Autor Thema: Ausbeutung Total  (Gelesen 19048 mal)

Fritz Linow

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Re:Ausbeutung Total
« Antwort #15 am: 22:38:03 Sa. 03.März 2018 »
Zitat
Interview mit Pawel Nowotny, Mitarbeiter einer bekannten Hotelkette:

(…)
Pausen sind nur ein theoretisches Konzept bei uns.

keine Zeit zum Pissen.

Es ist schwer, sich zu organisieren.

Ein anderes Problem ist, dass die Kultur in der Hotelindustrie völlig kaputt ist.
(…)
https://perspektive-online.net/2018/03/kaum-jemand-will-das-lange-zeit-machen/

Kuddel

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Re:Ausbeutung Total
« Antwort #16 am: 11:38:15 Mo. 05.März 2018 »
Zitat
Arbeitsbedingungen
Die dunkle Seite des Hotelwunders

Eine TV-Reportage über Ausbeutung im Niedriglohnsektor sorgt für Zündstoff. Hoteliers fordern, dass in den eigenen Reihen aufgeräumt wird.


Das Thema Lohndumping holt die Branche immer wieder ein. Ein Beitrag des TV-Senders Rbb24 sorgt derzeit für eine heftige Debatte in den sozialen Netzwerken. Der Hotelboom und Übernachtungsrekord in der Hauptstadt Berlin werden mit Bezahlung unter Mindestlohn, Ausbeutung und Drohungen gegenüber rebellischen Mitarbeitern in Zusammenhang gebracht. Zimmermädchen und Küchenhilfen kommen zu Wort, die von unbezahlten Überstunden, entfallenem Urlaub und Ausbeutung durch ihre Arbeitgeber sprechen. Nach eigenen Aussagen handelt es sich um Angestellte bei renommierten Berliner Hotels im unteren Lohnsegment. Auf Basis dieser Recherche kam im Sender eine Diskussionsrunde mit Vertretern vom DEHOGA und der Gewerkschaft NGG zustande. Der Tenor: Niedriglöhne im Gastgewerbe finanzieren den Boom in der Hotellerie mit.

System der Ausbeutung

Zum Großteil – aber nicht nur – sind Beschäftigte wie Zimmermädchen oder Küchenhilfen über Subunternehmen angestellt. Zum einen, um Kosten zu sparen, aber auch, weil der Fachkräftemangel keine andere Wahl lässt. Rund 250 Angestellte im Raum Berlin suchen jährlich Hilfe bei der Gewerkschaft, Zehntausende sollen Schätzungen zufolge betroffen sein. Ein betroffenes Zimmermädchen, das in einem Berliner Hotel direkt angestellt war, schildert: „Wenn ich die vorgegebene Zahl an Zimmern nicht geschafft habe, verlängerte sich die Arbeitszeit unbezahlt nach hinten. Das Wort Überstunde wollte die Chefin nicht hören.“ Bei der Gewerkschaft ist man sich sicher: „Hier ist ein Muster innerhalb der Branche zu erkennen, das den Boom mitfinanziert.“

Der DEHOGA sieht keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. In der TV-Diskussion verwies Willy Weiland, Präsident des DEHOGA Berlin, darauf, dass Mitgliedsbetriebe rechtlich auf der sicheren Seite seien, wenn sie sich an die Gesetze hielten und sich von Subunternehmern mit einer Unterschrift wiederum bestätigen ließen, dass diese sich ebenfalls an die gesetzlichen Vorgaben hielten.

Die Haltung des DEHOGA erntet Kritik. Jürgen Krenzer, Inhaber von Krenzers Rhönschaf-Hotel in Ehrenberg, betont: „Wir müssen endlich aufräumen. Noch zu viele Betriebe investieren groß und refinanzieren sich auf dem Rücken ihrer Mitarbeiter.“

Als große Herausforderung sieht Marco Nussbaum, Founder und CEO von Prizeotel, die von Investoren getriebene Hotelmarktentwicklung. Steigende Grundstückspreise und Baukosten, gepaart mit den hohen Renditeerwartungen, bringen Manager unter anderem dazu, Personalkosten massiv zu drücken. „Weil sie mit alten Mechanismen Probleme von morgen lösen wollen“, so Nussbaum. Sein Ansatz als Hotelier: „Eine höhere Rate und niedrigere Distributionskosten schaffen finanzielle Spielräume.“

Sanktionen gefordert

Krenzer, Nussbaum und auch Klaus Schindlmeier vom Best Western Plus Palatin Kongresshotel in Wiesloch fordern grundsätzlich ein Ende der Kultur des Wegsehens. Schindlmeier: „Den Wedel-Effekt haben wir schon seit einigen Jahren. Alle wissen es und sehen weg. Schlimmer noch: Alle reden darüber und ändern nichts.“ Marco Nussbaum ergänzt: „In meiner Funktion als Unternehmer plädiere ich für Sanktionen wie dem Ausschluss aus den Verbänden und der Entziehung der Ausbildungslizenz bei Missbrauch.“
https://www.ahgz.de/news/arbeitsbedingungen-die-dunkle-seite-des-hotelwunders,200012245985.html