Autor Thema: Aus der Krankheit eine Waffe machen  (Gelesen 31369 mal)

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Aus der Krankheit eine Waffe machen
« am: 19:29:53 Mi. 16.Mai 2007 »
Es sind Meldungen in den bürgerlichen Medien wie auch Postings bei chefduzen.de, die eine nähere Betrachtung des Zusammenhangs zwischen (psychischen) Krankheiten mit sozialen und politischen Verhältnissen provozieren:

Zitat
Die Zahl der Krankenhauspatienten mit Depression ist in vier Jahren um 40 Prozent angestiegen - laut einer aktuellen Statistik der Gmünder Ersatzkasse. 12 Prozent der Patienten in einer Arztpraxis haben heute eine Depression, sagt Dr. P. Heußner von der Uni München-Großhadern. Ähnliche Entwicklungen lassen sich auch in vielen anderen Ländern nachweisen. Bis zum Jahr 2020 könnten Depressionen deshalb weltweit zur zweithäufigsten Krankheit werden.

Dramatisch nehmen Depressionen und andere psychischen Störungen bereits unter Kindern zu. Nach Angaben des Psychotherapeuten-Verbands BDP ist inzwischen jedes fünfte Kind in Deutschland psychisch auffällig - Depressionen, Angst, Aggressivität, Aufmerksamkeitsstörung. Ein Drittel dieser Kinder ist dringend behandlungsbedürftig ("Ärztezeitung", 18.4.07 und 3.4.07).

Es geht um mehr, als daß Menschen sich nicht die nötigen Medikamente leisten könne oder sich schlicht kaputtarbeiten. Es ist an der Zeit den Begriff der Gesundheit wieder zu hinterfragen, denn wer in einem zerstörerischen Sytem funktioniert gilt als "gesund", doch derjenige, dessen Körper und Seele sich dagegen aufbäumen, wird mit Psychopharmaka behandelt.

Es ist an der Zeit die Philosophie des Individualismus zu hinterfragen und die Kultur des Konkurenzkampfes ("alle gegen alle").

Diskussionen, die bereits vor mehr als 3 Jahrzehnten geführt wurden sind zu Unrecht weitgehend vergessen: Das Sozialistische Patientenkollektiv (SPK, seit 1973 auch als Patientenfront bekannt) wurde am 12. Februar 1970 in Heidelberg von 52 Psychiatrie-Patienten unter Leitung des Arztes Wolfgang Huber gegründet. Es verstand sich als Therapiegemeinschaft und wollte im Sinne der Anti-Psychiatrie „aus der Krankheit eine Waffe“ machen. Nach eigenen Angaben ist das Ziel eine klassenlose Gesellschaft, wobei als „Feind“ insbesondere die „Ärzteklasse“ angesehen wurde.

Die dahinter stehende Idee war, dass psychiatrische Erkrankungen durch die kapitalistische Gesellschaft verschuldet seien. Aufgabe der Psychiatrie sei, die Patienten wieder tauglich für die krankmachende Gesellschaft zu machen. Im Gegensatz dazu wollte das SPK die Krankheit gegen die krankmachende Gesellschaft richten.

In dem auf 500 Patienten gewachsenen Kollektiv machten Strafverfolger einen „inneren Kern“ aus, den sie als kriminelle Vereinigung betrachteten und gegen den teils Haftstrafen verhängt wurden.

Dieser Staat sah die Hinterfragung des Gesundheitsbegriffs als Hinterfragung des herrschenden Gesellschaftssystems und kriminalisierte die Protagonisten der Diskussion. An dieser Stelle sollten wir die Diskussion auch wieder ansetzen.

Brauchbare Informationen über das SPK gibts in einem Buch des Trikont Verlags: SPK - Aus der Krankheit eine Waffe machen (ISBN 3-920385-47-0.)

Und im Netz:
http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialistisches_Patientenkollektiv
http://mathphys.fsk.uni-heidelberg.de/ruprecht1.html
http://www.spkpfh.de/

Soweit mein Vorschlag zu einer neuen Diskussion.

Eivisskat

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Aus der Krankheit eine Waffe machen
« Antwort #1 am: 23:53:17 Mi. 16.Mai 2007 »
Danke für den Tipp über das SPK, das kannte ich noch nicht.
Sie vertreten genau meine Ansichten als (teilweise) Betroffene.
Ich werde mich jetzt x einlesen.
Wäre schön, wenn's dazu ein Paar Beiträge gebe.
(Wo sind die Leute denn heute Abend, ist Fussball?) ;)

LG

Kuddel

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Aus der Krankheit eine Waffe machen
« Antwort #2 am: 11:45:17 Sa. 16.Juni 2007 »
Das war gestern, daß beim Menschen nur die körperliche Kraft ausgesaugt wird. Es gibt einen Angriff auf alle menschlichen Resourcen.

Ranger zum Beispiel abeitet mit sektenähnlichen Methoden. Regelmäßige Meetings auf denen besonders produktive Mitarbeiter mit lärmendem Applaus hochgeputscht werden. Wer viele Verträge abgeschlossen hat darf eine Glocke läuten. Wer rekordverdächtig viele hat darf die große Glocke läuten...

Network Marketing und ähnliche betrügerischen Ausbeutungsmethoden gehören allmählich zum gesellschaftlichen Mainstream. Die Arbeitsämter zwingen Leute in Kurse, wo Menschen ihre letzten Kräfte zu Markte tragen sollen um sie im großen Konkurenzkampf einzusetzen. "Wo sind deine Fähigkeiten? Was kannst Du besser als andere?""Wie kannst Du Deine Fähigkeiten am Markt nutzen?" Dann werden die Leute in offene Messer gejagt. Eine hoffnungslose Selbstständigkeit, die mit Verschuldung und einem Burnout endet.

Menschen bei denen sich alles innerlich sträubt, wenn sie irgenwelchen Scheiß verkaufen sollen, die bei sinnlosen Dienstleistungen ein permanentes Lächeln tragen müssen, die bei der Arbeit keine Erfüllung finden oder finden wollen sind in meinen Augen keinesfalls krank.

Aber krank sind diejenigen, die den Scheiß mit Begeisterung fressen, die gerne Teil der zerstörerischen Maschinerie sind, die sich mit aller Kraft für ihren Job kaputtmachen und sich wundern, wenn es keinen Orden, nichtmal ein "Dankeschön" gibt, wenn sie sich zum Wrack geschuftet haben...

Kuddel

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  • Fischkopp
Aus der Krankheit eine Waffe machen
« Antwort #3 am: 13:39:41 Di. 26.Juni 2007 »
Der Bundespräsident schlug vor, daß Belegschaften zunehmend (bei permanenten Lohnsenkungen) am Gewinn eines Betriebs beteiligt werden sollen. Der Konkurenzkampf und das Prinzip des Ellenbogens werden als höchstes Prinzip erhoben. Das ist schon längst gang und gäbe und die Gewerkschaften spielen mit.

Es war bisher immernoch möglich, daß auch irgendwelchen "Sozialfälle" in einem Betrieb mitgezogen wurden bzw. ihre Nische finden konnten. Jetzt wird immer weiter ausgesiebt, wer wirklich noch proftiabel ausgeschlachtet werden kann und wer nicht.

Und was passiert mit den Leuten, die ihre Aufgaben, ihre sozialen Bindungen im Betrieb und ihr Einkommen verloren haben weil sie durch das Raster gefallen sind? 1€ Job? Psychopharmaka vom Arzt? Klapse? Arbeitslager?

Wer oder was ist hier krank?

Ratrace

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Aus der Krankheit eine Waffe machen
« Antwort #4 am: 14:15:34 Di. 26.Juni 2007 »
Zitat
Der Bundespräsident schlug vor, daß Belegschaften zunehmend (bei permanenten Lohnsenkungen) am Gewinn eines Betriebs beteiligt werden sollen.
Damit das unternehmerische Risiko nun auch auf den Arbeitnehmer abgewälzt werden kann und diese sich neben ihrem wackligen Arbeitsplatz auch noch um Cheffes Gewinne sorgen sollen? Och nööö...

Zitat
Es war bisher immernoch möglich, daß auch irgendwelchen "Sozialfälle" in einem Betrieb mitgezogen wurden bzw. ihre Nische finden konnten. Jetzt wird immer weiter ausgesiebt, wer wirklich noch proftiabel ausgeschlachtet werden kann und wer nicht.
Die meisten Unternehmer haben sich von allen sozialen Verpflichtungen, die das Unternehmertum eigentlich mitbringt oder vielmehr mitbringen sollte, radikal verabschiedet.

Unser System macht krank, weil es kranke Ansichten zur Hegemonie erhebt. Ich halte es für krank, wenn man - wie einige glückliche Sklaven hier in diesem Forum - auch noch berauscht mittut und jubelt, wie dolle es doch sei. Krank ist es, in diesem System gesund zu bleiben. Ich rede nicht vom Funktionieren wie ein Zombie - das ist nicht gleichbedeutend mit "Gesundheit". Ob man psychisch gesund ist oder nicht, darf nicht die Verwertbarkeit des Menschen auf dem Arbeitsmarkt entscheiden. Es gibt in der Tat Psychologen, die die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit als Heilung mißverstehen. Vor solchen Quacksalbern kann man nur warnen. Unter den Amtsärzten gibt es meiner Erfahrung nach vermehrt solche Exemplare. Gerade diejenigen, die sich um psychische Probleme und ihre Attestierung kümmern sollen, untersuchen oft (bewußt?) falsch und stellen indifferente, schlampige und unzutreffende Diagnosen, alles eingebunden in ein demütigendes und menschenverachtendes Prozedere. Vermutlich gibt es bei Gesundschreibungen eine Extra-Prämie, ich weiß es nicht.
Das einzig Freie im Westen sind die Märkte.

Pinnswin

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Aus der Krankheit eine Waffe machen
« Antwort #5 am: 21:23:15 Di. 26.Juni 2007 »
Dorf-Idyll

Das Ende Der Welt brach Anno Domini 1420 doch nicht herein.
Obwohl vieles darauf hin deutete, das es kaeme... A. Sapkowski

ManOfConstantSorrow

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Aus der Krankheit eine Waffe machen
« Antwort #6 am: 22:05:11 So. 01.Juli 2007 »
Die Tagung der Bundespsychotherapeuten-Kammer konstatierte im Frühjahr 2007, dass psychische Erkrankungen europaweit mittlerweile zu den häufigsten Ursachen von Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit gehören. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen erkranke jeder dritte bis vierte Erwachsene irgendwann an einer psychischen Störung. In den vergangenen Jahren sei es zu einer Zunahme an Krankschreibungen und Frühverrentungen gekommen.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel

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  • Fischkopp
Aus der Krankheit eine Waffe machen
« Antwort #7 am: 12:23:57 Di. 03.Juli 2007 »
Und weiter wird an den Opfern herumgedoktert statt an krankmachenden Verhältnissen.

Kalle_Arsch

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Aus der Krankheit eine Waffe machen
« Antwort #8 am: 17:21:15 Mo. 23.Juli 2007 »
Einzig und allein das System macht den Menschen krank. Arbeiten bis zum umfallen, und dann kommt der Spruch " Tuhe was für Deine Rente " !

Hallo ? Welche Rente ?

Die, die ich vielleicht mit 75 bekomme, wenn ich im Rollstuhl aus der Firma geschoben werde, und der schwarze Kombi auf mich wartet ?

Oder die Rente, die so gering ausfallen wird, das ich davon nicht leben kann ?

Alles Schwachsinn, sich überhaupt noch damit auseinander zu setzen.
 :aggressiv>

Kater

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Aus der Krankheit eine Waffe machen
« Antwort #9 am: 13:57:54 Di. 04.September 2007 »
zur Geschichte des Sozialistischen Patientenkollektivs SPK

Zitat
Die Anfänge der RAF
Serie zum "Deutschen Herbst", Teil 2
Von Philipp Krohn
Vor 30 Jahren erschütterte der Terror der Roten Armee Fraktion (RAF) die Bundesrepublik. Die Anfänge der Gewalt reichen bis Ende der 60er Jahre zurück. Viele spätere Terroristen gehörten dem Sozialistischen Patientenkollektiv in Heidelberg an.

"Das hier ist unterschrieben mit Kommando Siegfried Hausner und trägt das Datum 12. September '77."

Die RAF hat dem Kommando den Namen von Siegfried Hausner gegeben. Zwei Jahre zuvor starb er nach einer Sprengstoffexplosion in Stockholm. Er war einer der Botschaftsbesetzer, die zwei Menschen umbrachten. Wie viele andere Terroristen hatte er zu Beginn der 70er Jahre dem Sozialistischen Patientenkollektiv angehört.

Heidelberg Ende der 60er Jahre: Der junge Assistenzarzt Dr. Wolfgang Huber sammelt psychisch kranke Patienten um sich, die mit den herkömmlichen Behandlungsmethoden an der Klinik unzufrieden sind. Sein Konzept weicht ab: Krankheit versteht er nicht als individuelles Problem, sondern als systembedingt. Im Kapitalismus müsse der Arbeiter Fähigkeiten ausbilden, die zum handelbaren Gut würden. Dadurch wachse der psychische Druck. So werde Krankheit zur Voraussetzung der kapitalistischen Produktionsverhältnisse. Die Konsequenz: Die Verhältnisse müssten umgewälzt werden oder wie es in einem Flugblatt heißt:

"Das System hat uns 'krank' gemacht; geben wir dem kranken System den Todesstoß."

Der Ansatz bleibt nicht unbeachtet, wie der Psychiater Horst-Eberhard Richter erzählt:

"Die Leute von der Roten Armee Fraktion, die erfuhren von diesem SPK in Heidelberg und ahnten, dass da eine gewisse Verwandtschaft der Ideologie war. Und da kam es dann zu Begegnungen. Und die RAF-Leute, die spürten, da können wir vielleicht auch Nachwuchs gewinnen."

Bevor aber diese Kontakte entstehen, versucht das SPK, sich an der Heidelberger Uni zu etablieren. Der liberale Rektor Rendtorff bringt dafür verhaltene Sympathie auf - gegen die Mehrheit der konservativen Professoren. Im Februar 1970 erkämpfen sich Huber - zuvor von der Uniklinik entlassen - und das SPK mit einem Hungerstreik eigene Räume. Dennoch bleibt es umstritten. Im Juli besetzt es das Rektorat, um eine Einrichtung an der Uni zu werden. Als neutraler Vermittler reist ein renommierter Psychiatrie-Professor nach Heidelberg: Horst-Eberhard Richter. Er empfiehlt, das SPK zu institutionalisieren, obwohl er es insgesamt kritisch sieht:

"Ich hatte ja sieben Jahre Arbeit in der geschlossenen Psychiatrie hinter mir und konnte erkennen, dass da wirklich psychotische Menschen dabei waren und dass da zwei Ärzte und dann nur ein Psychiater auf 150 mehr oder minder psychisch Kranke, dass das nicht gut gehen konnte. Und dass das eine sehr gefährdete Gruppe war, bei der notwendigerweise demnächst Chaos ausbrechen würde. Oder eben eine Verschärfung hin zu dem, was dann auch einigen von ihnen widerfuhr - nämlich dass sie dann aufgesaugt wurden von der RAF."

Zu den Patienten gehören neben Studenten auch Hausfrauen, Schüler und Arbeiter. Auf 500 sind sie nach eigener Zählung angewachsen. Ohne Arzt-Patienten-Hierarchie führen sie politisch-therapeutische Gruppengespräche durch. Während sie Flugblätter schreiben, läuft die Musik von "Ton, Steine, Scherben".

"Macht kaputt, was euch kaputt macht!"

Margrit Schiller ist dabei - genauso Klaus Jünschke und Gerhard Müller. Alle drei tauchen später zur RAF ab. Gerhard Müller erschießt das erste RAF-Opfer. Jünschke sagt dem NDR viele Jahre nach seiner Haft:

"Da hat das SPK mit der Einsicht, dass die Krankheitssymptome zu interpretieren sind als Protest und Hemmung des Protests, schon einen Impuls gegeben, denke ich, über den auch heute noch mit Gewinn nachzudenken wäre."

"Macht kaputt, was Euch kaputt macht!"

Inzwischen ist das SPK zu einer Angelegenheit der Landesregierung geworden: Im September 1970 beschließt der konservative Kultusminister Wilhelm Hahn es aufzulösen. Die Patienten fühlen sich immer mehr verfolgt. Uni-Rektor Rendtorff erinnert sich sogar an Sprengstoff-Drohungen, die ihn aber wenig beeindrucken:

"Eines Tages hing bei mir irgendwas an der Wand, an der Mauer. Und da hatten sie also offenbar irgendwas mit Sprengstoff dahingestellt. Und ich habe das Kabel also durchgeschnitten - und zwar mit einem Schnitt die beiden Kabel. Aber es ist nichts passiert. Den nächsten Tag stand in der Zeitung: Rektor entschärfte Bombe selbst."

Ab Februar 1971 übernachten die führenden Köpfe der späteren RAF um Baader und Ensslin regelmäßig bei SPKlern in Heidelberg. Gerüchte entstehen, dass sich im SPK ein gewaltbereiter Innerer Kreis um Wolfgang Huber gebildet hat. Die linken Studenten außerhalb des SPK, wie der damalige Asta-Führer Dietrich Hildebrandt, später für die Grünen im Stuttgarter Landtag, nehmen sie nicht ernst:

"Natürlich haben wir erstmal gedacht, dieser so genannte Innere Kreis, das sei eine Konstruktion der Strafverfolgungsbehörde. Aber offensichtlich hat es da einen realen Kern gegeben."

"Eine Anzahl von Mitgliedern des Sozialistischen Patientenkollektivs in Heidelberg steht im dringenden Verdacht, sich zu einer kriminellen Vereinigung zusammengeschlossen zu haben, die zum Teil schon strafbare Handlungen begangen hat."

Im Juni 1971 kommt es zu einem massiven Polizeieinsatz. In einem Keller, den Hubers Frau gemietet hat, werden Material für Sprengstoff und Geräte zur Passfälschung gefunden. In diesen Tagen entstehen die letzten Patienteninfos des SPK - mit diesen Parolen:

"Aus der Krankheit eine Waffe machen!"

"Mahler, Meinhof, Baader - das sind unsere Kader!"

Einige Monate später werden Huber und seine Frau zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Vorwurf: Sie hätten eine kriminelle Vereinigung nach dem Vorbild der Baader-Meinhof-Gruppe gebildet. Außer ihnen wird auch der Schüler Siegfried Hausner verurteilt: zu drei Jahren Jugendhaft. Nach seiner Entlassung taucht er sofort in die Illegalität ab so wie nach und nach weitere ehemalige Patienten. Eine echte Kontinuität von SPK zu RAF habe es aber nicht gegeben, meint der Grüne Dietrich Hildebrandt.

'"Im Nachhinein muss man aber sehen: Wenn innerhalb des SPKs manchmal bis zu 100, 200 Leute im Umkreis waren, vielleicht von den Aktiveren 40, 50 - so haben wir es auch wahrgenommen - und wirklich zur RAF gegangen sind vielleicht 10, ist es auch damals falsch gewesen und ist es auch im Nachhinein falsch zu sagen, das SPK hat sich als Gruppe zur RAF bewegt."

http://www.dradio.de/aktuell/665590/

Lichtkämpfer

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Aus der Krankheit eine Waffe machen
« Antwort #10 am: 14:58:39 Do. 06.September 2007 »
Hierzu das Zitat eines Autoren über das Kapital:
"Kapital, flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur. Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. (K.Marx)
Als Erwerbsloser kannst du in diesem Staat nur ein Dissident sein.

noree

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Aus der Krankheit eine Waffe machen
« Antwort #11 am: 10:51:35 Fr. 07.September 2007 »
Iatronike! (Gattungsgifter unterkriegen)

Kurzmeldungen von der PATIENTENFRONT

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Bilanz zur Medienscheißerkampagne

Medienscheißerkampagne vernichtend zurückgeschlagen.
Patientenklasse in vollem Glanz zum Aufscheinen gebracht durch uns.


Unbeachtlich, angstgezeichnet, in der abzusehenden Wirkung auf das Radiopublikum das bislang Äußerste an Günstigem für die Patientenklasse insgesamt.
Urärztlich-euthaNAZIstische Radio-Gewährsfrau Dr. medpsych. Dalia Michel/Kasubek beruflich und privat auf der Stelle enttarnt.

Chemisch rein von SPK und PF und formal gezielt schlampig.
Sie konnten das SPK nicht entaktualisieren und vergangenheitlichen.
In der Abgrenzung zur Riege Arischer Feldwebel volle Gefolgschaft zu uns.
Im Ergebnis gut für die Patientenklasse insgesamt laut Pathoskop von vor 3 Monaten.

 
PF/SPK(H), 4. September 2007


http://www.spkpfh.de/Kurzmeldungen2.htm

kellerkind

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Aus der Krankheit eine Waffe machen
« Antwort #12 am: 11:07:15 Fr. 07.September 2007 »
@noree: Wie meinen? Also ich steige nicht ganz durch.

Kellerkind

P.S.: Bitte nicht lediglich wirre Copy-&-Paste-Postings hier reinsetzen als Hinweis auf bestimmte Seiten, sondern auch selber Stellung beziehen. Ansonsten wird der Account gesperrt wegen Spam.

Nachtrag an die Patientenfront: Bitte formuliert eure Anliegen doch so, daß auch Nichteingeweihte mitdiskutieren können. Denn für eine nur wenigen zugängliche Wortwahl ist das Thema 'Psychiatrie im System' einfach zu wertvoll. Öffnet euch bitte.

kellerkind

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Aus der Krankheit eine Waffe machen
« Antwort #13 am: 19:09:29 Fr. 07.September 2007 »
Zitat
Ich finde es sollte drin bleiben.......interessant zu lesen.
Kannte ich noch gar nicht.
 

Ja, ich lasse es auch drin. Siehe meinen Nachtrag in meinem vorigen Posting. Ich bin schon der Meinung, daß auch Außenstehende, also Nicht-SPK'ler, bei diesem Thema mitdiskutieren können sollten. Dazu muß aber auch die Thematik transparent gemacht und der Zugang dazu nicht durch unnötige Anhäufungen von Neologismen erschwert werden.

Du, suicides, scheinst ja eher drin zu sein in der Materie. Aber das ist hier im Forum ja nicht jeder.

Hier ist Link zum Wikipedia-Eintrag üder das SPK.


Kellerkind

Wilddieb Stuelpner

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Re: Aus der Krankheit eine Waffe machen
« Antwort #14 am: 18:55:21 Do. 04.Dezember 2008 »
Der Bundespräsident schlug vor, daß Belegschaften zunehmend (bei permanenten Lohnsenkungen) am Gewinn eines Betriebs beteiligt werden sollen. Der Konkurenzkampf und das Prinzip des Ellenbogens werden als höchstes Prinzip erhoben. Das ist schon längst gang und gäbe und die Gewerkschaften spielen mit. .. .

Mir geht dieses CDU-Parolengeplärre über eine angebliche Gewinnbeteiligung von Betriebsbelegschaften gegen den Strich und man muß es als Lüge und Betrug darstellen, was es real ist.

Und wenn ich schon den verlogenen Vogel Horst Köhler als Exdirektor des IWF mit so was höre, dann könnte ich ihn all seine Federn ausrupfen und ihn bei lebendigen Leib auf einer heißen Herdplatte schmoren.

Dem CDU/CSU/FDP-Scheißhaufen und den AG-Verbänden geht es nicht um Gewinnbeteiligungen der Belegschaften, sondern mit der Umwandlung von Lohnanteilen in Kapitalbeteiligungen verschaffen sich Unternehmer auf diese unredliche, hinterhältige Tour ihre Erhöhung des Eigenkapitals ohne an den Belegschaften gegenüber Sicherheitsleistungen garantieren zu müssen. Die Banken geben den Unternehmern keine Kredite mehr, weil diese vorher nach Basel I- und -II-Verfahren die Firmen auf ihre Ertragskraft und Sicherheiten strenger bewerten und die Finger von einer Unternehmensbeteiligung lassen oder die Kreditkonditionen der Firma gegenüber erheblich verschlechtern.

Also fällt dem CDU/CSU/FDP-Scheißhaufen und den AG-Verbänden der Weg des geringsten Widerstandes ein:

Man verspricht den Belegschaften wieder goldene Zeiten, spart sich die Sicherheitsleistungen und beteiligt sie mit nachzuschießenden Ersparnissen, Lohnverzicht etc. voll an den Betriebsrisiken bis zur Firmeninsolvenz. An Gewinnen hat ein Unternehmer nie seine Belegschaft beteiligt, aber an der Firmenpleite schon und das obwohl ein AN sozial schwächer geschützt wird als ein Unternehmer. Der Unternehmer hat seine Vitamin-B-Beziehungen zur Politik, schmiert Verwaltungen, Anwälte und bringt seine Firmenvermögen vor der Pleite durch Eigentumsübergang an seine Ehefrau, bucklige Verwandtschaft und Strohmänner in Sicherheit und überläßt dann das leere Firmengehäuse den Aasgeier Insolvenzverwalter.

Flugs macht der Unternehmer mit neuen Firmennamen und geretteten Vermögen seine Geschäfte weiter, ohne daß die Altschulden auf die Folgefirma übertragen werden. Tolles Sanierungskonzept!!! Ein AN hat durch die Firmenpleite seine Existenzgrundlage verloren und wird abhängig von den Machenschaften der Arbeitslosenverwaltungsbürokratie und dann soll er mit seiner "Unternehmensbeteiligungen" für die Bankrottgeschäfte draufzahlen und Geld nachschießen, das er selbst zum Überleben braucht.

Man sollte als CDU/CSU/FDP-Scheißhaufen und AG-Verband schnellstens rechtlich dafür sorgen, daß Arbeitszeitkonten, offene Lohn- und Gehaltsansprüche und Betriebsrenten durch Firmeninsolvenzen nicht verlorengehen und in die Insolvenzmasse nicht mit einfließen. Bis jetzt sind diese 3 Dinge für den AN immer verloren, wenn eine Firma pleite geht. Den so was betrachte ich als Lohn- und Rentenraub von fremden Gläubigern an der erbrachten, vergütungspflichtigen Arbeitsleistung der Belegschaften. Und bei der vorrangigen Bedienung von Gläubigeransprüchen müssen die arbeitslos gewordenen AN  an erster Stelle kommen und nicht das Finanzamt, die Sozialversicherung und andere Geschäftspartner. Aktuell sind nämlich die AN der letzte zu bedienenende Teil in der ganzen Kette von Gläubigern und dafür hat der CDU/CSU/FDP-Scheißhaufen vor einigen Jahren durch eine "Reform" des Firmeninsolvenzrechts gesorgt, daß AN im Insolvenzfall der letzte Arsch im Glied sind.

Es ist immer besser für den AN, der in einem Arbeitsverhältnis steht, daß sein voller Lohn- und Gehaltsanspruch ausgezahlt wird und er selbst darüber befindet, wo, wie und wann er es außerhalb des Zugriffs des Unternehmers für seine eigene Sozialabsicherung anlegt.

Wie sagt man jetzt wieder so schön im Angesicht der Finanz- und Bankenkrise zu den Anlegern: Man soll nie alle Eier in denselben Korb legen - also keine Reinvestition in eine Firma, von der man keine Sicherheiten bekommt, kein Eigentümer ist und kein Mitbestimmungsrecht auf die Unternehmenspolitik hat.