Autor Thema: [Pharmastrich] Ich verkaufe meinen Körper  (Gelesen 64024 mal)

Arthur

  • Gast
[Pharmastrich] Ich verkaufe meinen Körper
« am: 18:30:52 Mo. 19.Mai 2003 »
Vor vielen Jahren haben Zivildiensleistende bekannt gemacht, daß an der Klapse Ricklingen Medikamentenversuche an Patienten ohne deren Wissen durchgeführt wurden.
Von Bekannten weiß ich, daß Ärzte für gewisse Medikamente hohe "Kopfprämien" von der Pharmaindustrie beziehen, wenn sie an HIV Patienten "ausprobiert" werden. Einige gaben diese, wohl wissend, daß sie entweder nicht nützen oder sogar sehr schwere Nebenwirkungen haben. Londoner Schwulengruppen produzierten daraufhin Aufkleber:"kill your doctor before he kills you!"

Ich fragte mich immer wo die Pharmaindustrie ihre Menschenversuche macht...

Jetzt sitze ich selber in einer Teststation der Pharmaindustrie und lasse "freiwillig" an mir Medikamente testen für 100 Euro pro Tag. Die Geldnot hat mich soweit gebracht, ich habe beim besten Willen keinen vernünftigen Job (also etwas besseres als Leiharbeit) gefunden.

Das hätte mir mal jemand vor ein paar Jahren erzählen sollen, ich hätte nur gelacht!

Jost

  • Gast
[Pharmastrich] Ich verkaufe meinen Körper
« Antwort #1 am: 11:37:59 Mi. 21.Mai 2003 »
Zitat
Original von Arthur


Jetzt sitze ich selber in einer Teststation der Pharmaindustrie und lasse "freiwillig" an mir Medikamente testen für 100 Euro pro Tag. Die Geldnot hat mich soweit gebracht, ich habe beim besten Willen keinen vernünftigen Job (also etwas besseres als Leiharbeit) gefunden.

Das hätte mir mal jemand vor ein paar Jahren erzählen sollen, ich hätte nur gelacht!



Ja, ich habe das mittlerweile auch schon bei drei Leuten im Bekanntenkreis mitbekommen, dass sie auf den "Pharmastrich" gegangen sind. Finde ich - ehrlich gesagt - ganz schön gruselig.
Bei einer Freundin ging es um einen Apettithemmer (mögliche Nebenwirkungen: Gewichtszunahme!); sie hat auch noch später bei Seroplas/Aventis Blutplasma gespendet und davon irgendwelche thrombosenartigen Verdickungen an den Unterschenkeln bekommen. By the way: In Österreich gab es vor einiger Zeit mit dieser Firma einen Skandal, dass hunderte von Spendern mit Hepatitis infiziert wurden.
Achja, berühmt wurde auch eine Basler PharmaFirma namens VanTX dafür, Asylbewerber ohne irgendeine Aufklärung für Medikamententests herangezogen zu haben; und in den achtzigern gabs ja noch "Ganz Unten" von Wallraff, wo es in einem Kapitel auch um Pharmaversuche ging ...

Wie gesagt: Find ich alles ganz schön gruselig und ist wohl auch ein Phänomen der Zeit, dass man auf würdevolle Weise kaum noch seinen Lebensuntehalt bestreiten kann.

Jost

  • Gast
[Pharmastrich] Ich verkaufe meinen Körper
« Antwort #2 am: 00:56:32 Sa. 24.Mai 2003 »
Ergänzung: Habe bei der Freundin nochmal nachgefragt, wo sie in Kiel auf den Pharmastrich ging; war eine Filiale der besagten Schweizer Firma VanTX in der Holtenauer Straße ...; hat mittlerweile dicht gemacht.

Arthur

  • Gast
[Pharmastrich] Ich verkaufe meinen Körper
« Antwort #3 am: 17:48:26 Di. 27.Mai 2003 »
Du hast recht. Dieser Test ist nicht ohne. Ein "Proband" ist heute rot angelaufen und zweien ist übel.

Eine wirkliche Überraschung ist, daß unsere ganze Gruppe den Aufstand probt. Unser Haufen is denkbar durchmischt. Ein Facharbeiter, der in einem Industiebetrieb Urlaub genommen hat und das Geld der Studie als Schwarzgeld einsteckt, Student oder Verkäufer eines Straßenmagazins, alles ist hier versammelt. Alle möglichen Nationalitäten sind hier vertreten (in einer anderen Gruppe auch ein Kossovoalbaner ohne Aufenthaltsgenehmigung) genauso wie ein organisierter Nazi. Und diese zehnköpfige Gruppe hatte gerade eine Vollversammlung. Mit der Informationspolitik scheint hier einiges im Argen zu sein, und sowieso würden wir alle gerne mehr Geld sehen. Wir haben uns einen Schlachtplan überlegt. Morgen soll´s losgehen. Wenn Personal vorbeikommt, laufen einige tuschelnd auseinander. Is schon lustig. Bin gespannt, wie es sich weiterentwickelt.

Ich halt Euch auf dem Laufenden.

DeppVomDienst

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 396
[Pharmastrich] Ich verkaufe meinen Körper
« Antwort #4 am: 21:13:57 Di. 27.Mai 2003 »
Hallo,
hört sich ja spannend an. Was wird denn überhaupt für ein Medikament gestestet? Und der Neonazi beschwert sich tatsächlich auch über die Menschenversuche? Wäre doch toll, wenn in Zukunft nur noch Neonazis zu Pharmaversuchen herangezögen werden würden (unbezahlt, einfach als "deutsche" Pflicht deklarieren), sozusagen historisch gesehen als ausgleichende Gerechtigkeit.

admin

  • Administrator
  • *****
  • Beiträge: 2465
[Pharmastrich] Ich verkaufe meinen Körper
« Antwort #5 am: 01:57:57 Mi. 28.Mai 2003 »
Zitat
Original von Jost

sie hat auch noch später bei Seroplas/Aventis Blutplasma gespendet und davon irgendwelche thrombosenartigen Verdickungen an den Unterschenkeln bekommen.


Vor Jahren wollte ich auch einmal bei Seroplus Blutplasma spenden. Dazu brauchte ich eine Untersuchung von meinem Hausarzt. Der wurde echt sauer und sagte, für soetwas unseriöses würde er keine Ergebnisse herausrücken und überhaupt könne er das als Arzt nicht vertreten.

Damit hatte sich das dann auch für mich erledigt.

Arthur

  • Gast
[Pharmastrich] Ich verkaufe meinen Körper
« Antwort #6 am: 17:32:12 Mi. 28.Mai 2003 »
Wir hatten für heut morgen um 9°° enen Termin mit der Klinikchefin. Sie verlegte ih kurzfristig auf mittags. Wir saßen geschlossen im Aufenthaltsraum und warteten vergebens. Statt zu kommen gab sie telefonisch die Anweisung unsere Zimmer verschließen zu lassen. (Übrigens, es handelt sich um die Firma MDS-Pharmaservice, in der Kieler Str. in HH)

Als sie ca. 2 Std. später aufkreuzte waren wir alle richtig geladen. Sagten ihr gleich, was für eine Frechheit es sei, uns sitzen zu lassen und sich nichteinmal zu entschuldigen. Und daß wir keine Lust hätten uns wie unartige Kinder behandeln zu lassen. Irgendwann ist sie aufgesprungen und ward nimmer gesehen.

Dann redeten wir weiter (geschlossen) gut 3 Std mit dem Chefarzt. Obwohl wir keine Diskussionsprofis sind und unsere vorigen Versammlungen der reinste Hühnerstall waren, klappte hier alles was abgesprochen war. Die Vorwürfe kamen von allen Seiten, damit keiner als Wortführer oder gar Rädelsführer ausgemacht werden kann. Es war sachlich und absolut fundiert (einzelne hatten sich vorbereitet). Der Mensch, der gestern rot angelaufen ist wurde heute nachhaus geschickt. Er bekommt aber nicht den Betrag, für die Komplette Studie sondern nur anteilig bis zum heutigen Tag. Daß wir uns an ein anderes Versprechen erinnern, kann garnicht sein. Auch, kann auch nicht sein. Wir hätten schließlich in dem 10 seitigen Vertrag (engbedruckt) die ganzen Bedingungen per Unterschrift akzeptiert. Ansonsten wurde uns in allen Punkten recht gegeben. Das ändert aber nichts an der Bezahlungspolitik der Firma. Für die nächsten Teilnehmer gibt es dann Verträge mit diversen Zusatzklauseln, damit man an die Firma nichtmehr rankommt. Und wenn es uns nicht paßt können wir ja schließlich gehen. Als wir uns nicht zufrieden gaben (und gleichzeitig nicht weiterwußten) wurde uns ein weiteres Treffen in einigen Tagen zugesagt, man könne sich bestimmt einigen.

Wir wußten, daß wir aufgelaufen sind, waren trotzdem ganz aufgekratzt, weil keiner von uns bisher eine solche Geschlossenheit und Solidarität je erlebt hat.

Wir haben für Morgen eine weitere Vollversammlung angesetzt.
(Es wird dann hier wohl eine Fortsetzung Folgen)

DeppVomDienst

  • Sr. Member
  • ****
  • Beiträge: 396
[Pharmastrich] Ich verkaufe meinen Körper
« Antwort #7 am: 10:50:47 Do. 05.Juni 2003 »
Zitat
Wir haben für Morgen eine weitere Vollversammlung angesetzt.
(Es wird dann hier wohl eine Fortsetzung Folgen)


Arthur? Aaaaarthuuur!?! Hast Du beim Pharmatest die spezielle Querulanten-Dosierung verabreicht bekommen?

Etwas in Sorge:
Der DeppVomDienst

Arthur

  • Gast
[Pharmastrich] Ich verkaufe meinen Körper
« Antwort #8 am: 19:41:26 Fr. 06.Juni 2003 »
Nun mal ganz ruhig!

Die Sendepause lag erstmal an der Verzögerungstaktik von MDS und inzwischen ist die Studie abgeschlossen und wir sind wieder "Frei".
16 Tage waren wir eingeschlossen und hatten nichteinmal 1 Std Hofgang wie im Knast.

Wie sich die Geschichte weiterentwickelt hat?

Wie gesagt, die Medikamentennebenwirkungen waren nicht ohne. Running Gag bei uns war, "Tausche Kopfschmerzen gegen Muskelzucken".

Unsere angekündigte Vollversammlung war die Hölle. Erneut über 2 Stunden lang. Es herrschte Ermüdung und Lagerkoller. Wärend der Nazi die ganze Zeit sich vorbildlich solidarisch zeigte, wurde der durchgeballerte Raver (und Schill-Wähler) zu einem Problem. Er war ein völliger Schisser und sagte nur, "Was soll das jetzt noch? Wir haben alles unterschrieben und können nichts mehr machen." Einige waren völlig überreizt, haben einander Mißverstanden & wären fast aufeinander losgegangen. Es gab zum Glück einige mit Talent zur Schlichtung und allgemeinen Beruhigung.

Bei der Sondierung von Druckmitteln stellten wir fest, daß nur wenige bereit wären, die Studie vorzeitig abzubrechen. Das kostete uns einige Hundert Euro, MDS aber viele Tausend! Aber die meisten waren hier, um ihre Schulden abzuarbeiten. Es waren sogar 3 Leute, die sich extra Urlaub genommen haben um das Geld als Lohnaufbesserung mitzunehmen. (Es ist schon soweit, daß ein Arbeitslohn nur noch zu einem bloßen Auskommen reicht. Gibt z.B. das Auto den Geist auf, muß ein ZUSÄTZLICHER Job angenommen werden.)

Wir einigten uns bei unserer Versammlung auf folgendes:
Der Chefarzt soll sich am Freitag den versammelten Probanden stellen. Als Argument und Druckmittel wollten wir sagen, einige überlegen sich abzubrechen und benötigen für die Entscheidung ein klärendes Gespräch.
Wir wollten definitiv MEHR GELD!
Derjenige, der aus medizinischen Gründen (allergische Hautreaktion) rausgeflogen ist, bekam nur für die Tage seiner Anwesenheit bezahlt. Sein ausscheiden lag nicht an ihm, sondern an der "Behandlung", deshalb wollten wir für ihn noch "Verdienstausfall", bzw. "Entschädigung" aushandeln.
Einzelne haben sich auch ein paar Texte überlegt, die sie dem Arzt an den Kopf werfen wollten, sei es nur als persönliche Genugtuung für die erfahrene Behandlung.


Wie das alles ausgegangen ist, demnächst....
Ich muß mich ersteinmal den Widrigkeiten des Lebens "draußen" stellen.

Arthur

  • Gast
[Pharmastrich] Ich verkaufe meinen Körper
« Antwort #9 am: 19:23:26 Do. 12.Juni 2003 »
Ihr ahnt wahrscheinlich schon, wie das ganze ausgegangen ist. Der Chefarzt bewies, daß er bereits seit Jahren Erfahrung im Bereich Phase 1 (=Menschenversuche) hatte.

Er sagte uns, man hätte es intern beraten, man würde uns für die Fehler und Unzulänglichkeiten von MDS eine finanzielle Entschädigung zahlen. Aber das Gespräch könne nicht am Freitag (wie von uns ausdrücklich verlangt!) stattfinden, sondern erst am Montag.

Am Montag herrschte nicht nur eine unglaubliche Hitzewelle, sondern wir freuten uns derart auf die Entlassung am Dienstagmorgen, da waren wir zu keinerlei Aktivitäten mehr fähig. Der Doc raste kurz durch den Aufenthaltsraum und sagte den beiden, die gerade da saßen, es gibt 25 Euro extra. Dann ward er nimmer gesehen.

Unser Sieg war es selbst nicht eingeknickt zu sein und MDS, die darauf bestanden haben ihre "Geldpolitik keinesfalls zu ändern", zu einem Zugeständnis gezwungen zu haben. Und unsere Aktionen und Zusammenhalt haben dazu geführt, daß wir einander mehr mochten und die Zeit ohne (ständig drohenden) Lagerkoller durchgestanden zu haben. Aber ich bin kein Gewerkschaftsfunktionär, der jeden Mist als Sieg verkauft.

25Euro, das sind 1 Euro 56 Cent am Tag! Und das ist nichts weiter als eine blanke Verarschung! Wir waren alle hochgradig genervt. Für den Kollegen mit der allergischen Reaktion haben wir auch nichts extra ausgehandelt.

Ich überlege noch ob es nicht eine Möglichkeit gibt dieser Firma im Nachhinein ans Bein zu pissen!?!

Arthur

  • Gast
[Pharmastrich] Ich verkaufe meinen Körper
« Antwort #10 am: 00:46:40 Sa. 25.Oktober 2003 »
Ich habe einen ehemaligen Probanden getroffen. Der nervigste aus der Gruppe, ein völlig beknackter Proll. Er erzählte er sei von MDS wieder angerufen worden (den haben sie gezielt herausgepickt). Es ging um eine Studie für die 15000 Euro geboten wurde. Ein Präperat wird direkt in einen Beinmuskel gegeben, er wird geöffnet, anschließen wird die Haut wieder vernäht, doch das Präperat kann einige Muskelfasern bleibend zerstören. Das war selbst diesem Deppen zu blöd, er hat abgelehnt.

dreamdancer5@web.de

  • Gast
[Pharmastrich] Ich verkaufe meinen Körper
« Antwort #11 am: 17:57:51 Mi. 28.Januar 2004 »
tagchen....

ich hab ma ne frage....
kennt einer von euch en paar adressen in hessen...bzw. umgebung, wo man sich für (wenigstens teilweise) seriöse tests anmelden kann?

ich habe nähmlich interesse an sowas ^^

schickt mir einfach ne mail ^^

p.s.: ich bin mir auch über die risiken usw. bewusst.

mfg,
dreamdancer5@web.de

Dito

  • Gast
[Pharmastrich] Ich verkaufe meinen Körper
« Antwort #12 am: 02:21:12 Di. 10.Februar 2004 »
könnt ihr die adressen net einfach hier posten eventuell würde ich mir das auch mal durch den kopf gehen lassen

Arthur

  • Gast
[Pharmastrich] Ich verkaufe meinen Körper
« Antwort #13 am: 18:31:14 Sa. 14.Februar 2004 »
Hallo Ihr Beiden!

Tut mir leid, wenn ich mich hier negagiv äussere, denn eigentlich versuch ich zu helfen, wo ich kann.


Aaaaaaber...........

1.)  Ich mach Keine Werbung für Firmen, die ihre Leute schlecht bezahlen und schlecht behandeln.

2.)  Es hat mehrere Studien gegeben, die nicht ausreichend Probanden gefunden hat. Als Folge sahen sich die Pharmaunternehmen gezwungen mehtr Geld für die Studie zu bieten. Ich werde nicht für die Interessen der Pharmaindustrie werben, wenn es gegen die Interessen der augenblicklichen Probanden geht.

Ich bitte um Verständnis.
sorry,
Arthur

  • Gast
[Pharmastrich] Ich verkaufe meinen Körper
« Antwort #14 am: 03:14:06 Fr. 05.März 2004 »
Ich hab im RV Klinikum in Berlin auch mal an so einem Test teilgenommen, war ein Präparat gegen eine bakterielle Lugenentzündung.

Allerdings hat es nicht einen Euro gegeben. Dafür die beste medizinische Nachuntersuchung die ich je hatte. Aber in diesem Fall war es eher harmlos.

Ansonsten vorsicht - probanden verlieren u.U. ihre Krankenkassenversicherung über Jahre.