedingt in die Diskussion einmischen (ich "prügel mich" z.Zt. am liebsten im Freenet-Thread bei "New Economy ...), allerdings zweierlei:

1. Da ich die Zugriffsstatistik von "chefduzen" kenne (ich bin in dem Bereich Suchmaschinen & Internetpräsenzen auch professionell selbständig tätig), kann ich sagen, dass  häufig die Suchbegriffkombination "selbständig"+"Sozialhilfe" Leute von google zu "chefduzen" führt. Ich überlasse die Interpretation dem Betrachter.

2. Mit diesen hanebüchenen Geschäftsmodellen, von denen der ManOfConstantSorrow spricht, habe ich in der Tat auch zu tun (über meinen Kundenkreis) und finde das in der Tat auch tragisch.

Das mit der "maximalen Freiheit" würde ich übrigens auch sehr relativ sehen, da man sich als Selbständiger natürlich in andere Abhängigkeiten begibt, und als abhängig Beschäftigter durch die relative Sicherheit eher die Freiheit besteht, "mal eben" einen Urlaub zu planen, während Du als Selbständiger diese Freiheit häufig nicht hast.

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Clevere Geschäftsidee
« Antwort #3 am: 00:31:39 So. 21.Dezember 2003 »
2003 möglicherweise mehr als 100 000 Insolvenzen

Wiesbaden (dpa) - Die Zahl der Insolvenzen droht nach Einschätzung des Statistischen Bundesamtes dieses Jahr erstmals die Marke von 100 000 zu überschreiten. Wenn sich der Trend von August und September in den letzten drei Monaten dieses Jahres fortsetze, werde es 2003 rund 40 000 Unternehmensinsolvenzen und mehr als 60 000 weitere Insolvenzen zum Beispiel von Verbrauchern oder ehemals Selbstständigen geben, teilte das Bundesamt in Wiesbaden mit.


Der Anstieg bei den Unternehmenspleiten hat sich allerdings abgeschwächt. Im September wurden 3266 Insolvenzen von Firmen gemeldet. Das ist ein 1,0 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Für die ersten neun Monate dieses Jahres zusammen beträgt der Anstieg dagegen 6,0 Prozent.

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen stieg im September dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr um 53,6 Prozent auf 2999. Dies gilt als eine Spätfolge der Reform des Insolvenzrechts, mit dem Verbraucherinsolvenzen erleichtert worden waren. In den ersten neun Monaten 2003 zusammen wurden 24 390 Insolvenzen von Verbrauchern gemeldet.

Die von den Gerichten ermittelten offenen Forderungen bei allen Insolvenzen waren in den ersten neun Monaten mit 32,3 Milliarden Euro um ein Drittel niedriger als im Vorjahreszeitraum. Dies dürfte nach Angaben des Amtes darauf zurückzuführen sein, dass mehr kleine Unternehmen Insolvenz anmeldeten und weniger große Firmen.


dpa/ecoline vom 19.12.2003

stinkpig

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Clevere Geschäftsidee
« Antwort #4 am: 18:13:03 Mo. 22.Dezember 2003 »
Zitat
Original von Anonymous

2003 möglicherweise mehr als 100 000 Insolvenzen

Wiesbaden (dpa) - Die Zahl der Insolvenzen droht nach Einschätzung des Statistischen Bundesamtes dieses Jahr erstmals die Marke von 100 000 zu überschreiten. Wenn sich der Trend von August und September in den letzten drei Monaten dieses Jahres fortsetze, werde es 2003 rund 40 000 Unternehmensinsolvenzen und mehr als 60 000 weitere Insolvenzen zum Beispiel von Verbrauchern oder ehemals Selbstständigen geben, teilte das Bundesamt in Wiesbaden mit.


Der Anstieg bei den Unternehmenspleiten hat sich allerdings abgeschwächt. Im September wurden 3266 Insolvenzen von Firmen gemeldet. Das ist ein 1,0 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Für die ersten neun Monate dieses Jahres zusammen beträgt der Anstieg dagegen 6,0 Prozent.

Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen stieg im September dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr um 53,6 Prozent auf 2999. Dies gilt als eine Spätfolge der Reform des Insolvenzrechts, mit dem Verbraucherinsolvenzen erleichtert worden waren. In den ersten neun Monaten 2003 zusammen wurden 24 390 Insolvenzen von Verbrauchern gemeldet.

Die von den Gerichten ermittelten offenen Forderungen bei allen Insolvenzen waren in den ersten neun Monaten mit 32,3 Milliarden Euro um ein Drittel niedriger als im Vorjahreszeitraum. Dies dürfte nach Angaben des Amtes darauf zurückzuführen sein, dass mehr kleine Unternehmen Insolvenz anmeldeten und weniger große Firmen.


dpa/ecoline vom 19.12.2003


na und, was soll uns das sagen?
weisst du was eine Insolvenz ist?

Gruss

Stinkpig

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Clevere Geschäftsidee
« Antwort #5 am: 02:03:38 Di. 23.Dezember 2003 »
Zitat
Original von stinkpig

weisst du was eine Insolvenz ist?


ach nö, stinky, bißchen billig, findste nich?

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Clevere Geschäftsidee
« Antwort #6 am: 13:54:41 Di. 23.Dezember 2003 »
Zitat
Original von Anonymous

Zitat
Original von stinkpig

weisst du was eine Insolvenz ist?


ach nö, stinky, bißchen billig, findste nich?


nein, finde ich nicht. die frage war ernst gemeint.

gruss

stinkpig

  • Gast
Clevere Geschäftsidee
« Antwort #7 am: 19:03:17 Fr. 26.Dezember 2003 »
Hola Stinkpig!

Die Begriffe Solvenz wie auch Liquidität werden sowohl in der Physik, wie auch in der Witschaftssprache gebraucht. Heißt im weitesten Sinne etwas wie "flüssig sein". Dementsprechend ist Insolvenz bei Betrieben der Moment, wo sie nicht mehr flüssig sind, zu gut deutsch, wo sie pleite machen.


[code:1]Die von den Gerichten ermittelten offenen Forderungen bei allen Insolvenzen waren in den ersten neun Monaten mit 32,3 Milliarden Euro um ein Drittel niedriger als im Vorjahreszeitraum. Dies dürfte nach Angaben des Amtes darauf zurückzuführen sein, dass mehr kleine Unternehmen Insolvenz anmeldeten und weniger große Firmen. [/code:1]


Dies sagt einfach, daß immer mehr Leute, die aus der Not heraus ein Mini-Unternehmen gegründet haben schnell wieder pleite machen...

Selbständigkeit und Unternehmer sein mag vielleicht noch gut klingen, das hat aber heutzutage seinen Glanz verloren. In einigen Ländern ist der einfache Handwerker nur mit seiner Werkzeugtasche sein eigener Unternehmer. Wenn man bei der Arbeit Fehler gemacht hat oder wenn man gar krank wird ist´s dann nicht mehr das Problem der Firma, nein, dann hat man selbst ein Problem! Und auch der Schuhputzer und derjenige, der mit seinem Bauchladen Schnürsenkel, Sonnenbrillen und Schlüsselanhänger verkauft ist ein Unternehmer. In den USA stehen viele der "Selbständigen" in Armenküchen Schlange für einen Teller Suppe.

Ich verstehe das gut, wenn man man keine Lust mehr hat sich auf dem Arbeitsamt erniedrigen zu lassen und auch, daß man den Streß mit Vorgesetzten lieber entgehen möchte.

Mit Ich-AGs und Mini-Firmen geht es den meisten aber alles andere als finanziell gut. Nur man sitzt dann ganz allein da mit seinem Problem.

Ich glaube schon daran, daß Lösungen eher gemeinsam möglich sind, ich glaube an Solidarität und all diese Sachen, aber ich weiß nicht, wie man das bewerkstelligt. Ich sehe nur wie jeder allein in seiner Scheiße hängt.

Einer meiner Bekannten hat mit dem Versuch sich selbsttändig zu machen all seine Ersparnisse verloren und pendelt jetzt auch wieder zwischen Arbeitsamt und Kack-Jobs hin und her. Und ein anderer erzählte mir vor kurzem, es sei der Fehler seines Lebens gewesen sich von seinem Arbeitsamtsberater zur Selbstständigkeit quatschen zu lassen. Er mußte auch pleite machen und hat von seinen Schulden noch für die nächsten Jahre gut.


Also nen guten Rutsch ins neue Jahr
& fall nicht zu heftig auf die Schnauze mit deiner Selbsständigkeit!

Gast

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Clevere Geschäftsidee
« Antwort #8 am: 12:28:27 Fr. 13.Februar 2004 »
Viele dieser Insolvenzen sind darauf zurückzuführen, dass die Kunden nicht fristgerecht zahlen. Unter den Betroffenen befinden sich auch viele mittelständische Unternehmen. Wirklich verdienen tun dabei meist nur die Banken, welche die Kreditzinsen einstreichen... Interessanterweise ist der Bund als Kunde ebenfalls nicht sehr zahlungsfreudig, was so manchen Bauunternehmer in die besagte Insolvenz trieb.
Ich selbst bin Selbständiger und kenne die Zahlungsmoral. Die erste Mahnung wird prinzipiell abgewartet.

Jürgen

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Clevere Geschäftsidee
« Antwort #9 am: 09:04:12 Sa. 21.Februar 2004 »
Hallo,

ich finde es auch erstaunlich, was da heute so abgeht und in vielen Fällen ist die Frage, ob es sich nun um eine tatsächliche Selbständigkeit handelt oder um eine Scheinselbständigkeit.

Für mich persönlich ist das Network Marketing nichts anderes als ein Pyramidensystem, denn die Unternehmer der jeweils höheren Stufe bekommen Umsatzprovisionen der neuen angeworbenen Unternehmer der nächsten niedrigeren Stufe.
Normalerweise sind Unternehmer Konkurrenten, aber in diesem System verdient ein Unternehmer am Umsatz eines anderen Unternehmers.

Habt Ihr schon mal gehört, das Aldi am Umsatz von Lidl mitverdient ?
Ich nicht !

Da sollen dann im Verwandten- und Freundeskreis ( No Name- )Produkte zu horrenden Preisen verkauft werden und wenn in diesem Bereich  nichts mehr verkauft werden kann, sollen dann neue Unternehmer geworben werden ( an deren Umsatz man mitverdient ) oder es muss Klinken geputzt werden.

Es werden die tollsten Verdienstmöglichkeiten genannt, aber nicht 1 von diesen "tollen" Unternehmen stellt ein Menschen als Angestellten ein, weil diese Unternehmen
1. keine Verantwortung übernehmen wollen und
2. eine Menge Geld einsparen können ( SV-Beiträge, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Urlaubsgewährung, Urlaubsgeld, usw.).

Die Kosten einer Selbständigkeit ( z.B. Beiträge der Krankenversicherung mit Krankengeld ab dem 1.Tag der Krankheit ) werden heruntergespielt und bei der Frage nach einer evtl. Scheinselbständigkeit herrcht dann das schweigen im Walde !

Auch werden selbständig kalkulierenden Unternehmen Warenein- und verkaufspreise vorgegeben, obwohl jeder Unternehmer selbst am Markt verhandeln kann und selbst eine Kalkulation durcjführen muss.

Ganz kurios wird es, wenn Menschen als Unternehmer für bestimmte Direktvertriebe von gewissen Firmen arbeiten und z.B. Staubsauger verkaufen soll, obwohl der Unternehmer alle Unterlagen vom Direktvertrieb bekommt ( mit Firmenlogo ) und noch nicht einmal eigenes Briefpapier für eine eigene Rechnung seines Unternehmens existiert.
Die Unternehmer nennen an der Haustür auch nicht den Namen ihrer Firma, sondern den Namen des Direktvertriebes für das sie die Produkte verkaufen.
Auch bei diesen Direktvertrieben werden Ein- und Verkaufspreise dem selbständig kalkulierenden Unternehmer vorgeschrieben.

Anhaltspunkte für eine Scheinselbständigkeit gibt es genug.

Kritik können die Werber für solche Unternehmer überhaupt nicht vertragen und unangenehme Fragen werden sofort rhetorisch abgebügelt.

Die "Gehirnwäsche" der Marketing-Lehrgänge ist nicht zu übersehen und da viele Menschen ( geworbene Unternehmer ) nicht gerne an Haustüren die Klinken putzen ( nach dem es im Verwandten- und Freundeskreis nichts mehr zu holen gibt ), müssen natürlich ständig neue Unternehmer geworben werden, an deren Umsatz noch mitverdient werden kann.

Wenn die Werber ihr Ziel nicht erreichen, wird dann die "Rhetorik-Keule" rausgeholt, andere Menschen diffamiert oder beleidigt und ihr Konzept, als das beste der Welt dargestellt. ;-)
Da werden horrende Zahlen von Umsätzen und Gewinnen genannt, die nicht bewiesen werden.

Wenn das alles so tooollll ist und die Geschäfte sooooo gut laufen, stellt sich unweigerlich die Frage, warum solche Unternehmen nicht generell Menschen als Angestellte einstellen, wie viele andere normale Unternehmen.

Auch wird gesagt, das der Direktvertrieb ja wesentlich billiger für den Endkunden wäre, da die Kosten des Grosshandels entfallen.
Nur ist es dann sehr komisch, das vergleichbare Prrodukte im Einzelhandel wesentlich billiger sind.

Hier mal ein Beispiel für Frauen :
Kajalstift von einer sehr bekannten Firma ( J...) z.B. 7,95 Euro und der No Name-Kajalstift soll dann im Direktvertrieb für 13 Euro verkauft werden.

Wer kauft in unserer heutigen Zeit schon etwas im Direktvertrieb, wenn ein vergleichbares Produkt im Einzelhandel billiger ist ?

Wie kann es angehen, das Produkte im Direktvertrieb ( Herstellerpreis z.B. 10 % des Verkaufpreises im Einzelhandel + Kosten des Unternehmers der das Produkt vertreibt ) teurer sind, als Produkte im Einzelhandel, wenn doch die Kosten des Groß- und Einzelhandels bei dem Direktvertrieb wegfallen sollen ?

Logischerweise müssen Produkte im Direktvertrieb mind. 50 % billiger sein, als vergleichbare Produkte im Einzelhandel, weil die Produkte zum Herstellerpreis direkt an den Direktvertriebler geliefert werden und nur noch die Kosten des Direktvertrieblers dazu gerechnet werden.

Die Realität sieht aber völlig anders aus !

So, und nun können die Befürworter solcher Strukturen ihr gelerntes
Rhetorik-Gesülze rauskehren und zeigen, wie ein richtiger Verkäufer verbal auf Kritik reagiert.

Regulator

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Clevere Geschäftsidee
« Antwort #10 am: 09:41:18 Sa. 21.Februar 2004 »
Moin!

Ich wollte nur mal eine kleine Anmerkung generell in die Runde werfen...
Ich habe oft gesehen, dass Artikel hier gepostet werden. Das ist ansich eine gute Sache, da man selbst das eine oder andere überliest oder nicht darüber fällt, weil man die Zeitung oder die Seite nicht vorliegen hat. Ich würde mich aber sehr freuen, wenn nach dem Artikel, vielleicht auch nur mit einem Satz, erklärt wird wie die eigene Position zum geposteten Artikel ist.
Das wäre dann nicht mehr so trocken und man weiß was derjenige mit diesem geposteten Artikel ausdrücken will...

Gruß

Regulator
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davediddly

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Clevere Geschäftsidee
« Antwort #11 am: 00:47:54 Fr. 27.Februar 2004 »
Nun ich kenne den Strukturvertrieb aus mehreren Firmen (größtenteils weil ich auf so genannten Info-Veranstaltungen saß) und muss bei den meisten sagen: Finger weg! (und nicht wegen drauf reinfallen). Bei Firmen die eine zu große Marktdurchdringung haben und schlechte Produkte (ich nenne aus rechtlichen Gründen keine Namen) ist eh keine Chance für Neulinge, da reibt man sich nur sinnlos auf (ach, du machst das auch schon?). Es gibt im Network-Marketing wirklich qualitativ hochwertige Produkte, die nicht jeder kennt. (ist eine Frage, wie man seine Produkte vertreiben will: Geld für Werbung mit geringer Kundenresonanz oder Geld als Provision). Ich bin selbst bei 3 Strukturvertrieben tätig. In diesem Geschäft muss man allerdings auch vorsorgen: Wo sind die Märkte der Zukunft? Wer sich in einem Geschäft verrennt, macht evtl. ein paar Jahre gute Zahlen, Umsätze und damit Einkommen, es fehlt jedoch aus nachvollziehbaren Gründen die Nachhaltigkeit (wegen der Wesensgleichheit des Kettenprinzips). Mann sollte sich da auf keine Fall von Supervisionen von Freiheit, Luxus und was weiß ich blenden lassen - und vor allem nicht die Geschäfte mit anderen Sachen. Solange sich die Portfolios ergänzen oder zumindest nicht konkurrieren, kann mir keiner der Silber-; Vice, Gold- oder was auch immer für Orgaleiter oder Präsidenten und andere wohlklingende Titel reinreden als Selbstständiger. Im übrigen: ich habe auch Festangestellte in meinen Strukturen. warum sollte ich nicht die Vorteile des Einen mit den Vorteilen des anderen Geschäftes nutzen?

XHess

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Clevere Geschäftsidee
« Antwort #12 am: 03:10:43 Di. 02.März 2004 »
Also ich bin Selbständig im IT Bereich und zwar mit meiner Ich AG!

Der Grund warum ich dieses Tat war nicht der weil mich irgendeiner dazu getrieben oder gar schlimmer noch überredet hat sondern weil ich allein das wollte. Ich wollte das weil das mein Beruf ist (Berufung).
Ich denke das was ich kann gut zu können und das wird sich eben irgendwann beweisen oder auch nicht.
Nun zu behaupten alle die sich selbstständig machen haben keine Chance heutzutage, finde ich nicht angemessen. Und das ich nun nicht in den ersten 5 -20 jahren das dicke Geld mache war mir schon vor Jahren klar. Wenn man also wirklich weiss was man denkt zu können und das dann auch will um sich ein Stück freiheit wieder zu holen dann kann man sich ruhig auch selbstständig machen. Alles eine Frage der Idee!
Und die Freiheit bekommst du auch das ist gewiss, wenn es nur ein bisschen vorwärts geht.

greetz XHess

Lothar

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Clevere Geschäftsidee
« Antwort #13 am: 02:56:46 Fr. 05.März 2004 »
Auch ich werde mich im IT Bereich selbstständig machen. Ich glaube aber nicht mit einer Ich-AG. Da ich in den Shareware Bereich gehe werde ich erstmal was entwicklen (mache ich schon seit 26 Monaten) - in dieser Zeit habe ich vom AAmt gelebt - was mir übrigens genau 2 Jobs in den 26 Monaten anbieten konnte !!

Nur dadurch das ich nicht wirtschaftlich sein muss kann ich mir ein Standbein erarbeiten. Wenn ich daran denke wie ich währrend der Zeit hätte arbeiten müssen um Geld für den Lebensunterhalt zu verdienen dann wird mir nur schlecht. Mit ICH-AG wäre es nichts.

Gerade der IT Bereich ist aber der wohl am meistüberschätze Bereich zum selbständig machen. Liegt wohl auch daran das aus irgendeinem Grund die Leute ihre Zeit nicht immer als Arbeitszeit sehen und sich mal den Lohn ausrechnen wie jemand der in'ner Würstchenbude steht.

Ich würde es jedenfalls niemdan empfehlen - es sei denn er hat ganz spezielle Bedürfnisse - wie ortsunabhängiges arbeiten.

uwe

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Clevere Geschäftsidee
« Antwort #14 am: 04:16:30 So. 21.März 2004 »
die meiste zeit meines lebens war ich selbständig oder scheinselbständig. selbst als ich noch angestellt war und im osten für einen verlag den vertrieb aufbaute, war ich einzelkämpfer. ich hatte immer ein problem damit, dass mir andere, die meist weniger ahnung hatten, aber in der firmenhierarchíe über mir standen, über mein handeln bestimmen wollten. entweder sie sind besser als ich, dann sind sie mein vorbild oder sie lassen mich einfach in ruhe mein ding machen. dann kann ich auch mit chefs leben. als ich einen neuen vertriebsleiter vorgesetzt bekam, der gerade von der uni kam und bwl studiert hatte und uns aus kostengründen die spesen strich (wir sollten das von der steuer absetzen) und uns noch erklären wollte, wie man verkauft, war das für mich ein kündigungsgrund. denn buchhändler sind ein besonders völkchen, denen verkauft man nicht einfach was. wie ich von kollegen erfuhr, die bei der firma blieben, gingen auf grund der genialen einfälle dieses bürschchens die umsatzzahlen erst mal nach unten.

die warnung vor einer selbständigkeit finde ich nicht unbedingt angebracht. wer von außen sieht, dass jemand viel arbeitet, ist vielleicht geschockt. aber wenn man für das, was man gern tut, auch noch geld bekommt, ist das optimal und wird nicht als arbeit, sondern als erfüllung empfunden. ich selbst habe schon einiges gemacht und erlebt. ich weiß, wie es ist, eine insolvenz zu erleben, kenne aber auch das erhebende gefühl, in einem monat das zu verdienen, was meine mutter in zwei jahren an arbeitslosengeld ausgezahlt bekam. vielleicht bin ich eine spielernatur und bereit, risiken einzugehen, die für andere nicht tragbar sind. mir waren urlaubsregelungen, kranken- oder rentenversicherung nicht so wichtig. meine arbeit hat mich nie so angestrengt, dass ich der meinung war, jetzt in den urlaub zu müssen, die krankenversicherung ist für privatversicherte relativ günstig und bei der altersvorsorge hatte ich ein geschicktes händchen bei aktienfonds. ok, damals war ich jung und das sicherheitsdenken ödete mich einfach nur an. stellenweise hatte ich das gefühl, vor lauter sicherheit zu ersticken. aber als ich sie dann brauchte war ich natürlich froh, dass es sie gab. und heute mit frau und kind sieht das auch anders aus.

der lockersten job fand ich vor fast 10 jahren im sis des arbeitsamtes. es war ein nichtgeprüftes angebot. die firma vertrieb als partner der telekom die kostenlosen service-nummern. wie damals die isdn-verträge wurden diese verträge bei abschluss dem kunden mit 1000 dm vergütet. er hatte sozusagen die grundgebühr für ein jahr drin und noch was übrig. man konnte als kunde nichts falsch machen. jeden tag erhielt ich vom callcenter meine termine, die ich abfuhr. da war ich zwar fast 12 stunden täglich unterwegs, hatte aber einen riesenspass dran und wusste abends genau, wieviel ich verdient hatte. der erste monat war schlecht. da waren es nur 7000 mark. aber in den nächsten 5 monaten jeweils 20 000. dann wurde der telekom wohl der erfolg zu unheimlich und sie stellte die zuzahlung für den kunden ein, wie das bei isdn, nachdem genügend verträge abgeschlossen waren, ja auch geschah. von dem verdienten geld machte ich erst mal zwei jahre urlaub. tja, selbständigkeit kann auch schön sein. zu den schlechten erfahrungen werde ich auch noch was schreiben, aber ich weiß nicht, wo ich das unterbringen soll. da handelt es sich um dem verkauf von warentermingeschäften am telefon.

bei strukturvertrieben habe ich nie mitgemacht. für mich gibt es als verkäufer eine bestimmte ethik und man begegnet sich ja meist zweimal im leben. ich möchte, dass meine kunden zufrieden sind und mich nicht von den hunden hetzen lassen, wenn ich ihnen wieder über den weg laufe. bei den meisten produkten, die im netzwerk vertrieben werden, bestünde jedoch die gefahr, dass dies geschieht, wenn die kunden merken, was ihnen verkauft wurde. vielleicht habe ich nicht so viel verdient wie andere, die skrupelloser waren. aber wenn ich meine kunden später mit einem neuen produkt besuchte oder sie anrief hatten sie stets ein offenes ohr und sagten: "ich hoffe, diesmal bringen sie mir wieder so was gutes wie beim letzten mal.", oder wir quatschten gemütlich bei einer tasse kaffee über die alten zeiten.  mit dieser strukturvertriebsform erreicht man eine rasche marktdurchdringung und es können werbekosten gespart werden. doch auf jeder stufe der vertriebsleiter will jemand was verdienen, was diese produkte teurer als nötig macht. die ersparnis durch die fehlende werbung rechnet sich für den hersteller, aber nicht für den kunden.

der andere punkt ist, dass man gut verdient in diesem system, wenn man weit oben in der pyramide sitzt. mit dem richtigen produkt, dem richtigen zeitpunkt und intensivem einsatz ist es möglich, dorthin zu kommen. ein kollege von mir arbeitete in der aggressiven struktur, die eine ungeliebte aber hochertragreiche tochter jener gruppe ist, für die herr kaiser durchs fernsehen lief oder noch immer läuft. er verdiente im monat 200 000 mark. um seine leute bei laune zu halten, flog er gelegentlich mit ihnen für zwei wochen mit der concorde nach jamaika oder sie mieteten ein flugzeug für sich und flogen nach moskau. eines tages beim landeflug standen sie mit dem champus in der hand und die stewardess sagte, sie müssten sich hinsetzen und anschnallen, weil der kapitän sonst noch mal durchstarten müsse und das würde sehr teuer für sie werden. weil manfred und seine gang gerade in feierlaune waren, fragte er, was durchstarten denn koste.30 000 dollar. nach dem vierten mal durchstarten landeten sie dann.

für manfred und seine truppe war das leben als selbständige eine einzige party. vorher war er kürschnermeister mit eigenem laden, hatte aber die nase davon voll, dass ihm tierschützer ständig die scheiben einschmissen. aber auch für ihn fand die party ein jähes ende. bei seinem vertrieb gab es sechs stufen. er befand sich auf der vierten und setzte an, im nächsten monat die fünfte zu erklimmen. dazu kam er nicht mehr. ich denke, jeder hier weiß, wie so ein vertrieb funktioniert. deshalb schildere ich es nur kurz. die oberen stufen verdienen an der arbeit der darunterliegenden. wenn jemand fleißig ist und sich hocharbeitet und mit seiner struktur mehr erwirtschaftet als der über ihm stehende, verdient der über ihm nichts mehr an dessen struktur und wird (so ist es in manchen firmen üblich herabgestuft). was geschah also. manfred wurde gefeuert und der typ über ihm übernahm dessen leute. allerdings hatte er nicht viel davon, da die jungs dermaßen auf ihn fixiert waren, dass sie die firma ebenfalls verließen. ich lernte manfred ende 99 in einer bude kennen, wo wir optionen am telefon verkauften. dort wurde er, wie ich, um grandiose 40 000 mark beschissen. dazu später mehr.

was mir noch an strukturvertrieben ein dorn im auge ist, sind die idiotischen motivationsansprachen. wie blöde muss man sein, um den quatsch zu glauben? wer es erlebt hat, weiß was ich meine. aber da unser land von verrückten regiert wird, die das volk repräsentieren, finden sich immer wieder genug dumme, die da mitmachen. mich erinnert das geseiere bei diesen anfeuerungsreden immer an diese unhörbaren radiosender, die alle zehn minuten verkünden, dass sie die besten sind und die größten hits spielen. entweder sie spielen die hits und jeder bekommt es mit, dann bräuchten sie es aber nicht immer wieder betonen oder sie müssen es sich und dem bekloppten hörer ständig auf´s neue suggerieren.

wer sich selbständig machen will, sollte bereit sein, ein risiko einzugehen und trotzdem ruhig dabei schlafen können, sonst ist er in absehbarer zeit krank. zudem sollte er für das, was er tut brennen, also nicht aus mangel an alternativen oder weil der arbeitsamtsfuzzi so nervt, sonst bringt man nicht die nötige ausdauer und den biss mit und kriegt keinen fuß auf den boden. und jetzt noch was zur ehrenrettung der strukturvertriebe. vor einem jahr habe ich einen absolut fairen vertrieb entdeckt, wo man keine monatliche mindestmenge erwirtschaften oder anfangs einen haufen kohle investieren muss. das wäre vielleicht der einzige, für den ich mich begeistern kann. da ich aber, ironie des schicksals, seit zwei jahren agoraphobiker bin und das haus nicht verlassen kann, muss ich damit trösten, dass ich weiß, dass es da was gäbe.....

uwe