Autor Thema: ZENSUR im Netz und anderswo  (Gelesen 139300 mal)

ManOfConstantSorrow

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Re: ZENSUR im Netz und anderswo
« Antwort #15 am: 13:25:33 Sa. 28.Februar 2009 »
  DAVID GEGEN DIEHL - DER RÜSTUNGSBETRIEB WILL KEINE STREUMUNITION HERSTELLEN


 
München (sk) - Am 2. März findet in München ein ungewöhnlicher Prozess statt: Die bayerische Rüstungsfirma Diehl klagt gegen den Regensburger Journalisten Stefan Aigner. Streitpunkt: Aigner hat in einer Kolumne geschrieben, Diehl produziere Streumunition ? eine Anspielung auf die von dem Nürnberger Familienbetrieb produzierte Munition SMArt 155. Die Firma Diehl hält diese Behauptung für unwahr und geschäftsschädigend und setzt den Streitwert der Klage hoch an. Der Journalist fühlt sich in seinem Recht auf freie Meinungsäußerung eingeschränkt und hält stand.

http://www.scharf-links.de/57.0.html?&tx_ttnews[tt_news]=4144&tx_ttnews[backPid]=8&cHash=cf74b0f99b
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Alex22

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Re: ZENSUR im Netz und anderswo
« Antwort #16 am: 13:39:14 Sa. 28.Februar 2009 »
Einfach mal so:
Wenn "Soldaten Mörder sind", was sind dann Mitarbeiter in einem Rüstungsunternehmen?
Was sagt die IG Metall zu solchen Betrieben?
Wo ist die Solidarität der Arbeiter?
Die heutige deutsche "Wehrmacht" (zeitweise Bundeswehr) Muss im Ausland mitwirken, damit deutsche Rüstungsunternehmen exportieren können.
Machen die das nicht, läßt "Onkel Sam" den "Michel" auch keine Waffen verkaufen.

Einfach? So ähnlich ist es.


Hartz 4 für jeden Rüstungsarbeiter oder vielleicht 2 jahre Sudan?

Kuddel

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Internetzensur: Denic schaltet Wikileaks ab
« Antwort #17 am: 22:09:10 Sa. 11.April 2009 »
Kaum ist die Internetzensur vor zwei Wochen in Deutschland beschlossen worden, gibt es nun einen ersten Fall von politischer Zensur. Die deutsche Domain wikileaks.de wurde gestern abend von denic gesperrt. Wikileaks ist ein Nachrichtenprojekt, über welches geheime Informationen und Analysen veröffentlicht werden können und das sich sehr um die Erhaltung der Meinungsfreiheit im Internet bemüht.

Wikileaks wurde im Jahr 2006 von anonym bleibenden chinesischen Dissidenten, Journalisten, Mathematikern und Technikern von Startup-Unternehmen aus den USA, Taiwan, Europa, Australien und Südafrika gegründet um geheime Informationen und Analysen zu veröffentlichen (siehe:  http://de.wikipedia.org/wiki/Wikileaks).
Zuletzt engagierte sich Wikileaks gegen die in den meisten westlichen Ländern geplante Internetzensur und veröffentlichte eine geheime Filterliste der Australian Communications and Media Authority (ACMA), um zu belegen, daß von der Zensur nicht angebliche "Kinderpornographie", sondern auch politische Webseiten und private Weblogs betroffen sind.
 
In Deutschland wurde auf Initiative der Dresdener Staatsanwaltschaft in der Nacht vor dem Abnicken der Zensurliste die Wohnung des deutschen wikileaks-Domaininhabers durchsucht. Vorwurf: "Verbreitung kinderpornographischer Schriften". Laut Staatsanwaltschaft sei der Termin aber "rein zufällig" gewesen und es sei nichtbekannt gewesen, daß es sich bei wikileaks um ein international anerkanntes Pressemedium handele.
Gestern abend wurde nun die Domain wikileaks.de gesperrt, ohne daß Denic oder die Behörden zuvor mit dem Domainhaber Kontakt aufgenommen hätten. Aussagen eines Sprechers der ACMA gegenüber australischen Journalisten zufolge gab es auch keinerlei Amtshilfeersuchen gegenüber deutschen Behörden. Wikileaks stellt in einer Presseerklärung u.a. fest: "China - und nun Deutschland - sind die einzigen Laender dieser Welt, die versuchen eine ganze Wikileaks Domain zu zensieren."
Zuvor gab es bereits in den USA Versuche in einem Rechtsstreit mit dem schweizer Bank Julius Baer wikileaks zu zensieren, als Wikileaks Dokumente veröffentlichte, die die Steuerumgehung und das Verstecken von Vermögen auf den Kaimaninseln aufdeckten. Eine Sperrung der Domain durch einstweilige Verfügung wurde nach drei Tagen wieder aufgehoben.

Wikileaks ist weiterhin über internationale Domains der .org-registry zu erreichen. Siehe:  http://wikileaks.org/ und  http://wikileaks.org/wiki/Category:Germany

Presseerklärung von wikileaks zur Abschaltung der Domain:  https://secure.wikileaks.org/wiki/Deutsche_Wikileaks_Domain_ohne_Vorwarnung_gesperrt

Spendenaufruf: "Wer Wikileaks Bemuehungen gegen die Unterdrueckung von Pressefreiheiten durch deutsche Behoerden unterstuetzen moechte, kann dies ueber eine Spende tun."
 https://secure.wikileaks.org/wiki/Wikileaks:Donate

Artikel zur Hausdurchsuchung am 25.März:
 http://wikileaks.org/wiki/Hausdurchsuchung_bei_WikiLeaks.de_Domaininhaber
 http://wikileaks.org/wiki/Durchsuchungsbeschluss_Blog_wegen_Verlinkung_auf_Schutzalter_und_anwaltliche_Reaktion%2C_2009
"Razzia bei wikileaks.de-Domaininhaber" -  http://de.indymedia.org/2009/03/245078.shtml
"Dresden: Solidarität mit wikileaks.de" -  http://de.indymedia.org/2009/03/245137.shtml

Dokument "Bundestag: Sperrverfugung gegen Internet-Provider, 2009"
 http://wikileaks.org/wiki/Bundestag:_Sperrverfugung_gegen_Internet-Provider%2C_2009
Dokument "Vertragsentwurf BKA ISP, 11 Feb 2009"
 http://wikileaks.org/wiki/Vertragsentwurf_BKA_ISP%2C_11_Feb_2009

Artikel zu den Zensurlisten:
Westliche Internetzensur: Anfang vom Ende oder Ende vom Anfang?
 https://secure.wikileaks.org/wiki/Westliche_Internetzensur:_Anfang_vom_Ende_oder_Ende_vom_Anfang%3F

Im letzten Jahr wurde auch Wikipedia für einige Tage auf einen Internetfilter gesetzt:  http://netzpolitik.org/2008/wikipedia-in-grossbritanien-zensiert/

siehe auch:  http://de.wikipedia.org/wiki/Zensur_im_Internet

unkraut

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Re: ZENSUR im Netz und anderswo
« Antwort #18 am: 09:49:03 So. 12.April 2009 »
Die Seite ist ja interessant . Man hat gar nicht so viel Zeit um dort zu lesen .
Noch Fragen Hauser ? Ja Kienzle , wer ist eigentlich Unkraut ?

Wir wagen es nicht weil es schwierig ist sondern es ist schwierig weil wir es nicht wagen .

Mein Buchtip als Gastautor :  Fleißig , billig , schutzlos - Leiharbeiter in Deutschland  > ISBN-10: 3771643945

Workless

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Re: ZENSUR im Netz und anderswo
« Antwort #19 am: 13:16:50 So. 26.April 2009 »
Och... an Lesestoff sollte es dir nicht mangeln. ;)

Zitat
Die Zugriffe auf die bei den geplanten Internetsperren geschalteten "Stoppschilder" werden womöglich weit umfassender als bisher gedacht ausgewertet werden.

Ulrich Staudigl, Sprecher im Bundesjustizministerium, sagte, dass man sich in der Bundesregierung vielleicht nicht damit zufrieden geben wird, die Provider die versuchten Zugriffe auf gesperrte Seiten mitloggen zu lassen und unter Umständen auf die Logs zuzugreifen. Stattdessen diskutiert man momentan eine Echtzeit-Überwachung versuchter Zugriffe. Dies widerspricht eindeutig der bisherigen Darstellung in der Öffentlichkeit.

gulli.com

Interessant auch der Link in der News:

Klick, wenn du dich traust...

Na? Wer traut sich? ;)

Nachtrag:
Ebenfalls recht interessant:
Man könnte diese Zensurtechniken natürlich auch dazu nutzen, (ausländische) Glücksspielanbieter auszusperren. In Deutschland darf ja kein Online-Glücksspiel mehr angeboten werden, u. a. auch Lotto nicht mehr.
Aber das würde die Glaubwürdigkeit der Anti-KiPo-Initiative ja beschädigen.
Es gibt aber für die liebe Stopschild-Ursula auch andere Gründe...

Zitat
Nachdem im November letzten Jahres Vertreter der hessischen Landesregierung und der Staatlichen Bayrischen Lotterieverwaltung Vertreter der fünf größten Deutschen Zugangs Provider (sic!) davon überzeugen wollten auf freiwilliger Basis zukünftig Webseiten von ausländischen Glücksspielangeboten zu sperren, hat Ursula von der Leyen interveniert, aber aus anderen Gründen als bisher angenommen.

So schrieb der Focus im November 2008

"Für Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen kommt der Vorstoß höchst ungelegen. Sie hatte kürzlich eine Gesetzgebungsinitiative angekündigt, um Provider zur Sperre von Webseiten mit kinderpornographischen Inhalten für deutsche Kunden zu verpflichten. Dass das gleiche Mittel auch zum Schutz des staatlichen Lotterie-Monopols genutzt werden könnte, würde der Initiative die Glaubwürdigkeit nehmen."

Die wirklichen Hintergründe für die Intervention von Frau von der Leyen werden klar, wenn man sich mit ihrem familiären Umfeld näher beschäftigt. So ist ein Bruder von Frau von der Leyen, Herr Hans-Holger Albrecht Vorstandsvorsitzender der Firma MTG (Modern Times Group), eines schwedischen Medienunternehmens, das im Free-TV und Pay-TV Geschäft in Nord- und Osteuropa tätig ist. Unter der Ägide von Herrn Albrecht ist dieses Unternehmen schon einmal über seine Tochter Viasat in Konflikt mit der amerikanischen Börsenaufsicht geraten und hat sich durch eine Zahlung von 700.000$ von einer SEC Ermittlung aufgrund von zurückdatierten Optionen frei gekauft.
weiter lesen...

Kuddel

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Re: ZENSUR im Netz und anderswo
« Antwort #20 am: 14:03:14 So. 26.April 2009 »
Zitat
Schweden
Öffentliche Proteste gegen Piratebay-Urteil

In Stockholm gingen gestern etwa 1000 Menschen auf die Straße, um gegen das Urteil gegen den Bittorrent-Tracker The Pirate Bay zu protestieren.


Organisiert wurde die Demonstration von der schwedischen Piratenpartei, die am 7. Juni zur Europawahl antritt. Der Auslöser war das Urteil gegen vier Betreiber des Bittorrent-Trackers The Pirate Bay. Die vier Schweden wurden zu je einem Jahr Haft und Schadensersatzzahlungen in Höhe von je 905.000 US-Dollar verurteilt. Obwohl das Urteil aufgrund der von der Verteidigung eingereichten Berufung noch nicht rechtskräftig ist, gibt es heftige Proteste gegen den Urteilsspruch. Die Veranstalter der Demonstration bemängeln hierbei unter anderem, die Politik hätte das Internetzeitalter verschlafen. Rick Falkvinge, Vorsitzender der schwedischen Piratenpartei, bezeichnete die Politiker unter anderem als "digitale Analphabeten" und warf ihnen vor, sich zum "Pantoffelheld von ausländischen Mächten" zu machen.

Piratenpartei-Funktionär Daniel Nyström beklagte außerdem die weitreichenden Folgen des Urteils. Es könne sich "niemand sicher fühlen, wenn er ein Youtube-Video verlinkt". The Pirate Bay sei ein legitimer Dienst, der Informationen unter Menschen austauscht. Die schwedische Piratenpartei konnte bereits sieben Stunden nach der Urteilsverkündung gegen die Macher von The Pirate Bay 3.000 neue Mitglieder verzeichnen. Nach Angaben der Partei habe sich der Neuzugang mittlerweile auf etwa 6.000 erhöht. Die Piraten geben an, mit nun etwa 20.000 Mitgliedern eine der größten Parteien Schwedens zu sein.
http://www.gulli.com/news/schweden-ffentliche-proteste-2009-04-19/

Zitat
British Telecom blockiert The Pirate Bay

Der britische Carrier und Internet-Provider BT (British Telecom) blockiert für seine Mobilkunden den Zugriff auf das Filesharing-Portal The Pirate Bay. Als Grund für die Maßnahme gibt das Unternehmen ein Jugendschutz-Abkommen an.


Ein Sprecher des Providers bestätigte gegenüber heise online die Blockade: "BT und andere Provider haben sich auf einen Code of Practice geeinigt, um den Zugriff auf Inhalte einzuschränken, die für Kunden unter 18 Jahren nicht geeignet sind". Erwachsene Kunden könnten den Zugang über eine Service-Nummer wieder freischalten lassen.

Die Sperre wurde wenige Tage nach dem spektakulären Urteil gegen die Betreiber des Filesharing-Portals aktiviert. Wie der Sprecher von BT betont, war in diesem Fall nicht die Internet Watch Foundation für die Sperre verantwortlich. Das Selbstregulierungsorgan pflegt Sperrlisten für britische Internet-Provider und war in die Kritik geraten, nachdem ein Wikipedia-Artikel auf der Sperrliste landete. (Torsten Kleinz) / (pmz/c't)
http://www.heise.de/newsticker/British-Telecom-blockiert-The-Pirate-Bay--/meldung/136513

Zitat
JUSTIZKRITIK
Pirate-Bay-Richter soll befangen sein

Neue Aufregung um den Pirate-Bay-Prozess. Kaum ist das Urteil gesprochen, beschwören Kritiker einen Justizskandal. Der Richter soll Mitglied in Lobbyverbänden sein, denen auch die Kläger angehören.
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,620697,00.html


Kater

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Re: ZENSUR im Netz und anderswo
« Antwort #21 am: 20:56:25 Mi. 29.April 2009 »
Zitat
Loch im Netz
Wie die Internetplattform Wikileaks für Informationsfreiheit kämpft
Lutz Happel

Spätestens mit der Watergate-Affäre in den frühen 70er-Jahren verbreitete sich der Begriff "Whistleblower" im allgemeinen Sprachgebrauch. Er bezeichnet einen Informanten, der mithilft, geheime Informationen an die Öffentlichkeit zu bringen. Mitunter haben solche anonymen Hinweise, wie damals für Nixon, verheerende Auswirkungen. Für investigative Journalisten sind sie oft unverzichtbar.

2006 startete ein Experiment im Internet, das sich als weltweite Whistleblower-Plattform versteht, um, so die Verantwortlichen, "wahre Demokratie hervorzubringen". Auf Wikileaks.org werden massenweise, zum Teil hochbrisante Informationen und Analysen anonym veröffentlicht. Erstes Ziel sei es, die Zensur vieler Länder der ehemaligen Sowjetunion, Asien, Afrika und des Nahen Ostens zu umgehen, aber auch all jene zu unterstützen, die "unethisches Verhalten" ihrer eigenen Regierungen und Unternehmen aufdecken möchten. Die Idee, Korruption und Despotie im Internet zu bekämpfen, ist nicht nur ehrenhaft, sondern auch einleuchtend: Brisante Informationen können so mit geringem Aufwand blitzschnell weltweit und vor allem anonym verbreitet werden.

Optisch orientiert sich das Portal an Wikipedia und unterstreicht damit seinen basisdemokratischen Anspruch, denn grundsätzlich kann auf Wikileaks jeder Dokumente einstellen, Kommentare abgeben oder über Relevanz und Echtheit der einzelnen Texte diskutieren. Wird ein Dokument online gestellt, ist es nahezu unmöglich, dieses zu löschen oder herauszufinden, wer es veröffentlicht hat. Um die Anonymität der Autoren und Herausgeber zu sichern, bedient sich das Portal verschiedener Verschlüsselungsanwendungen, sogar die Gründer werden nicht beim Namen genannt. Es handele sich aber, so viel wird auf der Seite verraten, um ein breit gefächertes Netzwerk: Chinesische Dissidenten, Journalisten, Mathematiker und Techniker verschiedener Startup-Unternehmen aus den USA, Taiwan, Europa, Australien und Südafrika seien beteiligt, weltweit habe es über 1 200 Mitarbeiter und diese müssen einiges zu tun haben: seit der Gründung sind bei Wikileaks mehr als 1,2 Millionen Dokumente eingegangen.

In dieser unüberschaubaren Menge an Informationen findet sich alles Mögliche, politisch Hochbrisantes genauso wie Kurioses: Internet-Filterlisten verschiedener Staaten, Dokumente über amerikanische Militäroperationen oder Inhalte aus der privaten Mail-Korrespondenz der einstigen Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin. Auch eine manipulierte Krankenakte, die Apple-Chef Steve Jobs einen positiven HIV-Test bescheinigt, findet sich hier. Immerhin ist die Akte mittlerweile angereichert um Kommentare, die das Dokument als Fälschung entlarven. Als Berichte des Bundesnachrichtendienstes (BND) bei Wikileaks auftauchten, soll BND-Präsident Ernst Uhrlau um Löschung gebeten haben. Allerdings vergeblich: Die Dokumente stehen noch immer online und haben die Aufmerksamkeit der Internetnutzer wie der Medien erst recht geweckt.

Auch international renommierte Medien wie die New York Times oder der Guardian greifen regelmäßig auf Dokumente von Wikileaks zurück. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat bei Recherchen über einen Fall von Steuerhinterziehung und Geldwäsche des schweizerischen Bankhauses Julius Bär die Geheimunterlagen genutzt. Als das Schweizer Bankhaus gerichtlich dagegen vorging, wurde die die Internetpräsenz für anonyme Informanten auch einem größeren Publikum bekannt. Die Seite wurde zwar auf richterlichen Beschluss aus Kalifornien gesperrt, was aber wenig nützte: Wikileaks war über Spiegelserver in mehreren Ländern jederzeit aufrufbar und feierte dies als Sieg ihrer ausgeklügelten Netzarchitektur über das staatliche Recht.

Ebenfalls großes Aufsehen erregte eine Massenpublikation von internen Untersuchungen der Vereinten Nationen. In ihnen finden sich massive Vorwürfe gegen UN-Vertreter: Betrug, Bestechung, Diebstahl, Korruption, Misswirtschaft und Mittelmissbrauch. Zwar bemüht sich Wikileaks um eine redaktionelle Aufarbeitung ihrer Dokumente, doch eine tiefer gehende Untersuchung derartiger Vorwürfe würde sogar eine ganze Armee fachkundiger Experten überfordern.

Auch die Staatsanwaltschaft hatte Wikileaks schon im Visier: Wegen des Verdachts der "Verbreitung von pornografischer Schriften" durchsuchten Polizisten vor drei Wochen die Wohnung von Theodor Reppe, dem Inhaber der deutschen Wikileaks-Domain. Die Macher hatten Listen mit Websites veröffentlicht, die unter anderem in Australien wegen Kinderpornografie gesperrt werden. Mit den Sperrlisten, so erklärten dagegen Wikileaks-Aktivisten, habe man zeigen wollen, dass nicht nur kriminelle Inhalte betroffen sind.

Der Fall wurde in den einschlägigen Blogs ausgiebig und kontrovers diskutiert, die Mehrheit stand klar zu Wikileaks und sah in der Durchsuchung einen gezielten Angriff der Behörden auf eine unliebsame Seite. Der Verdacht der Behörden ist mittlerweile ausgeräumt. Für Wikileaks ein weiterer Sieg der Informationsfreiheit.

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Auch international renommierte Medien wie die New York Times oder der Guardian greifen regelmäßig auf Dokumente von Wikileaks zurück.

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0423/media/0010/index.html

Kuddel

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Keine Zensur, doch Manipulation
« Antwort #22 am: 11:12:49 Fr. 29.Mai 2009 »
Zitat
Die Deutsche Bahn hat nicht nur Telefonverbindungen und E-Mails von Mitarbeitern beim Verdacht von Korruption und Geheimnisverrat ausgespäht: Sie fälschte Leserbriefe, Blog-Beiträge, Umfragen - und zahlte für die Täuschungen Millionensummen.
 
DÜSSELDORF. Die Deutsche Bahn hat nicht nur Telefonverbindungen und E-Mails von Mitarbeitern beim Verdacht von Korruption und Geheimnisverrat ausgespäht: Wie der Konzern am Donnerstag zugab, hat er auch Millionenbeträge ausgegeben, um durch manipulierte Umfragen und bezahlte Leserbriefe die öffentliche Meinung zu beeinflussen.

Allein 2007 wurde nach Angaben der Bahn ein Betrag von knapp 1,3 Mio. Euro für sogenannte "No badge"-Aktivitäten ausgegeben. Dazu zählen unter anderem Beiträge in Internet-Blogs, Leserbriefe, Meinungsäußerungen in Foren, Meinungsumfragen oder vorproduzierte Medienbeiträge, bei denen der Urheber beziehungsweise Auftraggeber nicht zu erkennen ist.
http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-dienstleister/bahn-zahlte-millionen-fuer-taeuschung;2304504

Hmmmm. Wir haben hier im Forum auffällig viele, die sich darin hervortun die Callcenter, in denen sie angeblich arbeiten, über den grünen Klee zu loben und jeden Kritiker zu beleidigen. Ob die dafür auch bezahlt werden oder einfach freiwillig ihrem Arbeitgeber in den Arsch kriechen?


Ratrace

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Re: ZENSUR im Netz und anderswo
« Antwort #23 am: 08:32:43 Di. 02.Juni 2009 »
Zitat
Wir haben hier im Forum auffällig viele, die sich darin hervortun die Callcenter, in denen sie angeblich arbeiten, über den grünen Klee zu loben und jeden Kritiker zu beleidigen. Ob die dafür auch bezahlt werden oder einfach freiwillig ihrem Arbeitgeber in den Arsch kriechen?
Einige Callcenteragenten versprechen sich in der Tat davon Vorteile. Andere wiederum können es nicht ertragen, daß andere ihren Arbeitsplatz kritisieren, weil es ihnen nur zu klar ist, was sie da für einen Scheißjob haben. Und klare Worte erschweren das Verdrängen.
Das einzig Freie im Westen sind die Märkte.

Eivisskat

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Re: ZENSUR im Netz und anderswo
« Antwort #24 am: 09:01:05 Di. 02.Juni 2009 »
Zitat
Die Deutsche Bahn hat nicht nur Telefonverbindungen und E-Mails von Mitarbeitern beim Verdacht von Korruption und Geheimnisverrat ausgespäht: Sie fälschte Leserbriefe, Blog-Beiträge, Umfragen

Und wer sind nur die fiesen Typen bei Die Bahn, die eben all diese  Dinge aushecken, fälschen, posten, aufsetzen und warum machen die das, ist das eine Extra-Abteilung, die den ganzen Tag nichts anderes tut?

Gruselig!

admin

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Re: ZENSUR im Netz und anderswo
« Antwort #25 am: 11:43:51 Di. 02.Juni 2009 »
Zitat
ist das eine Extra-Abteilung, die den ganzen Tag nichts anderes tut?

Nein. Es war eine Fremdfirma. Sie selbst bezeichnet sich als "Thinktank". Es ist einfach nur eine Agentur, die anbietet die Medien zu beobachten und zu manipulieren. Es ist ein boomendes Gewerbe. Mir ist eine von einem Anwalt betriebene "Agentur" bekannt, die von Internetabmahnungen lebt. Es ist ein kahles Büro voller Rechner. An denen sitzen Studenten, die nichteinmal einen Lohn erhalten, sondern nur eine Kopfprämie. Sie googeln den ganzen Tag nach irgendwelchen "Verstößen". Das kann der Ausschnitt aus einem Falck-Plan sein, der die Wegbeschreibung zu einer Privatparty illustriert. Es kann aber auch der Text eines Songs von Tokio Hotel sein, den ein Teeny auf die eigene Homepage gestellt hat.

chefduzen.de ist bereits mehrfach von solchen Agenturen abgemahnt worden. Es handelt sich bei den Auftraggebern durch die Bank um zwielichte Unternehmen, die gute Gründe haben eine offene Diskussion von Arbeitsbedingungen und Machenschaften zu fürchten. Einmal war es ein Callcenter, mehrmals waren es Betreiber von Drückerkolonnen und zuletzt handelte es sich um Kaufland.

Im Übrigen nehmen Printmedien mit dem Argument "Kostendruck" zunehmend vorgefertigte Berichte auf, die sich von redaktionellen Beiträgen sich nicht unterscheiden, jedoch reine Promotion von Unternehmen und Interessensgruppen sind.

Eivisskat

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Re: ZENSUR im Netz und anderswo
« Antwort #26 am: 07:59:01 Do. 04.Juni 2009 »
Zitat
ist das eine Extra-Abteilung, die den ganzen Tag nichts anderes tut?

Nein. Es war eine Fremdfirma. Sie selbst bezeichnet sich als "Thinktank". Es ist einfach nur eine Agentur, die anbietet die Medien zu beobachten und zu manipulieren. Es ist ein boomendes Gewerbe. Mir ist eine von einem Anwalt betriebene "Agentur" bekannt, die von Internetabmahnungen lebt. Es ist ein kahles Büro voller Rechner. An denen sitzen Studenten, die nichteinmal einen Lohn erhalten, sondern nur eine Kopfprämie. Sie googeln den ganzen Tag nach irgendwelchen "Verstößen". Das kann der Ausschnitt aus einem Falck-Plan sein, der die Wegbeschreibung zu einer Privatparty illustriert. Es kann aber auch der Text eines Songs von Tokio Hotel sein, den ein Teeny auf die eigene Homepage gestellt hat.




Vermutlich sind das in etwa solche Typen wie hier:  :o

Zitat
Verschwörungstheoretiker? Die Realität der Manipulation ist schlimmer als die Theorie

[...]  Da lohnt es sich festzuhalten, was heute alles möglich ist: PR auf allen Ebenen und mit allen Mitteln, die auftragsgemäße „Pflege“ von Internetseiten und Foren, mithilfe von kleinen und von großen Unternehmen wie Arvato, der Einsatz von bestellten Umfragen zur Meinungsbeeinflussung, die „Pflege“ von Wikipedia. Der Glaube an Pressefreiheit und insbesondere an Freiheit und Pluralität im Netz schrumpft zwangsläufig. Keine schöne Erfahrung...

weiter: http://www.nachdenkseiten.de/?p=3981



Soziale Netzwerke beobachten und richtig reagieren: arvato online services bietet ab sofort Social Media Monitoring


München (ots) - arvato online services, Full-Service-Dienstleister für Online-Marketing und Loyalty-Services, hat sein Portfolio um Social Media Monitoring erweitert. Unternehmen erhalten damit die Möglichkeit, relevante Foren, Blogs und Communities zu beobachten und die Darstellung des eigenen Portfolios und Images im Netz zu überwachen. Bei negativen Ergebnissen bietet arvato online services seinen Kunden die richtige Strategie, um dem aktiv entgegenzuwirken. Mit ihrem umfangreichen Portfolio können die Münchner Online-Experten zielgruppengenaue Marketing-Aktionen planen und durchführen und Unternehmen dabei helfen, die Eigendarstellung im Netz kontrollieren und steuern zu können.


http://www.presseportal.de/pm/19949/1406892/arvato_online_services
http://www.arvato-online-services.com/



Da kann mensch sich gut vorstellen, dass in dieser Art von Agenturen vorsätzlich gefälscht, gelogen, manipuliert usw.  wird, was  das Zeug hält und die MA völlig korrupt sind.

Ich frage mich, ob die das noch merken oder ob sie diese Lügen so verinnerlicht haben, dass es ihnen ganz normal erscheint  ???




Kater

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VERDECKTE BLOGGER: PR-Kontrolleure ermitteln gegen Bauernverband
« Antwort #27 am: 02:17:43 Di. 16.Juni 2009 »
Zitat
VERDECKTE BLOGGER - PR-Kontrolleure ermitteln gegen Bauernverband

Der Deutsche Bauernverband bekommt wegen seiner verdeckten Werbe-Aktionen immer mehr Ärger: Mehrere Agrar-Verbände haben die Heimlich-PR der Organisation scharf kritisiert - jetzt ermittelt der Deutsche Rat für Public Relations wegen verdeckter Öffentlichkeitsarbeit.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,630621,00.html

ManOfConstantSorrow

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Re: ZENSUR im Netz und anderswo
« Antwort #28 am: 12:28:30 Mo. 22.Juni 2009 »
Iranische Internet-Zensur: Powered by Nokia Siemens

Umfassende Überwachungstech­nologie wurde 2008 installiert - Ausspionieren des gesamten Internetverkehrs

Die Installation von Internet-Überwachung und Filter-Technologien wird gerne damit gerechtfertigt, dass sie ja "nur" zum Schutz vor kriminellen Auswüchsen der Gesellschaft gedacht sei, die breite Masse entsprechend nichts zu befürchten habe. Eine Argumentation, die einen nicht zu unterschätzenden Haken hat: Die Definition der Frage, was "kriminell" ist, obliegt den jeweiligen MachthaberInnen, einmal installiert gibt sie auch autoritären Regimen massive Möglichkeiten zur Unterdrückung der demokratischen Opposition an die Hand.

Blockade

Eine Situation, wie sie sich aktuell anhand der Situation im Iran verdeutlicht, mit massivem Aufwand wird dort der Internetverkehr gefiltert, um die Koordination der Proteste und die Berichterstattung darüber zu verhindern. Und auch wenn dies noch nicht vollständig gelingt, so wird doch die Benutzung des Internets im Iran zumindest erheblich erschwert.

Support

All dies mit massiver Unterstützung westlicher Konzern: So berichtet das Wall Street Journal, dass zumindest ein Teil der Überwachungstechnologie vom Nokia Siemens Networks geliefert wurde. Das Joint Venture der beiden Telekommunikationskonzerne hat erst in der zweiten Hälfte 2008 die entsprechende Technologie an den Iran geliefert und installiert, wie ein Sprecher des Unternehmens bestätigt.

Argumenation

"Das Monitoring Center war Teil eines größeren Vertrags mit dem Iran, in dem es vor allem um Mobilfunktechnologie ging", so Ben Roome, Sprecher von Nokia Siemens. Der Problematik sei man sich zwar durchaus bewusst, aber wenn man Netzwerke verkaufe, bedeute dies automatisch auch, dass sich diese überwachen lassen, rechtfertigt sich Roome. Außerdem gebe es das international anerkannte Konzept der "rechtmäßigen Eingriffe", die etwa gegen Kinderpornographie, Terrorismus und Drogenhandel helfen sollen.

Inspektion

Die Methoden, die man den iranischen MachthaberInnen dabei an die Hand gegeben hat, scheinen jedenfalls weit jenseits von dem zu sein, was ExpertInnen bisher angenommen haben. So beschränken sich die Möglichkeiten keineswegs nur auf die Blockade unerwünschter Webseiten oder die Einschränkung von einzelnen Internetverbindungen. Statt dessen ist es mit der Monitoring-Software von Nokia Siemens auch möglich eine sogenannte "Deep Packet Inspection" durchzuführen.

Manipulation

Mit deren Hilfe kann zumindest theoretisch der gesamten - unverschlüsselten - Datenverkehr abgehört und nach Stichwörtern oder anderen interessanten Materialien wie Bilder und Videos durchsucht werden. Theoretisch ließe sich das Ganze sogar einzusetzen um von den BenutzerInnen unbemerkt den Datenstrom zu manipulieren und so gezielt Falschinformationen zu verbreiten.

Filter

Eine Situation auf die sich der Iran schon vor Jahren vorbereitet hat, bereits seit 2001 hat man sämtliche Provider dazu gezwungen Filter-Software zu installieren. Zusätzlich wird der gesamte Internetverkehr des Landes über einen zentralen Punkt geleitet, die Infrastruktur der staatlichen Telecommunication Infrastructure Co. Dies erleichtert nicht nur die Blockade unerwünschter Seiten sondern ermöglicht natürlich auch eine umfassende Überwachung an dieser einen Stelle. "Reporter ohne Grenzen" geht davon aus, dass in den letzten Jahren rund 5 Millionen Webseiten von staatlicher Seite her blockiert wurden.

Verkauf

Das Geschäft mit den Überwachungsmaßnahmen hat Nokia Siemens übrigen mittlerweile aufgegeben, freilich nicht aus grundlegend netzpolitischen Bedenken, sondern weil man es nicht mehr als Teil des eigenen Kerngeschäfts betrachtet. Seit Ende März ist die entsprechende Software im Besitz der Münchner Investmentgesellschaft Perusa Partners. (Andreas Proschofsky [@suka_hiroaki auf Twitter], derStandard.at, 22.06.2009)
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

ManOfConstantSorrow

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Re:ZENSUR im Netz und anderswo
« Antwort #29 am: 10:54:26 Mi. 22.Juli 2009 »
Nach privatwirtschaftlichen Angriffen auf die Diskussion im Internet, soll der Staat nun nachziehen. Verbreiten von Falschmeldungen, Manipulation und Hetze, Troll als Lohnberuf. :o

Zitat
Berliner Think-Tanks fordern die Nutzung öffentlicher Internetforen zum Zweck staatlicher Propaganda und Subversion. Virtuelle Plattformen, über die Millionen Menschen weltweit kommunizieren, könnten als "Instrumente der Rebellion" gegen missliebige Regimes eingesetzt werden, heißt es in der Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.
http://www.secarts.org/journal/index.php?show=article&id=906&PHPSESSID=2cf6ed21f8a6ea12fc73958c28b039e5
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