Autor Thema: Erntehelfer  (Gelesen 19356 mal)

Fritz Linow

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Re: Erntehelfer
« Antwort #30 am: 21:27:29 Di. 19.Mai 2020 »
Zu der heutigen Entwicklung bei den Erntehelfern in Bornheim gibt es auf diesem Twitterkanal einige nette kurze Filmchen:
https://twitter.com/johnmalamatinas

Ob sich der Geschäftsführer der ADWIN Consulting GmbH darüber freut?


Kuddel

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Kuddel

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Re: Erntehelfer
« Antwort #32 am: 22:16:50 Do. 21.Mai 2020 »
Zitat
Spanien ordnet Überprüfung auf Ausbeutung von Erntehelfern an
Der spanische Staat schickt Inspektoren auf die Höfe, um die Arbeitsbedingungen der Saisonarbeiter zu überprüfen und ob sie unter Druck gesetzt werden. Die Bauern sind über die Vorverurteilung empört.
https://www.topagrar.com/panorama/news/spanien-ordnet-ueberpruefung-auf-ausbeutung-von-erntehelfern-an-12067763.html

Es erinnert an das, was sich in Deutschland an den Schlachthöfen tut.
Der Staat hat sicherlich nicht plötzlich sein Herz für migrantische Arbeiter entdeckt. Die Ausbeuter haben den Bogen überspannt. Das wohlaustarierte Ausbeutungssystem droht ihnen um die Ohern zu fliegen.
Die Auseinandersetzungen in Bornheim sind eine Drohung, bzw. ein Hoffnungsschimmer. Er könnte sich ein Flächenbrand entwickeln.
Der Staat will genau das verhindern, indem die Ausbeuter ein wenig staatliche Kontrolle hinnehmen müssen, damit das gesamte Ausbeutungssystem weiterlaufen kann.

Ich kann meinen alten Vorschlag nur wiederholen: Wenn wir die Verhältnisse aufmischen wollen, müssen wir den Kontakt zu migrantischen Malochern suchen!

BGS

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Re: Erntehelfer
« Antwort #33 am: 06:35:01 Fr. 22.Mai 2020 »
... .

Ich kann meinen alten Vorschlag nur wiederholen: Wenn wir die Verhältnisse aufmischen wollen, müssen wir den Kontakt zu migrantischen Malochern suchen!

Wie wahr.

MfG

BGS
"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

https://forum.chefduzen.de/index.php/topic,21713.1020.html#lastPost
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)

Fritz Linow

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Re: Erntehelfer
« Antwort #34 am: 18:13:12 Fr. 22.Mai 2020 »
Nochmal Spargelhof Ritter in Bornheim: Hier ist ein Video von 2018 mit Aufnahmen von 2013/14 über die Unterbringung, teilweise wohl heimlich gefilmt. Das ist erst seit einer Woche in der Röhre. Keine Ahnung, was der Kommentator da redet, in der Beschreibung steht laut Googleübersetzung:

Zitat
Nach Gesprächen mit einigen Kollegen starb der 43-jährige Rumäne, nachdem er seine Arbeitgeber um Hilfe gebeten hatte, weil seine Brust und sein Herz sehr schmerzten. Nach einer Stunde der Barmherzigkeit fiel der Mann und ging in die andere Welt. Die Rumänen sagten, dass hier im Spargelhof Ritter in Bornheim vor etwa einem Monat ein weiterer 48-jähriger Rumäne gestorben ist und niemand weiß, warum und was mit seinem Körper passiert ist.

Aber so sieht es aus in der heilen Erdbeerwelt:



In diesem Blog werden weitere Schweinereien dokumentiert:
https://aebs.org/blog/lagar-de-romani-langa-bonn-doi-morti-in-ultima-luna-nu-s-a-chemat-salvarea-video/

Unter anderem sind dort auch Arbeitsverträge und Mietverträge eingescannt (2018), z.B.



ManOfConstantSorrow

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Re: Erntehelfer
« Antwort #35 am: 19:33:05 Sa. 23.Mai 2020 »
Zitat
Die Abwesenheit der zuständigen DGB-Gewerkschaft
Ausbeuterischem Spargeln den Sarg zunageln!

In der Nähe von Bonn zeigt sich gerade, zu welchen Spargel-Spitzenleistungen das deutsche Agrarkapital in der Lage ist, und wer dafür den Buckel krumm zu machen hat.
https://www.untergrund-blättle.ch/politik/deutschland/spargelernte-arbeitsrecht-2629.html

Arbeitsscheu und chronisch schlecht gelaunt!

Kuddel

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Re: Erntehelfer
« Antwort #36 am: 12:27:52 So. 24.Mai 2020 »
Auch der AK hat sich dieser Auseinandersetzung gewidmet:
Zitat
Der wilde Streik der rumänischen Feldarbeiter*innen in Bornheim zeigt, dass auch im System rassistischer Überausbeutung Kämpfe möglich sind
https://wirkommen.akweb.de/bewegung/der-streik-bei-spargel-ritter/

Nikita

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Re: Erntehelfer
« Antwort #37 am: 14:31:17 So. 24.Mai 2020 »
Rumänische Erntehelfer demonstrieren am Bonner Bertha-von-Suttner-Platz am 19.05.20



vom Kanal "Einsatzfahrten und so"

"Am 19.05.2020 gegen 13:00 Uhr trafen ca. 20 rumänische Erntehelfer vor der Kanzlei des Insolvenzverwalters in der Oxfordstraße am Bertha-von-Suttner-Platz im Bonner Zentrum ein, um mit ca. 30 Vertreter der anarchistischen Gewerkschaft Freie ArbeiterInnen Union, die bereits seit dem Morgen vor der Kanzlei demonstrierten, für Ihren Lohn bei Spargel Ritter zu kämpfen. Gegen 13:45 Uhr zogen alle gemeinsam über den Bertha-von-Suttner-Platz bis zum  rumänischen Konsulat im Legionsweg. Dort durften 10 Demonstranten in die Botschaft, um mit den Diplomaten zu sprechen. Das Konsulat nahm Kontakt zum rumänischen Landwirtschaftsministerium auf, deren Mitarbeiter den Arbeitern helfen möchten. Die Demonstration endete am Konsulat."

Kuddel

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Re: Erntehelfer
« Antwort #38 am: 15:09:10 So. 24.Mai 2020 »
Die rumänische Arbeitsministerin Violeta Alexandru hat die kämpfenden ArbeitInnen in Bornheim besucht. Die Rumänischen Medien sind voll mit Berichten darüber.

Ein deutscher Bericht:
https://www.rundschau-online.de/region/bonn/bornheim/spargelstreit-in-bornheim-rumaenische-ministerin-sagt-erntehelfern-unterstuetzung-zu-36730874

Fritz Linow

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Re: Erntehelfer
« Antwort #39 am: 13:29:28 Mo. 25.Mai 2020 »
Dem Insolvenzverwalter Andreas Schulte-Beckhaus droht weiteres Ungemach:
Zitat
Nach den gravierenden Unregelmäßigkeiten bei der Behandlung von Saisonarbeiter*innen auf dem in Insolvenz befindlichen Landwirtschaftsbetrieb „Spargel-Ritter“ in Bornheim bei Bonn wurde vom Bundestagsabgeordneten Dr. Alexander Neu bei der Staatsanwaltschaft Bonn Strafanzeige gegen den Insolvenzverwalter gestellt. (...)
https://www.dielinke-nrw.de/start/aktuell/detail/news/spargel-ritter-linke-stellt-anzeige-gegen-insolvenzverwalter/

Fritz Linow

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Re: Erntehelfer
« Antwort #40 am: 15:52:54 Mo. 08.Juni 2020 »
Die unschuldige und ehrenwerte Familie Ritter vom Spargelhof Ritter in Bornheim:

Zitat
8.6.20
Erschreckende Einblicke in die Erntehelfer-Branche

(...)
Bei den Protesten war auch der Besitzer des insolventen Betriebs Claus Ritter dabei. Er kritisierte den Insolvenzverwalter scharf und erklärte in der Lokalzeit aus Bonn, dass er das ganze Chaos nicht nachvollziehen könne: "Wir haben die Leute seit 25 Jahren. Das sind immer die gleichen Leute, die da jedes Jahr kommen. Wir haben mit denen noch nie Probleme gehabt."

Gab es nie Probleme mit Erntehelfern?
Sie sei fast vom Hocker gefallen, als sie diese Aussage von Claus Ritter im Fernsehen gesehen habe, erzählt Ursula Heß. Seit fünf Jahren arbeitet sie im Büro für die Eheleute Ritter. Sie sagt, die rumänischen Erntehelfer seien immer schlecht behandelt worden.
(...)
https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/einblicke-erntehelfer-branche-100.html

Nikita

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Re: Erntehelfer
« Antwort #41 am: 17:19:43 Mo. 08.Juni 2020 »
Die Recherche klingt so gruselig, dass ich sie noch mal als Fullquote reinstelle:

https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/einblicke-erntehelfer-branche-100.html

Erschreckende Einblicke in die Erntehelfer-Branche
Von Tobias Al Shomer

Dieser Artikel ist eine gemeinsame Recherche des WDR Landesstudios Bonn und des General-Anzeigers Bonn

Es waren Bilder, die deutschlandweit Schlagzeilen gemacht haben: rumänische Erntehelfer protestieren vor dem Spargel- und Erdbeerhof Ritter in Bornheim. Angeblich, weil sie zu wenig Lohn erhalten hätten. Der Betrieb ist pleite. Der Insolvenzverwalter erklärt aber gegenüber dem WDR und General-Anzeiger, dass alle Erntehelfer vertragsgemäß bezahlt worden seien.

Massenprotest von 150 Feldarbeitern in Bornheim | mehr
Bei den Protesten war auch der Besitzer des insolventen Betriebs Claus Ritter dabei. Er kritisierte den Insolvenzverwalter scharf und erklärte in der Lokalzeit aus Bonn, dass er das ganze Chaos nicht nachvollziehen könne: "Wir haben die Leute seit 25 Jahren. Das sind immer die gleichen Leute, die da jedes Jahr kommen. Wir haben mit denen noch nie Probleme gehabt."

Gab es nie Probleme mit Erntehelfern?
Sie sei fast vom Hocker gefallen, als sie diese Aussage von Claus Ritter im Fernsehen gesehen habe, erzählt Ursula Heß. Seit fünf Jahren arbeitet sie im Büro für die Eheleute Ritter. Sie sagt, die rumänischen Erntehelfer seien immer schlecht behandelt worden.

WhatsApp-Nachricht vom 10. Mai 2017. "Frau Ritter zahlt jetzt die 15 Leute von heute Morgen aus, mit 4 Mann von der Security im Rücken."Whats App-Nachricht der Mitarbeiterin
Bei Auszahlungen in den letzten Jahren seien immer Polizei und Sicherheitsdienst mit dabei gewesen. Als Beleg zeigt sie uns eine Whats App-Nachricht, die sie am 10. Mai 2017 an ihren Ehemann geschrieben hat: "Frau Ritter zahlt jetzt die 15 Leute von heute Morgen aus, mit 4 Mann von der Security im Rücken (...)"

Auch sonst sei der Umgang ruppig gewesen. Besonders in Erinnerung geblieben, ist ihr ein Vorfall aus dem Sommer 2018: "Da wollte ein Mann unbedingt nach Hause. Ich weiß nicht mehr, was der Grund war, aber er hatte offensichtlich große Probleme. Dem wurde das abgewiesen und dann griff er hier durch das offene Fenster in meinem Büro, nahm sich meine Büroschere und schlitzte sich damit den kompletten Oberarm auf. Nach dem Motto: wenn ich verletzt bin kann ich nicht mehr arbeiten und dann müsst ihr mich nach Hause schicken." Weitere Kollegen bestätigen diesen Fall.

Abgelaufenes Kantinen-Essen
Monika Blank bestätigt das. Sie hat als Küchenkraft auf dem Hof gearbeitet. Das Mindeshaltbarkeitsdatum der Lebensmittel sei immer wieder abgelaufen gewesen, sagt sie. Trotzdem seien die verarbeitet worden. Noch heute schaudert es sie, wenn sie an tiefgekühlte Hähnchen zurückdenkt: "Also das waren diese kleinen Hähnchenkeulen. Die waren im Gefrier 3 Jahre abgelaufen. Die Anweisung war halt, noch mal gut zu waschen. Salz, Pfeffer und gut zu würzen. Damit die Leute das halt nicht merken. Irgendwo hatte man ein schlechtes Gewissen, aber irgendwie denkste Dir: ok, mach es einfach. Weil Du irgendwie immer diesen Druck gekriegt hast. Irgendwann gibst Du es auf und sagst gar nichts mehr dazu. Du nimmst es einfach irgendwie hin." Weitere Kollegen bestätigen diese Zustände in der Küche.

Ritter weist Vorwürfe zurück
Die Anschuldigungen zur Küche weist Claus Ritter auf Anfrage des WDR zurück. Es habe immer gutbürgerliches Essen gegeben, das neben den Erntehelfern auch die anderen Angestellten und seine Familie sowie er selbst gegessen hätten.

Claus Ritter.Claus Ritter weist die Vorwürfe zurück
Den Vorfall mit der Schere bestätigt er: "Durch unsere übertarifliche Bezahlung hatten die Erntehelfer schnell Ihren Lebensunterhalt verdient und versuchten bereits weit vor Vertragsende abzureisen. Bei den dann geführten Gesprächen Zwecks fristgerechten Verbleib in unserem Betrieb, da wir in der Ernte auf die Kräfte angewiesen waren, kam es zu dem von Ihnen erwähnten Zwischenfall mit der Bastelschere." Der Mann habe aber nicht Mal einen Arzt aufsuchen müssen und sich am nächsten Tag entschuldigt. Er habe auch in den Folgejahren weiter auf seinem Hof gearbeitet.

Die Containerunterkünfte neben dem Spargelfeld.Feldarbeiter protestieren03:09 Min. Verfügbar bis 19.05.2021Eine Halle des Spargelhofs Ritter mit einer Erdbeerfigur auf dem Dach.Halle des Spargelhofs
Ein anderes Bild zeichnet eine Kontrolle des Zolls Mitte Oktober 2018. Am Firmensitz und im privaten Wohnhaus in Bonn-Endenich gab es Hausdurchsuchungen. Aus dem Einsatzbericht, der WDR und General-Anzeiger vorliegt, geht hervor, dass mutmaßlich Erntehelfer den Zoll verständigt hatten. Im Bericht steht: "In Zusammenhang mit verzögerten Lohnzahlungen wurden die Beschuldigten und der Rechtsanwalt auf den Nötigungstatbestand hingewiesen, da Arbeitnehmer wegen der fehlenden Entlohnung nicht in ihr Heimatland abreisen können."

Gefälschte Papiere für Sozialversicherung
Brisanter dürfte für die Eheleute der Fund diverser Siegel und Stempel damals sein. Offenbar stehen die im Zusammenhang mit Formularen ausländischer Sozialversicherungsträger. Ursula Heß erinnert sich, dass sie an dem Tag gar nicht im Büro war: "Ein paar Tage später hat mir die Frau Ritter verzweifelt erzählt, mit Tränen in den Augen, dass sie richtig Angst hat und dass sie befürchtet, dass da noch was ganz Schlimmes auf sie zukommt. Sie hätten diverse Papiere, die die Rumänen im Grunde benötigen, um hier arbeiten zu können, gefälscht. Hätten also da diverse Stempel zu Hause gehabt von diesen verschiedenen rumänischen Distrikten (...) und hätten dann mehr oder weniger die Papiere selber ausgefüllt für die Rumänen mit rumänischen Stempeln, Siegelstempel versehen."

Rumänische Erntehelfer dürfen unter bestimmten Voraussetzungen in einem Zeitraum von 90 Tagen sozialversicherungsfrei in Deutschland arbeiten. Ursula Heß hat die Anmeldung der Rumänen auf Anweisung von Sabine Ritter bearbeitet. Sie sagt, auf dem Hof habe es ein eigenes System gegeben: "Dann ist aber irgendwann Mal durchgesickert. Ja, ja, die fahren dann nach Hause nach ihren 90 Tagen, weil sie auch die Familie Mal sehen möchten und kommen dann mit nem anderen Ausweis und anderen Papieren aber selber wieder und sind dann halt unter anderem Namen wieder für 90 Tage hier."

Fritz Linow

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Re: Erntehelfer
« Antwort #42 am: 22:42:16 Mo. 08.Juni 2020 »
Auch der investigative Generalanzeiger aus Bonn berichtet aktuell von Spargelritter:

Zitat
8.6.20
Einreise unter falscher Identität

Zollbericht belegt: Schon 2018 Missstände bei Spargel Ritter

Bornheim/Bonn Ein alter Zoll-Bericht belegt Missstände bei Spargel Ritter: Schon 2018 kam es zu Verzögerungen bei der Auszahlung des Lohns und Saisonarbeiter reisten unter falscher Identität erneut ins Land ein. Das ergaben gemeinsame Recherchen des GA und des WDR Landesstudios Bonn.

Der insolvente Bornheimer Erdbeer- und Spargelhof Ritter kommt nicht zur Ruhe. Während der Proteste rumänischer Erntehelfer Mitte Mai wegen angeblich ausstehender Lohnzahlungen und hygienischer Mängel in der Unterkunft sprachen Ritters in einer Stellungnahme auf Facebook noch von einem „bis Dato gut funktionierenden und sauber geführten Familienbetrieb“. Zu verstehen sind diese Worte als deutliche Kritik am Bonner Insolvenzverwalter Andreas Schulte-Beckhausen, der die Geschäfte im Zuge der Insolvenz seit dem Frühjahr führt und Claus Ritter wegen Unruhestiftung Hausverbot auf dem Betriebsgelände erteilt hatte.

In einem Beitrag der WDR-Lokalzeit Bonn zu den Protesten ist Claus Ritter zu sehen, wie er sagt: „Wir haben mit denen noch nie Probleme gehabt.“ Gemeint sind die rumänischen Erntehelfer. Eine Aussage, die nach gemeinsamen Recherchen von General-Anzeiger und WDR-Landesstudio Bonn unhaltbar ist. Denn was er verschweigt, was aber mehrere ehemalige Ritter-Mitarbeiter nun berichten, ist: Vor etwa zwei Jahren rammte sich einer der Saisonarbeiter eine Schere in den Arm. Das soll eine Tat aus Verzweiflung gewesen sein, weil Ritters ihn genötigt hätten, zu bleiben, um das Geld für seine An- und Abreise abzuarbeiten.

Der Bericht eines Zoll-Einsatzes bei Ritter aus dem Oktober 2018, der GA und WDR vorliegt, belegt, dass es schon damals zu Verzögerungen bei der Auszahlung des Lohns kam. „Im Zusammenhang mit verzögerten Lohnzahlungen wurden die Beschuldigten und der Rechtsanwalt auf den Nötigungstatbestand hingewiesen, da Arbeitnehmer wegen der fehlenden Entlohnung nicht in ihr Heimatland abreisen können“, heißt es in dem Zoll-Bericht. Und weiter: Ritter habe zugesagt, die Lohnzahlungen „umgehend vorzunehmen“.

Gleichwohl ermittelt die Staatsanwaltschaft nach Informationen von GA und WDR gegen Claus Ritter und seine Frau Sabine seit 2018 wegen Steuerhinterziehung und Sozialversicherungsbetrug. Zudem gibt es ein Ermittlungsverfahren, das sich um illegale Geschäfte mit Oldtimern dreht.

Bei dem Einsatz an Ritters Privatanschrift stellte der Zoll laut Bericht ferner einen nicht registrierten Revolver samt Munition und eine Schreckschusswaffe sicher. Auch rückte eine mit Siegeln und Stempeln gefüllte Stofftüte ins Visier der Fahnder. Ritter hatte während des Einsatzes vergeblich versucht, diese zu verstecken, indem er sie unter einen Anhänger mit Brennholz warf.

Auf die Tüte von den Fahndern angesprochen, sagte Ritter laut Bericht, „dass die einen Briefmarken sammeln und der andere das“, also die Stempel. Zudem müssten die Ermittler die dazu gehörigen Dokumente haben – und die fänden sie nicht.

Die Frage drängt sich auf, ob Ritter die Stempel möglicherweise dazu genutzt haben könnte, um Dokumente der rumänischen Erntehelfer zu fälschen. Denn nach Informationen von GA und WDR war es bei Ritter Praxis, dass Saisonarbeiter nach spätestens drei Monaten das Land verließen und unter falscher Identität wieder einreisten. Auf diese illegale Weise sollten Steuern und Abgaben gespart werden. Aus dem Umfeld das Betriebs wird dies von verschiedenen Seiten bestätigt.

So sei auch stets Unruhe ausgebrochen, wenn ein Erntehelfer medizinische Versorgung brauchte. Denn man habe nicht gewusst, mit welchen Papieren der Betroffene zum Arzt gebracht werden sollte, erzählt ein Mensch, der es wissen muss, aber anonym bleiben will. Diese Person berichtet zudem von einem „schlimmen Umgang“ mit den Erntehelfern bei Ritter. Den Angaben zufolge waren aber auch Erntehelfer Teil des Problems, besonders die „Clans“, die angereist seien. „Wenn die gesagt haben, es wird nicht gearbeitet, wurde nicht gearbeitet.“ Schon immer sei es so gewesen, dass rumänische Erntehelfer der Meinung waren, dass sie zu wenig Geld bekommen. „Die waren immer am Pokern“. All diese Schilderungen stehen in deutlichem Widerspruch zu den Äußerungen der Ritters auf Facebook und im Fernsehen, nach denen es Probleme mit den Erntehelfern erst seit der Insolvenzverwaltung in diesem Jahr gegeben haben soll.

Zu dem Einsatz des Zolls und den Ermittlungen gegen ihn äußert sich Claus Ritter indes nicht. Den Vorfall mit dem Erntehelfer, der sich eine Schere in den Arm gerammt haben soll, bestätigt er jedoch. Seine Version lautet wie folgt: Durch die „übertarifliche Bezahlung“ hätten die Erntehelfer schnell Ihren Lebensunterhalt verdient und „bereits weit vor Vertragsende“, versucht abzureisen. „Wie sich Menschen mit gesundem Verstand vorstellen können, musste die durch die Bastelschere entstandene „Verletzung“ nicht ärztlich behandelt werden“, äußert sich Ritter schriftlich. Bereits einen Tag nach diesem Vorfall habe sich der Erntehelfer „aufrichtig“ entschuldigt. Bis heute komme er jedes Jahr in den Betrieb zurück.
https://www.general-anzeiger-bonn.de/region/voreifel-und-vorgebirge/bornheim/spargel-ritter-aus-bornheim-schon-2018-wurde-lohn-zu-spaet-ausgezahlt_aid-51549287


ManOfConstantSorrow

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Re: Erntehelfer
« Antwort #43 am: 14:14:37 Mo. 22.Juni 2020 »
Zitat
Verschweigen, verdrängen, ignorieren

Die Ausbeutung osteuropäischer Wanderarbeiter*innen findet wenig Aufmerksamkeit – in Bornheim war das anders. Was folgt daraus?



Als juristischer Nachklapp der Ereignisse in Bornheim bleiben jetzt noch rund 150 bis 200 Einzelverfahren um ausstehenden Lohn.

er Pulverdampf hat sich innerhalb einer Woche verzogen, die meisten rumänischen Erntehelfer*innen sind entweder zurück nach Hause gereist oder haben bei anderen Landwirtschaftsbetrieben angeheuert. Jetzt sind die 180 Wohncontainer, in denen sie in drei Zeilen übereinander gestapelt hausten – abgezäunt und von Security bewacht, versteckt, isoliert und vergessen zwischen Bahndamm, Roisdorfer Klärwerk und Friedhof –, wieder verlassen. Die Europäische Union hat dem »Bornheimer Spargel« 2014 den Titel »geschützte geografische Angabe« verliehen. Die Region zwischen Köln und Bonn ist bekannt für ihre fruchtbaren Böden, was große Chemiekonzerne wie Shell, Evonik oder LyondellBasell nicht daran hindert, diese systematisch zu verseuchen. (1) Der Beliebtheit des Spargels hat es bis jetzt nicht geschadet.

Während die EU die Bornheimer Spargelbauern und -bäuerinnen also mit einem Siegel vor unlauteren Wettbewerbern schützt, schuften diejenigen, die im Mai die Ernte einbringen, abseits öffentlicher Wahrnehmung, unbeobachtet auch vom trägen Auge des Gesetzes. Für die rumänischen Erntehelfer*innen aus verarmten Regionen wie Banat und Transsylvanien hat die EU höchstens individuelle Sonderbetreuung und Beratung in Form des Projekts »Faire Mobilität« parat: Muttersprachliche Akademiker*innen leisten individuelle Rechtsberatung und Betreuung. Gewerkschaftliche Organisierung, Proteste, Streiks und Arbeitskämpfe sind eher nicht ihr Ding.

Diesmal kam die »Faire Mobilität« zu spät. Am Freitag, den 15. Mai 2020, legten 100 bis 300 Erntehelfer*innen in Bornheim bei Bonn unter Protest die Arbeit nieder. Bereits am Montag, den 18. Mai, folgten rund 150 bis 200 Unterstützer*innen einem Aufruf anarchosyndikalistischen Freien Arbeiter*innen Union Bonn (FAU) und demonstrierten vor der Unterkunft der Erntehelfer*innen.

Die Mobilisierung war beeindruckend. Den Anstoß gab eine schnelle, intensive Lokalberichterstattung durch General-Anzeiger, Rheinische Post und Express, denen im Lockdown nach echten Ereignissen dürstete. Die FAU Bonn baute spontan Kontakt auf zu den Arbeiter*innen, organisierte praktische Hilfe und mobilisierte – neben vielen anderen. Kurzfristig kamen Leute aus Köln, Bonn, Düsseldorf, sogar Frankfurt und Essen zusammen, die froh waren, in Zeiten des Lockdowns einen Ansatzpunkt für sinnvolle Intervention zu finden: angewandte Solidarität, Anti-Rassismus und Arbeitskampf. Gemeinsam mit den Betroffenen zog das Protestgemisch an jenem Montag lautstark vom Container-Lager zur Zahlstelle und konnte dort durchsetzen, dass der Bonner Rechtsanwalt Harald Klinke sowie rumänisch-deutsche Übersetzer*innen die anstehenden Lohnauszahlungen begleiteten. Sie konnten verhindern, dass die Arbeiter*innen dubiose Quittungen unterzeichneten, mit denen sie weitere Forderungen abtraten.

Ein Lehrstück des institutionellen Rassismus


Der Streik war ausgebrochen, als der Bonner Insolvenzverwalter Andreas Schulte-Beckhausen, der das Pleite-Unternehmen Sabine & Claus Ritter GbR bereits seit Anfang März 2020 leitet, am Ende für einen Monat Arbeit nur 200 bis 250 Euro rausrücken wollte. Um die letzte Ernte in Zeiten von Corona noch einzubringen, hatte Schulte-Beckhausen aber für mehrere Wochen Arbeit wohl rund 2.000 Euro in Aussicht gestellt.

Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner ließ die Rumän*innen mitten im Lockdown per Sonderregel extra über Düsseldorf einfliegen. Als die Lohntüte nur ein Zehntel der erhofften Summe aufwies, platzte den Leuten der Kragen, die zuvor ohne Heizung die Eisheiligen überstehen mussten, verschimmeltes Essen serviert bekamen und neben Müllbergen wohnten, die nicht entsorgt wurden, von Infektionsschutz und Hygiene, selbst regelmäßig gereinigten sanitären Einrichtungen ganz zu schweigen. Vor allem wussten die Arbeiter*innen nicht, wie sie ohne ihren rechtmäßigen Lohn überhaupt nach Hause kommen sollten. Vielen drohte die Obdachlosigkeit.

    Um das Gespenst wilder Streiks von Wanderarbeiter*innen zu bannen, setzt die EU vor allem auf Soft Power.

Der Bornheimer Spargelstreik ist ein Lehrstück des industriellen und institutionellen Rassismus in Zeiten der EU-Osterweiterung, ebenso wie für plötzlich aufflammende, spontane Arbeiterproteste, die nach 120 Jahre alten syndikalistischen oder revolutionär-unionistischen Mustern verlaufen. Nur wenig unterschied das Szenario von historischen Streiks wie dem Free Speech Fight in Fresno, Kalifornien, im Jahr 1910. (2) Statt auf Seifenkisten zur Menge zu sprechen, wie es damals Joe Hill und Frank Little taten, sprechen die Wortführer*innen heute lautstark und empört in Handies, die das Geschehen auf Facebook, Youtube und Twitch in die Welt streamen.

Doch so schnell die Emotionen überborden und rumänische Wanderarbeiter*innen plötzlich schwarz-rote Fahnen schwenken, so schnell zerstreuen sich die Leute auch wieder und dies – so meine Befürchtung – ohne erkennbaren Nachhall oder organisatorische Verankerung. Eine Erkenntnis, die 1910 schon frustrierte. Um das Gespenst wilder Streiks von Wanderarbeiter*innen zu bannen, setzt die EU vor allem auf Soft Power. Entstehende Risse im Herzen der EU sollen heute möglichst schnell oder sogar präventiv gekittet werden – gerne auch durch ehemals linkes, »progressives« Personal, dessen Projekte der EU-Sozialfonds und gewerkschaftsnahe Fördertöpfe recht großzügig finanzieren. (3) Schon durch deren üppig bezahlte Stellen entsteht eine scharfe Trennung zwischen Betreuer*innen und Betreuten sowie zwischen Forscher*innen und Erforschten. Die Praxis dieser Projekte verschärft diese Grenze. Es geht nicht um gemeinsame Kämpfe, Mobilisierung, gar Aufruhr – also Grenzüberschreitung –, sondern um Einhegung und Einzelfallbetreuung durch Profis. Am Ende landet alles vor Arbeitsgerichten und manche Betroffene dürfen sich über finanzielle Trostpflaster freuen. Aber es ändert sich nichts.

Was wir für die Zukunft lernen könnten


Als juristischer Nachklapp der Ereignisse in Bornheim bleiben jetzt noch rund 150 bis 200 Einzelverfahren um ausstehenden Lohn. Die FAU prüft mit Anwalt Harald Klinke außerdem, ob der Insolvenzverwalter Andreas Schulte-Beckhausen kriminell handelte. Er hatte gemeinsam mit Andreas Willems (Adwin Consulting GmbH) per Video zunächst auch deutsche Erntehelfer*innen angeworben und ihnen einen Stundenlohn von 10 Euro in Aussicht gestellt. Seine massenhafte Anwerbung aus Rumänien – trotz Pleite – wirkt wie Betrug, die Unterbringung mindestens sittenwidrig.

Es bleiben zudem – kurz skizziert – folgende Lehren:

Erstens: In Deutschland existiert eine Schattenarmee, die wesentliche Teile der Produktion stemmt. Arbeiter*innen aus Osteuropa sind anzutreffen in den Bereichen Landwirtschaft, Fleisch-Industrie, Schiffbau (Meyer-Werft), Reinigung, häusliche Pflege, Bau-Industrie. Die Arbeits- und Wohnbedingungen dieser Menschen – meist Werkverträge, Leiharbeit, Saisonarbeit – sind weitgehend unbeachtet und unbekannt. Der industrielle Rassismus besteht vor allem in systematischer Ungleichbehandlung, Ausbeutung, Rechtsnihilismus und Vertuschung.

Zweitens: Wir dürften uns nicht durch liberale Multi-Kulti-PR täuschen lassen, die für Ausbeuter*innen wie den Schweine-Baron Clemens Tönnies und viele andere inzwischen zum guten Ton gehört. Der industrielle Rassismus hat nichts gegen Ausländer*innen, solange sie brav den Platz einnehmen, der für sie vorgesehen ist. Für die Masse sieht er einen Platz ganz unten in der Verwertungskette vor.

Drittens: Diese industrielle Schattenarmee und das verschämte Verschweigen ihrer Existenz – obwohl es eigentlich alle wissen (können) – hat ihre direkten Vorläufer in der Zwangsarbeit, die im 1. Weltkrieg begann und im 2. Weltkrieg perfektioniert wurde. Danach kamen die »Fremdarbeiter«, die zu »Gastarbeitern« wurden. Heute: Werkverträge, Leiharbeit, sachgrundlose Befristung. Das Verschweigen, Verdrängen, Ignorieren ist eine überlieferte Verhaltensweise.

Viertens: Die Grundlage des industriellen Rassismus ist die Zerstörung vormals intakter Regionen: de-industrialisierte, bankrotte, privatisierte und von Land-Grabbing betroffene EU-Regionen vor allem Bulgariens und Rumäniens. Viele Obdachlose und Bettler*innen in deutschen Städten dürften eine Vorgeschichte als Wanderarbeiter*innen haben, die vom System angesogen, ausgepresst und wieder ausgespuckt wurden. Da sie als EU-Staatsbürger*innen Freizügigkeit genießen, haben sie zwar einerseits ein Recht hier zu bleiben, genießen aber andererseits viel weniger Aufmerksamkeit und Sympathie als Geflüchtete.

Fünftens: Die Behörden greifen nicht ein. Sie sehen zu, auch wenn offensichtlich rechtswidriges Verhalten, Straftaten und sogar organisierte Kriminalität selbst für Laien schon erkennbar sind. Zudem sind wichtige Kontrollinstanzen systematisch unterversorgt mit Personal und Ressourcen. Die Folge sind Rechtsnihilismus, Straflosigkeit bis hin zu mafiösen Strukturen.

Sechstens: Die EU ist ein hoch aggressives Gebilde, kein fortschrittliches Projekt. Sie verschleiert ihren ausbeuterischen, rassistischen Charakter durch Methoden der Soft Power.

Und schließlich: Wo wohnen die Wanderarbeiter*innen? Der erste Schritt, um die Verhältnisse irgendwann verändern zu können, besteht im Sichtbarmachen – wie in Bornheim etwa durch die Lokalpresse geschehen. In Zukunft wären Eigenrecherche und Kartografierung vonnöten. Die Peripherie ist derzeit unerforscht: Ostwestfalen, Niederrhein, Bornheim und so weiter. Der Schritt muss dann sein: Kontaktaufnahme mit Hilfe von Muttersprachler*innen.

Es bleibt abzuwarten, ob der Bornheimer Spargelstreik nur ein heller Moment in der Corona-Krise war, der durch das unwahrscheinliche Zusammentreffen günstiger Faktoren möglich wurde. Wünschenswert wäre das Gegenteil: Eine neue Welle sozialer Kämpfe in dieser Richtung. Lernen wir Rumänisch!

Elmar Wigand

Elmar Wigand ist Pressesprecher der aktion ./. arbeitsunrecht.

Anmerkungen:
1) Shell betreibt in Godorf und Wesseling die größten Raffinerieanlagen Deutschlands, gebaut noch unter dem NS-Fliegergeneral Hermann Göring. Auch viele Rohre sind noch aus dem Jahr 1941. Am 30.5.2012 gab Shell bekannt, dass zuvor etwa eine Million Liter Kerosin durch eine defekte Leitung in den Boden geströmt waren. Seit 2015 warnt die Stadt Köln die Bewohner*innen der südlichen Stadtteile Rondorf, Immendorf, Hahnwald, Poll und Porz davor, das Grundwasser zu trinken oder zum Pflanzengießen zu verwenden. Es ist mit PFC verseucht und gilt als krebserregend. Ursache: unklar.
2) Fresno war ein Zentrum der kalifornischen Landwirtschaft. Die IWW setzte das Recht der freien öffentlichen Rede ab 1910 im fruchtbaren San-Joaquin-Tal durch, um Erntearbeiter*innen agitieren zu können. Matthew S. May: Hobo Orator Union. The Free Speech Fights of the Industrial Workers of the World, 1909-1916 (PDF) (Ph.D). University of Minnesota 2009, S. 51 ff.
3) Besonders gerne tragen diese Projekte das Wort »Fair« im Namen: Faire Mobilität, IG Werkfairträge, Fair im Betrieb / Work watch.
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Kuddel

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Re: Erntehelfer
« Antwort #44 am: 10:45:30 Mi. 08.Juli 2020 »
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Rechtsstreit nach Pleite in Bornheim
Alter Porsche von Ritter sorgt für Streit vor Gericht

Der Prozess um den Verkauf eines Sportwagens gibt Einblicke in die Autogeschäfte eines Bornheimer Landwirtes – auch wenn dieser gar nicht am Verfahren beteiligt ist.


Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt gegen den Landwirt Claus Ritter wegen mutmaßlich illegalen „Fahrzeugfinanzierungsgeschäften“. Ob es dabei auch um den folgenden Fall geht, ist unklar. Trotzdem wirft der Zivilprozess, der am Freitag am Landgericht Köln begann, ein Schlaglicht auf Ritters Machenschaften rund um teure Autos. In dem Prozess geht es nicht direkt um Ritter und dessen Bornheimer Erdbeer- und Spargelhof. Dieser steht seit März unter Insolvenzverwaltung.

Vielmehr beansprucht in dem Verfahren ein Unternehmen, das auf Leasing und Finanzierung von Luxusautos spezialisiert ist, das Eigentum an einem Porsche 964.

Die Situation bei Spargel Ritter

Der Bornheimer Spargel- und Erdbeerhof Ritter steht seit März dieses Jahres unter Insolvenzverwaltung. Mitte Mai demonstrierten überwiegend aus Rumänien stammende Saisonarbeiter gegen angeblich ausstehenden Lohn und schlechte Unterbringung. In Bonn marschierten sie zum rumänischen Konsulat. Aufs Feld nach Bornheim kam sogar die rumänische Arbeitsministerin. Daraufhin wurde die Ernte vorzeitig abgebrochen, Ritter bekam von Insolvenzverwalter Andreas Schulte-Beckhausen Hausverbot.

Indes ist Ritter nicht nur wegen mutmaßlich illegaler Finanzierung von Fahrzeug ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Nach Informationen von GA und WDR  ermittelt sie seit 2018 auch wegen Steuerhinterziehung und Sozialversicherungsbetrug.

2016 hatte ein Zahnarzt den Porsche gekauft


Diesen hat ein Zahnarzt aus dem Rheinland 2016 für eine halbe Million Euro von Ritter gekauft. Laut dem Anwalt des Unternehmens, dessen Vorstandschef auch bei der Verhandlung anwesend war, sei Ritter allerdings gar nicht dazu berechtigt gewesen, das Auto zu verkaufen.
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Ritter soll bis zu 86 Oldtimer besessen haben

Der Fall mit dem Porsche sei so, „als ob der Mieter eine Wohnung verkauft und dann dem Eigentümer sagt: Pech gehabt“, sagte der Anwalt des Finanzdienstleisters vor Gericht. Merkwürdig sei zudem, dass der Zahnarzt das Auto in bar bezahlt habe. Insgesamt werde momentan nach insgesamt einem Dutzend verschwundener Autos gesucht, die Ritter finanziert habe. Deren Wert belaufe sich auf etwa 15 Millionen Euro – „konservativ geschätzt“. „In der Spitze“ sei Rittter Besitzer von 86 Oldtimern gewesen.

Damit der Zahnarzt den Porsche 964 – nach GA-Informationen Baujahr 1993 und damit übrigens noch kein Oldtimer – behalten darf, soll er nun nach dem Willen des Finanzdienstleisters 600 000 Euro zahlen.
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https://www.general-anzeiger-bonn.de/region/voreifel-und-vorgebirge/spargel-ritter-rechtsstreit-um-porsche_aid-52016807