Autor Thema: Abmahnung für Interview eines Straßenbahnfahrers  (Gelesen 4060 mal)

ManOfConstantSorrow

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Abmahnung für Interview eines Straßenbahnfahrers
« am: 12:48:08 Fr. 18.Januar 2008 »
rf-news 17.01.08: Halle.  Es sei nicht vorgesehen, dass sich ein Straßenbahnfahrer der Halleschen Verkehrs-AG (HAVAG) an die Presse wendet, meinte der kaufmännische Vorstand der HAVAG heute im Beisein des Straßenbahnfahrers Frank Oettler, eines Betriebsratsmitgliedes sowie des Personalchefs und des Abteilungsleiters Martin.

Wegen eines Interviews, das der Betriebsrat und Straßenbahnfahrer Frank Oettler der "Mitteldeutschen Zeitung" vom 28.12.2007 über die Arbeitsbedingungen der Fahrerinnen und Fahrer in der HAVAG gab, wurde er heute zur Geschäftsleitung des Unternehmens bestellt, so berichtet ein Mitarbeiter. Auf eine sachliche Auseinandersetzung mit den Inhalten des Zeitungsartikels wollte die Unternehmensleitung nicht eingehen.

Von ihrem Standpunkt hat Frank Oettler der HAVAG Schaden zugefügt. Von Unruhe unter den Fahrern, im Betriebsrat und unter den Fahrgästen war die Rede. Im Zusammenhang mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen drohte der kaufmännische Vorstand Girard mit mindestens einer Abmahnung.
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unkraut

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Abmahnung für Interview eines Straßenbahnfahrers
« Antwort #1 am: 16:19:02 Fr. 18.Januar 2008 »
Wäre interessant den weiteren Verlauf zu beobachten soweit was öffentlich wird .

Auch ein Betriebsrat ( Kündigungsschutz )kann rausgemobbt werden .
Meine Frau könnte einen Roman drüber schreiben - Selbsterfahrung .

MfG
Noch Fragen Hauser ? Ja Kienzle , wer ist eigentlich Unkraut ?

Wir wagen es nicht weil es schwierig ist sondern es ist schwierig weil wir es nicht wagen .

Mein Buchtip als Gastautor :  Fleißig , billig , schutzlos - Leiharbeiter in Deutschland  > ISBN-10: 3771643945

Kater

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Abmahnung für Interview eines Straßenbahnfahrers
« Antwort #2 am: 17:11:57 Fr. 18.Januar 2008 »
hier der Bericht der MZ, um den es geht:

Zitat
Vorwürfe an Havag
Erhöht der Stress das Unfallrisiko?

Halle/MZ/mit. Das Verkehrsunternehmen Havag sieht sich mit Kritik aus der Belegschaft konfrontiert. Betriebsratsmitglied und Straßenbahnfahrer Frank Oettler hat der Unternehmensleitung vorgeworfen, den Fahrern durch längere Dienstzeiten unvertretbare Belastungen zuzumuten und auf diese Weise auch das Unfallrisiko zu erhöhen.

Oettler zufolge seien die täglichen Dienstzeiten um etwa 30 bis 60 Minuten verlängert worden, indem Fahrpausen wie beispielsweise beim Wenden an einer Endschleife nicht mehr als Arbeitszeit angerechnet würden. "Da in diesen Zeiten die Fahrer aber praktisch immer etwas zu tun haben, haben sie de facto keinen Erholungswert", so Oettler. Hinzu komme, dass aufgrund des Dienstsystems die Zahl der kurzen Wechsel zwischen zwei Schichten zugenommen habe. "Da dreht dein Körper irgendwann am Rad", meinte Oettler.

Klage gegen Fahrer

Hintergrund für seine Kritik sind Schadenersatz-Prozesse, die die Havag gegen zwei Straßenbahnfahrer angestrengt hatte. Die Männer hatten mit ihren Zügen Unfälle verursacht. Um sie an den teils sehr hohen Sachschäden zu beteiligen, wollte die Havag in einem Fall 15 000 und in einem anderen Fall 20 000 Euro Schadenersatz von den Fahrern haben. Nachdem eine der Klagen in zweiter Instanz bereits abgewiesen wurde, rechnen Beobachter auch im zweiten Fall mit einem Misserfolg der Havag. Um die verklagten Fahrer in ihren Auseinandersetzungen zu unterstützen, hat sich in der Belegschaft bereits ein Solidaritätskreis gebildet (die MZ berichtete).

Druck unverantwortlich

Oettler hält den Druck, der durch die Dienste und auch durch die Schadenersatzklagen auf die Fahrer ausgeübt wird, für unverantwortlich. Wörtlich sprach er von "verschärfter Ausbeutung". Trotz wiederholter Nachfrage war bei der Havag bislang keine Stellungnahme zu den Vorwürfen zu erhalten.

http://archiv.mz-web.de/pasmz/articleShow.do?id=HC-12-28-2007-08200046D1EA

Pinnswin

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Abmahnung für Interview eines Straßenbahnfahrers
« Antwort #3 am: 11:22:37 So. 20.Januar 2008 »
/vom letzten Jahr/
Zitat
Neuer Solidaritätskreis in Halle/S.

"Kampf um jeden Arbeitsplatz - über Betriebsgrenzen hinweg", so heißt der Solidaritätskreis, den heute Kolleginnen und Kollegen der Havag, darunter 2 Betriebsratsmitglieder, ein Verdi-Vertrauensmann, Montagsdemonstranten und die MLPD gemeinsam gründeten. Grund war die betriebsbedüngte Kündigung des Busfahrers Denis Niele durch die Saalebus GmbH. Das werden wir nicht hinnehmen, hieß es - wer einen von uns angreift, greift uns alle an. Wir fordern die sofortige Wiedereinstellung des Kollegen Denis Niele. Dafür kämpfen wir gemeinsam, über Betriebsgrenzen hinweg! Nächster Treff des Solikreises: Mittwoch, 17.01.07, 17.30 Uhr im Burgerking (16.01.2007)

randzone

Frank Oettler

Halle-Forum

Bahnfahrer drohen 20 000 Euro Regress
Das Ende Der Welt brach Anno Domini 1420 doch nicht herein.
Obwohl vieles darauf hin deutete, das es kaeme... A. Sapkowski

ManOfConstantSorrow

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Abmahnung für Interview eines Straßenbahnfahrers
« Antwort #4 am: 17:32:17 Sa. 13.September 2008 »
13.09.08 - Bei der Saarbahn GmbH sollen sechs Betriebsräte fristlos gekündigt werden, weil sie angeblich im Betrieb Werbung für die Linkspartei gemacht haben. Verdi fordert eine Rücknahme der Kündigungen. Der Vorsitzende der Linkspartei im Saarland, Rolf Linsler, nannte die Kündigungen eine Retourkutsche für den Eintritt von 220 Busfahrern in seine Partei unter anderem als Reaktion auf Privatisierungspläne.
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ManOfConstantSorrow

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Re: Abmahnung für Interview eines Straßenbahnfahrers
« Antwort #5 am: 17:43:41 Sa. 23.Mai 2009 »
Der Straßenbahnfahrer Frank Oettler, der am 8. März 2008 von der Geschäftsleitung der Havag aus politischen Gründen fristlos gekündigt wurde, wurde nun wieder eingestellt. Nachdem das Landesarbeitsgericht ein Urteil fällte, nachdem Frank Oettler zu unveränderten Bedingungen weiterzubeschäftigen sei, hatte die Geschäftsleitung trotzdem versucht, durch Suspendierung ihn vom Dienst fern zuhalten.

Nach Druck des gewerkschaftlichen Anwalts von Frank Oettler und vom Solidaritätskreis "Kollegenhilfe" (www.kollegenhilfe.net), der mehrere Flugblätter massenhaft unter der Bevölkerung verteilte und die Solidarität organisierte, hat die Geschäftsleitung nun nachgegeben und ihn für Montag, den 18. Mai, 8 Uhr, auf die Arbeit bestellt. Solidarität hilft siegen!
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