Autor Thema: Konsumentengewerkschaft  (Gelesen 215 mal)

Fritz Linow

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Konsumentengewerkschaft
« am: 15:20:20 Sa. 21.September 2019 »
Ganz selten stolpert man über die Idee, dass Konsumenten eigentlich eine große Macht haben und eine Konsequenz daraus eine Konsumentengewerkschaft sein könnte. Anfang der 20er gab es die Idee einer Konsumentenkampforganisation, aber so ähnlich wie aus dem Gedanken einer Mietergewerkschaft ein lammfrommer Mieterverein wurde, entstanden letztendlich nur Verbraucherschutzzentralen, die weder gegnerfrei noch kapitalismuskritisch sind.

In der Ökobewegung gibt es ebenfalls die Idee einer Konsumentengewerkschaft, deren Aufgabe es wäre, alternative und selbstbestimmte Lebensentwürfe im Gegensatz zu isolierten und aufgezwängten Kaufakten zu entwickeln. Deren Konzepte sind auch aufgrund einer gewissen Schrulligkeit weit entfernt von der Masse der Konsumenten und nicht selten von Selbstkasteiung geprägt.

Nichtsdestotrotz ist es ja so, dass die Konsumenten ein Dings erst zu einem Produkt machen, indem sie es abnehmen. Da wir alle Konsumenten sind und eigentlich direkt in den Produktionsprozess eingebunden sind, liegt es irgendwie nahe, diese Macht kollektiv zusammen mit den anderen Ausgebeuteten zu nutzen und über empörungsgetriebene Boykottaufrufe hinaus weiter zu entwickeln. Jeder sollte halt Zugang zu dem guten Produkt haben. Ob eine Konsumentengewerkschaft dafür nützlich sein könnte oder zu Recht wieder vergessen wurde, wäre mal interessant.

ManOfConstantSorrow

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Re: Konsumentengewerkschaft
« Antwort #1 am: 15:57:25 Sa. 21.September 2019 »
Da muß ich irgendwie an den Bund der Steuerzahler denken. https://www.steuerzahler.de/
Jeder zahlt irgendwie Steuern. Da kommt dieser neoliberale Drecksverein daher und behauptet für alle zu sprechen, obwohl er von (fast) niemandem gewählt worden ist.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Fritz Linow

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Re: Konsumentengewerkschaft
« Antwort #2 am: 16:03:58 Sa. 21.September 2019 »
Da muß ich irgendwie an den Bund der Steuerzahler denken. https://www.steuerzahler.de/
Jeder zahlt irgendwie Steuern. Da kommt dieser neoliberale Drecksverein daher und behauptet für alle zu sprechen, obwohl er von (fast) niemandem gewählt worden ist.

Verstehe den Zusammenhang nicht ganz. Bund der Steuerzahler analog zu Verbraucherschutzverein?

Fritz Linow

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Re: Konsumentengewerkschaft
« Antwort #3 am: 16:24:38 Sa. 21.September 2019 »
Die Verbraucherorganisation in USA, Consumer Reports, hieß ursprünglich Consumer Union und wurde gegründet, weil die andere Organisation zu lasch war. Die Gründer wurden dann in den 50ern wegen kommunistischer Umtriebe kaltgestellt. Naja, nun ist es wie Stiftung Warentest.
https://en.wikipedia.org/wiki/Consumer_Reports#History

ManOfConstantSorrow

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Re: Konsumentengewerkschaft
« Antwort #4 am: 16:26:20 Sa. 21.September 2019 »
Naja, der Bund der Steuerzahlers kommt daher als Vertreter des einfachen Bürgers dem Staat gegenüber.
Eine solche Verbraucherorganisation träte auf als Vertreter des Bürgers der Wirtschaft gegenüber.
Mir erscheint beides gleich wenig legitimiert.

Sicherlich gibt es Forderungen, die hier im Forum oft Thema sind und sich gegen das Produzieren für die Mülltonne aussprechen und gegen die Produkution mit Sollbruchstellen, damit schnell nachgekauft werden muß. Das sind ernstzunehmende Themen. Ob aber eine Konsumenten"gewerkschaft" eine anzustrebende Form ist, wage ich zu bezweifeln. Ich sehe uns auch nicht als "Konsumenten". Das klingt mir so nach Shopping als Freizeitgestaltung. Ich kaufe nur ungern und möglichst nur dann, wenn es nötig ist dann bitte möglichst lange ich mehr.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

ManOfConstantSorrow

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Re: Konsumentengewerkschaft
« Antwort #5 am: 16:37:47 Sa. 21.September 2019 »
Es gab in den 60/70er Jahren in Italien Arbeitskämpfe, die es nicht nur auf den Lohn abgesehen haben, sondern auch Forderungen zu Senkung von Mieten und Lebensmitteln beinhalteten. Es war eine militante Arbeiterbewegung und die Roten Brigaden waren ein Teil davon. Ein Bonze wurde entführt und zu den Forderungen zur Freilassung gehörte es, daß Lebensmittel in einem armen Stadtteil kostenlos verteilt werden sollten. Es wurde ein unblutiges Ende, weil beide Seiten sich an die Abmachungen gehalten haben. Es waren beeindruckende Bilder in den Nachrichten, als von mehreren LKW die Lebensmittel an die Bewohner verteilt wurden.

Ich halte einen größeren Zusammenhang, wie momentan Stadtteilgruppen ihn herzustellen versuchen, für sinnvoller, als einen reinen Konsumentenzusammenschluß.
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Fritz Linow

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Re: Konsumentengewerkschaft
« Antwort #6 am: 16:48:45 Sa. 21.September 2019 »
Eine solche Verbraucherorganisation träte auf als Vertreter des Bürgers der Wirtschaft gegenüber.
Mir erscheint beides gleich wenig legitimiert.
Sie würde ja schon von einem Klassenstandpunkt her agieren und die Legitimation wäre eine Frage der Organisation. So würde ich das zumindest verstehen.

Zitat
Ob aber eine Konsumenten"gewerkschaft" eine anzustrebende Form ist, wage ich zu bezweifeln.
Kann man machen und mach ich sogar auch. Aber diese Ideen sind wie gesagt nicht neu und es lohnt sich vielleicht, näher drüber nachzudenken, ohne bei dem Wort Konsum gleich an Shopping zu denken.

Zitat
...für sinnvoller, als einen reinen Konsumentenzusammenschluß.
Es geht eben darum, keinen reinen Konsumentenzusammenschluss zu haben.

dejavu

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Re: Konsumentengewerkschaft
« Antwort #7 am: 19:01:16 Sa. 21.September 2019 »
Zitat
Ganz selten stolpert man über die Idee, dass Konsumenten eigentlich eine große Macht haben
Zitat
Eigenproduktion der Genossenschaften

Die Konsumgenossenschaften wollen nicht nur handeln, sie wollen auch die Kontrolle der Konsumenten über die Herstellung der Lebensmittel erreichen. (Bei der „Produktion“ steckt das Programm schon im Namen.) Es beginnt meist mit einer eigenen Bäckerei, mit der Kaffeerösterei, Mineralwasser- und Bierabfüllung bis hin zur Fleischverarbeitung und Seifenherstellung. Die Großeinkaufsgesellschaft verfügt Anfang der 30er Jahre über mehr als 50 Betriebe, verteilt über das ganze Reich.
Zitat
Interessenvertretung der Verbraucher

1916 erheben die Konsumgenossenschaften die Forderung, auch für die Verbraucher öffentliche Interessenvertretungen zu schaffen, wie sie für Handel und Industrie schon lange bestehen. In Folge der Novemberrevolution gelingt es ihnen 1920 in der Bürgerschaft ein Gesetz über eine Hamburger Konsumentenkammer durchzusetzen. Diese Kammer ist die Mutter der heutigen Verbraucherorganisation in Deutschland, wie sie sich vor allem in den Verbraucherzentralen darstellt.
Leiharbeit und Werkvertragsmißbrauch verbieten! Weg mit dem Dreck!