Autor Thema: Ich arbeite, also bin ich  (Gelesen 3199 mal)

dagobert

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Ich arbeite, also bin ich
« am: 00:14:01 Sa. 26.Juli 2014 »
Der Artikel ist so gut, den setz ich ausnahmsweise mal vollständig rein.
Zitat
Sinn der Arbeit:
Ich arbeite, also bin ich

Arbeit bestimmt, welche soziale Stellung wir haben. Wer nicht arbeiten will, gilt als Schmarotzer. Dieser Drill ist gegen die Natur.


Wohl kein anderer Satz fällt auf einer Party so häufig wie dieser: "Und, was machst du so?" Dahinter steckt die unausgesprochene Frage: "Bist du nützlich?" Die Arbeit bestimmt unseren sozialen Stellenwert: Sag mir, was du arbeitest – und ich sag dir, wer du bist. Wir werden regelrecht nervös, wenn wir nicht den Beruf unseres Gegenübers erfahren.

Wer aber nichts "macht" und offen sagt, dass er keinen Bock hat zu arbeiten und dass mitnichten jede Arbeit besser ist als keine Arbeit, der steht im Generalverdacht, zu verloddern und andere dazu anzustiften, es gleichzutun – mit dem Endergebnis, dass die ganze fleißige Gesellschaft in den Abgrund stürzt. Das Mantra unserer Zeit: Ich arbeite, also bin ich.

Der Arbeitsfetisch hat sich tief in die DNA der westlichen Industrienationen eingeschrieben, von Kindesbeinen an wird er uns eingetrichtert. Am Kottbusser Tor in Berlin-Kreuzberg beobachtete ich einmal einen Vater mit seinem Kind. Die beiden gingen an einem Bettler vorbei – doch statt dem Bettler etwas zu geben, sagte der Vater drohend zu seinem kleinen ohnemann: "Das passiert mit dir, wenn du nicht fleißig bist!"

Hm, vielleicht passiert das einfach, wenn der Reichtum ungleich verteilt ist? Und wenn man mit Lohnarbeit, sofern man einen der wenigen Jobs ergattert, kaum überleben kann. Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, verdient 8.055 Euro Stundenlohn, und gleichzeitig sollen die Massen mit läppischen 8,50 Euro Mindestlohn abgespeist werden. Frohes Schaffen!

Die Politik gießt beständig Öl ins Feuer des Arbeitsfetisches: "Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen" – mit diesen biblischen Worten des Apostel Paulus rechtfertigte der damalige SPD-Arbeitsminister Franz Müntefering das ultimative Instrument, um die vermeintlich Faulen zu drangsalieren: Hartz IV. Seitdem stimmen 47,3 Prozent der Deutschen der Aussage zu, dass die meisten Arbeitslosen kaum daran interessiert seien, einen Job zu finden.

Dabei ist die Sache mit der Arbeit extrem schizophren: Wir streben insgeheim nach Faulheit – und preisen lautstark die Arbeit. Kein Wahlplakat, auf dem nicht mit mehr Jobs geworben wird. Der Ruf nach mehr Arbeit ähnelt dem Stockholm-Syndrom, bei dem die Opfer von Geiselnahmen nach und nach ein positives Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen. Ständig hören wir das Gefasel von "Wachstum", "Wettbewerb" und "Standortsicherheit", um uns einzureden, dass wir "Gürtel enger schnallen" müssten, weil nur so "sichere Arbeitsplätze" möglich seien – alles andere sei "alternativlos". Eine Lohnerhöhung sei nicht drin, weil sonst die Firma pleitegehe. Wir dürften die Reichen nicht zu stark besteuern, weil sonst die Leistungsträger ins Ausland gingen. All diese Dinge werden Konsens – sogar bei den Lohnsklaven selbst.

Diese Situation ist umso schizophrener, als dass wir jede Möglichkeit nutzen, der Mühsal und Arbeit zu entrinnen: Wer benutzt freiwillig ein Waschbrett, wenn er eine Waschmaschine hat? Wer schreibt einen Text handschriftlich ab, wenn er stattdessen einen Kopierer benutzen kann? Und wer rechnet die elendigen Zahlenkolonnen seiner Steuererklärung im Kopf aus, wenn er einen Taschenrechner besitzt? Wir sind stinkfaul und glorifizieren die Arbeit. Das Stockholm-Syndrom des Arbeitsfetischs hat unseren Verstand benebelt. Es ist das Paradox der Gegenwart: Die Arbeitsreligion hat genau zu dem Zeitpunkt den Status einer Staatsreligion erlangt, als die Arbeit abstirbt. Die Gruppe KRISIS um den Philosophen Robert Kurz schreibt in ihrem Manifest gegen Arbeit:

"Ein Leichnam beherrscht die Gesellschaft – der Leichnam der Arbeit. Der Verkauf der Ware Arbeitskraft wird im 21. Jahrhundert genauso aussichtsreich sein wie im 20. Jahrhundert der Verkauf von Postkutschen. Wer aber in dieser Gesellschaft seine Arbeitskraft nicht verkaufen kann, gilt als 'überflüssig' und wird auf der sozialen Müllhalde entsorgt. Gerade in ihrem Tod entpuppt sich die Arbeit als totalitäre Macht, die keinen anderen Gott neben sich duldet. Und der Satz, es sei besser, 'irgendeine' Arbeit zu haben als keine, ist zum allgemein abverlangten Glaubensbekenntnis geworden."

Wir leben in einer Ära des Kapitalismus, in der die Produktivität der Arbeit dermaßen hoch ist, dass immer weniger Arbeitskräfte gebraucht werden. Die aktuelle Massenarbeitslosigkeit in Südeuropa – mit einer Jugendarbeitslosigkeit von teilweise über 50 Prozent – ist nur ein Vorgeschmack auf das große Fressen, das uns noch bevorsteht. Computer und Roboter ersetzen am laufenden Band Jobs. Die Fast-Food-Kette McDonald’s installiert in ihren weltweiten Filialen gerade Tausende Easy-Order-Automaten. Die Kunden geben ihre Bestellung am Touchscreen auf, bezahlen sie am Automaten und holen sich am Verkaufstresen ihr Essen ab. McDonald’s kann dadurch Hunderte der ohnehin sittenwidrig bezahlten Jobs streichen. Am anderen Ende der Fahnenstange werden nun selbst Rechtsanwälte gefeuert. In den USA übernehmen sogenannte E-Discovery-Programme – eine komplexe und lernfähige Software – immer mehr Recherchearbeiten, wo vormals Rechtsanwälte in Aktenbergen und Gerichtsurteilen wühlten. Eine Studie der Universität Oxford kommt zu dem Schluss, dass bis 2030 rund 47 Prozent aller Arbeitsplätze in den USA der Automatisierung zum Opfer fallen können.

Je knapper Jobs werden, desto heftiger preisen wir die Arbeit

Die Arbeit geht uns nicht deshalb aus, weil wir zu blöd sind. Sie geht uns auch deshalb nicht aus, weil die Vermögenden zu viel Steuern blechen, wie uns Neoliberale weismachen wollen. Die meisten Menschen werden über kurz oder lang keine Arbeit finden, weil über kurz der Kapitalismus kollabiert oder über lang Maschinen unsere Arbeitskraft ersetzen. Schon jetzt sind über eine Milliarde Menschen weltweit unterbeschäftigt oder ganz erwerbslos, Tendenz steigend.

Doch je knapper die Jobs weltweit werden, desto heftiger preisen wir die Arbeit, statt uns einen faulen Lenz zu machen. Wir könnten die durchschnittliche Arbeitszeit drastisch reduzieren, wenn wir nur wollten. Ein "Wachstum" ist ohnehin nicht mehr möglich. Was soll denn noch wachsen außer das Elend der Menschen? Lasst uns schrumpfen. Lasst uns den Arbeitsfetisch abschütteln und nicht an unsere Kinder weitergeben. Es grenzt an Folter, kleinen Kindern das Spielen und Entdecken zu verbieten, um sie stundenlang zum Arbeiten an den Schreibtisch zu fesseln. Statt unsere Kinder zu fragen, "Und, was willst du mal werden?", sollten wir fragen, "Wer willst du mal werden? Was für Ziele und Träume hast du?"

Um es mit einem Zitat von John Lennon zu sagen: "Als ich fünf war, hat meine Mutter mir immer gesagt, dass es das Wichtigste im Leben sei, glücklich zu sein. Als ich in die Schule kam, baten sie mich aufzuschreiben, was ich später einmal werden möchte. Ich schrieb auf: glücklich. Sie sagten mir, ich hätte die Frage nicht richtig verstanden, und ich antwortete ihnen, dass sie das Leben nicht richtig verstanden hätten."

Haben wir das Leben richtig verstanden?
http://www.zeit.de/karriere/beruf/2014-07/gastbeitrag-arbeit-sinn

Hochseefischer

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Re:Ich arbeite, also bin ich
« Antwort #1 am: 08:21:47 Sa. 26.Juli 2014 »
Ein gelungener Text. Es sollte viel mehr dieser Art von Texten in den so genannten Leitmedien geben.

Jetzt tue ich mir gleich die Leserkommentare zu diesem Text an, mir schwant Übles ...

Tiefrot

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Re:Ich arbeite, also bin ich
« Antwort #2 am: 12:38:48 Sa. 26.Juli 2014 »
Ein paar neoliberale Klotzköppe sind dabei. Ja.
Aber die Mehrzahl denkt etwa so, wie der Autor.

Das läßt einen ja etwas hoffen...   ::)
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Re:Ich arbeite, also bin ich
« Antwort #3 am: 21:42:49 Di. 29.Juli 2014 »
Herzlichen Dank fürs Einstellen dieses sehr lesenswerten Artikels.

Ich bin ein Mensch, also bin ich wertzuschätzen, ob mit "Arbeit", oder ohne. Ohne kann ich meine Zeit, auch für Andere Ausgebeutete, viel besser nutzen, weshalb ich so wenig, wie nötig arbeite, möglichst vernünftig bezahlt.

MfG

BGS

P.S.: Im Norden Skandinaviens hörte ich diese dämliche, durchschaubare,  deutsche Frage "... und wo arbeitest Du?" überhaupt noch nicht ;) Mit sowas verschwendet hier scheinbar niemand seine kostbare Zeit
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vampyrella

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Re:Ich arbeite, also bin ich
« Antwort #4 am: 09:53:48 Fr. 01.August 2014 »
Ich finde den Text sehr gelungen.
Grade auch die Passage  mit der "bewussten Auszeit" - das macht der Bruder meines
Lebensgefährten grade und wird vond er ganzen Familie als faules Schwein geächtet.

Die Kommentare unter dem Text auf zeit.de sind aber auch teilweise echt krass.
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Efeu

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Re:Ich arbeite, also bin ich
« Antwort #5 am: 17:30:37 Mi. 06.August 2014 »
Das ist wirklich ein sehr guter Beitrag! Dieses "Bist du nützlich?" (getarnt hinter der Frage "Was machst du so?") geht mir auch total auf den Wecker.
Und das Zitat von John Lennon übers glücklich sein begleitet mich auch schon ein paar Jahre. Ich nehme nicht an, dass irgendjemand auf seinem Sterbebett denken wird "Ach hätte ich doch mehr gearbeitet" und habe andere Prioritäten als sinnlosen Statussymbolen nachzueifern und für den Beruf meine Lebensqualität zu opfern. Daher, dass ich meine erste Ausbildung mehr auf den Rat anderer gemacht habe und mich nicht selbst damit identifiziert habe, habe ich auch gemerkt, dass der Beruf nicht unbedingt die Person "ist" oder etwas über sie aussagt.

Als jemand, der Vollzeit arbeiten könnte, es aber ganz bewusst nicht tut, um noch was vom echten Leben zu haben (was man mit Geld auch nicht nachholen kann), werde ich manchmal schräg angeschaut und als faul hingestellt, dabei schaffe ich in meiner Arbeitszeit mehr als manch anderer in Vollzeit.
Neid oder Missgunst sind oft die Reaktion darauf, dass ich mir das Recht rausnehme, über einen Großteil meiner Lebenszeit (= meines Lebens) selbst bestimmen zu dürfen, denn ich habe keine Kinder, kein zeitintensives offizielles Ehrenamt oder sonstigen Fremdnutzen, die ich als Grund dafür vorschieben könnte... :rolleyes:
Komischerweise, finde ich. Denn ich komme ganz bewusst mit geringerem Einkommen aus und liege trotzdem niemandem auf der Tasche. Dieser unterschwellige Vorwurf, den ich trotzdem oft erlebe und dieser Zwang zur Vollzeit-Versklavung ist mir absolut unverständlich.
Es kommt mir dann so vor als müsste man den kollektiven Wahnsinn im Hamsterrad mitmachen, nur damit keiner sehen muss, dass es auch anders ginge...
Ständig hören wir das Gefasel von "Wachstum", "Wettbewerb" und "Standortsicherheit", um uns einzureden, dass wir "Gürtel enger schnallen" müssten, weil nur so "sichere Arbeitsplätze" möglich seien – alles andere sei "alternativlos". Eine Lohnerhöhung sei nicht drin, weil sonst die Firma pleitegehe. Wir dürften die Reichen nicht zu stark besteuern, weil sonst die Leistungsträger ins Ausland gingen. All diese Dinge werden Konsens – sogar bei den Lohnsklaven selbst.
So wahr. Arbeit als Selbstzweck (sogar als bloße Beschäftigung, von der keiner mehr leben kann) heiligt inzwischen wirklich ALLES.

Troll

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Re:Ich arbeite, also bin ich
« Antwort #6 am: 17:54:46 Mi. 06.August 2014 »
Ich hätte wenigstens ein klein bißchen Verständnis für diesen Arbeitsfetisch wenn man den Arbeitenden die gleichen Monetären Interessen wie den Unternehmen eingeräumen würde, dann wäre der Schwachsinn stimmig, aber die Arbeitenden sollen trotz der durchgängigen Ökonomisierung ihres Lebens komischerweise nicht am Geld für Arbeit interessiert sein, daß widerspricht eigentlich der Ökonomisierung von allem und somit auch der Arbeit.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
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BGS

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Re:Ich arbeite, also bin ich
« Antwort #7 am: 20:36:26 Mi. 06.August 2014 »
War, anstatt mich der ewigen "Arebeyt" zu widmen, neulich ein paar Tage auf einer so gut wie unbewohnten Insel, um die Ruhe zu geniessen.

MfG

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Rudolf Rocker

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Re:Ich arbeite, also bin ich
« Antwort #8 am: 10:46:33 Do. 07.August 2014 »
Morgens um 5:00 aufstehen. Um 6:00 ins Auto, um 7:00 bei der Arbeit sein.
Bis 16:00 arbeiten, dann wieder eine Stunde mit dem Auto zurück, um 17:00 zu Hause.
Das Ganze dann 5 Tage die Woche. Monat für Monat und Jahr für Jahr.

Und der Lohn liegt, wenn man Benzinkosten, Pkw- Steuer, Versicherung und Reparaturen abzieht, sogar noch unter dem ALG II (+KdU)- Niveau.
Selbst bei einem Stundenlohn von 12 € die Stunde.

Also frage ich mich ernsthaft: Wozu das Ganze?
Wenn man von seinem Lohn wenigstens noch was ansparen könnte, um sich zu sagen: Ok, ich arbeite jetzt mal 10 Jahre und lege mir jeden Monat 200 € auf die Seite, bzw. auf ein Sparkonto, oder sowas.

Geht aber nicht! Du kommst mit dem Lohn grade so bis zum Monatsende und wenn der Dreckschef sich mit der Überweisung wieder jede Menge Zeit nimmt, bleibt der Kühlschrank leer.

Ich kann das alles nicht mehr nachvollziehen. Es macht einfach keinen Sinn!
Nee, dafür ist mir mein Leben auch zu schade.



Zitat
Early in the morning factory whistle blows
Man rises from bed and puts on his clothes
Man takes his lunch, walks out in the morning light
It's the working, the working, just the working life

Through the mansions of fear, through the mansions of pain
I see my daddy walking towards them factory gates in the rain
Factory takes his hearing, but he understands
He's a working, a working, just a working man

End of the day, factory whistle cries
Men walk through these gates with death in their eyes
And you just better believe, boy, somebody's gonna get hurt tonight
It's the working, the working, it's the working life
Cause it's the working, the working, just the working life

Bruce Springsteen, Factory

dr.gscheidle

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Re:Ich arbeite, also bin ich
« Antwort #9 am: 10:49:30 Fr. 08.August 2014 »
Morgens um 5:00 aufstehen. Um 6:00 ins Auto, um 7:00 bei der Arbeit sein.
Bis 16:00 arbeiten, dann wieder eine Stunde mit dem Auto zurück, um 17:00 zu Hause.
Das Ganze dann 5 Tage die Woche. Monat für Monat und Jahr für Jahr.

Und der Lohn liegt, wenn man Benzinkosten, Pkw- Steuer, Versicherung und Reparaturen abzieht, sogar noch unter dem ALG II (+KdU)- Niveau.
Selbst bei einem Stundenlohn von 12 € die Stunde.

Sehr geehrter Herr Felsenmusiker,

nun machen Sie mal einen Punkt! Was Sie hier beschreiben, sind doch absolut paradiesische Arbeitsbedingungen! Von 7:00 bis 16:00 Uhr arbeiten? Und das womöglich noch inklusive Pause? Meinen Sie eine Halbtagsstelle oder was? Über die 12 Euro die Stunde ließe sich ja reden, aber selbstverständlich nur dann, wenn Sie einen guten Universitätsabschluss haben (keinen verweichlichten Abschluss von der Fachhochschule, Bakkalaureus etc., und natürlich erst recht nicht mit einer einfachen Ausbildung). Und natürlich arbeiten Sie 5 Tage die Woche - und das noch nicht mal ganz, da der Gesetzgeber uns arme Arbeitgeber dazu zwingt, Ihnen 20 Tage Urlaub zu gewähren und Sie währenddessen für Ihren Schlendrian auch noch zu bezahlen (ich gleiche das immer dadurch aus, dass ich meine Leute bei starkem Arbeitsanfall zusätzlich samstags ins Büro bestelle - selbstverständlich überprüfe ich dann auch durch einen Telefonanruf aus meiner Villa, ob die auch alle beim Arbeiten sind. Da ich allerdings ein netter Scheff bin, bestehe ich samstags selbstverständlich nicht auf einen Arbeitsbeginn von 06:00 Uhr - die Arbeitsaufnahme um 08:00 Uhr ist am Samstag ausreichend).

Es ist eine Unverschämtheit, wie sehr sich unser deutscher Staat der Schlendrian-Förderung verschrieben hat! Dem faulen Arbeitnehmer wird alles in den Hintern geschoben - und wir arme und fleißige Arbeitgeber müssen dafür bezahlen! Wir leben offenbar längst im diabolischen Sozialismus!

Das Schlimmste ist ja, dass man dem faulen Arbeitnehmer auch noch ein Druckmittel in die Hand gegeben hat: Es nennt sich "Hartz IV". Dabei handelt es sich um eine viel zu großzügige, fürstliche Entlohnung fürs Nichtstun! Gäbe es Hartz-IV nicht, müssten sich die faulen Arbeitnehmer mit viel angemesseneren Lohnforderungen zufrieden geben (wobei ich als freundlicher Scheff meinen Arbeitnehmern selbstverständlich fürstliche Gehälter bezahle!).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Diethelm Gscheidle
(netter und toleranter Scheff, Verkehrswissenschaftler & Dipl.-Musiikexperte)
Ich bin ein löblicher Mensch - daher sind meine Beiträge redlich und anglizismenfrei.

Rudolf Rocker

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Re:Ich arbeite, also bin ich
« Antwort #10 am: 12:02:00 Fr. 08.August 2014 »
Sehr geehrter Herr Dr. Diethelm Gscheidle,

Sie wichsen nicht und sie ficken nicht, Sie saufen, kiffen und rauchen nicht.
Ich erlaube mir mal eine persönliche Frage: Was machen Sie eigentlich so den ganzen Tag?
In der Biebel lesen? Den Radetzky-Marsch auf einer Schellackplatte anhören? Ihre Mitarbeiter den ganzen Tag durch Kontrollanrufe von der Arbeit abhalten?
Erzählen Sie doch mal! ;D

Troll

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Re:Ich arbeite, also bin ich
« Antwort #11 am: 12:30:12 Fr. 08.August 2014 »
Ich stell mir das ungefähr so vor:
Dr. Gscheidle  fickt nicht, er pflanzt sich redlich und Gottgefällig mit seiner Ehefrau fort, trinkt redliches, klares, Gottgefällig reines Wasser bzw. maximal Knorketee und rauchen tut höchsten sein durch harte Arbeit erarbeitetes Individualmobil.
Ansonsten Arbeitet er redlich und Gottgefällig mindestens 24 Std. am Tag.
Nimm nur den Ehrgeiz den er hier an den Tag legt, er wird nicht aufhören bis er seine redliche Missionierung erfüllt hat, wenn sich kein Stammtischtreff mehr formiert somdern ein Besuch des Sonntäglichen Gottesdienstes zum gemeinsamen redlichen Beten.
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Re:Ich arbeite, also bin ich
« Antwort #12 am: 12:48:41 Fr. 08.August 2014 »
Irgendwo wars ja abzusehn, daß der Doc seinen Senf dazutut. Ich will es auch nicht weiter kommentieren. Aber ich erinner mich an eine kleine Story zum Thema: Mich hatte auch mal einer über sein schulbank-dominiertes Leben vollgesülzt. Natürlich kam die Frage nach meinem Erreichten: "2 Kinder" war die eiskalte Antwort. ;D
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dr.gscheidle

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Re:Ich arbeite, also bin ich
« Antwort #13 am: 13:45:52 Fr. 08.August 2014 »
Sie wichsen nicht und sie ficken nicht, Sie saufen, kiffen und rauchen nicht.
Ich erlaube mir mal eine persönliche Frage: Was machen Sie eigentlich so den ganzen Tag?

Sehr geehrter Herr Felsenmusiker,

da haben Sie nicht ganz recht, ich reinige meine Schuhe sehr wohl mit Schuhwichse (wenn das nicht meine stinkfaule Putzfrau erledigt), und ich trinke sehr wohl keusches Wasser - ansonsten würde der Mensch bekanntlich nicht überleben. "Kiffen" tu ich tatsächlich nicht, denn ich weiß noch nicht mal, was das ist. Sie haben darin recht, dass ich keinerlei gesundheitsschädlichen Tabak und auch kein kriminelles Kokain rauche.

Ansonsten habe ich extra einmal ein Tagebuch verfasst, welches Sie unter http://omec.us/ddg/tagebuch.html finden - da sehen Sie, was für ein erfülltes, interessantes und ausgeglichenes Leben ich führe.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Diethelm Gscheidle
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antonov

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Re:Ich arbeite, also bin ich
« Antwort #14 am: 13:47:25 Fr. 08.August 2014 »