Autor Thema: Unruhige Krankenhäuser?  (Gelesen 261069 mal)

Rudolf Rocker

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #390 am: 08:01:24 Mo. 27.November 2017 »
Da müsste es dann schon eine Rebellion an der Basis geben. Und da die Leute eher aus der Gewerkschaft austreten, als zu rebellieren, wird das wohl schwierig!

Kuddel

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #391 am: 20:50:37 Mo. 04.Dezember 2017 »
Aus einem Mailverteiler:


Liebe KollegInnen,

ab kommenden Mittwoch 6.12. werden die Beschäftigten der Helios Amper
Kliniken Dachau und Markt Indersdorf in einen unbefristeten Erzwingungsstreik treten.

97,6% stimmten in einer Urabstimmung dafür.
Ein Ergebnis das keine Fragen offen lässt.


Beginn ist Mittwoch 6.12. 6:00 Uhr bis vorerst Freitag 8.12. 22:00 Uhr.
Über das Wochenende soll der Konzernführung die Möglichkeit gegeben
werden, der Forderung einer verbindlichen personellen Mindestbesetzung
zur Entlastung der KollegInnen nachzukommen. Da dies zum jetzigen
Zeitpunkt nicht sehr wahrscheinlich ist, kann mit einer Weiterführung
der Arbeitskampfmaßnahmen gerechnet werden.

Fresenius-Helios ist ein unnachgiebiger Gegner. Daher muss der
Arbeitskampf ebenso unnachgiebig geführt werden. Die KollegInnen können
dabei jede erdenkliche Unterstützung gebrauchen. Zeigt Solidarität,
kommt vorbei zu den Streikposten, verfasst Solidaritätsschreiben, macht
Aktionen vor Helios Kliniken in eurer Nähe.

Hintergründe und Vorgeschichte:
http://www.labournet.de/branchen/dienstleistungen/gesund/gesund-arbeit/solidaritaet-statt-leistungsdruck-fuer-profite-warnstreik-den-helios-amper-kliniken-dachau/

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/in-der-kritik-pflegestufe-rot-1.3771157

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/dachau/streikam-dachauer-krankenhaus-wild-entschlossen-1.3723618

Unabhängige Betriebsgruppe am Helios Klinikum Dachau
http://betriebsgruppen.de/bgak/index.html


Adressen für Solidarität:

Unabhängige Betriebsgruppe Helios Klinikum Dachau  
betriebsgruppe.amperkliniken@yahoo.de
FAU München:
Sektion Gesundheits- und Sozialberufe  faum-gesundheit@fau.org
Lokalföderation München  faum@fau.org

Adressen von Helios Kliniken:
Helios Amper Klinikum Dachau, Krankenhausstr. 15, 85221 Dachau
Helios Klinik Indersdorf, Maroldstraße 45, 85229 Markt Indersdorf
Helios Klinikum München West, Steinerweg 5, 81241 München
Helios Klinik München Perlach, Schmidbauerstraße 44, 81737 München
Helios Klinik Kipfenberg, Konrad-Regler-Straße 1, 85110 Kipfenberg
Fresenius Vamed Gesundheitszentrum Oberndorf Salzburg, Paracelsusstraße
37, 5110 Oberndorf

Zulieferer der Helios Region Süd:
Fresenius Kabi, Niederlassung München, Robert-Bosch-Str. 11, 85748
Garching

Kuddel

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #392 am: 11:59:09 Sa. 09.Dezember 2017 »
Diese Meldung ist schon ein paar Tage alt... (5.12.)

Zitat
Achtung! Wichtig! An Alle!

Mitteilung der Unabhängigen Betriebsgruppe:


Helios hat heute 13:00 Uhr per einstweiliger Verfügung den ab morgen
geplanten Streik verbieten lassen. Genauere Gründe sind uns bisher nicht
bekannt. Im Anhang eine PM der verdi. Gegen die Verfügung wurde
Widerspruch erlassen.

Damit hat sich Helios erneut in die Schlagzeilen gebracht, wenn es darum
geht die Rechte und Belange ihrer Beschäftigten mit Füßen zu treten.
Dass herkömmliche Arbeitskampfmethoden Europas größtem Klinikkonzern
immer noch zu weit gehen, ist keine Überraschung. Überraschend ist
allerdings, dass man ohne weiteres einen Streik verbieten kann.

verdi Mitglieder und Betriebsaktive werden sich morgen beraten. Wir
werden nicht den Kopf in den Sand stecken. Und wir werden uns auch von
niemandem bremsen lassen, sondern unsere Wut in die Öffentlichkeit
bringen.

Dieses Urteil ist nicht haltbar, der Streik wird kommen und er wird mit
aller Härte ausgefochten werden. Die Verhältnisse waren noch nie so klar
wie heute.


"Nur wer sich bewegt, spürt seine Fesseln" (Rosa Luxemburg)


Der Text von Verdi:

Zitat
HELIOS - Mit juristischen Mitteln gegen Entlastung.
Die HELIOS Amper Kliniken AG reicht einstweilige Verfügung
ein.

Das Arbeitsgericht München hat einer einstweiligen Verfügung
der HELIOS Amper Kliniken AG kurzfristig stattgegeben. Die
Gewerkschaft ver.di sagte daraufhin ihren für den 6. bis 8. November
geplanten Arbeitskampf ab. „Mit ihrem Vorgehen haben
sich die Arbeitgeber keinen Gefallen getan“, erklärte ver.di-Verhandlungsführer
Robert Hinke: „Es geht nicht um Paragrafen, es
geht um Menschen. Menschen, die gepflegt werden, und Menschen,
die diese Pflege unter immer schlechteren Bedingungen
tagtäglich leisten. 97% haben für Streikmaßnahmen gestimmt!
Ein klares Signal, welches mit juristischen Formeln nicht ignoriert
werden kann. Die Übrigen drei Prozent dürften nunmehr
überzeugt sein, dass es so nicht weitergehen kann.“ Die Gewerkschaft
ver.di erklärte bereits, sich nicht durch „juristische Winkelzüge“
von einer Verbesserung der Arbeitsbedingungen abhalten
zu lassen.

„HELIOS arbeite mit allen Mitteln“, so auch der Münchner Betreuungssekretär
Christian Reischl. „Nach der Strategie des Aussitzens
folgt nunmehr, in letzter Sekunde, eine einstweilige Verfügung über
einen Frankfurter Anwalt“. Auf gut vorbereiteten 188 Seiten hat man
eine Phalanx an allerlei juristischen Argumenten aufgeboten, um die
Richter dazu zu bewegen, den Arbeitskampf zu verbieten. Anstatt gemeinsam
mit uns nach Lösungen zur Entlastung des Personals zu suchen,
wird nach juristischen Mitteln gegriffen. „Es brodelt auf den Stationen“,
erläutert Reischl. Aus seiner Sicht geht „der Kampf um Entlastung“
jetzt „erst richtig los.“

Die Gewerkschaft ver.di wird sich noch morgen Abend mit ihrer Tarifkommission
und Streikdelegierten treffen um die nächsten Schritte zu beraten.
Als positiv wertet ver.di, dass sich das Arbeitsgericht nicht dem eigentlichen
Anliegen der Arbeitgeberseite angeschlossen hat, die vorgelegte
Notdienstvereinbarung als Eingriff in die unternehmerische Freiheit
zu werten. Ob die gewerkschaftlichen Forderungen mit bestehenden
tariflichen Regelungen kollidieren lässt sich nach Auffassung von
ver.di klären und problemlos lösen. Das schriftliche Urteil steht noch aus.
„Es darf als sicher gelten“, so Hinke, „der Arbeitskampf ist nur aufgeschoben,
nicht aufgehoben. Wir lassen aus durch juristische Kniffe nicht
aushebeln.“

Weitere Informationen:
ver.di Bayern
Fachbereich Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kir
chen

Fritz Linow

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #393 am: 22:31:59 Do. 14.Dezember 2017 »
Zitat
13.12.2017
1.200 streiken an Tübinger Uniklinik – morgen Warnstreik in Freiburg

An der Tübinger Uniklinik sind 1.200 Beschäftigte heute im Warnstreik. Seit Beginn der Frühschicht um sechs Uhr wird die Arbeit niedergelegt, das Ende des Streiks ist am späten Abend. Aufgrund der Notdienstvereinbarung, die die Behandlung von Notfällen, lebensnotwendige Maßnahmen wie Tumor-Operationen oder die Behandlung schwerer Fälle in den Kinderkrankenstationen zulässt, konnten mehrere hundert Beschäftigte heute ihr Streikrecht nicht wahrnehmen. Auf 85 von 96 Stationen wird heute nur im Wochenendmodus gearbeitet, die Hälfte der Operationen musste verschoben werden.(...)
https://bawue.verdi.de/presse/pressemitteilungen/++co++139f1a1e-dfec-11e7-96c9-525400423e78

Wäre mal interessant, wie sich Notdienstvereinbarung und Wochenendmodus überhaupt noch vom Alltag unterscheiden.

Fritz Linow

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #394 am: 18:52:55 Fr. 29.Dezember 2017 »
Zitat
29.12.17
Keine Entlastung – Beschäftigte brüskiert

Helios Amper Kliniken Dachau: verdi legt Arbeitskampf auf Eis

Es geht um mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen und um eine grundlegende Wertschätzung der Kolleginnen und Kollegen. Und obwohl nichts davon bisher erreicht wurde, hat die Gewerkschaft verdi nun den Arbeitskampf vorerst auf Eis gelegt. Nach dem skandalösen Verbot eines unbefristeten Streiks Anfang Dezember, konnte verdi eine finanzielle Offerte nicht ausschlagen. Trotz nie dagewesener Geschlossenheit und Kampfeswillen der Kolleginnen und Kollegen.
(...)
https://www.fau.org/artikel/art_171228-143729

Kuddel

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #395 am: 17:19:13 Mi. 03.Januar 2018 »
Zitat
Tausende Ärzte verweigern Überstunden

In Polen hält der Protest der Ärzte gegen ihre Arbeitsbedingungen an.


Rund 5.000 Mediziner hätten eine Vertragsklausel gekündigt, die sie zu Überstunden verpflichte, teilte die Vereinigung polnischer Assistenzärzte mit. Dadurch sei der Betrieb an mehreren Kliniken im Land erheblich beeinträchtigt. Das Gesundheitsministerium in Warschau teilte dagegen mit, die Lage sei unter Kontrolle.

Die Ärzte protestieren seit Oktober gegen ihre Arbeitsbedingungen. Auftakt bildete ein mehrwöchiger Hungerstreik in Warschau. Das Gesundheitswesen in Polen ist chronisch unterfinanziert. Viele Patienten müssen oft monatelang auf Behandlungen und Operationen warten.
http://www.deutschlandfunk.de/polen-tausende-aerzte-verweigern-ueberstunden.2932.de.html?drn:news_id=834713

Fritz Linow

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #396 am: 23:30:34 So. 04.Februar 2018 »
Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Reichstag, Erwin Rüddel (CDU), weiß, wie der Pflegenotstand zu beheben ist:



Unter #twitternwierueddel wird dieser rheinländischen Karnevalsnase nun kräftig eingeheizt. Wäre ja mal ganz nett, wenn sich der Unmut darüber nicht nur online, sondern auch mal ganz konkret im Alltag ausdrücken würde.

admin

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #397 am: 14:22:47 Mo. 12.Februar 2018 »
Nicht online, sondern ganz konkret war eine Veranstaltung in Kiel zu den Arbeitsbedingungen in der Pflege:

https://uksh-blog.netzwerkit.de/2018/01/17/veranstaltung-in-kiel-am-4-2/

Kuddel

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #398 am: 14:15:28 So. 25.Februar 2018 »
Zitat
Ariane Müller, Krankenschwester

deutsch  | 12 min  |  2018

Ariane Müller arbeitet seit 43 Jahren im Krankenhaus und engagiert sich seit Jahrzehnten für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Personal. 2005 hat sie im Bremer Klinikum Mitte die Betriebsgruppe "Uns reicht's Bremen" mitgegründet, und 2017 das Pflegebündnis Bremen.

"Wichtig ist, dass wir uns bundesweit vernetzen, und ich persönlich bin mir sicher, dass wir es nicht mit einfachen Forderungen erreichen, indem wir an bestimmte Stellen, z.B. hier in Bremen an den Bremer Senat, appellieren, sondern wir müssen Druck erzeugen. Und in meinen Augen geht das nur, wenn wir flächendeckend, auch bundesweit Streiks organisieren. Nur diese Sprache versteh'n se."

https://labournet.us13.list-manage.com/track/click?u=aad840f755c59eb83507caa26&id=ab9b74e678&e=e025a64fe1

Fritz Linow

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #399 am: 22:26:56 Sa. 14.April 2018 »
Zitat
Die ver.di Tarifkommission hat an diesem Mittwoch entscheiden. An den Unikliniken in Baden-Württemberg wird es einen Tarifvertrag auf Probe, der nach 6 Monaten wieder kündbar ist, geben.
Sachen gibt's.
Zitat
Über die Entscheidung der Tarifkommission, das Kräfteverhältnis und den Stand der Organisierung am Uniklinikum haben wir mit Alex gesprochen - mit einer Unterbrechung - seit 30 Jahren Krankenpfleger an der Uniklinik, langjähriger Beobachter der Entwicklungen in der weißen Fabrik und aktiv in der Freiburger worker center Initiative. Er hat auch in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift wildcat einen Artikel über die Tarifkampagne im Krankenhaus geschrieben.
https://rdl.de/beitrag/gewerkschaft-kein-hebel-um-politisch-soziale-bewegung-aufzubauen

Der darin verlinkte Artikel aus der wildcat ist lesenswert:
https://www.wildcat-www.de/aktuell/a107_klinik.html

Fritz Linow

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #400 am: 09:24:55 Fr. 08.Juni 2018 »
Zitat
Nach nicht einmal einem Tag ist der Streik im Pflegeheim «Les parcs du troisième âge» in Bartringen bereits wieder beendet. «Angesichts dieser Streikbewegung, die – entgegen den Versprechungen der Gewerkschaften – unsere Bewohner in ernsthafte Gefahr gebracht hätte, sehen wir uns gezwungen, die Lohnforderungen zu akzeptieren», sagte Normi Barnig, der ärztliche Direktor der Betreuungseinrichtung.(...)
http://www.lessentiel.lu/de/luxemburg/story/Direktion-lenkt-ein-Streik-in-Pflegeheim-beendet-25532334

tleary

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #401 am: 16:15:32 Do. 21.Juni 2018 »
Was lehrt uns das? - Sozialer und gesellschaftlicher Fortschritt ist nur gegen "die da oben" zu erzielen.
»Wir wissen, so wie es ist, kann es nicht weiter gehen. Aber es geht weiter.«
(Autor unbekannt)

Kuddel

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #402 am: 20:01:13 Mi. 15.August 2018 »
Presseschau zur Krankenhaus-Streikbewegung 2018

https://uksh-blog.netzwerkit.de/2018/08/13/streikwelle/#more-711

counselor

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #403 am: 12:22:43 So. 19.August 2018 »
Zitat
Düsseldorf - Streik in Uniklinik: So wirkt sich der Personalmangel auf die Arbeit aus

Düsseldorf. Es sei „ein grausamer Streik“, hat die Leitung der Düsseldorfer Uniklinik in dieser Woche verlauten lassen. Ein Streik, der auf Kosten der Patienten gehe. Manuela Filzing (Name geändert) kann darüber nur den Kopf schütteln. „Hier geht es nicht um Geld oder um uns“, sagt die Krankenschwester. „Uns geht es gerade um die Patientensicherheit.“ Und die könne sie nicht mehr gewährleisten, wenn der Streik keinen Erfolg hat.

Quelle: http://www.wz.de/home/politik/nrw/streik-in-uniklinik-so-wirkt-sich-der-personalmangel-auf-die-arbeit-aus-1.2747268
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

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Re:Unruhige Krankenhäuser?
« Antwort #404 am: 15:42:03 Do. 13.September 2018 »
Das nenn ich Zustimmung!

Zitat
Knapp 98 Prozent für unbefristeten Streik an Uniklinik in Homburg
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/97834/Knapp-98-Prozent-fuer-unbefristeten-Streik-an-Uniklinik-in-Homburg