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Ausgebeutete Putzkräfte

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Kater:
ZDF, Frontal21, Sendung am 13.10.2009, 21.00 


--- Zitat ---Ausgebeutete Putzkräfte - Lohnkürzung statt Mindestlohn
von Christian Esser, Joe Sperling und Hans Koberstein

Nach Auslaufen des gesetzlichen Mindestlohns im Reinigungsgewerbe spitzt sich die Situation für die rund 860.000 Beschäftigten der Branche zu. So sind nach Frontal21-Recherchen vereinzelt Arbeitgeber bereits dazu übergegangen, ihren Mitarbeitern neue, niedriger dotierte Arbeitsverträge vorzulegen oder Arbeitnehmern bei Streik mit Kündigung zu drohen. Experten wie der Duisburger Soziologe Professor Gerhard Bosch befürchten nun, die Löhne könnten in der Branche ins Bodenlose fallen.

Das habe zur Folge, dass viele Arbeitnehmer künftig nicht mehr von ihrem Gehalt leben könnten, so Bosch. Ihre Löhne müssten mit Hartz IV aufgestockt werden. "Das heißt, wir alle subventionieren mit unseren Steuergeldern die Gebäudereinigerbranche", warnt der Soziologe.

Gleichzeitig rechnet Bosch mit einem Preisverfall in der Branche aufgrund sinkender Löhne: Viele kleine Unternehmen würden ums Überleben kämpfen, so der Experte. "Sie werden mit niedrigeren Preisen in den Markt gehen." Am Ende könnten Unternehmen in diesem "mörderischen Preiswettbewerb" trotz geringer Lohnkosten sogar schlechter da stehen als vorher, warnt der Experte.

Frontal21 liegen Arbeitsverträge vor, die zeigen, dass Gebäudereiniger neuerdings mit Stundenlöhne von sechs oder sogar nur fünf Euro abgespeist werden sollen. Das sei "Erpressung", schimpft Bosch, bei hoher Arbeitslosigkeit sei das in Deutschland leider möglich.

Bisher keine Einigung der Tarifparteien
"Es gibt Menschen, die fühlen sich so unter Druck gesetzt, dass die das unterschreiben", befürchtet auch Frank Wynands, Vorstand der für die Gebäudereiniger zuständigen Gewerkschaft IG Bauen, Agrar, Umwelt. Er warnt die Arbeitnehmer vor voreiligen Entscheidungen: Mit der Unterschrift unter einem neuen Vertrag würden die Nachwirkungen des Lohntarifvertrages hinfällig werden.

Zum ersten Oktober waren die Tarifverträge und die Mindestlohnvereinbarungen ausgelaufen. Anders als Tarifverträge, die weiter gelten, bis neue vereinbart werden, fällt die Verordnung, die den Mindestlohn für alle Arbeitgeber verbindlich vorschreibt, ersatzlos weg. Bis dahin galt für die Gebäudereinigungsbranche ein Mindestlohn von 8,15 Euro im Westen und 6,58 Euro im Osten. Doch Gewerkschaft und Arbeitgeber konnten sich in sechs Verhandlungsrunden nicht auf ein Nachfolgeabkommen einigen. Damit ist es Firmen, die nicht an den Tarifvertrag gebunden sind, nun möglich, Löhne zu drücken. Und auch bei Neueinstellungen gilt der Mindestlohn nicht mehr, Mitarbeiter können nun zu weit niedrigeren Löhnen eingestellt werden.

Beschäftigte im Warnstreik
Mit Warnstreiks wollen die Beschäftigten in der Gebäudereinigung jetzt die geforderte Lohnerhöhung von 8,7 Prozent sowie eine schrittweise Angleichung der Ost- an die Westlöhne und eine arbeitgeberfinanzierte Altersversorgung durchsetzen. Bundesweit legten deshalb in der vergangenen Woche Reinigungskräfte auf Flughäfen, in öffentlichen Verwaltungen, Schulen und Krankenhäusern stundenweise die Arbeit nieder. Zugleich läuft eine Urabstimmung unter den rund 860.000 Beschäftigten. Sollten sich die Reinigungskräfte mehrheitlich für einen Streik entscheiden, könne es schon bald zum unbefristeten Ausstand kommen, so die Gewerkschaft.
 
Es sei unwürdig, wenn Menschen jeden Tag zur Arbeit gehen, letztlich aber zu wenig Geld haben, um ihre Zukunft abzusichern, rechtfertigt Wynands das Vorgehen der Beschäftigten. Die Tarifparteien seien nun gefordert, endlich etwas zu tun.

Keine Chance auf vernünftige Rente
Elke Geiselhart und Angelika Walle beispielsweise putzen jede Nacht knapp 100 Räume in drei Stunden. Das sei kaum zu schaffen, sagen die Frauen. So erreichen sie den Stundenlohn von 8,15 Euro fast nie, weil sie oft mehr Zeit aufwenden müssen, um dieses Pensum zu schaffen. Angelika Walle verdient bei drei solcher Arbeitseinsätze innerhalb von 24 Stunden gerade Mal 1150 Euro im Monat, eine Altersvorsorge könne sie sich damit nicht leisten. Elke Geiselhart bekommt nur 700 Euro im Monat und braucht zusätzlich Hartz IV um über die Runden zu kommen.

In der Branche gebe es zirka 70 Prozent Teilzeitbeschäftigte, so Wynands. Viele von ihnen seien so genannte Geringverdiener, die auf 400 Euro Basis arbeiten, da bestehe überhaupt keine Möglichkeit, später eine vernünftige Rente zu bekommen. Dabei sollte ein Mensch doch grundsätzlich so viel verdienen und so viel in die Rentenversicherung einzahlen können, dass er in Würde in Rente gehen und damit auch leben kann, fordert der Gewerkschafter.

Branche verzeichnet Umsatzzuwächse
Das sei ein berechtigtes Anliegen, sagt auch Bosch. "Inzwischen wissen wir, dass Personen, die weniger als neun Euro die Stunde verdienen und Vollzeit beschäftigt sind, kaum die Chance haben, bei einer normalen Erwerbsbiografie - das heißt, wenn sie bis 65 oder 67 arbeiten - mehr zu verdienen als ihnen dann vom Sozialamt ohnehin zustehen würde." Das bedeute, so Bosch, sie bleiben auch im Alter arm.

Das bislang letzte Angebot der Arbeitgeber: Die Löhne im Westen sollen um drei Prozent, im Osten um 3,6 Prozent angehoben werden. Das ist der Gewerkschaft nicht genug. Sie beklagt, dass die Branche zugleich dieses Jahr Umsatz-Zuwächse verzeichne. "Wenn wir das mal unterm Strich ausrechnen, bleiben fast zwei Milliarden Euro Nettogewinn übrig", so Wynands. "Da ist eine Lohnrunde, die vielleicht 300 Millionen kosten wird, locker zu finanzieren."

Arbeitgeber bleiben bei ihrem Angebot
Doch Johannes Bungart, Geschäftsführer des Bundesinnungsverbandes des Gebäudereinigerhandwerks bestreitet das. Gegenüber Frontal21 erklärt er, die Branche rechne in diesem Jahr aufgrund der Finanzkrise nicht mit Umsatzzuwächsen. Trotzdem sei man bereit, Lohnerhöhungen anzubieten und Mindestlöhne erneut auszuhandeln. Doch das Angebot, das bisher auf dem Tisch liegt, empfinden viele Arbeitnehmer als Ausbeutung.
--- Ende Zitat ---


http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/11/0,1872,7912203,00.html

Rappelkistenrebell:
MLPD besucht streikende Gebäudereiniger

  MLPD besucht streikende Gebäudereiniger

21.10.09 - Mitglieder der Landesleitung Nordrhein-Westfalen der MLPD besuchten die streikenden Gebäudereiniger auf dem Düsseldorfer Flughafen. Sie berichten:

Erster Streiktag auf dem Düsseldorfer Flughafen im bundesweiten Streik der Gebäudereiniger. Es dauerte einige Zeit, bis wir auf dem weitläufigen Flughafengelände die ersten weiß-roten Streikwesten der IG BAU in einer Gaststätte auf dem Abflug-Terminal entdeckten. Wir wurden freundlich und vor allem neugierig begrüßt, als wir vom Landesverband NRW der MLPD eine Solidaritätserklärung und die besten Kampfesgrüße der Düsseldorfer Montagsdemonstration überbrachen.

Schließlich war es für die allermeisten der rund vierzig anwesenden Kolleginnen und Kollegen der erste Streik und noch ungewohnt, Solidarität von außerhalb zu erhalten. Nach dem wir noch ein Kuchenpaket "zur Stärkung der Kampfkraft" überreicht hatten, war das Eis gebrochen und sie gaben freimütig Antwort auf unsere vielen Fragen.

Seit heute Morgen um halb fünf wird gestreikt, und auch die Nachtschicht um 23 Uhr wird einbezogen. Bisher beteiligen sich alle der rund 140 am Flughafen Beschäftigten der großen Reinigungskonzerne. Obwohl nur wenige in der Gewerkschaft organisiert sind. "Wir haben schon viele Gewerkschaftseintritte am ersten Streiktag und der Zusammenhalt ist prima", wird stolz berichtet. Nur die Einbeziehung der vielen Subunternehmen, die von den Großkonzernen Klüh und Wisag hier am Flughafen eingesetzt werden, mache Probleme: "Wir müssen mit den Kollegen direkt sprechen, sonst läuft da nix. Die werden jetzt gezielt eingesetzt, damit der Laden hier weiterlaufen soll."

Hinter der Forderung von 8,7 Prozent mehr Lohn stehen alle. Ohne Abstriche, "weil wir das Geld brauchen". Aber ihre Kampfentschlossenheit fußt auf mehr. "Über die Bilder in den Fernsehnachrichten, wo die Putzfrau mit dem Staubtuch leicht über den Schreibtisch wischt, kann hier keiner mehr lachen. Flugzeuge und die Hallen hier sauber halten ist Knocharbeit. Alle hier haben Rückenprobleme und sind eigentlich kaputt."

Berichtet wird, dass vor allem ausländischen Kolleginnen und Kollegen mit unzureichenden deutschen Sprachkenntnissen Verträge zur sofortigen Unterschrift vorgelegt werden, die allem gesetzlichen Arbeitsrecht und den Tarifverträgen widersprechen.

Ein Streikleiter der IG BAU berichtet uns, dass mit "Putzen" durchaus viel Geld zu verdienen ist. Unter der jüngsten Liste der 300 reichsten Deutschen befinden sich vier Namen von Besitzern von Reinigungskonzernen. Er ist sehr erfreut über die Solidaritätserklärung der MLPD und verspricht, sie auf der IG-BAU-Seite ins Internet zu stellen.

admin:
Habe eine Mail bekommen mit folgendem Inhalt:


--- Zitat ---Diese Typen annoncieren gerade massiv für Haushaltshilfen und Putzfrauen bei 8,50 € Stundenlohn (eben am Telefon geboten...)  >>
 
http://diehaushaltshilfen.de/news.htm
 
 
 
Hier ist der Preis, den sie ihren Kunden abnehmen, die Differenz landet dann in ihren Taschen:
 
 
 
Haushaltshilfe, Putzhilfe: regelmäßige Termine
 
 wöchentlich
 
 • 23,90 EUR/Std. inkl. MwSt.
 
 Einsatzpauschale:
 • 3,90 EUR/Einsatz inkl. MwSt.
 
 14-tägig
 
 • 24,90 EUR/Std. inkl. MwSt.
 
 Einsatzpauschale:
 • 3,90 EUR/Einsatz inkl. MwSt.
 
http://diehaushaltshilfen.de/:Hamburg
 
 
Vermutlich richten sie sich damit auch an Flüchtlinge, wie so häufig jetzt hier im Hamburger Westen...
 
Ich finde es einfach nur dreist und ich meine, bei euch gibts/gabs einen thread, der solche derart miesen Jobs anprangert. Vielleicht passt dieser Fall dort hinein?
--- Ende Zitat ---

Rudolf Rocker:
Im Gebäudereinigerhandwerk gibt es einen Branchenmindestlohn!
Zuständig ist da die IG BAU.

rebelflori:
Also bei ig bau wäre ich mir nicht so sicher. Die lassen die bestimmt   auf Selbständigkeit und mit Gewerbeschein arbeiten.

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