Autor Thema: NuSchool  (Gelesen 76239 mal)

Kuddel

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NuSchool
« Antwort #30 am: 21:05:54 Mi. 21.März 2007 »
Der Polizeieinsatz bei der Schülerdemo am 13.09.2006 in Berlin hat ein Nachspiel, für die damals Verhafteten und für die Beamten. Ein Debakel für die 23. Einsatzhundertschaft.

http://de.indymedia.org/2007/03/171500.shtml

ManOfConstantSorrow

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NuSchool
« Antwort #31 am: 16:34:34 Mo. 21.April 2008 »
21.04.08: Aus ganz Baden-Württemberg waren rund 5.000 Menschen am 19.4. nach Stuttgart gekommen, um gegen die Verschlechterungen im Bildungsbereich zu protestieren. Aufgerufen hatte der im letzten Jahr auf Initiative einer Krankenschwester gegründete Verein "Schule mit Zukunft", unterstützt von GEW und DGB.

Der Protest richtet sich gegen immer größere Klassen durch Einsparung von Lehrern, Reduzierung und teilweise Einstellung von Förderunterricht sowie Arbeitsgemeinschaften und die Folgen der achtjährigen Gymnasialstufe (G8 ), die die Schüler einem ungeheuren Leistungsdruck aussetzen.

Mehr Lehrer, Verringerung des Leistungsdrucks, Schluss mit der verschärften Auslese von Kindern aus "sozialschwachen" Familien - so einige der Forderungen.
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NuSchool
« Antwort #32 am: 09:41:01 Di. 29.April 2008 »
Schülerproteste in Frankreich

Seit drei Wochen rollt eine Protestwelle von SchülerInnen und StudentInnen durch Paris.


 An bis jetzt sieben Protesttagen gingen zwischen 20.000 und 40.000 SchülerInnen, Studierende, Eltern und LehrerInnen nach Aufruf von Lehrergewerkschaften auf die Straße. Sie protestieren gegen die von Nicolas Sarkozy geplanten Kürzungen im Bildungsbereich ab Herbst diesen Jahres.

Insgesamt sollen 11.200 Stellen an öffentlichen Schulen eingespart werden, davon wären an die 9.000 Lehrerstellen betroffen. Die SchülerInnen müssten massive Verschlechterungen im Lernklima in Kauf nehmen. Durch zu große Klassen und Kursstreichungen haben sie berechtigte Befürchtungen, weniger vorbereitet in die Berufsausbildung oder an die Universität gehen zu müssen. In sozial schwachen Vierteln sind die Klassen bereits heute meist überfüllt. Weitere Lehrerstreichungen wären hier unverantwortlich.

Die Protestierenden boykottieren an vielen Schulen den Unterricht und blockieren Straßen um auf sich aufmerksam zu machen. In bürgerlichen Zeitungen wird immer wieder darauf hingewiesen, dass es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kam. Die Polizei setzte Tränengas ein und verhaftete mehrere Demonstrierende.

Der französische Schülerverband UNL erklärte, dass sich die Teilnehmerzahlen mit jedem Protesttag verdoppeln. Es wird versucht, die Proteste auf ganz Frankreich auszuweiten. Es kam bereits in Bordeaux und Grenoble zu Demonstrationen mit 5.000 Teilnehmern. Für den heutigen 24. April ruft die UNL auf ihrer Website zu einem Frankreichweiten Protetstag auf.

Die Ausweitung der Proteste sollen den politischen Druck auf Sarkozy und das Bildungsministerium unter Xavier Darcos erhöhen, die bis jetzt jegliche Zugeständnisse ablehnen.

http://www.sozialismus.info/?sid=2629
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NuSchool
« Antwort #33 am: 13:51:40 Di. 20.Mai 2008 »
Schüler wollen am Donnerstag streiken
 
Einen berlinweiten Streik- und Protesttag plant für Donnerstag die Schüler-Initiative „Bildungsblockaden einreißen!“ Die Initiative fordert vom Senat kostenlose Bildung, die Abschaffung des mehrgliedrigen Schulsystems, kleinere Klassen und die sofortige Einstellung von 3000 Lehrern. Außerdem solle die Schulzeit bis zum Abitur wieder auf 13 Jahre verlängert werden. In den letzten Jahren beteiligten sich nach den Angaben der Initiative etwa 10 000 Schüler und Studierende an den Protesten.

„Das aktuelle Bildungssystem fördert Chancenungleichheit und soziale Ausgrenzung“, kritisiert Lee Hielscher von der Landesschülervertretung Berlin. Die Gliederung in Gymnasien, Haupt- und Realschulen beispielsweise würde sozial Schwache schon früh aussortieren. „Wir werden uns gegen sämtliche Ungerechtigkeiten des Bildungssystems wehren!“, sagte Hielscher. Start der Demonstration zum Streik und Protesttag am 22. Mai ist um 11 Uhr am Potsdamer Platz. höh


(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 20.05.2008)
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NuSchool
« Antwort #34 am: 16:45:01 Fr. 23.Mai 2008 »
Schülerdemonstration in Berlin

23.05.08 - Gestern demonstrierten in Berlin 8.000 Schüler gegen die Schulpolitik des von der SPD und der Partei "Die Linke" geführten Senats. In Berlin ist Fronleichnam kein Feiertag. Die Redner kritisierten die "angeblich linkeste Landesregierung" als Spitzenreiter bei den Kürzungen im Bildungsbereich und erklärten sich mit den Streiks im öffentlichen Dienst in der Hauptstadt solidarisch.
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NuSchool
« Antwort #35 am: 12:42:37 So. 25.Mai 2008 »
















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NuSchool
« Antwort #36 am: 14:15:14 Do. 12.Juni 2008 »
Am 12.Juni '08 werden in einigen Städten bundesweit die Schulen bestreikt!
„Bildungsmisere, PISA-Studie, G8-Gymnasium, Eliteklassen, Leistungsdruck, Stundenausfall, perspektivlose Hauptschulen, demotivierte SchülerInnen und soziale Auslese – Schlagwörter einer Krise des deutschen Schulsystems. Alles muss besser werden, soweit sind sich alle einig. Aber wie? Nach jeder Reform wird alles nur noch schlimmer, es herrscht allgemeine Ratlosigkeit. Deshalb ist es an der Zeit, dass sich endlich die Betroffenen selbst zu Wort melden: Wir Schülerinnen und Schüler! …“

 

http://bundesweiter-schulstreik.de/
http://www.jungewelt.de/2008/06-11/042.php
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NuSchool
« Antwort #37 am: 18:40:52 So. 15.Juni 2008 »
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ManOfConstantSorrow

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NuSchool
« Antwort #38 am: 11:42:00 So. 22.Juni 2008 »
Massive Randale nach Maturfeier am Eiffelturm

Paris. sda/afp/baz. Bei Maturfeiern am Eiffelturm in Paris ist es in der Nacht zum Samstag zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und der Polizei gekommen. Dabei wurden zwei Polizisten verletzt, einer davon schwer. 19 Menschen wurden festgenommen.

Die Polizisten setzten Tränengas gegen einige der jungen Leute ein, die sich auf dem Champ de Mars am Fusse des Turms zum Feiern versammelt hatten, wie die Präfektur mitteilte. Die Jugendlichen seien daraufhin in eine nahegelegen Strasse ausgewichen und hätten dort Schaufensterscheiben und Windschutzscheiben geparkter Autos eingeschlagen.

Nach Darstellung der Polizei hatten rund fünftausend Maturanden auf der Grünanlage mit alkoholischen Getränken gefeiert, als einige «Störenfriede» begannen, Flaschen auf die Ordnungshüter zu werfen. Auch einige Gymnasiasten seien angegriffen worden. Einige Schüler gaben an, sie seien bedroht worden, dabei seien ihnen MP3-Player und Mobiltelefone weggenommen worden.

http://www.baz.ch/news/index.cfm?ObjectID=A9C012AB-1422-0CEF-70D2890F204DB330
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Kuddel

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In über 30 Städten wird zum Bildungsstreik am 12. November 2008 mobilisiert
« Antwort #39 am: 18:13:24 Di. 11.November 2008 »
Zitat
Berliner ErzieherInnen-Streik geht weiter
Seit einiger Zeit streikt in Berlin ja ein teil des öffentlichen Dienstes. Mittlerweile in der angeblich längsten Tarifauseinandersetzung seit dem Bestehen der BRD. Auch die IG-Metall streikt. Doch bisher gibt es keine gemeinsamen Demos mit der IG-Metall. Vielleicht machens ja bald die Lehrer, Erzieher und Schüler gemeinsam?
http://de.indymedia.org/2008/11/232056.shtml



Die GEW ruft auch zum Streik auf!
http://www.gew-berlin.de/17882.htm
http://www.jungewelt.de/2008/11-11/029.php




Zitat
Nachrichten aus Ihrer Region: Kiel Rendsburg-Eckernförde Plön Neumünster Ostholstein Segeberg

Kiel: Erneut Bombendrohung an der Ludwig-Erhard-Schule


900 Schüler müssen Gebäude verlassen - Zwei anonyme Anrufe eingegangen
Kiel - Nach einer Bombendrohung am Dienstag gegen 8 Uhr an der Beruflichen Schule am Schützenpark hat die Polizei am Vormittag den Westring zwischen Autobahn und Hasseldieksdammer Weg gesperrt. Wie eine Polizeisprecherin mitteilte, waren zwei Anrufe im Sekretariat der Schule eingegangen. Etwa 900 Schüler mussten das Hochhaus und angrenzende kleinere Gebäude verlassen.
http://www.kn-online.de/top_news/60875_900_Schueler_muessen_Gebaeude_verlassen_Zwei_anonyme_Anrufe_eingegangen.html
"Top News" der Kieler Nachriten!?! Zu "meinen Zeiten" gehörten solche Späße zum Alltag!

Aktionsübersicht und Landkarte auf der Aktionshomepage: http://www.schulaction.org/


Kuddel

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  • Fischkopp
Re: NuSchool
« Antwort #40 am: 16:56:43 Mi. 12.November 2008 »
"Hört uns zu": Mehr als 3000 Schüler ziehen durch Kiel

Kiel - Mehrere tausend Schüler haben am Mittwochvormittag in Schleswig-Holstein für bessere Lernbedingungen demonstriert. Allein in Kiel schwänzten mehr als 3000 Schüler den Unterricht und gingen auf die Straße. „Wir fordern, dass man uns endlich zuhört“, sagte eine Sprecher der Landesschülervertretung. „Wir haben überfüllte Klassen und schlechte Ausstattung der Schulen satt.“ Nach der Auftaktkundgebung vor dem Rathaus zogen die Demonstranten mit Trillerpfeifen durch die Innenstadt Richtung Bildungsministerium und machten auf Plakaten und in Sprechchören lautstark ihrem Ärger Luft.[/b]

In Lübeck beteiligten sich laut Polizei gut 2000 Schüler an der Demonstration durch die Altstadt, in Ahrensburg (Kreis Stormarn) waren es 650. Schülervertretungen hatten bundesweit zum Unterrichtsboykott und Protesten gegen die ihrer Ansicht nach verfehlte Bildungspolitik aufgerufen. Mehrere zehntausend Schüler beteiligten sich an den Aktionen in mehr als 30 Städten.
(...)
Die Lehrergewerkschaft GEW appellierte an die Schulen, streikende Schüler nicht zu hart zu bestrafen. „Wenn junge Leute auf Missstände im Bildungssystem aufmerksam machen, ist das kein Schulschwänzen, dass mit Schulstrafen geahndet werden muss“, sagte der GEW- Landesvorsitzende Matthias Heidn.   

Troll

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Re: NuSchool
« Antwort #41 am: 17:55:57 Do. 13.November 2008 »
Zitat
Schulstreik ein voller Erfolg: Mehr als 100.000 auf der Straße

Polizei prügelt in Hannover auf Schülerinnen und Schüler ein

Von Edith Bartelmus-Scholich

In 40 deutschen Städten sind mehr als hunderttausend Schülerinnen und Schüler für ein besseres Bildungssystem während der Unterrichtszeit auf die Straße gegangen. Zu dem Schulstreik hatte das Bündnis "schulaction" aufgerufen.   Nach Angaben der Organisatoren beteiligten sich bundesweit rund 125.000 Jugendliche an den Protestaktionen. So demonstrierten etwa in Braunschweig, Bremen und Hannover jeweils rund 8500 Schüler, in Hamburg 6000. In Frankfurt am Main, Kassel und Gießen gingen insgesamt knapp 9000 Schüler auf die Straße, in Stuttgart, München und Kiel jeweils rund 5000.

Mit Blick auf den Bildungsgipfel von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Oktober erklärte Niklas Wuchenauer von der Landesschülervertretung Berlin: "Die Politiker haben wieder einmal über die Köpfe von uns Betroffenen hinweg diskutiert." Nun müssten die Schüler ihre Probleme selbst in die Hand nehmen.

Allein in Berlin protestierten rund 10.000 Schüler gegen überfüllte Klassen. In Berliner Gymnasien sind laut der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) im Durchschnitt 28 Schüler in einer Klasse. An Realschulen sind es 27, an den Grundschulen durchschnittlich 24 Kinder pro Klasse. Die Schülerinnen und Schüler fordern Klassengrößen von maximal 20 Schülern, die Abschaffung des Notendrucks und mehr Geld für Lehrmittel  sowie die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems, das sie für die soziale Spaltung mitverantwortlich machen. Die Polizei sprach von rund 8000 Demonstranten. Tausend Schülerinnen und Schüler stürmten kurzzeitig die Berliner Humboldt-Universität und warfen Bücher und Toilettenpapier aus den Fenstern. Sie verließen das Universitätsgebäude nach rund 20 Minuten wieder.

Auch in Hamburg und in Hannover kam es zu spontanen Abweichungen vom geplanten Demonstrationsablauf. Am Landtag in Hannover zeigten die Demonstrierenden  wie gut sie sich in der Stadt auskennen und umgingen einfach die Bannmeile, um der sichtlich verblüfften Polizei "in den Rücken zu fallen". Leider verhielt sich die Polizei nicht kooperativ und verprügelte nach mehrmaligen Aufforderungen den Platz vor dem Landtag zu räumen minderjährige Schülerinnen und Schüler mit Schlagstöcken. Es gab mehrere Verletzte. Kurz danach wurden Hunderte von Schülerinnen und Schülern, darunter zehnjährige Kinder, zwei Stunden auf dem Opernplatz eingekesselt.

Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Patrick Meinhardt, begrüßte die Proteste. Auch die Linke im Bundestag unterstützt den Protest. Es müsse für die Schüler "wie ein Schlag ins Gesicht wirken", wenn Bund und Länder mehrere hundert Milliarden Euro für die Rettung der Banken habe, für kleinere Klassen, mehr Lehrer und den kostenlosen Zugang zu Bildung jedoch kein Geld da sei, erklärte die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Nele Hirsch.

Edith Bartelmus-Scholich, 12.11.08

Quelle: scharf-links.de
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
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Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
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Kuddel

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Kriminalisierung von Schülerprotesten zurückweisen!
« Antwort #42 am: 18:54:55 Mo. 17.November 2008 »


In einer Pressemitteilung der "Antifaschistischen Aktion Hannover" vom 14. November heißt es dazu:


Zitat
8.500 Menschen demonstrierten am vergangenen Mittwoch in Hannover gegen die zunehmende Verschlechterung im Bildungssektor. In einer Pressemitteilung sprechen Bernd Althusmann (CDU) und Jörg Bode (FDP) davon, dass "die Schülerdemonstration offenbar von extremen politischen Gruppierungen missbraucht" wurde. Dieser Sicht der Dinge schließt sich die Berichterstattung der Donnerstagsausgaben der lokalen Presse ("Neue Presse", "Bild" und "HAZ") an und stellt die Berichterstattung über vermeintliche "Gewalt" von "Linksextremisten" und "der 'Antifa'" in den Vordergrund.

Die Antifaschistische Aktion Hannover [AAH] erklärt dazu: AntifaschistInnen und außerparlamentarische Linke beteiligten sich an der Demonstration. Hierunter auch AktivistInnen der Antifaschistischen Aktion Hannover [AAH]. Auf Höhe des Landtages kam es zu einem spontanen Ausbruch aus der Demo in Richtung Regierungsgebäude. Diese Aktion wurde von SchülerInnen und Studierenden durchgeführt, die ihrer Wut über die zunehmenden neoliberalen Umbau im Bildungssektor Luft machen wollten.

Sonja Brünzels, Sprecherin der AAH dazu: "CDU und FDP wollen politsch-unliebsame Gruppen für das symbolische Eindringen in die Bannmeile verantwortlich machen. Es soll wohl nicht sein, was nicht sein darf: Den Betroffenen ihrer Politik soll die Legitimität des Protests und ihr politisches Bewusstsein abgesprochen werden?"

Kritik übt die Antifa-Gruppe auch an der Berichterstattung der hannöverschen Presse. "Während sich die großen Zeitungen in Hannover an den Spaltungsversuchen in 'gute' und 'böse' Demonstrierende beteiligen, finden Übergriffe der Polizei auf jugendliche DemonstrationsteilnehmerInnen, wie sie von Augenzeugen geschildert werden, keine Erwähnung." Ebenfalls wird ausgeblendet, dass sich SchülerInnen und StudentInnen mit den Opfern der Polizeigewalt solidarisierten.

Die Gruppe geht davon aus, dass die momentane Presseberichterstattung vielmehr das Ziel hätte, eine Entsolidarisierung unter den SchülerInnen voranzutreiben. So wird z.B. die Distanzierung des Landesschülerrats von der Demo in Hannover verbreitet, ohne dass dieser etwas mit der Organisation der Demonstration zu tun gehabt hätte. In Richtung der DemonstrationsteilnehmerInnen sagt Brünzels abschließend: "Wir begrüßen die geschlossene Aktion als ein Zeichen des Protestes gegen die Zustände, denen Studierende und SchülerInnen tagtäglich in Universität und Schule ausgesetzt sind."

Kuddel

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Griechenland: Unis und Schulen besetzt
« Antwort #43 am: 11:45:20 Fr. 12.Dezember 2008 »
11.12.08 - Schüler und Studenten halten in Griechenland seit Beginn der Woche zahlreiche Hochschuleinrichtungen und rund hundert Schulen besetzt. Die Proteste richten sich gegen die Ermordung eines Jugendlichen durch die Polizei sowie den gesamten Staatsterror und die Regierungspolitik. In zahlreichen deutschen Städten fanden Solidaritätsdemonstrationen statt, so in Oldenburg, Düsseldorf, Konstanz, Rostock, Dortmund, Frankfurt am Main und Leipzig.

ManOfConstantSorrow

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Re: NuSchool
« Antwort #44 am: 13:40:52 Sa. 13.Dezember 2008 »
Die '68er Bewegung hatte in Frankreich seinen Ursprung als Rebellion der SchülerInnen, die auf Unversitäten und Fabriken übersprang. In Deutschland redet man nur von der Studentenrevolte und verschweigt dabei die Existzenz einer sehr aktiven Lehrlingsbewegung.

Einige sehen im Moment den Beginn einer neuen Rebellion, die sich in Europa ausbreiten wird.

Der Versuch einer Einschätzung aus der Schweiz:


Zitat
Europas enttäuschte Jugend
Seit einigen Jahren mehren sich die sozialen Proteste gerade von Jugendlichen, so waren es vornehmlich junge Menschen welche die Proteste gegen die G8- Gipfel, WEF und WTO mittrugen und es waren viele junge Leute die sich an den Protesten gegen den Krieg im Irak 2003 beteiligten. In Bern fand zu diesem Anlass mit über 10‘000 SchülerInnen gar die grösste Spontandemonstration seit den 1980er statt. Zuletzt formierte sich in Europa aber auch International eine Bewegung von StudentInnen und SchülerInnen, um gegen neoliberale Bestrebungen im Bildungswesen zu demonstrieren. Oftmals kam es zu Zusammenschlüsse von verschiedenen Gruppierungen und so war zuletzt zu beobachten, dass die Bewegung ihren Fokus merklich öffnete und sich selbst im Kontext des allgemeinen Sozialabbaus und Sparmassnahmen seitens der öffentlichen Hand zu sehen begann. So kam es zu gemeinsamen Aktionen und Demonstrationen von StudentInnen- und SchülerInnenvereinigungen mit den klassischen Gewerkschaften.

Nicht selten eskalierten solche Demonstrationen und endeten in Auseinandersetzungen mit der Polizei und es kam zu erheblichen Sachbeschädigungen. Immer wenn die Lage eskaliert, Steine flogen, Barrikaden brannten und wenn Wut und Enttäuschung in Gewalt umschlug, war die Presse und die bürgerliche Politik von links bis rechts schnell mit ihrem Urteil zur Stelle. Hirnlose „Chaoten“ seien da am Werk und handelten in reiner Zerstörungswut ohne Ziel, ohne Hemmungen und letztlich ohne Grund. Sicherlich ist dies aber nicht die ganze Wahrheit und hinter solchen Aussagen steckt eher das nicht eingestehen wollen, der eigenen Fehler. Denn Unruhen und Krawalle als eine Reaktion unbelehrbarer Spasskrawallanten abzutun, ist verständlicherweise einfacher, als diese als Folge von sozialen und gesellschaftlichen Missständen zu betrachten, an denen die Generation der politischen Elite - also sie selbst - massgeblich mitschuldig sind.

Gerade mit der Finanzkrise und dem damit verbundenen Scheitern des neoliberalen Kapitalismus als ganzes und der nun drohenden Rezession dürften die sozialen Konflikte immer deutlicher aufbrechen. Gerade weil auch immer grössere Teile der Gesellschaft von den negativen Auswirkungen betroffen sein werden. Milliardenbeträge wurden in den letzten Monaten von den staatlichen Regierungen den maroden Banken und Industriebetriebe zugesteckt, nicht selten soll nun auf dem Buckel der Bildung ein Teil dessen eingespart werden, was da zur Rettung des Systems investiert wurde. Ein System das eigentlich am Ende ist und einzig, um das eigene Scheitern nicht eingestehen zu müssen, am Leben gehalten wird. Jedenfalls, die Ereignisse haben Kontinuität – hier ein Versuch die Situation zu beleuchten.

Die Banlieue brennt 2005 – Paris brennt 2006
Ende 2005 erhob sich in den Vororten von Paris und anderen französischen Grossstädten jugendliche MigrantInnen. Nacht für Nacht versammelten sie Jugendliche in den Strassen, lieferten sich Strassenschlachten mit der Polizei, setzten Autos, öffentliche wie private Gebäude und ganze Bussdepots in Brand. Auslöser für die Ausschreitungen war auch damals wie heute in Athen ein toter Jugendlicher nach einem Polizeieinsatz gewesen. Über die tieferen Ursachen der Revolte wurde viel geschrieben. Allgemein anerkannt wurde, dass die Marginalisierung der BewohnerInnen der Banlieue ausgelöst durch tief verwurzelte Rassismen innerhalb der Gesellschaft, die Perspektivelosigkeit auf dem Arbeitsmarkt und die komplette Ausgrenzung aus der französischen Gesellschaft massgeblich für die Krawalle verantwortlich seien. Die Unruhen rüttelten tief am französischen Selbstverständnis der gelungenen Integration und die Regierung versprach Besserung. Der damalige Krisenmanager Sarkozy ist mittlerweile französischer Staatspräsident und oberster Feuerwehrmann in der Bekämpfung der Finanz- und Wirtschaftskrise, in den Vorstädten hat sich aber bis heute nichts geändert.

Einige Monate später im März 2006 erneut ähnlich Bilder in Paris, nur hat sich diesmal der Schauplatz der Krawalle von den Vorstädten in das Zentrum verlagert. Auslöser diesmal der Erstanstellungsvertrag für UniversitätsabgängerInnen (CPE Contrat Premier Embauche), welcher nach den Plänen von Jacques Chirac im Zuge einer Gesetzesänderung für mehr Chancengleichheit neu ausgestaltet werden sollte. Stein des Anstosses war die Streichung des Kündigungsschutzes bei Erstanstellungen. Diese Prekarisierung per Gesetz sollte in erster Linie den Jugendlichen aus den Vorstädten den Einstieg in die Berufswelt vereinfachen. Im ganzen Land wurden als Reaktion Schulen und Universitäten besetzt, darunter auch die altehrwürdige Sorbonne im Zentrum von Paris, in deren Nebenstrassen heftige Zusammenstösse mit der Polizei stattfanden, als diese versuchte das Universitätsgebäude zu räumen – was ihnen schliesslich auch gelang. Tagelang flammten die Zusammenstösse auf, Hundertausende StudentInnen und SchülerInnen demonstrierten unterstütz von den Gewerkschaften und der oppositionellen und radikalen Linken Land auf Land ab gegen den CPE, bis am 7. April 2006 die Regierung schliesslich nachgab und die Pläne zurück zog.

Bildungsproteste quer durch Europa
Seither haben sich quer durch Europa die Proteste von SchülerInnen und StudentInnen wie ein Flächenbrand ausgeweitet und es scheint fast, dass sie sich mit dem Ausbrechen der Finanzkrise noch verstärkt haben. Konkrete Auslöser der Proteste waren die Einführung von Studiengebühren, die Umsetzung der Bolognareform, Privatisierungstendenzen im Bildungswesen, massiver Abbau von Bildungsgeldern oder schlicht fehlende Perspektive nach Ausbildungsabschluss. Die Ursachen könnten vielfältiger nicht sein, haben jedoch zwei Gemeinsamkeiten. Einerseits dass auf Kosten der Ausbildung und somit direkt auf Kosten der Jugendlichen und junger Erwachsener gespart werden soll, andererseits, dass das Bildungswesen durch den Ausschluss der weniger wohlhabenderen immer selektiver wird.

So wurde etwa diesen Sommer bekannt, dass die italienische Regierung unter Silvio Berlusconi gedachte 8 Milliarden Euro im Bildungswesen einzusparen und weitere 7 Milliarden im öffentlichen Dienst allgemein. Die Antwort kam unter dem Motto "Vostra crisi non la pagheremo noi" (Eure Krise bezahlen nicht wir) postwendend. Mitte Oktober kam es zu ersten landesweiten Protesten und in dessen Verlauf wurden unzählige Schulen und Universitäten besetzt. Am 17. Oktober mündet die Mobilisierung in einen landesweiten Streik, organisiert durch die Basisgewerkschaften COBAS, RdB-Cub und SdL. Etwa 2 Millionen Menschen schlossen sich dem Streik an. Weite Teile der im Bildungswesen angestellten waren im Ausstand. Es beteiligen sich aber auch Feuerwehrleute, ArbeiterInnen des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs und Angestellte aus Sektoren welche stark von prekären Arbeitsverhältnissen betroffene sind. An der Grossdemonstration in Rom, welche unter den Augen der Polizei von einer Gruppe von Faschisten angegriffen wurde, beteiligen sich über 300‘000 Menschen darunter viele StudentInnen und SchülerInnen.

Die Proteste in Italien waren kein Einzelfall und längst hatte sich die Bewegung, welche die wachsenden Probleme klar mit den neoliberalen Bestrebungen des GATS (General Agreement for Trade in Services) koppelt, global vernetzt. Zu einem europaweiten Aktionstag gegen Bildungsabbau war es schon im April 2004 gekommen, damals versammelten sich auch in Bern (CH) 3000 Auszubildende. In Deutschland hatte die Mobilisierung im Kontext der Agenda 2010 schon länger angehalten und Ende 2003 waren diverse Universitäten besetzt worden und es kam zu grossen Demonstration mit bis zu 60‘000 TeilnehmerInnen. 2008 wurde erneut für den 5. November zu einem globalen Aktionstag „für eine freie und emanzipatorische Bildung“ aufgerufen. Weltweit kam es zu Protesten darunter auch in vielen europäischen Städten. Unter Anderem demonstrierten StudentInnen und SchülerInnen in Argentinien, Ägypten, Bangladesh, Bulgarien, Deutschland, England, Frankreich, Irland, Kanada, Kolumbien, Kroatien, Liberia, Mazedonien, Niederlande, Österreich, Serbien, Sierra Leone, Türkei und USA.

In Deutschland etwa wurde mit den Worten „Die Kommerzialisierung von Bildung ist Teil eines internationalen Prozesses, angetrieben durch eine ´neoliberale Ideologie` sowie den unersättlichen Hunger nach Profiten. Die Devise sollte lauten: Lernen für's Leben anstatt für den Arbeitsmarkt!“ zu dem Aktionstag mobilisiert. Im ganzen Bundesgebiet beteiligten sich etwa 100‘000 SchülerInnen wie StudentInnen und bestreikten Universitäten und Schulen. Der Aktionstag war aus Sicht der OrganisatorInnen ein voller Erfolg und die grosse Mobilisierung hatte deutlich aufgezeigt, dass die angesprochenen Probleme auch von den SchülerInnen und StudentInnen selbst als Bedrohung wahrgenommen werden.

In Frankreich wird zurzeit gegen eine weitere Reform des Bildungswesens des französischen Bildungsminister Xavier Darcos mobil gemacht. Im Zuge der Sparreform waren seit diesem Schuljahr landesweit bereits 11‘200 Stellen gestrichen worden, und gemäss Vorgaben sollen im nächsten Jahr nochmals 13‘500 Arbeitsplätze abgebaut werden. Weshalb es Ende Oktober mehrere 10‘000 SchülerInnen, LehrereInnen und StudentInnen erneut auf die Strasse trieb. Zu Beginn dieser Woche war es zu erneuten Protesten gekommen, in dessen Verlauf es auch zu Auseinandersetzungen mit der Polizei kam. Die Vereinigung de Schulrektoren in Frankreich bekundete öffentlich ihre Besorgnis, da die Proteste gewaltsamer ausgefallen seien als bisher und äusserte die Befürchtung, dass die Situation im Januar endgültig eskalieren könnte. In Italien steht am 12. Dezember ein neuerlicher Generalstreik an, an welchem sich auch wieder 10‘000 SchülerInnen und StudentInnen beteiligen werden, da der Konflikt um die Sparpläne der Regierung noch immer nicht gelöst ist. Und auch in Deutschland bahnt sich eine neuerliche Protestwelle an. So rüsten sich StudentInnen und SchülerInnen für eine weitere Runde im Kampf um Recht auf Bildung und Chancengleichheit. Welchen Einfluss der Aufstand in Griechenland auf die kommenden Aktionen und sozialen Kämpfe haben wird bleibt abzuwarten, fest steht aber, dass das Signal gehört wurde und die geäusserte Solidarität für die Proteste gross ist.

In Griechenland tobt ein Aufstand
Die Geschehnisse der letzten Tage in Griechenland bedeuten in einem europäischen Kontext eine enorme Zuspitzung der Situation. Denn auch wenn der Tod des 15- Jährigen Alexis Grigoropoulos durch einen Polizeikugel in der Nacht vom 6. zum 7. Dezember letztlich der direkte Auslöser für die heftigen Krawalle gewesen war, die bis heute andauern, so liegen auch in Griechenland die Ursachen tiefer. Die Bewegung umfasst auch dort StudentInnen, SchülerInnen, ArbeitnehmerInnen die Gewerkschaften, die Eltern der Kinder, Linksaussenparteien bis hin zu anarchistischen Gruppen. Eine Erklärung der Vollversammlung der besetzten Theaterschule von Thessaloniki verdeutlicht die Situation:

Seit Wochen und Monaten brodelt es in der griechischen Gesellschaft. Vor dem Hintergrund der Krise und der Korruption der politischen Klasse, reichen sich die unterschiedlichsten Formen von Protest die Hände. Tausende von Häftlingen befanden sich im Hungerstreik, auf Corfu wehren sich BewohnerInnen mit allen Mitteln gegen eine Giftmülldeponie. Krankenschwester demonstrieren und setzen den Gesundheitsminister fest. ArbeiterInnen, die um ihre Löhne geprellt wurden, ziehen in die Hauptstadt, um dort zu demonstrieren. An den Schulen und Universitäten tobt seit Wochen eine Welle von Besetzungen und Protestaktionen einer Generation ohne Perspektive.

Auch der griechische Schriftsteller Petros Markaris betont in einem Interview gegenüber dem „Tages Anzeiger“ am 9. Dezember, dass ein grosser Teil der Frustration, welcher nun zu diesen Ausschreitungen geführt habe, seine Ursache im Scheitern des Bildungssystems habe. Ein Grundproblem sei, dass viele UniversitätsabgängerInnen keine Anstellung finden würden, aber auch die jahrelange Korruption in Politik und Wirtschaft werde nun gerade unter dem Vorzeichen der Finanz- und Wirtschaftskrise zunehmend angeprangert.

Eine neue Qualität
Auch wenn Entrüstung und Unverständnis ab der Zerstörungen in vielen Äusserungen der Kommentatoren der internationalen Presse gross sind. So ist es nicht das Ausmass der Krawalle als alleiniges Phänomen, welche die neue Dimension auszeichnet. Sondern den Wechsel der Dimension auszeichnend sind die TrägerInnen der Revolte. Waren es 2005 in den Pariser Vorstädten, die seit Jahren marginalisierten Kinder von MigrantInnen die sich erhoben, so hat der jetzige Aufstand in Griechenland das Zentrum der Gesellschaft erreicht. Die Revolte hat den Ursprung in jenen Kreisen, die es sich lange gewohnt waren, einigermassen gut über die Runden zu kommen. Es sind die Kinder von LehrerInnen, ÄrztInnen, und BürokratInnen, welche hier die Luxusmeilen, Banken und Nobelhotels der griechischen Städte in Brand stecken.

Genau dieser Umstand sollte aber nicht nur die griechischen Politik Besorgnis bereiten, sondern sollte auch ein Mahnmal für die ökonomische und politische Elite von ganz Europa dafür sein, was passieren kann, wenn die gesellschaftliche Solidarität derart erodiert, die Ungleichheit immer stärker zunimmt und immer grössere Kreise der Gesellschaft von den negativen Mechanismen des Finanzkapitalismus betroffen sind. Die beständige Ausbeutung der Menschen als Humankapital, die konsequente Unterstellung der menschlichen Bedürfnisse unter jene der Gewinnmaximierung, die alltägliche Entsolidarisierung der Gesellschaft wird auf Dauer keinesfalls folgenlos bleiben. Die sich aktuell abzeichnende Wirtschaftskrise, auch wenn schnell bewältig, wird VerliererInnen hervorbringen, die den Anschluss verpassen werden.

Der Umstand, dass Gleichzeitig mit dem sozialen Leistungsabbau Milliardenbeträge in marode Banken und schwächelnde Industriebetrieb gepumpt werden, ist nur noch ein weitere Tropfen in ein Fass, das ohnehin beinahe überläuft und im Fall von Griechenland mit der Ermordung von Alexis übergelaufen ist. Die Frage ist demnach nicht ob, sondern nur noch wann und wo das nächste Fass überläuft.
http://contrainfo.twoday.net/stories/5381993/
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