Autor Thema: Wesser.de , eine Drückerkolonne?  (Gelesen 200064 mal)

Kazum

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Wesser.de , eine Drückerkolonne?
« am: 19:32:37 Mo. 21.Juni 2004 »
Guten Tag, ich habe einmal eine Anfrage.

Ich habe vielleicht vor für die firma Wesser zu arbeiten, aber habe angst an eine Drückerkolonne zu geraten.

ihre seiten sind www.wesser.de und http://www.job.wesser.de/

Hat hier jemand eine Ahnung wie es um die steht, oder wie ich mich da absichern kann?

mit fruendlichen Grüßen,
Kazum

DeppVomDienst

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Wesser.de , eine Drückerkolonne?
« Antwort #1 am: 20:03:00 Mo. 21.Juni 2004 »
Das ist eine sehr gute Frage!

Auf mich machen Firmen, die professionellen Suchmaschinen-Spam betreiben, schon mal einen zwielichtigen Eindruck:

z.B.
Siehe hier bei google

Leider kann ich keine konkreten Erfahrungen beisteuern; da im Bereich Tierschutz leider auch mit Drückerkolonnen gearbeitet wird, kann ich Deine Vorsicht sehr gut nachvollziehen. Vielleicht weiß ja noch jemand mehr zum Thema ...

Beste Grüße
DvD

Kazum

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Wesser.de , eine Drückerkolonne?
« Antwort #2 am: 07:29:59 Di. 22.Juni 2004 »
ja, das mit der suchmaschine ist schon auffällig. Andererseits habe ich bisher nirgends eine schlechte Bewertung dieser Firma im Netz gefunden.
Lediglich einmal eine Anfrage wie meine hier, aber ohne Antwort darauf.

Meistens findet man sowas ja recht schnell, wenn es eine solche Organisation ist.

mfg,
Kazum

arvicola

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Wesser.de , eine Drückerkolonne?
« Antwort #3 am: 17:51:21 Do. 15.Juli 2004 »
hallo kazum,

ich hoffe du hast noch nicht bei der firma wesser angefangen, ich war naiv und dumm genug dafür, habs genau drei tage ausgehalten. um deine frage zu beantworten: es sind drückerkolonnen, und zwar vom feinsten!
die firma wesser gibt sich im internet sehr seriös. auch das sogenannte "bewerbungs- und informationsgespräch" kommt sehr ehrlich und seriös rüber. es wird dann dort davon geredet, daß man ja für eine gute sache unterwegs ist, an der frischen luft, lernt land und leute kennen, man soll die leute "überzeugen und nicht überreden", es ginge ums "informieren" und "für die sache begeistern", und man müsse schon auch "dahinterstehen" und "motiviert sein". im vertrag unterschreibt man dann auch, daß man sozial schwache, alte leute, ausländer usw. nicht als mitglieder wirbt. bis zur vertragsunterzeichnung fühlte sich für mich alles gut und seriös an (aber wie schon gesagt ich bin wirklich sehr naiv).
wenn man dann dort anfängt, wird man zunächst zum "stopover" nach stuttgart geladen. man verbringt da 24 stunden in einem hotel gemeinsam mit ca. 30 "newcomern", d.h. leuten, die auch gerade anfangen. man macht konversationsspiele, "zum beseer kennenlernen", und wird aufgrund des eindruckes, den man erweckt hat, einem team zugeteilt und regelrecht verschickt wie ein postpaket.
vom beginn des "stopovers", d.h. des stuttgart-aufenthaltes an, geht alles sehr schnell, man kann keinen klaren gedanken fassen. wichtig bei diesen leuten ist auf jeden fall, daß du die firma lieben mußt, der herr wesser ist der guru, die "teamchefs" sind seine helfer. die machen sehr auf "eine große familie", wird direkt so gesagt. einige leute kriegen "paten", d.h. mitglieder von wesser sind die ganze zeit persönlich mt diesen leuten in kontakt, per telefon, sms und besuchen, jeden tag. das wäre "zum besseren gemeinsamen arbeiten" (und nicht etwa zur kontrolle). nach dem stopover kommt man ganz holterdipolter in irgendein team irgendwo in deutschland, wohin man kommt erfährt man erst ganz kurz vorher.
ich kam abends 22.00uhr in meinem team an, es war schon dunkel, d.h. ich konnte auch nicht richtig begreifen, wo ich eigentlich war. die teams sind entgegen den angaben beim bewerbungsgespräch sehr groß, 10-15 leute, im bewerbungsgespräch war die rede von 5-max.7!
sofort nach der ankunft in meinem team wurde ich freundlich genötigt ein paar bier zu trinken, mir wurde was übers tolle teamleben erzählt, und dann gings gleich noch ran "gespräche üben", die halbe nacht, und am nächsten morgen gleich wieder. im team erfährt man zuerst, daß man "alles vergessen" soll, was einem beim stopover erklärt wird. man lernt ein vorgefertigtes gespräch, lernt sogennante "reizworte" kennen, die man nicht sagen darf (z.B. "betrag", "abbuchen", "mitgliedschaft", "regelmäßig", "geld" usw.), man erfährt daß man sich tatsächlich als mitglied der organisation auszugeben hat, für die man wirbt (ich war also "von den johannitern", "vom rettungsdienst komm ich sie heute besuchen, keine angst, es ist nichts passiert, ich komm sie nicht abholen..." so der auswendigzulernende text), man erlernt eine "einwandbehandlung", d.h. wie man auf bestimmte typische einwände antworten soll (z.B. sagt eine person "ich mach nicht mit, bin schon beim roten kreuz" drauf sagst du "na daß ist ja toll daß sie schon so hilfsbereit sind, solche leute wie sie suchen wir ja grade bla bla bla...."), man lernt kleinere und auch größere lügen kennen, die sich im werbegespräch unheimlich gut machen. und so weiter und so fort. na jedenfalls du kommst abends 22.00uhr im team an und sofort wirst du in beschlag genommen und dir wird ein werbegespräch eingehämmert. ansonsten funktioniert das sogenannte team so, daß alle gemeinsam essen kaufen, gemeinschaftskochen, gemeinschaftsessen, gleiche zeit aufstehen gleiche zeit zu bett gehen, natürlich keine einzelzimmer, schlüssel zur wohnung hat nur der teamchef, wann immer du die wohnung verläßt tust du es nicht alleine sondern immer im mindestens 4-personen-aufmarsch, meist mit teamchef dabei, beim "gespräche üben" guckt das ganze team zu, zum "helfen" und noch "ein paar tips geben", das team sieht dann auch wie du vom teamchef abgekanzelt wirst wenn du deine sache nicht gut machst, wie gesagt es war sehr viel alkohol dort und man wurde abends vom teamchef kräftig zum trinken animiert (vielleicht damit man auf keinen fall zum denken kommt?), es sind immer alle zusammen du bist nie alleine. es wird gezielt eine repressive gruppendynamik erzeugt, und die totale abkapselung von der außenwelt hat wohl auch methode. man ist immer entweder beim werben unterwegs oder in der unterkunft, d.h. von der gegend, diesem dorf in dem ich war, habe ich erst richtig notiz nehmen können am letzten tag, als ich mich davongeschlichen habe.
am nächsten tag, d.h. deinem ersten arbeitstag, übst du morgens gleich nach dem aufstehen noch einmal, dann wirst du mit den anderen vom team im teamauto so 20-30km weit weg ins "gebiet" gefahren, auf der karte wird dir aber nicht gezeigt wo das ist, und dann schwärmen die werber aus. beim arbeiten sollst du keinen rucksack o.ä. dabei haben, d.h. du wirst angewiesen, ohne essen, trinken, pass, portemonaie usw., nur in arbeitskluft (bei werbung für die johanniter und rotes kreuz ist das eine rettungssanitäteruniform mit einem ausweis) und mit arbeitsmappe 9 stunden lang unterwegs zu sein, wobei dir der zugang zum teamauto verwehrt wird, da nur der teamchef den schlüssel dazu hat. am anfang läufst du ein bißchen mit einem "erfahrenen" werber mit, dann schmeißen sie dich ins kalte wasser, d.h. nach ca. 2-3 stunden über die schulter gucken machst du es alleine. übrigens hat niemand hemmungen, alte, sozial schwache usw. zu werben, ich war dabei wie eine alte, offensichtlich kranke und sehr verwirrte frau als johanniter mitglied geworben wurde (und nachdem sie dann die unterschrift getätigt hat stellte sich durch zufall heraus daß sie schon bei den johannitern war, die dame war so dement da konnte sie sich gar nicht mehr dran erinnern, und daraufhin hat der werber auch noch versucht sie zu einer erhöhung ihres bisherigen beitrages zu beschwatzen). man lernt die leute vollzulabern bis sie eine unterschrift leisten, mit "informieren", "von der guten sache begeistern" und "überzeugen statt überreden" hat das wahrlich nichts zu tun.
am abend des ersten arbeitstages, bei dem ich mir sehr viel mühe gegeben hatte und tatsächlich zwei mitgleider geworben habe, wollte ich nur noch schlafen. schon im bett liegend, 24.00uhr, wurde ich genötigt aufzustehen und "gespräche zu üben", das bis nachts 3.00uhr und vor komplett versammeltem team. mein einwand ich müsse doch mal schlafen wurde beiseite gefegt: "du bist doch noch jung", "ist nun mal ein harter job", "wir schlafen hier jede nacht nur so 4-5 stunden, alle machen das so, das kannst du ja dann wohl auch" usw.). und dabei wurde ich die ganze zeit freundlich zum bier trinken gebracht. am nächsten morgen, ich steh auf mit tierisch kopfschmerzen (ganze nacht sturzbesoffen gespräche geübt), kommentar drauf "na wenn du schon weißt daß du kein alkohol verträgst darfst du in zukunft aber keinen mehr trinken", ha ha wer hat mich denn dazu genötigt?! und gleich wieder ran gespräche üben, dann mit der gruppe ins gebiet, kein plan wo das eigentlich ist, und wieder ausschwärmen. ich habe noch zu meinem "erfahrenen" begleiter vom ersten tag gesagt daß wenn ich abends wieder nicht schlafen darf ich aber nach hause fahre - er drauf, "was zum SCHLAFEN willst du nach hause" und "wenn du jetzt gehst nachdem ich dich stundenlang geschliffen habe kriegst aber einen riesen arschtritt von mir".
naja, als ich dann endlich alleine war habe ich mich erstmal ins grass gesetzt und die sonne genossen, dann habe ich meinen besten freund angerufen, danach ins internet gegangen und mit einem mir sehr lieben menschen konversation betrieben, dann habe ich einen riesigen schokoeisbecher gegessen (hatte verbotenerweise doch geld usw. dabei), dann in dem kaff den bahnhof gesucht, mich zurück zum quartier durchgeschlagen, die vermieter rausgeklingelt auf daß sie mir aufschließen, meine sachen zusammengesucht, mich per sms vom teamchef abgemeldet. abends habe ich mich dann doch noch mal, nun schon privat, persönlich vom teamchef verabschiedet. ich habe ihm erklärt, daß schlafentzug bei gleichzeitiger reizüberflutung eine klassische gehirnwäschemethode ist, und daß die teamstruktur auf gruppenzwang abzielt, und daß insgesamt hier ja wohl offensichtlich versucht wird, gehirnlose arbeitsroboter zu züchten. hat er natürlich verneint, ist aber so.
übrigens kommen fast alle werber aus österreich (ich komme aus deutschland), mein team bestand aus 10 österreichern und mir. die meisten leute sind so um die 18 (ich bin 26). ich denke das jugendliche alter der werber ist auch kein zufall, unerfahren, grade aus der schule raus, vielleicht zum ersten mal länger von zu hause weg, ist man doch sehr empfänglich für gruppenzwang und gehirnwäschemethoden und checkt nicht was läuft.
ansonsten ist die firma wesser die große familie, man ist mit den ganzen festangestellten mitarbeitern natürlich per du, das sind "der peter" und "der anselm" usw., die wesser leute kommen die teams auch regelmäßig "besuchen" worauf sich immer alle freuen ("habts ihr schon ghört der peter kommt morgen zu uns zum mittag" - "oh toll der peter kommt uns mal besuchen", ICH HABE KEINE AHNUNG WARUM NIEMAND VON DEN LEUTEN DORT SCHNALLT DASS SIE IN EINER DRÜCKERKOLONNE ARBEITEN UND UNTER PERMANENTER KONTROLLE STEHEN!!!!). naja ich habs ja am anfang auch nicht sofort gecheckt, hat drei tage gedauert bis der groschen endlich gefallen ist. meine karriere bei der firma wesser dauerte von letztem sonntag bis gestern (mittwoch). ich stehe noch sehr unter dem eindruck dieses erlebnisses und mußte mir das grad mal alles von der seele schreiben, sorry für die überlänge, aber vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen.
also, wesser-drückerkolonne-JAAAAAAA!!!!!!
arbeitet dort bloß nicht! ganz furchtbarer verein! nicht drauf reinfallen! großes pfui!

für alle die nicht wissen worum es überhaupt geht: www.wesser.de , vergleicht doch mal die homepage mit meinem text.


so das wars von mir
danke fürs lesen
wer arbeiten will tue bitte was ordentliches

arvicola

arvicola

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Wesser.de , eine Drückerkolonne?
« Antwort #4 am: 18:19:15 Do. 15.Juli 2004 »
ich schreibs halt gleich noch mit dazu:
die firma wesser stellt leute an, die für die organisationen "RK - rotes kreuz", "JUH - johanniter unfall hilfe", "NABU - naturschutzbund deutschland", "BUND - bund für umwelt und naturschutz deutschland" sowie "WWF - world wide foundation...(keine ahnung wie die richtig heißen)" mitglieder wirbt, die möglichst viele jahre mit einem selbsgewählten betrag die organisation unterstützen. der werber bekommt provision pro mitglied in abhängigkeit des mitgliedsbeitrages.
diese 5 organisationen leben von mitgliedsbeiträgen und spenden. ich finde es prinzipiell erstmal nicht moralisch verwerflich, einen professionellen werber auf provisionsbasis einzustellen, denn wenn die organisationen mitglieder haben wollen: niemand sitzt zu hause und denkt sich "nun, heute könnte ich ja mal mitglied beim BUND werden, ich geh mal los und informiere mich was man da so machen kann...". d.h. natürlich muß für mitglieder immer geworben werden, und werbung kostet immer geld. die provision ist auch nicht besonders hoch, d.h. die organisationen kommen schon zu ihrem geld aus den erworbenen mitgliedschaften. ich weiß nicht, wie sehr den leuten von der organisation bewußt ist, mit welchen methoden da geworben wird, ich nehme an sie verschließen da ein bißchen die augen davor und freuen sich einfach über gute ergebnisse.
ich gebe zu in meiner grenzenlosen naivität habe ich wirklich noch geglaubt ich tue was gutes, und nicht durchschaut zu welchen verhaltensweisen seitens der werber die provisionsbasis führt; ich selber bin auch nicht sooo wahnsinnig geldgierig. im übrigen waren meinen werber kollegen die hintergründe der organisation scheißegal, die hätten für alles geworben. die meisten schwelgten in selbstsüchtiger geilheit nach einem erfolgreich verlaufenen gespräch, fanden es unheimlich erregend daß man "von den leuten alles kriegt", haben sich in ihrer rettungssanitäteruniform ihr selbstbewußtsein aufgebügelt, das war ihre motivation.

arvicola

DeppVomDienst

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Wesser.de , eine Drückerkolonne?
« Antwort #5 am: 01:17:56 Fr. 16.Juli 2004 »
Zitat
ich weiß nicht, wie sehr den leuten von der organisation bewußt ist, mit welchen methoden da geworben wird, ich nehme an sie verschließen da ein bißchen die augen davor und freuen sich einfach über gute ergebnisse.


Hi Arvicola,
ich bin wirklich schwer beeindruckt und berührt von Deinen Beiträgen. Ohne Übertreibung: Das sind Geschichten, die man früher vielleicht mal im STERN oder SPIEGEL aus zweiter Hand gelesen hätte. Ich habe bis jetzt im Internet noch keine vergleichbare Schilderung der Verquickung gemeinnütziger Organisationen mit Drückerkolonnen und der dortigen Zustände gesehen (und hatte schon danach gesucht).

Was mich besonders auf die Palme bringt, ist, dass (wie Du auch schreibst) hier gemeinnützige Organisationen anscheinend stillschweigend diese Zustände dulden um des eigenen Vorteils wegen.
Ich finde es schon schlimm genug, wenn z.B. Verlage oder Telekommunikationsunternehmen  nichts hören, nichts sehen und nichts riechen (wollen). Aber gerade auch im Umfeld dieses Forums hat man bei solchen Firmen schon hinlänglich zu spüren bekommen, dass es sich nicht unbedingt dabei um Wohltätigkeitsvereine handelt ...

Ein echtes Aha-Erlebnis für mich auch die Info, dass auch für die Johanniter gearbeitet wird und bezahlte Werber im Johanniter-Outfit auf Werbetour gehen. Ich hatte so einen mal an der Tür; vielleicht bin ich zu naiv für diese Welt, dass ich glaubte, dieser Typ wäre ein Johanniter-Mitglied oder Mitarbeiter gewesen und würde sogar ehrenamtlich für "seine" Organisation arbeiten.

Manchmal kommt bei mir echt nur noch die Wut hoch bei der Verlogenheit dieser unseren schönen neuen Welt der unbegrenzten Profitgier ...

LG
DvD

Dr. Abusus

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Wesser.de , eine Drückerkolonne?
« Antwort #6 am: 02:34:08 Mo. 19.Juli 2004 »
Die Beiträge von Avicola kann ich nur bestätigen. Ich habe in Mannheim 7 Jahre lang beim ASB gearbeitet. Zum Glück war sich der ASB Mannheim zu dieser Zeit zu fein und seriös, sich solcher Methoden zu bedienen, sonst hätte ich früher das Handtuch geworfen.
Die Konkurrenz (JUH, DRK) ging sehr wohl zu dieser Zeit bereits mit solchen Methoden auf Mitgliederfang (das war in den 80ern und 90ern).

Sehr beliebt war es auch über die Drückerkolonnen für Hausnotrufsysteme zu werben.
"Dirk Hertfelder aka Freedirk" Infos auf http://www.dirk-hertfelder.de

Galenit

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Wesser.de , eine Drückerkolonne?
« Antwort #7 am: 12:34:02 Mo. 19.Juli 2004 »
Die Firma Service94 aus Hannover wirbt auch für die Johaniter, es sind die selben Mitarbeiter die vorher für das DTHW (DeutsacheTierhilfswerk) geworben haben. Nach dem Skandal des DTHW (Unterschlagung, Steuerbetrug, Waffe-/Drogengeschäfte des Chefs, ...) lohnte es sich nichtmehr und die grünen Tierschutzjacken wurden gegen die der Johaniter getauscht. Zum Glück war ich zu diesem Zeitpunkt schon ausgestiegen.
Die Mehtoden der Anwerbung und Einarbeitung waren ähnlich, auch die folgende Dynamik zeigt sehr grosse Ähnlichkeiten zu deinen Erlebnissen ...
G.S. ehemaliger Bundeskanzler der B(ananen) R(epublik) D(eutschland):
"Was wir machen ist gut, die Menschen verstehen es nur nicht!"

mirromel

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Wesser.de , eine Drückerkolonne?
« Antwort #8 am: 15:52:02 Fr. 03.Dezember 2004 »
Hallöchen,

im Gegensazt zu anderen Leuten hier im Forum habe ich bis jetzt nicht so wahnsinnig schlechte Erfahrungen mit der Firma Wesser gemacht!

Ich bin jetzt bereits im 4. Jahr (auch als Teaamchef) für die Johanniter unterwegs und bin der Meinung das der Job natürlich anstrengend, aber nicht unseriös ist. Ich weiß nicht an was für einen Teamchef man geraten muß um ohne Ausweis oder Geld losgeschickt zu werden; auch das Trinken von Alkohol ist ausdrücklich keine Pflicht! Es geht ja darum: Beim klassischen Drücken wird die Motivation eher aus Angst vor etwaigen Repressionen bezogen, was bei Wesser nicht der Fall ist, im Gegenteil werden erfolgreiche Mitarbeiter mit einem recht ordentlichen Verdienst und Firmenreisen belohnt. Auch muß man die Firma nicht verehren um dort Geld zu verdienen.

Da bei der Firma alle Mitarbeiter selbstständig sind kann natürlich nie ausgeschlossen werden daß es auch schwarze Schafe gibt, aber die werden durch die Zusammenarbeit der Naturschutz- und Hilfsorganisationen mit dem TC der Firma Wesser vor Ort sehr schnell entlarvt, auch in meinen Teams gab es einen solchen Verdacht, bei einem Betrugsfall hätte ich den Mitarbeiter auch im Namen von Wesser nach Hause schicken müssen, auch mit einer Anzeige wegen Betrugs müssen diese Mitarbeiter natürlich rechnen.

Wenn man Werbung für eine in der Öffentlichkeit bekannte Organisation betreibt steht ein seriöses Auftreten an oberster Stelle, und es gibt dann auch genügend Menschen die sich mit klassischen Werbemethoden (suggestive Gesprächsführung, persönliche Bezugnahme) bereiterklären eine Fördermitgliedschaft zu unterschreiben. Ich möchte am Abend nämlich kein schlechtes Gewissen haben, wenn ich einen Arbeitstag hinter mich gebracht habe.

In diesem Sinne meine Empfehlung: wer gut auf andere Menschen zugehen kann und dabei auch noch ein dickes Fell hat (nicht jeder reagiert freundlich auf einen Werber an der Haustür), möge sich den Job mal aus der Nähe und ohne Vorurteile anschauen!

Retlow

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Wesser.de , eine Drückerkolonne?
« Antwort #9 am: 19:42:16 Mi. 30.August 2006 »
Als ich vor 5 Monaten den Bericht von Arvicola gelesen habe, war ich sprachlos. Die Zeit danach habe ich genutzt um privat auf diese Art der Werbung aufmerksam zu machen. Es freut mich, dass jetzt Frontal 21 mit zwei Beiträgen (22. und 29.08.2006) dieses Thema aufgegriffen hat. Es geht in den Berichten zwar um eine andere wohltätige Organisation, aber das halte ich für nicht wichtig, da die Methoden sich anscheinen gleichen.  Arvicola, mich würde noch interessieren welchen Anteil (Prozente) du bekommen hättest und welche eigenen Kosten (Unterbringung  Fahrtkosten etc.) du haben solltest. Wenn ich das richtig verstanden habe, wärest du selbständig gewesen und hättest eine eigene Krankenversicherung etc. abschließen müssen. Wie bist Du auf diese Firma aufmerksam geworden?

Kazun, hast Du damals den Job gemacht?

Mirromel, diesen Job finde ich nur dann in Ordnung, wenn jeder erkennen kann, dass es sich hier um kommerzielle Werber handelt. Da ja anscheinend die Werber immer mit der Kleidung der jeweiligen Organisation ausgestattet sind, wird meiner Meinung nach hier gezielt ein anderer Eindruck erweckt. Diese Praxis widerspricht ja auch dem „Verhaltenskodex zur Mitgliedergewinnung“ dieser Organisationen.

Retlow

Kazum

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« Antwort #10 am: 16:58:56 Mi. 13.September 2006 »
HALLO!

Mensch, da suche ich  einfach nach meinem typischen Forumnick und gleich ganz oben das hier....

Hab das schon total vergessen. Hab die Antwort von ihm auch gar nicht gelesen, hab mich irgendwie andersweitig informiert bekommen und das NATÜRLICH NICHT gemacht. War damals auch Jung und unerfahrennaja... 20...

Hab nachm Abi ne Ausbildung bei der AOK angefangen, die ich nun abbreche und zum studieren nach Hildesheim gehe.

Aber danke für die Info! sehr krass das Ganze.

Shantana

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Wesser.de , eine Drückerkolonne?
« Antwort #11 am: 15:35:04 Sa. 16.September 2006 »
Das kann doch alles nicht wahr sein? Zustände wie im einer Psychosekte und das mitten in Deutschland. Die reinste Gehirnwäsche.

Diese "Werber" stehen auch öfters bei und in der City und sind gefährlicher wie eine gereizte Kobra. So schnell kan man garnicht weglaufen, wie die sich in alle Himmelsrichtungen verteilt ein potentielles Opfer schnappen.

Wieso ist sowas eigentlich erlaubt? Moderne Sklavenhaltung. Einfach nur abartig, menschenverachtet und reinst asozial. Ich hätte das keinen Tag ausgehalten. Wurden auch die Pässe ect. beschlagnahmt? Wundern würde mich das nicht.

Ich bin entsetzt!

regenwurm

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« Antwort #12 am: 17:05:44 Sa. 16.September 2006 »
Zitat
Das kann doch alles nicht wahr sein? Zustände wie im einer Psychosekte und das mitten in Deutschland. Die reinste Gehirnwäsche.

Diese "Werber" stehen auch öfters bei und in der City und sind gefährlicher wie eine gereizte Kobra. So schnell kan man garnicht weglaufen, wie die sich in alle Himmelsrichtungen verteilt ein potentielles Opfer schnappen.

Wieso ist sowas eigentlich erlaubt? Moderne Sklavenhaltung. Einfach nur abartig, menschenverachtet und reinst asozial. Ich hätte das keinen Tag ausgehalten. Wurden auch die Pässe ect. beschlagnahmt? Wundern würde mich das nicht.


stell dir vor ich spende 10 E von meinem letzen geld, für den tierschutz,
wieviel kriegen dann die werber

shantana dank für dein post und die erkenntnis daraus
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Huifu

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Wesser.de , eine Drückerkolonne?
« Antwort #13 am: 07:29:52 Mi. 11.Oktober 2006 »
Hallo,

ich habe mich nur wegen dieses einen Threads angemeldet, weil ich den Erfahrungsbericht von arvicola in keiner nachvollziehen kann. Ich habe dieses Jahr drei Monate für die Firma Wesser gearbeitet und würde gerne kurz zu den genannten Vorwürfen Stellung nehmen.

Ich bin selber über das Internet (wie wohl die meisten) auf Wesser aufmerksam geworden. Da ich direkt nach meinem Abitur bis November keine großen Pläne hatte, habe ich mich beworben und wurde auch direkt, nach zwei Telefonaten sehr schnell zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Dafür musste ich zwar zwei Stunden mit dem Zug fahren, war aber in Ordnung. Da gab es eine kurze Einführung mit Infos über die Firma und die Bezahlung und den Job an sich. Eine Woche später bekam ich auch direkt eine eMail und einen Anruf mit der Bestätigung, auch hier ging alles sehr schnell und innerhalb von zwei oder drei Wochen bin ich dann auch, wie berichtet, zu dem Stopover nach Stuttgart eingeladen. Dort gab es natürlich auch die gleichen Kennenlernspiele wie bei dir, bei denen es einfach darum geht, herauszufinden in welches Team man passt.
Wie stellst du dir eigentlich eine Anreise vor, wenn du meinst, man wird "wie ein Paket verschickt"? Für etwas anderes fährst du doch gar nicht hin, als dass du dann direkt zu deinem Gebiet weiterfährst.

Meine Anreise ins Team erwies als positiv, ich bin auch mit jemand anderes dahingekommen. In der ersten Woche waren wir nur zu viert, ansonsten waren meine Teams nie größer als acht Leute. Teams mit zwölf Leuten gibt es zwar auch, aber ich habe selber damit keine Erfahrungen gemacht.
Noch eine direkte Antwort auf deine Beschreibungen: In meinen ersten Arbeitswochen gab es, abgesehen von Samstag, höchstens 1-2 Bier pro Abend, und zum Trinken animiert wurde niemand.
Das mit der angesprochenen Einwandbehandlung ist richtig, den Begriff gibt es und umschreibt einfach bewährte Sätze wie man auf die Einwände (wie z.B. "Meine Frau/Mein Mann ist grad nicht da, Ich habe grade keine Zeit, Ich möchte kein Mitglied werden, Bankeinzug mache ich nicht so gerne) die einem an der Tür begegnen eingeht. Aber "große und kleine Lügen" waren zumindest nach meinen Erfahrungen absolut nicht gängig, jeder einzelne meiner Teamchefs sagte klar und deutlich dass sie an der Haustür nicht lügen.
Auch das standardisierte Gespräch wird direkt gelernt, wie stellst du dir das denn sonst vor? Auch Reizworte gibt es, die man nicht erwähnen sollte. Aber das sind alles erst einmal Hilfen, damit man auch was erreicht an der Tür. Es ist ja nicht so, dass die Leute einem mit offenen Armen entgegen kommen und sofort Mitglied bei einer Organisation werden wollen. Ich will nicht sagen, dass man Menschen zu Ihrem Glück zwingen soll, aber einen gewissen Argumentationsspielraum sollte man schon ausnutzen.
Auch ich habe so ein Gespräch am ersten Abend gelernt, und natürlich drehten sich die ersten Gespräche ums werben. Aber das kam eigentlich eher aus unserer Neugierde heraus. Ich wurde auch direkt am Abend noch mit zu einer Vorstandssitzung der Ortsgruppe mitgenommen, um auch mal die Leute dort kennen zu lernen.

Am nächsten Morgen habe ich dann auch wie du die Rollenspiele gemacht, aber in genauso lockerer Form. Meine ersten Gespräche waren natürlich katastrophal, aber so ist das halt mit der Aufregung. Auch hatte ich das Glück, meine ersten beiden Stunden von meinem Teamchef begleitet zu werden und so einige Tipps zu bekommen.

Jetzt noch kurz einige Sachen zu deiner Kritik über das Teamleben: Du beschwehrst dich, dass ihr gemeinsam gekocht und gegessen habt? Dass ihr zur gleichen Zeit geschlafen habt? Und dass ihr keine Einzelzimmer hattet? Allein aus diesen Aüßerungen schließt sich für eine gewisse Unerfahrenheit mit Gruppenurlauben bzw. Team- oder WG-Leben an sich. Was stellst du dir denn vor? Dass jeder für sich alleine kocht, irgendwann ist und dann in sein perfekt den Wünschen nach eingerichetes Einzelzimmer mit Fernseher und  Balkon verschwindet? Das halte ich sowohl für illusorisch als auch für wenig wünschenswert. Immerhin geht es auch für jeden einzelnen darum, möglichst geringe Wochenkosten zu haben. Und dazu zählt auch die Miete, die im Penthouse vom Ritz-Carlton recht teuer wäre. Auch sind die Gespräche selbstverständlich in der Gruppe, jeder lernt dabei und schaut sich auch das ein oder andere ab.
Und wenn das doch einmal alles zuviel wurde, hatte man immer genügend Privatsphäre die man sich nehmen konnte. Ich kann mir kaum vorstellen, dass du nach drei Tagen schon zu viel hattest, das kennzeichnet dich eher als einen Recht sozialfremden Menschen (ohne dich beleidigen zu wollen). Ich habe 8 Wochen mit meist den gleichen Leuten zusammen und z.T. recht kleinen Wohnungen gelebt, und es gab bis zum Ende keinen einzigen größeren Streit.
Auch die Schlüsselsache ist doch wohl mehr als lächerlich: Wie kannst du denn erwarten dass jeder aus dem Team einen Haustür- bzw. Autoschlüssel hat?

Kurz zu dem Werben an sich: Der Großteil der Leute, die man wirbt sind weder altersschwach, noch verwirrt. Meistens sind es junge Familien, die auch gerne mal mit den Kindern was machen. Ältere Leute sind natürlich auch dabei, aber da hat man in den meisten Fällen keinen Erfolg und verliert auch bei denen die Motivation sich da groß zu bemühen. Leute mit gesetzlichen Vormund darf man nicht werben, und es bringt einem auch nichts, da sie nicht geschäftsfähig sind und somit der Vertrag ungültig ist. Auch ist es super leicht wieder rauszukommen, das Geld wird erst zwei Monate später abgebucht, und in der Zeit hat man immer die Möglichkeit fristlos zu kündigen. Auch danach reicht hundertprozentig ein Anruf, und die Sache ist storniert.
Die Vorwürfe, man dürfe nichts mit ins Gebiet nehmen, kann ich nicht nachvollziehen. Da hast du wahrscheinlich wirklich Pech mit dem Teamchef gehabt, in meinem Team war es gang und gäbe mit Rucksacke und natürlich auch dem Portmonnaie und Handy ins Gebiet zu gehen. Handy schon alleine deshalb, damit man in Kontakt bleiben kann.

Auch bei den Teambesuchen von Wesser-Mitarbeitern habe ich andere Erfahrungen gemacht. Es wurde zwar durchgehend positiv vom Chef gesprochen (der übrigens nicht vorwiegend der Herr Wesser ist, der ist weitgehend im Ruhestand), aber vergöttern oder ähnliches wird wohl keiner. Wir haben auch zwei mal Besuch bekommen von unserer Chefin, die aber sehr freundlicher Natur waren. Beim ersten Mal gab es Brötchen zum Frühstück, beim zweiten Mal wurden auf Grund guter Leistungen zum Essen eingeladen. Auch hier, wie schon andere gesagt haben, gibt es keine Motivation durch Druck sondern durch Belohnungen. Die angesprochenen Feste und Reisen gibt es wirklich und kommen den Leuten zu Gute, die am Besten arbeiten. Es ist vielleicht wichtig zu wissen, dass dies wirklich ein rein nach Leistung bezahlter Job ist, wer gut wirbt, kann eine Menge Kohle verdienen, wer nicht so viele Leute begeistern kann, verdient auch weitaus weniger.

Auch zu dem Vorwurf dass dies eine Drückerkolonne ist: Begeistern ist durchaus wörtlich gemeint, man wirbt die Leute durch Sympathie und Wissen, klassische Drückerkolonnenmethoden mit Fuß in die Tür stellen, Drogenabhängiger oder Knasti spielen und auf die Mitleidstour machen gibt es definitiv nicht. Welche große Organisation würde denn auf solche Mittel setzen? Das ist halt der günstigste Weg für diese Mitglieder zu bekommen.


So, das ist meine Stellungnahme dazu. Ist auch sehr lang geworden, wollte nur auf jeden Punkt eingehen, da sich meine Erfahrungen nicht mit denen von arvicola gedeckt haben. Ich hoffe so gibt es ein wesentlich differenzierteres Bild von dem Job. Ich persönlich kann ich für jeden empfehlen der Durchhaltevermögen hat und gerne redet.
Auch wenn hier alles sehr positiv dargestellt ist, entspricht es meiner Meinung. Mir hat das Ganze viel Spaß gemacht, habe gut verdient und bin verhandlungssicherer geworden. Natürlich gibt es die ein oder andere Sache die einem nicht so gefällt, aber das ist nicht so gravierend als dass ich die darstellen müsste. Und wenn ihr jetzt glaubt, ich würde von Wesser dafür bezahlt dass ich gut über die schreibe: Ich hab extra einen neutralen Nicknamen gewählt. Auch bin ich mir ziemlich sicher, dass ich kene Gehirnwäsche bekommen habe  :P


Schöne Grüße,

Huifu

Retlow

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Wesser.de , eine Drückerkolonne?
« Antwort #14 am: 18:11:04 Fr. 13.Oktober 2006 »
Hallo Huifu,

zu  der Werbung habe ich eine Frage. Für wen hast  Du geworben? Laut der Firma Wesser gehören zu den Kunden das Rote Kreuz, Johanniter Unfall Hilfe, NABU, BUND, WWF.

Hattet euer Team die entsprechende Kleidung (Jacke, Pullover) mit dem Zeichen der jeweiligen Organisation an?

Retlow