Autor Thema: Helden der Arbeit/Arbeit macht (hirn)frei?  (Gelesen 4206 mal)

Powerlusche

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Helden der Arbeit/Arbeit macht (hirn)frei?
« am: 18:57:10 So. 06.August 2006 »
Was antwortet man solchen depppen der nation eigentlich ohne sie zu beleidugen: hier ein auszug aus einem anderen forum:


Ja sry leute aber ich hab 3 wochen nur stress und bin froh mal wieder an den pc zu kommen....wer 16-20h am tag, 7 tage die woche arbeitet...von dem kann man nich erwarten in ein spiel reinzuschauen oder? denke das versteht jeder....daher hab ich damals auch shcnibble mein main pw gegeben für notfälle.

@die die meinen meckern zu müssen: will euch mal sehen wenn ihr 16-20h am tag arbeitet dann noch ins spiel geht obwohl ihr platt wie nichts gutes seid weil ihr den ganzen tag aufm stapler sitzt und mehre mille tonnen am tag kutschiert und dabei voll konzentriert sein müsst weil sonst wegen einem ausrutscher mal eben 2 mille schaden entstehen kann. Also erstmal die andere seite hören. oder machts wie pani, icq antippseln. ich versuch übers handy das abzurufen geht aber nich immer. also erst eventuelle möglichkeiten in betracht ziehen wink

btw. wäre nen Dauersitterauftrag nich schlecht. Auf unbestimmt zeit da ich nicht eiß wie lang die aktionen noch gehen.

Danke


meine antwort;

sorry wer solange am tag arbeitet ist imho nicht ganz dicht ,nicht persönlich nehmen ich arbeite genau 8 stunden pro tag und hab noch ca 2 h an und abfahrtzeit, mehr werde ich bestimmt nie arbeiten,schrubb mir doch nicht mein leben für jemand anderes völlig kaputt
Wahrscheinlich ackerste auch noch fürn scheiss stundenlohn unterhalb jeglicher tariflöhne, also ich würd da jeden tag mindestens eine palette im wert von xxxx euro zerdeppern, solange die einen wie die sklaven treiben.


seine antwort

Das hat damit nichts zutun. Ich bin im Übergang zur festanstellung und ich will mich eben gut hinstellen. Es ist urlaubszeit. Was dazu führt das weniger leute da sind. Die überstunden bekomme ich Voll ausbezahlt. Übertariflich. Und mein Geldeingang ist mehr als Übertariflich.

meine antwort:

ist trotzdem wahnsinn solange zu arbeiten und ich wette ein jahresgehalt das du wenn es wieder normal läuft nen tritt in den allerwertetseten bekommst und du die ganzen stunden ohne wirkung geleistet hast.
wenn di9e so knapp mit leuten sind sollten die welche einstellen und nicht die bestehende mannschaft zu 200% leistung peitschen mit fadenscheinigen zusagen die bestimmt alle zur sicherheit nur mündlich gemacht wurde

sein heldenhafter freund:

mal ehrlich - das ist sein problem - nicht deins....
du hast sicher auch schonmal mehr als 8 stunden gearbeitet!

....btw - je nachdem was man tut kann sowas vorkommen - mein längster arbeitstag war mal 23,5 stunden (ohne an und abfahrt)
es war zwar nur ein studentenjob - ich würd's aber dennoch nochmal machen... schliesslich wenn man mal was braucht kann man dort immer wieder anklopfen!

solche unnützen diskussion gehören nicht mal in den spam...also bitte


meine antwort:

nja ich bin halt keine arbeitsameise(und hab auch nicht vor eine zu werden) und wer sowas auch noch freiwillig macht leistet nur unterstützung dazu das es immer wieder so gemacht wird.
im elektrobereich wird max 10 h am stück gearbeitet alles was länger macht kannste am nächsten morgen nämlich wieder rausreissen.
werd euch helden der arbeit bestimmt nicht mehr mit sowas wie eine "unnütze"diskussion darüber belästigen.


unser held der arbeit wieder:

....faul sterben kann jeder. Und leute einstellen geth nicht weil die nur aufhalten würden weil die die materie nicht kennen. Das ist ein spezialbetrieb für Logistik. Und einmalig in deutschland. Dafür gibts keine leute.


ende der diskussion.


meine abschliessende antwort:

Ja,Ja Arbeit macht frei......





könnte kotzen wenn ich sowas lesen muss, btw welche firma in bremen könnte damit gemaint sein?
Wer Peanuts bezahlt muss Affen einstellen.

Ziggy

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Helden der Arbeit/Arbeit macht (hirn)frei?
« Antwort #1 am: 20:04:57 So. 06.August 2006 »
Mittlerweile alle gehirnerweicht, diese Deppen!

Habe in meinem Betrieb auch immer wieder mit "übermotivierten" Leihkeulen zu tun, die "freiwillig" immer 120 Prozent produzieren, ohne jede Not ...

Kürzlich folgender Schichtende-Dialog zwischen Schichtleiter und mir:

Er: "Hat man dich schon angesprochen wegen neuer Leistungsvorgaben?"

Ich: "Ne, um was geht's?"

Er: "Na ja, wir müssen künftig auch von den Leiharbeitern mehr verlangen, 100 Prozent reichen nicht mehr, 120 sollte schon jeder bringen ..."

Ich: "Gut, dann wünsche ich euch viel Spaß, ich bringe auch künftig nicht mehr, das kannst du deinen Sklaventreibern bestellen. Wenn sie mehr wollen, sollen sie Leute einstellen, und basta. Mich könnt ihr alle am Arsch lecken. Wenn's euch nicht passt, könnt ihr meinen Chef anrufen und euch bei dem beschweren, ihr tut mir einen Gefallen damit, glaub mir ..."

Gesprächsende.

Leider haben sich viele Kollegen einschüchtern lassen. Die Bosse lachen sich tot über uns. Ehrlich, mein Problem sind nicht die Stammis, sondern hosenvollscheißende LA, die für 7 € und weniger vollen Akkord schieben und dabei MEHR leisten als die Stammis, denen das natürlich auch nicht hilft. Das Perverse dabei: Wenn sich ein LA mal darauf eingelassen hat, und dann plötzlich mal leistungsmäßig einbricht (bei der Juli-Bullenhitze zum Beispiel), bekommt er ein Gespräch reingedrückt ...

Ich lass mir keine Angst machen und hab meine Ruhe. Wer sich EINMAL einschüchtern lässt, bei dem versuchen sie's immer wieder!

Grüße, Ziggy
Um seine Liebe zu beweisen, erklomm er die höchsten Berge, durchschwamm die tiefsten Meere und zog durch die weitesten Wüsten. Doch sie verließ ihn – weil er nie zu Hause war.

uwenutz

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Helden der Arbeit/Arbeit macht (hirn)frei?
« Antwort #2 am: 22:04:15 Mi. 16.August 2006 »
Bei Ziggys Bericht fällt mir mein altes Schulfach europäische Geschichte,
19. Jahrhundert, wieder ein. Seinerzeit wurde das Thema:
Manchesterkapitalismus und seine historische bedingte Überwindung
behandelt. Damalige Erklärung und für mich durchaus auch plausible
Beantwortung hieß: aufgrund des verstärkten
Demokratisierungsprozesses einerseits und der allgemein verbesserten
Lebensumstände, die durch eine verdichteten Automation andererseits
entstanden ist, sorgten dafür, den Frühkapitalismus und seine
Folgeerscheinungen zu beendigen. Tja, wie kann man sich nur so
irren, scheint in der Natur der Sache, rein kapitalistisch betrachtet, zu
liegen Irrungen als gottgegeben hinzunehmen. Denn in bester Tradition
sozusagen lag schon Godfather Adam Smith (für mich zumindest) mit
seiner volkswirtschaftliche Betrachtungsweise, der so hoch
geschätzten "unsichtbaren Hand" völlig daneben, wenn er vermeint,
daß eine Vereinbarkeit, ja Untrennbarkeit, des Eigeninteresses der
Einzelnen und des Gemeinwohls vorhanden sei und als Gesetz zu sehen
ist, allein die Monopolstruktur heutiger Konzerne und ihr Handeln
widerlegt Adam Smith, trotz der von ihm zumindest zuerkennenden
Gefahrensichtweise, dennoch.

regenwurm

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Helden der Arbeit/Arbeit macht (hirn)frei?
« Antwort #3 am: 10:14:56 Do. 17.August 2006 »
Sklaven sollen dienen - "geh arbeiten"

Link
Das System macht keine Fehler, es ist der Fehler.

Rexton

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  • Magnus Gerlach, ja der Schriftsteller und Schrecken der ARGE!
Helden der Arbeit/Arbeit macht (hirn)frei?
« Antwort #4 am: 11:46:20 Fr. 18.August 2006 »
Einsatz, Engagement und Loyalität zum Arbeitgeber zählen gar nichts! Wenn nun der Vorstand beschließt das zur Maximierung von Gewinn und Börsenkurs am Personal gespart werden soll, dann wird am Personal gespart!

Wer sich nun bewußt auch noch Tot macht für die Villa des Vorstand ist selber Schuld!

Magnus Gerlach
Ziviler Ungehorsam ist oberste Bürgerpflicht und demokratisches Grundrecht !

leibeigner

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Helden der Arbeit/Arbeit macht (hirn)frei?
« Antwort #5 am: 21:23:29 Di. 05.September 2006 »
Es giebt schon einen haufen irre in der welt.
Im juli bin ich mit dem pkw an einer straßen teerenden truppe von bauarbeitern vorbeigegefahren,mußte halte und meine der brütenden hitze wegen:" Schon eine scheiß arbeit was "
Alle bis auf einen verdrehten die augen und der eine meinte das die arbeit ja besser wäre wie gar keine.
Na prost mahlzeit bei 37 grad straßen teeren und dabei freudvoll von:"besser wie gar keine arbeit"-reden zeugt schon von reger hirntätigkeit.
Zu zonenzeiten hätte da keiner einen handschlag gemacht,da galt hitzefrei!Natürlich selbstverordnet.
Ich hab meine klimaanlage gemaxt und besser an die zeiten gedacht wo arbeiten noch spaß gemacht hat.
Da ich mich nur selbst ausbeute nehm ich an solchen tagen frei,der kreislauf dankt es!

uwenutz

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Helden der Arbeit/Arbeit macht (hirn)frei?
« Antwort #6 am: 22:27:21 Di. 05.September 2006 »
So wie es Leibeigener@ beschrieben hat und das
gilt vermehrt für eine Vielzahl deutscher Jobs in heutiger Zeit,
diese fallen von Jahr zu Jahr primitiver aus, ist Bildung, Wissen,
Kreativität, Know How absolut kontraproduktiv, Pisastudien
dienen den europäischen "Vergleichs-Eliten" da mehr einer
olympischen Alibiveranstaltung.

muffpuddi

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  • Zukunftsangst zwischen bravem Dasein als Studentin und Callgirlagenturchefin... Was ist effizient? Was sicher? Für was brenne ich, was kann ich den Rest meines Lebens mit Leidenschaft tun?
Helden der Arbeit/Arbeit macht (hirn)frei?
« Antwort #7 am: 17:40:46 Fr. 29.September 2006 »
Zitat
Original von regenwurm
Sklaven sollen dienen - "geh arbeiten"

Link

"Eigenes Tun schafft Selbstvertrauen und Selbstzufriedenheit".

Stimmt. Solange ich BOCK habe mir meine Hosen selberzunähen.
Nähen ist ein Hobby, sich runtermachen lassen, in einer unbelüfteten Kaschemme arbeiten und noch bei der Lohnabrechnung bescheissen lassen nicht  X(

mp, noch minijobberin
Der alltägliche Wahnsinn zwischen gewaltigem Vorwärtsdrang im Leben, Geldparanoia und Zukunftsangst...
(Avatar bitte nicht ernstnehmen, bin einfach sarkastisch und hasse Rosa-Tussis)

Kuddel

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Re:Helden der Arbeit/Arbeit macht (hirn)frei?
« Antwort #8 am: 11:47:23 Sa. 01.Mai 2010 »
Zitat
Die Arbeit nieder!

Plädoyer gegen eine Verherrlichung von Arbeit und für das Recht auf Faulheit - Von Stephan Grigat


Arbeit macht krank, Arbeit schändet, Arbeit ist Mühsal und macht hässlich. Karl Marx wusste das und hat allen Kritikern gesellschaftlicher Elendsproduktion ins Stammbuch geschrieben: "Das Reich der Freiheit beginnt erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört." Die sich merkwürdigerweise immer wieder auf Marx berufende Arbeiterbewegung hat die Vernutzung der Arbeitskräfte zum Zwecke der Verwertung des Kapitals hingegen zur anbetungswürdigen Selbstverwirklichung geadelt. Das proletarische Schaffen sei gut, und der eigentliche Skandal des Kapitalismus bestünde darin, nicht jedem Menschen einen Arbeitsplatz zur Verfügung zu stellen.

Ob Sozialdemokraten oder Bolschewisten, ob christliche Soziallehre oder faschistischer Produktivitätswahn, ob Leninisten oder Strache-Fans - sie alle konnten und können sich für die elende Parole "Die Arbeit hoch!" begeistern. Anstatt sich an Paul Lafargue, den Schwiegersohn von Marx, zu erinnern, der das "Recht auf Faulheit" hochhielt, soll es ein "Recht auf Arbeit" sein, für das am 1. Mai gestritten wird.

Gegen Arbeitsfanatiker

Hitler proklamierte in Mein Kampf "den Sieg des Gedankens der schaffenden Arbeit, die selbst ewig antisemitisch war und antisemitisch sein wird". Wie ernst er das gemeint hatte, konnte man später über den Toren der Vernichtungslager nachlesen. Die Linke hingegen polemisierte gegen die schmarotzenden Müßiggänger und wünschte sich "Arbeiter- und Bauernstaaten", anstatt die Menschen vom elenden Dasein als Arbeiter zu befreien.

Der Arbeitsfanatismus von links bis rechts sieht die ehrliche Arbeit um ihren gerechten Lohn betrogen, sei es durch die "Zinsknechtschaft" oder durch die keineswegs nur von der Antiglobalisierungsbewegung so inbrünstig gehassten "Spekulanten". Die Agitation geht gegen "die da oben", gegen die "Bonzen und Parasiten", die lieber konspirieren als eben durch anständige Arbeit selbst etwas zum Volkswohlstand beizutragen.

Der Hass auf das unterstellte oder tatsächliche arbeitslose Einkommen ist nicht nur eine falsche, sondern angesichts seiner Ressentimenthaftigkeit und seiner Verherrlichung des Staates eine äußerst gefährliche Antwort auf gesellschaftliche Krisenerscheinungen und ungleiche Reichtumsverteilung. Der in jedem arbeitsfetischistischen 1.-Mai-Aufruf artikulierte Sozialneid ist das exakte Gegenteil von dringend notwendiger Sozialkritik.

Das zynische Achselzucken des Liberalismus, der angesichts der schlechten Einrichtung der Welt erklärt, die Menschen seien nun einmal so, und der über seine eigenen Konstitutionsbedingungen nichts wissen will, ist aber nicht viel besser als das linke Geraunze. Gegen liberale Konkurrenzverherrlichung und linken Staatsfetischismus ginge es um eine Kritik der Arbeit, die weder mit dem traditionellen Marxismus noch mit alternativen Verzichtsideologien etwas zu tun hat. Ihr geht es nicht um eine gleichmäßige Verteilung des Elends, sondern um seine globale Abschaffung. Sie will nicht Konsumverzicht, sondern Luxus für alle. Solch eine Kritik skandalisiert, dass Luxus und Genuss den meisten Menschen vorenthalten werden, obwohl das angesichts der weit entwickelten menschlichen und gesellschaftlichen Fähigkeiten nicht notwendig wäre.

Für diese Vorenthaltung bedarf es nicht des bösen Willens von "Heuschrecken", wie die Charaktermasken des Finanzkapitals, welche die vermeintliche Würde der Arbeit beschmutzen würden, in zahlreichen Reden am 1. Mai in sehr eindeutiger Tradition wieder tituliert werden dürften, sondern allein der Logik eines Systems, das sich nicht an den Bedürfnissen der Menschen, sondern der Verwertbarkeit des Kapitals orientiert.

Freiheit des Individuums


Eine Kritik der Arbeit richtet sich nicht gegen das Glücksversprechen der Bürger, sondern versucht, seinen ideologischen Gehalt aufzuzeigen und zu verdeutlichen, dass dieses Versprechen in der bürgerlichen Gesellschaft kaum eingelöst werden kann. Solcherart Gesellschaftskritik will keinen falschen Kollektivismus oder gar Gemeinschaftssinn, sondern die verwirklichte Freiheit des Individuums, das sich über seine gesellschaftliche Konstitution bewusst ist.

Dementsprechend verachtet solch eine Kritik die Parole "Die Arbeit hoch!" und setzt dagegen die Vorstellung Theodor W. Adornos von einem befreiten gesellschaftlichen Zustand: "auf dem Wasser liegen und friedlich in den Himmel schauen", was übrigens auch eine schöne Alternative zu den drögen Gewerkschaftsaufmärschen oder der Klassenkampfsimulation linker Splittergruppen am 1. Mai ist.

Zur Person: Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter für Politikwissenschaft an der Uni Wien und Autor von "Fetisch und Freiheit" (ça ira Verlag, 2007). Im Mai erscheint der von ihm mitherausgegebene Band "Iran im Weltsystem" im Studienverlag.
(Stephan Grigat, DER STANDARD, Printausgabe, 30.4.2010)

Kuddel

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Re:Helden der Arbeit/Arbeit macht (hirn)frei?
« Antwort #9 am: 09:10:31 Do. 21.Dezember 2017 »
Geschfreak hat an anderer Stelle einen Text gepostet, der mir so gut gefallen hat, daß ich ihn auch hier einkopiere:

Zitat
Fetisch Arbeit

„Die ,Arbeit‘ ist ihrem Wesen nach die unfreie, unmenschliche, ungesellschaftliche, vom Privateigentum bedingte und das Privateigentum schaffende Tätigkeit.“ Karl Marx

Alle fordern Arbeit, Arbeit, Arbeit! Manche fordern eine bedarfsorientierte Grundsicherung, andere ein bedingungsloses Grundeinkommen. Aber niemand durchleuchtet die Hintergründe der menschenverachtenden, absurden Verhältnisse, die heute in der Arbeitswelt herrschen. War es nicht ein uralter Menschheitstraum weniger arbeiten zu müssen, um endlich Zeit für’s „eigentliche Leben“ zu haben? Nicht das fürs Überleben notwendige Arbeiten sollte doch im Mittelpunkt stehen, sondern alles jenseits der blossen Bedürfnisbefriedigung: Die Musse, die Kunst, das Spiel, die Philosophie, alles, was das eigentlich Menschliche ausmacht. Heute wäre es endlich möglich, diesen Traum zu verwirklichen.
Zitat
Arbeit – so heisst die Tätigkeit der Sklaven

Ein Blick ins etymologische Wörterbuch und in Bücher, die die Geschichte der Arbeit aufzeigen, genügt, um unser sklavisches Verhältnis zur Arbeit besser zu verstehen.

Der Begriff „Arbeit“ hängt mit einem germanischen Verb zusammen, das „verwaist sein, ein zu schwerer körperlicher Tätigkeit verdingtes Kind sein“ bedeutet; noch im Mittelhochdeutschen meint es „Mühsal“, „Plage“, „unwürdige Tätigkeit“. Dem englischen „labour“ liegt das lateinische „labor“ zugrunde: „Leid“, „Mühsal“, „Anstrengung“. Das französische „travailler“ und das spanische „trabajo“ leiten sich aus dem lateinischen „tripalium“ ab: eine Art Joch, das zur Folter und Bestrafung von Sklaven und anderen Unfreien eingesetzt wurde. Auch das russische „robota“ kommt aus dem altslawischen „rob“, das „Sklave“, „Knecht“ heisst.

„Die Moral der Arbeit ist eine Sklavenmoral, und in der modernen Welt bedarf es keiner Sklaverei mehr“, sagte der englische Wissenschaftler und Nobelpreisträger Bertrand Russel.

Bis zur Antike gab es den Begriff „Arbeit“ überhaupt nicht. Das Wort „Arbeit“ entstand erst als Bezeichnung einer fremdbestimmten Tätigkeit unter Aufsicht und Befehl von anderen Personen.
Zitat
Alle wollen den Kapitalismus gerechter, humaner und ökologischer machen, aber in Frage stellt ihn niemand! Niemand hinterfragt die mörderische Warenlogik, die den Kapitalismus ausmacht. Im Kapitalismus ist es oberstes Prinzip, Profit zu machen, also Geld zu vermehren, (Mehr-)Wert zu schaffen.
...
Für die meisten Menschen ist eine selbstbestimmte Produktion und Verteilung von Gütern ohne Tausch und ohne Zwang undenkbar. Woher rührt bloss die panische Angst, über die todbringende Logik des kapitalistischen Systems hinauszudenken?

Die Forderung nach Solidarität und Mitgefühl kann heute nur noch heissen: Angriff auf die Herrschaft der heutigen Form von Arbeit und Ökonomie. Auch mit einem Grundeinkommen würde die mörderische Warenlogik nicht durchbrochen werden, weil das Geld, das verteilt wird, nicht einfach gedruckt werden kann. Es muss unter kapitalistischen Bedingungen erwirtschaftet werden. Diese Bedingungen bedeuten aber längst nur mehr eine Abwärtsspirale, die nichts und niemand mehr aufhalten kann. Kapitalismus kennt nur mehr den irrationalen Selbstzweck, bis ans Ende aller Zeiten aus Geld mehr Geld zu machen. Innerhalb des Kapitalismus ist keine emanzipatorische Perspektive mehr möglich. Er ist an seine eigenen Grenzen gestossen.
Zitat
Fussfesseln für Arbeitslose: irrwitzig, aber logisch

Was hat es mit der Forderung des hessischen Justizministers Christean Wagner (CDU) nach Fussfesseln für Arbeitslose auf sich? Ende April 2005 verbreitete er die Idee, auch therapierten Suchtkranken und Langzeitarbeitslosen als wohlwollende „Hilfe zur Selbsthilfe“ elektronische Fussfesseln zu verpassen.
...
Seit einigen Jahren aber wird dieser Status immer brüchiger. Insbesondere Langzeitarbeitslosen wird die Berechtigung als vollwertiges Subjekt zunehmend abgesprochen.
...
In der Logik kapitalistischer Verwaltung von Nicht-Subjekten machen die Fussfesseln also durchaus auch für Langzeitarbeitslose Sinn.
Zitat
Positives Denken – vom Esoterik-Glaubenssatz zum selbstverordneten Gleitmittel

In einer Welt, die immer mehr an ihren Widersprüchen zugrunde geht, in der der Schein längst mehr zählt als alles andere, ist Positives Denken das wirksamste Mittel zur Anpassung. Früher wurden Sklaven brachial zur Arbeit gezwungen, heute ist jeder sein eigener Sklaventreiber – ganz positiv gestimmt. In den letzten 25 Jahren hat es die Esoterik-Bewegung vorgebetet: mittels völlig verquerer Denkkapriolen die unmenschlichen Verhältnisse schön zu phantasieren. Positiv, ganzheitlich und spirituell lauten die Zauberwörter, die nun die für die Lohndienenden oft unerträglichen Zustände in der immer härter werdenden Arbeitswelt heilen sollen.

Sehr treffend.

Hier der komplette Text: http://www.untergrund-blättle.ch/gesellschaft/fetisch_arbeit_4458.html

Nao

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Re: Helden der Arbeit/Arbeit macht (hirn)frei?
« Antwort #10 am: 09:06:37 Fr. 19.April 2019 »
Zitat
72 Stunden pro Woche zu arbeiten ist ein Segen, sagt Alibaba-Gründer Jack Ma

Arbeiten bis zum Umfallen: 72-Stunden Wochen findet Jack Ma, Gründer des chinesischen E-Commerce Riesen Alibaba, gar nicht schlecht. Im Gegenteil: Die in der chinesischen Tech-Branche übliche Arbeitszeit sei ein „großer Segen für junge Unternehmen". Inzwischen regt sich jedoch öffentlicher Widerstand gegen diese Arbeitskultur, berichtet „t3n".
https://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/alibaba-chef-jack-ma-karriere-nur-bei-72-stunden-arbeit-pro-woche-a-1263291.html

Kuddel

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Re: Helden der Arbeit/Arbeit macht (hirn)frei?
« Antwort #11 am: 10:11:03 Mi. 12.Juni 2019 »
Es gibt Grund zur Hoffnung:

Zitat
Nach der Generation Z verlieren auch Millennials die Lust am Arbeiten

...Die nach 1995 geborenen jungen Arbeitnehmer und Hochschulabsolventen erobern aktuell den Arbeitsmarkt und bringen eine lange Wunschliste mit. Ihr Tenor: Viel bekommen – doch nicht zu viel leisten müssen.

Viele Personaler freuten sich angesichts dieser Perspektive, noch schnell neue Mitarbeiter aus der „Vorgängergeneration“ eingestellt zu haben. Die Generation Y, auch als Millennials bekannt, gilt nämlich als strebsam und arbeitswillig. Wer zwischen 1981 und 1995 geboren wurde, ist gerne rund um die Uhr erreichbar und belastbar.
...
Die nach 1995 geborenen jungen Arbeitnehmer und Hochschulabsolventen erobern aktuell den Arbeitsmarkt und bringen eine lange Wunschliste mit. Ihr Tenor: Viel bekommen – doch nicht zu viel leisten müssen.

Doch nach der Generation Z wird jetzt auch die Generation Y zum Sorgenkind in vielen Unternehmen – die Millennials verlieren offenbar die Lust am Job.

Jetzt also die Kehrtwende, die eine neue Studie liefert – denn sie will ausgerechnet den entscheidenden Motivationsfaktor der Millennials entkräften.

Die Millennials wollen mehr Geld um jeden Preis.



https://www.welt.de/wirtschaft/karriere/article194914883/Nach-Generation-Z-Nun-verlieren-auch-Millennials-Lust-am-Arbeiten.html?utm_source=pocket-newtab

Jeweils unterhalb der Nullinie. Vorbildlich!