Autor Thema: Die Kirche als Arbeitgeber  (Gelesen 45600 mal)

Kuddel

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Re:Die Kirche als Arbeitgeber
« Antwort #30 am: 13:55:18 Mi. 11.August 2010 »
Zitat
Pfleger in Not

Diakonie am Pranger: Die evangelische Sozialeinrichtung zahlt ihren Pflegekräften bis zu 15 Prozent niedrigere Löhne
.

Gewerkschafter und Arbeitnehmervertreter haben die Diakonie aufgefordert, Tarifverträge zu akzeptieren. Derzeit verschaffe sich die evangelische Sozialeinrichtung mit niedrigen Löhnen einen Wettbewerbsvorteil. Die Diakonie zahle zwar Ärzten etwa so viel wie andere Kliniken, sagte Gabriele Gröschl-Bahr, Sozialexpertin der Gewerkschaft Verdi der Frankfurter Rundschau. Andere Beschäftigte erhielten aber oft zehn bis 15 Prozent weniger als der Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst vorsehe, der in kommunalen Altenheimen und Krankenhäusern gelte.

Zudem hätten viele diakonische Einrichtungen Service-Agenturen gegründet, um hauswirtschaftliche Arbeiten auszulagern, berichtet Wolfgang Lindenmaier, Arbeitnehmervertreter in der arbeitsrechtlichen Kommission der Diakonie. Teilweise habe das Management eine Methode angewandt, die Schlecker in die Schlagzeilen brachte: Beschäftigte seien gekündigt und später wieder bei einer Service-Agentur als Leiharbeiter angeheuert worden.

Immer öfter würden auch Pflegekräfte über solche Töchter an die Diakonie verliehen. Fachkräfte erhielten zwar recht ordentliche Monatseinkommen, die betriebliche Altersvorsorge sei aber schlechter als bei der Mutter. Die Diakonie spare so acht bis zehn Prozent der Lohnkosten.

Für Hilfskräfte ist die Lage offenbar noch schwieriger. So wurde im vorigen Jahr eine Pflegehelferin bei der Infrastruktur Dienstleistungs-Gesellschaft des Hessischen Diakonievereins als Zeitarbeiterin angestellt, und zwar befristet. Der Vertrag liegt der FR vor. Die Frau erhielt einen Grundlohn von 7,79 Euro pro Stunde. Wäre sie bei der Diakonie direkt angestellt worden, hätte sie Anspruch auf 10,25 Euro gehabt, erläutert Armin Löw von Verdi Darmstadt. Der Gewerkschafter geht davon aus, dass die Beschäftigten inzwischen wenigstens den Pflege-Mindestlohn von 8,50 Euro erhalten, der seit August gilt.

Streiks sind tabu


Eine andere prekäre Beschäftigungsvariante nennt Lindenmaier: Beschäftigte – etwa im Fahrdienst für Behinderte – erhielten einen 400-Euro-Job. Dafür absolvierten sie ein bestimmtes Arbeitspensum. „Anschließend arbeiten sie weiter als Ehrenamtliche und erhalten dafür eine Pauschale von 175 Euro im Monat.“ Das sei „legaler Sozialversicherungsbetrug“, denn für die ehrenamtliche Tätigkeit würden keine Sozialabgaben fällig. Die Diakonie produziere damit Altersarmut, denn die Mini-Jobber erwerben kaum Rentenansprüche.

Unterstützt werden die Kritiker vom Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche, Nikolaus Schneider: „In der Diakonie ist es so, und das bedauere und kritisiere ich auch, dass acht Prozent der Arbeitsverhältnisse sozusagen outgesourct sind“, sagte er Agenturen zufolge in der ARD.

Die kirchliche Einrichtung müsse ein Vorbild sein und für „gerechte Löhne für soziale Arbeit kämpfen“, auch im eigenen Haus, betont Arbeitnehmervertreter Lindenmaier. Ebenso wie Verdi fordert er, dass die Diakonie endlich mit der Gewerkschaft Tarifverträge abschließt. Derzeit werden die Löhne in den arbeitsrechtlichen Kommissionen ausgehandelt, in denen Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Vertreter sitzen. Das Problem: Die Kirchen pochen darauf, dass in ihren Einrichtungen Streiks nicht erlaubt sind.

Man lehne Tarifverträge mit einer Gewerkschaft weiterhin ab, sagte eine Diakonie-Sprecherin. Das bisherige Verfahren „halten wir für einen gerechten Weg“. Mit Blick auf die Outsourcing-Vorwürfe verwies sie darauf, dass auch andere Wohlfahrtsverbände hauswirtschaftliche Tätigkeiten ausgelagert hätten. Die von Schneider genannten acht Prozent könne sie nicht bestätigen. Zudem verwies sie auf die angespannte Finanzlage: Die Pflegesätze müssten an die Lohnentwicklung angepasst werden.
http://www.fr-online.de/wirtschaft/pfleger-in-not/-/1472780/4543654/-/index.html

Strombolli

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Re:Die Kirche als Arbeitgeber
« Antwort #31 am: 17:48:22 Mi. 11.August 2010 »
Die Firma Kirche hat sich dem falschen Gott Geld gebeugt und sich damit jegliche Legitimation entzogen.Was sie jetzt abliefert ist 1:1 das, was unsere Politiker geben: Marionettentheater fürs doofe Volk.

Schon die Architektur in Frankfurt zeigt, wer deren Fäden zieht. Jedenfalls reichen diese Fäden schon aus physikalischen Gründen nicht durch die Athmospäre (den Himmel)...!
Das Systemmotto: "Gib mir Dein Geld! - Jetzt, Du dreckiges Opfer !!!! - Und habe immer ANGST VOR DEM MORGEN !!!"

"Hört auf, Profite über Menschen zu stellen!" Occupy
Permanent angelogen & VERARSCHT IN DEUTSCHLAND! - Ich habe mit Dir fertig

Kuddel

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Re:Die Kirche als Arbeitgeber
« Antwort #32 am: 17:38:54 Di. 04.Januar 2011 »
Zitat
Die stillen Riesen

Die Zahl der Arbeitnehmer in der Wohlfahrtsbranche hat sich seit 1970 vervierfacht. Laut einer Studie gehören die kirchlichen Arbeitgeber zu den Top-Arbeitgebern in Deutschland.



Diakonie und Caritas sind zwei christliche Grundgedanken. Sie beschreiben den Dienst am und die wertschätzende, uneigennützige Hingabe zum Menschen. Hilfseinrichtungen wie die Caritas, das Diakonische Werk, die Malteser, Johanniter oder die Heilsarmee haben in diesen schon im Alten Testament festgehaltenen christlichen Tugenden ihren Ursprung. Angesichts von Barmherzigkeit, Fürsorge und Uneigennützigkeit wird jedoch kaum wahrgenommen, dass sie zu bedeutenden Wirtschaftsunternehmen geworden sind.

„Die kirchlichen Arbeitgeber gehören zu den Top-Arbeitgebern in Deutschland – noch vor den großen Industrieunternehmen“, hält jetzt eine Studie der Deutschen Bank fest. Rund 900.000 hauptamtlich Beschäftigte arbeiten für die kirchlichen Wohlfahrtsverbände in Deutschland. Die beiden größten deutschen Industriekonzerne Siemens und Volkswagen beschäftigen im Vergleich dazu bescheidene 400.000 respektive 370.000 Mitarbeiter – weltweit freilich. „Die freie Wohlfahrtspflege wird oft verkannt“, meint Studienautor Alexander Falter.

Wachstumsmarkt der Zukunft


Die stillen Riesen tun Gutes, reden aber nicht darüber. Das passt auch gut zum Selbstverständnis der kirchlichen und nicht-kirchlichen Wohlfahrtsverbände, die sich seit jeher eben dem Allgemeinwohl und nicht dem Gelderwerb verpflichtet fühlen. Und dabei betreiben sie mehr als die Hälfte der Kindergärten (51,1 Prozent) und Pflegeheime (55,1 Prozent) und deutlich mehr als ein Drittel der ambulanten Pflegedienste (38,5 Prozent) und Krankenhäuser (37,5 Prozent) in Deutschland.

Traditionell sind sie damit in Bereichen beheimatet, die zu den Wachstumsmärkten der Zukunft gehören. Sie sind seit jeher da, wo private Unternehmen mittlerweile das große Geschäft machen wollen. Die Alterung der Gesellschaft erhöht den Bedarf an Einrichtungen der Altenpflege und des Gesundheitswesens. Entsprechend sind die Mitarbeiterzahlen in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Seit 1970 hat sich das hauptamtliche Personal der Wohlfahrtsverbände von knapp 0,4 auf über 1,5 Millionen Arbeitnehmer fast vervierfacht. Jeder 18. sozialversicherungspflichtig Beschäftigte arbeitet heute in der Wohlfahrtsbranche. Vor zehn Jahren war es nur jeder 30. Allerdings sind mit 54 Prozent der Mitarbeiter überproportional viele teilzeitbeschäftigt.

Wirtschaftlich weniger bedeutend sind Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und Gruppen des bürgerlichen Engagements. Die Wohlfahrtsverbände müssen sie hauptsächlich über Spenden finanzieren, während die Leistungen in der Gesundheits- und Altenhilfe überwiegend durch die Sozialversicherungen vergütet werden. Ihre Einnahmebasis ist hier die gleiche wie die von öffentlichen oder privaten Einrichtungen, zugleich profitieren sie weniger als oft unterstellt von Vorteilen der Gemeinnützigkeit. Nach den Schätzungen des Analysten setzte die freie Wohlfahrtspflege im Jahr 2008 rund 38 Milliarden Euro um. An Siemens oder Volkswagen reicht sie damit zwar bei Weitem nicht heran, doch die Umsätze der Getränke- und Tabakhersteller oder der Papierbranche übertrifft sie alleweil.
http://www.fr-online.de/wirtschaft/die-stillen-riesen/-/1472780/5040400/-/index.html

Schnorchler

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Re:Die Kirche als Arbeitgeber
« Antwort #33 am: 13:24:36 So. 09.Januar 2011 »
Für Institutionen, in die ein großer Teil der für „Arbeit, Gesundheit und Soziales“ ausgegebenen Steuergelder reinfließt, sollten deutlich schärfere Regeln zur Transparenz und Rechenschaftspflicht gelten. Also öffentliche Bilanzen und Geschäftsberichte wie für große AGs, verpflichtende Anwendung des Corporate Governance Codex, Offenlegung der Bezüge der oberen Führung, mitbestimmte Aufsichtsräte, regelmäßige Subventionsberichte usw. Und das sind nur mal die Mindeststandards.

Bei der Kirche hat man sich aufgrund historischer Privilegierungen (u.a. weitgehende Befreiung von Steuerpflichten, Arbeitsrecht usw.) an „Geschäftspraktiken“ gewöhnt, die jeden normalen Unternehmer relativ zügig in echte Schwierigkeiten mit dem Fiskus, den Gewerkschaften, den Aufsichtsbehörden sowie der Justiz brächten.

Kuddel

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Re:Die Kirche als Arbeitgeber
« Antwort #34 am: 17:54:06 Do. 13.Januar 2011 »
Zitat
Diakonie wegen Leiharbeit in der Kritik

Vertreter der Mitarbeiter klagen über Niedriglöhne und sprechen von 75 000 Betroffenen.


HAMBURG (epd). Einrichtungen der Diakonie drücken laut einem Bericht des Magazins Stern die Löhne Zehntausender Beschäftigter. Sie werden demnach unter anderem über eigene Leiharbeitsfirmen zu niedrigeren als den üblichen Löhnen angestellt. Mit ähnlichen Methoden hatte der Discounter Schlecker vor einigen Monaten für Schlagzeilen gesorgt. Der evangelische Wohlfahrtsverband bestätigte, dass es bei ihm Leiharbeitsverhältnisse gibt. Leiharbeiter würden für Arbeitsspitzen und zur Aushilfe beschäftigt. Dies sei in der Regel nicht zu beanstanden.

Eine weitere Methode der Lohndrückerei bei der Diakonie ist dem Bericht zufolge, dass neue GmbHs gegründet werden, bei denen gekündigte Diakonie-Mitarbeiter zu schlechteren Konditionen wieder eingestellt würden, um die gleiche Arbeit zu verrichten wie zuvor. In den Diakonie-GmbHs gälten keine Tarifverträge. Nach Angaben von Mitarbeitervertretern seien in Einrichtungen in Hessen, Niedersachsen und Bremen Löhne auf diesem Weg um bis zu 20 Prozent gedrückt worden.

Der Bundesverband des Diakonischen Werks erklärte: "Alle diakonischen Einrichtungen müssen seit Jahrzehnten den Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und Nächstenliebe aushalten. Wenn eine Einrichtung ausschließlich finanzielle Gesichtspunkte in den Vordergrund stellt, handelt sie nicht mehr diakonisch."
http://www.badische-zeitung.de/nachrichten/wirtschaft/diakonie-wegen-leiharbeit-in-der-kritik--39901134.html

Kuddel

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Immer mehr Dumpinglöhne bei der Diakonie
« Antwort #35 am: 20:31:56 Sa. 22.Januar 2011 »
Zehntausende von Mitarbeitern werden im evangelischen Wohlfahrtsverband Diakonie zu Dumpinglöhnen beschäftigt. Evangelische Heime nutzen eigene Leiharbeitsfirmen, um für Zeitarbeiter Dumpinglöhne zu zahlen: Eine ausgebildete Altenpflegerin verdient nach zwei Jahren Berufserfahrung in der Regel 14.28 Euro, während ihre Kollegin in einer Leiharbeitsfirma der Diakonie nur 10,16 Euro erhält. Verdi spricht davon, dass Dumpinglöhne bei der Diakonie Teil der Unternehmensphilosophie sind.

Aloysius

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Re:Die Kirche als Arbeitgeber
« Antwort #36 am: 04:40:17 So. 23.Januar 2011 »
Zehntausende von Mitarbeitern werden im evangelischen Wohlfahrtsverband Diakonie zu Dumpinglöhnen beschäftigt. Evangelische Heime nutzen eigene Leiharbeitsfirmen, um für Zeitarbeiter Dumpinglöhne zu zahlen: Eine ausgebildete Altenpflegerin verdient nach zwei Jahren Berufserfahrung in der Regel 14.28 Euro, während ihre Kollegin in einer Leiharbeitsfirma der Diakonie nur 10,16 Euro erhält. Verdi spricht davon, dass Dumpinglöhne bei der Diakonie Teil der Unternehmensphilosophie sind.


Aber natürlich. Sie helfen den Arbeitnehmern, denn zu geben ist seliger denn zu nehmen

Kuddel

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Re:Die Kirche als Arbeitgeber
« Antwort #37 am: 20:01:48 Fr. 18.März 2011 »
Zitat
Tarifstreit im Caritasverband
Osnabrücker Marienhospital: Proteste für gerechtere Löhne



Osnabrück. An eine ruhige Mittagszeit war am Mittwoch, 16. März, am Marienhospital nicht zu denken. 200, vielleicht 300 Mitarbeiter traten in einer „aktiven Mittagspause“ lautstark für gerechtere Löhne in der Pflege ein – die nächste Runde des Tarifstreits im Caritasverband für die Diözese Osnabrück.



Immer wieder setzte der Chor der Protestierenden an: „Soziale Arbeit ist mehr wert“. Auf vielen Plakaten verliehen sie ihrer Forderung Nachdruck. „Alles hat seinen Preis – wir auch“, „Lohnraub – nicht mit uns“ und immer wieder „Es reicht!“ stand auf den Schildern. Die Mitarbeiter des Marienhospitals sind kräftig verschnupft.



Was ist passiert? Im Oktober hatte der Caritasverband auf Bundesebene einen Kompromiss gefunden. Demnach sollen die bundesweit 500000 Mitarbeiter unter anderem für 2010 bis 2012 stufenweise eine Lohnerhöhung um 2,3 Prozent erhalten. Dieser Kompromiss steckt zurzeit in der für Niedersachsen und Bremen zuständigen Kommission Nord fest, die den Bundesbeschluss endgültig umsetzen muss. In dieser Kommission handeln Vertreter der Arbeitgeber- und der Mitarbeiterseite den Tarif für die Region aus. Bisher scheiterten alle Gespräche, am Freitag, 18. März, tagt nun der Vermittlungsausschuss. Die Arbeitgeber fordern weitreichende Abstriche zum Bundesbeschluss. Ärgster Einschnitt ist eine Lohnsenkung für Mitarbeiter in der stationären Altenpflege. Die Mitarbeiterseite beharrt auf die Umsetzung des Bundesbeschlusses, und zwar ohne Änderungen. „Der Bundesbeschluss ist schon ein Kompromiss“, wetterte Alfred Sliwinski, Mitarbeitervertreter am Marienhospital. „Wir haben ein Recht, am wirtschaftlichen Aufschwung teilzuhaben. Wir sind keine Beschäftigten zweiter Klasse.“
http://www.noz.de/lokales/52225770/osnabruecker-marienhospital-proteste-fuer-gerechtere-loehne

xyu

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Re:Die Kirche als Arbeitgeber
« Antwort #38 am: 11:38:06 Mi. 13.April 2011 »
http://www.jungewelt.de/2011/04-13/048.php

Im Dienste des Herrn
In den Diakonie-Stationen in Berlin und Brandenburg werden seit Jahren Dumpinglöhne bezahlt. Leitungsgremien ignorieren Schlichterspruch
Von Rainer Balcerowiak
Ohne mobile Pflegedienste und Mobilitätshilfen wäre di
Ohne mobile Pflegedienste und Mobilitätshilfen wäre die Lebenssituation vieler älterer Menschen unerträglich. Doch Einrichtungen wie die Diakonie entlohnen ihre Mitarbeiter miserabel
Foto: dpa
Kirchliche Unternehmen stehen nicht gerade in dem Ruf, mit ihren Mitarbeitern im Sinne der »christlichen Nächstenliebe« zu verfahren. Dazu kommen erhebliche gesetzliche Restriktionen, wie zum Beispiel die Versagung des Streikrechts und die Einschränkung der betrieblichen Mitbestimmung. Auch werden Arbeitsbedingungen und Entlohnung in kirchlichen Einrichtungen nicht in Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften ausgehandelt, sondern in sogenannten arbeitsrechtlichen Kommissionen beschlossen. Gewerkschaften haben kein eigenständiges Zugangsrecht zu den Betrieben.

Seit längerem beschäftigen diese Fragen sowohl die Gerichte als auch die Politik. Derweil nutzen die Träger ihre Machtposition oftmals hemmungslos aus. Als besonders krasses Beispiel präsentierte die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di am Dienstag in Berlin die Zustände in den Diakonie-Stationen in Berlin und Brandenburg vor. In den 81 Einrichtungen sind insgesamt 3500 Menschen beschäftigt, davon über 90 Prozent Frauen. Hauptarbeitsgebiet der Stationen ist die häusliche Pflege.

In den vergangenen Jahren seien Arbeitsbedingungen und Entlohnung stetig schlechter geworden, beklagte Meike Jäger, die bei ver.di für Gesundheit, Wohlfahrt, Kirchen und soziale Dienste zuständige Bezirksfachbereichsleiterin. Seitdem die Stationen 1999 aus dem Geltungsbereich des kirchlichen Tarifvertrags AVR ausgegliedert und dem Diakonischen Werk übertragen wurden, habe es bis zum heutigen Tag Bruttolohnerhöhungen von insgesamt nur 3,8 Prozent gegeben, was einer Reallohnsenkung um 25 Prozent entspreche.

Mitarbeiterinnen im einfachen Pflegedienst erhalten nach Jägers Angaben in den Stationen derzeit 9,17 Euro brutto pro Stunde, examiniertes Personal rund 13 Euro. Nach sechs Jahren Betriebszugehörigkeit ist eine einmalige Höhergruppierung vorgesehen. Die im AVR festgelegten Zulagen und Sonderzahlungen würden überhaupt nicht oder ausschließlich »ergebnisabhängig« gezahlt, für die Wegezeiten zwischen zwei Pflegeeinsätzen gäbe es nur Pauschalen, die deutlich unter dem tatsächlichen Aufwand lägen, so Jäger. In einzelnen Einrichtungen käme es zudem immer wieder zu befristeten Lohnsenkungen aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten.

Ursprünglich sollten die Absenkungen gegenüber dem AVR auf einige Jahre befristet werden. Doch davon ist mittlerweile keine Rede mehr. Eine daraufhin von den Mitarbeitervertretern in den paritätisch besetzten arbeitsrechtlichen Kommissionen der Diakonie auf den Weg gebrachte Schlichtung mit einem Arbeitsrichter als Vorsitzendem erbrachte im vergangenen Sommer zwar das – kirchenarbeitsrechtlich bindende – Ergebnis, Entlohnung und Rahmenbedingungen wieder stufenweise an die AVR anzugleichen und zum 1.Januar 2011 eine erste Lohnerhöhung vorzunehmen. Doch bis heute weigert sich der Diakonische Rat als zuständiges Entscheidungsgremium, diesen Beschluß umzusetzen. Für Jäger ist das nicht nur ein Skandal, sondern auch schlicht rechtswidrig. Deswegen prüfe man auch, wie man aus dem Schlichterspruch resultierende individuelle Lohnansprüche juristisch geltend machen kann.

Für Kerstin Myrus, Vorsitzende der Mitarbeitervertretung der Diakoniestation Südstern in Berlin-Kreuzberg haben die unhaltbaren Zustände in den Einrichtungen noch eine ganz andere Dimension. Mittlerweile gelinge es kaum noch, dringend benötigtes qualifiziertes Personal zu gewinnen, so Myrus. Das betreffe vor allem Mitarbeiter mit Spezialkenntnissen zu Fragen wie Wundmanagement und Palliativmedizin. Bei Stellenausschreibungen erhalte man bisweilen keine einzige Bewerbung, weil sich die schlechten Bedingungen bei der Diakonie mittlerweile rumgesprochen hätten. Doch ohne die Einhaltung der vorgegebenen Qualitätsstandards und einen Stamm motivierter und engagierter Mitarbeiter seien die sich im Wettbewerb mit anderen Anbietern befindlichen Einrichtungen mittelfristig in ihrer Existenz bedroht. Zwar werde bei einigen freien Trägern, besonders in Brandenburg, noch schlechter bezahlt, doch gerade in Berlin müsse man gut ausgebildeten Pflegekräften angesichts des großen Bedarfs schon »etwas bieten«.

Am heutigen Dienstag will sich der Diakonische Rat erneut mit dem Schlichterspruch beschäftigen. Der Vorstand der Mitarbeitervertretungen und ver.di rufen daher zu einer Protestversammlung vor dem Tagungsort, der Berliner Zentrale des Diakonischen Werkes, auf. Beginn ist um 13,30 in der Paulsenstraße 55 in Berlin-Steglitz.

Kuddel

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Re:Die Kirche als Arbeitgeber
« Antwort #39 am: 19:06:59 Fr. 23.September 2011 »
Zitat
Ver.di ruft Diakonie-Mitarbeiter zum Streik

Mit aktiven Mittagspausen, Demonstrationen und Streiks will ver.di den Diakonie-Beschäftigten zum Tarifrecht verhelfen. Für die kommende Woche hat die Gewerkschaft ver.di verschiedene Protestaktionen mit Mitarbeitern der Diakonie angekündigt. Die Gewerkschaft möchte so für ein Tarifrecht in den bundesweit 28.000 diakonischen Betrieben der evangelischen Kirche kämpfen. Ab Montag sind die rund 30.000 Beschäftigten in Niedersachsen dazu aufgerufen, aktive Mittagspausen und Demonstrationen zu veranstalten, wie ver.di-Sekretärin Annette Klausing am Donnerstag in Hannover sagte.

Kirchenrecht verbietet Streiks und Aussperrungen

Der Vorsitzende der Arbeitgeberseite, Hans-Peter Hoppe, stuft die Aktionen jedoch als "unnötig und riskant" für die Beschäftigten ein. Im kirchlichen Arbeitsrecht sind Streiks und Aussperrungen verboten. Wer dagegen verstoße, müsse mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen, so Hoppe. "Und das wollen wir nicht."

Genau dieses kirchliche Arbeitsrecht versuche ver.di mit den Aktionen zu kippen, so Gewerkschafts-Sekretärin Klausing. Kirchliche Arbeitnehmer müssten die gleichen Rechte haben wie Beschäftige im Privatsektor oder der öffentlichen Hand, denn die diakonischen Einrichtungen würden eben solche wirtschaftlichen Strukturen aufweisen: "Sie handeln in ihren Krankenhäusern, Altenheimen oder Jugend-Einrichtungen wie ein Wirtschaftsunternehmen", sagte Klausing.

"Dritter Weg" gescheitert

Einrichtungen der Diakonie würden arbeiten wie Wirtschaftsunternehmen, kritisiert ver.di. Daher müssten Arbeitnehmer auch die gleichen Rechte haben. Hintergrund der Auseinandersetzung ist, dass der "Dritte Weg" offenbar gescheitert ist: Nach Ablauf ihrer Legislaturperiode hatten die Mitarbeitervertretungen keine neuen Verhandlungspartner mehr in die Kommission entsandt. Daher ruhen seit Ende April die Entgeltverhandlungen. Arbeitgeber-Vertreter Hoppe betont zwar die Gesprächsbereitschaft. Auch eine Weiterentwicklung des "Dritten Wegs" sei möglich - allerdings nur im Rahmen des kirchlichen Arbeitsrechts. "Etwas anderes können und dürfen wir nicht", so Hoppe.

Ob die Diakonie-Mitarbeiter nach ihren Aktionen tatsächlich arbeitsrechtliche Konsequenzen erleiden, bleibt abzuwarten: Ein Urteil des Landesarbeitsgerichts in Hamm schließt das Streikrecht bei der Diakonie grundsätzlich nicht aus. Allerdings liegt das Verfahren derzeit zur Revision beim Bundesarbeitsgericht und wird voraussichtlich erst im Frühjahr 2012 entschieden.
http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/diakonie137.html

Kuddel

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Re:Die Kirche als Arbeitgeber
« Antwort #40 am: 08:22:00 Di. 01.November 2011 »
Zitat
Arbeitgeber katholische Kirche
Papst geschmäht - Job weg

Mitarbeiter der katholischen Kirche riskieren die fristlose Kündigung, wenn sie sich öffentlich über den Papst mokieren
http://www.sueddeutsche.de/karriere/arbeitgeber-katholische-kirche-papst-geschmaeht-job-weg-1.1177512

Ratrace

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Re:Die Kirche als Arbeitgeber
« Antwort #41 am: 11:41:25 Di. 01.November 2011 »
Genau DAS kommt dabei heraus, wenn Staat und Kirche eben nicht getrennt sind. Was hat es ein Gericht zu kratzen, wenn ein Arbeitnehmer den Popen schmäht? Wenn sich der Arbeitgeber arbeitsrechtlich nichts zuschulden kommen läßt, korrekt arbeitet, pünktlich ist etc. ist der nicht zu kündigen!

Abgesehen davon wird die Dreckskirche zu einem Teil über Steuergelder finanziert, und eben nicht über die Kirchensteuer.

Noch mal meine Forderung: Endlich die Kirche in einen Verein zwangsumwandeln. Kann man auch national machen. Und dann sollen sie an das Spaghettimonster, den bösen Watz, die heilige Vagina oder meinetwegen auch an ihr schwachsinniges Märchenbuch glauben. Wie die bekloppten evangelikalen Freikirchen in den USA (und auch in Deutschland), über die sich hierzulande die angeblich liberalen Christen alle immer so gerne und arrogant aufregen.

Die mögen ja fundamentalistisch sein und ihre Kinder in jüngsten Jahren bereits indoktrinieren, aber die sind, wie es sich gehört,  Vereine und haben mit dem Staat nichts zu schaffen, stehen sogar teilweise in Opposition zu diesem, weil sei ihren kreationistischen Schwachsinn in den staatlichen Religionsunterricht - der bei dieser Gelegenheit gleich in einen konfessionsfreien, nichtgläubischen Ethik- und Sozialunterricht umzuwandeln ist - tragen wollen.

Aber statt einer sauberen Trennung von Kirche und Staat wird Ratzinger in seiner Funktion als Oberhaupt der katholischen Mafia im Bundestag hofiert, und Politiker, die noch alle stramm haben wie Ströbele (was macht der eigentlich noch bei den Grünen?), müssen sich in verpeilten Talkshows dafür rechtfertigen, daß sie den Saal verlassen haben.

Darüberhinaus ist der Vatikan ist ein souveräner Staat - mit eigener Bank, die als eine der größten Geldwäscheinstitutionen der Welt gilt. Und bei Kindesmißbrauch wird erst mal die kircheninterne Ermittlung eingeschaltet statt die staatliche, und es passiert über Dekaden nichts.

Weg mit diesem Drecksverein. Und man könnte ja auch mal abwägen, was an kirchlichem Vermögen weltweit der Kirche von Staaten weggenommen wurde und auch umgekehrt, was sich die Kriche in Kreuzzügen, Inquisitionen und anderen Mordserien erbeutet hat. Was dann am Ende auf dem T-Kontenblock im Haben stehen bleibt, kann man gemeinnützigen Organisationen zukommen lassen. Da sind die Kirchenaffen doch immer so für, oder nicht? Oder etwa nur, wenn sie selber sich durch miese Arbeitsbedingungen und Scheingewerkschaften eine goldene Nase verdienen können, indem sie sich den karitativen Bereichen wie Blutegel anwanzen?

Und wer braucht die Kirche, um soziale Arbeit leisten zu können? Ich finde ja eher, daß gerade Arbeitgeber, die sich in ihrer Arbeit gesellschaftlich wichtigsten Tätigkeiten zuwenden, besonders eigenverantwortlich und selbständig ethisch vertretbar denken und handeln können müssen, ohne im Zweifelsfalle die Verantwortung auf Gott oder ein anderes Konstrukt abwälzen zu können.
Und, dies ist ebenso wichtig, sollten die Arbeitsbedingungen und Löhne der Menschen in sozialen Berufen nicht von ihrem Arbeitgeber auch noch künstlich unten gehalten werden, sondern der gesellschaftlichen Bedeutung angepaßt werden. Mit einer echten und starken Arbeitnehmervertretung, keinen Gelben Gewerkschaften. Weg mit der Kirche aus allen staatlichen Belangen, sollen sie sich neben den Schrebergärtnern und Kaninchenzüchtern einen Platz in der deutschen Landschaft der Vereinsmeierei suchen!

Soziale Arbeit ist ein Kernstück staatlicher, also gesellschaftlicher Belange und gehört nicht in die Hände der Mafia.

Und ohne Trennung von Staat und Kirche in allen Belangen wird das nichts!
Das einzig Freie im Westen sind die Märkte.

admin

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Thema Lohndumping bei der Diakonie.
« Antwort #42 am: 17:38:15 Mo. 20.Februar 2012 »
Überprüfte und seriöse Medienanfrage:

Zitat
In diesem Zusammenhang suchen wir Personen, die bei der Diakonie arbeiten, mit ihrem Lohn unzufrieden sind und mit uns sprechen würden.

Es geht (hauptsächlich) um die Region Sachsen.
Auch Ex-Mitarbeiter sind von Interesse.

Bitte melden!
pn oder mail: admin@chefduzen.de

Nikita

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Re:Die Kirche als Arbeitgeber
« Antwort #43 am: 22:02:56 Mo. 12.März 2012 »
http://www.taz.de/Arbeitsrecht/!89419/

Zitat
Arbeitsrecht
Tariflohn ist ein Pflegefall

Mitarbeiter von Pflegediensten der Diakonie veröffentlichen Daten über illegale Praktiken bei Bezahlung. Ihr Arbeitgeber verklagt sie dafür wegen Verleumdung.von Juliane Schumacher

Die Liste steht immer noch im Netz: eine lange Reihe diakonischer Einrichtungen in Berlin und Brandenburg, die nach Informationen der Mitarbeitervertretungen ihren Angestellten weit weniger als den im Tarifvergleich vereinbarten Lohn zahlen. Bis zu einem Drittel weniger, mit stillschweigender Duldung des Diakonischen Werks Berlin Brandenburg Oberlausitz, wie die Mitarbeiter dem Vorstand vorwerfen. Obwohl sie seit Jahren auf Missstände und illegale Praktiken hingewiesen hätten, habe dieser weder Überprüfungen noch Sanktionen veranlasst.

Die Caritas und die Diakonie haben als kirchliche Arbeitgeber einen Sonderstatus im Arbeitsrecht: Statt in Tarifverhandlungen entscheiden paritätisch besetzte Kommissionen über Gehälter. 2008 beschloss das Diakonische Werk unter Zustimmung der Mitarbeitervertreter, dass Einrichtungen, die sich in finanziellen Schwierigkeiten befinden, von den Vertragsrichtlinien vorübergehend abweichen und etwa den Lohn um bis zu 27 Prozent senken können.
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Diese Ausnahmeregelung ist jedoch an Bedingungen geknüpft: Die Betriebszahlen müssen den Mitarbeitern offengelegt, die Ausnahme muss vom Diakonischen Rat genehmigt werden. Unter dem Dach des Diakonischen Werks arbeiten zahlreiche Institutionen, darunter ehemalige Teile der Diakonie, die ausgegliedert wurden. Ein Teil der Einrichtungen habe sich an die vereinbarten Regeln gehalten, sagt Markus Strobl, Vorstand der Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen (AGMV). Immer mehr Geschäftsführer hätten die Öffnungsklauseln jedoch genutzt, um von den geltenden Richtlinien nach Gutdünken abzuweichen oder sie gleich ganz außer Kraft zu setzen – offenbar unter Duldung des Diakonischen Rats.

Bereits 2010 habe der Vorstand der AGMV eine Liste erstellt und darauf hingewiesen, dass viele Einrichtungen die Löhne entweder ohne oder mit unbegründeter Genehmigung senken. Die Liste sei an den Diakonischen Rat und den Vorstand des Diakonischen Werks geleitet worden. Als Reaktion habe es eine Klagedrohung gegeben – von Harald Ehlert, damals Geschäftsführer der Treberhilfe, die ebenfalls unter dem Dach der Diakonie fungierte. Er steht heute wegen unlauterer Praktiken vor Gericht.

Zudem habe es zahlreiche „hausinterne“ Vereinbarungen gegeben, die auch nach dem kirchlichen Sonderarbeitsrecht nicht zulässig gewesen seien, sagt Strobl. Als auf die Aufforderung, interne Kontrollen durchzuführen, weiterhin nicht reagiert worden sei, baten die Mitarbeitervertretungen ihre Mitglieder, sie über Abweichungen vom geltenden Arbeitsrecht zu informieren. Die daraus resultierende Liste mit über 30 Einrichtungen stellten sie dann im November 2011 ins Internet, als „letztes Mittel“, wie Strobl sagt.

Darauf verklagte Karl-Martin Seeberg, Geschäftsführer der Diakonie-Station Südstern in Berlin, die auf der Liste steht, nicht nur den Vorstand der Mitarbeitervertretungen wegen Verleumdung, sondern auch die eigenen Mitarbeitervertreter, die die Informationen weitergegeben hatten.

Am vergangenen Donnerstag fand ein kircheninternes Gerichtsverfahren statt. Es endete mit einem Vergleich: Die Diakonie-Station Südstern wird von der Liste genommen, dafür werden die Klagen fallen gelassen.

Behoben ist der Streit um Outsourcing und Dumpinglöhne insbesondere im Bereich Pflege jedoch noch nicht: Am Tag des Schlichtungsgesprächs verliehen die Mitarbeitervertretungen dem Diakonischen Werk Berlin Brandenburg Oberlausitz den Schmähpreis „Schwarzes Schaf“ für den schlechtesten Arbeitgeber. „Das hätten wir uns alle noch vor ein paar Jahren nicht von unserer Diakonie vorstellen können“, sagte Strobl in seiner Ansprache, „wir sind alle mit viel Idealismus und hoher Motivation gestartet – und wurden dann zunehmend desillusioniert.“ Vom Diakonischen Werk Berlin Brandenburg Oberlausitz war niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Efeu

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Re:Die Kirche als Arbeitgeber
« Antwort #44 am: 10:52:43 Di. 27.März 2012 »
Zitat
GRUNDRECHTE MÜSSEN AUCH IN KIRCHLICHEN BETRIEBEN GELTEN! GERDIA KLÄRT BUNDESTAGSABGEORDNETE ÜBER RELIGIÖSE DISKRIMINIERUNG AM ARBEITSPLATZ AUF

Sonderrechte kirchlicher Betriebe, die gegen das Grundgesetz verstoßen, müssen beseitigt werden. Dies fordert die Kampagne "Gegen religiöse Diskriminierung am Arbeitsplatz" (GerDiA), die anlässlich der anstehenden Bundestagsanhörung zu den Arbeitsverhältnissen in kirchlichen Sozialeinrichtungen am 26. März sämtliche Abgeordnete des Deutschen Bundestags mit Informationen zum kirchlichen Arbeitsrecht versorgte.

"In der gegenwärtigen Situation wird systematisch gegen den Geist der Antidiskriminierungsregelungen verstoßen", erklärt GerDiA-Sprecherin Ingrid Matthäus-Maier. Die ehemalige SPD-Spitzenpolitikerin hält es für verfassungswidrig, "dass in Einrichtungen des öffentlichen Bildungs- und Gesundheitswesens das konfessionslose Drittel der Bevölkerung von vornherein keine Anstellung findet und in katholischen Einrichtungen sogar eine Wiederheirat nach einer Scheidung zu Kündigung führt."

Die absurden Konsequenzen kirchlicher Sonderrechte zeigt ein Fall in Königswinter, der bundesweit für Schlagzeilen sorgte. Eine bei Eltern und Kindern beliebte Kindergärtnerin eines katholischen Kindergartens wurde entlassen, weil sie sich von ihrem Mann getrennt hatte und zu ihrem neuen Partner gezogen war. Nach massiven Protesten der Eltern kündigte der Jugendhilfeausschuss der Stadt vor wenigen Tagen den Vertrag mit der Kirche. Für die Kindergärtnerin, deren Vertrag am 30. Juni ausläuft, kommt diese ungewöhnliche Intervention wohl zu spät.

Um weitere Grundrechtsverstöße dieser Art zu unterbinden, fordert GerDiA die Bundestagsabgeordneten dazu auf, den "besonderen Tendenzschutz" für Religionsgemeinschaften (BetrVG § 118, Abs. 2) abzuschaffen. Für kirchliche Betriebe müssten die gleichen Regelungen gelten wie für die Arbeiterwohlfahrt. Nur so könne garantiert werden, dass Angestellte kirchlicher Institutionen die gleichen Rechte erhalten wie andere Arbeitnehmer. Auch sie sollten einen Betriebsrat bilden, streiken und ein Privatleben ohne religiöse Bevormundung führen dürfen.

"Eigentlich sollte dies eine Selbstverständlichkeit sein, zumal die kirchlichen Einrichtungen größtenteils öffentlich finanziert werden!", sagt Rainer Ponitka vom Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA), der gemeinsam mit der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) die Kampagne initiierte. "Leider hinkt das deutsche Recht in diesem Punkt der gesellschaftlichen Entwicklung hinterher. Doch es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich das ändert. Immerhin gibt es schon heute mehr konfessionslose Menschen in Deutschland als Katholiken – und täglich werden es mehr."

Weitere Informationen unter:
www.gerdia.de

Das Flugblatt der Kampagne:
http://www.giordano-bruno-stiftung.de/sites/default/files/download/gerdia-flyer.pdf



GROSSVERANSTALTUNGEN IM APRIL UND MAI: RELIQUIENKULT IN TRIER, RELIGIONSFREIE ZONE IN MANNHEIM, SKEPTIKER IN BERLIN, ATHEISTEN IN KÖLN

Die religionsfreie und skeptische Szene startet durch: Selten zuvor gab es so viele Großveranstaltungen wie in den kommenden Wochen. Den Anfang machen Mitte April die Kunstausstellung "Reliquie: Fetisch in Kirche, Kunst & Konsum" sowie die Veranstaltungsreihe "Heilig’s Röckle" anlässlich der "Heilig-Rock-Wallfahrt" in Trier, die schon im Vorfeld für heftige Diskussionen sorgten (siehe nachfolgende Meldung). Website: http://www.heiligs-roeckle.de

Vom 16.-20. Mai findet daraufhin die Religionsfreie Zone (u.a. mit Carsten Frerk, Ralf König, Gerd Lüdemann und Michael Schmidt-Salomon) anlässlich des Katholikentags in Mannheim statt. Veranstalterin ist die gbs-Regionalgruppe Rhein-Neckar. Das Programm findet man unter:
http://religionsfreie-zone-mannheim.de/programm/

Zeitgleich richtet die "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" (GWUP) den 6. Weltskeptiker-Kongress in Berlin aus. Schwerpunktmäßig wird sich der internationale Kongress mit folgenden Fragen beschäftigen: Warum vertrauen Menschen pseudowissenschaftlichen Behauptungen? Was macht Alternativmedizin so attraktiv – und wie können wir beurteilen, was hilft und was nicht? Warum verhalten sich viele Leute irrational? Wie können wir unseren Kindern beibringen, wissenschaftlich zu denken?
Unter anderem werden Eugenie Scott (Anthropologin und Geschäftsführerin des US-amerikanischen National Center for Science Education), der Wissenschaftsjournalist und Autor Simon Singh ("Gesund ohne Pillen"), Dittmar Graf (Biologiedidaktiker an der TU-Dortmund) und der aus Presse, Funk und Fernsehen bekannte Kriminalbiologe Mark Beneke an der mehrtägigen Veranstaltung teilnehmen. Ein besonderes Highlight wird zweifellos der Auftritt des großen Zauber- und Entzauberungskünstlers James ("The Amazing") Randi sein. Weitere Informationen unter: http://www.worldskeptics.org/de/home-de/

Am Wochenende darauf (25.-27. Mai) findet unter Federführung des Internationalen Bundes der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) in Köln die internationale Tagung "Die Atheistische Perspektive" statt. Referenten sind unter anderem: Dan Barker, ehemaliger evangelikaler Prediger, Autor und Co-Präsident der Freedom from Religion Foundation (FFRF), Carsten Frerk, Autor und Redakteur des Humanistischen Pressedienstes, Annie Laurie Gaylor, Gründerin und Co-Präsidentin der FFRF, PZ Myers, Biologe und Autor des Wissenschaftsblogs Pharyngula, Taslima Nasrin, Ärztin, Autorin und internationale Menschenrechtsaktivistin sowie Michael Schmidt-Salomon, Autor und Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung. Weitere Infos unter:
http://www.ibka.org/tagung2012

Die Giordano-Bruno-Stiftung ist Kooperationspartnerin bei allen vier Veranstaltungen und hofft, dass sie auf breites Interesse stoßen werden. (Der Karten-Vorverkauf hat in den meisten Fällen bereits begonnen...)



MEINUNGSVIELFALT UNERWÜNSCHT! WARUM DIE TRIERER KUNSTAUSSTELLUNG "RELIQUIE" VERHINDERT WERDEN SOLL

Die älteste Stadt Deutschlands wollte sich modern und weltoffen zeigen. Also wurde ins Programm der Trierer "Heilig-Rock-Wallfahrt" eine internationale Kunstausstellung des Kulturzentrums "Tuchfabrik" (TUFA) aufgenommen, die das Thema "Reliquie - Fetisch in Kirche, Kunst & Konsum" aufarbeiten sollte. Doch nun, einen Monat vor Ausstellungseröffnung, verweigern die örtlichen Kulturförderinstitutionen plötzlich die Gewährung der fest eingeplanten Zuschüsse.

Stein des Anstoßes (auch wenn dies offiziell dementiert wird): Die TUFA kooperiert mit der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs), die unter dem Titel "Heilig's Röckle!" ein Begleitprogramm mit renommierten Religionskritikern organisiert (siehe Newsletter vom 29.02.2012). Ein Vorgang, der zeigt, wie wenig die Trennung von Staat und Kirche in Deutschland tatsächlich vorangeschritten ist.

Durch die Absage der beiden Trierer Stiftungen stehen die Verantwortlichen der TUFA vor einem Finanzierungsloch. Zwar greift das Land Rheinland-Pfalz der TUFA finanziell unter die Arme, es fehlen jedoch noch immer 7000 € für eine gesicherte Kostendeckung. Insofern ist es gegenwärtig in der Schwebe, ob die Kunstausstellung, an der sich (ohne jegliche Gage) renommierte Künstler wie der Präsident der Berliner Akademie der Künste, Klaus Staeck, beteiligen, überhaupt stattfinden kann.

Um "Reliquie: Fetisch in Kirche, Kunst & Konsum" wie geplant durchführen zu können, ruft die TUFA deshalb zu Spenden auf. Die gbs unterstützt diesen Spendenaufruf nachdrücklich: Bitte spenden Sie auf das Konto des TUFA e.V.! (Kontonummer: 1005859, Sparkasse Trier, BLZ: 58550130, Stichwort: "Reliquie 2012" – der TUFA e.V. ist als gemeinnützig anerkannt und daher berechtigt, Spendenbescheinigungen auszustellen.)

Lesen Sie weiter unter:
http://www.giordano-bruno-stiftung.de/meldung/meinungsvielfalt-unerwuenscht

Weiterführende Informationen zur Ausstellung sowie zum alternativen Pilgerprogramm:
http://www.heiligs-roeckle.de




Kollektiver Kirchenaustritt:

PROTESTE ZUM HASENFESTE: Selten hat sich zur Osterzeit so viel Widerstand gegen kirchliche Privilegien geregt. Nicht nur, dass an Gründonnerstag in vielen Orten "Kirchenaustrittspartys" stattfinden (siehe www.hasenfest.org, wer es noch nicht geschafft hat, aus der Kirche auszutreten, sollte diesen Termin nutzen), auch gegen das behördlich überwachte "Tanzverbot" an den sogenannten "stillen Tagen" (Karfreitag und Karsamstag) wird mehr und mehr Protest laut.
So ruft die Piratenpartei Gießen zu einer Tanzdemo an Karfreitag auf (http://www.piraten-giessen.de/demo-gegen-das-tanzverbot), selbst die FDP erinnert sich an ihre liberalen Prinzipien aus den 1970er Jahren und meint, dass man in einer pluralen Gesellschaft über das Tanzverbot ernsthaft diskutieren müsse (hier eine Veranstaltung in Trier: http://www.fdp-trier.de/?p=605).
Nicht zu vergessen: Wie jedes Jahr finden auch am kommenden Karfreitag in Köln (http://www.giordano-bruno-stiftung.de/termine?action=cal&id=308&tab=cal_single) und München (http://www.giordano-bruno-stiftung.de/termine?action=cal&id=325&tab=cal_single) die bewährten "Religionsfreien Zonen" statt. Mit ketzerischen Filmen und allerlei "verbotenen Genüssen" garantieren die Veranstalter "das Beste zum Hasenfeste", nämlich "Heidenspaß statt Höllenqual!".

http://www.hasenfest.org/



Ein kleiner Aus-tritt für Dich - ein großer Fortschritt für Alle! :baby: