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Arbeit schadet der Gesundheit

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Mac:
Ein Freund von mir wurde vom Sozialamt zu einem Kackjob gezwungen (vor caq. 2 Jahren). In einer Firma für Aktenvernichtung steht er den Tag am Schredder um dann kaputt nachhaus zu kommen um da beim 2. Bier vorm Fernseher einzuschlafen.( Nach Miete, Essen und dem 2. Bier ist vom Lohn auch nix mehr über.)

Nach 2 Jahren in der Firma geriet er mit der Hand in den Schredder (der Komplette Ordner mitsamt Stahlteilen Häxelt) und verlor Daumen, Mittelfinger und Zeigefinger. Die Firma bot ihm jetzt einen Job im Büro zu dem er Keine Lust hat.

Ich bewundere ihn dafür, daß er´s mit Fassung trägt. Aber er ist nur einer von unzähligen namenlosen Opfern, die ihre Gesundheit für die Scheißarbeit geben mußten!

:
"Die gesetzliche Krankenversicherung verzeichnet u.a. deshalb gravierende Finanzierungsprobleme, weil sie die enormen Kosten arbeitsbedingter Erkrankungen zum größten Teil tragen muss, obwohl hierfür in erster Linie die Arbeitgeber und die von deren Beiträgen finanzierte gesetzliche Unfallversicherung zuständig wären...."

aus: IG Metall     Arbeit & Ökologie-Briefe April 2003

ManOfConstantSorrow:
haben wir´s nich schon immer geahnt!?!
Arbeit ist 3x so gefährlich wie Krieg und auch schlimmer als Alkohohol- & Drogenkonsum zusammen. Eine Studie der Vereinten Nationen hat´s bewiesen:

Work is three times as deadly as war, says UN
Andrew Osborn in Brussels
Thursday May 2, 2002
The Guardian

It's official: work can be fatal - and, according to a United Nations report, it brings about more death and suffering than wars or drug and alcohol abuse combined.

More than two million people die from work-related accidents or disease every year - equivalent to one death every 15 seconds - the UN's International Labour Organisation said this week. Two years ago, the figure was just 1.2 million.

The ILO named agriculture, construction and mining as the three most dangerous occupations in the world.

The total is now three times the annual number of deaths in wars every year (650,000), or the equivalent of a September 11 tragedy every day. It also exceeds deaths from alcohol and drug abuse combined.

The ILO said exposure to dust, chemicals, noise and radiation was causing cancer, heart disease and strokes.

Some 350,000 people died from fatal workplace accidents every year, and hazardous substances claimed 340,000 lives. Asbestos was responsible for 100,000 deaths.

The ILO accused wealthy countries of exporting the problem.

"Industrialised countries are exporting their hazards to developing countries," said the ILO's Jukka Takala. Problems had been "moved to the South, where labour is not only cheaper but less protected", she said.


Guardian Unlimited © Guardian Newspapers Limited 2003

Kermit:
"Krankhafte Fixierung auf Arbeit"
Müssten die Deutschen tatsächlich mehr arbeiten? Der Bremer Soziologe Holger Heide meint, das Verhältnis Mensch zu Arbeit stimme schon längst nicht mehr. Arbeitssucht sei zur - gewollten - gesellschaftlichen Normalität geworden
taz: Alle reden davon, dass wir mehr Arbeit brauchen. Sie beschreiben es aber als Problem, dass die Menschen schon längst süchtig nach Arbeit seien.
Holger Heide: Wenn man in die Betriebe geht, kann man feststellen, dass die Arbeitnehmer unter Druck sind: im Sinne von Stress, interkollegialem Stress, bis hin zu Mobbing. Trotz statistisch belegbarem Rückgang der Abwesenheitsquote - unter anderem wegen der hohen Arbeitslosigkeit - verschlechtert sich der Gesundheitszustand der Beschäftigten. Da stimmt etwas nicht mit dem Verhältnis der Menschen zur Arbeit. Das ist zunächst offensichtlich äußerem Druck geschuldet. Die Unternehmen passen sich dem steigenden Druck der Konkurrenz auf dem Weltmarkt an. Es zeigt sich aber, dass der bloße Verweis auf den äußeren Druck zur Erklärung nicht reicht. Wir haben die Normen der Arbeitsgesellschaft weitgehend verinnerlicht. Das heißt, wir sind anfällig für Arbeitssucht.

Sie nennen Arbeitssucht eine Volkskrankheit. Und in der Tat könnte der Terminus "Abhängig Beschäftigter" auch auf den Drogencharakter hinweisen. Ist ein Impfstoff in Sicht?
Nur wenige Krankheiten lassen sich durch die Verabreichung einer Arznei heilen. Meist werden bloß die Symptome gedämpft. Und was wichtiger ist: Arbeitssucht ist gewollte gesellschaftliche Normalität. Höchstens "Auswüchse" werden als bedenklich registriert, und als Auswüchse erscheinen "unerwünschte "Nebenwirkungen": Bluthochdruck, Magengeschwüre, Kreislaufprobleme, Rückenleiden und viele weitere Leiden, über die jeder Betriebsarzt sich Sorgen macht.

Wie zeigt sich Arbeitssucht?

Arbeitssucht ist eine krankhafte Fixierung auf Arbeit. Wie bei anderen Süchten steckt dahinter meist unbewusst ein Ausweichen vor unerträglichen Gefühlen. Gerade aufgrund der hohen gesellschaftlichen Akzeptanz von Arbeit liegt es nahe, dass ich mich in Arbeit "stürze". Aber auch die entgegengesetzte Reaktion ist häufig: Die Vorstellung, Leistungen erbringen zu müssen, kann so stark werden, dass man in einen Zustand fast völliger Arbeitshemmung geraten kann. Kollegen und Familienmitglieder erkennen das Suchttypische meist daran, dass sich die Betroffenen isolieren, für nichts außer der Arbeit Zeit und Interesse haben.

Ecstasy, Schnaps und Heroin kann man absetzen. Beim Verdienen des Lebensunterhalts sieht das anders aus. Welche Möglichkeiten hat der Arbeitskranke, gesund zu werden?Absetzen ist nicht Gesundung, es geht auch bei Heroin letztlich um die Heilung der seelischen Krankheit. Einen Job zu machen, der einem Krankheit und perspektivisch den Tod einbringt, kann wohl nicht mit dem Hinweis auf den notwendigen "Lebensunterhalt" gerechtfertigt werden.

War früher alles anders oder womöglich sogar besser? Beurteilen Sie also die Produktivitätsfortschritte eher negativ?
Da müssten wir über den Begriff "Produktivität" reden und darüber, welchen Sinn es macht, diese ständig zu erhöhen. Erinnern Sie sich an den Satz von John Stuart Mill, der zur klassischen englischen Soziologie gehört: "Es ist fraglich, ob alle bisher gemachten mechanischen Erfindungen die Tagesmühe irgendeines menschlichen Wesens erleichtert haben." Und damit meinte er: Zwar wird der technische und wirtschaftliche Fortschritt immer als Fortschritt des Menschen oder der Menschheit ausgegeben. Aber wie wir in der Phase der industriellen Revolution gesehen haben, wirkt sich das immer auf einen Teil der Menschheit extrem destruktiv aus. Ich versuche, mit dem Missverständnis aufzuräumen, früher sei alles ganz schrecklich gewesen. Die Vorstellung, man habe heute mehr Freizeit als früher, ist schlichtweg falsch. Aber wir müssen ausgehen von dem, was jetzt ist: Ich muss wieder anfangen zu spüren, was für mich gut ist. Wenn ich merke, es wird von mir verlangt - ich selbst verlange es sogar von mir -, täglich zwölf Sunden arbeiten zu gehen, und ich merke, wie ich dabei draufgehe, die Kontakte zur Familie abreißen oder Herzprobleme auftreten, dann muss ich sagen: Irgendwas läuft falsch. Hier geht es nicht um mehr Geld, sondern um existenzielle Probleme.

Was halten Sie von den "glücklichen Arbeitslosen" und deren Konzept "Wozu sich um Arbeit reißen"?

Das ist sicher eine Popularisierung. Aber nicht unbedingt falsch. Es bietet eine Möglichkeit, sich mit dem Begriff "Arbeit" auseinander zu setzen, zunächst einmal für die, die arbeitslos und dem unmittelbaren Druck der Stigmatisierung tatsächlich massiv ausgesetzt sind. Dass sie zu dem Ergebnis kommen: Arbeitslosigkeit ist von uns nicht erwünscht, aber wir können die Zeit, die wir jetzt haben, zu unserem Vorteil nutzen. Das würde einen Teil des Stresses auch aus der Arbeitswelt nehmen. Diejenigen, die Arbeit haben, müssten sich mit denselben Fragen auseinander setzen und verstehen, dass Solidarität nicht einfach warmherzige Anteilnahme ist, sondern dass diese Gesellschaft ein grundlegendes Problem hat: Um aus der Suchtgesellschaft herauszukommen, um uns die Muße wieder anzueignen, brauchen wir neue solidarische Formen von Individualität und Kollektivität jenseits von "Interessenvertretung" und "Politik".

INTERVIEW: JÜRGEN KIONTKE

taz Nr. 7086 vom 24.6.2003, Seite 9, 171 Zeilen (Interview), JÜRGEN KIONTKE

:
Ein junger durch Walzerrollen zermalmter Arbeiter

Montag, den 22. September gegen 9 Uhr 30. Ein neuer tödlicher Unfall ist an der Fabrik Sidmar de Zelzate eingetreten... "junger Stahlwerker Davy Senave wird zwischen zwei Rollen zermalmt. Einige Sekunden später durchquert ein Zittern das ganze Walzwerk: es hat einen schweren Unfall gegeben!"

Was hat er sich genau ereignet? Dirk Goemaere, er selbst hat ehemaliger Stahlwerker und jetzt kommunaler Berater des PTB bis Zelzate am selben Tag mit vielen Arbeitern des Unfalles gesprochen. Er davon wählt diesen Bericht: "Man mußte étireurs Rollen an Tandem 2 verschieben. Davy installierte die Kabel am Boden einerseits, aber mußte sich für das in einem Übergang von als einem Meter breites weniger halten. Denn vor den étireurs Rollen befanden sich flankierende Rollen in Warteposition. Zum Zeitpunkt, wo der Kran das Kabel gespannt hat, hat etwas schlecht funktioniert. Die Rollen verlassen den Boden, und sind vorwärts, soeben in der Direktion gesprungen, wo Davy war. Er hatte keinen Ausgang, denn eine flankierende Rolle war hinter ihm gerecht! Er hat die volle Rolle in auf ihm erhalten, er ist zwischen einer étireur Rolle und einer flankierenden Rolle zermalmt worden. Kein Glück, davon zu überstehen!

Alle Kollegen haben sofort interveniert: Gesten erster Hilfen, Aufruf an den Dringlichkeiten. In den benachbarten Werkstätten démené jeder auch, um die Hilfen in einem Minimum von Zeit vor Ort zu führen. Jeder hat sich dort gründlich, aber vergeblich gestellt."

Wenn zwei Teams des SMUR und die Polizei vor Ort der Fabrik angekommen sind, hat jeder begriffen, daß es sehr ernsthaft war. "Sie sind in dabei, Davy wiederzubeleben von Tandem 2 sein Puls weggegangen..." Das SMUR hat all sein möglichstes getan, aber die Verletzungen von Davy waren zu ernst. "Noch ein Glück, das das so schnell war, wird er sich sicherlich nicht gelitten haben" tröstete die Kollegen gegenseitig...

Davy Senave war nur 29 Jahre alt. Er läßt eine Frau und einen kleinen Jungen von drei Jahren. Und viele Freunde, denn Davy war allen als eine Eule bekannt gars, immer optimistisch.

Eine ernsthafte Untersuchung, um die Unsicherheit zu entdecken

Die Leute würden nicht akzeptieren, daß ein Arbeiter oder ein Kranführer hier vom Finger gezeigt wird. Der Kranführer, der die Rollen verschob, ist als ein ruhiger und erfahrener Arbeiter bekannt. "Jene, die den Kran für eine schwere Arbeit benötigten, waren beruhigt, als es ihn war, der es handhabte" erzählt die Kollegen von Davy.

"Es gibt momentan einen tödlichen Unfall fast jedes Jahr. Ist es normal? Da die Frage, die wir stellen müssen ", geschrieben Dirk Goemaere an seine Arbeitskollegen. Der Tod von Davy verursacht erneut viele Diskussionen über die Sicherheit im allgemeinen.

Das CPPT muß eine ernsthafte Untersuchung durchführen und Maßnahmen vorschlagen, alle möglichen Unsicherheitsformen éradiquer. Es ist das, was die Leute erwarten, mehr denn je. Und alle Informationen müssen auf den Linien verbreitet werden. "Arnold ist gestorben vor einem Jahr, und wir kennen noch die genauen Ursachen seines Unfalles nicht", sagen die Stahlwerker.

Bewegte Ehrerbietung
Alle anwesenden Personen fühlten sich sie cur drücken, wenn die Witwe von Davy und ihr kleiner Junge von drei Jahren ein Photo von Davy in der Mitte der Blumen gesetzt haben. Sie waren von sauren Brüdern und und von anderen Familienmitgliedern umgeben, die alle auch eine Rose kaufen und es zu den Füssen des Kreuzes und des Photos ablegen wollten. Vor dem Haupteingang von Sidmar so an diesem Montag, den 29. September statt fand eine, die Zeremonie zum Gedenken an von Davy bewegt. Ein Straßenfahrer hat eine Rose am kleinen Jungen gekauft und hat ihn gefragt, es für ihn abzulegen. Marleen Iterbeke hat ohne musikalische Begleitung ein großartiges gesungen mich verläßt nicht von Jacques Brel, und Maya Wuytack (Mädchen des Bildhauer- Dichters Frans Wuytack), hat récité eines von ihren ergreifenden Gedichten.

Mehrere Arbeiter von Sidmar waren anwesend, und Dirk Goemaere hat Solidaritätsmitteilungen von Brassenstahlwerkern (Deutschland) gelesen, IJmuiden (die Niederlande) und Dünkirchen (Frankreich). An Brasse haben sie eine Sammlung für die Witwe von Davy organisiert. Jene von Usinor-Dünkirchen haben versprochen, sich mit den Gewerkschaften zu bemühen, solche Dramen zu vermeiden. Die Kollegen von IJmuiden haben bekanntgegeben, daß sie bereits erfolgreich gewesen sind, ihren Direktor mit Frist verurteilen zu lassen, wenn ein tödlicher Unfall noch eintreten müßte. "Die Sicherheit geht vor der Produktion über" ist ihre Devisen. An Sidmar haben die Arbeiter für 1.700 Roseneuro gekauft. Alle haben der Witwe und der Familie von Davy ihr Mitleid vorgestellt.

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