Autor Thema: Aus der Krankheit eine Waffe machen  (Gelesen 31252 mal)

Rudolf Rocker

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Re:Aus der Krankheit eine Waffe machen
« Antwort #30 am: 12:03:42 Mi. 20.Dezember 2017 »
Zitat
Aber in diesem Thread soll es wohl eher darum gehen, wie man seelisches und körperliches Unwohlsein und Krankheit als positive Kräfte nutzen kann.
Zum Beispiel, indem man in dieser Firma kündigen kann ohne eine Sperre beim Arbeitsamt zu bekommen, wenn man sich ärztlich Bestätigen lässt, das einen dieser Job krank macht!

Fritz Linow

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Re:Aus der Krankheit eine Waffe machen
« Antwort #31 am: 12:16:17 Mi. 20.Dezember 2017 »
Zitat
Es muß mehr geben, als den Gelben Schein zu nutzen...

Die wenigsten wollen sich höchstwahrscheinlich eingestehen, dass ihre Arbeit oder Nicht-Arbeit krankmacht, obwohl sie es ahnen. Getrieben von irgendwelchen Macheridealen, Pseudoindividualismus, gesellschaftlichem Verwertungsdruck begeben sie sich dann in das Hamsterrad, das sie nur noch kränker macht. Als Alternative bleibt für wenige das Aussteigerprogramm oder das eigene kleine Glückslokal, was es auch nicht besser macht.

Um jetzt Krankheit wirklich als Waffe einzusetzen, müsste man wohl viel mehr gegen den herrschenden Scheißidealtypus anstinken. Das fängt beim Bildungssystem an, geht über Medienkompetenz usw. und kann auch gerne in den Betrieben weitergehen. So wäre zum Beispiel eine kollektive Solidaritätsmigräne o.ä. denkbar.

Leider ist es im Moment so, dass da, wo man einen Hipsterbart wegrasiert hat, drei neu wachsen.

counselor

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Re:Aus der Krankheit eine Waffe machen
« Antwort #32 am: 15:40:05 Mi. 20.Dezember 2017 »
Wenn Kapitalisten jemanden aus dem Betrieb mobben, dann sparen sie sich die Abfindung. Mit gelben Scheinen und einem Mobbingtagebuch kann man das drehen und die Abfindung in die Höhe treiben.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

ManOfConstantSorrow

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Re:Aus der Krankheit eine Waffe machen
« Antwort #33 am: 11:28:39 So. 24.Dezember 2017 »

Die einzigen, denen es gelingt den Aggro zu kanalisieren, eine politische Waffe draus zu machen, sind die Rechten.
...
Von links kommt scheinbar kein Angebot von vergleichbarer Attraktivität für die schweigend Leidenden.
WTF!?!  kotz

Als ich versucht hatte, mich inhaltlich damit auseinanderzusetzen, wie man den Druck psychischen Leidens in eine Kampfform kanalisieren kann, wurde der Thread von Schwarzrot geschreddert.

Menschen reagieren ähnlich wie Laborratten auf anhaltenden Streß: Sie werden aggressiver.
(Bei Menschen ist "Streß" nicht nur erhöhter Arbeitsdruck, sondern er kann sich auch aus sozialem Ausgegrenztsein durch Armut ergeben.)
Die Aggression kann sich nach innen wenden. Dann tritt sie auf als Depression oder andere psychische Krankheit. Oder zeigt sich in dem erhöhten Gebrauch von Alkohol oder anderer Betätubungsmittel. Oder Selbstverletzung oder Suizid.

Ein Aggro nach außen wäre das Zerlegen der eigenen Wohnung, wahlloses Zertrümmern von Telefonzellen oder was einem in den Weg kommt, das Anbrüllen oder Verprügeln von Frau und Kindern, oder dem Nächstbesten auf die Fresse hauen...
Diese ungerichtete Gewalt ist weit verbreitet.

Die Faschos sagen nicht, "das darfst du nicht!" "Du mußt eine Therapie machen." Sie geben diesem blinden Aggro eine Richtung und sie befeuern ihn und feiern ihn. Der Aggro wird gerichtet gegen Migranten, gegen Linke, Schwule, Behinderte und Obdachlose...

Ich will den Aggro nicht feiern. Er ist aber ein sehr menschliches Verhalten. Er kann besser und befreiender sein, als das stille Leiden.
Es erinnert mich daran, daß es in den 60er/70er Jahren in Frankfurt "Putzgruppen" gab, die fiese Ausbeuter aufmischten. In Italiens sowieso. Da hatten sich Jugendgangs politisiert und sich weniger mit Kleinkriminalität und Schlägereien untereinander abgegeben, sondern Hinterhofklitschen zertümmert, wenn sie die Arbeiter um ihren Lohn betrogen haben, haben Ausbeutern aufgelauert oder sich deren Autos vorgeknöpft...
Diese historischen Erfahrungen sind weitgend vergessen. Ich finde es in der momentanen Situation interessant, sich mit diesen Erfahrungen zu beschäftigen.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Fritz Linow

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Re:Aus der Krankheit eine Waffe machen
« Antwort #34 am: 14:47:16 Mi. 18.April 2018 »
» SPK KOMPLEX « ein Dokumentarfilm von Gerd Kroske
http://www.spk-komplex-film.de/
Zitat

Vom Patientenkollektiv zur kriminellen Vereinigung


Ein neuer Dokumentarfilm über das Sozialistischen Patientenkollektivs beleuchtet das gesellschaftlichen Klima im deutschen Vorherbst. Der Regisseur sieht die Radikalisierung des Kollektivs als Vorwegnahme der RAF und des Stammheim-Prozesses.
http://www.deutschlandfunkkultur.de/gerd-kroske-ueber-seinen-dokumentarfilm-spk-komplex-vom.2168.de.html?dram:article_id=415535

Zitat
Mit dem SPK-Komplex kommt am 19. April ein Film in die Kinos, der nicht nur aus historischem Interesse interessant sein könnte
https://www.heise.de/tp/features/Die-Krankheit-zur-Waffe-machen-4025604.html

ManOfConstantSorrow

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Re: Aus der Krankheit eine Waffe machen
« Antwort #35 am: 17:03:35 Mo. 19.Oktober 2020 »
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!