Autor Thema: pillen für Kinder  (Gelesen 8507 mal)

scalpell

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pillen für Kinder
« am: 23:37:39 Di. 10.Juli 2007 »
Ritalin: Koks für Kinder

Umstrittenes Medikament gegen das Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätssyndrom

„Koks für Kinder" so warnte die Zeitschrift FOCUS vor dem Missbrauch des Amphetaminderivates Methylphenidat, bekannt als Ritalin ®. Mehr als 70.000 Kinder zwischen sechs und achtzehn Jahren nehmen in Deutschland das nicht ganz unumstrittene Medikament gegen das " Aufmerksamkeitsdefizit/ Hyperaktivitätssyndrom“ (ADHS) ein. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung will reagieren und die Verschreibungsbestimmungen verschärfen. In Amerika ist das "Kinderkoks" bereits ein großer Hit. Für drei bis 15 Dollar wechselt eine Tablette den Besitzer. Die Dröhnung setzt ab 80 mg ein, dies entspricht einer doppelten Tagesdosis bei ADHS.

Die weltweite Produktion von Ritalin stieg von weniger als 3 Tonnen im Jahr 1990 auf mehr als zehn Tonnen im Jahr 1995, Tendenz steigend. In den USA werden 90% der Ritalin ® Tabletten verbraucht. Aber auch in Deutschland steigt die Nachfrage nach diesem Stimulans kontinuierlich. Seit 1994 hat sich der Verbrauch mehr als verzehnfacht. Ritalin wird in Drogenkreisen als "Ersatz-Speed" gehandelt.

Im Suchtbericht Deutschland 1999 wird "Psychostimulanzien" wie Methylphenidat, die eine Veränderung der Verarbeitungsprozesse im Zentralnervensystem bewirken, bescheinigt, bei oraler Einnahme "keine körperliche, jedoch eine ausgeprägte psychische Abhängigkeit zu verursachen". „Schon nach kurz andauernder Einnahme können psychotische Zustände mit vor allem optischen Halluzinationen und wahnhaftem Erleben auftauchen“.

Was ist drin?

Eine Tablette enthält 10 mg MethylphenidatSzenenamen

Der internationale Handelsname lautet Ritalin ®

Wie wird konsumiert?

Zur Verwendung als Rauschdroge werden Tabletten zumeist oral eingenommen oder auch pulverisiert durch die Nase geschnieft. Einige Abhängige lösen die Tabletten in Wasser auf und spritzen sie sich. Normalerweise entstehen Schwierigkeiten durch die unlöslichen Füllmittel der Tablette. Diese Füllmittel verstopfen kleine Blutgefäße und verursachen ernsthafte Schäden in der Lunge und der Augennetzhaut. Zur Fremdanamnese sollten die Eltern nach Auffälligkeiten befragt werden.

Folgende Symptome sind Indizien für einen Amphetaminmissbrauch:
- Schlafstörungen
- Gereiztheit
- Erregungszustände
- Appetitmangel
- Schwindelgefühl

Oft weisen sie Konsumenten starke Persönlichkeitsveränderungen auf. An körperlichen Symptomen treten Tremor, Kopfschmerzen, Durchfälle und Tachykardien auf. Der Hersteller warnt im Beipackzettel seines Produktes vor einem "psychischen Abhängigkeitspotential bei nicht bestimmungsmäßigem Gebrauch".
Es ist nicht auszuschließen, dass die Tabletten zum Missbrauch aus dem Ausland oder über das Internet bezogen werden. Die Dosis macht das Gift zum (Rausch)Gift. In diesem Fall der Missbrauch einer an sich sicheren Substanz.

Was wird empfunden?

Methylphenidat wirkt als Analeptikum, es steigert bei missbräuchlicher Anwendung die Aufmerksamkeit und den Wachheitsgrad des Konsumenten. Bei Betroffenen, die unter ADHS leiden, wirkt es beruhigend. Selbstverständlich konsumieren Patienten mit dem Aufmerksamkeitsdefizitssyndrom nicht als Droge, sondern als Medikament!

Wie wirkt es?

Die Wirkdauer beträgt etwa 1bis 4 Stunden. Bei oraler oder intravenöser Applikation wird der Transportmechanismus des Neurotransmitters Dopamin blockiert, wodurch die Dopaminkonzentration im Gehirn ansteigt. Nach der intravenösen Applikation steigt die Dopaminkonzentration innerhalb weniger Minuten, bei oraler Einnahme dauert es circa 1 Stunde, bis die volle Wirkung erreicht ist.

Wie alle Amphetamine wirkt auch Methylphenidat auf die Freisetzung des Stresshormons Adrenalin. Bei parenteraler Injektion in Venen, Arterien oder im paravenösen Gebiet kommt es zu einer starken Vasokonstriktion mit nachfolgender Nekrose. Manchmal muss der Konsument dies mit dem Verlust von Extremitäten bezahlen. 

Wie gefährlich ist es?

Bei missbräuchlicher Anwendung ist die Gefahr einer Überdosierung groß. Außerdem besteht bei der intravenösen Gabe von aufgelösten Tabletten eine zusätzliche Gefahr durch Hilfsststoffe.

Ein 36-jähriger Patient löste vier Tabletten mit je 10 mg Methylphenidat in Wasser und injizierte die Lösung in die rechte Arteria radialis. Die nicht invasive angiologische Diagnostik ergab in der Klinik eine unauffällige Perfusion der Arteria radialis und ulnaris, jedoch eine schwere Perfusionsstörung der Fingerarterien der rechten Hand. Trotz intraarterieller Lyse mit Urokinase, anschließender Vollheparinisierung und applizierten Prostaglandininfusionen kam es zu Nekrosen im Bereich der Mittel- und Endglieder dreier Finger; nach Teilamputation der Finger war die Wundheilung unkompliziert.

Was kann passieren?

Nervensystem : Zittern, Unruhe· Schlaflosigkeit· Depressionen
Psyche: psychische Abhängigkeit (?)
Augen : Erweiterung der Pupillen
Herz: Tachykarde Herzrhythmusstörungen
Kreislauf: Hypertonie
Körpertemperatur: leichte Erhöhung
Magen-Darm: Appetitminderung, Gewichtsverlust· Gastritis

Ist es legal?

Die Substanz ist als Arzneimittel eingestuft und unterliegt der Betäubungsmittelverschreibungsverordnung. Der Konsument, der den Wirkstoff als Droge missbraucht, verstößt gegen das Betäubungsmittelgesetz(Matthias Bastigkeit, Fachdozent für Pharmakologie, medizin.de)

Quelle: http://www.medizin.de/gesundheit/deutsch/2886.htm

und noch ein weiterer aufschlussreicher Link dazu

http://www.das-gesundheitsportal.com/sites/ritalin.html

Anmerkung: Also ich würde es verhindern dass man meinem Kind solch ein Zeug verabreicht da ich weiß was Betäubungsmittel anrichten können.

Scalpell 8)
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UnchainedRage

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Koks für Kid´s
« Antwort #1 am: 11:05:11 Mi. 11.Juli 2007 »
man, ich kenne ein paar leute, deren eltern wurde empfohlen (was der arzt sagt wird stimmen nimmt man an) dass sie ihren kindern dass zeug reinhaun.
einige haben starke persönliche schäden davongetragen, dass zeug is so ne sauerei.
immer wieder berichte wo sich leute nach jahrelangem ritalinkonsum dass leben nehmen.
zeit dass das zeug endlich wegkommt!

scalpell

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Koks für Kid´s
« Antwort #2 am: 17:06:08 Mi. 11.Juli 2007 »
Pillen gegen Depressionen

20. April 1999: Zwei Schüler richten an der Columbine High School in Littleton, (Colorado) ein Blutbad unter ihren Mitschülern an. Einer von ihnen nahm die Psychopille Luvox, weil er Depressionen hatte.

21. Mai 1998: Kip Kinkel erschießt wahllos Mitschüler an einer Schule in Springfield, Oregon. Er nahm Prozac, eines der verbreitetsten Antidepressiva.

24. März 1998: Ein elf  und ein 13jähriger Junge täuschen einen Feueralarm in ihrer Schule in Jonesboro, Arkansas, vor und schießen dann in die aus dem Gebäude strömende Menge. Ein Lehrer und vier Schüler sterben, elf weitere werden verletzt. Mindestens einer der jugendlichen Amokläufer wurde zuvor mit pharmazeutischen Mitteln gegen gewalttätiges Verhalten 'behandelt'.

22. November 1996: Der Teenager Julie Meade wird von fünf Polizisten durch mindestens zehn Schüsse getötet. Das Girl besaß eine Waffe und schrie, man solle sie töten, sonst würde sie sich selbst und andere umbringen. Julie Meade war ein ganz normales Mädchen, das sich gerade für den College-Eintritt vorbereitete. Sie nahm über vier Jahre lang die Psychopille Prozac. Obwohl in den Massenmedien jedes kleinste Detail über diese Blutbäder ausgeschlachtet wurde, vernahm man seltsamerweise nicht ein Wort über die involvierten Psychopharmaka.

Bedenkliche Tendenzen in Europa

Weshalb psychoaktive Medikamente in den USA einen solchen Boom erleben, hat mit dem amerikanischen Gesundheitssystem zu tun:
Über 90 Prozent der Leute sind in sogenannten 'Managed Care'-Systemen versichert, wo stark auf die Kosten geachtet wird. Mit anderen Worten: Die persönliche Betreuung durch Therapeuten wird durch die Einnahme von Psychopharmaka ersetzt. Psychotherapeutische Behandlung wird von den Kassen nicht bezahlt, Ritalm schon. Aus diesem Grund sind in den USA die Ausgaben für psychiatrische Behandlungen um 80 Prozent gesunken.

Der amerikanische Kinderarzt, Familientherapeut und Ritalin-Kritiker Lawrence Diller: „Es fällt uns so viel leichter, bei einem Kind eine Störung festzustellen und ihm Tabletten zu geben, als auf seine Bedürfnisse einzugehen."
Dies ist eine äußerst kurzsichtige 'Gesundheitspolitik', wo nur kurzfristig Kosten eingespart werden. Welche Belastungen - nicht nur finanzielle - es langfristig aber mit sich bringt, wenn immer größere Bevölkerungsschichten abhängig werden von chemischen Drogen - schönfärberisch 'Medikamente' genannt -, kann niemand so richtig voraussagen.

Wie so viele andere 'Segnungen' des modernen Amerika schwappt nun auch diese verantwortungslose Gesundheitspolitik nach Europa. Bereits warnen auch bei uns Kinderpsychiater vor der steigenden Tendenz, menschliche Betreuung durch chemische Pillen zu ersetzen. So hat sich der Absatz von Ritalin in der Schweiz in den letzten fünf Jahren verdoppelt.
Deshalb liegt es nun an uns verantwortungsbewußten Eltern, diese Entwicklung einzudämmen, bevor viele Mitmenschen in eine Abhängigkeit geraten und psychisch erst recht geschwächt werden, wie das in den USA bereits der Fall ist.
Quelle: http://www.tolzin.de/ritalin/

Ob die Amokläufe an Deutschlands Schulen die in den letzten Jahren stattgefunden haben darauf zurückzuführen sind???? Und wo ist unsere Drogenbeauftragte die immer so tolle Präventivmaßnahmen auf Lager hat??
scalpell  8o3
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geschfreak

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Koks für Kid´s
« Antwort #3 am: 14:26:33 Do. 12.Juli 2007 »
Die Behandlung mit Pillen kommt den KK billiger als eine fundierte psychotherapeutische Behandlung, die bei verhaltensauffälligen Kindern dringend erforderlich ist. Über die Folgen einer medikamentösen Behandlung macht man sich da leider keine Gedanken, da man bei den KK absolut kurz denkt!
MFG

geschfreak

Lukas

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Koks für Kid´s
« Antwort #4 am: 20:00:57 Do. 12.Juli 2007 »
Zitat
Original von geschfreak
Die Behandlung mit Pillen kommt den KK billiger als eine fundierte psychotherapeutische Behandlung, die bei verhaltensauffälligen Kindern dringend erforderlich ist. Über die Folgen einer medikamentösen Behandlung macht man sich da leider keine Gedanken, da man bei den KK absolut kurz denkt!


Da geb ich dir vollens Recht, aber hier ist es nicht nur die KKH. Denn es sind alle Kassen die sich auf die Hinterbeine stellen. Die Kassen sollten sich lieber zusammenschliesen und man könnte die Gelder dann für die Padienten nützen. Das währe ohnehin viel angebrachter. Jedes Jahr werden unmengen von Geldern rausgeschmissen, das die Herrschaften sich neue Bürogebäude erbauen können. Aber für was, das die Padienten auf der Strecke bleiben, die zu Bsp. kein Geld haben.

geschfreak

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Koks für Kid´s
« Antwort #5 am: 20:14:42 Do. 12.Juli 2007 »
Zitat
Original von Lukas
Zitat
Original von geschfreak
Die Behandlung mit Pillen kommt den KK billiger als eine fundierte psychotherapeutische Behandlung, die bei verhaltensauffälligen Kindern dringend erforderlich ist. Über die Folgen einer medikamentösen Behandlung macht man sich da leider keine Gedanken, da man bei den KK absolut kurz denkt!


Da geb ich dir vollens Recht, aber hier ist es nicht nur die KKH. Denn es sind alle Kassen die sich auf die Hinterbeine stellen. Die Kassen sollten sich lieber zusammenschliesen und man könnte die Gelder dann für die Padienten nützen. Das währe ohnehin viel angebrachter. Jedes Jahr werden unmengen von Geldern rausgeschmissen, das die Herrschaften sich neue Bürogebäude erbauen können. Aber für was, das die Padienten auf der Strecke bleiben, die zu Bsp. kein Geld haben.

Ja, da gebe ich Dir Recht. Ich bin für eine Einheitskasse in der GKV. Wir brauchen nicht über hundert verschiedene gesetzl. Kassen in D.
MFG

geschfreak

scalpell

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Leere Couch, volle Pillendose
« Antwort #6 am: 08:03:26 Di. 25.März 2008 »
Leere Couch, volle Pillendose

Das berühmte Antidepressivum Prozac und sein Nachfolger, Prozac II

Durch die hemmungslose Marketingstrategie des Unternehmens Eli Lilly & Co. ist Prozac weit über den Status eines bloßen Medikaments hinausgewachsen. Es ist in den Augen der Amerikaner zum Symbol ihrer tiefsten und unschuldigsten Sehnsucht geworden: der Sehnsucht, sich besser zu fühlen. Jetzt sind Studien erschienen, die zeigen, dass oft das Gegenteil geschieht.

"Dear America, your children are so sad." Kim Fowley

Prozac liegt im Schnittpunkt von zwei typisch amerikanischen Urzwängen: dem Druck, etwas zu verkaufen und dem, schnell alles klar zu machen. 28 Millionen Amerikaner (weltweit 38 Millionen Menschen) haben diese kleine grünbeigefarbene Pille genommen ohne von Spätfolgen oder Erbschäden zu wissen. Wenn ein Manager sich abends ausgebrannt fühlte, schluckte er Prozac. Wenn seine Kinder Angst hatten, in die Schule zu gehen, bekamen sie Prozac. Und wenn sein Hund traurig in den Regen blickte, wurde ihm pulverisiertes Prozac ins Futter gemischt. Anmerkung: Sagar der Hund mußte den Dreck noch schlucken

Prozac war ein Kultmedikament, dem Zeitschriften ganze Titelgeschichten widmeten. Zu einem wahren Objekt der Begierde wurde die Pille, als sich herumsprach, dass sie sogar die Fettsucht günstig zu beeinflussen vermöge. Im Vergleich zu den extremen Suchtrisiken von Benzodiazepinen, bekannt als Tranquilizer (Valium, Mogadan oder Rohpynol) und den bösen Nebenwirkungen vieler Neuroleptika und Antidepressiva schien endlich eine arglose Glückspille aufgetaucht zu sein. Nachdem Anfang der neunziger eine Prozac-Euphoriewelle durch das Land ging, ist die Wirk-und Wunderkraft der kleinen Kapsel jedoch heute, dreizehn Jahre nach ihrem ersten Einsatz, mit einer Menge Fragezeichen und vielen traurigen Erfahrungen verquickt.

Da war die Geschichte von Joseph Wesbacker. Ein Journalist, depressiv und suzizidgefährdet, der unter dem Einfluss von Prozac einen Wutanfall bekam, loszog und in Kentucky mit einer 47er Magnum acht Menschen und schließlich sich selbst niedermähte. Klagen gegen Eli Lilly (eine Name wie aus einem Märchen mit Feen und Elfen) wurden erhoben und da das Unternehmen sich keinen Skandal leisten wollte, wurden die Kläger mit Summen abgefunden, welche, betrachtet man den Prozac-Jahresumsatz von über zwei Milliarden Dollar, sicher beiden Seiten finanziell nicht geschadet haben. Etwa 200 ähnliche Klagen gab es , fast alle wurden im Vorfeld unterdrückt. Der Psychiater Joseph Glenmullen von der Harvard Medical School erzählt in seinem Buch Prozac Backlash ausführlich von der dunklen Seite Prozacs. Er hat Geschichten wie die von Wesbacker recherchiert und er warnt sein Land vor dem trügerischen Glücksboten.

Glenmullen hat bei Patienten, die Prozac oder ähnliche Medikamente wie Zoloft oder Paxil nehmen, schwere Nebenwirkungen beobachtet, die man sonst nur von Tranquilizern kennt und deren Auftreten bis jetzt fast vollkommen verschwiegen wurde. Bei längerer Einnahme verlieren viele Prozacjunkies wieder von ihrer erworbenen Strahlkraft. Oft kaufen sie das sichere Lächeln zum Preis von Angstzuständen, manischen Tics, Spasmen und Zitteranfällen die, je nach Dosierung, so stark sein können, dass die Patienten keinen Löffel mehr halten können. Doch die dramatischste Nebenwirkung ist der wachsende Drang zu Gewalt und Selbstmord.

Forscher vom Jefferson Medical College in Philadelphia haben kürzlich feststellen müssen, dass Gehirnzellen von Ratten sich verändern, wenn sie hohe Dosen Prozac bekommen. In manchen Fällen schrumpften die Zellen, welkten oder nahmen Korkenzieherähnliche Formen an. Obwohl man nicht weiß, wie sich diese Veränderungen medizinisch auswirken, zeigt die Studie, dass Prozac nicht bedenkenlos über einen längeren Zeitraum hinweg verschrieben werden sollte.

Fluoxetin wurde 1972 von Wissenschaftlern der Eli Lilly & Co. entdeckt. Der Wirkstoff, der in Deutschland unter dem Namen Fluctin gehandelt wird, war auch für viele Depressive in Deutschland ein Weg, das schwarze Loch ein wenig heller zu machen. Er ist ein hochspezifischer Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Man glaubt zu wissen, dass Serotonin unseren Schlaf-Wach-Rhythmus mitreguliert und beim Lernen, Erinnern, Wahrnehmen und Schmerzempfinden eine Rolle spielt. Serotonin steckt im Nervensystem, im Verdauungstrakt und im Blut. Indem man den Serotoninspiegel im Gehirn anhebt, hofft man auch die Stimmung des Patienten zu heben. Auf die Wiederaufnahme anderer Neurotransmitter hat Fluoxetin keinen oder nur einen minimalen Einfluß. Der Steady-state wird ca. 30 Tage nach Beginn der Therapie erreicht.

Jeder Zehnte erkrankt einmal im Leben an Depression. Die Seelenfinsternis kann schon bei dreijährigen Kindern auftreten. Und sie ist nicht nur ein Problem entfremdeter und gelangweilter Großstadtmenschen. Nach Daten der Weltgesundheitsorganisation WHO steht sie in Industrieländern an zweiter, in der Dritten Welt immerhin an vierter Stelle der gesamten Krankheitslast. Eine schwere Depression ist lebensgefährlich. Es wird geschätzt, dass sich etwa 10 bis 15 Prozent der Erkrankten umbringen. Bei Menschen unter 40 ist Selbstmord die zweithäufigste Todesursache. Gerade in ihrer erschreckenden Vielfalt gibt die Depression immer wieder Rätsel auf. Man rechnet damit in zehn Jahren mindestens zehn verschiedene Arten von Depressionen zu kennen. Langsam werden auch ihre Ursprünge klarer. Zum Beispiel weiß man, dass die Gene eine Rolle spielen. Leidet ein eineiiger Zwilling an Depression, so besteht eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent, dass sein Geschwister auch krank wird. Im Dschungel der Therapien und Medikamente gibt es unter den Erkrankten ebensoviel Hoffnung wie Verwirrung. Im Netz tauschen Kranke zum Beispiel Erfahrungen aus, die sie zum Beispiel mit dem Prozac-Wirkstoff gemacht haben und versuchen, sich gegenseitig Ratschläge zu geben.

Hallo Robi! Ich hab ca. 8 Monate Fluctin genommen und es hat super geholfen. Täglich eine Kapsel und später dann zwei. Die Depris sind dadurch fast verschwunden und ich konnte ein normales Leben führen. Habe das Medi aber abgesetzt, weil ich dadurch vollkommen gefühlskalt geworden bin. Konnte weder lachen noch weinen und der Sex war auch nicht mehr doll bzw. fast weg.

Noch letztes Jahr wurde Prozac vom Fortune magazine zu einem der "Produkte des Jahrhunderts" gekürt, neben illustren Größen wie Radio, Fernsehen, Penicillin, und dem World Wide Web. Gerade entsteht ein Hollywoodfilm mit der kleinen Pille als Held. "Prozac Nation" ist die Verfilmung eines Romans von Elisabeth Wurtzel: Eine Harvard Studentin und ehrgeizige Journalistin verzweifelt am Leben und dreht komplett durch - bis sie Prozac bekommt. Unter dem etwas saloppen Domainnamen Ihatemyselfandwanttodie.com finden sich Produktionsnotizen zum Film. Hauptdarstellerin und Koproduzentin ist Christina Ricci, eine Schauspielerin, die es bisher fast immer geschafft hat, in den richtigen Filmen aufzutauchen.
 
Letzte Woche verkündete Eli Lilly, dass es die Genehmigung der FDA bekommen habe, Prozac unter einem zusätzlichen zweiten Namen zu vermarkten. Als Sarafem soll der gleiche Wirkstoff gegen eine neuentdeckte Form des PMS, des Prämenstruellen Syndroms verschrieben werden. Das sogenannte PMDD, "Pre-Menstrual Dysphoria Disorder", ist eine extreme Form der zyklisch bedingten Depression vor der Menstruation. Lässt man beiseite, dass es Ärzte gibt, die bezweifeln, dass diese extreme Verstörtheit als Krankheitsbild wirklich existiert und lässt man ebenso beiseite, dass es Geisteswissenschaftler gibt, die das PMDD für den Selbstmord der Dichterin Sylvia Plath verantwortlich machen, dann bleibt eigentlich nur die Tatsache übrig, dass Lilly eine "brand extension", eine Markenerweiterung gelungen ist, mit deren Hilfe das Unternehmen in Zukunft noch mehr Pillen verkaufen wird

Laut Glenmullens Buch "Prozac Backlash" müssten im Gegenteil 75 Prozent aller Amerikaner, die Prozac nehmen sofort damit aufhören oder zumindest die Dosis stark reduzieren. Zu der Verschleierungspolitik des Konzerns Eli Lilly, wegen der die Gefahren so lange totgeschwiegen wurden, sagt er:

"Lillys Anstrengungen alle Ärzte, Wissenschaftler und Journalisten vom Platz zu fegen die über Prozac diskutieren wollten, ist eines der schändlichsten Kapitel in der Geschichte der amerikanischen Unternehmenskultur."

Glenmullen steht mit seiner Kritik nicht allein und es ist ein seltsamer Zufall, dass diese Kritik gerade jetzt aufkommt, zu einem Zeitpunkt nämlich, an dem das alte Patent für Prozac ausläuft. Prozac II, das wahrscheinlich 2002 auf den Markt kommt, wird ganz anders, verspricht das Unternehmen: keine Angstzustände, keine Selbstmordgefahr. Absurderweise leugnet Eli Lilly weiterhin, dass es diese Nebenwirkungen überhaupt gab. Das Szenario ist ganz und gar Amerika: Derjenige der als erster auf die prozacimmanente Suizidgefahr aufmerksam machte, war Harvard Psychiater Dr.Martin Teicher. Er ist nun der Mann, der - zusammen mit dem Pharmakonzern Sepracor - das neue Prozac entwickelt hat. Lilly zahlte an Teicher und Sepracor 90 Millionen Dollar für die exklusiven Rechte an Prozac II, sowie jährliche Tantiemen von 200 Millionen, wenn das neue Prozac soviel Gewinn einschiebt wie das alte. Dann können Amerikas Kinder wieder glücklich sein.

Hier geht es nur um und sonst um NICHTS !!!
scalpell 8)
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scalpell

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Vermehrte Verordnung von Neuroleptika an Kinder
« Antwort #7 am: 05:12:48 Sa. 13.September 2008 »
Rosa Pillen für Kinder

2. September 2008
Neuere Untersuchungen aus den Vereinigten Staaten, England und den Niederlanden zeugen von einem drastischen Anstieg der Verschreibungen von Neuroleptika für Kinder. Diese auch als Antipsychotika bezeichneten Substanzen wendet der Psychiater vor allem gegen Symptome wie Wahnvorstellungen, Halluzinationen oder andere Zeichen einer Schizophrenie an. Nichts spricht aber dafür, dass Erkrankungen dieser Art bei Kindern zugenommen hätten. Dennoch erhielten vor allem jüngere Schulkinder in England im Jahr 2005 drei Mal so viele Neuroleptika wie 1992, ähnliche Beobachtungen gibt es aus den Niederlanden. Noch höhere Steigerungsraten, nämlich auf das Sechsfache, haben die Vereinigten Staaten zu verzeichnen.

Die gleiche Entwicklung lässt sich derzeit in Ansätzen auch in Deutschland beobachten. Das zeigt eine Zufallsstichprobe der AOK Hessen, bei der die Verordnung von Medikamenten an 65 882 Kinder im Jahr 2000 mit der an 56 181 Kinder im Jahr 2006 verglichen wurde. Die Zahl der mit Neuroleptika behandelten Kinder und Jugendlichen hat in diesem Zeitraum um gut ein Drittel zugenommen. Besonders betroffen ist die Altersgruppe von zehn bis vierzehn Jahren.

Verschreibungen steigen stärker als passende Diagnosen
Wie Ingrid Schubert von der PMV-Forschungsgruppe an der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Köln in einem Gespräch erläuterte, muss dieser Anstieg zwar relativiert werden, denn absolut gesehen geht es nur um verhältnismäßig wenige Kinder - eine Zunahme von 27 auf 105. Wie schnell sich die Situation ändern kann, zeigt sich aber am Beispiel von Stimulanzien wie dem Ritalin, das gegen das ADHS- oder Zappelphilip-Syndrom wirkt. Anfangs nur bei wenigen Kindern angewendet, werden sie heute etwa zwei bis drei Prozent der Zehn- bis Vierzehnjährigen verordnet.

Noch kann man nicht sicher sagen, für welche Störungen die Antipsychotika überhaupt vergeben wurden. Jedenfalls sind in diesem Zeitraum die Schizophreniediagnosen auch hierzulande nicht angestiegen. Auffällig ist ebenfalls, dass vor allem die neueren Neuroleptika häufiger verordnet werden. Für Kinder ist von dieser jüngeren Substanzklasse antipsychotischer Medikamente einzig das Risperidon zugelassen, das vor allem - bei zweifelhafter Wirksamkeit - Demenzkranken zum Abbau aggressiver Spannungen verschrieben wird. Die Zulassung bei Kindern beschränkt sich auf Verhaltensauffälligkeiten, die mit einer Intelligenzminderung einhergehen. Zwar wurden 2005 mehr Verhaltens- und Entwicklungsstörungen diagnostiziert, aber ohne Intelligenzminderung. Der Anstieg der Verordnungen ist also nicht gedeckt von einem Anstieg dazu passender Diagnosen.

Risiken nicht genügend unersucht

Die Beobachtungen deuteten darauf hin, dass die Verschreibung der Neuroleptika auf Störungen ausgedehnt werde, für die die Wirksamkeit der Substanzen noch nicht durch wissenschaftliche Studien geprüft sei, kommentierte Gerd Lehmkuhl, der Leiter der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität zu Köln, die Ergebnisse. Das gelte es umso mehr im Auge zu behalten, als auch die Risiken für die Kinder noch nicht genügend untersucht seien. Offenbar kommt es unter Anwendung der neueren Antipsychotika bei Kindern häufiger als bei Erwachsenen zu den gefürchteten motorischen Nebenwirkungen, die sich beispielsweise in quälender Bewegungsunruhe äußern können. Auch Gewichtszunahmen und Störungen im Zuckerhaushalt treffen die Kinder eher und schwerer, so dass teilweise schon die zusätzliche Einnahme eines Antidiabetikums erwogen wurde. Schließlich sind Veränderungen im Prolactin-Stoffwechsel zu befürchten. Aus all diesen Gründen ist mit der Anwendung auch der neueren Antipsychotika bei Kindern Vorsicht geboten, erst recht, als das Anwendungsspektrum gar nicht klar definiert zu sein scheint. Quelle

Tora Ich bin sprachlos was hier abgeht
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antonov

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Vermehrte Verordnung von Neuroleptika an Kinder
« Antwort #8 am: 06:57:14 Sa. 13.September 2008 »
das ist schon erschreckend wie viele ihre kinder mit pillen vollpumpen

das liegt wahrscheinlich daran weil immer mehr eltern keine zeit mehr für die kinder haben und kein geld um ihnen irgendwelche vereine zu finanzieren

die kinder können sich ja heutzutage nichtmal gegenseitig beschäftigen, weil es zu wenige gibt, die sind dann naturlich nicht ausgelastet und drehen frei

oder die sitzen vorm fernseher und werden da von irgendwelchen schwachsinn berieselt

und die verhältnisse in der schulbildung kommen sicher auch noch dazu

Troll

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Vermehrte Verordnung von Neuroleptika an Kinder
« Antwort #9 am: 15:44:41 Sa. 13.September 2008 »
Ist doch kein Wunder, schaut euch doch mal diese kleinen lästigen Wusler an, ohne Drogen muß man sich mit denen beschäftigen aber dagegen gibts nun was von RattioFarm.
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Re: pillen für Kinder
« Antwort #10 am: 21:05:09 Sa. 22.November 2008 »
Kinder immer öfter mit Psychopharmaka
Nach Angaben der DAK stieg in Deutschland die Zahl der mit Neuroleptika behandelten unter 15-Jährigen von 2006 auf 2007 um fast 25 Prozent. Neuroleptika sind Psychopharmaka, die bei Psychosen, Entwicklungsstörungen und Autismus eingesetzt werden. Bei den unter 20-Jährigen lag die Zunahme bei 14 Prozent.
Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

ManOfConstantSorrow

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Gefährliches Mittel gegen ADS
« Antwort #11 am: 12:04:49 Mi. 10.Dezember 2008 »


Nach einem Bericht des Fernseh-Magazins "Frontal21" steht das Medikament Strattera unter dem Verdacht, schwere Nebenwirkungen wie Herzschwäche, Hörstürze und Suizidgedanken auszulösen. Auch vier Todesfälle werden in den Zusammenhang mit der Einnahme des Medikaments gebracht. Strattera wird Kindern und Jugendlichen verabreicht, die unter ADS (Aufmerksamkeits-Defizit) leiden.
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scalpell

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Re: pillen für Kinder
« Antwort #12 am: 17:07:47 Mo. 22.Dezember 2008 »
Der Fall Dominik Moormann und das Medikament «Strattera

Aachen. Die äußerlichen Nebenwirkungen waren gar nicht mal das Schlimmste. Die Hautprobleme, die Müdigkeit, die Antriebslosigkeit. Die Weinerlichkeit, die Gereiztheit, die Appetitlosigkeit. Das Schlimmste war, sagt Ferdinand Moormann, dass Dominik von jetzt auf gleich ein anderer Mensch war.

Dominik Moormann, sieben Jahre alt, lebt mit vier Geschwistern und seinen Eltern Ferdinand und Heike im Schleidener Ortsteil Dreiborn. Er ist ein sehr aktives Kind, manchmal vielleicht ein bisschen zu aktiv, die Hausärztin diagnostiziert 2005 bei Dominik ADHS, ein sogenanntes Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom.

Ein Arzt aus Mechernich, an den Dominik überwiesen wird, verschreibt im Februar 2008 «Strattera», ein Medikament des US-Pharmakonzerns Eli Lilly. Seit Dominik Moormann «Strattera» nimmt, ist für ihn und seine Eltern nichts mehr, wie es war.

Feindseliges Verhalten

Das ZDF sendet am Dienstagabend die Reportage «Das Pharmakartell» (21 bis 21.45 Uhr), darin geht es auch um den Fall Dominik Moormann. «Laut internen Unterlagen aus dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte», sagt Christian Esser aus Monschau, einer der beiden Autoren der Reportage, «gab es 234 Verdachtsfälle von Nebenwirkungen im Zusammenhang mit Strattera seit der Einführung im Jahr 2005», darunter nach Angaben des ZDF Herzschwäche, Hörstürze und Suizidgedanken.

Alle bei Kindern und Jugendlichen. Laut der Behördenliste seien vier Kinder gestorben. Die Todesursachen: Selbstmord, Herzinfarkt, Gehirnschlag. Das jüngste Kind: drei Jahre alt.

In der Ausgabe vom 15. April 2005 rät das «arznei-telegramm», ein unabhängiger Informationsdienst für Ärzte und Apotheker, von der Behandlung mit «Strattera» ab.

Es bestünden «Sicherheitsbedenken aufgrund schwerer Leberfunktionsstörungen sowie schwerer affektiver Störungen mit aggressiver Komponente, die in der Praxis häufig vorkommen».

Dabei ist nach Recherchen dieser Zeitung dem Hersteller Eli Lilly wohl kaum der Vorwurf zu machen, nicht auf mögliche Nebenwirkungen hingewiesen zu haben; Eli-Lilly-Sprecherin Ingrid Weber sagte am Montag, dass die «Strattera»-Zulassung im September 2005 geändert worden sei.

Seit diesem Zeitpunkt werde in der Packungsbeilage unter anderem darauf hingewiesen, dass während der Behandlung mit Strattera suizidales Verhalten (zum Beispiel Suizidgedanken, Suizidversuche) und aggressives oder feindseliges Verhalten in seltenen Fällen auftreten oder sich verschlimmern kann.

Auch zahlreiche andere Nebenwirkungen sind aufgeführt. Ingrid Weber sagt: «Das Verschreiben eines Medikaments ist immer eine Nutzen-Risiko-Abwägung», die Beurteilung im einzelnen Fall obliege dem behandelnden Arzt.

«Strattera» ist für die Behandlung von ADHS zugelassen. Die Frage ist: Ab wann muss man Medikamente verordnen?

Der Bremer Pharmakologe Peter Schönhöfer, Mitherausgeber des «arznei-telegramms», hat dieser Zeitung gegenüber gesagt, dass es «eine gängige Praxis der Pharmahersteller» sei, den Umsatz von Arzneimitteln zu vergrößern, indem sie Forschungsergebnisse sogar für Anwendungsgebiete lancieren, in denen das Mittel nicht zugelassen ist.

«So steigern Pharmaunternehmen häufig mittels Indikationsausweitung die Verordnungsfrequenz und damit die Gewinne», sagte Schönhöfer. Eli Lilly ist in dieser Hinsicht mit dem Medikament «Zyprexa» auffällig geworden und musste bis 2007 in 28500 Fällen 1,2 Milliarden Dollar Schadenersatz zahlen.

Die Ärztin Christiane Fischer, Vorstandsmitglied der ärztlichen Antikorruptionsinitiative Mezis, bestätigt Peter Schönhöfers Einschätzung. Dieser Zeitung sagte sie, es sei überdies auffällig, dass die Arzneiverordnungen bezüglich ADHS «in den vergangenen 20 Jahren um mindestens das 20-fache gestiegen» seien.

Im Fall Dominik Moormann ist aber wohl nicht Eli Lilly, sondern eher dem behandelnden Arzt in Mechernich ein Vorwurf zu machen. Auf die Frage der Moormanns, welche Nebenwirkungen «Strattera» denn habe, sagt der Arzt nach Aussage der Eltern im Februar 2008: keine.

Auch als die Moormanns dem Arzt im Juni 2008 beschreiben, welche Symptome bei Dominik auftreten, seit er «Strattera» nehme, versichert der Arzt den Eltern, diese seien nicht auf «Strattera» zurückzuführen.

Seit August 2008 haben die Moormanns «Strattera» abgesetzt. Dominik ist wieder ein ganz normaler Junge, der sehr aktiv ist. Vielleicht ein bisschen zu aktiv. Die Moormanns können gut damit leben.

Quelle:     

Es wird nie etwas geschehen wenn die Menschen sich nicht endlich gegen solche Firmen und solche Ärzte zur Wehr setzen.

scalpell 8)
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scalpell

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Keine Psychologen = gutes Geschäft für die Pillenhersteller
« Antwort #13 am: 08:42:53 Do. 25.Dezember 2008 »
Ein Psychologe für mehr als zehntausend Kinder
9. Dezember 2008, 13:48 Uhr

Lernschwäche, Aggression und Gewalt: Die Probleme von Kindern an deutschen Schulen sind groß und es besteht ein enormer Handlungsbedarf. Doch professionelle Hilfe ist rar – im Durchschnitt versorgt ein Psychologe 12.500 Schüler. Psychisch auffälligen Kindern wird daher immer häufiger Psychopharmaka verabreicht.

Schon einige Wochen nach der Einschulung wollte Marie nicht mehr zur Schule gehen, konnte dem Unterricht nicht folgen, weinte, klagte über Bauchweh. „Ihre Klassenlehrerin hat früh auf eine mögliche Rechenschwäche hingewiesen und zu einem Besuch beim Schulpsychologen geraten“, erzählt ihre Mutter Doris Wegner. „Das ist jetzt ein Jahr her, meine Tochter hat die erste Klasse inzwischen wiederholt - und erst vor ein paar Tagen hat sich der Schulpsychologe endlich mal bei mir gemeldet“, sagt die verärgerte Mutter. „Er ist für ein Riesengebiet zuständig und meinte, dass er Kinder mit viel schlimmeren Problemen vorziehen musste.“ Schulpsychologen sind rar - im Durchschnitt versorgt ein Schulpsychologe 12.500 Schüler.

„Da droht eine Berufsgruppe auszusterben“, klagt Christa Schaffmann, Sprecherin des Bundesverbandes Deutscher Psychologen (BDP). Während Psychologen etwa als Berater in Unternehmen immer mehr gefragt sind, nimmt die Zahl der Schulpsychologen wegen Kürzungen im Schuletat seit Jahren ab. Zugleich steigt aber laut BDP die Zahl der Schüler mit Auffälligkeiten: Konzentrations- und Motivationsprobleme, Leistungs- und Prüfungsangst, Klassenwiederholungen, Schulabbruch, aber auch Aggression und wachsende Gewalt. Eine Studie des Robert- Koch-Instituts zufolge entwickeln 22 Prozent der Kinder und Jugendlichen psychische Auffälligkeiten.

Der Bedarf an Beratung ist groß, sagt Klaus Seifried, im BDP stellvertretender Bundesvorsitzender der Sektion Schulpsychologie. „In Deutschland können wir uns aber fast nur noch um die Problemfälle kümmern.“ Dabei bräuchte nach seiner Einschätzung eigentlich jeder Schüler Unterstützung - und auch die Lehrer, die oft schwierige Erziehungsarbeit leisteten. Deutschland ist in Europa Schlusslicht bei der Versorgung mit Schulpsychologen - und das geht zulasten von Nachwuchs und Pädagogen.

So schieden 2006 von bundesweit rund 18.000 pensionierten Lehrern 24 Prozent aus Krankheitsgründen aus, wovon die Hälfte wiederum wegen psychischer Probleme ging. Da zeigten wohl auch Probleme im Elternhaus und mangelnde moralische Orientierung der Kids ihre Folgen, meint Seifried: „Wir haben Eltern, die wenig Interesse für ihre Kinder haben oder hilflos sind - und Kinder, die schon mit zehn, elf Jahren auf der Straße streunen.“ Es gebe aber auch ehrgeizige und autoritäre Eltern, die enormen Druck auf ihre Sprösslinge ausübten, den diese dann irgendwie loswerden müssten: „Aggression und Mobbing kennen wir nicht nur aus der Hauptschule, sondern auch und gerade aus dem Elite-Gymnasium.“
Zugleich werden Kindern immer häufiger Psychopharmaka verabreicht, wie eine Studie der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Köln zeigt: 2006 erhielten mit 28.100 Kids viermal so viele Neuroleptika wie im Jahr 2000 (6800 Kinder). „Grundsätzlich wird relativ schnell mit Medikamenten interveniert, ohne sich die Zeit zu nehmen, den Hintergrund der Störung zu finden“, kritisiert Psychologe Seifried.

Die Ursache für den Schulpsychologen-Mangel erklärt Christa Schaffmann: „In den 70er Jahren gab es eine richtige Welle, es wurden viele Stellen geschaffen - diese Generation geht jetzt aber in Rente. Viele Bundesländer haben aus finanziellen Gründen die frei gewordenen Stellen nicht nachbesetzt.“ Oft sei es erst eine Katastrophe wie der Amoklauf in einer Schule im westfälischen Emsdetten 2006, die die Politik aufrüttele. Ein Jahr nach dem Amoklauf hatte Nordrhein-Westfalen eine deutliche Aufstockung der Schulpsychologen-Zahlen von 170 auf 260 beschlossen - und ist damit bundesweiter Spitzenreiter.

Der Besuch beim Schulpsychologen ist für die Eltern kostenlos, beim niedergelassenen Psychotherapeuten nicht. „Damit haben Leute mit Geld bessere Chancen, ihre Kinder unterstützten zu lassen“, bemängelt Seifried. Auch für Katrin aus Bergisch Gladbach zahlen die Eltern aus dem eigenen Portemonnaie: „Wir haben in der dritten Klasse eine Lese- Rechtschreib-Schwäche vermutet, aber monatelang vergeblich auf ein Gespräch mit dem Schulpsychologen gewartet“, sagt ihre Mutter. Katrin wiederholte die Klasse, bekam Panik vor der Schule. „Wir hatten das Warten satt und haben dann auf eigene Faust einen Experten gesucht - der war zwar teuer, aber jetzt läuft die Lerntherapie.“ Quelle:

Und wer ist wieder einmal der Gewinner bei dieser mit Sicherheit nicht unerwünschtenTatsache des Psychologenmangels??? Mam hat doch glatt die letzten Jahre vergessen einen ganzen Berufstand auszubilden. Was will man den Menschen denn noch alles für Schauermärchen erzählen damit sie schön brav ihre Pillen in sich reinschaufeln. Ein wahrhaft krankes Geschäft.
Tora
 
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Troll

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Re:pillen für Kinder
« Antwort #14 am: 10:44:31 Di. 26.November 2013 »
Zitat
Kranke Menschen oder kranke Gesellschaft?

Seit Langem wird das „Thema ADHS“ kontrovers diskutiert. Werden immer mehr Kinder in unserem Land „einfach krank“? Warum? Und was hat es damit auf sich, dass selbst der „Erfinder“ von ADHS, der amerikanische Psychiater Leon Eisenberg, nicht mehr an seine eigene Schöpfung glaubt, sondern diese „ein Paradebeispiel für eine fabrizierte Erkrankung“ nennt? Jens Wernicke sprach hierzu mit Dieter Mattner, Professor für Heil- und Sonderpädagogik im Ruhestand, der seit Längerem zum Thema arbeitet und forscht.
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Quelle: NDS


Zu viele Gewinner, "nur" die Kinder sind Verlierer, ein einkalkulierter Kollateralschaden für eine Leistungsgesellschaft in der nur noch funktioniert werden soll.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti