Autor Thema: Erntehelfer  (Gelesen 19663 mal)

Kuddel

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Re: Erntehelfer
« Antwort #45 am: 12:42:03 Do. 09.Juli 2020 »
Zitat
Ärger auf den Feldern
Proteste von Saisonarbeitskräften in Ladenburg

Saisonarbeitskräfte haben am Montag in Ladenburg ihrem Ärger über zu wenig Lohn Luft gemacht. Einige sagen, dass sie am Monatsende gerade Mal 150 Euro in der Tasche haben.


Es sind harte Vorwürfe, die von einigen Erntehelfern an der Bergstraße kommen. Der Hegehof - einer der größten Obst und Gemüsehöfe an der Bergstraße, zahle zu wenig. Dieter Hege weist das entschlossen zurück. Er bezahle den Mindestlohn von 9,35 Euro - genau das, was gesetzlich vorgeschrieben ist. Viele seiner Arbeiter seien damit zufrieden, sagte er dem SWR. Er sieht den Grund für den Streit in der aktuellen Situation.

Wer in dieser Saison aus Rumänien nach Deutschland kam, konnte das nur unter erschwerten Bedingungen. Üblicherweise würden Busfahrer die Erntehelfer bringen. Diese Fahrer würden als Vermittler eingesetzt, um den Arbeitern die Vorgehensweisen sowie die Bezahlungsmodalitäten zu erklären.

Vermittler für die Erntehelfer in der Kritik

In diesem Jahr kamen andere Erntehelfer per Flugzeug und auch die Vermittler waren andere. Diese fürchten nun den Zorn der Arbeiter. Eine Vermittlerin ist aus Angst mit ihrer Familie wieder unterwegs zurück nach Polen.

Die Arbeiter, die jetzt protestiert haben, sollen den regulären Stundenlohn bekommen haben. Wenn sie aber ihre Steuer-Identifikationsnummer nicht angegeben hatten, wurden sie in Steuerklasse 6 eingestuft, heißt es von Seiten des Hofes. Dann blieben ihnen 600 Euro im Monat. Davon wurden noch Kosten für Unterkunft und Verpflegung abgezogen.
https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/mannheim/ladenburg-aerger-um-erntehelfer-am-hegehof-100.html

Kuddel

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Re: Erntehelfer
« Antwort #46 am: 10:13:23 Di. 21.Juli 2020 »
Zitat
Spargel- und Erdbeerernte
"Arbeitgeber wetten darauf, dass die Menschen sich nicht wehren"

Zehntausende Saisonarbeiter ernten jedes Jahr in Deutschland Spargel und Erdbeeren. Die Gewerkschafterin Catalina Guia betreut solche Menschen - sie erzählt von Angst und unhaltbaren Zuständen.
https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/saisonarbeiter-in-der-spargel-und-erdbeerernte-arbeitgeber-wetten-darauf-dass-die-menschen-sich-nicht-wehren-a-b1f82efa-0189-4159-b031-0f99998adb64

Kuddel

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Re: Erntehelfer
« Antwort #47 am: 20:31:30 So. 26.Juli 2020 »
Zitat
Auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Mamming in Bayern haben sich mindestens 174 Erntehelfer mit dem Coronavirus infiziert. Das berichtete der Sender Antenne Bayern unter Berufung auf die Behörden im Landkreis Dingolfing-Landau.

Demnach sei der gesamte Betrieb unter Quarantäne gestellt worden und werde nunmehr von einem Sicherheitsdienst überwacht. Laut Antenne Bayern dürfen 480 Mitarbeiter und die Betriebsleitung das Gelände nicht verlassen.
https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2020-07/pandemie-coronavirus-infektion-erntehelfer-bayern-quarantaene

Die Coronakrise macht's möglich, man interniert einfach 480 Arbeitsmigranten. In bester deutscher Tradition.

Fritz Linow

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Re: Erntehelfer
« Antwort #48 am: 17:07:13 Mi. 29.Juli 2020 »
Zitat
27.7.20
Video: Serie: Erntehelfer in der Krise
Erntehelfer aus Osteuropa sind nicht mehr aus der deutschen Landwirtschaft wegzudenken - so wie die zwei rumänischen Geschwister Simi und Ancuta. Sie wollen zurück nach Rumänien, warten aber verzweifelt auf ihren Lohn.
https://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/mittagsmagazin/videos/Serie-Erntehelfer-in-der-Krise-1-100.html

Kuddel

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Re: Erntehelfer
« Antwort #49 am: 19:33:20 Mi. 29.Juli 2020 »
Ich hab mir das Video gerade angesehen. Ein Dokument der Erbärmlichkeit der deutschen Gewerkschaftsbewegung. In dem Beitrag ist die ganze Zeit die Rede von "Gewerkschaftern", als es real um Mitarbeiter von "Faire Mobilität" ging.

Von der Webseite des Bundesministerium für Arbeit und Soziales
Zitat
Bei der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration wurde zum 21. Mai 2016 die "Gleichbehandlungsstelle EU-Arbeitnehmer" eingerichtet. Ziel der Stelle ist es, EU-Arbeitnehmerinnen und -Arbeitnehmer sowie ihre Familienangehörigen in ihren Rechten zu unterstützen, die ihnen im Rahmen der Arbeitnehmerfreizügigkeit zustehen.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales fördert bereits seit dem 1. August 2011 das Beratungs- und Informationsprojekt "Faire Mobilität - Arbeitnehmerfreizügigkeit sozial, gerecht und aktiv". Die Projektumsetzung haben der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und dessen Partner übernommen. Das kostenlose Angebot richtet sich an Arbeitskräfte aus anderen europäischen Ländern und hilft ihnen dabei, gerechte Löhne und faire Arbeitsbedingungen durchzusetzen.

Es findet irgendwie unter dem Dach des DGB statt und wird von der Bundesregtierung finanziert. Und wenn dan Extremausbeutung und Sklaverei aufgedeckt werden, reagiert man keineswegs mit gewerkschaftlichen Mitteln (Solidarität von Kollegen aus der Branche, Arbeitsniederlegungen, Demos, Blockaden), nein, man schlägt den juristischen Weg vor oder ruft gleich die Bullen. Gewerkschafter, die also nicht mehr auf den gewerkschaftlichen Kampf hoffen, sondern bestenfalls auf den Rechtsstaat.  Seufz.

Fritz Linow

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Re: Erntehelfer
« Antwort #50 am: 20:05:25 Mi. 29.Juli 2020 »
Dass man da eher auf Behörden und Rechtskram setzt, ist nicht verwunderlich. Trotzdem bietet das Filmchen ganz interessante Einblicke, z.B. die aufgenommene Ansage des Chefs oder die eingeschüchterten Erntearbeiter, aber auch, dass es tatsächlich eine spontane Arbeitsniederlegung gab.
(Der herbeigerufene Zoll muss da schon länger dran seien, der kommt nicht mal so spontan auf Anruf der Faire-Mobilität-Leute. Die suchen übrigens gerade Leute: https://www.faire-mobilitaet.de/ueber-uns/++co++073548d4-cb0d-11ea-b61e-525400e5a74a )

Von gewerkschaftlichen Kämpfen ist man da, wie in anderen Bereichen auch, noch weit entfernt. Und Solidarität und Einheit zeigt der DGB ja auch immer nur dann, wenn er alle paar Jahre die Tarifverträge zur Leiharbeit unterzeichnet.

Wirkliche Überlegungen zu verschiedenen Kampfformen gibt es da wohl nicht, andererseits ist es ein wirklich schwieriger Bereich: Angst, Existenz, Mafiastrukturen, Abgeschiedenheit usw..

Für ein luschiges Mittagsmagazin war das jetzt nicht so schlecht. Scheint wohl eine Serie zu sein und das war erst der erste Teil.


Kuddel

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Re: Erntehelfer
« Antwort #51 am: 13:01:07 Mo. 10.August 2020 »
Zitat
Insolventer Landwirt aus Bornheim
Claus Ritter sitzt nach der Anhörung vor Gericht in Zwangshaft

Weil er auf zahlreiche offene Fragen des Insolvenzverwalters keine ausreichenden Antworten gegeben hat, sitzt Claus Ritter derzeit in Zwangshaft. Direkt nach einem Termin am Mittwochnachmittag sei der Spargelbauer aus Bornheim von Justizbediensteten in eine Arrestzelle und anschließend per Gerichtsbeschluss in die Justizvollzugsanstalt Köln gebracht worden.
https://ga.de/region/voreifel-und-vorgebirge/bornheim/spargel-ritter-in-bornheim-claus-ritter-nach-gerichtstermin-in-zwangshaft_aid-52645541

Haha!

Fritz Linow

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Re: Erntehelfer
« Antwort #52 am: 15:01:42 Mo. 10.August 2020 »
In Südengland hat wohl auch ein Streik auf einem Feld angefangen. Der Witz dabei ist unter anderem, dass einige Erntehelfer dabei sind, die vorher auch in Bornheim waren: https://twitter.com/BristolIWW

Oder: https://twitter.com/FAUGewerkschaft/status/1292789389693788161

Kuddel

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Re: Erntehelfer
« Antwort #53 am: Gestern um 13:10:05 »
Zitat
Vorwürfe gegen Gemüsehof in Bayern: 250-mal Corona, 6 Euro Stundenlohn

Gewerkschafter beschuldigen einen Gurkenbetrieb, rumänischen Erntehelfern nicht den Mindestlohn gezahlt zu haben. Ausweise habe er einbehalten.
https://taz.de/Vorwuerfe-gegen-Gemuesehof-in-Bayern/!5707029/

Kuddel

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Re: Erntehelfer
« Antwort #54 am: Heute um 20:34:25 »
Es hat riesige Dimemsionen und es ist seit Jahren so.
Migrantische Erntehelfer werden in Deutschland ausgebeutet.

Zitat
Bayern: Zwischen 2000 und 2500 Erntehelfer werden in den nächsten Wochen in das Hopfenanbaugebiet Hallertau kommen
https://www.merkur.de/bayern/coronavirus-bayern-erntehelfer-hopfen-ernte-landwirte-gastarbeiter-sorge-polen-pfaffenhofen-hallertau-zr-90023473.html

Wo das jetzt endlich ein Thema ist...
Wie verhalten wir uns dazu? Was können wir tun?