Autor Thema: Antifa  (Gelesen 17593 mal)

BakuRock

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Antifa
« Antwort #15 am: 01:28:55 Di. 17.Juli 2007 »
Zitat
Original von admin
"............................
So lange es uns nicht gelingt Anworten auf die sozialen Probleme eines Großteils der Bevölkerung zu finden, so lange werden die Rechten weiteren Zulauf erhalten, die zumindest den Haß verkörpern, den viele in sich spüren.

So lange wir uns nur mit Nazis auseinandersetzen ohne das Wirtschaftsystem in Frage zu stellen, das für einen Großteil der Bevölkerung nur eine Verschlechterung des Lebens zu bieten hat, so lange sind wir in der Defensive. Wir und unsere Aktivitäten sind dann unattraktiv für die Entrechteten und Verarmenden.
............................"

Yepp Karsten, die (sehr unterschiedlichen) Antworten der (nicht zu zu ordnenden) Linken sind fuer "Fritzchen Normalverbraucher" total un(attraktiv)benutzbar. Das theoretische GeQuacksalbere von den Unterschieden zwischen Muehsam und Lenin, Marx und Stalin und so, auch das geht o.g. voll am Arsch vorbei. Im Gegenteil - es reizt zur Abwehr und Abkehr!

Menschen brauchen aber Ordnung! Eine Mutter muss wissen, wer sie und ihre Kinder ernaehrt und wie. Oder, wie sie ihre Kinder ernaehren und beschuetzen kann. Wie sieht die Welt aus, in der sie und ihre Kinder in Ruhe und Frieden leben koennen? Wer ordnet ihre Welt? Der Alltag soll "ordentlich" sein.

Ganz praktische Fragen (und Antworten) sind es, welche die Menschen hoeren wollen.

Wir Linken koennen sie geben - aber nur, wenn wir uns Gedanken darueber machen, wie die Welt geordnet werden kann. Wie praktikabel ist die "Welt von Unten"? -

Wenn ich kein Geld habe - was kann ich mir denn dann noch "leisten"? (Eine der haeufigsten Fragen. - Meine Lieblingsfrage, da steige ich voll ein in die Diskussion)

Heute (jetzt) nicht mehr, ich bin zu muede - aber genau diese Fragen beantworten zu koennen, ist des Raetsels Loesung!

........ Ein "Rechter" fasst den Familienvater an der Schulter: "Reichen dir 2000? Ja?. - Dann komm zu uns - Ruesten!"
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ManOfConstantSorrow

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Antifa
« Antwort #16 am: 14:23:05 Di. 24.Juli 2007 »
Hier mal ein praktischer Erfolg:

Vor wenigen Monaten wurde von IGM-Kollegen im DaimlerChrysler-Werk Untertürkheim aufgedeckt, dass der freigestellte Betriebsrat Oliver Hilburger von der Christlichen Gewerkschaft Metall (CGM) Mitglied der Neo-Nazi-Band "Noie Werte" ist.

Infolgedessen musste Oliver Hilburger jetzt die Konsequenzen ziehen. Anfang letzter Woche hat er sein Betriebsratsmandat niedergelegt und ist von all seinen Ämtern im Vertrauenskörper und Landesvorstand des CGM zurückgetreten.
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BakuRock

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Antifa
« Antwort #17 am: 00:43:36 Fr. 03.August 2007 »
Zitat
Original von Kuddel
"......................
Ich suche aber nach Kritik, bzw. Erweiterung antifaschistischer Praxis. Ich mag es einfach nicht hinnehmen, daß wir nur versuchen eine wachsende rechte Szene zurückzuschlagen, wir müssen Voraussetzungen Schaffen ihre Grundlagen und damit ihnen auch die Möglicheiten weiteren Wachstums zu entziehen.

Das ist mein Interesse und meine Hoffnung. .............................."

Sie wachsen:

Zitat
Neonazis bauen Infrastruktur weiter aus

In Brandenburg sorgt der NPD-Funktionär Molau zurzeit für Aufregung. Auf einem erworbenen Gut will er ein Waldorf-Schulheim eröffnen. Bundesweit gibt es nach einer Analyse der Innenminister inzwischen 26 Immobilien von Rechtsextremen, die als Treffpunkt, Veranstaltungsort oder Schulungsstätte dienen.

Von Patrick Gensing, tagesschau.de

Großansicht des Bildes Grafik: Die Parteizentrale der NPD in Berlin]
Den Sicherheitsbehörden "sind bundesweit rund 20 Objekte bekannt, die sich im Eigentum von Rechtsextremisten befinden" und als Treffpunkte oder Schulungsorte genutzt werden. So hieß es Ende 2006 in einer Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag. Diese Zahl liegt nach jüngsten Erkenntnissen der Innenminister noch höher. Aus einem Lagebericht, den eine Arbeitsgruppe der Innenministerkonferenz erarbeitet hat, geht hervor, dass es in Deutschland sogar 26 solcher Zentren gibt.

"Diese Zahlen machen die nachhaltige regionale Verankerung der Nazi-Szene deutlich", betonte Ulla Jelpke, innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, gegenüber tagesschau.de. Die Immobilien seien wichtig, um die Rechtsextremisten von öffentlichen Räumen und Protesten unabhängig zu machen. Außerdem gehe es um die sichtbare Präsenz in bestimmten Orten und damit um wichtige Schritte auf dem Weg zu einer angestrebten kulturellen Hegemonie in einzelnen Regionen, sagte Jelpke. So sei es kein Zufall, dass viele solcher Immobilien in ländlichen Regionen und Kleinstädten zu finden sind. Spitzenreiter bei den Neonazi-Zentren ist Thüringen, wo es nach Angaben der Bundesregierung drei solcher Immobilien gibt.

In der Lageanalyse der Innenministerkonferenz heißt es dazu: "Immobilienkäufe wurden bereits 1999 im Parteiorgan "Deutsche Stimme" unter der Überschrift 'Befreite Zonen - aber wie?' diskutiert. Die Schaffung eines Netzwerkes von Immobilien wurde dort als zentrale Aufgabe des 'gesamten nationalen Widerstandes' beschrieben."
NPD-Waldorfschule in Brandenburg?

Und dementsprechend versuchen die Rechtsextremisten weiter, ihre Infrastruktur auszubauen.
............................................."

Alles: http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID7217144_TYP6_THE_NAV_REF1_BAB,00.html

Sagt mal, sind landwirtschaftliche Gueter nicht meistens mit allem (un)Moeglichem kontaminiert? Kann man die ueberhaupt noch benutzen? Oder muessen da nicht erst mal horrente Summen fuer die Altlastenbeseitigung ausgegeben werden? Das kann aber lange dauern, habe ich mal in so einem Zusammenhang erfahren........
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Kater

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Antifa
« Antwort #18 am: 12:39:51 Fr. 17.August 2007 »
kennt jemand die  ?(

Zitat
Die Front Deutscher Äpfel (F.D.Ä.) ist eine 2004 in Leipzig gegründete satirische Organisation, die rechtsextreme Parteien, insbesondere die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD), parodiert. Sie unterteilt sich in die Front Deutscher Äpfel und das Nationale Frischobst Deutschland (NFD).

http://de.wikipedia.org/wiki/Front_Deutscher_%C3%84pfel

Kuddel

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Antifa
« Antwort #19 am: 12:41:42 Mi. 22.August 2007 »
Schaut man sich bei indymedia um so scheint es nur noch folgende Themen zu geben: Faschoaktionen und Antifaaktivitäten.

Da scheinen die Strategien der Herrschenden aufgegangen zu sein. Die Unterstützung von Teilen der Wirtschaft und des Staates (V-Leute des Verfassungsschutzes in der NPD) sorgen nun dafür, daß sich das einfache Volk gegenseitig auf die Glocke haut und die Linken sich fast nur noch mit den Rechten beschäftigen. Das Kapital hat währenddessen freie Hand. X(

unGeDuLdig

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Antifa
« Antwort #20 am: 03:59:41 Mo. 07.Januar 2008 »
Ich möchte hier meinen mittelscharfen Senf beitragen. Die hässlichen Faschisten, denen man auf Antifademos gegenübersteht, sind meiner Ansicht nach nur der extremste Auswuchs einer rassistischen und nationalistischen Grundtendenz, die mit verschiedener Stärke von der gesellschaftlichen Mitte, den SPD-CDU-Grün-FDP-Linkswählern, auch von den Kirchen und Gewerkschaften, den Interessenverbänden und den Intellektuellen in den Medien ausgeht. Ich könnte hier zum Beweis einen ganzen Roman an Beweisen dafür schreiben. Auch diejenigen, die sich Antifaschisten nennen, leiden unter autoritärem, schablonenhaftem Denken und müssen stets misstrauisch gegen die eigenen Reflexe sein.

Die Nazis kennen dieses Problem nicht. Sie müssen nur an die einfachsten Instinkte der Bürger appellieren. Wenn es überhaupt noch eine Chance gibt, das Abgleiten der Gesellschaft in den Faschismus zu verhindern, dann besteht sie nicht in gewaltsamen oder -losen Aktionen gegen die immer mehr Zulauf kriegenden Neonazis. Das soll nicht heissen, dass man ihnen auch nur einen Fussbreit geben soll. Nur: Die klassische Antifa kann immer nur den Ersatzpolizisten spielen und das schlimmste verhindern. Viel interessanter ist da jeder Ansatz, der auf die Erziehung und Bildung von jungen Menschen zielt, die noch keine Nazis sind. Man muss also den antifaschistischen Kampf nicht nur auf den Strassen vor den Thor-Steinar-Läden führen, sondern dort, wo sich faschistisches Gedankengut bildet. Das sind die Schulen, Sportvereine, Jugendcliquen, Stammtische usw. Im Bereich Fussballfans ist z.B. einiges Interessante passiert, obwohl es natürlich auch dort nicht rosig aussieht.
Es handelt sich darum, den Deutschen keinen Augenblick der Selbsttäuschung und Resignation zu gönnen... Man muss das Volk vor sich selbst erschrecken lehren, um ihm Courage zu machen.

Karl Marx, Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie

ManOfConstantSorrow

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Antifa
« Antwort #21 am: 21:21:35 Do. 17.Januar 2008 »
Folgendes gehört eher inden Praxis- denn in den Theoriebereich, trotzdem will ich es Euch nicht vorenthalten:

3.500 VW-Azubis gegen die faschistische NPD
17.01.08 - Erstmalig fand gestern in Wolfsburg eine Azubi-Vollversammlung mit Auszubildenden aus allen deutschen VW-Werken statt. Die IG Metall hatte dazu aufgerufen, um mit dieser Aktion gegen die Kandidatur der neofaschistischen NPD zu den niedersächsischen Landtagswahlen am 27. Januar zu protestieren. Im Anschluss nahmen ca. 3.500 Azubis an einer Demo durch die Wolfsburger Innenstadt teil, auf der unter anderem das Verbot aller faschistischen Organisationen gefordert wurde.
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Nestor

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Antifa
« Antwort #22 am: 21:28:32 Mi. 30.Januar 2008 »
Welche Aufgaben hat denn eigentlich die Antifa?
Nur (Gegen)Demos zu machen, kann ja nicht alles sein.
Ich glaube, dass es dort auch Leute gibt, die bereit sind gegen gewaltätige Nazis selbst mit Gewalt vorzugehen. Eine Art Miliz.

handkey

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  • der neue Chef wollte uns gleich gegeneinander hetzen, 14 Leute sind aufgestanden und rausgegangen, weil wir keine Sekunde für einen so unehrlichen Chef arbeiten werden.
Antifa
« Antwort #23 am: 22:12:33 Mi. 30.Januar 2008 »
Siehe Rostock-die Attacke auf den Naziklamottenladen, der ja doch nur ein Scheisshaufen-Treffpunkt war, das war Kommandomäßig.Respekt.
Staubsaugervertreter verkaufen Staubsauger,
Versicherungsvertreter verkaufen Versicherungen,
warum sollten ausgerechnet Volks- oder Arbeitervertreter
aus der Art schlagen?

ManOfConstantSorrow

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Re:Antifa
« Antwort #24 am: 03:34:33 Di. 10.Juni 2014 »
Die Antifa Politik war stets sehr naiv den herrschenden Verhältnissen gegenüber.
Die Rolle von Staat und Wirtschaft wurden nie wirklich in Frage gestellt.

Die an die Oberfläche kommenden Informationen über die NSU belegen jedoch, daß der braune Terror ohne die aktive Hilfe des Staates nicht möglich gewesen wäre.

Bei diesem "Birlikte" Spektakel in Köln stieß mir das wieder übel auf.
Ein Haufen unerträglicher Arschlöcher auf der Bühne. Allen voran Joachim Gauck als oberster Vertreter des Staates, der so tief verstrickt ist in diese Verbrechen.


Das mehrere Meter hohe Bild an der Brandmauer eines Hauses in der Manteuffelstraße war erst am Morgen vom Bündnis gegen Rassismus angebracht worden. Polizeibeamte beobachteten die Aktion und stellten wegen des Satzes “NSU: Staat & Nazis Hand in Hand” Anzeige wegen “Verunglimpfung des Staates”.

Die Polizei, die die Täter in Ruhe ließ und gegen die Familien der Opfer ermittelte und nun wieder gegen Antifaschisten und deren Öffentlichkeitsarbeit vorgeht, darf mit ihrem Orchester auf der Birlikte Bühne spielen.
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Re:Antifa
« Antwort #25 am: 12:40:31 Sa. 19.September 2015 »
Aus aktuellem Anlaß:

Ich halte eine Antifapolitik, die sich allein in der Gegnerschaft zu Nazis definiert, für hilflos und zu begrenzt.

Im Rückblick auf die 90er Jahre, die offene rassistische Gewalt, die Pogrome und die Taten des NSU, sollten wir Konsequenzen ziehen.
Heute wissen wir, daß Kohl das rassistische Klima wollte und brauchte, um die sozialen Verwerfungen der deutschen Vereinigung nicht in offen ausgetragene soziale Konflikte münden zu lassen. Es gelungen einen sozialen Widerstand zu verhindern und die Unterschichten gegeneinder auszuspielen. Linke und rechte Jugendliche hauten einander auf die Glocke. Sozial Abgehängte tobten ihren Frust an sozial noch schwächeren Migranten aus. Einige vereinfachten es noch weiter und machten daraus einen Konflikt Ost gegen West. An diesem Klischee stricken Politik und Medien weiter:
Zitat
Gewalttaten aus Fremdenhass werden überproportional in den östlichen Bundesländern und Berlin verübt - zu diesem Ergebnis kommt laut einem Bericht der "Mitteldeutschen Zeitung" das Bundesinnenministerium.
https://www.tagesschau.de/inland/rassismus-gewalttaten-101.html
Wir sollten dabei nicht vergessen, daß die wichtigsten rechtsradikalen Führer und Ausbilder aus dem Westen kamen.
Zitat
Die Rechten von Heilbronn und Jena
Ein rechtsradikaler „Geheimbund“ in Heilbronn, dessen Mitglieder es verstärkt nach Jena zieht – die Akten zu den NSU-Morden werfen nach wie vor jede Menge Fragen auf.
http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.nsu-affaere-die-rechten-von-heilbronn-und-jena.eadc0dcb-0b8d-4183-94df-3216efca92f0.html
Wir hatten zu der Zeit auch noch die schrecklichen "Menschenketten", in denen Sozialarbeiter, Lehrer, Pfaffen, Ottonormalspießer und Bullen händchenhaltend ein "Zeichen gegen Rechts" setzten. Jugendliche, die gegen die Elterngeneration und die Gesellschaft rebellioeren wollten, hatten damit ihre ideale Gegenkultur bei den Rechten gefunden, womit man all die Vertreter der verhaßten Gesellschaft wunderbar provozieren konnte.

Am schlimmsten empfand ich die Definition eines Faschos als glatzköpfige, prollige Hohlbirne. Genau da liegt vielleicht der größte Fehler der Antifapolitik der 90er und ich befürchte, dieser Fehler wird  gerade wiederholt. Ein Autor des Freitag teilt diese Einschätzung:
Zitat
Der Naziproll- ein dankbares Opfer

Über die Teilschuld der Politik, Gesellschaft und Kultur an dem aktuellen Aufschwung des rechten Terrors


Der Mob, das Pack und die Rechtsradikalen sind nur einige der Bezeichnungen, die diese Menschen, die dort prügeln und anzünden, bekommen. Anti-Nazi-Seiten wie Hooligans Gegen Satzbau machen bei Facebook auf die geringe Intelligenz der Nazis aufmerksam – als wäre eine hohe Intelligenz der Verdienst einer Person.

Natürlich –  auf das Bild des dummen Nazis ist sich schnell geeinigt. Angela Merkel verurteilt diese Taten ähnlich wie Sigmar Gabriel, ohne sich selbst zu einer Teilschuld zu bekennen. Bekannte Entertainer engagieren sich gegen "den Mob" und sogar der ein oder andere Kolumnist der "die Welt" lässt durchblicken, dass es nicht zu tolerieren ist, Asylheime anzuzünden.

Doch macht man es sich mit diesem Bild sehr einfach. Der Mob hat Angst. Das Pack hat Angst vor der spätestens seit den Hartz- Reformen einsetzenden Entsolidarisierung. Es hat Existenzangst vor dem Verschwinden in der vermeintlichen Bedeutungslosigkeit.

...die Sozialdemokratie hat sich seit Anfang des Jahrtausends in den Urlaub verabschiedet und das Proletariat bleibt, von einer sich medial aufspielenden Minderheit diskreditiert, mit seinen Ängsten zurück.

Doch wie eine Facebook-Freundin letztens treffend formulierte, jedes arme Schwein sucht sich ein noch ärmeres Schwein, auf das es mit dem Finger zeigen kann.

Und so kam es wie es kommen musste. Durch das Schauspiel der Politik und Medien der letzten Jahre wurden neue Feindbilder geschaffen, die scheinbar selbst dem Proletariat gefährlich werden könnten, das geht von Ausländer über nichtmännliche Geschlechter bis hin zu Homosexuellen, die jetzt sogar heiraten wollen.
https://www.freitag.de/autoren/nberliner/der-naziproll-ein-dankbares-opfer

Eine Antifapolitik, die ihre Arbeit als Kampf von links gegen rechts versteht, ist zum Scheitern verurteilt. Es ist notwendig einen Kampf von unten gegen oben zu organisieren. Wenn es nicht gelingt den Kampf gegen rechts mit dem Kampf gegen soziale Angriffe zu verbinden, werden wir nicht weiterkommen.

Gerade in dem Netzwerk verschwörungstheoretischer und (manchmal getarnter) rechtsradikaler Netzprojekte ist es gelungen ein Welbild zu zeichnen, in dem die Medien, die Bildungsinstitutionen und "die Politik" (inklusive Merkel) als "links" dargestellt werden ("linker Mainstream").  So sehen die sozial Abgehängten in den aggressiv auftretenden Rechten ihren logischen Bündnispartner gegen ihr Unwohlsein in den herrschenden Verhältnissen.

Wir müssen nicht nur verbal klarmachen, daß die Angriffe auf die einfachen Menschen von Kapital, Staat und den Rechten gleichzeitig kommen. Wenn es uns nicht gelingt eine soziale Notwehr mit dem Kampf gegen Rechts zu verbinden, sehe ich die Rechten weiter im Aufwind.



Zum Abschluß ein weiterer Auszug aus dem Feitag Artikel:
Zitat
Bei Dieter Nuhr ist klar, dass der Islam der Barbarei entspricht, die zwangsläufig zu Tod, Kriminalität und Unordnung führt. Durch ständige Reproduktion dieser Feindbilder, verfestigten sie sich zunehmend im kollektiven Gedächtnis.

Genau diese Skizzierungen des Ausländers, geprägt durch Presse und Politik haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass das passiert, was passieren musste. Die ärmsten zeigen auf Jene, die noch weniger, als sie selbst haben und verdammen sie. Unterstützt in ihren Feindbildern und allein gelassen mit ihren Sorgen von Politik und Presse.

Wenn wir die Schuldigen für die brennenden Flüchtlingsheime suchen wollen, sollten wir vielleicht nicht auf den Naziproll mit Pipi in der Hose schauen, auch nicht auf Ralph Ruthes skizzierte "Dummel" oder auf die schimpfende Omi in Freital.

Stattdessen sollten diese Bilder lieber von einem Horst Seehofer, einem Bernd Lucke, einem Dieter Nuhr und einer Angela Merkel geziert sein, durch deren Ideologien und Reden diese vorurteilsbehafteten Feindbilder überhaupt erst entstehen konnten.

Etwas tiefgründiger möchte ich bei dieser Argumentation noch auf diesen Radiobeitrag hinweisen: http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/kolumnen-sendungen/generator/warum-unsere-gesellschaft-die-armen-verachtet-100.html

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Re:Antifa
« Antwort #26 am: 13:35:50 Sa. 19.September 2015 »
Du sprichst jetzt von bürgerlicher Antifapolitik, oder?
Die linkradikale Antifa hat immer auf den Zusammenhang zwischen Staat, Kapital und Faschismus hingewiesen.

Zitat
Linke und rechte Jugendliche hauten einander auf die Glocke.
Scheinbar hast Du in den neunziger Jahren keinen aktiven Widerstand gegen Faschisten geleistet (und zwar im Westen).
Ich hab es getan und hatte mit 18 Jahren zwei Mordanschläge hinter mir. Also erzähl mir hier nichts von "auf die Glocke hauen"! >:(

ManOfConstantSorrow

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Re:Antifa
« Antwort #27 am: 14:11:37 Sa. 19.September 2015 »
Scheinbar hast Du in den neunziger Jahren keinen aktiven Widerstand gegen Faschisten geleistet (und zwar im Westen).
Tolle Ferndiagnose.  :rolleyes: Bin von 2 Faschos krankenhausreif getreten worden, weil ich ihren Marsch mit deutschen Gruß durch den Bus kommentiert habe. Die wurden gefaßt, kamen vor Gericht. Einer von ihnen ging dafür in den Knast. Das Schmerzensgeld hab ich nie von ihnen gekriegt. Haben einfach nicht gezahlt. War nicht pfändbar, da sie arbeitslos waren. Ich habe keine Lust dir aufzulisten, bei welchen praktischen Aktionen mit dabei war. Es waren nicht wenige.

Zitat
Die linkradikale Antifa hat immer auf den Zusammenhang zwischen Staat, Kapital und Faschismus hingewiesen.
Verbal, ja.
In Italien gab es in den 70er und 80er Jahren militante Jugendgruppen, die Hinterhofausbeuter und Leiharbeitsklitschen aufgemischt haben, wenn sie ihre Mitarbeiter um den Lohn betrogen haben. Solch einen praktischen und handfesten Widerstand kenne ich aus Deutschland nicht.
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Rudolf Rocker

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Re:Antifa
« Antwort #28 am: 15:15:52 Sa. 19.September 2015 »
Zitat
In Italien gab es in den 70er und 80er Jahren militante Jugendgruppen, die Hinterhofausbeuter und Leiharbeitsklitschen aufgemischt haben, wenn sie ihre Mitarbeiter um den Lohn betrogen haben. Solch einen praktischen und handfesten Widerstand kenne ich aus Deutschland nicht.

Weil sie in den 90ern permanent Angriffen von Nazis ausgesetzt waren? Wer hat da noch Zeit für sowas?

ManOfConstantSorrow

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Re:Antifa
« Antwort #29 am: 15:20:33 Sa. 19.September 2015 »
Es hat im Moment wenig von einer Diskussion, sondern eher von einem angepißten Kontern.
Zitat
Weil sie in den 90ern permanent Angriffen von Nazis ausgesetzt waren? Wer hat da noch Zeit für sowas?
Wenn wir für etwas anderes "keine Zeit" mehr haben, haben wir bereits verloren.
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