Autor Thema: Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen  (Gelesen 23561 mal)

Kuddel

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #30 am: 14:40:30 So. 05.Februar 2012 »
Zitat
Ägyptens Finanzministerium in Flammen
Demonstranten wieder auf dem Tahrir-Platz – Tote bei Ausschreitungen



Demonstrant in Kairo.

Bei den jüngsten Protesten gegen den regierenden Militärrat in mehreren Städten in Ägypten sind mindestens zwölf Personen getötet worden. In Kairo wurde das Finanzministerium zum Teil abgebrannt.


(sda/dapd/dpa) Bei den jüngsten Protesten gegen den regierenden Militärrat in mehreren Städten in Ägypten sind mindestens zwölf Personen getötet worden. Dies berichtete das Staatsfernsehen unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. Das Finanzamt in Kairo wurde in der Nacht zu Sonntag in Brand gesetzt, wie das Staatsfernsehen berichtete. Teile des Gebäudes brannten lichterloh.

Tausende von Menschen hatten am Freitag den Rücktritt des Militärrats gefordert, der überwiegend aus langjährigen Gefolgsleuten des vor einem Jahr gestürzten Machthabers Husni Mubaraks besteht. Auslöser war das Blutbad in einem ägyptischen Fussballstadion am Mittwoch, bei dem mindestens 71 Menschen getötet wurden. Viele Menschen werfen den Sicherheitskräften vor, dort absichtlich untätig gewesen zu sein.

Auf dem Kairoer Tahrir-Platz versammelten sich auch am Samstag wieder Hunderte von Demonstranten. Viele forderten eine Reform der Polizeikräfte, andere aber auch gleich die Hinrichtung der Mitglieder des Militärrats. In der Nähe des Innenministeriums gab es erneut Ausschreitungen zwischen Demonstranten und der Polizei.

Aufruf zur Einigkeit

Bei den Protesten am Freitag wurden alleine fünf Menschen in der Stadt Suez erschossen, wie ein Polizeisprecher erklärte. Dort hatten Sicherheitskräfte auf tausende Demonstranten geschossen, die sich vor dem Polizeihauptquartier versammelt hatten.

Insgesamt sieben Tote gab es am Freitag auch bei den Protesten in Kairo vor dem Innenministerium, wie am Samstag bekannt wurde.

Der regierende Militärrat veröffentlichte am späten Freitagabend eine Stellungnahme, in der er die Ägypter zur Einigkeit aufrief und die gegenwärtige Situation als «gefährlichste und wichtigste Phase in der ägyptischen Geschichte» bezeichnete.
http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/mindestens_zwoelf_tote_bei_neuen_unruhen_in_aegypten_1.14792354.html

Kuddel

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #31 am: 14:38:42 So. 04.März 2012 »
Hafenarbeiterstreik in Ägypten gegen Militär

Am 29. Februar begannen über 200 Arbeiter und Angestellte der Zentrale der Behörde für die Häfen am Roten Meer in Suez einen Streik. Sie verlangten, dass die Marineoffiziere, die im Dezember zur "Sicherung" des Hafens in Suez eingesetzt worden waren, allesamt abgezogen werden. Dem Streik ging eine dreitägige Sitzblockade voran. Die Streikenden forderten die Beschäftigten in anderen Häfen auf, sich ihnen aus Solidarität anzuschließen.

http://www.rf-news.de/2012/kw09/02.03.2012-aegypten-hafenarbeiterstreik-gegen-militaerpraesenz

Kuddel

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #32 am: 18:43:48 Mi. 11.April 2012 »
Kairo 2012 - Sitzstreik in einer Fabrik des Konzerns Bticino-Legrand in Kairo. Die Arbeiter_innen sprechen über ihre Arbeitsbedingungen und ihre Kämpfe.

"Wir haben ein korruptes System in der Regierung überwunden - das gleiche System müssen wir nun auch in der Fabrik überwinden", sagt eine Arbeiterin. Erst seit der Ägyptischen Revolution trauen sich die Arbeiter_innen in der Fabrik, ihre Stimme zu erheben, so der Tenor.

Die Arbeiter_innen protestieren gegen ihre Hungerlöhne, das Schichtsystem und die befristeten Verträge und verlangen eine Korrektur der investorenfreundlichen Gesetzgebung.

Video: http://de.labournet.tv/video/6188/unser-recht-auf-wuerdige-arbeit

Kuddel

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #33 am: 15:37:38 Mi. 30.Mai 2012 »
Zitat
"Nicht der letzte Aufstand"
Die Rolle der Arbeiterklasse in der ägyptischen Revolution wird von internationalen Medien weitgehend ausgeblendet.
Ein Gespräch mit Hossam Al-Hamalawy *


*Hossam Al-Hamalawy (34) ist Marxist, Blogger und Journalist. Er schreibt u.a. für den britischen Guardian und hat sich über Jahre als Aktivist für die Rechte der ägyptischen Arbeiter engagiert.


Die Streiks, die im Januar/Februar vergangenen Jahres entscheidend zum Sturz Mubaraks beitrugen, kamen nicht aus dem Nichts. Wie entstand diese neue Arbeiterbewegung?

Sie begann 2006, als der damalige Ministerpräsident Ahmed Nazif Beschäftigten der Misr-Baumwollspinnerei zwei Monatslöhne als Bonus versprochen hatte und dies nicht einhielt. Daraufhin traten dreitausend Textilarbeiterinnen in den Ausstand. Sie marschierten in die männlichen Abteilungen des Betriebes und skandierten »Hier sind die Frauen! Wo sind die Männer?« Sie beschämten sie und trieben sie so zum Handeln.

Wie verhielt sich ihre offizielle Interessenvertretung?

Der 1957 von Gamal Abdel Nasser gegründete Gewerkschaftsbund ETUF war immer ein Arm des Regimes zur Kontrolle der Arbeiterklasse. Er hatte nie eine Streikaktion unterstützt und stellte sich auch gegen diese, was zu einer Unterschriftensammlung der Beschäftigten führte, die ein Amtsenthebungsverfahren gegen ihre Funktionäre forderten. Im Januar 2007 hatte die Belegschaft 13000 Unterschriften zusammen und setzte der Führung der Allgemeinen Textilarbeiterunion GUTW ein Ultimatum, das Verfahren einzuleiten. Andernfalls würden sie einen unabhängigen nationalen Gewerkschaftsbund ins Leben rufen. Die Führung weigerte sich, und der Sicherheitsapparat ging gewaltsam gegen die Arbeiter in der Industriemetropole Mahalla vor.

Dennoch nahmen die Beschäftigten ihren Kampf auf, und es wurde zur Gewohnheit, daß nach jedem Streik die Arbeiter Unterschriften mit denselben Forderungen gegen die Offiziellen ihrer jeweiligen Branchengewerkschaft sammelten. Am 30.Januar 2011 wurde auf dem Tahrir-Platz der Kern des ersten unabhängigen Gewerkschaftsbundes vorgestellt. Im Laufe eines Jahres wuchs dieser von drei Einzelgewerkschaften auf irgend etwas zwischen 150 und 200 verschiedenen Mitgliedsverbänden.

Wenn hierzulande von Ägypten die Rede ist, dann weniger im Zusammenhang mit betrieblichen Auseinandersetzungen, sondern mit Parlaments- und den bevorstehenden Präsidentschaftswahlen. Wie wichtig sind diese Institutionen wirklich?

Mubaraks Armeegeneräle bestimmen weiterhin die Show, was im Grunde bedeutet, daß das Regime nach wie vor am Leben ist. Das sind die Bedingungen für den neuen Staatspräsidenten.

Will die Junta dauerhaft an der Macht bleiben?

Im Gegensatz zu anderen Aktivisten, die genau davon ausgehen, denke ich das nicht. Die Offiziere wollen sich in ihre Kasernen zurückziehen, allerdings in einer Weise, die es ihnen erlaubt, ihre Privilegien, ihre Kontrolle über den Militärhaushalt und die Tatsache zu wahren, daß sie sich dem Parlament gegenüber nicht verantworten müssen. Die Armee kontrolliert 25 bis 40 Prozent unserer Wirtschaft. Viele Vorstandschefs von öffentlichen Unternehmen sind Militärs im Ruhestand. Außerdem beziehen die Streitkräfte jedes Jahr 1,3 Milliarden Dollar von den US-Steuerzahlern. Das ist, nach Israel, die zweitgrößte Militärhilfe der USA für ein anderes Land.

Wie beurteilen Sie die Moslembruderschaft als aktuell wichtigste politische Kraft?


Kurz gesagt: Ihre Führung ist konservativ und gelegentlich konterrevolutionär – mit ihren Jugendlichen ist es hingegen eine andere Sache. Wenn sich die Radikalisierung fortsetzt, wird es weitere Spaltungen innerhalb der Moslembruderschaft und der anderen religiösen Gruppen geben.

Wie steht es um die Linke?

Da gibt es verschiedene Fraktionen: Die Sozialistische Volksallianz als politische Dachorganisation für mehrere linke Gruppen; uns als Revolutionäre Sozialisten, die Demokratische Arbeiterpartei, in der wir mitarbeiten; die Ägyptische Kommunistische Partei, die einen großen Auftritt mit roten Fahnen am 1. Mai vor einem Jahr hatte; die Ägyptische Sozialistische Partei, die von einigen Köpfen der Studentenbewegung der 70er Jahre ins Leben gerufen wurde, sowie die Sozialdemokratische Partei.

Damit ist die Linke zwar etwas mosaikartig, aber ich finde das nicht schlimm. Im Gegenteil: Es ist eher normal, daß Leute, wenn der Deckel der Diktatur runter ist, herauskommen und Gruppen bilden. Warum soll man bei 85 Millionen Menschen nicht zunächst mal zwölf verschiedene sozialistische Parteien haben? Ich denke, da wird es in Zukunft auch Fusionen zu etwas Größerem geben.

In den vergangenen Monaten entstanden in Europa und Nord­amerika Bewegungen – wie die spanischen indignados oder die US-amerikanische occupy, die in starkem Maße von den Ereignissen in Ägypten und anderen Teilen der arabischen Welt inspiriert waren. Was sind für Sie die wichtigsten Lehren – positiv wie negativ – die man aus den Erfahrungen der ägyptischen Revolu­tion ziehen sollte?

Das Wichtigste ist: Wenn deine Bewegung auf den Platz oder die Straße beschränkt bleibt, wirst du keinen Erfolg haben. Du mußt diese Bewegung von der Straße in die Betriebe und auf die Universitätscampusse bringen. Wir haben Mubarak nicht auf dem Tahrir-Platz gestürzt. Ja, Tahrir war eine heldenhafte Schlacht, eine heroische Kundgebung und Besetzung, die gewiß als einer der phantastischsten Kämpfe, die in diesem Jahrhundert stattfanden, in die Geschichte eingehen wird. Aber gleichzeitig hätte das Regime das aushalten können. Mubarak hätte noch sehr viel länger an der Macht bleiben können, wenn die Arbeiterstreiks nicht ausgebrochen wären.

Welche Perspektiven sehen Sie für Ägypten?

Das war nicht der letzte Aufstand. Ich würde sagen, wir haben drei bis sechs Jahre Ebbe und Flut vor uns. Kämpfe, die gewonnen werden, und andere, die verlorengehen. Aber im Allgemeinen bin ich optimistisch, was das anbelangt.

Interview: Raoul Rigault
http://www.ag-friedensforschung.de/regionen/Aegypten/arbeiter2.html

Kuddel

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #34 am: 14:43:04 Do. 21.Juni 2012 »
Zitat
Massenproteste gegen Militärherrschaft in Ägypten

Am Montag beteiligten sich schätzungsweise 50.000 Menschen auf dem Tahrirplatz in Kairo an Protesten gegen den Putsch der Militärjunta. Eine weitere große Demonstration gab es in der Hafenstadt Alexandria. Der Oberste Militärrat (SCAF) hatte vorigen Donnerstag handstreichartig eine Militärdiktatur errichtet.

weiter: http://www.wsws.org/de/2012/jun2012/egyp-j21.shtml

Kuddel

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #35 am: 10:54:05 So. 24.Juni 2012 »
Die strunzdumme Journalistenbrut hatte in die Welt posaunt, Ägypten hätte mit den Protesten vom Tahirplatz eine Revolution gehabt. Ein Kommentar beim Deutschlandfunk wußte es zurechtzurücken: Die letzte Revolution hat in Ägypten 1952 stattgefunden. Seit dem gibt es die ungebrochene Herrschaft des Militärs.

Es handelte und handelt sich somit um die Vorboten einer Revolution. Ein echter Umsturz der Machtverhältnisse vollzieht sich kaum mit nur einigen Demonstrationen und Protesten.

Es geht weiter:

Zitat
Zehntausende protestieren in Kairo gegen Militärrat

Militärrat: Nehmen jüngste Beschlüsse nicht zurück - Islamistischer Kandidat Mursi kündigt weitere Proteste an


Die Stärkung seiner Machtbefugnisse sei im nationalen Interesse notwendig, erklärte der Militärrat. Die Demonstranten hätten das Recht zu protestieren, so lange sie nicht den Alltag störten.

Zehntausende Menschen strömten am Freitagnachmittag auf den Tahrir-Platz, um vom regierenden Militärrat die Rückkehr zu einer zivilen Regierung zu verlangen. Zu der Kundgebung hatte die konservativ-religiöse Muslimbruderschaft aufgerufen, die ihren Kandidaten Mursi als Sieger der Stichwahl um die Präsidentschaft am vergangenen Wochenende betrachtet. Dem Aufruf schlossen sich linke und säkulare Gruppen und Bewegungen an.

Nach der Verschleppung der Bekanntgabe der Stichwahlergebnisse und der schleichenden Machtergreifung durch die Generäle bahnt sich die möglicherweise folgenschwerste Konfrontation seit 16 Monaten zwischen der "Straße" und der herrschenden Militärelite in Ägypten an.
http://derstandard.at/1339638727713/Zehntausende-protestieren-in-Kairo-gegen-Militaerrat

Kuddel

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #36 am: 19:57:27 Di. 17.Juli 2012 »
Zitat
Ägypten: Über 23.000 Textilarbeiter im Streik

Am Sonntag traten über 23.000 Textilarbeiter in Ägypten in den Streik. Sie arbeiten im größten Textilunternehmen des Landes, der staatlichen Misr Spinning and Weaving in der Stadt Malhalla im Nildelta. Der Streik richtet sich gegen die viel zu niedrigen Löhne und fordert gleichzeitig den ägyptischen Staatspräsidenten heraus. 7.000 Arbeiter veranstalteten einen Sitzstreik vor der Fabrik und forderten neben einer Anhebung ihrer Mindestlöhne die Entlassung korrupter Vorgesetzter und bessere Bedingungen im firmeneigenen Krankenhaus. In Malhalla lösten die Arbeiterkämpfe im Jahr 2008 eine Streikwelle aus, die über das ganze Land ging.
http://www.rf-news.de/2012/kw29/aegypten-ueber-23.000-textilarbeiter-im-streik

Kuddel

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #37 am: 19:12:35 Mi. 18.Juli 2012 »
Zitat
Ägypten: Textilstreik weitet sich aus

Der Streik der 24.000 Textilarbeiter im ägyptischen Malhalla dauerte am Dienstag den dritten Tag an. Am Montag und Dienstag schlossen sich die Arbeiter von sieben weiteren Textilfabriken dem Streik an und stellten dieselben Forderungen auf. Es handelt sich um Werke in der Vier-Millionen-Stadt Alexandria, in Malhalla und zwei anderen Städten im Nildelta. Am Dienstagabend bemühte sich der Generalsekretär des zuständigen Gouvernements Gharbiya persönlich drei Stunden lang, die Streikenden zu besänftigen.
http://www.rf-news.de/2012/kw29/aegypten-7-weitere-belegschaften-schliessen-sich-dem-streik-in-malhalla-an

Kuddel

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #38 am: 10:47:49 Di. 11.Dezember 2012 »
Zitat
Wie stark unterstützen die USA Mursi und die Muslimbrüder?

Der ägyptische Geheimdienst wurde von den USA aufgebaut und operiert als eine Ausweitung der CIA-Niederlassung in Ägypten. Es ist wohl richtig zu sagen, dass die Muslimbrüder im Grunde dem Geheimdienst weiter erlauben, die Kontrolle über die Außenpolitik Ägyptens auszuüben.

Asad Abu Khalil sieht die US-Regierung dabei, ihre Beziehungen zu den Bruderschafts-Regimen neu zu justieren, um sie in das "pro-amerikanische repressive regionale System einzubauen". Die Ägypter wüssten das schon lange. Was schon daran zu erkennen sei, dass die Demonstranten immer wieder versuchen würden, auf die US-Botschaft loszumarschieren.
aus: http://www.heise.de/tp/artikel/38/38159/1.html

Rudolf Rocker

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #39 am: 12:29:06 Di. 11.Dezember 2012 »
Ähnelt ein bißchen dem was im Iran passiert vor vielen Jahren!

xyu

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #40 am: 22:37:14 Mo. 04.Februar 2013 »
Zitat
Black Bloc am Nil
Ägypten: Staatsapparat und Islamisten in Rage wegen des Auftauchens anarchistischer Gruppierungen
Von Tomasz Konicz
 
Ägyptens Staatsmacht scheint einen neuen Lieblingsfeind gefunden zu haben. Am 29. Januar ordnete Generalstaatsanwalt Talaat Abdallah den Polizei- und Sicherheitskräften des Landes an, alle Mitglieder des »Schwarzen Blocks« zu verhaften, die an den Kundgebungen und Demonstrationen der Regierungsgegner teilnehmen. Der »Black Bloc«, dessen plötzliches Auftauchen in der ägyptischen Oppositionsbewegung für viel Aufregung sorgte, sei eine »terroristische Organisation«, erklärte die Staatsanwaltschaft. Bei der folgenden Verhaftungswelle wurden landesweit inzwischen rund 170 Jugendliche festgenommen, denen die »Mitgliedschaft« in dem Black Bloc vorgeworfen wird. Einige Jugendliche wurden sogar angeklagt, Teil einer »israelischen Verschwörung« zu sein.

Zeitgleich wurde eine wütende Pressekampagne in den staatsnahen Medien entfacht, bei der die Aktivisten des Black Bloc als der ideale Sündenbock fungieren und für alle möglichen Gewaltakte verantwortlich gemacht wurden. Vertreter der Muslimbruderschaft warfen den radikalen Anarchisten vor, sie hätten ihre Parteibüros in etlichen Städten Ägyptens attackiert und in Brand gesetzt. In der regierungsfreundlichen Zeitung Al-Ahram wurden Mitglieder des Black Bloc beschuldigt, ein Luxushotel in der Nähe des Tahrir-Platzes in Kairo angegriffen zu haben. Islamistische Extremisten bezeichneten den Black Bloc als eine Miliz und drohen inzwischen mit dem Aufbau eigener bewaffneter Formationen.

Die Repressionskampagne scheint die Begeisterung der perspektivlosen ägyptischen Jugend für diese Protestformen, die sich an den anarchistischen Taktiken innerhalb der globalisierungskritischen Bewegung orientieren, nicht gemindert zu haben: »Auf dem Tahrir wurden am Montag Händler, die schwarze Masken verkauften, von jungen Männern umschwärmt«, berichtete ein AP-Reporter gestern. Tatsächlich stellt der Black Bloc in Ägypten eine neue Organisationsform dar, die laut Oppositionsaktivisten in Reaktion auf die Übergriffe von Schlägertrupps der Muslimbruderschaft auf Oppositionskundgebungen am 10. Dezember 2012 entstanden sei. Blockmitglieder, die erstmals bei den Auseinandersetzungen am zweiten Jahrestag der Revolution am 25. Januar in Erscheinung traten, propagieren folglich die militante Selbstverteidigung gegen die zunehmenden brutalen Übergriffe der Polizeikräfte und angeheuerter Schlägerbanden, denen oftmals Frauen zum Opfer fallen.

Innerhalb des Black Bloc sind – neben vielen perspektivlosen Jugendlichen – vor allem Mitglieder der diversen linken Gruppierungen Ägyptens zu finden, die hierin eine gemeinsame Aktionsform, eine »Idee, die jeder übernehmen kann«, gefunden hätten, wie es ein Aktivist formulierte. Zudem würden die kampferfahrenen ägyptischen Fußballfans, die sogenannten Ultras des Klubs Al-Ahly, diese Taktik vermehrt übernehmen. Die Bewegung ist größtenteils spontan entstanden und verfügt inzwischen über eine netzwerkartige Struktur. Die Koordination der Aktionen erfolgt über Facebook-Gruppen oder Twitter-Accounts, die binnen weniger Tage Zehntausende von Unterstützern gefunden haben. In einem Interview mit der Zeitung Al-Watan bezifferten Anarchisten das landesweite Mobilisierungspotential des Black Bloc auf rund 10000 Militante. Akram Ismail, Aktivist der Sozialistischen Volksallianz, schätzte gegenüber der FAZ, daß in Kairo rund »3000 bis 4000« Anhänger des Black Bloc bereit wären, »alles zu geben«.

Neben spontaner Sympathie seitens vieler Demonstranten, die die militanten Aktivisten aufgrund ihrer Schutzfunktion erfahren, mehren sich innerhalb der Opposition aber kritische Stimmen. Die Mitglieder des Black Bloc hätten zwar »ehrliche« Absichten, erklärte der linke Aktivist Hossam Al-Hamalawy gegenüber der Nachrichtenagentur AP, aber sie könnten dennoch »gefährlich für die Revolution« werden. Viele Oppositionelle befürchten, daß der Regierungsapparat und islamistische Extremisten das Auftauchen des »Schwarzen Blocks« zum Vorwand nehmen würden, um die »Proteste zu delegitimieren« und zur exzessiven Gewaltanwendung gegenüber der Opposition überzugehen. Der Black Bloc stelle in dieser Hinsicht »den perfekten Gegner« für den Staat dar, wie es etwa der populäre Blogger Mahmoud Salem formulierte
http://www.jungewelt.de/2013/02-05/035.php

xyu

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #41 am: 22:04:10 Do. 07.Februar 2013 »
Zitat
Solidarität mit den ägyptischen anarchistischen Genoss*innen!
7. Februar 2013
in Allgemein

Eine dt. Übersetzung der Stellungsnahme unserer Genoss*innen der „Fédération Anarchiste“ zur jüngsten Repression in Ägypten:

Die Gruppe “Social Libertarian Movement” wurde am 23. Mai 2011 in Kairo, mitten im Herz der ägyptischen Revolution gegründet, als es noch zu schwach war, effektiv die Welle, die Mubarak und die Regierung hinwegreißen würde, mitzugestalten. Die Bewegung kämpfte und wuchs und machte deutlich, dass sie die Straße und die Macht nicht in den Händen der Muslimbruderschaft lassen werde.

Auf der Grundlage einer Programmatik, die eine klassenlose Gesellschaft, die Abschaffung des Staates und des Kapitalismus beinhaltet, nahmen die Genoss*innen dann aktiv an den jüngsten Demonstrationen gegen Präsident Mursi teil, u.a. als ägyptischer “Schwarzer Block”, der nicht zögerte, der Polizei entgegenzutreten. Mehrere Aktivist*innen des Socialist Libertarian Movement wurden während dieser Tage des Aufruhrs festgenommen und vor die Gerichte gezerrt.

Am Mittwoch, dem 23. Januar, wurden während einer öffentlichen Anhörung im Gericht von Alexandria die Zuhörer*innen plötzlich ohne jeden Grund von den für die Raumüberwachung zuständigen Polizist*innen angegriffen (durch Schläger*innen- und Greiftrupps).

Unter den 31 Festgenommenen sind 4 Genoss*innen des Socialist Libertarian Movement. Diese sind:
- Mohamed Ezzdine
- Amir Asaad
- Mohamed Albadri
- Houssine Mohamed.

Sie sind wegen Vandalismus, Zerstörung privaten Eigentums und Gewalt gegen die Polizei angeklagt. Alle sind aktive Mitglieder des MSL. Sie sind immer noch eingesperrt und warten aus dem Grund auf ein Gerichtsverfahren, weil ihre Freilassung eine Provokation der öffentlichen Ordnung riskieren würde.

Die Fédération Anarchiste unterstützt das ägyptische Socialist Libertarian Movement voll und ganz in seinem Kampf gegen Unterdrückung, in welcher Form dies auch nötig sein wird, und drückt seine Solidarität mit den gefangenen und aus willkürlichen Gründen angeklagten Genoss*innen.

Ebenso wie die MSL beschuldigt die Fédération Anarchiste den ägyptische Innenminister, seine Macht zu missbrauchen und sich an den ägyptischen Anarchist*innen zu rächen, sowie dass hinter diesen Festnahmen die faschistische Regierung der Muslimbruderschaft steht.

Unabhängig von der Repression in Ägypten und sonstwo: Unser Kampf geht weiter bis zur Abschaffung von Staat und Kapitalismus!

Fédération Anarchiste, 4. Februar 2013.
http://agkoeln.blogsport.de/2013/02/07/solidaritaet-mit-den-aegyptischen-anarchistischen-genossinnen/

Kuddel

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #42 am: 19:25:31 Fr. 22.Februar 2013 »
Zitat
Ägypten:
Massenstreiks und Proteste legen Port Said lahm

Von Johannes Stern

Massenproteste und Streiks von zehntausenden Arbeitern und Jugendlichen haben am Montag die Stadt Port Said lahmgelegt. Die Stadt am Suezkanal ist eine der größten Industriestädte Ägyptens, hier befindet sich der zweitwichtigste Hafen der arabischen Welt.

Demonstranten blockierten die Zugänge zur Stadt, Kanalarbeiter des Arsenals von Port Said, das von der Suezkanalbehörde verwaltet wird, schlossen die Tore der Schiffswerft. Fast 40.000 Arbeiter der 29 Fabriken im Industriegebiet traten in den Streik, Schulen und Regierungsbehörden blieben geschlossen.

Seit den frühen Morgenstunden marschierten Arbeiter und Jugendliche durch die Stadt und forderten die Absetzung von Präsident Mohammed Mursi und der Regierung unter Führung der Moslembrüder, die von den USA unterstützt wird. Sie riefen „Hau ab, Mursi, hau ab!“ und „Solange ägyptisches Blut nichts wert ist – nieder mit dem Präsidenten!“ Um sieben Uhr versammelten sich die Demonstranten vor dem Sitz der Provinzregierung und versperrten den Zugang zum Gebäude.

Im Laufe des Tages verschärften sich die Proteste. Demonstranten blockierten die Bahnlinien, andere Arbeiter und Jugendliche traten in den Streik oder schlossen sich den Protesten an, unter anderem Studenten, Lehrer und Beschäftigte der Provinzregierung, der Gerichte, der Telefongesellschaft, des Erdgaswerkes, des Zolls und anderer Behörden.

Die New York Times schrieb nervös, dass durch die Proteste „das Chaos, das seit zwei Jahren in Ägypten herrscht, erstmals kurz davor stand, den Betrieb des Suezkanals zu gefährden. Dieser Schifffahrtsweg ist sowohl für den internationalen Handel als auch für die gebeutelte ägyptische Wirtschaft wichtig.“

Das Militär schickte Verstärkungen, um den Betrieb des Hafens und des Suezkanals zu schützen und wichtige Regierungsgebäude zu sichern. Das Militär drang auch in die Industriegebiete ein, um die Fabriken zu bewachen. Mahmud Kandil, ein Buchhalter, der sich an den Protesten beteiligte, sagte der Daily News Egypt: „Einer der Fabrikbesitzer schoss in die Luft, um die Demonstranten auseinanderzutreiben. Diese warfen daraufhin mit Steinen auf die Fabrik und verursachten kleinere Schäden.“

Das Militär konnte die Proteste weder kontrollieren noch aufhalten. Kandil erklärte: „Der Militärkommandant von Port Said, Generalmajor Adel El-Ghadban, versuchte, mit den Arbeitern zu verhandeln, um sie zur Vernunft zu bringen, aber sie haben sich geweigert.“ Stattdessen forderten die Arbeiter den Sturz von El-Ghadban.
http://www.wsws.org/de/articles/2013/feb2013/egyp-f20.shtml

(gekürzt)

Kuddel

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #43 am: 14:01:29 Do. 21.März 2013 »
Zitat
Ägypten: Streikwelle in Mahalla

In der ägyptischen Industriestadt Mahalla im Nil-Delta blieben am Montag rund 1.300 Fabriken geschlossen, weil die Arbeiter gegen die regierende Muslimbruderschaft und Präsident Mursi demonstrierten und streikten. Auch Schüler und Studenten schlossen sich den Protesten an, der gesamte Verkehr kam zum Erliegen.
http://www.rf-news.de/2013/kw12/20.03.13-aegypten-streikwelle-in-mahalla-gegen-muslimbruderschaft

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #44 am: 18:18:10 Sa. 13.April 2013 »
Zitat
Höhere Gehälter gefordert
Streik legt Zugverkehr in Ägypten lahm


Ein Streik der Lokführer und Schaffner für höhere Löhne hat am Sonntag den Zugverkehr in Ägypten weitgehend lahmgelegt. Der Protest richtet sich gegen die Erhöhung der Bonuszahlung um nur zehn Prozent, die Verkehrsminister Hatem Abdel-Lateef für alle Eisenbahnbeschäftigten verkündet hatte. Die Lokführer und Schaffner lehnten diese als zu niedrig ab und forderten höhere Gehälter sowie ein besseres Zuschlagssystem. Die Züge zwischen den drei wichtigen Reisezielen Kairo, Alexandria und Tanta fielen aus, damit kam der größte Teil des Zugverkehrs zum Erliegen. Tausende Reisende standen vielerorts verärgert auf den Bahnsteigen und forderten in langen Schlangen an den Schaltern ihr Geld zurück.
http://www.rp-online.de/panorama/ausland/streik-legt-zugverkehr-in-aegypten-lahm-1.3307082