Autor Thema: Kritiker des Marxismus  (Gelesen 16717 mal)

BakuRock

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Kritiker des Marxismus
« Antwort #30 am: 23:51:08 Mi. 01.August 2007 »
Zitat
Original von Kater
Zitat
Sie sagten aber, dass sie weder Material noch Aufträge hätten um weiter zu machen.

sie könnten ja erst mal (wie bei dem legendären Streik in der Uhrenfabrik Lip in Frankreich) einzelne Teile wie beispielsweise Fahrradlampen, Klingeln oder Luftpumpen, etc. weiter fertigen, mit nem/ihrem Fabrikbesetzer-Logo versehen und zum Solidaritätspreis erst mal in der lokalen Unterstützerszene und dann bundesweit vertreiben und damit auf ihre Besetzungsaktion aufmerksam machen und gleichzeitig etwas Kohle zum Weitermachen einnehmen...

Das ist es auch, was ich meine. Falscher Stolz hilft auch hier nicht. Wir muessen nun mal damit leben von kapitalistisch gepraegter Gesellschaft umgeben zu sein. Eine Weile muessen das andere solidarisierende Betriebe durchhalten und, zunaechst mal voellig uneigennuetzig, helfen und versorgen - den Grundbedarf decken.

Danke fuer den Link @Kater...

Zitat
Aus dem Bericht:
"..................
Wir wollten ein Modell sein für die Veränderung der Gesellschaft und haben daher immer großen Wert darauf gelegt, nicht von Spenden oder Zuschüssen oder aus Fördertöpfen zu leben. Also mußten wir arbeiten für unser Essen, für Kleidung, für die Miete und die Kreditraten.
...................................."

Die Broschuere habe ich noch nicht gelesen, aber das Fettgedruckte laesst ahnen, dass sie sich nicht mit anderen sv-Produzenten vernetzt haben. Die von mir oben beschriebenen Netzwerke sind unabdingbar, wenn in dieser Umgebung etwas nachhaltig bestehendes entstehen soll. Die Grundversorgung darf nicht dem Kapitalismus abgekauft werden muessen. Das ist zu viel Abhaengigkeit (wurde ja auch beschrieben: Sachzwaenge, Geldnot).
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Wenn eine Idee am Anfang nicht absurd klingt, gibt es für sie keine Hoffnung. .... A. Einstein

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Nestor

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Kritiker des Marxismus
« Antwort #31 am: 19:47:57 Mo. 12.Mai 2008 »
Ich frische diesen Faden hier nochmal auf, damit uns in Zukunft Sprüche wie "wissenschaftlicher Sozialismus" und ähnliche Dinge erspart bleiben, damit wir hier eine gewisse Radikalität bewahren.

Denkt an Bakunin's Satz: "Die Deutschen sind ein Volk, das in hohem Maße von der Staatsidee durchdrungen ist".

Werden wir also zur Abwechslung mal ein freiheitsliebendes Volk, wo Freiheit nicht bloß irgendeine Phrase ist. - Und bekämpfen wir die Ausbeuter so, dass diese "Anarchie" schreien.

BakuRock

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Kritiker des Marxismus
« Antwort #32 am: 00:15:48 Di. 13.Mai 2008 »
Zitat
Original von Nestor
..................................
Werden wir also zur Abwechslung mal ein freiheitsliebendes Volk, wo "Freiheit" nicht bloß irgendeine Phrase ist. Und bekämpfen wir die Ausbeuter so, dass diese "Anarchie" schreien.

Jau, fein @Nestor - gibst du ein paar ganz praktikable Beispiele vor, wie?
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Wilddieb Stuelpner

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Kritiker des Marxismus
« Antwort #33 am: 04:17:22 Di. 13.Mai 2008 »
Anarchie muß zu Gewalt und Chaos führen, denn irgendwann und -wer und -wo werden sich Gruppen von Menschen der Produktionsmittel bemächtigen. Es gibt kein politisches und ökonomisches Führungs- und Machtvakuum auf Dauer nach dem Ende des Kapitalismus wie uns die Anarchisten das als mögliche freiwilliger, friedliche Zusammenarbeit von Menschen weismachen wollen. Und friedlich geben Unternehmer ihr Privateigentum an Produktionsmittel auch nicht her. Das geht nur gewaltsam.

Anarchismus als eine Gesellschaftsform friedlichen Zusammenlebens bleibt eine rein hypothetische Utopie - eine Spinnerei, so wie der utopische Sozialismus an sich oder das erzählte Eiapopeia aus dem Alten und Neuen Testament. Was den Anarchisten so an freiwillige Macht- und Gewaltenteilung vorschwebt, funktionierte vielleicht mal in der Urgesellschaft. Und das können wir getrost abhaken.

Eiapopeia - Heinrich Heine im Deutschland. Ein Wintermärchen:

Zitat
Caput I

Im traurigen Monat November war's,
Die Tage wurden trüber,
Der Wind riß von den Bäumen das Laub,
Da reist ich nach Deutschland hinüber.

Und als ich an die Grenze kam,
Da fühlt ich ein stärkeres Klopfen
In meiner Brust, ich glaube sogar
Die Augen begunnen zu tropfen.

Und als ich die deutsche Sprache vernahm,
Da ward mir seltsam zumute;
Ich meinte nicht anders, als ob das Herz
Recht angenehm verblute.

Ein kleines Harfenmädchen sang.
Sie sang mit wahrem Gefühle
Und falscher Stimme, doch ward ich sehr
Gerühret von ihrem Spiele.

Sie sang von Liebe und Liebesgram,
Aufopfrung und Wiederfinden
Dort oben, in jener besseren Welt,
Wo alle Leiden schwinden.

Sie sang vom irdischen Jammertal,
Von Freuden, die bald zerronnen,
Vom jenseits, wo die Seele schwelgt
Verklärt in ew'gen Wonnen.

Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel.

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.

Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Wir wollen auf Erden glücklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
Was fleißige Hände erwarben.

Es wächst hienieden Brot genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.

Ja, Zuckererbsen für jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen.

Und wachsen uns Flügel nach dem Tod,
So wollen wir euch besuchen
Dort oben, und wir, wir essen mit euch
Die seligsten Torten und Kuchen.

Ein neues Lied, ein besseres Lied!
Es klingt wie Flöten und Geigen!
Das Miserere ist vorbei,
Die Sterbeglocken schweigen.

http://gutenberg.spiegel.de/heine/wintmrch/wintmrch.htm
Menschen werden nach sozialer Sicherheit und Versorgung streben. Also müssen die Eigentumsverhältnisse, das öffentliche Leben, die Beziehungen der Menschen zueinander geklärt und geregelt werden. Und da das Eigentum an Produktionsmittel einen politischen wie ökonomischen Vorteil verspricht gegenüber der Gesamtbevölkerung, besteht immer wieder die Gefahr, daß sich wieder Wenige diesen Machtvorteil unter den Nagel reißen. Typisches Beispiel - die Zwangsvereinigung der DDR mit der Reprivatisierung des Volks- und Genossenschaftseigentums oder in anderen zerbrochenen sozialistischen Staaten die Reprivatisierung durch korrupte Politiker und Militärs mit Mafiamitteln.

Würden wir anarchistische Verhältnisse haben, so hätten wir einen ewigen Bürgerkrieg, weil jede Splittergruppe gegen jede andere um das Eigentum an Produktionsmittel, die politische und ökonomische Macht buhlt. So war es auch in Russland zeitweilig nach der Oktoberrevolution 1917, wo die Weißen gegen die Roten kämpften und das Land verwüstet wurde. Es wird ein ewiges Hin- und Hergezerre, wer denn an den Schalthebeln der Macht kommt. So verschwendet man unnötig Kräfte, Mittel und Zeit, hält die gesellschaftliche Entwicklung auf.

Will man schnell Ordnung und Sicherheit im Land haben, braucht man Parteien mit klarem Programm und ein Parlament, wo die befähigten Interessenvertreter des Volkes die Entscheidungsbefugnis ausüben, wohin sich die Gesellschaft politisch und ökonomisch entwickeln soll. Zum Ordnungsprinzip gehört ein Staatswesen mit Verwaltung.

Siehe

Friedrich Engels: "Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats"
Lenin: "Staat und Revolution"

Ob sich eine Gesellschaftsordnung durchsetzt, regelt sich letztendlich über die Steigerung der Arbeitsproduktivität und ob sie in der Lage ist mit den verfügbaren Produktionsmitteln und -verfahren die Bevölkerung sozial gerecht zu versorgen. Und die Versorgung muß für jedermannn bezahlbar sein, sofern gesamtgesellschaftliches Eigentum an Produktionsmitteln vorliegt. Erst wenn die Arbeitsproduktivität ausreichend hoch ist, wird sich das Eigentum, das Geld und der Staat als Ordnungs- und Organisationsmittel schrittweise erledigen. Bis wir das in noch einigen bevorstehenden Generationen als klassenlose Gesellschaft erreicht haben, brauchts noch dieser drei Dinge.

Jetzt haben wir erstmal die Ausbeutergesellschaft Kapitalismus zu überwinden. Und daran haben wir noch eine ganze Weile zu tun. Machen wir nicht den zweiten Schritt vor dem ersten, denn dann fallen wir garantiert auf die Schnauze. Und das muß nicht sein.

Kater

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Kritiker des Marxismus
« Antwort #34 am: 08:02:46 Di. 13.Mai 2008 »
@joachimkuehnel

ich verstehe nicht, was Heines Kritik am Christentum (deine fett hervorgehobenen Passagen) mit Anarchismus zu tun haben sollen  ?(

Zitat
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.

paßt doch wie die Faust aufs Auge auf das Verhalten realsozialistischer Eliten...

Macht korrumpiert und absolute Macht korrumpiert absolut

Gruß, Kater

Hölderlin:

Zitat
"Immerhin hat das den Staat zur Hölle gemacht, dass ihn der Mensch zu seinem Himmel machen wollte."

ABrucki82

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Kritiker des Marxismus
« Antwort #35 am: 08:13:43 Di. 13.Mai 2008 »
von joachimkuehnel:
Anarchie muß zu Gewalt und Chaos führen, denn irgendwann und -wer und -wo werden sich Gruppen von Menschen der Produktionsmittel bemächtigen. Es gibt kein politisches und ökonomisches Führungs- und Machtvakuum auf Dauer nach dem Ende des Kapitalismus wie uns die Anarchisten das als mögliche freiwilliger, friedliche Zusammenarbeit von Menschen weismachen wollen.
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Wenn das so ist, freue ich mich schon auf die nächsten sich selbst benennen Sozialisten, die dann doch wieder die schlimmsten Unterdrücker sind.


von joachimkuehnel:
Anarchismus als eine Gesellschaftsform friedlichen Zusammenlebens bleibt eine rein hypothetische Utopie - eine Spinnerei, so wie der utopische Sozialismus an sich oder das erzählte Eiapopeia aus dem Alten und Neuen Testament. Was den Anarchisten so an freiwillige Macht- und Gewaltenteilung vorschwebt, funktionierte vielleicht mal in der Urgesellschaft. Und das können wir getrost abhaken.
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So ähnlich redeten damals Päpste, Kaiser und Könige über die parlamentarische Demokratie, die damals auch als Utopie abgestempelt wurde. Und im welchem System leben wir jetzt?


Und die DDR war ja auch ganz toll. Nur komisch, dass ausgerechnet in einem Arbeiter und Bauernstaat sich am 17. Juni 1953 die Arbeiter gegen die Normerhöhung streikten und die Antwort der SED waren dann Panzer gegen die Bevölkerung. Die DDR ist nicht durch korrupte Politiker zusammengebrochen, sondern dadurch das Sozialismus ohne Freiheit nicht funktioniert, sondern Staatskapitalismus ist.

Das Beispiel Oktoberrevolution ist auch ein tolles Beispiel. Weil Lenin das Wahlergebnis nicht gefiel (die Bolschewiki hatten keine Mehrheit, sondern die Sozialrevolutionäre, also unteranderem die Anarchisten) lies Lenin 1918 das Parlament gewaltsam  auflösen, ohne die Bevölkerung hinter sich zu wissen.

Wieso braucht man unbedingt ein Parlament? Es gibt genügend Beispiele, die zeigen, dass es auch anders geht: Ruhrgebiet im März/April 1920; Kronstadt 1921; einzelne Gebiete in Katalonien 1936-39; Ungarn 1954 u.s.w.

P.S.: Schönes Gedicht von Heine. Nur er bezieht sich nicht auf die Anarchie.
YA BASTA  --  ES REICHT!!!

Nestor

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« Antwort #36 am: 17:27:43 Di. 13.Mai 2008 »
"Will man schnell Ordnung und Sicherheit im Land haben, braucht man Parteien mit klarem Programm und ein Parlament, wo die befähigten Interessenvertreter des Volkes die Entscheidungsbefugnis ausüben, wohin sich die Gesellschaft politisch und ökonomisch entwickeln soll. Zum Ordnungsprinzip gehört ein Staatswesen mit Verwaltung."

Du tust ja immer so, als ob das Volk die Regierung steuern würde: "Interessenvertreter des Volkes" - klar doch. Tun wir weiter so als ob wir alle zu blöd seien eine Tauschwirtschaft in Gang zu bringen. Meiner Meinung nach, muss man nur produzieren und tauschen, und dafür braucht es sicher keiner Regierung/Partei.


"Anarchismus als eine Gesellschaftsform friedlichen Zusammenlebens bleibt eine rein hypothetische Utopie - eine Spinnerei."

Probieren wir das erstmal aus, hinterher kann man ja immer noch eine gemäßigte Regierung, bishinn zum schlimmsten Stalinismus installieren. Machen wir doch erstmal Anarchie, dann sehen wir weiter; Parteien werden dann auch weiterhinn bestehen, man muss dort nur beitreten, aber wie gesagt, das ist ein Fehler.


"Würden wir anarchistische Verhältnisse haben, so hätten wir einen ewigen Bürgerkrieg, weil jede Splittergruppe gegen jede andere um das Eigentum an Produktionsmittel, die politische und ökonomische Macht buhlt. So war es auch in Russland zeitweilig nach der Oktoberrevolution 1917, wo die Weißen gegen die Roten kämpften und das Land verwüstet wurde."

Schlechtes Beispiel.

Pittiplatsch

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« Antwort #37 am: 17:40:38 Di. 13.Mai 2008 »
Na Marktanarchie hast du ja schon. Und da willst du noch mehr? Mein Bedarf an sowas ist gedeckt. Gruß Pitti
black hole sun
won't you come
and wash away the rain

(Soundgarden)

Nestor

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« Antwort #38 am: 17:47:42 Di. 13.Mai 2008 »
"Erst wenn die Arbeitsproduktivität ausreichend hoch ist, wird sich das Eigentum, das Geld und der Staat als Ordnungs- und Organisationsmittel schrittweise erledigen."
 LOL

Lenin: "Der Staat - ein Werkzeug zur Ausbeutung der unterdrückten Klasse"

Genau das wird Dein Staat dann machen!

"In Rußland jedoch, wo die sog. Diktatur des Proletariats herrscht, hat das politische Machtstreben einer einzigen Partei jegliche echte Reorganisation des ökonomischen Lebens verhindert und das Land in die Sklaverei des Staatskapitalismus gezwungen. Die Diktatur des Proletariats, von der Naive glauben, daß sie eine notwendige Übergangsstufe zum wirklichen Sozialismus darstellt, hat sich zu einem schrecklichen Despotismus und zu einem neuen Imperialismus gewandelt, der in nichts hinter der Tyrannei des Faschismus zurückbleibt. Die Behauptung, daß der Staat solange bestehen bleiben muß, bis die Gesellschaft nicht in feindliche Klassen gespalten ist, erscheint, im Lichte aller historischen Erfahrungen, wie ein schlechter Scherz." (Rudolf Rocker)
http://www.anarchismus.at/txt2/rocker4.htm

Danke für Engels, hier eine Lektüre für Dich:
http://www.cafe-libertad.de/mat2/assets/s2dmain.html?http://www.cafe-libertad.de/mat2/

BakuRock

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« Antwort #39 am: 01:27:34 Mi. 14.Mai 2008 »
Zitat
Will man schnell Ordnung und Sicherheit im Land haben, braucht man Parteien mit klarem Programm und ein Parlament, wo die befähigten Interessenvertreter des Volkes die Entscheidungsbefugnis ausüben, wohin sich die Gesellschaft politisch und ökonomisch entwickeln soll. Zum Ordnungsprinzip gehört ein Staatswesen mit Verwaltung.

Jawoll - dear JK -

und in solcherlei oft gefuehrten Diskussionen in der vergangen gewordenen DDR muendete solcherlei Einschaetzungen der "Obrigkeit" (selbsternannten Intelligenz) in dem Ausspruch: "Man muss die Menschen (Buerger des Landes), wenn es sein muss, zu ihrem Glueck zwingen........."

Oh ja.

(Wir sind im Theoriebereich - Klasse - da koennen wir uns den Satz auf der Zunge zergehen lassen, oder ihn richtig analysieren)

Zunaechst mal: WER kann sagen, dass etwas getan werden MUSS?

Als Naechstes: WER legt fest, ob etwas sein MUSS?

Und nicht zuletzt: WER meint zu wissen, was der Menschen Glueck ist.
WER meint ein Recht zu haben, jemenschen zu etwas zwingen zu duerfen?

Bleiben dennoch viele Fragen offen. So zum Bleistift: Woher nimmt WER die Anmassung, all dies tun zu duerfen?

Will MAN? jemenschen zu seinem Glueck zwingen, muessen diese zunaechst mal geknechtet werden, sonst besteht keine Chance, jemenschen zwingen zu koennen (oder Zucht und Ordnung herzustellen oder wie immer jeMANd das ausdruecken moechte).

"Befaehigte Interessenvertreter" ist allerdings der Gipfel - Im Angesicht der (fast) totalen "Politiker-Verdrossenheit" sollte doch nun jedermensch klar werden, dass nach so vielen "Legislaturperioden", egal welcher Coleur, die Menschen kapiert haben duerften, dass es befaehigte Interessenvertreter sehr wohl gibt, aber sie vertreten immer und immer wieder die Interessen derer, die nicht die Mehrheit sind......

Wir koennten uns deshalb hier im Theoriebereich mal den Begriffen von mandatierten Menschen mit Mandaten von den Mehrheiten widmen. Dann klappts auch mit dem Anarch|osyndikal|ismus  :rolleyes:
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Wilddieb Stuelpner

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« Antwort #40 am: 19:49:40 Mi. 14.Mai 2008 »
Das Heinezitat mit dem Eiapopeia bezieht sich auf die verbogene Scheinfrömmigkeit, die Moralpredigten und Beichten der Kirchenfürsten.

Die Päbste und Kardinäle rafften, schacherten, hurten, ... genauso wie der weltliche Feudaladel.

Sie saufen heimlich Wein und predigem dem Volk Wasser.

Übrigens, zur Zeit läuft in 3sat oder Phoenix wieder so eine Dokumentarreihe aus dem Lebenswandel der Päbste und Kardinäle und des Feudaladels des Mittelalters.

Und jetzt vergleiche einmal das angestrebte Menschenbild der Anarchisten, der utopischen Sozialisten und der Kirche - irrwitzig und völlig unreal - funktioniert nur auf einer einsamen Insel aber nicht in der menschlichen Gesellschaft, so wie wir sie kennen - eben eine Utopie. Kann nur am Biertisch als Schnapsidee entstanden sein. Ich kann Anarchismus nicht nachvollziehen. Da gehts mir wie Marx.

Zitat
Wikipedia:Anarchismus

Anarchismus (griech. „Herrschaftslosigkeit“; Derivation aus ± privativum und „Herrschaft“) ist eine politische Ideenlehre und Philosophie, die Herrschaft von Menschen über Menschen und jede Art von Hierarchie als Form der Unterdrückung von individueller und kollektiver Freiheit ablehnt. Daher wird von seinen Anhängern eine anarchistische Gesellschaft als freiwilliger Zusammenschluss von selbstbestimmten Individuen und Kollektiven propagiert. Unter der Anarchie in diesem Verständnis wird damit die Aufhebung hierarchischer Strukturen in einem umfassenden Sinn – bis hin zur Auflösung der staatlichen Organisiertheit der menschlichen Gesellschaft – verstanden. Im Mittelpunkt stehen Freiheit, Selbstbestimmung, Gleichberechtigung, Selbstverwirklichung der Individuen und Kollektive Selbstverwaltung. Insofern wird der Anarchismus von seinen Vertretern in einem sozialrevolutionären Sinn auch verstanden als Synthese zwischen individueller Freiheit und sozialer Verantwortung für die Gemeinschaft.

Ein Mensch, der nach diesen Prinzipien lebt oder eine herrschaftsfreie Gesellschaft anstrebt, wird als Anarchist bezeichnet. Bisweilen wird das Adjektiv libertär (dt. freiheitlich) als Synonym für „anarchistisch“ benutzt.
Utopischer Sozialismus und das soziale Utopia des Thomas Morus.

Spätestens, wenn der eine Anarchist gegen den anderem Anarchisten auf seiner Meinung und Recht beharrt, fühlt sich sein gegenübersitzender Bruder Anarchist sofort in seiner Meinung, Verständnis und Individualität angegriffen, beschnitten und es wird wie bei den kleinen Kindern zugehen. Sie kloppen sich, weil sich jeder Einzelne als Individium und damit als alleiniger Nabel der Welt ansieht. Kollektive Zusammenarbeit, Einsicht in Ordnungsprinzipien, in Ein- und Unterordnungen auch bei nötigen Arbeitsteilungen wird es nicht geben.Einen eingeschränkten, kollektiven Anarchismus oder utopischen Sozialismus religöser Verbrämung sehe ich bei den Hutterern oder Amish.
Grundsätzlich:

Eine Gesellschaft ohne politische Führung, ohne Eigentum gibt es nicht. Nach der Logik der Anarchisten hätte es nach der Urgesellschaft keine Klassengesellschaften geben dürfen, die Ausbeutung und Unterdrückung durch Privateigentum an Produktionsmitteln verursachen.

Die Kirche gibt die Klassenunterschiede zumindest zu und vertröstet den einfältigen Michel wenigsten auf seine Himmelfahrt nach dem Ableben.

Was lehrt uns die Praxis. Es gab Klassengesellschaften, die sich nicht durch anarchistische Verbrüderungen, Umarmungen und Menschen- und Nächstenliebe überwinden lassen, sondern nur durch die organisierte Arbeiterbewegung. Wer organisiert sie? Die eigene Partei und gibt ihr die Entwicklungsrichtung und das Ziel mit einem Parteiprogramm vor. Eine kämpferische Arbeiterbewegung ohne Kopf, Führung, Programm und Ziel ist doch ein schlechter Witz. Kommt mir vor wie ein hüpfender Hahn, dem der Bauer den Kopf mit der Axt abgehalt hat. Tolle Idee des Anarchisten Bakunin.

So wie es Naturwissenschaften gibt, gibt es auch Gesellschaftswissenschaften. Ich kann in dem Alten und Neuen Testament nur Märchen erkennen und in den anarchistischen Ideen nichts, was den Gesellschaftswissenschaften zuzurechnen wäre. Diese Idealvorstellungen vom menschlichen Zusammenleben ohne Eigentum gibt es nicht. Die reale Welt sieht anders aus.

Wilddieb Stuelpner

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« Antwort #41 am: 20:24:17 Mi. 14.Mai 2008 »
Zitat
Original von ABrucki82
von joachimkuehnel:
... Und die DDR war ja auch ganz toll. Nur komisch, dass ausgerechnet in einem Arbeiter und Bauernstaat sich am 17. Juni 1953 die Arbeiter gegen die Normerhöhung streikten und die Antwort der SED waren dann Panzer gegen die Bevölkerung. Die DDR ist nicht durch korrupte Politiker zusammengebrochen, sondern dadurch das Sozialismus ohne Freiheit nicht funktioniert, sondern Staatskapitalismus ist.

Wozu brauchte Ulbricht die Normerhöhung?

Ums Volk zu schinden und auszuplündern wohl kaum?

Eine funktionierende Baustoff-, Grundstoff- und Schwerindustrie waren nach dem II, Weltkriege eine der Schlüsselbereiche für eine funktionierende Volkswirtschaft. Wenn die Grundlagen einer Volkswirtschaft funktionieren, kann man zur Verbesserung der Bevölkerungsversorgung schrittweise übergehen. Man kann eben nur das ausgeben, was vorher produziert wurde. Oder sollte es ewig noch den Schwarzhandel und Schieber geben. Hinzu kam der Klassenkampf mit dem Kapitalismus. Man mußte in der Wirtschaft Errungenschaften und Leistungen vorweisen. Und das geht nur mit Arbeitsnormen.

Was Ulbricht vergessen hatte - dem Volk diese Zusammenhänge und Notwendigkeiten anschaulich begreiflich zu machen. Auf endlose Diskussionen konnte er sich nicht einlassen. Das Gesetz von der Ökonomie der Zeit dürfte auch einem Anarchisten bekannt sein. Das war sein Fehler.

Es ging aufwärts mit Ulbrichts Wirtschaftspolitik. Die hektische Umsetzung zu strenger Arbeitsnormen wurde zurückgenommen. Es gab die Angebote im Konsum und die der HO und 1958 war das Ende der rationierten Versorgung der Bevölkerung in der DDR. Seit dem gab es keine Lebensmittelmarken mehr. Was sich im Lohnsystem bis zur Einführung der Grundlöhne 1971 hielt, war der Lebensmittelkartenzuschlag auf den Bruttolohn. Erst danach wurde der LMK-Zuschlag in die leistungsorientierten Grundlöhne, Meistergehälter, Hoch- und Fachschultarife eingearbeitet.

Was die DDR kaputt gemacht hatte - die offene Grenze bis 1961 (flüchtige Großbauern, die Hof und Vieh im Osten im Stich ließen, abgeworbene Fachkräfte in den Westen, Arbeiter in Grenznähe arbeiteten unter Westlohnbedingungen im Westen und lebten sozial billig im Osten dank der Wechselstuben - sie machten das ostdeutsche Währungssystem und die Wirtschaft als Sozialschmarotzer kaputt und drehten den im Osten arbeiteten Arbeitern und Bauern eine lange Nase, die Kriegsreparationen, das Wirtschaftsembargo des Westens, die internationale Solidarität für die jungen Nationalstaaten in der ganzen Welt, die Billigexporte zur Versorgung der westlichen Bevölkerung, um nur ein paar Ursachen zu nennen.

Oh Wunder, als die Ossis für ihre Produkte nach der Wende auf einmal die realen Preise von den Wessikunden über Quelle, Otto, Bauer und Co. haben wollten, war das den reichen Brüdern und Schwestern im Westen auf einmal zu teuer.

Von gleichem Lohn für gleiche Arbeit wollten die nischt wissen, aber vom nutzbarem Lastenausgleich der BRD für verlassene Grundstücke im Osten vor dem Kriege und nach der DDR-Flucht und von steuerlich absetzbaren Westpaketen bis zur Wende sehr viel. So mal am Rande, was ich an persönlicher Erfahrung mit meiner buckligen Westverwandtschaft noch in Erinnerung habe.

Wilddieb Stuelpner

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« Antwort #42 am: 20:38:08 Mi. 14.Mai 2008 »
Jetzt stell Dir mal vor, eine Arbeiterpartei in einem sozialistischem Staat macht ewig bitte, bitte-Diskussionen vor anarchistischen Zauderern und Widersachern und hat gleichzeitig die kapitalistische Welt geballt gegen sich.

Wie lange geht das gut und wie lange lebt dann noch der sozialistische Staat, nur weil die Anarchisten nicht zu potte kommen.

BakuRock

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« Antwort #43 am: 23:02:47 Mi. 14.Mai 2008 »
Moin,

ein Zitat aus dem Zitat:

Zitat
........................
Daher wird von seinen Anhängern eine anarchistische Gesellschaft als freiwilliger Zusammenschluss von selbstbestimmten Individuen und Kollektiven propagiert. Unter der Anarchie in diesem Verständnis wird damit die Aufhebung hierarchischer Strukturen in einem umfassenden Sinn – bis hin zur Auflösung der staatlichen Organisiertheit der menschlichen Gesellschaft – verstanden. ......................................................................

Stell dir mal eine Gesellschaft vor, die sich nicht in Nationalstaaten einsperren laesst, sondern sich bestenfalls als Kulturkreis eingraenzen/bezeichnen/markieren/charakterisieren/unterscheiden laesst.

Und dann stell dir mal vor - diese Gesellschaft hat sich ("von unten") ein umspannendes Netzwerk geschaffen, in dem Informationen (Bedarf und Angebot usw) vermittelt werden, in dem die Gueter verteilt werden, in dem gelacht, gesungen, gelebt und gearbeitet wird. Von Betrieb zu Betrieb, von Ort zu Ort, von Kontinent zu Kontinent und vollkommen selbstverwaltet.

Und dann stell dir mal da hinein einen Parteisekretaer vor, der den Auftrag erhalten hat diese Menschen "zu ihrem Glueck zu zwingen". ....... Wow
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« Antwort #44 am: 11:46:52 Do. 15.Mai 2008 »
Zitat
Original von Nestor
Lenin: "Der Staat - ein Werkzeug zur Ausbeutung der unterdrückten Klasse"

Genau das wird Dein Staat dann machen!

Was soll dieser Kindergartenquatsch mit den zusammenhanglosen Lenin-Zitaten???????????????????????????????????????????????
Die zweite Welle des Sozialismus ist im Anrollen.