Autor Thema: Ans Kreuz geschlagen hat sich Jesús vor der Vertretung der spanischen Zentralregierung..............  (Gelesen 1029 mal)

BakuRock

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Aus CONTRASTE Nr. 281 (Februar 2tausendacht)

ANDALUSIEN: HUNGERSTREIK FÜR MENSCHENWÜRDIGE BEDINGUNGEN DER ERNTEHELFER

Zitat
Bittere Oliven aus dem südspanischen Jaén

In Unterhosen trotzt Jesús Hidalgo mit einem Hungerstreik Wind, Regen und
Kälte, um die Zustände in der Olivenernte anzugreifen. "Ich bin bereit zu
sterben, damit diese Situation endlich beendet wird" (1).

Ralf Streck, indymedia - Ans Kreuz geschlagen hat sich Jesús vor der
Vertretung der spanischen Zentralregierung in der südspanischen Provinz
Jaén, um auf die fatalen Bedingungen aufmerksam zu machen, denen
Einwanderer als Helfer in der Olivenernte in Andalusien ausgesetzt sind.

Seit dem 14. Januar ist er im Hungerstreik, um die Politiker in den
beheizten Büros hinter sich dazu zu bringen, den Tagelöhnern
menschenwürdige Bedingungen zu verschaffen (2).

Jesús ist Mitglied der Gruppe "Queda la palabra" (Es bleibt das Wort), die
mit anderen Menschenrechtsorganisationen und kleineren Gewerkschaften
seinen Kampf unterstützen. Täglich steht er nun symbolisch gekreuzigt vor
dem Regierungsgebäude. Er friert, seine Stimme zittert, seine Haut ist von
der Kälte gerötet, doch er will seinen unbefristeten Hungerstreik so lange
fortsetzen, bis die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Einwanderer
verbessert wurden. Passanten kommen und bieten ihm ihre Jacken an: "Ich
habe viele Einwanderer erlebt, die Schlimmeres erleiden müssen als ich
hier", lehnt er die Hilfe dankend ab. "Wenn sie mich ins Krankenhaus
bringen, werde ich das Essen weiter verweigern und so schnell es geht
zurückkehren", kündigt er an.

Erfolglos hat er seit Jahren dafür gestritten, die Lage der Saisonarbeiter
zu verbessern. In diesem Jahr sei sie vielleicht noch schlimmer als zuvor,
erklärt er mir im Gespräch. Statt einer Unterkunft, müssen viele
Erntehelfer die Nächte nach langen Arbeitstagen in den Straßen von Jaén,
Úbeda oder Torredelcampo verbringen. Allein in Villanueva del Arobispo
hausten mehr als 200 Menschen unter freiem Himmel, habe die Lokalpolizei
bestätigt. Gäbe es Unterkünfte, seien sie viel zu klein, völlig
unzureichend ausgestattet und die Menschen litten unter inhumanen
Zuständen. Die Olivenernte ist nur ein Beispiel. Ob in Gewächshäusern von
Almeria und Murcia oder in der bald beginnenden Erdbeerernte in Huelva,
überall würden Menschen zu "Arbeitskräften" reduziert, die Misshandlungen,
einer extremen
Ausbeutung und Verletzungen von elementaren Rechten ausgesetzt seien.

Auch der Verfolgungsdruck auf Einwanderer ohne gültige Papiere habe
zugenommen. Statt gegen die zum Teil sklavenähnlichen Bedingungen
vorzugehen, würden die verfolgt und abgeschoben, denen keine Vergehen
vorgeworfen werden. Er weist auf ein neues Urteil des Obersten
Gerichtshofs hin. Der Aufenthalt ohne gültige Papiere ist nur eine
Ordnungswidrigkeit und reiche nicht als Grund zur Abschiebung aus. Den
großen Parteien, Gewerkschaften und Menschenrechtsorganisationen,
die im Einwanderungsforum der sozialistischen Regionalregierung sitzen,
wirft er Untätigkeit vor. Sie hätten keinen Willen, die "humanitäre Krise"
von 5.000 bis 7.000 Menschen zu beseitigen, die sich jährlich für drei
Monate in der Gegend aufhielten, klagt Jesús. Dazu kommt, dass
rassistische und neofaschistische Übergriffe zunehmen: "Kürzlich haben 20
Personen in Torredelcampo einen Einwanderer gejagt und mit Schlägen auf
den Kopf schwer verletzt". (3)

Kleine Erfolge hat sein Hungerstreik schon gezeitigt. Die sozialistische
Bürgermeisterin von Jaén hat sich offensichtlich nicht mehr getraut, die
für den 15. Januar  angekündigte Schließung einer Unterkunft mitten in der
Erntezeit umzusetzen, in der fast 100 Erntehelfer übernachten. Jesús ist es
auch gelungen, in direkten Kontakt mit den Verantwortlichen zu treten.
Empfangen hat ihn der Vize-Direktor der Vertretung der Zentralregierung.
Zum Treffen mit Fernando Calahorra nahm er eine Abordnung betroffener
Einwanderer mit. Vertreter verschiedener Nationalitäten schilderten dem
Regierungsvertreter direkt ihre Lage. Jesús bekräftigte gegenüber
Calahorra die zentralen Forderungen: Menschenwürdige Unterbringung für
alle Erntehelfer, Bezahlung nach Tarif, befristete Arbeitserlaubnisse und
Stopp der Verhaftungen und Abschiebungen.

Bis die Forderungen erfüllt sind, will er seinen Hungerstreik fortsetzen,
wenn nötig bis zur letzten Konsequenz. "Wir können nicht untätig gegenüber
dem Schmerz anderer bleiben, wenn wir selbst fähig sind Schmerzen zu
fühlen", sagt er und ruft auch die Bevölkerung dazu auf, den Betroffenen
Wohnungen oder  Zimmer zu vermieten und rassistischen Übergriffen entgegen
zu treten.

1) http://www.dalealplay.com/informaciondecontenido.php?con=78262
2) http://de.indymedia.org/2008/01/205622.shtml
3) http://de.indymedia.org/2008/01/204739.shtml
Infos zur Gruppe "Queda la palabra":
http://www.egrupos.net/grupo/quedalapalabra/alta

Zitat
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