Autor Thema: Arbeit schadet der Gesundheit  (Gelesen 60206 mal)

ManOfConstantSorrow

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Nanotechnologie - die ersten Opfer
« Antwort #45 am: 18:46:05 So. 23.August 2009 »
Das jüngste der bestaunten Wunder mag Nanotechnologie inzwischen nicht mehr sein - als eine Gefahr für diejenigen erkannt, die damit arbeiten müssen wird es erst jetzt. Zwei von mehreren Frauen, die bei der Herstellung von Farben für die Druckindustrie erkrankten sind gestorben. Der kurze Bericht "Erste Todesfälle durch Nanotechnologie" vom August 2009 bei ungesundleben ist auch mit diversen Links zu den Sachfragen dahinter versehen:
http://www.ungesundleben.org/ungesund/index.php/Nachrichten_2009#Erste_Todesf.C3.A4lle_durch_Nanotechnologie
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Kater

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Zwei Millionen Menschen wegen Arbeit krank
« Antwort #46 am: 12:15:11 Mi. 02.September 2009 »
Zitat
Zwei Millionen Menschen wegen Arbeit krank
Daniel Baumann

Krankheiten sind auch ein Messinstrument. Ein Instrument, das das Ende der Industriegesellschaft dokumentiert. Holzschnittartig verallgemeinert lässt sich sagen: Zur Dienstleistungsgesellschaft gehört die Depression, genauso wie zur Industrie der Arbeitsunfall gehört. Die gestern vom Statistischen Bundesamt veröffentlichte Meldung, wonach 2,4 Millionen Menschen durch Arbeit krank werden, ist insofern wenig überraschend. Schon der "kaiserliche Erlass" von 1881, der zur Gründung der Unfallversicherung 1883 und der Krankenversicherung 1884 führte, war eine direkte Folge der Industrialisierung.

Mit der Entstehung der Dienstleistungsgesellschaft wurden Unfälle in den Betrieben immer seltener. So ist zum Beispiel 2008 nach Angaben der Berufsgenossenschaft Bauwirtschaft die Zahl der Unglücke auf Baustellen auf ein Rekordtief gesunken. Insgesamt wurden noch rund 121 000 Unfälle gemeldet, das waren beeindruckende 166 000 Unfälle weniger als noch vor zehn Jahren. Gründe dafür sind bessere Aufklärung über Sicherheitsrisiken und Schutzvorkehrungen.

Gleichzeitig steigt die Zahl derjenigen, die mit der psychischen Belastung am Arbeitsplatz nicht mehr zurechtkommen. Die dadurch verursachten Fehltage sind heute 58 Prozent häufiger als noch 1996. Dies weist auf eine deutliche Veränderung der Belastungen am Arbeitsplatz hin, eine Folge des wirtschaftlichen Umbaus hin zu Dienstleistungen. Neben dem Stress sind heute den Statistikern zufolge Rückenleiden (eine Million Arbeitnehmer) am häufigsten, es folgen Beschwerden an Nacken, Armen, Schultern und Händen, sowie Probleme mit Hüfte, Beinen und Füßen.

In der betrieblichen Gesundheitsvorsorge stehen deshalb nach Angaben der Betriebskrankenkassen nach wie vor die Erleichterung körperlicher Belastungen im Vordergrund. Gefolgt durch ein gutes Betriebsklima und Fehlzeitensenkung. Die Krankenkassen, vor allem aber auch die Politik, haben das Thema Prävention seit einigen Jahren für sich entdeckt. Seit 2001 sind die Ausgaben dafür von 66,9 auf 340 Millionen Euro gestiegen.

Durch betriebliche Gesundheitsvorsorge können gewaltige Einsparungen erzielt werden. Den Statistiken zufolge entstehen hierzulande jährlich Kosten in Höhe von 44 Milliarden Euro durch arbeitsbedingte Erkrankungen, alleine ein Viertel davon entfällt auf Muskel- und Skeletterkrankungen. Bei den Arbeitnehmern werden Rückenschulen und Stressbewältigungskurse immer beliebter. Arbeitgeber nutzen verstärkt die Hilfe von Krankenkassen. Dabei geht es vor allem um ganz praktische Dinge wie die optimale Gestaltung von Arbeitsabläufen und -umgebungen. Für die Firmen lohnt sich das. Sie profitieren von geringeren Kosten für die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Produktivitätssteigerungen und geringeren Personalaufwand. Experten zufolge erwirtschaftet jeder in Prävention investierte Euro eine Rendite von drei Euro.

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0902/wirtschaft/0037/index.html

Kater

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Mörderischer Arbeitsplatz
« Antwort #47 am: 14:28:41 Mo. 14.September 2009 »
Zitat
Mörderischer Arbeitsplatz
Eine Selbstmordserie erschüttert den französischen Telekommunikationskonzern France Télécom
Johannes Wetzel

Man kann einen Menschen mit einer Axt erschlagen, man kann ihn aber auch mit einer Wohnung erschlagen" lautet das berühmte Zille-Zitat. Stress am Arbeitsplatz gehört offensichtlich in die Reihe solcher Tatwaffen. Das legt zumindest eine Selbstmordserie beim französischen Telekommunikationsunternehmen France Télécom nahe. 23 Beschäftigte des Unternehmens haben sich seit Februar 2008 das Leben genommen. Das letzte Opfer war eine 32-jährige Angestellte, die sich am Freitag aus einem Fenster im fünften Stock eines Télécom-Gebäudes in Paris gestürzt hat. Die Frau hatte kurz zuvor erfahren, dass sie einen neuen Vorgesetzten bekommen würde. Sie war angeblich als psychisch labil bekannt.

Dennoch erscheint der Suizid als ein erneuter Beweis dafür, dass die laufende Umstrukturierung und der Personalabbau bei France Télécom für die rund 100 000 Mitarbeiter vielfach mörderische Arbeitsbedingungen schaffen. Erst zwei Tage zuvor hatte sich ein Techniker in Troyes während einer Besprechung ein Messer in den Bauch gerammt, als er von der Abschaffung seiner Stelle erfuhr. Ein anderer Angestellter hatte sich in seinem Abschiedsbrief über unerträgliche Arbeitsbelastung und ein "Terror-Management" beklagt. Statistisch liegt die Zahl der Selbstmorde bei Télécom nicht über dem französischen Bevölkerungsdurchschnitt. Das aber beweist nicht, dass die Taten nicht wesentlich den Arbeitsbedingungen zuzurechnen wären. Frankreichs Arbeitsminister Xavier Darcos will jetzt mit dem Télécom-Chef über die Selbstmorde reden. Aber sein Personalchef hat bereits klargestellt, ein Stopp der Umstrukturierung sei wegen des internationalen Wettbewerbs unvorstellbar. Der Wandel des Unternehmens vom Festnetz-Betreiber zum Mobilfunk- und Internetkonzern verlange von den Beschäftigten eben Mobilität. Allenfalls unfreiwillige Versetzungen sollen vorerst ausgesetzt werden und 20 000 Télécom-Manager zur Früherkennung psychischer Not ihrer Mitarbeiter geschult werden. Am 18. September beginnen dann die Verhandlungen mit den Gewerkschaften. Thema: "Stress am Arbeitsplatz".

http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0914/seite1/0055/index.html

Kater

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France Télécom stoppt Konzernumbau
« Antwort #48 am: 19:36:53 Di. 20.Oktober 2009 »
Zitat
France Télécom stoppt Konzernumbau

Paris (AP) Angesichts einer dramatischen Selbstmordserie bei France Télécom hat das Unternehmen den 2006 eingeleiteten Konzernumbau vorerst gestoppt. Das teilte das Unternehmen am Dienstag nach einem Treffen mit Vertretern der Belegschaft mit. Innerhalb der vergangenen 18 Monate hat es in dem französischen Telekommunikationskonzern 25 Fälle von Selbsttötung gegeben, den bisher letzten am Donnerstag voriger Woche.

Die Gewerkschaften sehen den Konzernumbau mit zehntausenden Entlassungen und Versetzungen als eine Ursache für die Selbstmordserie. Der für das schmerzhafte Umstrukturierungsprogramm verantwortliche Vizechef Louis-Pierre Wenes musste kürzlich seinen Platz räumen.

Erst auf Druck der Regierung reagierte der Konzern mit rund 100.000 Beschäftigten kürzlich auf die Selbstmorde. So wurden 500 geplante Versetzungen vorerst auf Eis gelegt und die Angestellten aufgerufen, auf depressive Stimmungen oder Anzeichen auf mögliche Selbstmordabsichten ihrer Kollegen zu achten. Arbeitsminister Xavier Darcos entsandte zudem einen Mitarbeiter zur Kontrolle in das frühere Staatsunternehmen.

Der jetzt beschlossene Stopp sämtlicher Umstrukturierungsmaßnahmen gilt zunächst bis zum Jahresende.
http://de.news.yahoo.com/1/20091020/tbs-france-tlcom-stoppt-konzernumbau-f8250da.html

Kater

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Nanotechnologie birgt gesundheitliche Risiken
« Antwort #49 am: 09:23:52 Mi. 21.Oktober 2009 »
Zitat
Nanotechnologie birgt gesundheitliche Risiken

München (dpa) - Das Umweltbundesamt (UBA) warnt nach einem Zeitungsbericht vor Gesundheitsgefahren, die aus dem industriellen Einsatz von Nanotechnologie in Nahrungsmitteln, Kleidungsstücken, Kosmetika und anderen Produkten resultieren können. Diesen Artikel weiter lesen
Ähnliche Fotos/Videos Bild vergrößern Das berichtet die «Süddeutsche Zeitung» und beruft sich auf eine noch unveröffentlichte Studie des UBA. Das Amt empfehle in der Studie, Produkte mit den kleinen Partikeln so lange zu vermeiden, wie ihre Wirkungen in der Umwelt und auf die menschliche Gesundheit noch weitgehend unbekannt sind. Zudem fordere das UBA eine Kennzeichnungspflicht und ein Melderegister für Produkte, die Nanopartikel enthalten. Davon wären mehr als 800 Unternehmen in Deutschland betroffen, die in der Nanotechnologie tätig sind.

Die Verwendung Millionstel Millimeter kleiner Partikel ist für viele Industriebranchen interessant, weil sie nützliche chemische und physikalische Eigenschaften besitzen. Ihre Winzigkeit birgt allerdings auch die Gefahr, dass sie viel eher die natürlichen Barrieren im Körper überwinden - die Blut-Hirn-Schranke etwa.

Chinesische Forscher hatten im August eine Studie veröffentlicht, nach der Nanopartikel in Farben schwere Lungenkrankheiten verursachen können. Japanische Forscher veröffentlichten eine Studie, der zufolge Nanopartikel die Hirnentwicklung bei Föten beeinflussen können. In Tierversuchen wurde mehrfach gezeigt, dass Nanopartikel zu Entzündungen der Lunge führen.
http://de.news.yahoo.com/26/20091021/thl-zeitung-nanotechnologie-birgt-gesund-b930478.html

Troll

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Re:Arbeit schadet der Gesundheit
« Antwort #50 am: 19:56:43 Di. 27.Oktober 2009 »
Zitat
Nano-Partikel: Giftzwerge im Impfstoff

Von Hans Jörg Müllenmeister   
Tuesday, 27. October 2009

Die Auswirkungen von Nano-Partikeln als Wirkverstärker im Schweinegrippe-Impfstoff sind bisher kaum bekannt. Ein Beispiel dafür, was uns allen bald blühen könnte, wenn wir im Großversuch zur Schlachtbank schreiten, geben die Indianer in Kanada.

Quelle und vollständiger Artikel: MMnews

Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti

Kater

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Zur Selbstmordserie in Frankreich: Verstörender Protest - Ohnmacht und Revolte
« Antwort #51 am: 13:51:57 Do. 29.Oktober 2009 »
Zitat
Zur Selbstmordserie in Frankreich

Verstörender Protest - Ohnmacht und Revolte
Von T. Haberkorn

Die neue französische Revolution: Immer mehr Angestellte begehen Selbstmord - weil sie das knallharte Geschäft nicht ertragen und herkömmlicher Protest im Land der Revolte nicht mehr zieht.

Arbeitskämpfe und soziale Konflikte wurden in Frankreich stets mit größerer Vehemenz ausgetragen als hierzulande. Die Protestkultur der Franzosen folgt dabei einer Logik des Kräftemessens: Demonstrationen und Streiks, sei es von Lokführern, Studenten oder, wie in der vergangenen Woche, von Postangestellten, dienen zunächst einmal dazu, dem Gegner (in der Regel einem zu Kürzungen gewillten Geld- oder Arbeitgeber) die eigene Macht vor Augen zu führen.

Sie münden nicht selten in eine Blockadehaltung, die das sachliche Verhandeln noch erschwert, gleichzeitig aber die Geschlossenheit der eigenen Gruppe zementiert und oft zu beachtlichen Erfolgen führt. Große Teile der Bevölkerung tragen diese "Politik der Straße" mit und solidarisieren sich mit den Demonstrierenden, wenn deren Anliegen mit den Grundfesten des französischen Sozialstaats verknüpft ist.

In letzter Zeit wird die französische Öffentlichkeit mit einer verstörenden Form des Protests konfrontiert, die Politiker und Firmenchefs in immer größere Verlegenheit bringt. Die Berichte über Selbsttötungen am Arbeitsplatz reißen nicht ab. France Télécom, sechstgrößtes Unternehmen des Landes, wird von einer Suizidserie heimgesucht.

Am Montag stürzte sich ein Callcenter-Agent nahe Annecy von einer Brücke, nach Polizeiangaben hinterließ er einen Brief mit Anschuldigungen gegen seinen Arbeitgeber. Zwei Wochen zuvor sprang in der Pariser Konzernzentrale eine Angestellte, die am selben Tag über Umbesetzungen in ihrer Abteilung unterrichtet worden war, aus dem Fenster. In ihrem Abschiedsbrief schrieb die 32-Jährige, sie wolle eher sterben, als unter ihrem neuen Chef arbeiten. Wenige Tage zuvor hatte sich ein Techniker des ehemaligen Staatskonzerns vor Kollegen ein Messer in den Bauch gerammt. Er überlebte den Suizidversuch und sagte später, er habe mit seiner Aktion gegen die Arbeitsbedingungen demonstrieren wollen.

Wie ein makabrer Protestschrei nimmt sich der öffentliche Abschiedsbrief eines Mitarbeiters aus, der sich im Juli das Leben nahm: "Ich habe mich wegen meiner Arbeit bei France Télécom umgebracht. Das ist der einzige Grund: permanenter Druck, Arbeitsüberlastung, fehlende Weiterbildung, Desorganisation des Unternehmens, Terrormanagement."

"Terrormanagement"

In den vergangenen 18 Monaten kam es zu 24 Selbstmorden in der Belegschaft des Ex-Monopolisten, acht davon allein seit Anfang Juli. Gewerkschaftler prangern Stress und schlechten Führungsstil an, die Konzernleitung wies jede Verantwortung aber lange von sich. Es handle sich um menschliche Dramen und Einzelschicksale, und bei rund 100 000 Mitarbeitern liege die Zahl der Selbstmorde noch unter dem nationalen Durchschnitt.

Das Argument verfängt nur teilweise, da Risikogruppen wie Arbeitslose, Heranwachsende und alte Menschen die landesweite Suizidrate anheben. Unter den Opfern von France Télécom befanden sich aber auch leitende Angestellte, deren Arbeitsplatz nicht akut bedroht war. Konzernchef Didier Lombard sprach schon von einer "Selbstmord-Mode" und musste sich öffentlich für diese Wortwahl entschuldigen, nachdem ihn Arbeitsminister Xavier Darcos zum Rapport bestellt hatte.

Der Staat ist mit 27 Prozent noch immer größter Aktionär von France Télécom, 60 Prozent der Beschäftigten sind verbeamtet und begannen zu Zeiten, als die Bereitstellung von Telefonanschlüssen einen Dienst an der Allgemeinheit darstellte und kein knallhartes Geschäft.

Die Suizidfälle beschränken sich allerdings nicht nur auf France Télécom, wo man alle Umstrukturierungsmaßnahmen bis Ende Oktober gestoppt hat und, nach Worten Lombards, nach einem neuen "contrat social" für das Unternehmen sucht.

http://www.sueddeutsche.de/kultur/15/489402/text/

2. Teil:

Zitat
Eine beunruhigende Anzahl von Selbsttötungen, die entweder am Arbeitsplatz stattfanden oder mit Verhältnissen am Arbeitsplatz verbunden wurden, gab es in der Vergangenheit auch von Peugeot und Renault und vom Atomkonzern Areva zu berichten. Nachdem sich die Medien zu diesem schwierigen Thema lange zurückgehalten hatten, lösten die Vorfälle bei France Télécom die Zungen.

Das Land debattiert über seine Selbstmordrate (nach Finnland die zweithöchste in Europa) und fragt sich, ob Management-Methoden angelsächsischer Prägung und die Privatisierung ehemals staatlicher Unternehmen tatsächlich immer mehr Arbeitnehmer bis zum Äußersten treiben.

Es ist schwer festzustellen, bis zu welchem Grade die bestürzenden Vorkommnisse auf Unzumutbarkeiten am Arbeitsplatz zurückzuführen sind. Doch selbst wenn psychopathologische und private Faktoren eine erhebliche Rolle bei dem Entschluss der Lebensmüden gespielt haben mögen, so stellt der Freitod immer auch eine Form des Protests gegen die Außenwelt, einen "Appell an die Anderen" (Erwin Ringel) dar, wie die Suizidforschung seit Émile Dürkheim herausgearbeitet hat.

Zieht man in Betracht, wie sehr sich das moderne Subjekt über seine Arbeit definiert und wie durch die allseits geforderte Flexibilisierung des Arbeitslebens die Grenze zwischen Privatem und Beruflichem verschwimmt, so werfen die Vorfälle ein düsteres Licht nicht nur auf die französische Unternehmenskultur, sondern auch auf die französische Gesellschaft als ganze.

Offenbar funktionieren die Mechanismen menschlicher Zusammenarbeit immer schlechter, die Alleinstellung der Arbeitnehmer - durch flachere und ausdifferenzierte Hierarchien - wird von vielen als Vereinzelung empfunden. In zahlreichen Kommentaren ist zu lesen, wie mühsam die Mitarbeiter im traditionell kollektivistisch organisierten Frankreich mit dem global befeuerten, neuerdings auch innerbetrieblichen Konkurrenzkampf zurechtkommen. Dass Firmen wie France Télécom oder Areva aus dem öffentlichen Dienst hervorgegangen sind, der die Privilegien seiner Bediensteten nicht über Privatisierungen hinweg erhalten konnte, tut ein Übriges.

Schlechter Scherz

Fügt man die Suizidfälle in eine Gesamtschau der nationalen Befindlichkeit, so ergibt sich ein alarmierendes Bild. Nirgendwo in westlichen Ländern wehren sich Arbeitnehmer so radikal und gewaltsam gegen Umwälzungen in der Arbeitswelt wie in Frankreich.

Im Frühjahr kam es zu einer Serie von Geiselnahmen von Firmenchefs, als im Zuge der Wirtschaftskrise Entlassungen angekündigt wurden. In einigen Fällen gelang es den Arbeitern, mittels "Bossnapping" erheblich höhere Abfindungen zu erpressen, so zum Beispiel Anfang April bei einer Werkschließung des britischen Klebstoffherstellers Scapa nahe der Schweizer Grenze. Die Briten verdoppelten die Entschädigung für die sechzig betroffenen Arbeiter auf 1,7 Millionen Euro, nachdem vier Manager auf dem Firmengelände von aufgebrachten Mitarbeiter festgesetzt worden waren.

Ebenfalls im April verwüsteten 500 Arbeiter die Unterpräfektur von Compiègne, weil ein Gericht die Klage gegen die Schließung eines Continental-Werks abgewiesen hatte. Im Juli wurde bei zwei Autozulieferern erstmals mit Fabriksprengungen gedroht.

Der bisherige Höhepunkt der Erpressungen: Mitte August drohten rund 60 Beschäftigte des bankrotten Transportunternehmens Serta in der Normandie tagelang, die Seine zu vergiften, wenn ihnen nicht 15 000 Euro Entschädigung pro Kopf zugesprochen würden. Mittlerweile wurde bekannt, dass in den angeblichen Giftfässern Öl lagerte, die Aktion war ein spektakulärer Bluff, der aber zumindest seine Medienwirkung nicht verfehlte. Nach ausführlicher Berichterstattung wurde eine Dumping-Übernahme der Spedition abgeblockt, das Handelsgericht verfügte vergangenen Donnerstag die Liquidierung des Unternehmens.

Der König und sein Kopf

Mit Strafverfolgung müssen die Streikenden nicht rechnen; wie in der großen Mehrzahl der Fälle drängt die Politik auf Deeskalation und versucht ein juristisches Nachspiel zu vermeiden. Der Serta-Standort bei Rouen wird weiterhin besetzt gehalten, und die Fernfahrer hoffen, bei der Abwicklung ihres ehemaligen Arbeitgebers besser wegzukommen als unter einem neuen Besitzer. In einem Blog von Le Monde wird ein Streikender mit den Worten zitiert, das nächste Mal "müsse sich wohl jemand von uns vor Ort erhängen", bevor der Arbeitskampf Beachtung fände. Das mag ein schlechter Scherz gewesen sein, spricht aber Bände über die Stimmung im Land.

Es scheint tatsächlich, als seien die Mittel des herkömmlichen Arbeitskampfes erschöpft, als gelänge es frustrierten Arbeitnehmern immer seltener, eine tragfähige Form des Protests zu organisieren. Die "Politik der Straße", die auf bevölkerungsweite Solidarität setzte und mit deren Hilfe kleine Interessengruppen in der Lage waren, die Gesamtgesellschaft gegen Sozialabbau zu mobilisieren, hat möglicherweise ihre Kraft verloren.

Vor zwei Jahren etwa scheiterten die Eisenbahner damit, die Reform ihrer Rentenregelungen mit einem Streik zu einem nationalen Anliegen zu erheben. 1995 hatte eine ähnliche Ausgangslage noch zur größten Arbeitsniederlegung seit 1968 geführt, welche die ehrgeizigen Pläne des neu angetreten Präsidenten Chirac zur Verschlankung des Sozialstaats zu Fall brachte.

Es bleibt abzuwarten, ob sich die politische Kultur in Frankreich derart gewandelt hat, dass Proteste in immer kleineren, verzweifelteren und zugleich gewalttätigeren Formen verharren müssen. Mit der Globalisierung und der "Krise" scheinen höhere Mächte über die nationalen Volkswirtschaften gekommen zu sein, denen das (Arbeits-)Volk scheinbar ohnmächtig gegenübersteht.

Man weiß dabei gar nicht, wie ernst man die Unkenrufe von Politikern nehmen soll. Henri Guaino, der wichtigste Berater Sarkozys, sagte im Juli, Frankreich stehe vor keiner Revolution, möglicherweise aber vor einer "sozialen Explosion". Der Präsident selbst hütet sich seit Anbruch der Krise, den Volkszorn zu nähren.

Als sich im Dezember die Meldungen über das Ausmaß der Rezession überschlugen, hatte er in der ihm eigenen Mischung aus Überheblichkeit und entwaffnender Ehrlichkeit vor Parteimitgliedern erklärt: "Die Franzosen lieben es, wenn ich mit Carla in einer Kutsche fahre, und doch haben sie dem König den Kopf abgemacht."


http://www.sueddeutsche.de/kultur/15/489402/text/4/

ManOfConstantSorrow

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Re:Arbeit schadet der Gesundheit
« Antwort #52 am: 21:09:40 Mi. 12.Mai 2010 »
Jedes Jahr 5.000 berufsbedingte Schwerhörige

Fünf Millionen Menschen arbeiten bei gesundheitsschädlichem Lärm und jedes Jahr erkranken rund 5.000 an berufsbedingter Lärmschwerhörigkeit (laut "Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin"). Ein Schallpegel über einem Niveau von 85 dB (A) stresst aber auch und wirkt auf das vegetative Nervensystem. Als Folge kann es zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Störungen des Verdauungssystems kommen. In vielen Betrieben wird an notwendigen Lärmschutzeinrichtungen "gespart", obwohl es dazu heute immer bessere Möglichkeiten gibt.

http://www.rf-news.de/2010/kw19/12.05.10-jedes-jahr-5.000-berufsbedingte-schwerhoerige
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Sir Vival

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Re:Arbeit schadet der Gesundheit
« Antwort #53 am: 21:41:23 Mi. 12.Mai 2010 »
"Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin"???

Kannte ich gar nicht. Danke für den Tip
Der Tod stellte seine Sense in die Ecke und bestieg den Mähdrescher, denn es ward Krieg!
Politiker sind wie Tauben. Sind sie unten, fressen sie dir aus der Hand. Sind sie oben, wirst du beschissen
Es gibt 2 Arten von Politikern:
- der eine kann nichts!
- der andere nichtmal das!

ManOfConstantSorrow

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Re:Arbeit schadet der Gesundheit
« Antwort #54 am: 17:29:37 Mi. 26.Mai 2010 »
Zitat
Arbeiten bis zum Selbstmord
Ständige Meetings morgens um sieben Uhr haben das gleiche Ergebnis wie Akkordarbeit an chinesischen Fließbändern: Selbstmorde in Unternehmen sind kein Phänomen der asiatischen Hochleistungskultur. Westliche Unternehmen müssen ihre Organisation anpassen, damit keine Suizidwellen folgen.


Alle sieben Sekunden beenden die chinesischen Mitarbeiter des taiwanesischen Elektronikherstellers Foxconn  einen Arbeitsvorgang. 4000 Dell  -Computer fertigen sie in einer zehnstündigen Schicht. Im Stehen, wie die Organisation China Labor Watch nach dem letzten Selbstmord eines Foxconn-Mitarbeiters am Dienstag bekannt gab.

Neun Mitarbeiter des weltweit größten Elektronikherstellers stürzten sich seit Jahresbeginn vom Dach des Produktionsgebäudes in den Tod. Zwei Mitarbeiter verletzten sich bei einem misslungenen Suizidversuch schwer. "Harsche Arbeitsbedingungen" werden als Ursache dafür genannt. Darunter fallen der hohe Arbeitsdruck, die Isolation von Familie und Freunden durch das Leben in Fabrikstädten, die Bezahlung nach Mindestlohn und eine Hierarchie, die eine kollegiale Beziehung zwischen chinesischen Wanderarbeitern und ihren taiwanesischen Vorgesetzten unterbindet.
(...)
Laut einer Umfrage des Forsa-Instituts leiden 46 Prozent von mehr als 1000 Befragten zwischen 16 und 65 Jahren an Schlafschwierigkeiten, ausgelöst durch beruflichen Stress. Zweithäufigster Grund für Schlafprobleme sind laut Umfrage Zukunftsängste mit 35 Prozent.
(...)
"In einem Unternehmen, in dem viele Mitarbeiter den Selbstmord wählen, sind die Bedingungen wahrscheinlich seit längerer Zeit katastrophal."
Das gelte auch für die Suizidserie bei der France Telecom im Sommer 2009. Dort hätten Umstrukturierungen für Unsicherheit gesorgt. "Im Falle der France Telecom wurden ältere Mitarbeiter spontan versetzt und mit Aufgaben bedacht, die ihrer Qualifikation nicht entsprachen." Angestellte hätten nicht gewusst, an welchem Projekt und unter welchen Vorgesetzten sie am nächsten Tag arbeiten würden, sagt Rigotti.
(...)
Nicht nur asiatische Fließbandarbeiter müssen an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gehen. "In den letzten Jahren kam es auch in Europa zu einem höheren Schritttempo bei der Produktion", sagt Rigotti. Daraus folgt die Zunahme der Fehlzeiten und Krankheitstage in deutschen Betrieben. "Vor allem Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Die Zahl der Arbeitsunfähigkeitsfälle durch psychische Erkrankungen stieg seit 1995 um 80 Prozent", sagt Helmut Schröder, vom Wissenschaftlichen Institut der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK).

Die Gründe für die Zunahme liegen laut Fehlzeiten-Report der AOK in der rasanten Entwicklung der Arbeitswelt, die veränderte Anforderungen an die Mitarbeiter stellt. Bisherige Belastungen wie Nacht- und Schichtarbeit seien geblieben, hinzu kämen berufliche Mobilität und erhöhter Termin- und Leistungsdruck.
(...)
http://www.ftd.de/karriere-management/karriere/:foxconn-suizide-arbeiten-bis-zum-selbstmord/50118506.html
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Kuddel

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Re:Arbeit schadet der Gesundheit
« Antwort #55 am: 15:36:20 Do. 08.Juli 2010 »
Nach Angaben der Online-Ausgabe des "Deutschen Ärzteblatts" vom 5. Juli werden immer mehr Erwerbstätige krank wegen übersteigerter Leistungsanforderungen im Beruf, wegen Termindruck, hohem Tempo und Angst um den Arbeitsplatz. Eine Umfrage bei 300 Psychiatern ergab, dass bei 26 Prozent ihrer Patienten die Arbeitsbedingungen Hauptauslöser der psychischen Erkrankung seien.

Kuddel

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Re:Arbeit schadet der Gesundheit
« Antwort #56 am: 14:23:49 Fr. 18.Februar 2011 »
Zitat
Bei Chemieunfall atmen 150 Personen giftiges Gas ein

Mitten in der Nacht um 0.30 Uhr entdeckt der Fahrer eines Gabelstaplers in einem Zwischenlager eines Transportunternehmens in Homberg (Efze)  ein undichtes 200 Liter Fass mit der giftigen Schwefelverbindung Phenyl-Mercaptan. Er fuhr das Fass aus einer Halle, in der etwa 100 Personen beschäftigt waren, ins Freie. Etwa 150 Personen, Beschäftigte im Unternehmen und Rettungskräfte, atmeten dabei das Gas ein, das Reizungen der Atemwege bis zu einem Lungenödem verursachen kann. 42 Personen wurden als verletzt eingestuft.
http://www.rf-news.de/2011/kw07/17.02.11-bei-chemieunfall-atmen-150-personen-giftiges-gas-ein

Kuddel

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Re:Arbeit schadet der Gesundheit
« Antwort #57 am: 19:54:51 Fr. 04.März 2011 »
Zitat
Gift in Luft und Boden

In Nordrhein-Westfalen könnten in drei weiteren Recyclingfirmen Arbeiter verseucht worden sein. Die Unternehmen versuchen, die PCB-Werte herunterzuspielen.


Der Skandal um die Verseuchung von Arbeitern mit potenziell krebserregenden Polychlorierten Biphenylen (PCB) bekommt eine neue Dimension. Nach der Dortmunder Firma Envio stehen allein in Nordrhein-Westfalen drei weitere Firmen im Verdacht, ihre Mitarbeiter mit dem Stoff verseucht zu haben, der auch Hautkrankheiten wie Chlorakne oder Leberschäden auslösen kann. Im Staub eines Geländes der Entsorgungsfirma Remondis mit Sitz in Lünen sind 155 Milligramm des Gifts entdeckt worden. Bei der Essener Firma Richter waren es 967 Milligramm - erlaubt sind 50.

(...)
http://www.taz.de/1/zukunft/umwelt/artikel/1/gift-in-luft-und-boden/

Aloysius

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Re:Arbeit schadet der Gesundheit
« Antwort #58 am: 16:39:11 Mo. 07.März 2011 »
Ein gefährlicher Trend ist auch die zunehmend erwartete Erreichbarkeit per Email, gerne per Webzugriff aufs Dienstmailkonto.

Wer da nicht wie die gestromlinienten Kollegen noch nachts um 11 seine Mails checkt, der wird dann von denen noch angepflaumt, weil man nicht schon vor Arbeitsbeginn weiß, was es nun neues gibt.

Aber natürlich ist es schnell so (wie es mir ging), daß man sich mehr reinhängt, weil man vorankommen will, da versucht man eben 150% zu geben. Und wenn man dann noch an mehreren Projekten parallel arbeitet, dann wird es echt übel.

Unter Managern ist es ein offenes Geheimnis, daß es durchaus funktioniert, Mitarbeiter ein paar Jahre so zu pushen, und wenn sie leer sind, dann werden sie geschasst, und: Der Nächste, bitte! Meist muß man ja auch nicht groß schassen, in dem Endstadium will man nur noch seine Ruhe haben.

Unternehmen brüsten sich gerne mit ihrem Engagement in Nachhaltigkeit, aber die vollkommen unsinnigen Mehrkosten für permanente Einarbeitung etc, die sieht anscheinend keiner. Das liegt halt auch an den getrennten Geldposten.

CallCenter2011

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Re:Arbeit schadet der Gesundheit
« Antwort #59 am: 03:56:00 So. 13.März 2011 »
Ein gefährlicher Trend ist auch die zunehmend erwartete Erreichbarkeit per Email, ...


ich bin gerade dabei immer mehr in meiner "freizeit" in alkohol zu versinken. wer nicht per händy dauerhaft erreichbar ist bekommt "ärger" (natürlich übertrieben, aber man fühlt sich "unwillig"). ich hatte 2 tage urlaub und danach einen tag frei und habe meinen bekannten vorrausgesagt dass an diesem freien tag das telefon klingelt. und es hat geklingelt. 4 anrufversuche vom teamleiter!!!! im nachhhinnein habe ich erfahren dass ich am selben tag ab 20°° oder folgetag ab 5°° hätte arbeiten dürfen/sollen/wollen...
ich werd' noch wahnsinnig!!!!!!!
Callcenter-geschädigt