Autor Thema: Streikunrecht auf bundesdeutsch  (Gelesen 4851 mal)

felixed

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Streikunrecht auf bundesdeutsch
« am: 10:29:55 Fr. 05.Oktober 2007 »
Gestern bekamen wir wieder einmal gezeigt, daß die deutsche Justiz nichts anderes ist als eine Lakaientruppe des Kapitals. Der Streik der Lokführer wurde vom Arbeitsgericht Chemnitz auf die Zeit von 8-11 Uhr beschränkt!

Bereits Anfang August hatte das Arbeitsgericht Nürnberg das von vielen Juristen kritisierte Streikverbot gegen die Lokführergewerkschaft verhängt. "Begründung": Es drohten dadurch wirtschaftliche Schäden!

Tja, wozu sind denn Streiks sonst da? Natürlich dazu, den Kapitalisten und ihren Handlangern wirtschaftliche Schäden zuzufügen und sie somit zu Zugeständnissen zu zwingen. Sie sind schließlich auch laufend damit beschäftigt, den Proletariern wirtschaftliche, soziale, psychische und andere gesundheitliche Schäden zuzufügen.

Und nun sollen sich die Arbeiter von den juristischen Schergen des Kapitals vorschreiben lassen, ob und wie sie streiken? Einfach lächerlich. Wie sich im Krieg ein überfallener Staat nicht vorschreiben läßt, sich nur mit Wattebällchen gegen Raketen, Panzer und Maschinengewehre zu verteidigen ist im Klassenkampf für das Proletariat völlig unannehmbar, seine Kampfmittel verboten oder bis zur Unwirksamkeit beschnitten zu bekommen.

Die einzig konsequente Antwort auf diese unzumutbare Beschneidung der Arbeiterrechte ist: Generalstreik! Zunächst für ein unumschränktes Streikrecht. Andere Forderungen können mit weiteren Streiks durchgesetzt werden.

Stoppt die Faschisierung der BRD, die Entrechtung und Verelendung der Arbeiter! Wehrt Euch gegen die Wiederholung der asozialen aggressiven reaktionären menschenfeindlichen Politik der 30er und 40er Jahre! Nieder mit den Feinden des Volkes!

flipper

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Streikunrecht auf bundesdeutsch
« Antwort #1 am: 10:40:07 Fr. 05.Oktober 2007 »
was regst du dich auf? sowas unterläuft man einfach.

mit ner lok im bahnbetrieb kann man ja einiges fahrlässig falsch machen (öh? war das grad n gelbes vorsignal? - mist gleich autonotbremsung) :D
oder man fühlt sich plötzlich mitten auf der strecke in der pampa krank, da darf man laut bahnvorschrift nicht weiter lokführen. und so ein vollgekotzter führerstand ist für den streikbrecher der dann übernehmen darf auch ned grad appetittlich :D

GDLer :D :kotze>   :( streikbrecher

und ne streckenüberwachung wie beim castor transport gibts auch ned :D
da liegen doch immer noch diese ungeschützen zugsensorkabel auf den ice strecken, oder?
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alfred

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Streikunrecht auf bundesdeutsch
« Antwort #2 am: 10:46:23 Fr. 05.Oktober 2007 »
Der Vorwurf muss im konkreten Fall aber an beide Seiten gehen. Die GdL ruft genau so Arbeitsgerichte an, wie der Bahnvorstand. Was der Vorstand damit bezweckt ist klar, aber was soll das Rumgeeier der GdL? Hat sie Angst vor einem Streik? Ist sie nicht so stark wie sie immer tut? Warum streikt sie nur drei Stunden?

Einen recht guten Kommentar zur Problematik fand ich ausgerechnet in FTD:

Zitat
So lautstark die GDL ihren Ärger vorträgt, so kleinlaut verhält sie sich, wenn es um die Umsetzung ihrer Streikdrohungen geht: Gerade einmal drei Stunden wollen die Lokführer ihre Züge am heutigen Freitagmorgen stehen lassen. Dieser Kurzausstand jagt der Bahn keine Furcht ein, erst recht nicht, weil sie sich seit den ersten Streiks im Sommer mit Notfallplänen gewappnet hat.
Je länger der Konflikt zwischen der Bahn und der GDL über deren absurd hohe Forderung von 31 Prozent mehr Gehalt andauert, desto klarer wird: Die Gewerkschaft bläst zwar mächtig die Backen auf. Aber sie pfeift nicht.
Durch das permanente Aufplustern der GDL nutzt sich ihre Streikdrohung ab. Das liegt einerseits an der Bahn, die alles dafür tut, mit juristischen Mitteln einen Arbeitskampf zu verhindern. Das liegt aber vor allem an der Gewerkschaft selbst. Sie lässt nicht erkennen, dass sie ihre Drohungen mit aller Kraft umsetzen würde, wenn es die Gerichte zuließen.
Einen Streik an Wochenenden und Feiertagen, der die Bahn härter treffen würde, schließt die GDL aus, vorgeblich, um die Fahrgäste zu schonen. Angesichts hoher Zulagen geht es aber eher darum, die Streikkasse zu schützen. Solange die GDL auf folgenlose Kraftmeierei setzt, ist sie kein starker Gegner. Eine Politik der Nadelstiche kann die Bahn nicht schrecken. Auch dürfte diese Haltung das Verständnis, das immer weniger Fahrgäste den Lokführern entgegenbringen, noch schneller bröckeln lassen.

Gerade die Theorie zum freiwilligem Streikverzicht an Wochenenden und Feiertagen der GdL klingt erschreckend plausibel...

link
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IHC

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Streikunrecht auf bundesdeutsch
« Antwort #3 am: 12:29:35 Fr. 05.Oktober 2007 »
Ich denke bei dem Druck den streikende Lokführer ausgesetzt sind, der zum Großteil auf der Entsolidarisierung der anderen Bahnbeschäftigten beruht ist gut zu verstehen, dass die GDL ihre Mitglieder schützen will und nicht in großem Umfang streikt.

Je länger ein Streik bei der Bahn dauert, um so einfacher ist es für die Bahn Streikbrecher ranzuschaffen.

Punktuelle Streiks funktionieren deshalb auch nicht, da dann sofort von anderen Orten Personal hingeschickt wird.

Ich denke effektiver ist es wenn sich die Bahnreisenden mit den Streikenden solidarisieren und eine "bahnfreien Sonntag" veranstalten.

D.h. alle bleiben an dem Tag wo sie sind und lassen die Bahn warme Luft herumfahren.
Die Bahnreisenden könnten der Bahn so mal zeigen was sie von den ständigen Fahrpreiserhöhungen halten.(und die nicht für die Lokführern sondern für den "Global Player Deutsche Bahn" verwendet werden)

Vor allem sollten Reisende und GDL dafür sorgen das Hartmut Mehdron ab sofort keinen weiteren Schaden an der Bahn anrichten kann.

Kater

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Streikunrecht auf bundesdeutsch
« Antwort #4 am: 12:48:13 Fr. 05.Oktober 2007 »
Zitat
Original von IHC
Ich denke effektiver ist es wenn sich die Bahnreisenden mit den Streikenden solidarisieren und eine "bahnfreien Sonntag" veranstalten.

D.h. alle bleiben an dem Tag wo sie sind und lassen die Bahn warme Luft herumfahren.

ich denke effektiver ist es wenn sich die Streikenden mit den Bahnreisenden solidarisieren und einen "fahrscheinfreien Tag" veranstalten, an dem jeder Fahrgast ohne Fahrkartenkontrolle kostenlos mitfahren kann...

ist auch einfacher zu organisieren als alle Bahnreisenden zu einer gemeinsamen Aktion zu bringen

felixed

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Streikunrecht auf bundesdeutsch
« Antwort #5 am: 13:31:45 Fr. 05.Oktober 2007 »
Zitat
Original von IHC
Je länger ein Streik bei der Bahn dauert, um so einfacher ist es für die Bahn Streikbrecher ranzuschaffen.

Klar doch, je stärker der Druck, desto geringer der Erfolg. Wo hast'n die schräge "Logik" her? Kaffeesatz oder BILD?

Diese Streikbrecher fehlen dann anderswo (denn bekanntlich arbeitet kein kapitalistisches Unternehmen mit unnötigem Personalüberschuß), und sind dann auch auf unbekannter Strecke unterwegs. Der erste große Knall würde dann die Bahnpolitik landesweiter Kritik unterwerfen.

Viel hilft viel!

handkey

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Streikunrecht auf bundesdeutsch
« Antwort #6 am: 15:58:08 Fr. 05.Oktober 2007 »
Habe wiederholt hier und annerswo drauf hingewiesen, daß die Kollegen von der Bahn, wo ja auch soundsoviele von den Zugführern und Zugbegleitern in der GDL sind,
schlicht nach gerichtlichem Streikverbot ankündigen, daß sie zwar fahren, aber nicht kontrollieren werden-
ratz fatz hat man da die Bahnbenutzer auf seiner Seite, und die schädigende Wirkung trifft die Allerrichtigsten-
geneigte Meinungen dazu?
und wie noch man das den Bahnkollegen verklickern kann?
auf Labournet tauchte mein gesendeter Vorschlag einfach mal NICHT auf,
aber einige DB Mitarbeiter bei der S-Bahn fandens ganz geil
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warum sollten ausgerechnet Volks- oder Arbeitervertreter
aus der Art schlagen?

felixed

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Streikunrecht auf bundesdeutsch
« Antwort #7 am: 16:02:50 Fr. 05.Oktober 2007 »
Zitat
Original von handkey
Habe wiederholt hier und annerswo drauf hingewiesen, daß die Kollegen von der Bahn, wo ja auch soundsoviele von den Zugführern und Zugbegleitern in der GDL sind,
schlicht nach gerichtlichem Streikverbot ankündigen, daß sie zwar fahren, aber nicht kontrollieren werden-
ratz fatz hat man da die Bahnbenutzer auf seiner Seite, und die schädigende Wirkung trifft die Allerrichtigsten-
geneigte Meinungen dazu?

Dafür unqualifizierte Streikbrecher zu finden, dürfte leicht sein, und ihnen paar Polizisten mitzugeben, ebenfalls.

In unseren Verkehrsbetrieben wird schon lange zu großen Teilen die übelste Sorte Lumpenproletariat als Kontrolleure eingesetzt. Je niederer die Kreatur, desto dienst- und schikanegeiler wird sie, gibt man ihr ein Amt. Das alte Blockwart-Prinzip.

Kurz: Gute Idee mit Haken im Detail.

felixed

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Streikunrecht auf bundesdeutsch
« Antwort #8 am: 16:03:44 Fr. 05.Oktober 2007 »
Die Radiomeldung hatte ich wohl falsch verstanden. Die Befristung des Streiks von 8-11 Uhr erfolgte durch die GDL, aus Angst vor juristischen Repressionen.

Siehe hierzu auch folgendes Interview mit dem stellvertretenden GDL-Vorsitzenden Schell:

Zitat
http://www.jungewelt.de/2007/10-04/054.php

jW:
Warum setzen Sie dann nur auf befristete Streiks? Fürchten Sie andernfalls wieder eine juristische Intervention im Stil des Arbeitskampfverbots der Nürnberger Richter vom August?

Schell:
"Das ist sicherlich auch ein Grund dafür, zunächst einmal auf niedrigem Niveau einzusteigen. ..."

Das Arbeitsgericht beschränkte den Streik "nur" auf S-Bahnen und Nahverkehr. So oder so bedeuten diese juristischen Ungeheuerlichkeiten eine Zerschlagung von Rechten der Arbeiter auf Vertretung ihrer Interessen bis zur völligen Harmlosigkeit.

Wir Arbeiter können und dürfen nicht erwarten, daß uns unsere Herren die Mittel zugestehen, sie zu sozialen Zugeständnissen zu zwingen. Wir müssen sie uns nehmen!

Aus "Die neue Scheidemünze", einer Sprüchesammlung:

"Braves Kind fordert nichts, braves Kind bekommt auch nichts."

beickmann

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« Antwort #9 am: 16:06:42 Fr. 05.Oktober 2007 »
Wie dämlich darf eine Gewerkschaft heute eigentlich sein, die Streiks tage vorher ankündigt?
"Bevor man die Welt verändert, wäre es vielleicht wichtiger, sie nicht zugrunde zu richten."
Paul Claudel (1868-1955)

Kater

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« Antwort #10 am: 16:10:52 Fr. 05.Oktober 2007 »
Zitat
Original von handkey
Habe wiederholt hier und annerswo drauf hingewiesen, daß die Kollegen von der Bahn, wo ja auch soundsoviele von den Zugführern und Zugbegleitern in der GDL sind,
schlicht nach gerichtlichem Streikverbot ankündigen, daß sie zwar fahren, aber nicht kontrollieren werden-
ratz fatz hat man da die Bahnbenutzer auf seiner Seite, und die schädigende Wirkung trifft die Allerrichtigsten-
geneigte Meinungen dazu?
und wie noch man das den Bahnkollegen verklickern kann?
auf Labournet tauchte mein gesendeter Vorschlag einfach mal NICHT auf,aber einige DB Mitarbeiter bei der S-Bahn fandens ganz geil

Mag Wompel vom Labournet hat aber doch selbst so einen vorschlag gemacht...

http://www.labournet.de/branchen/dienstleistung/tw/bahn/wompel.html

handkey

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« Antwort #11 am: 16:17:56 Fr. 05.Oktober 2007 »
bei den großen DGB-Gewekschaften sind die Streiks auch eher dazu da, die Power aus der Belegschaft zu nehmen, nach dem motto, "nu ham wer "gestreikt", hat auch nix genützt"


Sollte das bei der GDL auch so sein?

Zum erneuten Posting: Mag Wompel find ich auch ganz gut!
Hatte das aber so nicht mitgerissen.
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aus der Art schlagen?

alfred

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« Antwort #12 am: 16:42:04 Fr. 05.Oktober 2007 »
Zitat
Original von felixed
In unseren Verkehrsbetrieben wird schon lange zu großen Teilen die übelste Sorte Lumpenproletariat als Kontrolleure eingesetzt. Je niederer die Kreatur, desto dienst- und schikanegeiler wird sie, gibt man ihr ein Amt. Das alte Blockwart-Prinzip.
Schön, wie Du Deine Weltanschauung offenbarst...  :kotze>
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flipper

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Streikunrecht auf bundesdeutsch
« Antwort #13 am: 16:47:16 Fr. 05.Oktober 2007 »
Zitat
Original von Kater

ich denke effektiver ist es wenn sich die Streikenden mit den Bahnreisenden solidarisieren und einen "fahrscheinfreien Tag" veranstalten


aufruf zur straftat: beförderungserschleichung. das wisst ihr, oder?

sollte auch nur 1 GDLer das öffentlich auch nur billigen, wars das mit dem streik.
ein antrag von mehdorn beim arbeitsgericht langt und der streik ist verboten.

ich würde ja klimmzüge an den notbremsen empfehlen, kommt aber au ned gut weils wieder auf die GDL zurückfällt.
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handkey

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« Antwort #14 am: 17:02:41 Fr. 05.Oktober 2007 »
na komm, flipper, das kann man doch anders verklickern-
"spontane streiks des service- und begleitpersonals sind in den folgetagen nicht zu kontrollieren oder auszuschliessen,"
oder ähnliches..

Die Kolleginnen im Krankenhaus, die dei Patienten weiter behandelt, aber die Behandlungsbögen nicht weiter ausgefüllt haben sind schließlich auch damit durchgekommen, und die Teppichetage hatte beim Abrechnen die dicken Backen!
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