Autor Thema: Kapitalismus - ein System mit aktivierter Selbstzerstörung  (Gelesen 10879 mal)

Kuddel

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Re: Kapitalismus - ein System mit aktivierter Selbstzerstörung
« Antwort #15 am: 14:50:36 Fr. 22.Februar 2019 »
Zitat
„Sei brav, Sklave“
Interview. Europa führt einen Vernichtungskrieg gegen soziale Errungenschaften, sagt Virginie Despentes


der Freitag: Frau Despentes, Sie haben Emmanuel Macrongewählt. Sind Sie enttäuscht?

Virginie Despentes: Nein. Er wurde gewählt, weil viele unter uns nicht Marine Le Pen als Präsidentin wollten. Aber wir wussten, dass er der Kandidat der großen Patrons war, von der Hochfinanz unterstützt, und dass sein Programm dem seiner Vorgänger entspricht, nämlich die phänomenale systematische Bereicherung der Superreichen abzusichern – ein Programm, das eine Katastrophe für das gesamte Land bedeutet.

Wie können die demokratischen und humanistischen Werte und die soziale Marktwirtschaft gerettet werden?

Was die Werte angeht: Das ist schon verkackt. Die Flüchtlingskrise in Europa verbietet uns, von Humanismus zu sprechen. Und die Missachtung der Stimmen des griechischen Volkes verbietet uns, noch von Demokratie zu sprechen. Da darf man sich nichts vormachen: Diese Werte wurden bereits geopfert. Die Austeritätspolitik in allen Ländern Europas wiederum ist ein Vernichtungskrieg, der alle sozialen Errungenschaften, die durch die Kämpfe der Bevölkerung im 20. Jahrhundert erreicht wurden, zerstören soll. Man will die europäischen Bevölkerungen auf das Armuts- und Elendslevel des 18. Jahrhunderts zurückfahren.

Meinen Sie das im Ernst?

Ja. Nie war die Klasse der Reichsten entschlossener, einen derart gewalttätigen Krieg gegen die arbeitenden Schichten zu führen. Es wirkt, als ob die Reichsten sich krass rächen wollten, als ob sie den Eindruck hätten, die letzten 50 Jahre erniedrigt worden zu sein. Und jetzt sollen wir für die letzten Jahrzehnte, als anständige Lebensbedingungen herrschten, teuer zahlen. Klar ist: Die Reichsten ertragen es nicht mehr, dass ihre Macht irgendeine Begrenzung erfährt – ökologisch, politisch oder ethisch.

weiter: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/sei-brav-sklave


Zitat
Virginie Despentes wurde 1969 in Nancy geboren. Ihr Debütroman Baise-moi 1994 war ein Bestseller in Frankreich und wurde 2000 von ihr selbst verfilmt. 2006 folgte das feministische Essay King Kong Theorie, ab 2015 dann die gefeierte Vernon-Subutex-Trilogie

counselor

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Re: Kapitalismus - ein System mit aktivierter Selbstzerstörung
« Antwort #16 am: 15:49:29 Fr. 22.Februar 2019 »
Da zeigt der Kapitalismus sein wahres Gesicht. Das wird für eine weitere Polarisierung in der Gesellschaft sorgen.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Kuddel

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Re: Kapitalismus - ein System mit aktivierter Selbstzerstörung
« Antwort #17 am: 19:01:37 Sa. 23.Februar 2019 »
Eigentlich ist alles so simpel.
Man sieht, wie radikal die Reichen immer reicher werden und die Mehrheit immer weiter verarmt.
Das ganze wird begleitet und einer immensen Umweltzerstörung.
Es sollten die besten Voraussetzungen für Massenproteste sein.

Wir haben aber eine Kultur des Individualismus, bzw. der Vereinzelung und Vereinsamung.
Jeder kackt für sich allein ab.
Wie wir es schaffen sollen, aus dieser Situation heraus wieder zu einer gemeinsamen Gegenwehr zu kommen, bleibt die Frage. Wir brauchen Solidarität und nicht nur eine Gegenwehr, sondern einen Gegenangriff. Wir müssen den Reichen den Reichtum und den Mächtigen die Macht entreißen.

Wir müssen erst einmal zusammenkommen.
Nicht im Netz, sondern wirklich.

Kuddel

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Re: Kapitalismus - ein System mit aktivierter Selbstzerstörung
« Antwort #18 am: 10:12:27 Sa. 20.April 2019 »
Es hat fast etwas tröstliches. Der Kapitalismus ist derart außer Rand und Band und siegestrunken, da ist ihm selbst die eigene Logik abhandengekommen. Es scheinen alle Instanzen einer Selbstregulierung sich selbst zerstört zu haben, es gibt nur noch die Plünderung und Selbstbereicherung. Die sogenannten Eliten und deren Handlanger zeigen immer weniger Realitätsbezug. Ein dekandeter Haufen Irrer, umgeben von Lakaien und undurchdringbarem Filz.

Die Sozialdemokratie (und der DGB) waren stets der Arzt am Krankbett des Kapitalismus. Man hat abgefedert und vermittelt, damit es ja nicht unruhig wird im Land. Doch diese Vermittler sind zu erbärmlichen Witzfiguren verkommen, die noch eine paar verstäubte Vokabeln der Arbeiterbewegung aus der Mottenkiste holen, um dann doch eine neoliberale Politik voranzutreiben. Auch dieser SPD/DGB Sumpf hat jeglichen Plan verloren und es geht dort nur noch um persönliche Karrieren (, die oftmals in die Wirtschaft führen).

Ich finde es gut, daß diese ganzen verlogenen Konzepte der Vermittlung und der Abfederung den Bach runter sind. Dieser Glaube an einen guten Kapitalismus in Form einer sozialen Marktwirtschaft (im Gegensatz zu einen "Raubtierkapitalismus") und an eine "Arbeiterpartei" in Form einer SPD unter Willy Brandt war ein Haufen Dreck, der den Leuten nur falsche Hoffnungen gemacht hat. Ein wenig Parfum auf einem Riesenberg Scheiße.

Kapitalismus ist Kapitalismus. Jetzt bekommen auch wir eine Ahnung, was er bedeutet und wie er sich auf das Leben des Einzelnen auswirkt. Bisher bekamen das eher die Menschen in den armen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas zu spüren. Im Herzen der Bestie, in Europa und den USA, hielt man mit sozialen Almosen und der Möglichkeit zu ein wenig Konsum die Menschen ruhig. Doch jetzt ist Schluß mit Sozialstaat und Abfederung. Parfum und Rosa Brillen wirken nicht mehr. Es gibt nur noch zwei Seiten. Diejenige, die sich auf Biegen und Brechen bereichert und die, die beklaut und entrechtet wird.

Es ist fast schon rührend, wie ein paar Gestalten aus der Herrschenden Klasse selbst darauf hinweisen, daß sie den Ast absägen, auf dem sie sitzen.

Zitat
Das kapitalistische System muss mit Nachdruck reformiert werden
Die reichsten Männer der USA fordern bessere Bedingungen für Normalverdiener. Die Politik sollte genau hinhören. Einfacher als jetzt wird es nicht mehr werden.
https://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-das-kapitalistische-system-muss-mit-nachdruck-reformiert-werden/24191866.html?ticket=ST-3468802-x1DruW6vekQAdjX931XF-ap5

Zitat
Sinnsuche der Wirtschaft
Blackrock-CEO Larry Fink: „Der Kapitalismus ist zu weit gegangen“
Der Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock will, dass sich Unternehmen stärker für die Gesellschaft engagieren. Das sei sogar gut fürs Geschäft.


(...)
In Zeiten großer politischer Umwälzungen und gelähmter Regierungen müssten Unternehmen die Lücke schließen, die Regierungen hinterlassen, fordert Fink. „Ich glaube, die Unternehmen werden gar keine andere Wahl haben.“

Der Blackrock-Chef mischt sich damit in die Kapitalismus-Debatte ein, die derzeit leidenschaftlich an der Wall Street geführt wird. Erst Anfang April hat Ray Dalio, der Gründer des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater, vor einer Revolution gewarnt, wenn die sozialen Ungleichgewichte in den USA nicht beseitigt würden.

„Es gibt eine gewisse gesellschaftliche Frustration, weil der Kapitalismus für immer weniger Leute funktioniert. Und in manchen Fällen muss man sagen: Der Kapitalismus ist zu weit gegangen“, räumt auch Fink ein, dessen Konzern Kundengelder in Höhe von 6,5 Billionen US-Dollar verwaltet.
(...)
https://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/sinnsuche-der-wirtschaft-blackrock-ceo-larry-fink-der-kapitalismus-ist-zu-weit-gegangen/24225508.html?ticket=ST-3440878-Z13GMpo5rlacSUlrkXay-ap5

Oder hier:
Zitat
Die Kritik an der dominierenden Wirtschaftsordnung des Westens wächst auch unter ihren Befürwortern stark.
(...)
Der Kapitalismus ist relativ plötzlich und für alle sichtbar erkrankt. So feiert das Virus des Sozialismus ein Comeback und infiziert einmal mehr die junge Generation.
https://www.boerse-online.de/nachrichten/meinungen/woran-der-kapitalismus-aktuell-krankt-1028105033

Zitat
Attacke auf die Reichen

„Die neue Wut auf den Kapitalismus“, so lautete unlängst die große Überschrift auf der ersten Seite der “Zeit”. In dem Artikel heißt es, nicht ohne Sympathie für diese Positionen: „Der Angriff auf das Kapital läuft auf breiter Front… Es wird also ungemütlich für die Reichen – wenn nicht am Ende doch wieder andere die Rechnung bezahlen.“

Sogar im Herzland des Kapitalismus geraten Reiche zunehmend in die Defensive. Eine repräsentative Befragung durch das Institut Ipsos MORI zeigt, dass jüngere Amerikaner Reiche äußerst kritisch sehen – ganz anders übrigens als ältere Amerikaner. Während vier der fünf von jungen Amerikanern am häufigsten genannten Persönlichkeitsmerkmale reicher Menschen negativ sind (Materialismus, Überheblichkeit, Gier, Egoismus), überwiegen bei den älteren Amerikanern mit vier von fünf Zuordnungen die positiven Beschreibungen (Fleiß, Intelligenz, Einfallsreichtum, Wagemut) von Reichen.(...)

Auch in Deutschland wird die Stimmung gegen „gierige Banker“, „raffgierige Manager“ und generell gegen „die Superreichen“ geschürt. Die Wohnungsmieten sind in Berlin und anderen deutschen Städten in den vergangenen Jahren stark gestiegen.
(...)
https://www.theeuropean.de/rainer-zitelmann/15531-wut-auf-den-kapitalismus

Damit ist klar, warum jetzt die Faschisten so massiv gepuscht werden, durch die Medien und auch finanziell durch die Wirtschaft. Die Klasse sol gegeneinander aufgehetzt werden, gegen Migranten, gegen Linke, gegen Moslems, gegen Juden, gegen Homosexuelle, geben Obdachlose, gegen Drogenabhängige... Es sollen Gewalt und Chaos herrschen und ein starker, autoritärer Staat.

Als Antwort darauf, ein wenig Klartext:

Zitat
»Das kapitalistische System ist lebensgefährlich«

Der Kapitalismus wird eines Tages verschwinden, ist sich der Soziologieprofessor Jean Ziegler sicher


Ziegler wird am Karfreitag 85 Jahre alt und ruft zum Widerstand auf. Seine Osterbotschaft lautet: »Der Kapitalismus muss zerstört werden, bevor er uns und den Planeten zerstört.« Im nd-Interview erklärt der Schweizer Soziologieprofessor, dass das Bewusstsein dafür in der heutigen Jugend erwacht sei und beispielhaft sein sollte für die älteren Generationen.

Die von der Schwedin Greta Thunberg initiierte Bewegung »Fridays for Future« lobt er deshalb. »Ich freue mich über diese mutigen Kinder. Wir erleben eine unglaubliche, noch nie dagewesene Protestwelle, ohne politische Lobby und dennoch unverzagt. Etwas ganz Neues ist im Entstehen«, Der Globalisierungskritiker sieht in ihr ein Hoffnungszeichen, eine Kampfansage an die kannibalische Weltordnung. »Das kapitalistische System ist extrem giftig, lebensgefährlich für die Natur und für die Menschen«, ist Ziegler überzeugt.

Was der ehemalige UN-Sonderberichterstatter damit meint? In zahlreichen Metropolen der Welt lasse sich die Luft nicht mehr atmen, weil sie voller Giftstoffe ist, Millionen Arbeiter und Angestellte kommen tagtäglich mit giftigen Materialien in Berührung, die ihre Gesundheit schädigen, Lebensmittel sind mit Pestiziden verseucht, Millionen Menschen werden krank durch verschmutztes Grundwasser und verseuchte Flüsse.
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1117076.jean-ziegler-das-kapitalistische-system-ist-lebensgefaehrlich.html

Mit einigen inhaltlichen Überschneidungen:
Zitat
Jean Ziegler: Der Kapitalismus muss zerstört werden

Der bekannteste Globalisierungskritiker der Gegenwart sieht in ihr ein Hoffnungszeichen, eine Kampfansage an die kannibalische Weltordnung. »Das kapitalistische System ist extrem giftig, lebensgefährlich für die Natur und für die Menschen«, ist der Schweizer Soziologieprofessor überzeugt.


„Ich freue mich über diese mutigen Kinder, bin stolz auf sie. Wir erleben eine unglaubliche, noch nie dagewesene Protestwelle, ohne politische Lobby und dennoch unverzagt. Etwas ganz Neues ist im Entstehen“, kommentiert Jean Ziegler in einem Interview für die in Berlin erscheinende Tageszeitung „neues deutschland“ die von der Schwedin Greta Thunberg initiierte Bewegung „Friday vor Future“.

Der bekannteste Globalisierungskritiker der Gegenwart sieht in ihr ein Hoffnungszeichen, eine Kampfansage an die kannibalische Weltordnung. »Das kapitalistische System ist extrem giftig, lebensgefährlich für die Natur und für die Menschen«, ist der Schweizer Soziologieprofessor überzeugt.

Im »nd«-Interview zählt der ehemalige UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung die Sünden des Kapitalismus auf:

In zahlreichen Metropolen der Welt lasse sich die Luft nicht mehr atmen, weil sie voller Giftstoffe ist; Millionen Arbeiter und Angestellte kommen tagtäglich mit giftigen Materialien in Berührung, die ihre Gesundheit schädigen; Lebensmittel sind mit Pestiziden verseucht; Millionen Menschen werden krank durch verschmutztes Grundwasser und verseuchte Flüsse. Jean Ziegler, der am Karfreitag (19.4.) 85 Jahre alt wird, ruft zum Widerstand auf. Seine Osterbotschaft lautet: »Der Kapitalismus muss zerstört werden, bevor er uns und den Planeten zerstört.«
https://nex24.news/2019/04/jean-ziegler-der-kapitalismus-muss-zerstoert-werden/


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Re: Kapitalismus - ein System mit aktivierter Selbstzerstörung
« Antwort #19 am: 19:50:28 Mi. 24.April 2019 »
Zitat
USA im Niedergang? – Aber in der EU so mächtig wie noch nie

Richtig: Volkswirtschaft und Industrie in den USA schrumpfen, die Mehrheit der Bevölkerung verarmt. Das moralische Ansehen der Supermacht ist weltweit geschwunden, unter den kriegsführenden „America First“-Präsidenten Bush, Obama und noch beschleunigt unter Trump. Aber Investoren, Militärs, Geheimdienste und Berater der USA sind in der Europäischen Union präsent, mehr denn je. Und Regierungen und Leitmedien sind Komplizen – besonders in Deutschland.
...
...

HTML5: https://www.nachdenkseiten.de/upload/podcast/190424_USA_in_der_EU_so_maechtig_wie_noch_nie_NDS.mp3
Quelle: NDS

GottseiDank keine Verschwörung.
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti

Kuddel

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Re: Kapitalismus - ein System mit aktivierter Selbstzerstörung
« Antwort #20 am: 15:39:12 So. 05.Mai 2019 »
Das kapitalistische System fliegt uns gerade um die Ohren.
Die alte Propaganda mag nicht mehr recht funktionieren, wenn die Bedingungen für immer beklopptere Arbeit immer unerträglicher, die Mieten unbezahlbar und die Natur zerstört werden.
Immerhin gibt es erstaunliche Wendungen in der öffentlichen Diskussion.

Zitat
Linksruck in der Wirtschaftspolitik:
Keine Macht für niemand

Deutschland diskutiert über Industriepolitik und Sozialismus - beides geht meilenweit an den eigentlich anstehenden Fragen vorbei.
https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/a-1265822.html

Es lohnt aber nicht, weiterzulesen. Ich habe noch nie einen Artikel von Henrik Müller gelesen, der halbwegs erträglich war. Der ist geisteskrank und redet wirres Zeug:
Zitat
Die Mehrheitssozialdemokraten haben sich derweil aus der Wirtschaftspolitik weitgehend abgemeldet und konzentrieren sich ganz auf den Ausbau des Sozialstaats.

BGS

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Re: Kapitalismus - ein System mit aktivierter Selbstzerstörung
« Antwort #21 am: 18:59:52 So. 05.Mai 2019 »
In det Tat irre.

MfG

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"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

http://www.chefduzen.de/index.php?topic=21713.msg298043#new
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Re: Kapitalismus - ein System mit aktivierter Selbstzerstörung
« Antwort #22 am: 19:39:03 So. 05.Mai 2019 »
Zitat
Kevin Kühnerts Systemkritik - Anstöße zu einer notwendigen Reformdebatte

Mit geradezu hysterischer Polemik, deren Heftigkeit verblüfft, haben Wirtschaftsverbände und Sprecher von Unternehmen, unterstützt von vielen Medien und Politiker*innen auf ein Interview des Juso-Chefs Kevin Kühnert reagiert.

Quelle: https://www.sozialismus.de/kommentare_analysen/detail/artikel/kevin-kuehnerts-systemkritik/

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Kuddel

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Re: Kapitalismus - ein System mit aktivierter Selbstzerstörung
« Antwort #23 am: 09:00:51 Di. 07.Mai 2019 »
Endlich beginnt wieder eine Diskussion, die in den letzten Jahrzehnten kaum möglich war...
Zitat
Grünes Wachstum ist eine Illusion

Der Kapitalismus, den wir kennen, ist nicht mit dem Überleben des Planeten vereinbar. Es ist höchste Zeit, das wir ein neues Wirtschaftssystem designen


Den größten Teil meines Erwachsenendaseins habe ich gegen den „Kapitalismus der Konzerne“, den „Konsumkapitalismus“ und die „kapitalistische Vetternwirtschaft“ gewettert. Ich habe lange gebraucht, bis mir klar wurde, dass nicht das Adjektiv das Problem darstellt, sondern das Nomen. Während andere den Kapitalismus gern und schnell abgelehnt haben, ging dies bei mir äußerst langsam und widerwillig vonstatten. Zum Teil lag das daran, dass ich keine klare Alternative erkennen konnte. Anders als manche Antikapitalisten konnte ich mich nie für den Staatskommunismus begeistern, mich hemmte sein quasi-religiöser Charakter. Im 21. Jahrhundert zu sagen „Der Kapitalismus versagt“ ist wie im 19. Jahrhundert zu sagen „Gott ist tot“. Das ist säkulare Blasphemie und erfordert ein Maß an Selbstvertrauen, das ich nicht hatte.

Doch mit zunehmendem Alter habe ich zwei Dinge erkannt. Erstens, dass es das System selbst ist und eben nicht nur eine bestimmte Ausprägung des Systems, das uns unaufhaltsam in eine Katastrophe taumeln lässt. Zweitens, dass man keine definitive Alternative parat haben muss, um sagen zu können, dass der Kapitalismus scheitert. Die Aussage steht für sich.

Das war die Einleitung zu diesem gut lesbaren Artikel:
https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/gruenes-wachstum-ist-eine-illusion

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Re: Kapitalismus - ein System mit aktivierter Selbstzerstörung
« Antwort #24 am: 16:15:13 Fr. 10.Mai 2019 »
Diskussion bei phoenix unter den den Linden mit Katja Kipping:

Zitat
Der Reichtums-Streit - Wie sozial ist unsere Marktwirtschaft?
https://www.katja-kipping.de/de/article/1575.der-reichtums-streit-wie-sozial-ist-unsere-marktwirtschaft.html
Zitat
Plötzlich diskutiert das Land die Systemfrage. Politiker und Experten streiten aktuell, ob die Reichtumsverteilung in Deutschland systemisch ungerecht ist. Über die Überwindung des Kapitalismus und demokratischem Sozialismus diskutiere ich mit Helge Fuhst Prof. Michael Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft.

Violeta Tomic ist die "Frontfrau" von der Europäischen Linken und sie ist kürzlich interviewt wurden. Sie sagte auch, dass Umweltschutz mit dem Kapitalismus nicht möglich sei. https://www.youtube.com/watch?v=xXicEH1P68s weil es im Kapitalismus um unbegrenzten Wachstum geht.

Passend kam gerade aktuell das Ergebnis einer Studie heraus: https://www.br.de/nachrichten/wissen/biodiversitaet-bericht-weltartenschutzrat-ipbes,RPgAGdm
Zitat
    "Wir erodieren global die eigentliche Basis unserer Volkswirtschaften, Lebensgrundlagen, Nahrungsmittelsicherheit und Lebensqualität." Robert Watson, Vorsitzender des Weltbiodiversitätsrates IPBES

Kuddel

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Re: Kapitalismus - ein System mit aktivierter Selbstzerstörung
« Antwort #25 am: 08:39:31 Sa. 11.Mai 2019 »
Es ist wenig verwunderlich, daß der DGB jetzt gern wieder Arzt am Krankenbett des Kapitalismus sein möchte.

Zitat
Die Gewerkschaften dringen auf eine Debatte über die Soziale Marktwirtschaft.

Der Kapitalismus sei in Teilbereichen aus den Fugen geraten, sagte der DGB-Vorsitzende Hoffmann der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Es sei deshalb eine berechtigte Frage, wie man den sozialen Zusammenhalt unter den Bedingungen des rasanten Wandels stärken könne. Konkret sprach sich Hoffmann für mehr Investitionen in Bildung und eine moderne Infrastruktur sowie die Einführung einer Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung aus. Zudem plädierte er für eine mutige Zukunftsdebatte über ökologische Herausforderungen und die Verteilung von Reichtum.

Die höchst unterschiedliche Entwicklung der Einkommen oben und unten zeige, dass da etwas auseinander falle, und das könne man nicht ignorieren. Die Menschen hätten ein sehr feines Gespür für soziale Gerechtigkeit, meinte der DGB-Chef.
https://www.deutschlandfunk.de/kapitalismus-gewerkschaften-draengen-auf-debatte-ueber.2932.de.html?drn:news_id=1005901

Der Kapitalismus ist in Teilbereichen aus den Fugen geraten?
Der Kapitalismus geht seinen ganz normalen Weg und tut was er muß. Profitmaximierung und Wachstum, Wachstum, Wachstum. Daß Mensch und Natur dabei auf der Strecke bleiben, ist unvermeidlich. Deshalb ist es wichtig sich Gedanken zu machen um eine Alternative zum Kapitalismus.

Was will der verkackte DGB? "Investitionen" für Bildung und Infrastruktur, womit er wohl staatliche Zuschüsse zum Wohle der Wirtschaft meint. Ansonsten will er eine soziale Abfederung, weil dieses System sich die armen Menschen zum Feind macht. DGB Chef Hoffmann hofft darauf, daß man mit ein paar Zugeständnissen den Glauben an den Scheißkapitalismus erhalten kann.


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Re: Kapitalismus - ein System mit aktivierter Selbstzerstörung
« Antwort #26 am: 22:08:34 Sa. 11.Mai 2019 »
Hoffentlich hofft Hoffmann vergeblich.

MfG

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dagobert

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Re: Kapitalismus - ein System mit aktivierter Selbstzerstörung
« Antwort #27 am: 23:35:31 Sa. 11.Mai 2019 »
Zitat
Die Menschen hätten ein sehr feines Gespür für soziale Gerechtigkeit, meinte der DGB-Chef.
Nur zur Erinnerung: Die DGB-Rechtsabteilung hat die H4-Sanktionen als verfassungswidrig angesehen - Hoffmann selbst hat sich für die Beibehaltung der Sanktionen ausgesprochen, widerspricht damit seiner eigenen Rechtsabteilung.
Und der Typ faselt von sozialer Gerechtigkeit?

Kuddel

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Re: Kapitalismus - ein System mit aktivierter Selbstzerstörung
« Antwort #28 am: 10:56:17 Mi. 29.Mai 2019 »
Zitat
Amerika zweifelt am Kapitalismus
...
Ist unser System am Ende? Und ist der Sozialismus womöglich die bessere Wahl?

Es sind vor allem die Jüngeren, die diese ketzerischen Fragen stellen. Fast jeder Zweite in der Altersgruppe der Millennials und Generation Z erklärte kürzlich in einer Umfrage im Auftrag des Nachrichtenportals "Axios", dass er lieber in einem sozialistischen Land leben würde.
...
So richtig in Schwung gebracht hat die Sache aber nun ausgerechnet jemand, der in einer Kommandozentrale des sich schnell drehenden Geldes sitzt: Ray Dalio, Gründer des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater Association, der auf ein persönliches Vermögen von geschätzt 17 Milliarden Dollar kommt.
...
 Für die Mehrheit der Amerikaner jedoch "funktioniert Kapitalismus heute nicht gut". Stattdessen produziere das System eine Spirale wachsender Ungleichheit. Dalios Warnung: Was sich nicht weiterentwickelt, das sterbe: "Und das trifft nun auf den Kapitalismus zu."
...
Die wachsende Sympathie junger Leute für die sozialistische Alternative versetze die Unternehmer in Angst und Schrecken, glaubt der Präsident der Ford Foundation, Darren Walker. "Für sie ist das unglaublich furchterregend", sagte er der "Financial Times"...
https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/usa-amerika-zweifelt-am-kapitalismus-a-1269693.html

Kuddel

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Re: Kapitalismus - ein System mit aktivierter Selbstzerstörung
« Antwort #29 am: 08:35:30 So. 04.August 2019 »
Zitat
„Viele reiche Leute sagen: Unser kapitalistisches System ist kaputt“

Der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz hält die Leistung der US-Wirtschaft für überschätzt. Der Ökonom sorgt sich nicht nur um seine Heimat, sondern auch um den Zustand Europas.


Stiglitz, der an der New Yorker Columbia University lehrt, erwartet, dass eine anhaltende Phase der Unsicherheit die Wirtschaft belasten wird, nicht nur in den USA. Die Vereinigten Staaten seien schließlich nicht das einzige Land mit einem radikalen Staatschef. „Boris Johnson in Großbritannien ist der Champion der Unberechenbarkeit. Und es gibt viele andere Beispiele. Wir sind in einer Ära, in der die Wähler gern jenen ihre Stimme geben, die eigenartig sind“, so Stiglitz.
https://www.handelsblatt.com/politik/international/joseph-stiglitz-viele-reiche-leute-sagen-unser-kapitalistisches-system-ist-kaputt-/24852236.html?utm_source=pocket-newtab&ticket=ST-2074031-PtwazxvhqmpddXTdgzUV-ap5

Das Kapitalistische System war schon immer kaputt!

Es rettete sich stets durch Wachstum, doch die Grenzen sind erreicht.
Die Menschen können nicht mehr als zum Burnout zu arbeiten. Die Umwelt ist nicht unbegrenzt zu verheizen.
Bisher löste man zu große Krisen durch einen Krieg. Alles kaputtschlagen, um es wieder aufzubauen.

Wir kennen die bisherigen Erfahren und können sehen, was gerade passiert.

Ich verstehe nicht, warum es an Selbstbewußtsein fehlt, neue Wege zu suchen.
Man trottet lieber den Leuten hinterher, die behaupten, diese schreckliche Wirklichkeit gäbe es nicht.