Autor Thema: [Sexarbeit] hydra  (Gelesen 32134 mal)

Troll

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Re:[Sexarbeit] hydra
« Antwort #15 am: 17:05:52 Do. 08.Mai 2014 »
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti

Kuddel

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Re:[Sexarbeit] hydra
« Antwort #16 am: 19:35:07 Do. 17.Juli 2014 »
Zitat
Kontrollmädchen 2.0

Doña Carmen e.V.Oder: Wie Sexarbeiterinnen durch die Meldepflicht im Rahmen der neuen Prostitutions-Gesetzgebung zum Objekt umfassender Überwachung werden. Eine Kritik von Doña Carmen e.V. Juni 2014 externer Link Aus der Vorbemerkung: „Die Überwachung der Prostitution, insbesondere aber der Frauen, die mit dieser Profession ihren Lebensunterhalt bestreiten, hat in Deutschland eine lange und elende Tradition. Die Prostitutionsreglementierung des 19. Jahrhunderts schuf mit dem § 146 des Preußischen Strafgesetzbuchs von 1851und mit dem 1871 geschaffenen § 361 des Strafgesetzbuchs des Deutschen Reichs eine der Polizeiaufsicht unterstellte Gruppe von Frauen. Die formal als Prostituierte eingeschriebenen Frauen wurden „Kontrollmädchen“ genannt. Die Einschreibung in bzw. die Entlassung aus diesem Status lag ganz im Ermessen der örtlichen Sittenpolizei. Die unter Aufsicht gestellten Frauen waren damit sozial ausgegrenzt und stigmatisiert. Sie gehörten de jure und de facto nicht mehr zur bürgerlichen Gesellschaft. Der Nationalsozialismus konnte bruchlos an diese anti-demokratischen Traditionen anknüpfen, als er begann, Prostituierte im Rahmen „vorbeugender Verbrechensbekämpfung“ planmäßig zu überwachen. Wegen verbotener Prostitutionsausübung verurteilte Frauen galten den Nazis als „Berufs- und Gewohnheitsverbrecher“. (…) Wie weit sind wir heute von solchen Verhältnissen wirklich entfernt?…“

http://www.donacarmen.de/wp-content/uploads/2014/07/Kontrollm%C3%A4dchen2.0.pdf

Kuddel

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Re:[Sexarbeit] hydra
« Antwort #17 am: 18:35:51 So. 12.Oktober 2014 »
Zitat
Sexarbeiter
Über sie wird gesprochen, nicht mit ihnen
Seit Prostitution als legal gilt, geben sich Kommunen und Politik Mühe, sie auf legale Weise einzudämmen - und gefährden damit nicht zuletzt auch die Sexarbeiter.
http://www.heise.de/tp/artikel/42/42867/1.html

Kuddel

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Re:[Sexarbeit] hydra
« Antwort #18 am: 14:43:12 Fr. 08.Juli 2016 »
Zitat
Entmündigung per Gesetz

Der Bundestag will Prostituierte schützen, indem er sie stärker kontrolliert. Doch damit schafft er neue Möglichkeiten zur Erpressung.
http://www.taz.de/Kommentar-Schutz-von-Prostituierten/!5320397/

Kuddel

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Re:[Sexarbeit] hydra
« Antwort #19 am: 11:21:56 Sa. 01.Juli 2017 »
Zitat
Prostitutionsschutzgesetz
"Das Gesetz geht an der Realität der Sexarbeiterinnen vorbei"

Prostituierte müssen sich von 1. Juli an bei der Stadt München anmelden - zu ihrer eigenen Sicherheit, sagt die Politik. Doch der "Hurenpass" stößt auf heftige Kritik.


Freitagabend, halb elf: Es ist noch nicht lange dunkel, und auf der Hansastraße fängt der Arbeitstag an. Auf dem Bürgersteig preist ein stummer Verkäufer die Schlagzeilen des nächsten Tages an, zwei Meter neben dem Zeitungskasten vorne an der Fahrbahn preisen stumme Verkäuferinnen ihre Körper an. Etwa zehn Frauen sind es, blonde und brünette, kleine und große, dünne und dralle.

Sie gehen auf und ab, klack-klack-klack machen ihre Schuhe, manchmal rufen sie einander etwas zu, ungarische Satzfetzen fliegen über die Straße. Immer wieder schleicht ein Auto im Schneckentempo vorbei. Nur selten sucht sich ein Fahrer einen Parkplatz und steigt aus. Es sind keine guten Zeiten für die Frauen auf dem Straßenstrich in der Hansastraße.

"Katastrophe", schimpft Nadia und zieht an ihrer Zigarette, die ganze Woche habe sie nur einen Kunden gehabt. "Alle nur gucken und fragen", reingehen will keiner. Reingehen, das heißt ins Stundenhotel ein paar Meter weiter, direkt neben der Western-Bar, da, wo früher das Bordell Pussycats war. Die Frauen auf der Hansastraße mieten sich ins Stundenhotel ein, 120 Euro bezahlen sie pro Tag dafür; wie sie Gewinn machen, ist ihre Sache.

Nadia ist 30 Jahre alt und vor drei Jahren nach München gekommen. Ihr Deutsch ist nicht perfekt, aber recht gut. Sie ist die einzige Rumänin auf der Hansastraße, die sich ansonsten fest in ungarischer Hand befindet. Sie ist auch die einzige Frau hier, die Jeans, flache Schuhe und einen kleinen Rucksack auf dem Rücken trägt statt Highheels, Netzstrumpfhosen und Handtasche.

Bianka wartet nebenan auf Kunden. 25 Jahre alt, blonder Pferdeschwanz, Highheels, Netzstrumpfhosen, die Augen dunkel und divenhaft geschminkt, unsicheres Lächeln. Sie erzählt, dass sie erst seit vier Wochen hier stehe. Ein Mann kommt auf die beiden zu, um die 40, Glatze, Turnschuhe. Er mustert Bianka, grinst und geht weiter. In dem Moment fährt ein Rettungswagen vorbei, aber das, was es auf der Hansastraße nach Meinung der Frauen zu retten gäbe, das Geschäft, das kann er nicht retten.

Ob sie von dem neuen Gesetz gehört haben? Verwirrte Blicke. Gesetz? Ja, von Juli an müssen sich Sexarbeiterinnen bei der Stadt anmelden. Nadia und Bianka, die ihre richtigen Vornamen lieber nicht nennen wollen, schütteln die Köpfe. Nichts gehört. Und dann kommt doch noch der Typ mit den Turnschuhen zurück. "Gehen wir", sagt er, und Bianka stakst neben ihrem Freier zum Eingang des Stundenhotels. Ihr Gang in den Highheels erinnert mehr an einen Bauarbeiter als an eine Diva.

Ungefähr 2000 Prostituierte gibt es in München, nur wenige von ihnen arbeiten wie Nadia und Bianka auf dem Straßenstrich, die meisten schaffen in Bordellen an, in sogenannten Laufhäusern oder Terminhäusern. Egal wo ihr Arbeitsplatz ist - vom neuen Prostituiertenschutzgesetz werden sie alle betroffen sein. Es tritt bundesweit am 1. Juli in Kraft; für die Umsetzung sind in Bayern vor allem die Kreisverwaltungsbehörden zuständig.
weiter: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/prostitutionsschutzgesetz-das-gesetz-geht-an-der-realitaet-der-sexarbeiterinnen-vorbei-1.3565518

Kuddel

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Re:[Sexarbeit] hydra
« Antwort #20 am: 18:43:37 Sa. 30.Dezember 2017 »
Zitat
Nach Schwarzarbeit verurteilt
Prostituierte erhält acht Monate Freiheitsstrafe


Eine Prostituierte ist zu acht Monaten Freiheitsstrafe verurteilt worden. Die 26-jährige Offenburgerin soll ihre Einkünfte aus dem Gewerbebetrieb den Behörden unterschlagen und zu Unrecht Arbeitsförderung erhalten haben.

Zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten hat das Amtsgericht Offenburg eine 26-jährige Offenburgerin nach Ermittlungen der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Hauptzollamts Lörrach verurteilt, teilt die Polizei mit. Sie habe über einen Zeitraum von zehn Monaten Arbeitsförderung des Ortenaukreises in Höhe von rund 4.800 Euro zu Unrecht bezogen.

Tatsächlich soll die Frau Einnahmen als Prostituierte erzielt und dies gegenüber der Leistungsbehörde allerdings verschwiegen haben.

60 Stunden gemeinnützige Arbeit

Die Freiheitsstrafe wurde laut Polizeibericht zu zwei Jahren auf Bewährung ausgesetzt. Sollte sich die Frau innerhalb dieser Zeit erneut etwas zu Schulden kommen lassen, müsse sie die acht-monatige Strafe im Gefängnis absitzen.

Im Rahmen der Bewährung wurde ihr auferlegt, 60 Stunden gemeinnützige Arbeit abzuleisten, heißt es weiter. Selbstverständlich ist die 26-Jährige auch verpflichtet, die rechtswidrig erlangten Leistungen zurückzuzahlen.
https://www.bo.de/lokales/offenburg/prostituierte-erhaelt-acht-monaten-freiheitsstrafe

Kuddel

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Re:[Sexarbeit] hydra
« Antwort #21 am: 14:47:01 So. 14.Januar 2018 »
Zitat
Hamburg
Erst 600 Prostituierte haben sich offiziell angemeldet

Die Umsetzung des neuen Prostituiertenschutzgesetzes kommt in Hamburg einem NDR-Bericht zufolge nur schleppend in Gang. Ein halbes Jahr nach Inkrafttreten haben sich erst knapp 600 Prostituierte wie vorgeschrieben bei der Sozialbehörde gemeldet – von geschätzten bis zu 6000, wie der NDR am Sonnabend unter Berufung auf die Sozialbehörde berichtete.
https://www.abendblatt.de/hamburg/article213101647/Erst-600-Prostituierte-haben-sich-offiziell-angemeldet.html

Kuddel

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Re:[Sexarbeit] hydra
« Antwort #22 am: 19:55:08 Mi. 28.Februar 2018 »
Zitat
Dona Carmen siegt

Das Frankfurter Finanzamt hat dem Verein Dona Carmen, der die sozialen und politischen Rechte von Prostituierten vertritt, die Gemeinnützigkeit erst aberkannt und jetzt wieder zugesprochen.
http://www.fr.de/frankfurt/kehrtwende-dona-carmen-siegt-a-1457260

Fritz Linow

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Re: [Sexarbeit] hydra
« Antwort #23 am: 20:16:56 Mi. 15.Mai 2019 »
Zitat
15.5.19
Bitte nicht in unserem Quartier: die Gentrifizierung der Prostitution

Die Stadt Zürich gibt sich gerne liberal und offen, dennoch wird ein ganz bestimmtes Metier seit Jahren aus ihrer Mitte verdrängt: das Sexgewerbe. Im Rahmen des 1.-Mai-Fests diskutierten Brigitte Hürlimann (Die Republik), Christa Amman (Stellenleiterin XENIA, Grossrätin AL) und Nina Lanzi (FIZ) über die gegenwärtige Lage des Sexgewerbes. Dabei wurde Licht in die dunklen Seiten der Stadtaufwertung gebracht. Eine Abrechnung mit der Politik der «Quartierverträglichkeit». (...)
https://tsri.ch/zh/bitte-nicht-unserem-quartier-prostitution-den-stadtrand/

Troll

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Re: [Sexarbeit] hydra
« Antwort #24 am: 19:09:12 Di. 16.Juli 2019 »
Zitat
Wo Sexarbeiterinnen keine Rechte haben

In Schweden ist Prostitution seit 1998 nicht mehr legal. Freier werden mit einer Strafe verfolgt, Kunden für Sexkauf kriminalisiert und gegen die Prostituierten, die laut Gesetz eigentlich straffrei bleiben, wird häufig das Druckmittel des Kindesentzugs eingesetzt. Sie sind quasi rechtelos. Jasmine, die zu einer Symbolfigur wurde, kostete diese Maßnahme das Leben.

Petite Jasmine, mit bürgerlichem Namen Eva-Marree Smith Kullander, war 27 Jahre alt, als sie vom Vater ihrer Kinder ermordet wurde – am 11. Juli 2013, mit 32 Messerstichen, in der Geschäftsstelle des schwedischen Sozialdienstes. Begonnen hatte der Alptraum drei Jahre zuvor: Damals suchte die alleinerziehende Mutter nach einer Möglichkeit, den Lebensunterhalt für ihre damals vier und fünf Jahre alten Kinder zu verdienen. Sie beschloss, als Escort-Girl zu arbeiten, während Sohn und Tochter in der Schule waren. Unvorsichtigerweise erzählte sie ihrer Cousine von dem neuen Job. Wenige Stunden später stand die Polizei vor der Tür, nahm Eva-Marree erklärungslos die Kinder weg und übergab sie dem Vater, einem gewalttätigen Mann mit Vorstrafe. Ihm wurde das alleinige Sorgerecht zugesprochen. Schweden gilt als Land der Menschenrechte und der Toleranz – doch hinter den Kulissen sieht es bisweilen ganz anders aus. Da reicht es, denunziert zu werden, um das Sorgerecht zu verlieren. Eva-Marree konnte der Justiz zwar in drei langen Verfahrens- und Prozessjahren beweisen, dass sie ihre auf fünf Kunden beschränkte Sexarbeit immer fern der Kinder ausgeübt hatte und dem Gewerbe inzwischen auch nicht mehr nachging. Das Gericht bescheinigte ihr sogar schriftlich, eine „gute Mutter“ zu sein – gebrandmarkt war sie trotzdem. (Ex-)Prostituierte und verantwortungsvolle Mutter zugleich? Unmöglich, lautet das soziale Stigma in Schweden. In Schweden ist Prostitution seit 1998 nicht mehr legal. Freier werden mit einer Strafe verfolgt, Kunden für Sexkauf kriminalisiert und gegen die Prostituierten, die laut Gesetz eigentlich straffrei bleiben, wird häufig das Druckmittel des Kindesentzugs eingesetzt. Sie sind quasi rechtelos. Eva-Marree kosteten diese Maßnahmen das Leben – nun fordert ihre Mutter Zenitha Gerechtigkeit. Sie kämpft um ihre Enkelkinder, von deren Verbleib niemand weiß: Die Sozialdienste brachten die Kinder an einem geheimen Ort „in Sicherheit“ und unterbanden jeglichen Kontakt zur Familie mütterlicherseits. Jasmine ist zur Symbolfigur geworden: Ihre Geschichte steht für die Ungerechtigkeit gegenüber Frauen weltweit.

56 Min., verfügbar vom 28/06/2019 bis 14/07/2020
Nächste Ausstrahlung am Mittwoch, 17. Juli um 00:40


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Quelle: Arte

"Wir haben entschieden das die Kinder sie in ihrem Leben nicht brauchen!"
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