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Aktion gegen die Fahrpreiserhöhung in Kiel

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geishapunk:

--- Zitat ---Original von Kurt Piehl

Hallo geishapunk,

mit verschaukeln meine ich folgendes:

Kleinbetriebe müssen strengstens die Emissionswerte einhalten und in teure Filteranlagen investieren. (tendenziell gut)
Großbetriebe (Steinkohlekraftwerke) können ihre Emissionswerte selbst festlegen. Sie können sich einfach freikaufen.

Solcherlei Beispiele gibt es genug.

Die Menschen, die Macht oder Geld haben, können sich wehren.
Die Menschen, denen jenes fehlt, müssen die Kosten tragen.
--- Ende Zitat ---


Ja, da hast Du sicherlich Recht mit. Das hat nur leider überhaupt nix mit dem Thema an sich zu tun.

Öl- und Benzinpreise steigen nunmal stetig auf neue Rekordwerte und die erhöhten Unkosten müssen leider weiter gegeben werden.

Kurt Piehl:

--- Zitat ---Original von geishapunk

.. und die erhöhten Unkosten müssen leider weiter gegeben werden.
--- Ende Zitat ---


Wieso müssen sie weitergegeben werden ?
Wir können auch andere Gewichtungen in unserem Etat festlegen.
Was Du beschreibst, ist kein Naturgesetz.
Wir sollten uns nicht so sehr von der aktuellen
Stimmungsmache beeinflußen lassen, sondern weiter denken.
Natürlich ist es erstmal einleuchtend, daß man sich langfristig
nicht gegen Entwicklungen stellen kann. Aber meist werden
die Entwicklungsrichtungen ja vorgegeben. (zB.) Die Entscheidung
über das Anheben oder Einfrieren der Zinsen auf Kredite
werden wir dann als Wohnungsnot oder Bauboom wahrnehmen.

Hier die Frage danach, wie die Öl- und Benzinpreissteigerung
zustande kommt. In den Achtzigern gab es ja schon mal eine
"Ölkrise", die erwiesenermaßen nicht durch die Anhebung des
Ölpreises durch die OPEC-Länder zustande kam, sondern reine
Abzocke durch Panikmache ("Das Öl ist bald alle!") war.
Die aktuell durch die Medien an uns herangetragenen Informationen
drängen uns eine Sichtweise auf, die mich momentan sehr skeptisch
macht:

"Jetz wollen die ganzen Chinesen auch ein Auto haben.",
sagt das Fernsehen. Super Argument (= Erklärungsnot) -
Jetzt kommen die Chinesen und wenn sie alle hochspringen,
verläßt die Erde ihre Umlaufbahn.

Die Forderung wirkt erstmal ...

--- Zitat ---Original von geishapunk

traumtänzerisch
--- Ende Zitat ---

... und trozdem kann ich mich dahinterstellen, weil es sich 1. lohnt,
sie zu behirnen und 2. sie dann nicht mehr unrealistisch ist.

Das hat mir gereicht, hier von der Aktion gegen die
Fahrpreiserhöhung der öffenlichen Verkehrsmittel vom
01.08.2004 in Kiel zu berichten.

Nun fang nicht an, zu sagen, schuld sei das "Finanzkapital" und
es gäbe gute und schlechte Kapitalisten. Gewinnmaximierung
ist nun mal integraler Bestandteil des Kapitalismus. Wenn wir
uns schon verkaufen müssen, dann bitte nicht unterm Preis.

Natürlich kämpfe auch ich dagegen, mich als Ware anpreisen
zu müssen. Ich bin ein Mensch und möchte daher lieber
ein Prinzip, in dem ich als Mensch und nicht als Ware auftauche.

Wenn Du gerade mit diesem Prinzip gut fährst, dann denke an
Dich, wenn Du alt bist und keinen Warenwert mehr hast !
Ich kenne jetzt schon zu viele Menschen, die es Wert sind, und
die durch dieses Prinzip unter die Räder kommen.

Etwas lang, sorry, Kurt Piehl.

geishapunk:
Auch wenn Du Deine Ausführungen künstlich aufblähst, ändert sich nichts an den Realitäten.


--- Zitat ---Wieso müssen sie weitergegeben werden ?
--- Ende Zitat ---


Weil, wie ich bereits schrieb, der ÖPNV möglichst kostendeckend arbeiten muß. Da der ÖPNV in Kiel nun aber sowieso schon defizitär ist können die gar nicht anders. Gut, das willst Du jetzt nicht einsehen, ändert aber leider nichts daran.

Dabei ist es auch egal wie sich der Ölpreis bildet, übrigens gab es die Ölkrise in den Siebzigern, das was Du meinst war sicherlich keine Ölkrise. Es ist für die KVG nur folgendes von Bedeutung: die Spritpreise für Diesel nähern sich der 1 Euro Grenze, Tendenz steigend. Welche Marktpolitischen oder medialen Einflüsse dabei eine Rolle spielen ist erstens strittig und zweitens unerheblich wenn die KVG kalkuliert.

Und deswegen gibt es eine Fahrpreiserhöhung. Eine einfache Sache etwas komplizierter erklärt.


--- Zitat --- ... und trozdem kann ich mich dahinterstellen, weil es sich 1. lohnt,
sie zu behirnen und 2. sie dann nicht mehr unrealistisch ist.  
--- Ende Zitat ---


Du, noch leben wir einem freien Land, und Du kannst Dich da gerne hinterstellen. Kein Ding, und will ich Dir auch nicht verbieten. In meinen Augen sind aber einige Deiner Ansätze/Überzeugungen/Forderungen(Wünsche) aber unrealistisch und traumtänzerisch. Das ist meine, sachlich begründete, Meinung. Und so ungerne ich die KVG in Schutz nehme, aber die haben mit der Erhöhung echt lange gewartet!!! Ich hatte mich schon gewundert.

Kurt Piehl:
So, dann wäre ja alles gesagt.
Vielen Dank für Deine Aufmerksamkeit, geishapunk.

ManOfConstantSorrow:
Hmmm, das war ja kein sehr freundlicher Dialog.

Ich will hier trotzdem mal kurz meinen Senf dazugeben.

Es schein ja z.T. geklappt zu haben, daß die endlosen Wiederholungen in den Medien von "untragbaren Kosten" sich in den Köpfen festgesetzt haben. Wir sollten es aber unbedingt vermeiden Menschen als Kostenfaktoren zu betrachten, wie die Wirtschaft es tut.

In letzter Konsequenz können so auch Alte und Behinderte als reine Kostenfaktoren gesehen werden, die wir nicht brauchen.

Wir haben schließlich auch Kindergärten, Schulen und Büchereien, die öffentlich (mit)finanziert werden, weil es einfach sinnvolle Dinge sind. Öffentlicher Nahverkehr gehört auch zu den sinnvollen Einrichtungen.

Ein sehr profitabler Konzern wie HDW kriegt öffentlich Zuschüsse, weil er damit droht ansonsten Arbeitsplätze abzubauen.

Es scheint aber vergessen zu sein, daß es auch in Deutschland mal Zeiten gab in denen die Nutzer des Öffentlichen Nahhverkehrs so viel Druck erzeugten, daß die Verkehrsbetriebe bereits eingeführte Fahrpreiserhöhungen zurücknahmen. Den Zündfunken gab es 1969 in Hannover mit der "Aktion Roter Punkt". Es gab nicht nur Flugblattaktionen und öffentliche Proteste, am Tag der Fahrpreiserhöhung traten Menschengruppen von den Bushaltestellen auf die Straße um den Verkehr zu stoppen. Die Autofahrer wurden gefragt, wo sie denn hinfuhren und ob sie nicht noch ein paar Leute mitnehmen könnten. Die Busse fuhren so lange fast leer durch die Stadt bis die Fahrpreiserhöhung zurückgenommen war. Viele Autofahrer klebten sich den dafür gefertigten Roten Punkt Aufkleber an die Windschutzscheibe, der bedeutete: "Ich nehme Anhalter mit!".

Die Aktion schwappte über die Republik, selbst in Kleinstädten gelang es Schülern mit Sitzblockaden vor Busdepots, daß Fahrpreiserhöhungen zurückgenommen wurden.

In den 70ern hab ich auch selbst an macher großen Demo durch Kiel gegen Fahrpreiserhöhungen teilgenommen.
Ich freue mich, daß wieder etwas diskutiert wird, daß gerade ärmeren Menschen das Leben erleichtern soll.


Von daher wiederhole ich hier nochmal die gute alte Forderung:

NULLTARIF IM ÖFFENTLICHEN NAHVERKEHR!



Und falls jemand Interesse an den historischen Aktionen hat, hier gibt´s ein paar Links dazu:
http://germany.indymedia.org/2004/01/71646.shtml
http://www.aufbrueche.de/rotpunkt6.htm
http://userpage.fu-berlin.de/~archapo/Online/Fahrpreiserhoehungen_in_Gelsenkirchen.htm
http://www.fgh-online.de/aktuelles/presse/index.php?id_presse=21

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