Autor Thema: Der Zucker, Sonnleitners Bauernverband, die EU und Brasiliens Zuckerbarone  (Gelesen 2487 mal)

Wilddieb Stuelpner

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 8920
PRESSEMITTEILUNG: 24.06.2005 | 13:17 UHR | DEUTSCHER BAUERNVERBAND (DBV)

Sonnleitner: 'Vorgeschlagene Preissenkung bei Zucker ist ein Skandal'


Bauerntag erlebt eindrucksvolle Demonstration der Zuckerrübenbauern

'Der Vorschlag der EU-Kommission zur Reform der Zuckermarktordnung ist völlig überzogen und eine Kampfansage an die deutschen und europäischen Zuckerrübenanbauer.' Mit dieser eindeutigen Bewertung reagierte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Gerd Sonnleitner, in der Mitgliederversammlung des DBV während des Deutschen Bauerntages auf die offizielle Bekanntgabe der Reformvorschläge durch EU-Agrarkommissarin Mariann Fischer-Boel. Sonnleitner brach die Mitgliederversammlung ab, damit die rund 500 Delegierten sich solidarisch der spontanen Demonstration mit fast 400 Zuckerrübenbauern aus Niedersachsen, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg vor der Tagungsstätte des Bauerntages anschließen konnten. Mit einem lang anhaltenden schrillen Trillerpfeifenkonzert reagierten die Rübenbauern auf die Kommissionsvorschläge. 'Zucker nur noch aus Brasilien? Nein Danke!', 'Heimischer Zucker zum Nutzen unserer Verbraucher' stand auf mitgebrachten Plakaten. 'Ohne Not macht die EU die Rübe tot' war die Botschaft eines überdimensionierten Plakates, das an der Stadthalle angebracht war. Bäuerinnen und Bauern verkleideten sich aus Protest als Zuckerrübe. Mit dem Symbol einer Torte, die die zunehmende Beherrschung des Welthandels durch Zuckerrohr aufzeigte, protestierten die Bauern, Landfrauen und Landjugendlichen, beobachtet und interviewt von der großen Anzahl von Medienvertretern des Bauerntages.

'Preissenkungen von über 42 Prozent sind absolut untragbar, sie sind ein Skandal', rief Sonnleitner den Demonstrationsteilnehmern zu. Sie führten zu einer existenziellen Gefährdung der gesamten deutschen Zuckerwirtschaft. Der vorgeschlagene Ausgleich von theoretisch 60 Prozent sei zu niedrig, um die existenzbedrohlichen Einkommensverluste in den Rübenbaubetrieben aufzufangen. Die politisch Verantwortlichen ständen jetzt in der Pflicht, tragfähige Kompromisse vorzuschlagen. Landwirtschaft sei kein Abbruchunternehmen, sondern müsse als Wachstums- und Zukunftsbranche verstanden werden, betonte Sonnleitner. Der Anbau von Zuckerrüben und deren Verarbeitung dürften nicht auf dem Altar eine liberalisierten Welthandels und einer verfehlten Globalisierung geopfert werden. Das Präsidium des DBV hatte zuvor detailliert in einer Erklärung zu den Reformvorschlägen Stellung bezogen und seine Vorstellung einer Reform dargestellt (siehe nachfolgender Artikel).

Vor den Demonstranten ging der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rübenbauernverbände (ADR), Jan Kirsch, hart mit den Vorschlägen EU-Kommission ins Gericht. 'Auf dieser Basis ist in Deutschland und Europa kein nachhaltiger Zuckerrübenanbau mehr möglich', erklärte Kirsch. 50.000 Rübenbauern in Deutschland und tausende Arbeitsplätze in der Zuckerindustrie sowie vor- und nachgelagerten Sektoren seien bedroht und gefährdet. Die bisherige Zuckermarktordnung habe den Verbrauchern hohe Zuckerqualität zu stabilen Preisen garantiert, auch dies werde durch Zucker aus Rohr gefährdet. In Deutschland sei eine nachhaltige Landbewirtschaftung mit Zuckerrüben vorhanden, mit der 400.000 Hektar Kulturlandschaft geschaffen wurden - im Gegensatz zu den Zuckerrohrplantagen in Brasilien, die mit Umwelt zerstörendem Anbau, aggressivem Handel und geringer sozialer Verantwortung gegenüber den vielfach landlosen Bauern ihr Zuckerangebot auf dem Weltmarkt ausgeweitet hätten. Kirsch forderte kostendeckende Rübenpreise und eine weitere Berücksichtigung der AKP-Staaten im EU-Handel, denen weiterhin erlaubt bleiben müsse, Zucker in die EU zu importieren.

Ansprechpartner: Pressestelle Deutscher Bauernverband
E-Mail: presse@bauernverband.de

ARD/BR, Sendung "Weltspiegel": Zucker für Europa? Brasilien contra EU

“Die Europäische Union hat sich beim Eintritt in die Welthandelsorganisation vertraglich verpflichtet, nicht mehr als 1,2 Millionen Tonnen subventionierten Zucker auf dem Weltmarkt zu verkaufen. Aber in Wirklichkeit exportiert Europa fünf oder sechs Millionen Tonnen. Das heißt, die EU befindet sich mit rund vier Millionen Tonnen in der Illegalität“, sagt Fernando Moreira Ribeiro vom Verband der brasilianischen Zuckerrohrindustrie. Deshalb haben Brasilien und andere Länder die EU vor der WTO verklagt und Recht bekommen. Jetzt muss die EU Subventionen abbauen. Ribeiro vergleicht den Welthandel mit einem Krieg. „Europa hat eine Schlacht verloren und ist dabei den Krieg zu verlieren. Seit dem 18. Jahrhundert hat Europas Industrie die Welt beherrscht, jetzt muss sich Europa verändern.“ Wenn die EU die Subventionen abbaut, kann Brasilien seine Exporte erhöhen und satte Gewinne einstreichen. Darauf hoffen nicht nur die brasilianischen Zuckerunternehmer.

Die Zuckerfabrik von Laerdi Forti steht mitten auf der grünen Wiese im brasilianischen Bundesstaat Sao Paulo. Sein mittelständisches Unternehmen ist eine Erfolgsstory. Der Urgroßvater hatte die Fabrik gegründet. Die 2000 Arbeiter haben früher nur für den inländischen Bedarf produziert. Vor zehn Jahren hat Forti angefangen, den Zucker zu exportieren. Jetzt wird die ganze Jahresproduktion ins Ausland verkauft. Forti hat sich mit anderen Fabriken in einer Kooperative zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen sie den Weltmarkt erobern. „Die Welt hat Angst vor uns, wegen der Qualität und wegen des geringen Preises unseres Zuckers“, sagt Laerdi Forti. „Dabei nutzen wir niemanden aus. Wie haben gute Arbeitskräfte. Wir haben die Fabrik mit dem Herzblut aller aufgebaut.“ Aber der Zuckerbaron gibt zu, dass die Löhne niedrig sind. Er könne nicht mehr bezahlen, weil die EU den Zuckerpreis künstlich drückt.

Die Bauern und Saisonarbeiter werden die Verlierer im Zuckerkrieg sein. Für einen Mindestlohn von umgerechnet hundert Euro im Monat schuften sie den ganzen Tag. Wenn die EU die Subventionen abbaut, wird das Geld bei den Bossen bleiben, glauben sie. Brasilien ist schon heute weltweit der größte Zuckerproduzent mit weiteren Export- und Wachstumschancen.

Filmautor: Klaus Weidmann/SWR

Im Artikel des Weltspiegels stellt der brasilianische Zuckerbaron die Behauptung auf:

„Dabei nutzen wir niemanden aus.

Die Antwort folgt prompt:

Wenn die EU die Subventionen abbaut, wird das Geld bei den Bossen bleiben, glauben sie.

Es stellt sich die Frage, was wird aus den deutschen Landwirten und dessen Mitarbeitern? Was aus ihren Investitionen in die Ernte- und Biomasseverarbeitungstechnik?

Wird sich dadurch Kubas Wirtschaftsverhältnisse verbessern, die zum großen Teil diese Monokultur anbauen?

Was wird sich für den deutschen Kunden verändern, wenn er im Supermarkt Zucker kaufen muß?