Autor Thema: Pflegenotstand in Deutschland  (Gelesen 18905 mal)

Kuddel

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Pflegenotstand in Deutschland
« am: 19:06:53 Mo. 25.März 2013 »
Zitat
Pflegenotstand in Deutschland
Pflegepersonal aus der Schwestern-Fabrik

Von Stefan Sauer


Weltweit gefragt: das gut ausgebildete Pflegepersonal von den Philippinen. Das Land gilt als Schwestern-Fabrik, die Fachkräfte werden dort an rund 400 Einrichtungen ausgebildet.

Die Bundesregierung will Fachpersonal von den Philippinen für die hiesigen Altenheime anwerben. Doch mit der Suche im Ausland allein lässt sich die Nachfrage nach Arbeitskräften nicht befriedigen. In der Heimat der Arbeitsmigranten wiederum leiden die Familien.

Die Zahlen umschreiben eine dramatische Situation. 10.000 offenen Stellen stehen 3600 Arbeitssuchende mit geeigneter Qualifikation gegenüber. Ein freiwerdender Arbeitsplatz bleibt im Schnitt mehr als vier Monate unbesetzt. In keinem anderen Berufsfeld herrscht ein so akuter Fachkräftemangel wie in der Altenpflege. Dabei spiegeln die Statistiken der Bundesagentur für Arbeit (BA) nur einen Teil des Problems. Nach Angaben des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste fehlen aktuell tatsächlich rund 30.000 qualifizierte Beschäftigte im Pflegebereich.

Maßnahmenbündel für gezielte Anwerbung

Dieses Defizit, da sind sich alle Fachleute einig, kann absehbar nicht allein durch inländische Pflegerinnen und Pfleger abgedeckt werden. Vor diesem Hintergrund haben sich Bund, Länder und Pflegeverbände im Dezember 2012 auf ein Maßnahmenbündel geeinigt, das die gezielte Anwerbung qualifizierten Personals in Ländern außerhalb der EU vorsieht. In der vergangenen Woche unterzeichnete die Bundesagentur eine Vereinbarung mit der philippinischen Arbeitsverwaltung: Im fernöstlichen Inselstaat reichlich vorhandene Pflegefachkräfte sollen in Deutschland den eklatanten Mangel lindern. Der Bedarf sei „auch mit Blick auf die Zukunft so groß, dass wir nicht nur alle inländischen und europäischen Potenziale ausschöpfen dürfen, sondern auch auf dem internationalen Arbeitsmarkt aktiv für Karrieren in Deutschland werben müssen“, befand Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

In der Tat ist es vor allem die Entwicklung in den kommenden Jahrzehnten, die Zuwanderung von Pflegepersonal in nennenswerter Größenordnung unausweichlich erscheinen lässt. Die Zahl der Pflegebedürftigen von derzeit rund 2,5 Millionen wird bis zum Jahr 2020 voraussichtlich auf 2,9 und bis 2040 auf 4,2 Millionen ansteigen. Damit wächst auch der Personalbedarf. Schätzungen gehen für 2020 von bis zu 220.000 fehlenden Pflegekräften aus. Ein Jahrzehnt darauf, so prognostiziert es die Bertelsmann Stiftung, werden bis zu 500 000 Stellen im Pflegebereich nicht besetzt werden können. Nur um die Dimensionen zu verdeutlichen: Derzeit sind laut Bundesagentur 573.000 examinierte Pflegerinnen und Pfleger sowie Altenpflegehelfer in Deutschland beschäftigt.

Fatale Konsequenzen

Dass bei solchen Prognosen der inländische Nachwuchs nicht ausreicht, ist klar: 2011 befanden sich im privaten Sektor bundesweit 21.400 junge Leute im ersten Ausbildungsjahr zur Altenpflegefachkraft. Hinzu kamen 5100 Altenpflege-Schüler, die mit Unterstützung der Bundesagentur eine Ausbildung begannen. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Anfänger nach vorläufigen Angaben leicht auf 5600.

Hieraus einen Trend abzuleiten, wäre indessen verfehlt. 2009 hatten noch 7000 junge Menschen gefördert von der Bundesagentur eine Pflegeausbildung begonnen, 2010 waren es sogar 9200. Der starke Rückgang seither ist Folge der insgesamt deutlichen Reduzierung aktiver Arbeitsmarktpolitik durch die Bundesregierung. Politik aus einem Guss sieht anders aus. Für den Pflegebereich hat das fatale Konsequenzen. Denn auch die Zuwanderung wird, trotz der schönen Worte von ministerieller Seite, den Mangel nicht beheben. Auch wenn die Zahl jener, die aus Fernost zu uns kommen, noch unklar ist, weil viele Details jenseits der Grundsatzvereinbarung noch offen sind, ist eines jetzt schon deutlich: Die philippinischen Pflegekräfte werden nur einen kleinen Bruchteil des Bedarfs abdecken können. Ein ähnliches Zuwanderungsabkommen mit Kroatien führte in den vergangenen Jahren zu einem Zuzug von nur wenigen hundert Pflegekräften. Der Effekt einer Anfang des Jahres mit Serbien getroffenen Vereinbarung bleibt abzuwarten.

Beträchtliche Unterschiede in der Ausbildung

Hinzu kommen Sprachbarrieren, kulturelle Unterschiede und eine anders gelagerte Ausbildung, was die Beschäftigung philippinischer Pflegerinnen nicht eben erleichtert: In Fernost handelt es sich um eine vierjährige, überwiegend akademische und daher auch theorielastige Ausbildung, die gegenüber die hiesigen sowohl Vor- als auch Nachteile und jedenfalls beträchtliche Unterschiede aufweist. Dabei dürfte nicht die Anerkennung der philippinischen Berufsabschlüsse, die den Bundesländern obliegt, das Problem sein, sondern die ganz praktische Einarbeitung in den deutschen Pflegealltag.

So wäre es wohl schon ein großer Erfolg, wenn sich eine 40 Jahre alte Zuwanderungsgeschichte wiederholen ließe. Zwischen 1969 und 1973 hatte die sozialliberale Bundesregierung unter Willy Brandt 3000 philippinische Krankenschwestern ins Land geholt.
http://www.fr-online.de/politik/pflegenotstand-in-deutschland-pflegepersonal-aus-der-schwestern-fabrik,1472596,22200850.html

dagobert

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Re:Pflegenotstand in Deutschland
« Antwort #1 am: 18:58:59 Fr. 05.April 2013 »
Zitat
Chinesische Pflegekräfte – das böse Spiel mit dem „Fachkräftemangel“
[...]
Da hierzulande rund 30.000 Fachkräfte im Pflegebereich fehlen und potentielle Bewerber aus der EU einen weiten Bogen um das Niedriglohnparadies Deutschland machen, will die Bundesagentur für Arbeit nun im großen Stil Pflegekräfte aus China und den Philippinen anwerben. Doch was sich hinter dem vermeintlichen „Fachkräftemangel“ versteckt, ist eigentlich vielmehr die logische Folge der Privatisierung des Gesundheitssystems. Der drohende Pflegenotstand wurde mutwillig herbeigeführt und ist politisch durchaus gewollt. Von Jens Berger.

Nach den Zahlen der Bundesagentur für Arbeit sind aktuell 18.000 offene Stellen in der Kranken- und Altenpflege nicht besetzt. Der Arbeitgeberverband Pflege geht sogar von aktuell 30.000 fehlenden Fachkräften aus. Wenn man bedenkt, dass seit dem Beginn der großen Privatisierungswelle im Jahre 1995 alleine in der Krankenpflege rund 50.000 Vollzeitstellen abgebaut wurden und die anfallende Arbeit nicht weniger, sondern mehr wurde, kann der jetzige „Fachkräftemangel“ kaum verwundern.
http://www.nachdenkseiten.de/?p=16751#more-16751

Troll

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Re:Pflegenotstand in Deutschland
« Antwort #2 am: 11:30:25 Mi. 03.September 2014 »
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
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Auferstanden

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Re:Pflegenotstand in Deutschland
« Antwort #3 am: 20:51:41 Mi. 01.Oktober 2014 »
-die konträren Aussagen der beiden Arbeitsrechtler zur den vertraglichen Klauseln bezeugen doch nur einmal
mehr wie degeneriert und lächerlich das deutsche Arbeitsrecht insgesamt ist.
In keinem Land gibt es so viele Wischi-Waschi (kann-optionale) Formulierungen im Gesetzestext wie im hiesigen Teutonenstaat.

dagobert

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Re:Pflegenotstand in Deutschland
« Antwort #4 am: 00:47:08 Mi. 29.Oktober 2014 »
Zitat
Zu Gast bei Ausbeutern

Junge Spanier werden zu Hunderten in die deutsche Pflegebranche gelockt. Dort finden sie miese Arbeitsbedingungen und Knebelverträge. In Berlin formieren sie sich nun zum Widerstand.
[...]
Miguel und die elf Menschen, die heute Abend im Halbkreis vor ihm sitzen, sind Spanier. Geologen, Krankenpfleger, Chemiker, Sozialarbeiter. Sie sind Auswanderer. Wobei Miguel das Wort „Exilanten“ lieber mag. In „Exil“ schwingt mit: Verbannung, Vertreibung, Zwangsumsiedlung. Das klingt mehr nach dem, was sie aus Spanien hierher in den deutschen Herbst getrieben hat, in dieses kalte Hinterzimmer: die Krise in der Heimat.
[...]
Die Krise hat in Südeuropa Millionen junger, gut ausgebildeter Menschen einer Perspektive beraubt. In Spanien sind derzeit 55 Prozent der jungen Leute arbeitslos – eine gute Nachricht für den deutschen Pflegemarkt. Eine Generation fertig ausgebildeter junger Menschen, die daheim keine Zukunft hat, bedeutet in der Logik des Kapitalismus in Zeiten der offenen Grenzen: Viel gute Arbeit für sehr wenig Geld.
http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/589582/1/Zu-Gast-bei-Ausbeutern

BGS

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Re:Pflegenotstand in Deutschland
« Antwort #5 am: 12:10:20 Mi. 29.Oktober 2014 »
Auf der anderen Seite tauchen in Skandinavien langsam, aber sicher mehr und mehr "deutsche" Exilianten auf. Auch hier versucht man diese zum Teil in "Sozial-" und "Pflegeberufe" quasi zu nötigen, doch fast ohne jeden Erfolg. Und das ist kein Wunder.

Die Lösung des von den "Neoliberalen" selbst geschaffenen "Notstands" ist ganz einfach:

VERSCHAFFT DEN IN "SOZIAL- UND PFLEGEBERUFEN" TÄTIGEN ENDLICH DIE ANERKENNUNG, AUCH GESELLSCHAFTLICH, die Ihnen gebührt und verdreifacht die lächerlichen dortigen Löhne. Schon könnte das ewige Gefasel von "Notstand" ein Ende finden und es ginge sehr vielen Menschen grundlegend besser, in jeder Hinsicht.

Solange noch Geld für die Banken da ist, sollte für diese Bereiche erst recht welches vorhanden sein!

MfG

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dr.gscheidle

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Re:Pflegenotstand in Deutschland
« Antwort #6 am: 12:59:00 Mi. 29.Oktober 2014 »
VERSCHAFFT DEN IN "SOZIAL- UND PFLEGEBERUFEN" TÄTIGEN ENDLICH DIE ANERKENNUNG, AUCH GESELLSCHAFTLICH, die Ihnen gebührt und verdreifacht die lächerlichen dortigen Löhne. Schon könnte das ewige Gefasel von "Notstand" ein Ende finden und es ginge sehr vielen Menschen grundlegend besser, in jeder Hinsicht.

Sehr geehrte/r/s Herr/Frau/Fräulein BGS,

Leider haben Sie nur teilweise recht. Gerne können die Sozial- und Pflegeberufe mehr Anerkennung erhalten, allerdings nur, wenn sie sich um schwer kranke oder alte Menschen kümmern. Leider sind in diesen Berufen auch viele Kinder- und Jugendverderber tätig, die in unverantwortlicher Weise die Erziehung selbst redlicher Eltern mit verweichlichtem oder verdummendem Montessori-Unsinn boykottieren oder den Kindern sogar unredliche Geschichten wie z.B. die diabolische "Sesamstraße" vorsetzen:
* Der Lausebengel "Ernst" gewinnt hier immer gegen den relativ redlichen Bertram - vermutlich wurde Ernst ebenfalls mit irgendwelcher Wald-Dorf-Pädagogik erzogen! Der Rohrstock hätte ihm mal gut getan!
* Wenn Ernst doch mal verliert, dann gegen das anarchistische "Krümelmonster", das sich frecherweise einfach des Eigentums fremder Menschen (z.B. Ernsts Kekse) bemächtigt - genau so, wie es die diabolischen Sozen und Kommunisten für richtig halten. Die Kinder werden dabei völlig in die falsche Richtung erzogen und zu Kommunisten gemacht! Abgesehen davon sind Kekse für Kinder sowieso Teufelszeug, weil sie den diabolischen Zucker enthalten und daher sowieso nicht für Kinder geeignet, solange sie nicht aus Salzteig hergestellt wurden.
* Der noch viel anarchistischere Oskar ist ein derart fauler Sack, dass er sich noch nicht mal eine Wohnung leisten kann und in einer Mülltonne lebt! Soll das ein Vorbild für unsere Kinder sein?
* Ähnlich wie Ernst ist auch "Grobi" ist ein für Kinder völlig ungeeigneter Charakter - er macht ständig Unsinn und kommt damit durch, verleitet die Kinder also ebenfalls dazu Unsinn zu machen!
Wie Sie sehen, sind derartige Geschichten völlig ungeeignet für unsere Kindererziehung - leider werden diese oder ähnliche, vielleicht sogar noch schlimmere Geschichten (z.B. die diabolische Pippi Langstrumpf, welche mit ihren frechen, unverschämten und anarchistischen Aktionen und ihrem hässlichen Kleidungsstil ebenfalls ein völlig falsches Vorbild für unsere Kinder ist!) den Kindern von unseren heutigen, wald-dorf-verdorbenen Erziehern vorgesetzt. Da diese - wie nachgewiesen - sogar SCHLECHT für unsere Kinder sind, sollten diese einfach abgeschafft werden. Die Erziehung sollten wir brav den Eltern überlassen, die oft glücklicherweise noch redliche und bewährte Erziehungsmethoden (Rohrstock, Stubenarrest, Auf-einem-Bein-in-die-Ecke-stellen) anwenden, welche unsere Kinder zu braven, schlauen, fleißigen, keuschen und redlichen Menschen machen.

Stattdessen schlage ich vor, alle mit Kindern oder leicht Kranken (unredlich für: arbeitsfaule Simulanten) beschäftigten Sozial- und Pflegekräfte in die Altenpflege zu stecken! Diese unredlichen Kinderhorte und -gärten, die sowieso redliche Hausbesitzer und Spaziergänger mit ihrem Lärm um ihren Verstand bringen, würden damit sofort geschlossen, und für größtenteils redliche Rentner sind genügend Pflegekräfte frei, so dass diese redliche Halma-Turniere, schöne Volksmusik-Abende oder vielleicht sogar mal einen Ausflug in ein redliches Militär-Museum organisieren können.

Selbstverständlich dürfen die Gehälter dabei nicht verdreifacht werden, was nach meinen Maßnahmen auch nicht mehr erforderlich ist, da wir dann genug Pflegekräfte haben - wie immer ist der Gedanke mal wieder viel zu kurz gedacht! Verdreifachte Gehälter führen selbstverständlich auch zu verdreifachten Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen, so dass Arbeitnehmer und redliche Arbeitgeber belastet werden - von irgendwelchen frechen Lohnerhöhungen zum Ausgleich oder Geheule wegen Entlassungen möchte ich dann aber nichts hören!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Diethelm Gscheidle
(Verkehrswissenschaftler & Dipl.-Musikexperte)
Ich bin ein löblicher Mensch - daher sind meine Beiträge redlich und anglizismenfrei.

BGS

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Re:Pflegenotstand in Deutschland
« Antwort #7 am: 15:25:24 Mi. 29.Oktober 2014 »
Sehr geehrter Herr Doc. Gscheidle,

besten Dank fuer Ihren erhellenden Beitrag.

Falls Sie Ihre Aussagen wider Erwarten ernst meinen, dann wuensche ich Ihnen, dass Sie selbst, wenn einmal siech und alt, von derartigen Pflegekräften "gepflegt" werden. Da wird keine "Pflegeversicherung" der Welt mehr helfen, sei sie noch so "privat".

Durch das heutige, traditionelle und fortgesetzte Auspressen eigentlich redlicher Arbeitnehmer wird es dazu kommen, dass bald nicht einmal mehr fuer das fuenffache Gehalt jemand den Alten und ähnlichen bedauernswerten Menschen den Hintern abwischen wollen wird.

Warten wir es ab.

MfG aus sicherer Entfernung

BGS
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dr.gscheidle

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Re:Pflegenotstand in Deutschland
« Antwort #8 am: 16:50:09 Mi. 29.Oktober 2014 »
Sehr geehrte/r/s Herr/Frau/Fräulein BGS,

wieso? Nach meinen o.g. redlichen Planungen, alle mit Kindern, Jugendlichen und Simulanten befassten Betreuungs- und Pflegekräfte zu Seniorenpflegern umzuschulen, gibt es keinerlei Pflegenotstand mehr. Ich werde also bestens betreut werden, wenn ich mich in meinen selbstverständlich wohlverdienten Ruhestand zurückziehe!

Auspressen der Arbeitnehmer? So ein Unsinn! Vielmehr findet eine Erpressung DURCH die Arbeitnehmer bzw. die Arbeitermonopole "Gewerkschaften" statt, so dass wir arme und fleißige Unternehmer, welche jeden Zent zweimal umdrehen müssen, ungerechtfertigte Gehaltserhöhungen bezahlen müssen!

Glücklicherweise gibt es in meinem verkehrswissenschaftlichen Forschungsinstitut keinen diabolischen Betriebsrat, und durch einen Keuschheits- und Redlichkeitstest bei der Einstellung stelle ich auch fest, ob meine zukünftigen Arbeitnehmer eine redliche Gesinnung haben, so dass sie niemals auf einen solchen Unsinn kämen, einen Betriebsrat zu gründen oder das von MIR(!) erhaltene Gehalt für Beiträge an eine garstige Gewerkschaft zu verpulvern (ich kontrolliere vielmehr gelegentlich, ob meine Angestellten auch einen angemessenen Teil des Gehaltes bei der sonntäglichen Kollekte für redliche, christliche Kirchenzwecke spenden)! Dabei können sich meine Angestellten nicht beschweren - selbstverständlich bezahle ich meinen allesamt faulen Arbeitnehmern für ihren Schlendrian fürstliche Gehälter, und das bei hervorragenden Arbeitsbedingungen - schließlich bin ich ein absolut freundlicher, redlicher, netter, liberaler und toleranter Scheff, wie Sie sicherlich auch meinen hiesigen Beiträgen entnehmen können!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Diethelm Gscheidle
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schwarzrot

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Re:Pflegenotstand in Deutschland
« Antwort #9 am: 18:25:13 Mi. 29.Oktober 2014 »
Nach meinen o.g. redlichen Planungen, alle mit Kindern, Jugendlichen und Simulanten befassten Betreuungs- und Pflegekräfte zu Seniorenpflegern umzuschulen, gibt es keinerlei Pflegenotstand mehr. Ich werde also bestens betreut werden, wenn ich mich in meinen selbstverständlich wohlverdienten Ruhestand zurückziehe!

Herr/Frau Dr.scheidle,

Ich glaube das haben sie falsch verstanden, user-BGS meinte vermutlich nicht, dass die knappheit von pflegepersonal, in der von ihnen vorgeschlagenen zukunft ein problem darstellen würde. Unter den von ihnen vorgeschlagenen (zwangs-)arbeitsvoraussetzungen, werden sicher genug pflegekräfte, reichlich zeit für sie haben.

Sie werden sich dann aber sicher wünschen, diese hätten lieber nicht so viel zeit für sie.  ;D


Auch glaube ich, sie verstehen die präventionsfigur des (anarchistischen?) krümelmonsters nicht richtig. Wahr ist hingegen, dass diese stofffigur 'Ernie' (und 'Bert'?) nur vor schädlichem zuckerkonsum bewahren möchte!
Ebenfalls deuten sie die rolle des 'Oskar' falsch, handelt es sich doch hier nur um eine vollendete recycling-figur, eines lebends in den endergebnissen dieser kapitalistischen wegwerfkultur, dass am ende wir alle im müll leben müssen und werden.

Zum abschluss und zur entspannung dieses video und guten abend:
http://www.youtube.com/watch?v=6xqdPQboijE
"In der bürgerlichen Gesellschaft kriegen manche Gruppen dick in die Fresse. Damit aber nicht genug, man wirft ihnen auch noch vor, dass ihr Gesicht hässlich sei." aus: Mizu no Oto

Wieder aktuell: Bertolt Brecht

dagobert

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Re:Pflegenotstand in Deutschland
« Antwort #10 am: 19:19:09 Mi. 29.Oktober 2014 »
Falls Sie Ihre Aussagen wider Erwarten ernst meinen, dann wuensche ich Ihnen, dass Sie selbst, wenn einmal siech und alt, von derartigen Pflegekräften "gepflegt" werden.
Und er sollte dann auch stets einen Ausdruck seines obigen Beitrags dabeihaben, damit die Pfleger/innen wissen mit wem sie es zu tun haben.  >:D

BGS

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Re:Pflegenotstand in Deutschland
« Antwort #11 am: 22:26:30 Mi. 29.Oktober 2014 »
Sehr geehrter Herr Doc. Gscheidle,

ich möchte Ihnen dieses literarische Sachwerk aus nicht allzu ferner Vegangenheit wärmstens ans Herz legen:

"Solche Pflege ist Folter"

Wer im Alter gut gepflegt sein will, muss jetzt für andere Zustände eintreten:

Claus Fussek, Gottlob Schober: Es ist genug! Auch alte Menschen haben Rechte. Knaur Taschenbuch Verlag 2013. 207 Seiten, 7 Euro.

http://www.droemer-knaur.de/buch/Es+ist+genug!.7893756.html


Im Buch ist übrigens keinerlei Rede davon, dass etwa auch alte Arbeitgeber Rechte hätten. Wer irgendwann Mal keine Arbeit mehr geben kann, ist raus. Aus die Maus.

MfG

BGS
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Fritz Linow

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Re:Pflegenotstand in Deutschland
« Antwort #12 am: 13:36:12 Di. 03.November 2015 »
Das sollte viel öfter gemacht werden anstatt auf irgendwelche Heimaufsichten oder MDKs zu setzen:
Zitat
Rudow: Überlastete Pflegehelferin ruft Feuerwehr

Eine Pflegehelferin in einem Rudower Seniorenheim musste die Feuerwehr rufen. Sie war mit den alten Menschen überfordert. Kein Kollege wollte helfen.

Sie sah keinen anderen Ausweg mehr. Eine Pflegehilfskraft in einem Rudower Seniorenheim alarmierte am Sonntagvormittag die Feuerwehr, weil sie nicht in der Lage war, die Bewohner zu versorgen. 21 Menschen mussten von den Rettern medizinisch betreut werden. Das LKA ermittelt wegen des Verdachts der Vernachlässigung von Schutzbefohlenen.

Nach Angaben der Feuerwehr ging der Anruf um 10.56 Uhr bei der Leitstelle ein. Die Mitarbeiterin des Pflegeheimes Casa Reha in der Waltersdorfer Chaussee bat dringend um Hilfe: Ihre Senioren seien seit vier Stunden zum Teil ohne Betreuung. Darunter auch Rentner, denen Insulin gespritzt und die ständig überwacht werden müssen.

Die Frau gab außerdem an, dass drei Pflegefachkräfte ihre Stationen nicht verlassen wollen, um sie zu unterstützen. Und die Heimleitung sei nicht erreichbar.

Notärzte und Sanitäter der Feuerwehr erreichten das Pflegeheim wenige Minuten später. „Wir haben vier Patienten akut medikamentös behandeln müssen“, sagt ein Sprecher. Den übrigen 17 Rentnern seien vom Notarzt die morgendlichen Medikamente verabreicht worden. Die Feuerwehr alarmierte danach die Polizei.

Heimleiter Dieter Banken bestätigt der B.Z. den Vorfall und sagt: „Zu keinem Zeitpunkt gab es eine Gefahr für unsere Bewohner.“ Kurzfristig seien zwei Pfleger erkrankt. Deshalb sei die Hilfspflegerin in einem Wohnbereich allein gewesen.

Zum Messen des Blutzuckers und zum Verabreichen des Insulins habe sie einen Kollegen um Hilfe gebeten. „Dieser wollte aber nicht“, so Banken. Die Kollegin habe es daraufhin versäumt, weitere Kollegen um Hilfe zu bitten. In diesem Fall habe es ein Kommunikations- und Einstellungsproblem gegeben.

Banken: „Ich werde die betroffenen Kollegen jetzt zur Rede stellen. Die Geschäftsführung wird dann entscheiden, wem der Einsatz in Rechnung gestellt werden muss.“
http://www.bz-berlin.de/berlin/neukoelln/rudow-ueberlastete-pflegehelferin-ruft-feuerwehr

schwarzrot

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Re:Pflegenotstand in Deutschland
« Antwort #13 am: 14:05:40 Di. 03.November 2015 »
Das sollte viel öfter gemacht werden anstatt auf irgendwelche Heimaufsichten oder MDKs zu setzen:
Zitat
Die Kollegin habe es daraufhin versäumt, weitere Kollegen um Hilfe zu bitten. In diesem Fall habe es ein Kommunikations- und Einstellungsproblem gegeben.

Banken: „Ich werde die betroffenen Kollegen jetzt zur Rede stellen. Die Geschäftsführung wird dann entscheiden, wem der Einsatz in Rechnung gestellt werden muss.“
http://www.bz-berlin.de/berlin/neukoelln/rudow-ueberlastete-pflegehelferin-ruft-feuerwehr

Was für ein schwein!

Ist übrigens kein einzelfall (freundin arbeitet in dem bereich), die hilfspflegerinnen werden oft für ganze stationen abgestellt und fühlen sich oft überfordert.
Hoffentlich bekommt der tolle 'heimleiter' wegen seiner personalplanung noch ne anzeige und verurteilung!
"In der bürgerlichen Gesellschaft kriegen manche Gruppen dick in die Fresse. Damit aber nicht genug, man wirft ihnen auch noch vor, dass ihr Gesicht hässlich sei." aus: Mizu no Oto

Wieder aktuell: Bertolt Brecht

Fritz Linow

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Re:Pflegenotstand in Deutschland
« Antwort #14 am: 14:29:49 Di. 03.November 2015 »
Hätten die anderen geholfen, wäre alles so wie immer geblieben. Totale Überlastung und der Ärger wird runtergeschluckt. Insofern waren die anderen auch schön konsequent.
„Gefährliche Pflege“ ist ein Straftatbestand. Als Pflegekraft kann man dafür belangt werden, wenn etwas passiert. Wenn der Personalschlüssel jemanden zur gefährlichen Pflege nötigt, sollte man viel öfter gleich die Polizei rufen, die den Sachverhalt aufnimmt.
Das ist glaube ich bisher nur einmal geschehen und die Pflegekraft wurde entlassen.

Im Pausenraum sitzen dann alle beisammen und meckern, wie scheiße die Arbeit doch geworden ist. Selbst Überlastungsanzeigen, die meistens eh nichts bringen, werden nur sehr selten geschrieben. Die Einstellung vom eigenen Berufsbild und der damit verbundene Arbeitsethos verhindern, dass viel zu wenig in dieser Richtung geschieht.
Dazu kommen dann Arschlochheimleiter, die die Beschäftigten einschüchtern.Eigentlich ist das total unverständlich, denn es herrscht wirklich Pflegekraftmangel und die Macht der Pflegenden wäre ziemlich groß.