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Die Kirche als Arbeitgeber

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Kuddel:

--- Zitat ---Marienhausklinik:
Erstmals Streik in katholischer Einrichtung in Deutschland
Eigentlich sind Arbeitsniederlegungen in kirchlichen Einrichtungen verboten. Im Saarland hat nun in einem katholischen Krankenhaus ein Warnstreik begonnen.

Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik wird in einer Einrichtung katholischer Trägerschaft gestreikt. Vor der Marienhausklinik im saarländischen Ottweiler versammelten sich um sechs Uhr morgens mehr als zwanzig Menschen, um mit einem Warnstreik zu beginnen. Die Arbeiter forderten bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege.

Nach Angaben der Klinikleitung legten zur Frühschicht sieben bis acht Mitarbeiter ihre Arbeit nieder. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.die rechnet damit, dass diese Zahl im Tagesverlauf auf etwa zwanzig steigen wird. Es ist unklar, ob das ausreicht, um den Betrieb entscheidend zu stören. Der Geschäftsführer der Klinik, Günter Merschbächer, sagte, der Streik laufe ins Leere. "Der Routinebetrieb läuft."

Merschbächer ließ offen, ob den Streikenden eine Abmahnung drohe. "Arbeitsrechtliche Konsequenzen stehen für uns nicht im Vordergrund, sondern die Sicherung des Betriebes." Das sieht die Dienstgeberseite der Arbeitsrechtlichen Kommission der Caritas anders. Der Streikaufruf sei verantwortlungslos, kritisierten Vertreter des Sozialverbands. Es bleibe nichts anderes übrig, als die Mitarbeiter auf etwaige arbeitsrechtliche Konsequenzen hinzuweisen. In kirchlichen Betrieben regeln grundsätzlich aus Dienstgebern und Dienstnehmern besetzte Kommissionen die Fragen des Tarifrechts.

Die Dienstgeber der Caritas nannten die Vorgänge in der Marienhausklinik einen "Warnstreik zur falschen Zeit am falschen Ort". Gerade in den vergangenen Wochen und Monaten sei zum Thema Personalbemessung viel passiert.

In kirchlichen Einrichtungen darf nur in Ausnahmen gestreikt werden

Das etwa 120 Betten zählende Krankenhaus gehört zur Marienhaus Stiftung der Waldbreitbacher Franziskanerinnen, einem der größten kirchlichen Träger sozialer Einrichtungen in Deutschland. In den vergangenen Jahren hatte es zwar einige Streiks in evangelischen Einrichtungen gegeben, nicht aber in katholischen. Die katholischen Mitarbeitervertretungen, die in etwa den Betriebsräten in der freien Wirtschaft entsprechen, hatten sich mit den Arbeitsniederlegungen solidarisiert, ohne daran teilzunehmen.

Das Grundgesetz gewährt den Kirchen das Recht, ihre Angelegenheiten weitgehend selbstständig zu regeln. Das Betriebsverfassungsgesetz und die Möglichkeiten von Streiks und Aussperrung gelten für die Kirchen nicht. Unter stark eingeschränkten Bedingungen könnten Streiks aber erlaubt sein, entschied 2012 das Bundesarbeitsgericht.

Die saarländische Landtagsvizepräsidentin Isolde Ries kritisierte den konsensorientierten, sogenannten Dritten Weg im kirchlichen Arbeitsrecht. "Dieser Sonderweg der Kirchen ist ein Irrweg, das Streikrecht ist ein Grundrecht" sagte die SPD-Politikerin zum Auftakt der Arbeitsniederlegung in Ottweiler.

Der Dritte Weg sei kein Nachteil für die Beschäftigten, entgegnete der Geschäftsführer der Marienhaus Gruppe, Heinz-Jürgen Scheid. Die Personalbesetzung und die Arbeitsbedingungen in kirchlichen Betrieben seien sehr stark an den öffentlichen Dienst angelegt. Scheid zeigte Verständnis für die Kritik von ver.di an den Arbeitsbedingungen in der Pflege. Dennoch sei ein Streik das falsche Mittel. Das Thema sei auf Bundes- und Landesebene zu klären. Mehr Stellen in der Pflege müssten die Kliniken auch finanzieren können.
--- Ende Zitat ---
http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-10/marienhaus-klinik-streik-katholische-kirche

eichkatz:
Hierzu auch die Fachbereichsseite von ver.di, die eine Erklärung der Streikenden dokumentiert:

https://gesundheit-soziales.verdi.de/themen/entlastung/++co++64c1e6e4-acdc-11e7-8e09-525400f67940

Das Urteil des Bundesarbeitsgerichts, auf das sich der Zeit-Artikel bezieht, lese ich so: Eine Gewerkschaft darf trotz des widerwärtigen "dritten Wegs" eine kirchliche Einrichtung bestreiken, wenn sich die kirchliche Einrichtuing weigert, unter Einbeziehung der Gewerkschaft eine verbindliche Regelung über das zu treffen, was anderswo ein Tarifvertrag regelt. Einen Tarifvertrag braucht die Kirche / das kirchliche Krankenhaus nicht zu schließen, etwas für sie Verbindliches muss sie unter Beteiligung von ver.di aushandeln. Das bedeutet m.M.n.: Wenn das Krankenhaus aufgefordert wird, in Verhandlungen über einen Tarifvertrag zur Mindestbesetzung auf den Stationen zu schließen, und sich rundweg weigert, darf gestreikt werden.

http://juris.bundesarbeitsgericht.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bag&Art=pm&nr=16300

Nicht dass ein Streik falsch würde, wenn ein Gericht ihm die Legalität abspricht. Das ist wohl in diesem Forum nicht weiter erklärungsbedürftig. Aber gerade in einem wenig streikerfahrenen Bereich erhöht es die Chancen, wenn der Arbeit"geber" nicht chancenreich mit Abmahnung oder Kündigung kommen kann.

Kuddel:

--- Zitat ---Ordensfrauen beklagen Ausbeutung
"Ist eine Nonne nichts wert?"

Die Ausbeutung und respektlose Behandlung von Frauen, auch durch Kleriker, beschäftigt den Vatikan. In der Vatikanzeitung "Osservatore Romano" beschreiben Ordensfrauen Fälle von Ausnutzung durch Priester und Bischöfe.

Geistliche würden sie wie niedere Bedienstete behandeln, heißt es in einem Beitrag der Märzbeilage von "Frauen, Kirche, Welt".

Eine Schwester wird mit den Worten zitiert: "Hinter alldem steht leider immer noch die Auffassung, dass eine Frau weniger als ein Mann zählt, und vor allem, dass der Priester für die Kirche alles ist und eine Nonne nichts."

Oftmals Arbeit ohne Vertrag

Eine andere Ordensfrau beklagt: "Ein Priester denkt, er könne sich erst von seiner Ordensfrau die Mahlzeit servieren lassen und sie danach allein in der Küche essen lassen." Als weiteres Beispiel werden Ordensfrauen genannt, die nach 30-jähriger Tätigkeit für eine kirchliche Institution erkrankt seien, ohne dass einer von den Priestern, die die Schwestern jahrelang bedienten, am Krankenbett erschienen sei.

Viele Bischöfe und Kardinäle, aber auch rangniedere Geistliche gerade in Rom lassen ihren Haushalt von einer oder mehreren Ordensfrauen führen. In einigen Fällen leben die Ordensfrauen auch unter einem Dach mit ihnen. Oftmals arbeiteten sie ohne Vertrag von morgens vor dem Frühstück bis spät abends, heißt es in dem "Osservatore Romano"-Artikel weiter.

Papst kritisiert Machismo

Unterdessen kritisierte Papst Franziskus anhaltenden Machismo auch in fortschrittlichen Gesellschaften sowie eine Knechtschaft von Frauen in der Kirche. Der "Osservatore Romano" veröffentlichte am Freitag das Vorwort des Papstes für ein Buch der spanischen Sozialwissenschaftlerin Maria Teresa Compte, das am 7. März erscheinen soll. Es trägt den Titel: "Zehn Dinge, die Papst Franziskus Frauen vorschlägt".

Es würden "Gewaltakte gegen Frauen konsumiert", schreibt Franziskus. "Sie werden Opfer von Misshandlung, Handel und Gewinnsucht sowie in Werbung und Unterhaltungsindustrie auf bloße Objekte reduziert." Und "sogar in der Kirche gleitet die dienende Rolle, zu der jeder Christ aufgerufen ist, für Frauen manchmal in Knechtschaft ab."

--- Ende Zitat ---
https://www.domradio.de/themen/vatikan/2018-03-02/ordensfrauen-beklagen-ausbeutung

ManOfConstantSorrow:

--- Zitat ---Verdi: Caritas blockiert Tarifvertrag in der Altenpflege

Eigentlich war ein Tarifvertrag in der Pflegebranche bereits besprochene Sache, doch Caritas und Diakonie hätten dem zustimmen müssen – das ist nicht passiert. Deswegen hat die Gewerkschaft Verdi in Bayreuth vor dem Caritasverband protestiert.
--- Ende Zitat ---
https://www.br.de/nachrichten/bayern/verdi-caritas-blockiert-tarifvertrag-in-der-altenpflege,SR8NRNr

Man spricht von dem nächsten Supergau nach dem Woelkiskandal für die Kirche.
Es ist gut, daß der Umgang mit dem Personal endlich öffentlich diskutiert wird.

Strombolli:
Zu den Entgegnungen vor einiger Zeit: Glaubt denn bitte jemand ernsthaft, ein Gott hätte die Bibel diktiert? Das ist alles zweckgerichtetes Geschwurbel von Leuten, die des Schreibens mächtig waren. - Insofern sind jegliche Äußerungen und Taten, die Menschen Göttern in den Mund legten, nichts anderes als eine Metapher/Fabel/Gleichnis. Die Bibel war über Jahrhunderte das einzige Lehrbuch fürs Volk wie sie sich in bestimmten Lebenssituationen zu verhalten haben. Und wer die Macht des Wortes, der Bildung hat, formt die Informationen. - Es ist also müßig, darüber zu diskutieren, dass Gott "Kriege" geführt, Menschen gemordet oder zu Gewalt aufrufen würde. Das ist alles Menschengeschichte um andere in eine bestimmte Geisteshaltung zu drücken. - Nicht viel anders als BILD und alle anderen Medien. - Hält sich die CDU (im Speziellen) wenigstens an die 10 Gebote?

Man kann ja durchaus sozial denken, leben und wirken und sich dabei auf einen Gott berufen. Jedoch dann muss Amtskirche und deren Derivate das auch wirklich machen und nicht letztendlich "dem aus Ungeduld geschaffenen Ersatzgott Goldenes Kalb" dienen.

Für mich ist die Menschheit aus einer sich zufällig entwickelten Ursuppe von Aminosäuren usw. entstanden, die "Q" irgendwie aus seinen Drüsen rausgerotzt hat. Und was dabei heraus kam ist, soweit man das heute beurteilen kann, eine schwer misslungene Wucherung der Evolution.

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