Autor Thema: Kritiker des Marxismus  (Gelesen 16719 mal)

ManOfConstantSorrow

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Kritiker des Marxismus
« Antwort #45 am: 12:34:16 Do. 15.Mai 2008 »
Es lohnt beim besten Willen nicht, sich mit Nestors wirren Ausführungen auseinanderzusetzen:

Zitat
Nestor:
dass du noch nicht erkannt hast, dass der Marxismus eine bürgerliche Richtung ist
Zitat
Nestor:
ein Revolutionär ist Karl Marx nun wirklich nicht
Zitat
Nestor:
Es gibt kein "links" oder "rechts"
Zitat
Nestor:
Wer allerdings unbedingt wählen will, dann wählt lieber die Grünen - ich misstraue der Linken.
Zitat
Nestor:
Ich stell mir manchmal die Frage; wenn es keine Ausländer hier gäbe, wären wir dann nicht stärker? - und die Nazis schwächer?
:rolleyes:
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BakuRock

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Kritiker des Marxismus
« Antwort #46 am: 00:39:11 Fr. 16.Mai 2008 »
"Die reale Welt sieht anders aus" - Zitat von joachimkuehnel

Ein, meiner Meinung nach, sehr lesenswerter und zum Nachdenken anregender Beitrag:

Zitat
21. Januar 2008
Antwort auf Euren Text "Prioritäten. Nachbetrachtungen zur Liebknecht-Luxemburg-Ehrung 2008"

An die GenossInnen des SprecherInnenrates der KPF Sahra Wagenknecht, Ellen Brombacher, Thomas Hecker, Jürgen Herold und Friedrich Rabe

Liebe Sahra, liebe Ellen, lieber Thomas, lieber Jürgen, lieber Friedrich, Eure Erklärung "Nachbetrachtungen zur Liebknecht-Luxemburg-Ehrung" nimmt für sich in Anspruch, "die Prioritäten" richtig zu setzen. Sie setzt sich dabei unter anderem auseinander mit Mitgliedern der Landesorganisation Berlin der Partei DIE LINKE. Kurz zusammengefasst kommt diese Auseinandersetzung zu folgendem Ergebnis:

Statt sich, wie Ihr unterstellt, mit antikommunistischen Thesen hervorzutun und bei "dem herrschenden Mainstream" von Bertelsmann bis Walter Momper anzubiedern, sollte DIE LINKE in Berlin sich lieber mit den Nazis auseinandersetzen. Das tue sie zwar so ein bisschen, aber viel zu zögerlich, während den "Opfern des Stalinismus" sämtliche Mühe und sämtliches Engagement gehöre. Die "Belege" hierfür zeige die Zusammenstellung von Veröffentlichungsdaten und Reaktionen im Landesverband, bei Aufrufen und Briefen. Man wolle das zwar alles nicht kommentieren, aber da möge sich jede und jeder selbst ihren oder seinen Reim darauf machen.
........................

Bitte lest weiter - alle die sich mit dem Thema DDR-Vergangenheit und linker Vergangenheitsbewaeltigung befassen - und auch die, welche den Marxismus kritisieren und auch jene, die noch in der Lage sind, eigenen Traeumen nachhaengen zu koennen und die, die konkret an einer neuen Gesellschaft formen:

Quelle und Lesen: http://die-linke.de/partei/zusammenschluesse/kommunistische_plattform_der_partei_die_linke/dokumente/antwort_auf_euren_text_prioritaeten_nachbetrachtungen_zur_liebknechtluxemburgehrung_2008/
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Wilddieb Stuelpner

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Kritiker des Marxismus
« Antwort #47 am: 06:22:31 Fr. 16.Mai 2008 »
Zitat
Original von ManOfConstantSorrow
Es lohnt beim besten Willen nicht, sich mit Nestors wirren Ausführungen auseinanderzusetzen:
:rolleyes:

Den Eindruck gewinne ich immer mehr von den Anarchisten insgesamt. Es sind arme Phantasten, die die realen Verhältnisse ignorieren und sich wie die Kirchenfürsten das irdische Jammertal schönreden: "Es könnte besser sein, wenn man nur wöllte."

Es gibt nun mal Regierungen, Parlamente, Parteien, Staaten, Grenzen und keine Netzwerke friedliebender, freiwilliger Genossenschafter. Das sind Fakten und davon ausgend muß man die Gesellschaft verändern.

Wer hat die ganze Zeit Vergangenheitsbewältigung der DDR betrieben? Die PDS!

Und auf die Vergangenheitsbewältigung der Nazizeit und der BRD warten wir bei CDU/CSU/FDP und SPD bis heute vergebens. Die schweigen ihre Geschichte, ihre Kungeleien und Schweinereien tot.

Wilddieb Stuelpner

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Kritiker des Marxismus
« Antwort #48 am: 07:38:23 Fr. 16.Mai 2008 »
Es ist immer schön die Staatsrolle und Eigentumsfrage im Kapitalismus und im Sozialismus auseinanderzuhalten, nicht alles in einen Topf zu hauen und umzurühren.

kapitalistischer Staat und sozialistischer Staat und Privateigentum an Produktionsmitteln bzw. Volkseigentum sind verschiedene paar Schuhe.

ManOfConstantSorrow

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Kritiker des Marxismus
« Antwort #49 am: 14:08:20 Fr. 16.Mai 2008 »
Dummheit gibt es in allen sozialen Schichten und in allen politischen Strömungen.

Der Antikommunismus ist auch nach Ende des Kalten Krieges kaum totzukriegen.

Ich versuche mich grundsätzlich dem Antikommunismus entgegenzustellen, doch halte ich auch die Angriffe auf die Libertären für politisch falsch. Jeglicher Dogmatismus ist wenig hilfreich. Das herrschende System ist voller innerer Widersprüche und ist sich nur Einig im Willen um den Machterhalt.

Wir sollten jedem überlassen ob man sich lieber in hierarchischen Parteien oder in eher lockeren Gruppen organisiert. Beides hat offensichtliche Vor-und Nachteile. Das kann und sollte man diskutieren.

Solange wir uns aber gegenseitig bekämpfen, können sich die Herrschenden nur ins Fäustchen lachen. Man sollte mindestens in der Lage sein unabhängig die Verhältnisse zu bekämpfen, statt einander, grundsätzlich sollten aber Bündnisse zwischen den verschiedenen Antikapitalistischen und Antifaschistischen Strömungen angestrebt werden.
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Wilddieb Stuelpner

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Kritiker des Marxismus
« Antwort #50 am: 15:38:38 Fr. 16.Mai 2008 »
Zitat
Original von ManOfConstantSorrow
... Wir sollten jedem überlassen ob man sich lieber in hierarchischen Parteien oder in eher lockeren Gruppen organisiert. Beides hat offensichtliche Vor-und Nachteile. Das kann und sollte man diskutieren.

Solange wir uns aber gegenseitig bekämpfen, können sich die Herrschenden nur ins Fäustchen lachen. Man sollte mindestens in der Lage sein unabhängig die Verhältnisse zu bekämpfen, statt einander, grundsätzlich sollten aber Bündnisse zwischen den verschiedenen Antikapitalistischen und Antifaschistischen Strömungen angestrebt werden.

Passt wunderbar zum Fäustchenlachen des Herrn Schäuble: Sein aktueller Verfassungsschutzbericht:

RP-Online: Verfassungsschutzbericht - Schäuble warnt vor rechtsextremer Gewalt

"... "Wir müssen die Partei die Linke weiterhin beobachten", sagte der Innenminister. Dabei sei man sich des "ambivalenten Erscheinungsbildes der Partei" durchaus bewusst. Es bestünden aber innerhalb der Linken "offen extremistische Zusammenschlüsse". Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm betonte, bei der Beobachtung der PDS gebe es seit den 90er Jahren die Entscheidung, "nur die Dinge zu bewerten, die offen verfügbar sind", also keine V-Leute einzusetzen. Daher werde für die Beobachtung nur sehr wenig Personal benötigt. ..."

Schäuble spielt damit auf die Kommunistische Plattform, die Marxistische Plattform und Sozialistische Linke an, die eindeutig sich zur Überwindung des Kapitalismus und zur Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln bekennt.

Deutschlandradio Kultur: Ramelow kritisiert Beobachtung seiner Partei

Nestor

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Kritiker des Marxismus
« Antwort #51 am: 21:27:10 Fr. 16.Mai 2008 »
JK: "Was lehrt uns die Praxis. Es gab Klassengesellschaften, die sich nicht durch anarchistische Verbrüderungen, Umarmungen und Menschen- und Nächstenliebe überwinden lassen, sondern nur durch die organisierte Arbeiterbewegung."

Die "organisierte Arbeiterbewegung" - in Deinem Sinne - hat noch keine Klassengesellschaft überwunden. Und die Staatsgläubigkeit der Massen brauchst du nicht den Anarchisten anlassten.


JK: "Die Kirche gibt die Klassenunterschiede zumindest zu und vertröstet den einfältigen Michel wenigsten auf seine Himmelfahrt nach dem Ableben."

Meiner Meinung nach, machen die Herrschenden der kommunistischen Parteien etwas ähnliches wie die Kirche: Sie geben zu, dass der Kommunismus/Sozialismus noch nicht erreicht sei und vertrösten die Menschen auf eine bessere Zukunft.

Nestor

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Kritiker des Marxismus
« Antwort #52 am: 22:08:51 Fr. 16.Mai 2008 »
JK: "Kann nur am Biertisch als Schnapsidee entstanden sein. Ich kann Anarchismus nicht nachvollziehen. Da gehts mir wie Marx."

Ich kann den Anarchismus sehr gut nachvollziehen:
Es gibt Monopole - Eigentum und Staat - , welche zur Ausbeutung der Menschen benutzt werden. Wir wollen die Ausbeutung beenden und kämpfen daher gegen diese Monopole.
Nachdem wir eigene Wohnungen, Land, Betriebe und Freiheit haben, wirst du kaum behaupten können, dass dies keine Verbesserung mitbringen würde.


Volkseigentum:
"Original von Nestor
Lenin: "Der Staat - ein Werkzeug zur Ausbeutung der unterdrückten Klasse"
Genau das wird Dein Staat dann machen!

Was soll dieser Kindergartenquatsch mit den zusammenhanglosen Lenin-Zitaten?????????????????????????????????????????????
"

Es gab mal vor langer Zeit ein Volk, welches gegen die Ausbeutung durch Staat und Kapital kämpfte. Dort kam es dann zur Bildung von Räten. Lenin meinte: "Die herausbildung der Räte bedeutet das Absterben eines jeden Staates".
Lenin entmachtet später diese Räte, übergibt dann das "Werkzeug zur Ausbeutung der unterdrückten Klasse" an seine Nachfolger, und, dieses Werkzeug macht dann doch tatsächlich das, wofür es bestimmt ist!

1956 kam es - bei einem Volksaufstand gegen die kommunistische Diktatur in Ungarn - erneut zur herausbildung der Räte; und der Genosse Lenin weiß warum.

-----------------------------------------------------------------------------------------
Korrektur Lenin-Zitat: "Vorboten des Absterbens jeden Staates"

ABrucki82

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Kritiker des Marxismus
« Antwort #53 am: 22:36:05 Sa. 17.Mai 2008 »
wie sollen aber dann die bündnisse aussehen?
bei der ersten internationale wurde mal der versuch unternommen zusammenzuarbeiten. ergebis war ein verbitteter streit zwischen den anhängern von marx und bakunin. seitdem gab es nie wieder eine zusammenarbeit zwischen kommunisten und anarchisten. kropotkin, ein in seinen lebzeiten anerkannter biologe und anarchist, musste bspw. während der lenin-herrschaft aus russland fliehen.
für mein dafürhalten wären solche büdnisse auch nicht möglich, weil man sich höchstwahrscheinlich über den weg nur wieder streitet, und doch ist man sich beim ziel eigentlich einig.
viel wichtiger halte ich überlegungen, wie man die eingeschüchterten angestellte/arbeiter zum kämpfen bringt um evtl. einen generalstreik zu machen.
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BakuRock

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Kritiker des Marxismus
« Antwort #54 am: 00:29:55 So. 18.Mai 2008 »
Moin,

es ist aber auch eine Frage der Kommunikation. Hier z.B.:

Zitat
viel wichtiger halte ich überlegungen, wie man die eingeschüchterten angestellte/arbeiter zum kämpfen bringt um evtl. einen generalstreik zu machen.

..... ja, aber was gedenkst du danach zu tun? Was soll dieser Generalstreik bewirken?

Nach diesen Fragen ist also ein Generalstreik der zweite Schritt vor dem ersten. Denn, erst muessen die Fragen beantwortet sein (also muss eine Perspektive kommuniziert werden) bevor angestellte/arbeiter ueberhaupt bereit sein werden, zu streiken!!!

Alle Beteiligten muessen vorher wissen, fuer was sie ihr Fell riskieren.
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Nestor

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« Antwort #55 am: 15:51:58 So. 18.Mai 2008 »
BR: "Jau, fein @Nestor - gibst du ein paar ganz praktikable Beispiele vor, wie?"

ja, aber was gedenkst du danach zu tun? Was soll dieser Generalstreik bewirken?

Nach diesen Fragen ist also ein Generalstreik der zweite Schritt vor dem ersten. Denn, erst muessen die Fragen beantwortet sein (also muss eine Perspektive kommuniziert werden) bevor angestellte/arbeiter ueberhaupt bereit sein werden, zu streiken!!!




Nun, mit dem (Anarcho)Syndikalismus lässt sich auch für bessere Arbeitsbedingungen streiken; es meckern doch sehr Viele über schlechte Gewerkschaften.
Außerdem führt ein erfolgreicher Streik zur Solidarisierung der Bevölkerung - schafft Klassenbewußtsein.

Wir müssen überall Aufklärung und Propaganda betreiben und hoffen dass die Leute Interesse am Anarchismus/Syndikalismus bekommen; was bleibt uns anderes übrig?

Natürlich müssen wir auch (immer und überall) den autoritären, linksbürgerlichen Marxismus kritisieren (der revolutionäre Marxismus ist da, was anderes)

Auch schlimm: Ich war auf der 1. Mai Demo, dort haben wir allerdings nicht die Anarchie, sondern das Chaos repräsentiert. Das muss aufhören! Wir müssen solche Demos besser nutzen; dieses Antifa-Zeug bringt uns doch wenig. Da müssen Paraden her, welche die Arbeiterklasse repräsentieren. Und eine eindeutig anarchistische Gesinnung muss gezeigt werden (nicht immer nur bei den Punks).

ManOfConstantSorrow

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« Antwort #56 am: 16:26:30 So. 18.Mai 2008 »
Aus der von Kater empfohlenen Sendung des Deutschlandfunks:

Zitat
SPD und KPD riefen damals gemeinsam nach der "Erringung der politischen Macht durch die Diktatur des Proletariats".

Eine "Bergische Rote Armee" eroberte schließlich in Remscheid die letzte westdeutsche Bastion der Reichswehr-Soldaten, die zuvor als uneinnehmbar galt. Was damals reichsweit Entsetzen oder Begeisterung hervorrief, ist heute fast vergessen.
http://www.dradio.de/dlf/programmtipp/dossier/780190/

Wäre die Überwindung ideologischer Streitigkeiten (in diesem Fall Sozialdemokraten und Kommunisten) nicht nur regional, sondern landesweit umgesetzt worden, wären uns Faschismus und Weltkrieg erspart geblieben.
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Wilddieb Stuelpner

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« Antwort #57 am: 17:17:07 So. 18.Mai 2008 »
Zitat
Original von ManOfConstantSorrow
Aus der von Kater empfohlenen Sendung des Deutschlandfunks:

Zitat
SPD und KPD riefen damals gemeinsam nach der "Erringung der politischen Macht durch die Diktatur des Proletariats".

Eine "Bergische Rote Armee" eroberte schließlich in Remscheid die letzte westdeutsche Bastion der Reichswehr-Soldaten, die zuvor als uneinnehmbar galt. Was damals reichsweit Entsetzen oder Begeisterung hervorrief, ist heute fast vergessen.
http://www.dradio.de/dlf/programmtipp/dossier/780190/

Wäre die Überwindung ideologischer Streitigkeiten (in diesem Fall Sozialdemokraten und Kommunisten) nicht nur regional, sondern landesweit umgesetzt worden, wären uns Faschismus und Weltkrieg erspart geblieben.

Wer torpetierte die Einheitsfront vor der Machtergreifung der Nazis?

"... Bedeutung erlangte der Begriff erst in den 1920er Jahren, wo er auch als erstes offiziell verwendet wurde. Der Begriff "Einheitsfront" gilt dabei als eine Losung und eine Strategie der Kommunistischen Internationale (Komintern), die diese seit ihrem III. Weltkongress von 1921 verfolgte, um die seit dem 19. Jahrhundert und besonders seit 1914/1918 bestehende ideologische und organisatorische Aufspaltung der Arbeiterbewegung zu überwinden. Die mit der Umsetzung der Einheitsfrontlinie verbundene Losung war "Heran an die Massen!" Als Konsequenz fanden 1922 in Berlin Verhandlungen der Komintern mit Vertretern anderer Linksparteien statt. Auf dem IV. Weltkongress wurde diese Linie 1922 offiziell bestätigt. ...

... Das Scheitern einer antifaschistischen Einheitsfront

In der politischen Praxis war das Verhältnis der KPen zu den Sozialdemokraten in den 1920er und frühen 1930er-Jahren weniger durch Einheit als vielmehr durch Gegensätze gekennzeichnet. Die tiefen Gegensätze zwischen den revolutionären Kommunisten und den staatstragenden Sozialdemokraten führten dazu, dass man sich als Feinde ansah.

Die Sozialdemokratie sah in Kommunisten und der extremen Rechten (Deutschnationale und Nationalsozialisten) gemeinsame Feinde der Demokratie und der Republik. Die Sozialdemokratische Führung lehnte daher die Zusammenarbeit ihrer Mitglieder mit den Kommunisten ab.

Die Sozialfaschismusthese der KPen wiederum - die 1925 erstmals formuliert wurde - und in der 2. Häfte der 20er Jahre (seit dem VI. Weltkongress) zur offiziellen Linie der Komintern wurde, stellte die Sozialdemokratie als den „linken Flügel des Faschismus“ dar, der darum vorrangig zu bekämpfen war.

Ereignisse wie der „Blutmai“ von 1929, wo ein sozialdemokratischer Polizeipräsident Karl Friedrich Zörgiebel in Berlin auf eine (illegale) kommunistische Demonstration schießen ließ, verschärften die Spaltung. Die Bildung einer effektiven antifaschistischen Einheitsfront aus Kommunisten, Sozialdemokraten, freien Gewerkschaften und christlischen Arbeiterverbänden kam deshalb nicht zustande. In Deutschland wurde damit ein effektives Zusammengehen der Arbeiterorganisationen gegen die erstarkenden und mittels ihrer Sturmabteilungen (SA) gewaltsam und terroristisch gegen die Arbeiterbewegung vorgehenden Nationalsozialisten verhindert.

Oppositionelle Kommunisten wie vor allem Leo Trotzki und die mit ihm verbundene Linke Opposition der KPD, der Leninbund, die Versöhnler sowie die „Rechtsopposition“ (in Deutschland die KPO) und auch andere sozialistische Gruppen wie die SAPD und der ISK bekämpften diese Politik vergeblich.

Zwar hielt sich die von Ernst Thälmann geführte, stalinistisch gewordene KPD nicht mit Aufrufen an die SPD-Basis zurück, eine Einheitsfront zu bilden. Doch sollte dieses "Rote Einheitsfront" genannte Bündnis als "Einheitsfront von unten" (gegen die sozialdemokratischen Führer) angelegt sein. Die KPD machte den politischen Bruch der sozialdemokratischen Basisaktivisten praktisch zur Vorbedingung einer Aktionseinheit und führte damit das Prinzip der Einheitsfrontmethode ad absurdum.

Die SPD wiederum schloss sich mit den Gewerkschaften zur scharf antikommunistisch und antinationalsozialistisch ausgerichteten "Eisernen Front" zusammen.

"Reih dich ein in die Arbeitereinheitsfront ..." forderten 1934 Bertolt Brecht (Text) und Hanns Eisler (Musik) im Einheitsfrontlied. Zu diesem Zeitpunkt, nach dem Aufstieg des Faschismus in Europa, galt die "Einheitsfrontpolitik" der Komintern jedoch längst als gescheitert. Doch gelang es 1934 in Frankreich, ein Aktionsbündnis von SFIO, PCF und CGT gegen die extreme Rechte zu schmieden. Dies kündigte einen Kurswechsel in der Komintern an. ...

Heutige Bedeutung der Einheitsfront

Die "klassische" Einheitsfront ist aufs Engste mit einer spezifischen historischen Situation verbunden: nämlich mit einer Phase des Nebeneinanderexistierens von ideologisch verschiedenen linken/sozialistischen Massenorganisatonen und Parteien mit Orientierung auf die Arbeiterklasse und einer entsprechenden Basis. Mit der Marginalisierung der Kommunistischen Parteien in einigen Ländern und ihrer Entstalinisierung in anderen (bis hin zum faktischen Zusammenbruch dieser Parteien) nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Kollaps des "real existierenden Sozialismus" 1989-1991 und der Verbürgerlichung der sozialdemokratischen Parteien kann man nicht mehr von einer "klassischen" Einheitsfront sprechen. Jedoch stellt sich die Frage von Zielsetzung und Charakters von politischen Bündnissen und der Strategie zur Gewinnung von Massenverankerung - also die Anwendung der Einheitsfrontmethode - bei revolutionär-sozialistischen Gruppen auch in der heutigen politischen Praxis.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Einheitsfront

Georgi Dimitroff: Die Offensive des Faschismus und die Aufgaben der Kommunistischen Internationale

Die Einheitsfront

Text: Bertolt Brecht
Musik: Hanns Eisler

Und weil der Mensch ein Mensch ist, drum braucht er was zum Essen, bitte sehr!
Es macht ihn ein Geschwätz nicht satt, das schafft kein Essen her.

Drum links, zwei, drei! Drum links, zwei, drei!
Wo dein Platz, Genosse ist!
Reih dich ein, in die Arbeitereinheitsfront,
weil du auch ein Arbeiter bist.

Und weil der Mensch ein Mensch ist, drum braucht er auch Kleider und Schuh!
Es macht ihn ein Geschwätz nicht warm und auch kein Trommeln dazu!

Drum links, zwei, drei! ...

Und weil der Mensch ein Mensch ist, drum hat er Stiefel im Gesicht nicht gern!
Er will unter sich keinen Sklaven sehn und über sich keinen Herrn.

Drum links, zwei, drei! ...

Und weil der Prolet ein Prolet ist, drum wird ihn kein anderer befrein. Es kann die Befreiung der Arbeiter nur das Werk der Arbeiter sein.

Drum links, zwei, drei! ...


Volkseigentum

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« Antwort #58 am: 07:15:59 Mo. 19.Mai 2008 »
Zitat
Original von Nestor
Da müssen Paraden her, welche die Arbeiterklasse repräsentieren.

:rolleyes::rolleyes::rolleyes:
Die zweite Welle des Sozialismus ist im Anrollen.

Wilddieb Stuelpner

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Kritiker des Marxismus
« Antwort #59 am: 08:46:30 Mo. 19.Mai 2008 »
Volkseigentum,

du zweifelst an der Vorstellung von demonstrierenden Arbeiterkampflieder singenden und Arbeiterlosungen rufenden Anarchisten und Punks mit Mainelke im Knopfloch und schwenkenden Arbeiterfahnen?

Dann sind wir mindestens schon zwei!

Nestor scheint die Veranstaltungen zu verwechseln:

Love-Parade, wilde Schlägereien und Krawallorgien von Hooligans und radikalen, vermummten Autonomen mit 1.-Mai-Demo bzw. Betriebsstreiks.