Autor Thema: Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen  (Gelesen 23554 mal)

Kuddel

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #45 am: 19:23:47 Do. 16.Mai 2013 »
Am 7. April 2013 begannen die meisten der ca. 5.000 Lokführer in Ägypten zu streiken. Der Zugverkehr kam dadurch weitgehend zum Erliegen, sodaß auch die anderen Beschäftigten der Bahn nicht arbeiten konnten. Die Forderungen der Streikenden: Bezahlung von Boni je nach geleisteten Stunden und Überstunden, Bezahlung nach gefahreren Kilometern, acht bezahlte Ruhetage im Monat. Nach drei Streiktagen setzte die Regierung der Muslimbrüder die Armee gegen die Streikenden ein.

Das Video bei labournet.tv (arabisch mit dt. ut | 4 min | 2013)
http://de.labournet.tv/video/6546/streik-der-lokfuehrer

Kuddel

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #46 am: 15:29:14 Di. 15.Oktober 2013 »
Zitat
Ägypten: Streik der Mahalla-Textilarbeiter

Am Sonntag gingen die 22.000 Arbeiter der staatlichen Textilfabrik von Mahalla in Ägypten wieder zurück an die Arbeit, nachdem sie drei Tage für die pünktliche Zahlung des Feiertagsbonus gestreikt hatten. Die Arbeiter hatten erreicht, dass sowohl der Bonus als auch die Streiktage bezahlt werden. Die Massen in Ägypten leiden unter einer hohen Inflationsrate und hoher Arbeitslosigkeit.
http://www.rf-news.de/2013/kw42/14.10.13-aegypten-drei-tage-streik-der-mahalla-textilarbeiter

ManOfConstantSorrow

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #47 am: 11:34:13 Mo. 02.Juni 2014 »
Mit massiver militärischer und finanzieller Unterstützung aus den USA konnten die revolutionären Entwicklungen gestoppt und die alten Herrschaftsstrukturen verfestigt werden.

Zitat
Hier liefert die Armee Brot und Wohnungen

Die ägyptische Armee baut ihre Wirtschaftsmacht stetig aus. Sie kann sich darauf verlassen, dass der ehemalige General Sisi auch als Präsident ihre Interessen vertreten wird.


Von Sofian Philip Naceur, Kairo

Ägyptens Präsidentschaftswahlkampf läuft auf Hochtouren. Mit dem ehemaligen Verteidigungsminister Abdel Fattah al-Sisi und dem Sozialisten Hamdeen Sabahi stehen zwei Kandidaten zur Wahl. Doch hat Ägypten wirklich eine Wahl? Sabahi fischt im revolutionären Lager nach Stimmen, fordert soziale Gerechtigkeit und will das umstrittene Antiprotestgesetz annullieren, das der Polizei freie Hand gibt, Demonstrationen zu verbieten oder mit Gewalt aufzulösen. Sisi hingegen verteidigt das restriktive Gesetz und verspricht Sicherheit und Stabilität. Er versteht sich als Antipode zu den gestürzten Muslimbrüdern, deren Dämonisierung er für sich zu nutzen weiss. Letztlich jedoch stehen beide für ein nationalistisch-autoritäres Staatsverständnis und eine Restaurierung der Zentralgewalt. Sisis Sieg ist ausgemachte Sache. Er hat breite Unterstützung in der Bevölkerung und die Rückendeckung der Generäle, deren Privilegien und politische Macht unter ihm bewahrt bleiben werden. Der wirtschaftspolitische Einfluss der Armee dürfte sich unter Sisi gar ausweiten.

Seit der Absetzung des demokratisch gewählten – aus den Reihen der Bruderschaft stammenden – Präsidenten Muhammad Mursi am 3. Juli 2013 durch die Armee wird über die Bezeichnung der Ereignisse gestritten. War es ein Staatsstreich oder eine Revolution? Beide Versionen bilden die Rolle des Militärs im politischen Machtgefüge nur verkürzt ab. Seit dem Sturz der Monarchie und dem Putsch der Freien Offiziere unter Gamal Abdel Nasser 1952 ist die Armee die mächtigste Institution im Land und hat ihren Einfluss nach dem 3. Juli 2013 weiter ausgebaut. Die Armee ist heute nicht nur das Rückgrat des restaurierten Regimes und ein Garant westlicher Interessen am Nil, sondern ein machtvolles Wirtschaftsimperium, das nach unterschiedlichen Schätzungen zwanzig bis vierzig Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung im Land kontrolliert.

Keine Steuern, keine Kontrolle

Ägyptens Armee besitzt Bäckereien, Baufirmen, Lebensmittelkonzerne, Hotels und ist im Trinkwassergeschäft aktiv. Zudem beschäftigt das Militär Zehntausende ArbeiterInnen in Dutzenden Fabriken, die sowohl militärische als auch zivile Güter herstellen. Gemeinschaftsunternehmen wie Arab American Vehicles, ein Joint Venture mit dem US-Automobilgiganten Chrysler, produzieren neben Militärfahrzeugen auch Autos für den zivilen Markt. Allein vom Ministerium für militärische Produktion werden vierzehn Unternehmen kontrolliert, in denen 40 000  Menschen arbeiten. Tatsächlich sind jedoch weit mehr Menschen bei militäreigenen Firmen beschäftigt, da das Ministerium nur einen Teil der von der Armee gesteuerten Unternehmen überwacht. Die Militärführung operiert dabei unter hochgradig günstigen Bedingungen: Ihre Firmen zahlen keine Steuern, besitzen Liefermonopole und exklusive Importlizenzen und sind keiner öffentlichen Rechenschaftspflicht unterworfen. Zudem sichert die im Januar angenommene neue Verfassung den Einfluss der Generäle auf die Wahl des Verteidigungsministers, schirmt den Armeehaushalt von jeglicher Kontrolle ab und stattet die umstrittenen Militärtribunale gegen ZivilistInnen mit Verfassungsrang aus. Die Militärgerichtsbarkeit bleibt damit für zivile Institutionen unantastbar.

Ausserdem sind rund die Hälfte der 470 000  Mann starken Armee Wehrpflichtige. Werden Ingenieure eingezogen, leisten sie ihren Wehrdienst in armeeeigenen Baukonzernen. Das erlaubt der Armee, auf ein grosses Reservoir billiger Arbeitskräfte – der Monatssold beträgt rund 25 Franken – zurückzugreifen und bei ausgeschriebenen Aufträgen jeden Preis zu unterbieten. Die Armee hat bei fast jedem Bauprojekt die Hände im Spiel und kontrolliert de facto mehr als 85 Prozent der landesweit ungenutzten Fläche. Will die Regierung Strassen bauen oder ein Konzern ein Hotel errichten, müssen die Generäle ihr Einverständnis geben. Zudem spielen pensionierte Generäle in Ägyptens Wirtschaft eine grosse Rolle: Sie werden oft mit Jobs in Staatsunternehmen oder Gouverneursposten belohnt.

Ein Wirtschaftsimperium entsteht

Das zentrale Ereignis für die Geburt des armeeeigenen Wirtschaftsimperiums war Ägyptens Friedensschluss mit Israel 1979. Der damalige Präsident Anwar al-Sadat kürzte das Armeebudget und reduzierte die Truppenstärke. Hunderttausende beschäftigungslose Soldaten und Offiziere lieferten Sadats Verteidigungsminister Abdel Halim Abu Ghazala ein Argument, um der Armee wirtschaftliche und damit zivile Aufgaben zu übertragen. Neben der Industrie setzten die Generäle auf den Tourismus. Die Armee kontrollierte den gesamten Sinai und deklarierte frühere militärische Sperrzonen an den Küsten schlicht zu Investitionsgebieten für die internationale Tourismusbranche. Die Einkünfte aus zivilen Projekten nutzte Ghazala schliesslich für den Bau zahlreicher Freizeiteinrichtungen und Krankenhäuser, deren Nutzung Angehörigen der Armee und ihren Familien vorbehalten ist. Mit diesem Schachzug band die Armee Hunderttausende an sich und schuf eine breite militärtreue Mittelschicht.

Seither ist die Armee zur wichtigsten wirtschaftlichen Institution am Nil aufgestiegen und konnte nach Mursis Absetzung ihren Einfluss auf Ägyptens Wirtschaft weiter ausbauen. Auf Grundlage des Präsidialdekrets von Interimspräsident Adli Mansour, das der Regierung erlaubt, in Notfällen Aufträge auch ohne Ausschreibung direkt zu vergeben, wurden seither Hunderte öffentliche Bauprojekte militäreigenen Konzernen zugesprochen. So schloss die Armee ein vierzig Milliarden US-Dollar schweres Abkommen mit Arabtec, einem Baukonzern aus Dubai, über die Errichtung von einer Million Sozialwohnungen. Das Projekt ist Teil von Sisis Wahlkampagne und wird von politischen AktivistInnen scharf kritisiert. Viel bedeutender als dieses Vorhaben ist jedoch das Sonderwirtschaftsprojekt in der Suezkanalzone, das durch den Ausbau der Hafenanlagen Investoren anlocken und jährlich Milliarden in die Kassen der beteiligten Firmen spülen soll. Die militärnahe Regierung in Kairo habe das Bietverfahren unter ihre Kontrolle gebracht und wolle im Oktober bekannt geben, welche der vierzehn angetretenen Firmen das Rennen macht, berichtete die «International Business Times» im April. Ein aussichtsreicher Bieter sei der staatliche Bauriese Arab Contractors, der elf Jahre lang vom amtierenden Premierminister Ibrahim Mahlab geleitet wurde.

Verletzungen der Menschenrechte

Seit Mursis Sturz hat die Armee systematisch Menschenrechte verletzt und ist hart gegen KritikerInnen des Militärregimes vorgegangen. Proteste gegen die enorme Machtfülle der Armee gehören zwar wieder zum Alltag, doch hat sich das Militär in der neuen Verfassung seinen Einfluss und faktisch Straffreiheit gesichert. Auch hat die vom Militär gestützte Hetzkampagne gegen die Muslimbrüder und die linksliberale Opposition dafür gesorgt, dass Proteste von vielen inzwischen grundsätzlich abgelehnt werden. Das Land müsse stabilisiert werden, und die Armee sei die einzige Institution, die dazu in der Lage sei, ist oft zu hören.

Die von den Generälen vorangetriebene Restauration der alten Ordnung hat jedoch zahlreiche Menschenleben gekostet. 3200 Menschen wurden seit dem 3. Juli in Ägypten getötet und fast 20 000  verhaftet. Ein Teil der rund 1200 Todesurteile gegen Anhänger der Muslimbruderschaft ist inzwischen in lebenslängliche Haftstrafen umgewandelt worden, die Richtersprüche sind noch nicht rechtskräftig. Ausserdem wurden die Jugendbewegung des 6. April verboten und einige ihrer bekannten AktivistInnen zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der designierte Präsident Sisi als das Gesicht eines ausbeuterischen repressiven Staats wahrgenommen wird und sich Demonstrationen gegen die Militärherrschaft und für politische Freiheiten erneut entzünden.

Sisi auf Siegeskurs

Am 26. und 27. Mai wählt Ägypten einen neuen Präsidenten. Haushoher Favorit ist Abdel Fattah al-Sisi, der noch von Präsident Muhammad Mursi zum Verteidigungsminister ernannt worden war. Beim Sturz Mursis im Juli 2013 war Sisi federführend. Der einzige Gegenkandidat ist der Sozialist Hamdeen Sabahi, Drittplatzierter bei der Präsidentschaftswahl 2012 und Chef der nasseristischen Karama-Partei. Sabahis Kandidatur gilt als aussichtslos. Das offizielle Ergebnis wird bis zum 5. Juni erwarten.
http://www.woz.ch/1420/praesidentschaftswahl-in-aegypten/hier-liefert-die-armee-brot-und-wohnungen
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Kuddel

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #48 am: 20:45:00 So. 06.Juli 2014 »
Zitat
Proteste gegen massive Benzinpreiserhöhung in Ägypten

Die ägyptische Regierung hat die Benzinpreise deutlich angehoben und damit viele Ägypter verärgert. Die staatliche Zeitung „al-Ahram“ berichtete am Wochenende von „Chaos“ in Kairo, weil die Fahrer von Minibussen ihre Tarife über das vorgeschriebene Maß hinaus angepasst hätten. Taxifahrer protestierten im Zentrum der Stadt vor dem Gebäude des staatlichen Fernsehens.

Bis zu 77 Prozent teurer


Mit der Erhöhung der subventionierten Benzinpreise will Ägypten sein Haushaltsdefizit senken. Die Ägypter müssen nun an der Tankstelle für einige Treibstoffsorten zwischen 40 und 77 Prozent mehr bezahlen.

Die starke Verteuerung gilt als Test für die Popularität des neuen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi. Zu den Preiserhöhungen gebe es keine Alternative, sagte der Staatschef laut „al-Ahram“. Nur so ließen sich die Schulden abbauen, unter denen das Land leide.

Kritik an Präsidenten

Kritik kam von der linken Tagammu-Partei, die Sisi eigentlich unterstützt. „Präsident Sisi und die Regierung hätten andere Wege zur Bekämpfung des Defizits finden müssen, ohne dabei den Armen zu schaden“, sagte Parteichef Said Abdel-Aal. Die Regierung schade ihrem öffentlichen und politischen Ansehen.

Die Preiserhöhungen gehören zu einem Maßnahmenpaket, mit dem die Regierung das Haushaltsdefizit auf rund zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) senken möchte. Bisher liegt es bei zwölf Prozent. Die Regierung hat auch eine Erhöhung der Strompreise um rund 30 Prozent angekündigt. Insgesamt will die Regierung die Subventionen für Energie um rund vier Milliarden Euro senken.
http://orf.at/stories/2236939/

ManOfConstantSorrow

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #49 am: 19:17:37 Mi. 15.Oktober 2014 »
Zitat
USA/Ägypten: Pakt mit Unterdrückern

Außenminister Kerry lobt die Führung des Landes, das politische Gegner zu Tausenden ins Gefängnis steckt


Wie viele politische Gefangene in Ägyptens Gefängnissen inhaftiert sind, ist schwer zu ermitteln. Nach der Absetzung Mursis war die Rede von 16.000 Inhaftierten; manche aktuelle Berichte sprechen von 20.000, die "willkürlich verhaftet wurden unter dem Vorwand, dass sie an einer illegalen Demonstration teilnahmen".

An prominenten Fällen - wie den Al-Jazeera-Journalisten Ahmed Mansour (Freiheitsstrafe von 15 Jahren, Peter Greste und Mohamed Fahmy (beide zu 7 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt), den Oppositionellen Ahmed Maher, Ahmed Douma und Mohamed Adel (drei Jahre Freiheitsstrafe) oder dem Blogger Alaa Abd El Fattah (15 Jahre Freiheitsstrafe, seit Kurzem auf Kaution bis zur nächsten unfairen Gerichtsverhandlung auf freiem Fuß) - wäre exemplarisch abzulesen, wie tief der Kontrast zwischen der zum Teil lächerlich dünnen Beweislage und dem unbedingten politischen Willen ist, der darauf drängt, jeglichen Dissenz zum Schweigen zu bringen.

Das trifft, wie die genannten prominenten Beispiele im kleinen Rahmen zeigen, nicht nur das Umfeld der Muslimbrüder, sondern auch Vertreter der sogenannten säkularen Opposition. Kritik wird unnachgiebig bestraft. Der "Kampf gegen Terrorismus" ist ein opportuner Vorwand, der in der Extended Version die Vorlage für Unterdrückung nach allen Seiten liefert, wie selbst der nicht gerade der politischen Subversion oder des Islamismus verdächtige US-Think Tank Council on Foreign Relations feststellt:

Heute steht Sisi nicht nur einer Repression vor, die gegen islamistische Kräfte und die Muslim Brüder gerichtet ist, sondern auch einer Repression von Gruppen, die in der Mitte angesiedelt sind, oder links-liberal sind und demokratisch, die sich ein offeneres Ägypten wünschen, als dies die Armee erlaubt.
...
http://www.heise.de/tp/artikel/43/43049/1.html
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ManOfConstantSorrow

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #50 am: 20:10:21 So. 29.Januar 2017 »
Zitat
Auch ägyptische Ölarbeiter werden verfolgt. Ihr Verbrechen: Streik



Streiks in ÄgyptenZwar: Bisher hat sich das Regime der ägyptischen Militär-Kamarilla noch nicht getraut, ein Urteil gegen die streikenden Werftarbeiter aus Alexandria zu veröffentlichen, obwohl der Prozess gegen diese Kollegen, die ihre einfachsten Grundrechte in Anspruch nahmen, bereits seit Juni 2016 läuft. Aber: Das hindert das reaktionäre Regime nicht daran, auch weiterhin streikende Arbeiter, die nicht ihrem militärisch geprüften „Gewerkschaftsverband“ angehören, zu verfolgen. Wie es jetzt der Belegschaft von IFFCO, Ölgesellschaft in der Region Suez ergeht. In dem Solidaritätsaufruf „Egypt: independent union at IFFCO under attack“ am 18. Januar 2017 bei der International Union of Food, Agricultural, Hotel, Restaurant, Catering, Tobacco and Allied Workers’ Associations (IUF) werden Zahlen genannt: 9 bei Razzien zuhause verhaftete Gewerkschaftsaktivisten, 13 im Betrieb  festgenommene Streikende und entsprechend angekündigte Prozesse. Die Petition gegen diese neue Verfolgungsjagd haben bisher weit über 4.000 Menschen unterzeichnet – wozu auch LabourNet Germany aufruft.
http://www.labournet.de/?p=110437
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tleary

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #51 am: 09:00:33 Do. 02.Februar 2017 »
Ist schon immer seltsam, daß man von derartigen Streikaktionen in den etablierten Medien hierzulande so rein gar nix lesen kann. Man sollte sie wohl nicht "Lügenpresse", sondern besser als "Totschweigepresse" beschimpfen.
»Wir wissen, so wie es ist, kann es nicht weiter gehen. Aber es geht weiter.«
(Autor unbekannt)

counselor

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #52 am: 20:03:08 Do. 02.Februar 2017 »
Da hast Du Recht! Die Presse schweigt vieles, was eigentlich wichtig ist, tot. Irgendwo hab ich da mal den Begriff "Lückenpresse" gelesen!
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Rudolf Rocker

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #53 am: 20:13:47 Do. 02.Februar 2017 »
Wiso? Berichtet die ägyptische Presse über die Streiks hier in Deutschland? Nein? Verdammte Lügenpresse!
Wenn die Medien hier über jeden Streik auf der Welt berichten würden, würde die tagesschau alleine damit schon locker zwei Stunden füllen!

Sunlight

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #54 am: 20:47:20 Do. 02.Februar 2017 »
Da hast Du Recht! Die Presse schweigt vieles, was eigentlich wichtig ist, tot. Irgendwo hab ich da mal den Begriff "Lückenpresse" gelesen!

Sicher und Wikipedia sagt dazu:
Zitat
Lügenpresse

Lügenpresse ist ein politisches Schlagwort, das polemisch und in herabsetzender Absicht auf mediale Erzeugnisse gerichtet ist und sich seit der Mitte des 19. Jahrhunderts im deutschen Sprachraum nachweisen lässt. Zunächst wurde es gelegentlich von konservativen Katholiken gegen die im Zuge der bürgerlichen Revolutionen entstandene liberale Presse gewandt. Im Kontext des Ersten Weltkrieges fand „Lügenpresse“ sehr viel häufiger Verwendung; hier bezeichnete es aus Sicht Deutschlands und Österreich-Ungarns die Presse der Feindstaaten. Sowohl vor als auch im Nationalsozialismus nutzten NS-Agitatoren das Schlagwort im Rahmen ihrer antisemitischen Verschwörungstheorie zur Herabsetzung von Gegnern als Kommunisten und Juden sowie der Behauptung einer Steuerung der Presse durch ein „Weltjudentum“. Nach der Machtergreifung und der Gleichschaltung der Inlandspresse wurden die Medien der späteren Kriegsgegner mit „Lügenpresse“ geschmäht.

Darüber hinaus fand „Lügenpresse“ auch in Organisationen der Arbeiterbewegung zur Abwertung von als bürgerlich oder kapitalistisch wahrgenommenen Teilen der Presse sowie in der Exilpresse als Bezeichnung für die gleichgeschalteten NS-Medien Verwendung. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam das Wort zunächst nur mehr sporadisch vor. Die ab August 1945 erscheinende Frankfurter Rundschau verstand sich explizit als Gegenentwurf zu „Hugenbergs Lügenpresse“.[1] In den Medien der DDR wurde das Wort im Kalten Krieg gelegentlich zur Herabsetzung der westdeutschen Presse benutzt.

Seit Beginn des 21. Jahrhunderts wird der Begriff Lügenpresse – zumal in Deutschland – vorrangig von rechtsextremen und rechtspopulistischen, völkischen oder auch fremdenfeindlichen und islamophoben Kreisen verwendet, zunächst von Teilen der Hooligan-Szene, bekannter seit 2014 als Parole bei den von Dresden ausgehenden Pegida-Demonstrationen sowie bei Demonstrationen der AfD. Hier ist sie mit Gewaltdrohungen und Gewalt gegen Journalisten eng verbunden.

Im Januar 2015 wurde der Begriff von der Sprachkritischen Aktion Unwort des Jahres zum „Unwort des Jahres 2014“ gewählt.

WIKIPEDIA

Das am Rande OT dazu!
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counselor

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #55 am: 20:56:30 Do. 02.Februar 2017 »
Ich schrieb "Lückenpresse", nicht "Lügenpresse". Und das aus gutem Grund. Die Medien sind meisterlich darin, die Befreiungskämpfe in aller Welt totzuschweigen.
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Sunlight

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #56 am: 21:07:47 Do. 02.Februar 2017 »
Ich schrieb "Lückenpresse", nicht "Lügenpresse". Und das aus gutem Grund. Die Medien sind meisterlich darin, die Befreiungskämpfe in aller Welt totzuschweigen.

 ;) Sorry! Schrift klein, aber ich arbeite daran. Aber wenn unsere Medien tatsächlich über alle
Streiks  in der Welt berichtigen sollen, müssten wir tatsächlich auf alle restlichen Infos verzichten.
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Rudolf Rocker

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #57 am: 21:10:28 Do. 02.Februar 2017 »
Zitat
Die Medien sind meisterlich darin, die Befreiungskämpfe in aller Welt totzuschweigen.
Jupp, aber das sieht in der Facebook- Blase auch nicht besser aus!

Kuddel

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #58 am: 19:55:50 Do. 15.Juni 2017 »
Zitat
32 Arbeiter der ägyptischen Tochterfirma von HeidelbergCement zu je 3 Jahren Gefängnis verurteilt: Wegen Übernahmeforderung



Tourah Belegschaft vor Gericht: In Kairo demonstrierten die Zementarbeiter gegen die Verurteilung ihrer Kollehen am 9.6.2017Im Mai protestierten die Beschäftigten des Sicherheitsdienstes der Tora-Zementwerke in Kairo mit einem Sit-In: Weil das Unternehmen ein Urteil eines Bezirksgerichtes dann schon ein Jahr lang schlichtweg ignorierte, das ihnen die Übernahme in das Unternehmen zusprach – nach bis zu 15 Jahren Zeitarbeit. Die Reaktion, typisch für die al-Sisi Regierung, war eindeutig: Ein massiver Polizeiüberfall, bei dem die festgenommenen Arbeiter auch auf der Wache noch geschlagen wurden.  Und ein regelrechtes Schnellverfahren, in dem am 6. Juni 2017 nicht weniger als 32 Kollegen zu jeweils drei Jahren Haft verurteilt wurden, inklusive zwangsweiser körperlicher Arbeit während der Strafe. Der ägyptische Unrechtsstaat erlaubt es noch nicht einmal, für die Verwirklichung von Urteilen zu demonstrieren – es sei denn, es werden wieder einmal, wie so oft, billige Richter gefunden, die dann die protestierenden Arbeiter mit solchen Skandalurteilen terrorisieren. Jetzt hat eine internationale Solidaritätskampagne mit den 32 verurteilten Kollegen begonnen, zu deren Unterstützung auch LabourNet Germany aufruft.
http://www.labournet.de/?p=117528

Die Petition „Free the Workers of Tourah Cement –Egypt“ seit dem 14. Juni 2017 bei change.org externer Link richtet sich sowohl an das Justizministerium als auch an das Arbeitsministerium Ägyptens – und an den Chefmanager der HeidelbergCement
https://www.change.org/p/free-the-tourah-cement-workers

Kuddel

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Re:Ägypten: Stark ansteigende Streikzahlen
« Antwort #59 am: 13:53:41 Mi. 18.Oktober 2017 »
Das ägyptische Militär-Regime in der Offensive – gegen alles, was sich bewegt: Gewerkschaften, kritische Medien, NGO, LGBTIQ…



Demonstration für die Freilassung der Aktivisten der Steuergewerkschaft in Kairo am 5.10.2017„Wie viele Bürger- und Menschenrechtsverletzungen braucht es noch, damit die Bundesregierung ihre Unterstützung für das Regime in Ägypten einstellt? Zur Bekämpfung von ‚Extremismus‘ arbeitet insbesondere das Bundeskriminalamt eng mit der ägyptischen Nationalen Sicherheitsbehörde zusammen. Dabei handelt es sich um einen Geheimdienst mit Polizeibefugnissen, der nun gegen die Queer-Szene in Kairo vorgeht. Die Bundesregierung ist deshalb mitschuldig an den Massenverhaftungen“, kritisiert der europapolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Andrej Hunko. Nachdem sie bei einem Musikkonzert Regenbogenflaggen gezeigt hatten, wurden bislang mindestens 55 Personen festgenommen. Homosexualität ist in Ägypten nicht verboten. Die Betroffenen wurden wegen „Unzucht“ oder Prostitution verurteilt, Betreiber von Facebook-Gruppen wegen Anbahnung oder Förderung von „unzüchtigem Verhalten“. In Schnellverfahren fielen Urteile bis zu sechs Jahren…“ – aus der Pressemitteilung „Nach Verhaftungswelle in Queer-Szene: Polizeikooperation mit Ägypten endlich stoppen!“ von Andrej Hunko (MdB) vom 11. Oktober 2017 externer Link, der die neuesten Maßnahmen des Regimes zum Anlass nimmt, die Forderung nach einer Beendigung der Unterstützung dieses blutigen Freundes der BRD (alleine mehr als 900 offizielle Todesurteile seit dem Putsch der al Sisi-Bande) zu erneuern. Siehe dazu vier weitere aktuelle Beiträge zu verschiedenen Repressionsmaßnahmen, sowie drei Berichte über Gegenwehr:

http://www.labournet.de/?p=122842