Autor Thema: Sargnägel für die Zeitarbeit  (Gelesen 132247 mal)

Kuddel

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Re: Sargnägel für die Zeitarbeit
« Antwort #195 am: 09:19:10 Mo. 25.Mai 2020 »
Zitat
Leiharbeit wird verboten
Kabinett beschließt schärfere Regeln für Fleischindustrie
https://rp-online.de/politik/deutschland/fleischindustrie-kabinett-beschliesst-schaerfere-regeln-leiharbeit-verboten_aid-51241481

In der praktischen Umsetzung ist vieles noch nebulös und weitgehend ungeklärt. Betroffen ist bisher nur die Fleischindustrie. Wir müssen auch mit einem massiven Gegendruck der Wirtschaft rechnen.

Aber argmentativ halte ich es für einen Erdrutschsieg. Niemand kann mehr behaupten, man könne Leiharbeit nicht verbieten. Doch. Kann man. Mit einem Fingerschnipsen. Man muß nur wollen.

Die Forderung ein Betrieb - eine Belegschaft, ist offenbar einfach umsetzbar:
Zitat
„Kein Hexenwerk, Beschäftigte anzustellen“
https://www.tagesspiegel.de/politik/aldi-irritiert-mit-forderung-nach-wurstpreis-senkung-kein-hexenwerk-beschaeftigte-anzustellen-bundesregierung-verbietet-werkvertraege/25846078.html

Fritz Linow

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Re: Sargnägel für die Zeitarbeit
« Antwort #196 am: 18:26:24 Mi. 27.Mai 2020 »
Bei dieser Anwaltsklitsche in Mannheim soll dann wohl die Gegenwehr und Lobbyarbeit gegen das drohende Verbot von Leiharbeit und Werksverträgen in der Fleischindustrie koordiniert werden:
https://protag-law.com/interessengruppe-werkvertraege-fleisch/

Zitat
Aus diesem Grunde geht die IG Werkverträge Fleisch gegen dieses Gesetzesvorhaben vor, um es mit aller Macht zu verhindern. Hierfür wird jedoch logistische, politische und finanzielle Unterstützung benötigt. Durch die IG Werkverträge Fleisch soll diese Unterstützung gebündelt werden. Die Mitglieder der IG Werkverträge Fleisch verpflichten sich daher, nach besten Kräften dieses Ziel zu unterstützen.

Ein Syndikusanwalt des Bundesfachverbands Fleisch seit 1971, ein Ministerialbeamter, der gegen die GEZ kämpft, und natürlich iGZ als Kooperationspartner. Dagegen ist Pansen mit Flomen eine Delikatesse.

Fritz Linow

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Re: Sargnägel für die Zeitarbeit
« Antwort #197 am: 19:40:22 Sa. 20.Juni 2020 »
Zitat
20.6.20
ThyssenKruppsteel (tks) wollte einen Leiharbeiter, dessen Jahresvertrag jetzt ausläuft, nicht weiter beschäftigen. Kollegen machten dagegen heute zur Frühschicht im Kaltwalzwerk1 in Duisburg-Hamborn eine Unterschriftensammlung, die sofort zum Selbstläufer wurde.
Dann legte die komplette Frühschicht die Arbeit nieder. (...)
https://www.rf-news.de/2020/kw25/streik

counselor

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Re: Sargnägel für die Zeitarbeit
« Antwort #198 am: 20:31:08 Sa. 20.Juni 2020 »
Zitat
DUISBURG -TKSE Duisburg: Jetzt den Streik ausdehnen! Gemeinsam sind wir stark!

Punkt 18 Uhr machte sich ein kleiner Zug Kollegen in Richtung Tor 4 auf den Weg. Die Spätschicht im Kaltwalzwerk 1 in Duisburg Hamborn hatte den Streik der Frühschicht übernommen und fortgesetzt.

Quelle: https://www.rf-news.de/2020/kw25/tkse-duisburg-jetzt-den-streik-ausdehnen-gemeinsam-sind-wir-stark
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

karl.

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Re: Sargnägel für die Zeitarbeit
« Antwort #199 am: 10:28:58 So. 21.Juni 2020 »
Kommentar des IGZ vom 29. Mai zu den Verbotsanträgen von Werkverträgen und Leiharbeit in der Fleischindustrie  nachzulesen unter:

https://www.ig-zeitarbeit.de/index.php/presse/artikel/was-fuer-eine-sauerei

"Was für eine Sauerei"





Fritz Linow

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Re: Sargnägel für die Zeitarbeit
« Antwort #200 am: 14:33:02 So. 21.Juni 2020 »
Kommentar des IGZ vom 29. Mai zu den Verbotsanträgen von Werkverträgen und Leiharbeit in der Fleischindustrie  nachzulesen unter:
https://www.ig-zeitarbeit.de/index.php/presse/artikel/was-fuer-eine-sauerei
"Was für eine Sauerei"

Der Kommentator schein ein wahrer Sprachkünstler zu sein:

Zitat
… Fleischer … Schwein … Fleischnähte… Fettschichten… Filet … Muskelfleisch… Fleischwirtschaft … Filet … Fleischwolf … Wurst…Fleisch…Bolzenschussgerät…Kotelett…Extrawurst…Minutensteak…Wurst…Schwein.

karl.

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Re: Sargnägel für die Zeitarbeit
« Antwort #201 am: 11:22:24 Fr. 26.Juni 2020 »
@Fritz Linow
Zitat
Bei dieser Anwaltsklitsche in Mannheim soll dann wohl die Gegenwehr und Lobbyarbeit gegen das drohende Verbot von Leiharbeit und Werksverträgen in der Fleischindustrie koordiniert werden:
https://protag-law.com/interessengruppe-werkvertraege-fleisch/

Nicht nur bei der Anwaltsklitsche:

Unter: https://www.cmshs-bloggt.de/arbeitsrecht/neue-schutzvorschriften-in-der-fleischwirtschaft/

heißt es unter punkt 3. Verbot von Arbeitnehmerüberlassung und Werkverträgen:

....Ein Verbot von Werksvertragsgestaltungen greift allerdings tief in die unternehmerische Freiheit ein. Es bleibt abzuwarten, wo und wie das Ministerium dies gesetzlich regeln will. Werden auch Dienstleistungsverträge verboten? Oder wird die Branche dahin ausweichen?

Interessant auch dieser 11 Jahre alte Artikel aus dem Hamburger Abendblatt warum Danish Crown (dänischer Fleischkonkurrent) schon 2003 nach Deutschland ging:

Zitat
So lohnt es sich für ausländische Konzerne wie Danish Crown, in ihren Heimatländern Werke zu schließen und seit 2003 Jobs nach Deutschland zu verlagern. Das habe den Gewinn deutlich gesteigert, sagt Geschäftsführer Sönnichsen. "Deutschland ist für Danish Crown in wenigen Jahren zum Schlüsselmarkt geworden."..... "Dänemark hat ein sehr hohes Lohnniveau im Vergleich mit allen anderen EU-Ländern - im globalen Wettbewerb ist das ein Nachteil", rechtfertigt Sönnichsen die Entscheidung, in seinem Heimatland 3000 Jobs abzubauen. Zum Vergleich: In der dänischen Fleischindustrie gibt es einen Mindeststundenlohn von rund 21 Euro. In Belgien sind es 11,60 Euro, in Frankreich neun Euro. Fazit: Ein Kotelett zu produzieren kostet in Dänemark doppelt so viel wie in Deutschland.

Kompletter Artikel nachlesbar unter:
https://www.abendblatt.de/region/article107989608/Dumpingloehne-und-eiskalte-Arbeitshallen.html

Kuddel

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Re: Sargnägel für die Zeitarbeit
« Antwort #202 am: 16:45:41 Mo. 20.Juli 2020 »

Fritz Linow

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Re: Sargnägel für die Zeitarbeit?
« Antwort #203 am: 16:52:42 Mi. 29.Juli 2020 »
Zitat
29.7.20
VDA-Statement zum Kabinettsbeschluss Arbeitsschutzkontrollgesetz: Werkverträge und Zeitarbeit sind unverzichtbar für Automobilproduktion in Deutschland

Die Automobilindustrie verfolgt mit Sorge, dass im Zusammenhang mit dem heutigen Kabinettsbeschluss bereits über eine Ausweitung des direkten Verbotes von Werkverträgen und Zeitarbeit auf andere Branchen diskutiert wird.
(...)
https://www.vda.de/de/presse/Pressemeldungen/200729-VDA-Statement-zum-Kabinettsbeschluss-Arbeitsschutzkontrollgesetz--Werkvertr-ge-und-Zeitarbeit-sind-unverzichtbar-f-r-Automobilproduktion-in-Deutschland.html

Diese Sorge sollte man dem VDA nicht nehmen, sondern weiter befeuern, notfalls auch gegen den Willen der IGM.

tleary

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Re: Sargnägel für die Zeitarbeit
« Antwort #204 am: 02:39:03 Mi. 05.August 2020 »
Aber wie immer halbherzig von der Regierung. - Wieso nicht gleich flächendeckend Leiharbeit und Werkverträge verbieten?
»Wir wissen, so wie es ist, kann es nicht weiter gehen. Aber es geht weiter.«
(Autor unbekannt)

dagobert

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Re: Sargnägel für die Zeitarbeit
« Antwort #205 am: 11:26:18 Mi. 05.August 2020 »
Weil man das eigentlich gar nicht will.
Das Leiharbeitsverbot in der Fleischproduktion wird Tönnies & Co nur mäßig wehtun, weil die ja überwiegend mit Werkvertraglern arbeiten.
Und bei den Werkverträgen bleiben genug Schlupfscheunentore offen, damit die Neuregelung bei den Unternehmen keinen Schaden anrichtet.

Und das Leiharbeitsverbot in der Pflege kam nur in die Diskussion, weil es dort ausnahmsweise mal die Beschäftigten sind, die Vorteile davon haben.

counselor

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Re: Sargnägel für die Zeitarbeit
« Antwort #206 am: 19:18:29 Mo. 07.September 2020 »
Zitat
SOLINGEN - Leiharbeit bei Borbet vom Tisch!

Alle bei Borbet beschäftigten Leiharbeiter müssen laut Bundesarbeitsgerichtsurteil ab sofort fest eingestellt werden (Aktenzeichen 12TaBV74/19). Am 3. September 2020 wurden alle Leiharbeitsverträge in feste Arbeitsverträge mit Borbet umgewandelt.

Im jahrelangem gerichtlichen Streit haben die Betriebsräte ihr Mitbestimmungsrecht bei der Beschäftigung und dem Einsatz von Leiharbeitern im Vollkontischichtsystem ... zunächst auf gütlichem Wege mit dem Unternehmen klären wollen. Borbet lehnte stets ab, so ging der Vorgang zwangsläufig zum Arbeitsgericht.

Um Leiharbeitnehmer in Schichtsystemen beschäftigen zu können, bedarf es ab einer gewissen Betriebsgröße einer Betriebsvereinbarung, die regelt, unter welchen Bedingungen (Zeitraum, Arbeitszeit, Abteilung etc.) die Leihbeschäftigten im Betrieb eingesetzt werden. Bei Borbet in Solingen gab es keine derartige Betriebsvereinbarung.

Da den Betriebsräten also weder Beginn, noch Ende des Leiharbeitseinsatzes bekannt war, pochten sie auf Festanstellung der betroffenen Kollegen und die Abschaffung von Leiharbeit im Solinger Werk.

Vor wenigen Monaten bekamen sie beim Landesarbeitsgericht Düsseldorf Recht. Die Borbet-Geschäftsleitung legte Beschwerde beim Bundesarbeitsgericht ein und verlor auch hier. Für jeden Leiharbeitnehmer den Borbet zukünftig ohne Zustimmung des Betriebsrates beschäftigt, muss das Unternehmen bis zu 10.000 Euro Strafe zahlen.

Mit ihrer Moral, ihrem Mut und ihrer Entschlossenheit, sich nicht unterkriegen zu lassen haben die Borbetianer einen Pflock im Kampf um Arbeiterrechte bundesweit gesetzt! ...

Hier gibt es die komplette Pressemitteilung!

Quelle: https://www.rf-news.de/2020/kw37/leiharbeit-bei-borbet-vom-tisch-erfolg-der-kaempferischen-belegschaft-und-ihres-betriebsrates
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

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Re: Sargnägel für die Zeitarbeit
« Antwort #207 am: 15:23:58 So. 18.Oktober 2020 »
Zitat
Kein branchenübergreifendes Verbot von Leiharbeit und Werkverträgen - Vorerst?

Nachdem der Gesetzgeber ein mögliches Verbot von Leiharbeits- und Werkverträgen in der Fleischindustrie auf den Weg gebracht hat, äußerte sich die Bundesregierung anlässlich einer Kleinen Anfrage einiger Abgeordneter und der Fraktion Die Linke nunmehr zu einer branchenübergreifenden Reform des Fremdpersonaleinsatzes.
https://www.noerr.com/de/newsroom/news/kein-branchenubergreifendes-verbot-von-leiharbeit-und-werkvertragen---vorerst

Sie drehen und wenden sich, wollen ein Verbot der Leiharbeit jenseits der Fleischindustrie verhindern.

Zitat
...der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Rolf Mützenich: „Wir kümmern uns jetzt um die Fleischindustrie. Aber das Ziel ist klar: Ich will, dass der Missbrauch von Leih- und Werkverträgen in allen Bereichen der Wirtschaft verboten wird".
"Missbrauch von Leih- und Werkverträgen"? Was für eine schwammige Formulierung ist das denn!?! Leiharbeit und Werkverträge SIND mißbrauch des Arbeitsrechts. Die Betroffenen wollen diesen Dreck nicht. Sie wollen reguläre Arbeitsverträge!

Zitat
Für die Frage, in welchen Branchen es gehäuft zur illegalen Arbeitnehmerüberlassung kommt, verweist die Bundesregierung auf die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) der Zollverwaltung. Bußgeldverfahren wegen illegaler Arbeitnehmerüberlassung wurden hiernach besonders häufig in den folgenden Branchen eingeleitet: Fleischwirtschaft, Arbeitnehmerüberlassung, Forstwirtschaft, Pflege, Baugewerbe, Speditions-, Transport- und damit verbundenes Logistikgewerbe und Gaststätten- und Beherbergungsgewerbe.
Heheh, da haben wir ja schon einige Branchen zusammen...

Zitat
Auch wenn ein generelles Verbot von Werk- und Leiharbeitsverträgen vorerst nicht zu erwarten ist, wird weiterhin von einem Handlungsbedarf in einigen Branchen ausgegangen.

Dieser "Handlungsbedarf" ist die Folge des entstandenen Drucks. Druck von der Öffentlichkeit und von den Betroffenen selbst.

Die Forderung nach einem generellen Verbot der Leiharbeit steht nun im Raum und zwar nicht nur bei chefduzen und in der Leihkeule. Hier müssen wir anknüpfen und eine Schippe drauflegen.


bernie von zoom

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Re: Sargnägel für die Zeitarbeit
« Antwort #208 am: 21:37:27 Mo. 19.Oktober 2020 »
Die Anfrage der Fraktion Die Linke und eine Zusammenfassung gibt es hier:
https://www.linksfraktion.de/themen/nachrichten/detail/die-fleischbranche-kann-nur-der-anfang-sein/
Zitat
Die Anfrage von Susanne Ferschl, stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE, zeigt, dass es auch in anderen Branchen systematische Verletzungen von Arbeitnehmerschutzrechten gibt. Susanne Ferschl erklärt:

„Das Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit in der Fleischbranche ist ein guter Anfang - aber eben nur ein Anfang. Die Regierung beginnt gerade erst, zaghaft hinzuschauen. Die jahrelange systematische Verletzung von Arbeitnehmerschutzrechten, aber auch die stillschweigende Tolerierung ausbeuterischer Arbeitsverhältnisse durch politische Untätigkeit, ist heute und nicht morgen flächendeckend zu unterbinden. Dafür braucht es eine Regulierung bis hin zum Verbot der besonders missbrauchsanfälligen prekären Beschäftigungsverhältnisse wie Minijobs oder Leiharbeit. Gute und sichere Arbeitsverhältnisse nützen allen Beschäftigten.“ 

Kuddel

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Re: Sargnägel für die Zeitarbeit
« Antwort #209 am: 18:50:06 Sa. 02.Januar 2021 »