Autor Thema: Zimmermädchen streiken  (Gelesen 219 mal)

Kuddel

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Zimmermädchen streiken
« am: 09:41:56 Sa. 17.August 2019 »
Zitat
Streiks in Spanien
"Wir lernen alle Schattenseiten des menschlichen Daseins kennen"

   
  • Etwa 200 000 Zimmermädchen arbeiten in Spanien, einige von ihnen demonstrieren derzeit für eine "menschenwürdige Hotellerie".
  • Eine vor drei Jahren gegründete Vereinigung von Zimmermädchen, die für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne kämpfen, nennt sich "Las Kellys".
  • Die sozialistische Regierung unter Pedro Sánchez hat dem Zeitarbeitssektor den Kampf angesagt, für Kontrollen fehlt den Behörden aber das Personal.
Dutzende Hotels befinden sich im Viertel um die Gran Vía. Ein paar Hundert Zimmermädchen arbeiten hier - und die meisten werden sich nicht an den Streiks beteiligen, mit denen die "Kellys" derzeit in Spanien Schlagzeilen machen. "Ich habe Angst, meinen Job zu verlieren", sagt Pilar, alleinerziehende Mutter zweier Kinder, 40 Jahre alt. In der Hauptsaison arbeiten schätzungsweise 200 000 Zimmermädchen in Spanien. Einige davon streiken derzeit wieder, in ihren T-Shirts. Zum Beispiel an diesem Freitag an der Costa Blanca: in Benidorm und Marina Baixa. Für eine "menschenwürdige Hotellerie".

"Las Kellys", so nennt sich eine vor drei Jahren gegründete Vereinigung von Zimmermädchen, die für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne kämpfen. Der Name ist eine Verballhornung des spanischen Halbsatzes "Las que limpian" - die, die sauber machen. So lautet der Titel eines Buchs mit Interviews, die der Journalist Ernesto Cañada mit den "Unsichtbaren" geführt hat. "Unsichtbare" nennt er sie, weil sie ihre Arbeit unauffällig erledigen sollen, nämlich in den Stunden der Abwesenheit der Hotelgäste.

Das Buch war für eine Gruppe junger Frauen der Anlass, sich über eine Facebookgruppe über ihren "Sklavenjob" auszutauschen. Meist zwischen 25 und 30 Zimmer soll jede von ihnen in einer Acht-Stunden-Schicht in Ordnung bringen. Sie klagten sich gegenseitig ihr Leid: Rückenschmerzen, Kniebeschwerden, raue Hände, tränende Augen, Atembeschwerden von den chemischen Reinigungsmitteln. Sie klagten auch über Touristen, die ihnen jeden Morgen einen Saustall hinterlassen.

Pilar von der Gran Vía in Madrid berichtet: "Wir lernen alle Schattenseiten des menschlichen Daseins kennen." In dieser Hinsicht seien junge Briten und Russen besonders gefürchtet; dagegen seien Skandinavier und Deutsche meist ziemlich ordentlich.

Zu der Facebookgruppe nahm von der Kanareninsel Lanzarote die Hotelangestellte Myriam Barros Kontakt auf. Schnell war man sich einig, dass das Klagen allein nichts nütze, man müsse sich organisieren und kämpfen. Die durchsetzungsstarke und rhetorisch gewandte Myriam Barros wurde zur ersten Vorsitzenden der Kellys. Sie knüpfte Kontakte zu Medien, sodass auch Politiker auf die Aktivistinnen aufmerksam wurden. Anfang des vergangenen Jahres empfing der damalige konservative Premierminister Mariano Rajoy eine Abordnung von ihnen im Madrider Regierungspalast Moncloa; aus den 45 Minuten, die für das Gespräch vorgesehen waren, wurden zweieinhalb Stunden.

Rajoy musste sich allerlei anhören: Seine Regierung hatte in ihrem Programm zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, die vor einem halben Jahrzehnt auf über 25 Prozent geklettert war, das Arbeitsrecht gelockert. Entlassungen wurden erleichtert, dies sollte Firmenchefs ermuntern, Neueinstellungen vorzunehmen. Dies funktionierte auch, aber die meisten neuen Arbeitsverträge waren prekär - auch in der Reisebranche.

Als das neue Arbeitsrecht in Kraft trat, entließ die große Mehrheit der Hotelbesitzer massenhaft Personal, um dieselben Zimmermädchen, Kellner und Köche gleich danach als Angestellte von Zeitarbeitsfirmen wieder einzustellen. Am Umfang der Arbeit hatte sich für sie nichts geändert, aber die Bezahlung: Lag der Mindestlohn für Zimmermädchen mit Festanstellung bei 1200 Euro plus Weihnachts- und Urlaubsgeld, so fiel bei den meisten das Einkommen auf 800 Euro pro Monat, was einem Stundenlohn von wenig mehr als vier Euro brutto entspricht. Zulagen gibt es auch nicht mehr. Allerdings Verträge, die nur auf eine Saison befristet sind.
Die Sánchez-Regierung will Zeitarbeit bekämpfen

Immerhin haben die Kellys bei Rajoy erreicht, dass viele ihrer Beschwerden nun als Berufskrankheiten anerkannt werden. Doch reicht ihnen dies nicht. Deshalb versuchen sie, in diesem August in einigen der Touristenzentren Streiks zu organisieren - auf Benidorm soll am 24. und 25. August Ibiza folgen. Wahrscheinlich aber werden die Touristen gar nicht viel davon mitbekommen: Die Kellys haben nur etwa 4000 aktive Mitglieder. Die Angst, keine Arbeit mehr zu finden, ist groß.

Zwar hat die sozialistische Regierung unter Pedro Sánchez dem Zeitarbeitssektor den Kampf angesagt. Doch fehlt den Behörden für Kontrollen das Personal. Eigentlich möchte man ohnehin keinen Lärm machen: Tourismus bleibt der wichtigste Wirtschaftszweig in Spanien. Die Kellys, sie haben noch einen weiten Weg vor sich.
https://www.sueddeutsche.de/panorama/spanien-streiks-kellys-1.4566160

BGS

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Re: Zimmermädchen streiken
« Antwort #1 am: 13:14:08 Sa. 17.August 2019 »
Und warum stellen die verstunkenen "Behörden" nicht ausreichend Personal ein?

MfG

BGS
"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)

Kuddel

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Re: Zimmermädchen streiken
« Antwort #2 am: 19:16:22 So. 25.August 2019 »

Kuddel

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Re: Zimmermädchen streiken
« Antwort #3 am: 15:15:10 Mo. 26.August 2019 »









Fritz Linow

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Re: Zimmermädchen streiken
« Antwort #4 am: 18:54:05 Fr. 30.August 2019 »
Zitat
29.8.19
Teilsieg nach Streik im Sheraton

Ein Teil des Reinigungspersonals legte gestern die Arbeit nieder. Nun verzeichnen sie erste Erfolge.

Das Viersternhotel Sheraton an der Pfingstweidstrasse in Zürich-West muss heute Donnerstag ohne einen Teil des Reinigungspersonals auskommen. Der Grund: ein Warnstreik wegen schlechter Arbeitsbedingungen. Das Reinigungspersonal ist dem Subunternehmen Burkhard Reinigungen unterstellt, dass die Arbeiterinnen unter unwürdigen Bedingungen arbeiten lässt, sagt Lorenz Keller von der Gewerkschaft Unia. (...)
https://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/stadt/Sie-streiken-fuer-eine-Festanstellung/story/10902903?