Autor Thema: Die Tafeln  (Gelesen 64460 mal)

Rudolf Rocker

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Re:Die Tafeln
« Antwort #135 am: 13:00:33 Mo. 12.August 2013 »
Dazu gibt es sogar einige ziemlich gute Kommentare unter dem Artikel! ;D

dagobert

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Re:Die Tafeln
« Antwort #136 am: 18:31:32 Mo. 02.Dezember 2013 »
Zitat
„Die Politik ruht sich darauf aus“

Die Stadtteildiakonie in Hamburg-Sülldorf betreibt eine Tafel – und ist gleichzeitig Mitglied im tafelkritischen Verband „Aktionsbündnis 20“.
[...]
Wir haben ein Unbehagen an den Verhältnissen, so wie sie sind. Wir sehen zum einem die Notwendigkeit, dass es Tafeln geben muss, wir sehen aber auch, dass sich die Politik vermehrt darauf ausruht und sich darüber freut, dass es Tafeln gibt und dass sie sich nicht fragen muss, was man gegen Armut und Not politisch tun kann.
http://www.taz.de/Diakoniemitarbeiter-Niclas-Rabe-ueber-Almosen/!128521/
Zitat
Anmerkung RS: Dieses Interview zeigt sehr anschaulich die Zwickmühle der Tafeln. Einerseits ist ihre Arbeit notwendig, andererseits ist es eine Schande, dass in einem so reichen Land wie Deutschland ihre Arbeit überhaupt notwendig ist.
http://www.nachdenkseiten.de/?p=19473#h10

Eivisskat

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Re:Die Tafeln
« Antwort #137 am: 15:21:42 Sa. 14.Dezember 2013 »
http://www.ndr.de/unternehmen/organisation/handinhand/spenden/spendentag391.html


Hirnwäsche vom Feinsten ist diese unsägliche Aktion des NDR, die wir seit Tagen hier in der Region ertragen müssen:

*Hand in Hand in Norddeutschland* wirbt während 2 Wochen massiv für die Unterstützung der Tafeln, sammelt Spenden "für Bedürftige", lobt die Tafel-Ehrenämtler dort über den grünen Klee & fordert ebenso massiv auf, ein solches zu verrichten.

Es werden alle Register gezogen, nur das eine, das Allerwichtigste fehlt:

Mit keinem Wort wird erwähnt, dass Grusi, ALGII, Rente, Löhne inzwischen auf einem derart niedrigen Niveau angelangt sind, dass es kein Wunder ist, wenn die Tafeln zur Notwendigkeit geworden sind, weil die Menschen sonst nicht über die Runden kommen. Und warum das Ganze politisch geplant & gewollt ist


Nein, es wird so getan, als ob diese Armut ein gottgegebenes Naturereignis ist, das man leider so hinnehmen muss und höchstens durch die entsprechenden Spenden ein wenig lindern kann.

Und wenn man dann noch die Kommentare der Politiker - die allesamt für diese Armut verantwortlich sind - zur Aktion hört, kann man nur noch   kotz


Video:   http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/nordmagazin/media/nordmagazin20549.html


Dazu passt noch dieser Springerblatt-Artikel, der beschreibt, wie die Tafeln in Hamburg aus allen Nähten platzen, ohne natürlich mit nur einem Wort zu erwähnen, WARUM das so ist und WAS man dagegen tun könnte...

mal abgesehen von weiteren "Spenden an Bedürftige" oder der völlig ungenügenden Anhebung der Grusi um 70 €, die ein Sozialverband fordert.

http://www.abendblatt.de/hamburg/article122889219/Sozialverband-Grundsicherung-auf-450-Euro-anheben.html


BGS

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Re:Die Tafeln
« Antwort #138 am: 17:56:55 Mi. 25.Dezember 2013 »
Zitat
Darf es ein bisschen mehr sein?

Armut als Ware in der Goodwill-Industrie

Von ihrem Gründungsmythos, der Tafelidee (die so viele Menschen "charmant" oder "überzeugend" finden), entfernt sich die Tafelbewegung immer häufiger. Vor 20 Jahren bestand diese Idee darin, überflüssige aber noch verzehrfähige Lebensmittel an bedürftige Menschen zu verteilen. Inzwischen ist Armenspeisung zu einem marktförmigen Unternehmen geworden.
... .

Von: Stefan Selke, 25.12.2013

Quelle:http://www.heise.de/tp/artikel/40/40649/1.html

MfG

BGS
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Re:Die Tafeln
« Antwort #139 am: 08:30:11 Sa. 01.März 2014 »
.

Troll

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Re:Die Tafeln
« Antwort #140 am: 19:31:15 Di. 10.Juni 2014 »
Zitat
Auch Erbarmen geht nicht ohne Coca Cola – Nun engagiert sich der Getränkekonzern auch in der Armutsökonomie der „Tafeln“

Angesichts eines Werbeplakats im öffentlichen Raum stellt sich mir die Frage, ob es eher gut oder schlecht ist, wenn die eigenen Thesen von der Wirklichkeit überholt werden. Es handelt sich dabei um ein Plakat von Coca Cola Deutschland, auf dem die Unterstützung der „Tafeln“ erklärt wird, zu denen der Konzern nun eine „stolze Partnerschaft“ aufgenommen hat.

Tafeln? Das sind doch die inzwischen als äußerst ambivalent eingeschätzten „Lebensmittelretter“, die bundesweit immer mehr arme Hartz-IV-Empfänger, Langzeitarbeitslose, Rentner und mancherorts sogar Studierende versorgen. Regelmäßig werden die Tafeln kritisiert, weil sie dazu beitragen, das Problem der Armut zu entpolitisieren. Armut, so der Kern der Kritik, entwickele sich durch die stetige Präsenz der Almosensysteme in diesem Land von einem politischen Skandal zu einer gesellschaftlich arrangierten Bedürftigkeit. Und innerhalb der sich immer weiter ausdifferenzierenden neuen Armutsarrangements lassen sich auch Gewinne erwirtschaften. Armutsökonomie bedeutet, dass Armut zur (ver)handelbaren Ware wird. Von Stefan Selke.
....

Quelle: NDS

Die Tafeln sind ein wertvoller Bestandteil des Marktes und der aktuellen Sozialpolitik, da ist Coca Cola nur das  Tüpfelchen auf dem i.
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Tiefrot

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Re:Die Tafeln
« Antwort #141 am: 00:01:29 Mi. 11.Juni 2014 »
Das sind die Folgeerscheinungen, wenn Mensch wegen Billiglöhnerei den ganzen Krempel nicht mehr kaufen kann. Irgendwo muß der Profit ja herkommen. kotz Das ist der pure Zynismus.
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dagobert

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Sperrzeit bei der Essener Tafel
« Antwort #142 am: 19:24:53 Mo. 17.November 2014 »
Zitat
Essener Tafel sperrt unzuverlässige Nutzer

Essen. 1800 Einzelpersonen oder Familien erhalten bei der Essener Tafel Woche für Woche Lebensmittel. Wer dreimal bei der Lebensmittel-Ausgabe der Tafel fehlt, verliert seine Karte für ein Jahr. Angesichts des großen Andrangs müsse man streng sein, sagt der Tafel-Verein.
http://www.derwesten.de/staedte/essen/essener-tafel-sperrt-unzuverlaessige-nutzer-id10045812.html

schwarzrot

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Re:Die Tafeln
« Antwort #143 am: 20:55:05 Mo. 17.November 2014 »
Ich finde das so eine heftige nummer, dass ich mal 'fullquote mache, nicht damit das plötzlich als bericht untergeht:
Zitat
Essen.  1800 Einzelpersonen oder Familien erhalten bei der Essener Tafel Woche für Woche Lebensmittel. Wer dreimal bei der Lebensmittel-Ausgabe der Tafel fehlt, verliert seine Karte für ein Jahr. Angesichts des großen Andrangs müsse man streng sein, sagt der Tafel-Verein. Ein Betroffener sagt: „Ein Jahr Sperre ist zu hart.“

Die Essener Tafel hat längst das Format eines mittelständischen Unternehmens: 1800 Einzelpersonen oder Familien erhalten hier Woche für Woche an einer der 14 Ausgabestellen Lebensmittel, die von Supermärkten, Großhändlern oder Bäckereien gespendet werden. Regelmäßig müssen neue Bewerber abgewiesen werden, weil kein Platz mehr frei ist. Umso härter traf es Günther Schmittmann (Name geändert), als man ihn von der Ausgabe wieder ausschloss.

Schmittmann ist arbeitlos und hatte sich im Frühjahr bei der Tafel-Zentrale im Wasserturm an der Steeler Straße angemeldet, „weil mein Geld nicht reicht“. Wie alle neuen Nutzer bekam er mit seiner Kundenkarte einen festen Lebensmittel-Abholtermin; in seinem Fall jeweils samstags. So soll der Andrang in halbwegs geordnete Bahnen gelenkt, die Schlangenbildung übersichtlich gehalten werden.
„Ein Jahr Sperre ist zu hart“

Als Schmittmann im Sommer seine Frau nach Serbien begleitete, habe er zweimal ohne Abmeldung gefehlt. „Von dort konnte ich nicht telefonieren.“ Als er am dritten Samstag wieder am Wasserturm erschien, sei er leer ausgegangen: „Man hatte meine Karte gesperrt.“

Als Schmittmann sich darüber beschwerte, habe man ihn auf den folgenden Mittwoch verwiesen: Da würden jeweils neue Karten ausgegeben, sofern Plätze frei geworden seien. „Also bin ich wieder zum Wasserturm gegangen, hab’ ewig gewartet und am Ende hieß es: , Sie kriegen keine neue Karte, weil Sie für ein Jahr gesperrt sind.’“ Man hätte ihm doch schon vorher sagen können, dass er erstmal keine Chance auf eine neue Karte habe, findet Schmittmann. „Und ein Jahr Sperre ist zu hart.“
Viele Bedürftige warten seit langem auf eine Kundenkarte

Der Vorsitzende der Tafel, Jörg Sartor, kann sich an den Vorfall erinnern – doch seine Schilderung fällt anders aus. Schmittmann habe nicht zweimal, sondern viermal unentschuldigt gefehlt: „.Wenn wir jemanden sperren, muss unser Mitarbeiter dazu im System eine Begründung hinterlegen. Da kann man das nachlesen.“ In diesem Fall sei man sogar kulant gewesen, denn eigentlich werde man schon nach dem dritten unentschuldigten Fehlen von der Lebensmittelausgabe ausgeschlossen. So könne es jeder auf der Homepage der Tafel nachlesen. „Und dabei geht es nicht um dreimal Fehlen in einem Jahr, sondern um dreimal hintereinander.“ Im übrigen gebe es die Möglichkeit, sich vorab für mehrere Wochen abzumelden, wenn man zum Beispiel verreise.

Zitat
Info
Essener Tafel nimmt mittwochs neue Kunden auf

Die Essener Tafel verteilt am Wasserturm (Steeler Str. 137) sowie an 13 weiteren Punkten Lebensmittel an ca. 1800 Familien, die einmal wöchentlich kommen. Berechtigt dazu sind Empfänger von Arbeitslosengeld II (Hartz IV), Grundsicherung oder Wohngeld.

Neuanmeldungen finden jeden Mittwoch ab 9 Uhr im Wasserturm statt. Welche Unterlagen Bewerber vorlegen müssen etc. steht auf der Homepage ddieer Tafel: www.essener-tafel.de

Weitere Infos:  27 20 255.
Es komme immer mal wieder vor, dass jemand die Sperren als ungerecht empfinde, sagt Sartor. Andererseits gebe es viele Bedürftige, die seit langem auf eine Kundenkarte der Tafel warten: Jeden Mittwoch könne er nur 50 neue Nutzer aufnehmen, der Andrang sei viel größer. Der erhebliche logistische Aufwand, der mit der Verteilung der Lebensmittel wie mit der Ausgabe neuer Karten verbunden sei, müsse von den 120 ehrenamtlichen Mitarbeitern gestemmt werden. Er finde es deshalb ziemlich unfair, wenn ein Kartennutzer einfach nicht erscheine. „Wenn einer nicht mal absagt, braucht er uns offenbar nicht.
http://www.derwesten.de/staedte/essen/essener-tafel-sperrt-unzuverlaessige-nutzer-id10045812.html

Ganz schlimm auch die userpostings auf der seite. Es scheint schon allgemeingut, dass es in ordnung wäre, sich für almosen anstellen und 'abmelden' zu müssen, mal die ganzen durchgeknallten, die meinen, ALGII sei eh zu viel, ganz von abgesehen.
"In der bürgerlichen Gesellschaft kriegen manche Gruppen dick in die Fresse. Damit aber nicht genug, man wirft ihnen auch noch vor, dass ihr Gesicht hässlich sei." aus: Mizu no Oto

Wieder aktuell: Bertolt Brecht

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Re:Die Tafeln
« Antwort #144 am: 22:29:42 Mo. 17.November 2014 »
Anstatt daß an den URSACHEN des Elends endlich etwas verändert wird, um dieses zu begrenzen bzw. zu vrhindern, müssen sich die Ausgebeuteten in Essen scheinbar schlimmer als unmündige Schulkinder behandeln und auch noch demütigen lassen. Das ist der eigentliche Skandal.

MfG

BGS
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dagobert

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Re:Die Tafeln
« Antwort #145 am: 10:18:23 Fr. 04.September 2015 »
Zitat
Die Armutsindustrie
Verantwortlich: Jens Berger

Die Armut im Land steigt weiter rasant an. Anstatt hiergegen jedoch wirksam vorzugehen, werden die bestehenden Verhältnisse entweder geleugnet, schön geredet oder einfach so organisiert, dass die Armen sich für ihre Armut auch ja selbst verantwortlich fühlen und der unsichtbaren Macht, die sie in dieser hält, im Idealfalle für ihre Almosen sogar noch dankbar sind. Derlei Selbstunterwerfung unter ein menschenverachtendes System wird dabei nicht nur mittels der Hartz-IV-Ideologie, sondern auch und vor allem durch die Tafeln im Lande besorgt – während die Wirtschaft das Elend der Armen bereits als neues Geschäftsfeld [PDF] zu erschließen begonnen hat. Jens Wernicke sprach mit Tafelkritiker Stefan Selke über das „Schamland“ Bundesrepublik.
http://www.nachdenkseiten.de/?p=27438

Tiefrot

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Re:Die Tafeln
« Antwort #146 am: 12:45:34 Fr. 04.September 2015 »
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Re:Die Tafeln
« Antwort #147 am: 14:26:51 Mi. 07.Oktober 2015 »
Zitat
»Barmherziges Almosensystem«

Deutschlands Tafeln klagen über wachsenden Andrang. Bundesregierung weist jede Verantwortung von sich

Deutschlands Armenspeisung boomt: Supermärkte entsorgen bei Tafeln kostengünstig abgelaufene Lebensmittel. Behörden verweisen immer wieder sanktionierte Hartz-IV-Bezieher oder Flüchtlinge an die Stellen. Laut Bundesverband Deutsche Tafel versorgen sich inzwischen 1,5 Millionen Menschen in über 3.000 Ausgabestellen der gut 900 Einrichtungen mit Essensresten. Hinzu kommen Suppenküchen, die dem Verband nicht angehören. Einen Mangel will die Bundesregierung aber nicht erkennen. Tafeln seien ein »rein zivilgesellschaftliches Engagement«, ein »Zusatzangebot«, keineswegs ein Ausdruck verfestigter Armut und verfehlter Sozialpolitik, teilte SPD-Staatssekretärin Gabriele Lösekrug-Möller auf Anfrage der Linksfraktion mit. Es sei nicht Aufgabe des Staates, zu erfassen, wie viele Menschen auf die Almosen angewiesen sind.

So sieht die Regierung im wachsenden Zulauf bei Tafeln ein »Zeichen für rationales Wirtschaften von Menschen mit sehr begrenztem Budget«. Bei mehr Ausgabestellen werde eben auch deren »preisgünstiges Angebot« stärker nachgefragt, heißt es. Wie üblich in der »Privatwirtschaft«, sei der Staat nicht verpflichtet, ihre Tätigkeit zu regeln. Schließlich, so Lösekrug-Möller, gewähre die Sozialpolitik allen Bedürftigen das menschenwürdige Existenzminimum. Die Realität sieht anders aus: Zuletzt kürzten Jobcenter über eine Million mal pro Jahr die Bezüge so weit, das sie unter diesem Minimum lagen. Knapp 7.000 Einkommenslose litten im Mai unter einer Vollsanktion. Flüchtlinge müssen oft stundenlang an Essensausgaben anstehen, ihr Bargeld reicht für eine weitere Versorgung nicht. Kein Wunder, dass es »die Bundesregierung begrüßt, dass Tafeln eine sinnvolle Verwendung überschüssiger Lebensmittel ermöglichen«.

Der Soziologe Stefan Selke sieht die Tafeln als »Ausfallbürgen des Sozialstaats«, wie er in einer Auswertung der Antwort der Bundesregierung für die Linksfraktion schreibt. So ziehe sich die Regierung »schleichend aus der Verantwortung« und etabliere ein »barmherziges Almosensystem ohne jeden Rechtsanspruch«. Der Staat habe es »aufgegeben, das verfassungsrechtlich verbürgte Gut menschenwürdiger Lebensbedingungen umzusetzen und zu kontrollieren«, so Selke. »Qualitative Studien zeigen schon jetzt, dass Tafeln sich als dauerhafter Ersatz etablieren – das kann keinesfalls mit sozialer Teilhabe gleichgesetzt werden.« In ihrer Antwort stelle die Bundesregierung ihre Unkenntnis darüber zur Schau, »dass Armutsbetroffene bewusst unterhalb des rechtsstaatlich verbindlichen Minimums versorgt werden, gerade weil es Tafeln gibt«. So würden Menschen zu Bettlern degradiert. Die Bundestagsabgeordnete Sabine Zimmermann (Die Linke) erklärte, die Antwort verdeutliche, »dass die Bundesregierung über so gut wie kein Wissen über die Tafeln verfügt«.

Linksfraktionschef Gregor Gysi hatte sich am 29. September bei »den mehr als 60.000 ehrenamtlichen Tafelhelfern« öffentlich bedankt. »Aber es ist eine Schande für unser Land, dass Menschen gezwungen sind, um Almosen zu bitten – und das im 25. Jahr der Deutschen Einheit«, konstatierte er. Aktuelle Meldungen bestätigen den Soziologen und Die Linke.

In Thüringen klagte unterdessen der Vorsitzende des Landesverbandes der Tafeln, Nico Schäfer, am Wochenende gegenüber dem MDR über wachsenden Andrang, der das System überfordere. Inzwischen würden im Freistaat rund 17.000 Menschen an 64 Ausgabestellen mit Essen versorgt, Tendenz rasant steigend. Der Platz zum Lagern der Lebensmittel werde knapp, warnte Schäfer. Die Hamburger Tafel verhängte in etlichen Ausgabestellen einen Aufnahmestopp, wie deren Geschäftsführer Ralf Taubenheim am Sonnabend der Schleswig-Holsteinischen Zeitung sagte. Die Spenden stagnierten und es mangele an Platz. Und: In den nächsten Wochen erwartet Taubenheim einen weiteren »signifikanten Anstieg der Bedürftigen«.
http://www.jungewelt.de/2015/10-06/012.php

Kuddel

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Re: Die Tafeln
« Antwort #148 am: 15:13:32 Mi. 18.September 2019 »
Zitat
Wie der Dachverband der Tafeln in Berlin mitteilte, wuchs die Zahl der regelmäßigen Kunden auf 1,65 Millionen. Dramatisch sei der Anstieg mit 20 Prozent bei Senioren, die Rente oder Grundsicherung bezögen. Geringe Renten seien nach Langzeitarbeitslosigkeit der zweithäufigste Grund, eine Tafel aufzusuchen. Verbandschef Brühl erklärte, Altersarmut werde die Gesellschaft in den kommenden Jahren mit Wucht überrollen
https://www.deutschlandfunk.de/armut-immer-mehr-menschen-gehen-zu-tafeln-um-sich-mit.2932.de.html?drn:news_id=1050432

counselor

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Re: Die Tafeln
« Antwort #149 am: 17:04:27 Mi. 18.September 2019 »
Die Agenda 2010 lässt grüssen. Und natürlich die SPD und die gesamte GroKo.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!