Autor Thema: "selfemployed"  (Gelesen 4313 mal)

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"selfemployed"
« am: 21:37:53 Do. 23.Januar 2003 »
In anderen Ländern wie Spanien oder Groß Britannien ist Scheinselbstständiggeit in einigen Bereichen schon Normalität. Auf einigen Baustellen laufen Maler, Klempner oder Elektriker rum, die sind alle "ihr eigener Chef" und ihre Firma besteht aus ihrer Werkzeugtasche.

Kermit

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"selfemployed"
« Antwort #1 am: 14:44:46 So. 23.Februar 2003 »
Vielleicht kann man dieses Konzept ausnutzen. Ein Kumpel aus England hat mir erzählt er hätte beim Arbeitsamt gesagt er wolle sich selbständig machen. Er hatte ein Konzept vorgelegt und einen Haufen Startgeld gekriegt. Er hat das Geld eingesackt und nach kurzer Zeit den Konkurs angemeldet. Er wollte nur das Geld, an einer Firma hatte er nie Interesse. Danach gab´s wieder Arbeitslosengeld.

ManOfConstantSorrow

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"selfemployed"
« Antwort #2 am: 13:00:05 Di. 25.Februar 2003 »
Meines Wissens gibt es hier ein Jahr lang 600 EUR pro Monat Zuschuß vom Arbeitsamt. Versuch das mal einzusacken und dabei "einen guten Schnitt" zu machen...
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Bill

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"selfemployed"
« Antwort #3 am: 01:57:23 Mi. 16.April 2003 »
Die 600 Euro gibt es bei der ICH-AG. Da gehen denn noch 400 Euro für Sozialversicherungen von ab. Von diesem Quatsch sollte man einfach die Finger lassen.

Es gibt noch eine Starthilfe für Jungunternehmer. Da bekommt man ein halbes Jahr lang recht vernünftiges Geld. Und man wir relativ in Frieden gelassen. Das könnte man wie "Kermits" englischer Kumpel nutzen. Es gibt für diese Gelder einigen Andrang. Der Haken bei der Sache ist folgender: Im Anschluß hat man den Anspruch auf Arbeitslosengeld verloren.

DeppVomDienst

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"selfemployed"
« Antwort #4 am: 00:03:12 Fr. 18.April 2003 »
Naja, das Überbrückungsgeld hat allerdings noch einen Haken: Du mußt vorher einen Nachweis erbringen, daß Dein Konzept wirtschaftlich tragfähig ist und einen sogenannten "Businessplan" aufstellen. Das ist einerseits mit jeder Menge Papierkrieg verbunden, andererseits: Wer kann bei der jetzigen wirtschaftlichen Lage überhaupt noch irgendjemanden davon überzeugen, daß eine Existenzgründung nicht schnurstracks in die Pleite führt?

Bei den "Ich-AGs" (was für eine scheußliche Wortkreation!) ist die Zielgruppe wohl eine andere: Wer sowieso nur ein Mini-Arbeitslosengeld bekommt, fährt hier in der Tat besser als mit dem 6-monatigen Überbrückungsgeld, welches sich nach der Höhe des Arbeitslosengeldes richtet. Und nach 6 Monaten ist dann ersteinmal Sense mit etwaigen Zuschüssen und man kann schauen, wovon man z.B. die Krankenversicherung bezahlt. Beim Scheitern einer Ich-AG wird ein eventueller Rest-Anspruch auf Arbeitslosengeld beibehalten. Und im übrigen ist die Existenzförderung in Form einer Ich-AG ein Rechtsanspruch, wenn man Bezieher von ALG oder AlHi ist oder in einer ABM-Maßnahme beschäftigt ist. Also nichts, was der Willkür eines frustrierten zynischen Arbeitsberaters unterliegt.

Ich sehe das ganze als eine Form von legalisierter Schwarzarbeit an; kann durchaus geeignet sein für familienlose Haiopeis, die mit ein paar Mal pro Monat jobben und relativ geringen materiellen Ansprüchen einfach in Ruhe gelassen werden wollen und sich die soziale Grund-Absicherung vom Staat sponsern lassen. Kurzum: Hier spricht ein Haiopei ...

glücksschwein

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"selfemployed"
« Antwort #5 am: 14:15:52 Do. 18.März 2004 »
vorweg: auch ich  bin seit dem letzten herbst ein ich-ag´ler (hast recht, dvd, eine unsinnige wortkombination), doch generell den daumen über diese möglichkeit zu senken halte ich doch etwas zu überzogen.

im grunde kommt es nämlich bei dem erfolg einer ich-ag auf nichts anderes an als bei einer normalen selbst-ständigkeit - vor dem start sollte man abklären, ob ...

a) die eigene vision überhaupt am markt gefragt ist
b) wie es mit der konkurenzsituation ausschaut
c) wie gross der bedarf an startkapital ist
d) ob man überhaupt bereit ist, sich an sieben tagen die woche tgl.
    12 - 14 std. für seinen erfolg langzumachen ??

solange auch nur ein punkt eine negative antwort ergibt, sollte man in der tat die finger davon lassen, da gebe ich euch recht.

ich für meine person hatte den vorteil, das ich meine jetzige tätigkeit schon als angemeldetes nebengewerbe im letzten jahr gestartet hatte. zwar hat mir das indirekt den arbeitsplatz gekostet, aber da der eh nicht so dolle war, konnte ich das insoweit verschmerzen, das es mir den kick zur vollselbstständigkeit gegeben hat.  

sicherlich, hätte ich mir nicht schon einen kundenstamm aufgezogen sowie ein warenbestand im hintergrund, hätte ich es ungleich schwerer gehabt. doch da dieses gegeben war, brauchte ich nicht einmal die gutmütigkeit eines bankmenschen und seiner kreditlinie, meine kleine ich-ag läuft schulden- und somit finanziell verpflichtungsfrei!

heute nach 6 monaten vollselbstständigkeit mache ich einen durchaus ansehnlichen umsatz mit dem ebay-handel und weiteren internetdienstleistungen, habe mein auskommen mit dem einkommen und kann sogar noch ein wenig kohle bunkern, was will ich mehr ?

übrigens löhne ich auf bescheid meines steuerberaters jetzt schon 195 euronen für die bfa, solange ich jedenfalls noch rentenversicherungspflichtig bin ...

glücksschwein

DeppVomDienst

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"selfemployed"
« Antwort #6 am: 14:42:50 Do. 18.März 2004 »
Hi Glückschwein,

ich kann Dir im Großen und Ganzen in vielen Punkten Recht geben ... der Punkt mit der Arbeitszeit ist Imho etwas übertrieben.

Zu Kritik der "Ich-AG" allerdings zwei Ergänzungen:
1. Die Ich-Ags sind ein Instrument zur Beschönigung der Statistiken. Das heißt: Das Arbeitsamt hat Interesse daran, diese "Lösung" Leuten aufzuschwatzen, die mit den von Dir genannten Punkten überhaupt nicht in Frage kommen. Habe diese Erfahrung auch in etwa so gemacht: Als es um eine Umschulung ging, waren die Termine bei meinem Arbeitsberater wie Polizeiverhöre (nicht im geringsten eine Übertreibung!), als ich das Wort "Ich-AG" beim dritten Termin fallen ließ, weiteten sich die Mundwinkel des Beraters und als Statement kam wörtlich: "Null Problemo" ...
2. Ich-Ags können durch subventionierte geringere Preise den Markt kaputt machen, so dass darunter auch abhängige Beschäftigungsverhältnisse leiden und im Endeffekt der kurzfristige statistische Effekt mit den Nebenwirkungen weiterer Arbeitsloser  und der generellen Absenkung von Einkommen einhergehen.

Habe übrigens vorher auch schon mal zwei Jahre als Nebenerwerb selbständig gearbeitet und fahre auf wahrscheinlich wesentlich niedrigerem Niveau (aber auch weniger Arbeit) zur Zeit ähnlich gut wie Du.

Gruss
DVD