Autor Thema: Der ich-bin-bei-den-Medien-Faktor  (Gelesen 19466 mal)

Dirk76

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 10
Re:Der ich-bin-bei-den-Medien-Faktor
« Antwort #15 am: 11:49:49 Fr. 07.November 2014 »
Ob es bei den Energiekonzernen immer harmonisch zu geht, nur weil sie "friedlich koexistieren", bezweifle ich...

Troll

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 7867
  • A Dry Sponge is a Happy Sponge
Re:Der ich-bin-bei-den-Medien-Faktor
« Antwort #16 am: 13:07:32 Fr. 07.November 2014 »
Sie lieben sich nicht, wenn ein Konzern die Möglichkeit bekommt den anderen zu übernehmen oder auszulöschen wird er dies Bedenkenlos tun, aber so lange diese Möglichkeit nicht besteht arrangiert man sich lieber als sich konkurrenz zu machen und im Zweifelsfall Gewinneinbußen hinzunehmen.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 13309
  • Fischkopp
Re:Der ich-bin-bei-den-Medien-Faktor
« Antwort #17 am: 20:36:03 Mi. 04.Oktober 2017 »
Zitat
„Viele Schauspieler leben in prekären Verhältnissen“

Hans-Werner Meyer spricht im Interview über geringe Gagen und eine schlechte Altersabsicherung in seinem Beruf.


Als Hans-Werner Meyer mit Anfang zwanzig an der Schauspielschule in Hannover vorsprach, gab es in seinem Jahrgang ungefähr 800 Bewerber. Ein Bruchteil von ihnen wurde angenommen. In seiner Klasse gab es dann acht Studenten, von denen heute noch zwei in ihrem erlernten Beruf arbeiten. Viele wollen Schauspieler werden, doch nur wenige können davon leben. Um die Position der darstellenden Künstler zu stärken, hat Meyer gemeinsam mit Kollegen wie Jasmin Tabatabai, Herbert Knaup und Matthias Brandt 2006 eine eigene Branchengewerkschaft gegründet, den Bundesverband Schauspiel (BFFS). Meyer ist von Beginn an ehrenamtlich im Vorstand mit dabei. Seit fünf Jahren vergibt der BFFS auch einen eigenen Schauspielerpreis.

Herr Meyer, gibt es nicht schon genug Preise? Was unterscheidet den Schauspielerpreis vom Deutschen Filmpreis oder vom Deutschen Fernsehpreis?
Erstens zeichnen hier Schauspielerinnen und Schauspieler ihre Kollegen aus und zweitens machen wir keinen Unterschied zwischen den Genres. Die schauspielerische Arbeit und ihre inspirierende Wirkung auf die Kollegen ist das Kriterium, nicht die Art der Verbreitung. Ob sie also in einem Fernsehfilm, einer Serie oder einem Kinofilm stattfindet, ist nebensächlich. Und wir haben den Anspruch, das gesamte Schaffen eines Jahres im Blick zu haben.

Ihr Verband hat 3000 Mitglieder. Wie groß ist die Berufsgruppe insgesamt?

Es sind zirka 15 000 Schauspieler bei der Sozialversicherung gelistet, wir gehen aber davon aus, dass nur um die 5000 regelmäßig in diesem Beruf arbeiten.

Was machen die anderen?

Manche werden Autoren, manche schulen um, werden Heilpraktiker, kellnern oder schlagen sich mit Jobs durch, viele geben irgendwann auf.

Reich und berühmt wird man in Ihrer Branche also eher nicht.

Es gibt eine Studie, nach der etwa vier Prozent der Schauspieler in Deutschland  mehr als 100 000 Euro im Jahr verdienen und 70 Prozent unter 30 000, 60 Prozent sogar unter 20 000 Euro. Die übrigen 26 Prozent liegen irgendwo dazwischen. Vielen geht es nicht besonders gut. Sie leben in prekären Verhältnissen.

Wie haben sich die Arbeitsmarktreformen der jüngeren Zeit auf die Lage der Schauspieler ausgewirkt?

Hartz IV ist eine Katastrophe für Schauspieler. Wer da hineingerät, braucht einen Großteil seiner Energie, um die Bürokratie zu bedienen. Es ist sehr schwer, weil man zum Beispiel für Ein-Euro-Jobs zur Verfügung stehen muss, aus denen man dann nicht mehr herauskommt, falls doch mal wieder ein Drehtag kommt. Die Hartz-IV-Spirale ist für Schauspieler oft das Ende. Manche Kollegen lösen lieber ihre Lebensversicherung auf, als Hartz-IV zu beantragen.
http://www.fr.de/kultur/hans-werner-meyer-viele-schauspieler-leben-in-prekaeren-verhaeltnissen-a-1355284

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 13309
  • Fischkopp
Re: Der ich-bin-bei-den-Medien-Faktor
« Antwort #18 am: 13:38:36 Mi. 13.Februar 2019 »

Kuddel

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 13309
  • Fischkopp
Re: Der ich-bin-bei-den-Medien-Faktor
« Antwort #19 am: 10:45:47 Sa. 20.Juli 2019 »
In Japan knallte es spektakular:

Zitat
Schön sind in Japans Trickfilm-Industrie nur die Produkte

Der Brandanschlag auf ein Anime-Studio in Kyoto ist das verheerendste Attentat in Japan seit fast zwanzig Jahren. Neben der allgemeinen Erschütterung beschäftigt die Nation auch der Vorwurf der Ausbeutung, den der Tatverdächtige dem Betrieb gemacht haben soll.


«A Silent Voice» hat diese schöne Botschaft. Aus dem Off fragt da die Stimme: «Was ist nötig, um in eine Welt zu passen, die dich nicht hört?» Der international gefeierte Zeichentrickfilm von 2016 handelt von Mobbing auf einer japanischen Schule, wo am Ende nicht nur das Opfer, sondern auch der Täter zu leiden hat. Isoliert vom Rest der Klasse, nähern sich die beiden Hauptfiguren wieder einander an, denn geteiltes Leid ist halbes Leid. So prangt schon im Trailer des Films ein Plädoyer für Empathie: «Manchmal ist die Antwort einfach zuzuhören.»

Es sind Sätze, die in Japan derzeit nicht ohne ein tiefes Schlucken heruntergehen. Das Studio, das «A Silent Voice» produziert hat, ist zur Ruine verkommen, am Donnerstag brannte es stundenlang. Um die dreissig Feuerwehrwagen rückten an, um es zu löschen, nachdem es zuvor mutmasslich mit Brennstoff angesteckt worden war. Den Tatverdächtigen, der dabei selbst verletzt wurde, fasste die Polizei noch am selben Tag und lieferte ihn verletzt in ein Spital ein. Bei dem Brandanschlag auf Kyoani, wie das weltweit beliebte Studio auch genannt wird, kamen 33 Personen ums Leben, 35 wurden verletzt.

Eine gestohlene Geschichte

Es war der Anschlag mit den meisten Todesopfern in Japan seit dem Jahr 2001. So ist die Unternehmenszentrale schon einen Tag später zu einer kleinen Pilgerstätte geworden. Zahlreiche Menschen legten Blumen vor dem ausgebrannten Gebäude nieder und beteten für die Verstorbenen. Premierminister Shinzo Abe verurteilte den Anschlag auf Twitter als «zu grausam, um Worte zu finden». Eine internationale Online-Spendenaktion für die Opfer brachte schon binnen 24 Stunden eine Summe von knapp 1,5 Millionen Dollar ein.

Dabei scheint es, als wäre die Tat nicht nur eine wilde Wahnsinnstat, sondern ein gezielter Vergeltungsschlag gegen den Betrieb in Kyoto. «Sterbt!», habe der 41-Jährige laut Augenzeugen gerufen, als er das Gebäude in Brand setzte. Und als ihn die Polizei verhörte und nach seinen Motiven fragte, ehe er ins Krankenhaus kam, sei das Wort «pakuri» gefallen, was sich übersetzen lässt mit Ideenklau, Plagiat oder Abzocke.

Später berichtete der Präsident von Kyoto-Animation, Hideaki Hatta, dass in den letzten Jahren vermehrt Morddrohungen im Haus eingetroffen seien. So titelte die Tageszeitung «Asahi Shimbun» am Freitag schon: «Hinter dem Brandanschlag könnte Wut über eine gestohlene Story stecken.» Auch die Nachrichtenagentur Kyodo News gab diese Information heraus.

Zwar ist der Tatverdächtige kein Mitarbeiter des Betriebes und lebt von Arbeitslosenhilfe. Zudem fand der öffentliche Rundfunk NHK am Freitag heraus, dass der Mann zuvor schon einmal wegen Ladendiebstahls verhaftet worden war. Trotzdem fragt sich die japanische Öffentlichkeit nun, ob die Tat in einem Zusammenhang mit einem früheren Ideenklau stand. Denn solche Vorwürfe wären für Japans weltweit erfolgreiche Kreativbranche an sich nichts Neues. Ausbeutung ist immer wieder ein Thema.

Umkämpfter Milliardenmarkt

Die auf einer jahrtausendealten Tradition der illustrierten Geschichtenerzählung aufbauende Welt der Anime und Manga ist nicht nur kulturell einzigartig, sondern auch ökonomisch. Nachdem Animationen über Jahrzehnte auf dem japanischen Markt beliebt waren, kamen in den 1990er Jahren Geschichten wie «Die tollen Fussballstars» und «Sailor Moon» erstmals auf dem Weltmarkt gross raus. Es folgten «Pokémon» und «Dragonball», heute gehören «Naruto» und «One Piece» zu den beliebtesten Werken. Neben dem starken Inlandsmarkt hat vor allem die Globalisierung dazu geführt, dass die Animationsbranche in den letzten 20 Jahren ihre Erlöse verdoppelt hat, auf 2,15 Billionen Yen im Jahr 2017 (rund 19 Milliarden Franken).

Entsprechend umkämpft ist der Markt für gute Ideen. Täglich wird ins Blaue und für den Papierkorb produziert, weil führende Redakteure und Verleger aus einem grossen Pool von Storys und Protagonistenentwürfen das Beste auswählen wollen. Pro Zeichnung wird den Schöpfern meist um die 200 Yen (zirka 1,83 Franken) bezahlt. Dafür geht allerdings oft mehr als eine Stunde ins Land, zumal die Branche stolz darauf ist, auch kleinste Details in den Zeichnungen zu berücksichtigen. Für viele Autoren führt dies neben geringen Einkommen auch zu Überarbeitung.

Als vor gut zwei Jahren der Zeichner von «Naruto», Kazunori Mizuno, mit 52 Jahren am Arbeitsplatz starb, wurde nach längerem Schweigen die Todesursache im immensen Arbeitspensum vermutet. Drei Jahre zuvor hatte sich ein Zeichner das Leben genommen, nachdem er 600 Stunden im Monat hatte arbeiten müssen. Dies sind zwar Extremfälle, geben aber darüber Auskunft, wie rau das Arbeitsklima generell ist.

Laut dem Berufsverband der Anime-Arbeiter kommt der Durchschnitt aller Zeichner unter 40 Jahren bloss auf Jahreseinnahmen unterhalb der Armutsgrenze von 2,2 Millionen Yen (rund 20 000 Franken). Erst später in der Karriere erreicht man in der altershierarchischen Branche ein Auskommen, das den Lebensunterhalt auch wirklich sichert. Viele Autoren gehen aber schon davor finanziell unter.

Besser als der Rest der Branche

Nun ragt ausgerechnet Kyoto Animation aus der Branche heraus: Das Unternehmen ist dafür bekannt, seine Belegschaft vorbildlich zu behandeln, inklusive Festanstellungen, Ferienzeiten und anderen Arbeitnehmerrechten. Zugleich gehört Kyoto Animation zu jenen Studios, die regelmässig Preisausschreiben veranstalten, bei denen freie Autoren in Hoffnung auf einen Vertrag ihre Geschichtenideen einreichen. In der Branche erzählt man sich, dass im Wettbewerb nicht gekürte Beiträge später auf abgewandelte Weise gelegentlich doch erscheinen, nur eben nicht unter dem Namen des Autors, der sie ursprünglich einreichte.

Diese Praxis passt zum Vorwurf des Attentäters von Kyoto, auch wenn bis anhin keine Details, welche Geschichte ihm gestohlen worden sein soll, bekannt sind. In jedem Fall hat er «A Silent Voice», den geliebten Film des von ihm verhassten Studios, wohl entweder nicht gesehen oder nicht verstanden. Da taucht schliesslich die Frage auf: «Was braucht es, um erlöst zu werden?» Und wieder die Botschaft: Man müsse gerade demjenigen die Hand reichen, von dem man sich schlecht behandelt fühlt.
https://www.nzz.ch/panorama/brand-in-anime-studio-in-japan-ausbeutung-in-trickfilm-industrie-ld.1497098

Ausbeutung, auch Extremausbeutung in der Medienindustrie, ist kein speziell japanisches Phänomen.

Gerade der Ideendiebstahl bei Autoren ist gang und gäbe, auch bei unseren Öffentlich Rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF.

Troll

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 7867
  • A Dry Sponge is a Happy Sponge
Re: Der ich-bin-bei-den-Medien-Faktor
« Antwort #20 am: 11:19:40 Sa. 20.Juli 2019 »
Das gehört zur enormen Kreativität der Branche, daß verstehst du nicht!
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti