Autor Thema: Maßnahmenterror  (Gelesen 89969 mal)

horrorexitmytoday

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Re: Maßnahmenterror
« Antwort #150 am: 16:15:36 Di. 09.Februar 2021 »
Was ich in jedem Fall am Coaching nicht mag, sind "Hausaufgaben". Wenn ich Ideen und Fragen habe, schreibe ich mir die sowieso auf, ich will aber nicht dazu verpflichtet werden. Weiß jetzt nicht, wer noch Erfahrung damit hat und das so bescheuert findet wie ich....

Kuddel

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Re: Maßnahmenterror
« Antwort #151 am: 16:26:44 Di. 09.Februar 2021 »
Was ich in jedem Fall am Coaching nicht mag, ist dieser Seelenstriptease:
...Menschentypen ... welche Anteile ich habe (extrovertiert, introvertiert, dominant, sachlich).
...Wurde ziemlich persönlich...

Jobcenter sollten sich um den Lebenunterhalt ihrer "Kunden" (??) kümmern und ihnen offene Arbeitsstellen, falls vorhanden, anbieten.

Ansonsten sollen sie die Fresse halten und den Erwerbslosen in einer ohnehin schwierigen Lebenssituation nicht noch zu nahe treten. Diese Psychokacke gehört sich nicht!

horrorexitmytoday

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Re: Maßnahmenterror
« Antwort #152 am: 17:05:47 Di. 09.Februar 2021 »
Zitat
Ansonsten sollen sie die Fresse halten und den Erwerbslosen in einer ohnehin schwierigen Lebenssituation nicht noch zu nahe treten. Diese Psychokacke gehört sich nicht !

@ Kuddel: Sehe ich ähnlich. Vor allem bin ich hinterher ziemlich verkatert. Das Schlimme ist, dass im Moment meine Wunsch-Therapeuten keinen Platz anbieten können und ich deswegen dem Coach viel anvertraue, was nicht ohne ist.

Der Coach hat zwar eine psychologische Weiterbildung und die ganze Persönlichkeitsanalyse soll mir helfen, gezielter auf Jobsuche zu gehen, trotzdem bin ich etwas ratlos, weil ich nicht weiß, ob das Ganze wirtschaftlich so anerkannt ist, wie behauptet wird. Vor allem diese Einstellung, man könne alles erreichen, was man will, macht mich skeptisch.


Kuddel

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Re: Maßnahmenterror
« Antwort #153 am: 20:39:49 Di. 09.Februar 2021 »
Ist doch der völlige Schwachsinn!

Zitat
soll mir helfen, gezielter auf Jobsuche zu gehen

Du merkst doch selbst, ob schlichtweg keine oder keine akzeptablen Jobs angeboten werden, oder ob einer dir zusagt. Dazu brauchst du doch keinen Psychocoach.

Laß dir nur nix einreden.

Ich sehe es etwa so: Das Jobcenter ist keine Einrichtung zur Hilfe der Erwerbslosen.
Es ist ein Horrorinstrument, das den Erwerbslosen zwar am Leben erhalten soll (als potentielle Arbeitskraft), ihn oder sie aber so lange demütigt, bis er/sie so zermürbt ist und jeden unwürdigen Drecksjob annimmt oder von der Familie oder Kleinkriminalität lebt, nur um dem zu entkommen.

Hinter dem Jobcenter steckt ein Filz aus Unternehmerverband und DGB. Und weil der DGB so brav für Ruhe unter der Arbeiterschaft sorgt, darf er sich die Taschen füllen bei der Maßnahmenindustrie. Da bereichern sich einige, doch die Erwerbslosen profitieren von diesem Papperlapapp nicht. Für sie ist es (bestenfalls) Zeitverschwendung.

horrorexitmytoday

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Re: Maßnahmenterror
« Antwort #154 am: 22:13:38 Di. 09.Februar 2021 »
Zitat
Du merkst doch selbst, ob schlichtweg keine oder keine akzeptablen Jobs angeboten werden, oder ob einer dir zusagt. Dazu brauchst du doch keinen Psychocoach.

Ok. Ich merke, dass die ganzen Warnungen hier keine Horrorgeschichten sind. Leider muss ich noch ein paar Wochen absitzen, der AVGS ist eingelöst und ich kann nicht mehr zurücktreten, ohne die Maßnahme abzubrechen und sanktioniert zu werden.
Wenn ich dran denke, was ich dem Coach alles erzählt habe.... >:(

Das war garantiert die letzte Maßnahme, die ich freiwillig mitgemacht habe.
Was kann ich denn jetzt im Moment überhaupt noch machen, um das Ruder rumzureißen?
Das mit meiner Gutgläubigkeit ist ja unerträglich, ich müsste vor mir selbst geschützt werden!!! :'(


Onkel Tom

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Re: Maßnahmenterror
« Antwort #155 am: 16:39:09 Mi. 10.Februar 2021 »
Zitat
...
Das war garantiert die letzte Maßnahme, die ich freiwillig mitgemacht habe.
Was kann ich denn jetzt im Moment überhaupt noch machen, um das Ruder rumzureißen?
Das mit meiner Gutgläubigkeit ist ja unerträglich, ich müsste vor mir selbst geschützt werden!!! :'(

Daher Du höchstwahrscheinlich Vertragsbedingt (EGV.. AVGS.. TN-Vereinbarungsen etc) in diese Sache
einzementiert bist, kommst Du außer den Weg AU da nicht raus.. Bei solchen Dingern einfach nicht
geschwätzig werden ! Das blöde daran ist, das es auf dem Schreibtisch deines SB landet  :(

Nur Heimerziehungsberichte sind schlimmer..  :P

Das was Du bisher erfahren hast, das die an deine Persönlichkeitsmerkmalen herumlaborieren wollen..

Vergesse nicht, alles an Kopie zu verlangen, was an das JC geht ! Darauf hast Du ein Recht und kannst
besser nachvollziehen, was Papiere vom Maßnahmenträger für Folgen nach sich ziehen können.
Lass Dich nicht verhartzen !

horrorexitmytoday

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Re: Maßnahmenterror
« Antwort #156 am: 17:54:18 Mi. 10.Februar 2021 »
Bin immer noch aufgewühlt und sehr auf der Hut, danke für Dein Feedback, Tom.  :)
Mal sehen, was nächste Woche passiert, im Moment konnte ich die Unstimmigkeiten klären, aber es bleibt ein schaler Nachgeschmack.

horrorexitmytoday

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Re: Maßnahmenterror
« Antwort #157 am: 09:40:40 Fr. 19.Februar 2021 »
Ich weiß nicht, ob alle Träger das so machen, auf jeden Fall kam in der letzten Sitzung die Frage: Haben Sie einen Lebenslauf?

Was denken die denn, womit man sich die ganze Zeit beworben hat? Okay, manche machen ganz viel telefonisch oder gehen direkt zu den Betrieben, trotzdem läuft so viel über die Unterlagen, dass ich die Frage zum Quietschen finde. ;D

horrorexitmytoday

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Re: Maßnahmenterror
« Antwort #158 am: 13:46:56 Fr. 19.Februar 2021 »
In diesem Zusammenhang eine Frage an Euch:

Hat ein Träger es bisher geschafft, Eure Unterlagen so "aufzupeppen", dass Ihr danach Vorteile hattet bei der Jobsuche?

Und, ganz wichtig: Kennt Ihr jemanden, dem es unabhängig von den Unterlagen gelungen ist, einen guten Job zu finden, egal, was ich Lebenslauf steht? Wenn ja, wie ist das gelaufen?

Vielen lieben Dank schon mal für Eure Antworten!



Tiefrot

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Re: Maßnahmenterror
« Antwort #159 am: 15:49:48 Fr. 19.Februar 2021 »
Zitat
Hat ein Träger es bisher geschafft, Eure Unterlagen so "aufzupeppen",
dass Ihr danach Vorteile hattet bei der Jobsuche?
Nein. Im Regelfall geht sowas nach hinten los.

Zitat
Und, ganz wichtig: Kennt Ihr jemanden, dem es unabhängig von den
Unterlagen gelungen ist, einen guten Job zu finden, egal, was ich Lebenslauf steht?
Ganz vereinzelte Fäle wirds sicher geben.
Selber ist (mir) nichts bekannt.
Denke dran: Arbeiten gehen ist ein Deal !
Seht in den Lohnspiegel, und geht nicht drunter !

Wie bekommt man Milllionen von Deutschen zum Protest auf die Straße ?
Verbietet die BILD und schaltet Facebook ab !

Onkel Tom

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Re: Maßnahmenterror
« Antwort #160 am: 17:34:19 Fr. 19.Februar 2021 »
Na gut.. Das wird wohl leider noch ein parr schmerzhafte Erfahrungen kosten, bis Teilnehmer_in
endgültig davon überzeugt ist, das diese § 16 SGB-II i.v.m. 45 SGB III - Maßnahmen der Arbeits-
marktpolitik die nötige Camuflage liefert, das H4 "eine Errungenschaft für die Zukunft ist" (Worte
vom heutigen Gasmogul Gerhard Schröder (2004). Weiter "Wir müssen wettbewerbsfähiger und
flexibler werden..".

Warum sollten die Helfershelfer Rücksicht auf den einzelnen Teilnehmer nehmen, was beruflicher
Vorstellungen und Wünsche angeht ?

Warum hat dich Coach überhaupt gefragt ob Du ein Lebenslauf hast ? Um Dir helfen zu wollen ?

Irrtum ! Es galt mit der Frage zu ermitteln, ob Teilnehmer_in soweit selbständig und aktiv seine
Bewerbbungsgeschichten auf die Reihe bekommt und weiter hat Coach eine Arbeitserleichterung
darin, dich besser in seinen Schubladen von "Werkstücken" einordnen zu können..

Die Frage war also reines Messinstrument des Coaches, wie viel Energie im Tank um Bewerbungs /
Arbeitsuchegedöns noch vorhanden ist.. Und jo, übergrifflich auf deine Verfassung und ruft villeicht
noch den "Bedarf" von Hirnklempterum ins Feld..

In jeder 45er Maßnahme geistern auch Pädagogen und Plüschologen rum. Dies wird schon im
Ausschreibungsverfahren des Regionalen Einkaufszentrum (REZ) vertragsrechtlich erwartet.

Ich habe bis auf ein 14 tägigen Bewerbungskurs (Unterlagen-Zusammenstellung) nur sinnlose
"Aufbewahrungsmaßnahmen" erlebt. Bei der Erwerbslosenindustrie schnell verflüchtigende
Besserewissereibeschäftigung.. und der Rubel rollt..

Haste kein Lebenslauf, sieht Coach sein Job als notwendig, dich zu "motivieren". Das ist sein Job
seine Notwendigkeit immer wieder unter Beweis zu stellen (gegenüber des Kostenträger BA) und
entsprechend fallen die Töne in der Beurteilung aus..

Mit sowas zerschießt Mensch sich nicht nur seine Erwerbsbiografie, sondern versaut sich auch das
Leben.. Sowas rächt sich.. Nicht sofort aber nach 5..10 Jahren Verfolgungsbereuung vom Amt lässt
es sich nicht mehr bei Vorstellungsgesprächen verbergen und wenn man darauf den ganzen Tach
Papierkörbe pflegen und damit das nicht zu stupide wird, die auch auf einem Laufzettel verwalten
darf, kann man froh sein..

Genau die Mukke, die Schröder und Co. schmeichelt (Kotz-Emoi)

Kurz und knackig:
Dem JC geht es am Popo vorbei, was Du willst.
Die wollen nur, das Du (billig) rakkern gehst. (§ 10 SGB II)..
Lass Dich nicht verhartzen !

Kuddel

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Re: Maßnahmenterror
« Antwort #161 am: 19:54:32 Fr. 19.Februar 2021 »
Und, ganz wichtig: Kennt Ihr jemanden, dem es unabhängig von den Unterlagen gelungen ist, einen guten Job zu finden, egal, was ich Lebenslauf steht? Wenn ja, wie ist das gelaufen?

Mit der Aufzeichnung meines realen Arbeitslebens kann man keinen Blumenpott gewinnen. Zwei der besten Jobs, die ich je hatte, kamen ganz simpel zustande. Jemand sagte mir, das und das Unternehmen braucht dringend Leute und stellt demnächst wieder ein. Bewirb dich da mal.

Gesagt getan. Bewerbung? Ein paar Stichworte zum Lebenslauf und der Facharbeiterbrief. Wurde sofort genommen. Das eine Mal gab es noch einen ausgiebigen Gesundheitscheck, dann ging's los.

horrorexitmytoday

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Re: Maßnahmenterror
« Antwort #162 am: 20:06:40 Fr. 19.Februar 2021 »
Lieber Kuddel, Tiefrot & Tom, vielen Dank für die deutlichen Worte, dass Ihr Eure Erfahrungen mit mir teilt und dass Ihr so schnell geantwortet habt, das finde ich klasse von Euch.  Fühl mich wohl hier im Forum. :)

Ich sehe schon, hab meine Probleme bei der Jobsuche mal wieder mit den falschen Waffen (AVGS) bekämpfen wollen.
Nicht, dass ich im Coaching nix mitbekomme an positiven Anregungen, nur ob die realitätstauglich sind... na ja, hab so meine Zweifel.

Ich weiß, meine Gutgläubigkeit und meine nicht ungefährliche Strategie kostet Dich ordentlich Nerven, Tom, und das tut mir leid. 
Denk aber bitte auch daran, dass unsere Dialoge dazu beitragen, dass andere Betroffene gewarnt sind, und dafür mache ich sozusagen das Versuchskaninchen. Alles, was hier steht und andere daran hindert, meine Fehler zu machen, ist gut so.

Was ich im Zusammenhang mit meinen vorigen Fragen vergessen hatte:
Wie einfach oder kompliziert habt Ihr bisher den telefonischen Kontakt mit Firmen erlebt? Kommt man da auch ohne große Raffinessen zu den Entscheidern durch? Im Coaching wird einem ja gerne gesagt, da muss man sich so und so verhalten und geschickt sein und und und....

Nochmals vielen lieben Dank!

horrorexitmytoday

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Re: Maßnahmenterror
« Antwort #163 am: 16:48:14 Sa. 20.Februar 2021 »
In jeder 45er Maßnahme geistern auch Pädagogen und Plüschologen rum. Dies wird schon im
Ausschreibungsverfahren des Regionalen Einkaufszentrum (REZ) vertragsrechtlich erwartet.


Ich liebe Deine Plüschologen, das trifft`s so gut  ;D.
Und es erklärt, warum sich diese Leute bei Maßnahmeträgern tummeln.

horrorexitmytoday

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Re: Maßnahmenterror
« Antwort #164 am: 19:12:56 Mo. 22.Februar 2021 »
Protokoll der letzten Sitzungen:

Habe die Empfehlung bekommen, meinen Lebenslauf zu schönen und widersprüchliche Aussagen zum Thema Langzeitarbeitslosigkeit gehört. Ein Mitarbeiter wurde vom Chef, meinem Coach, im Einzelgespräch nebenbei als Ex-drogensüchtig geoutet. Die Bewerbungsfotos der anderen Klienten sehen alle gleich dynamisch aus - sie posieren wie die Mitarbeiter.

Von Vermittlung an Leihbuden ist nicht die Rede, im Gegenteil, geht eher nach dem Motto "klotzen statt kleckern". Und der Coach ist bisher ziemlich nett und lässt auch die Hosen runter im Gespräch. Trotzdem ist mir das alles nicht geheuer und ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Ich weiß ja nicht, wie die Mitarbeiter behandelt werden. Auf der Webseite strahlen sie natürlich, ist ja klar.

Na gut.. Das wird wohl leider noch ein parr schmerzhafte Erfahrungen kosten, bis Teilnehmer_in endgültig davon überzeugt ist, das....

Nee, das war`s, Tom, das war`s! Ich BIN endgültig davon überzeugt. Jetzt ist aber auch wirklich der allerletzte Lack ab.
Ich traue keinem AZAV-Coach mehr, alles nur Fassade. Oh Zeiten, oh Sitten! >:( >:( >:(