Autor Thema: Gefährlcihe Medikamentenkombinationen  (Gelesen 2103 mal)

scalpell

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Gefährlcihe Medikamentenkombinationen
« am: 08:42:06 Do. 02.Oktober 2008 »
8. September 2008

Gefährliche Medikamenten-Cocktails

Kombinationen können Schäden anrichten
Medikamente beeinflussen sich gegenseitig. Manche Kombinationen können sogar Schäden anrichten. Das Berner Inselspital baut ein Warnsystem auf, mit dem heikle Präparate-Kombinationen automatisch erkannt werden. Im Alltag kann aber kaum ein Arzt den Überblick behalten. Dazu kommt, dass sich Patienten selbst in der Apotheke eindecken.

Vor allem ältere Menschen sind von diesem Problem betroffen, wie die Sendung «Puls» berichtet. Denn je mehr Medikamente jemand schluckt, desto grösser die Gefahr, dass es zu einer gefährlichen Mischung kommt. Menschen über 60 nehmen im Schnitt drei oder mehr Medikamente pro Tag.

Wechselwirkungen verursachten jedes Jahr geschätzte 100 Millionen Franken an Gesundheitskosten: Gerd Kullak, Professor für Pharmakologie am Universitätsspital Zürich hat Studien aus dem Ausland über die Häufigkeit solcher unerwünschter Interaktionen auf die Schweiz hochgerechnet.

Tödliche Konsequenzen

Rund 5 Prozent der Fälle aber haben gefährliche Konsequenzen. Laut Kullak sterben jedes Jahr 1000 bis 2000 Menschen an den Folgen von Wechselwirkungen. Das Problem sei, dass die Todesursache Wechselwirkung oft nicht erkannt werde.

Auch die Ärzte können kaum die Übersicht behalten. Unter den 6500 in der Schweiz erhältlichen Medikamenten sind 40'000 Wechselwirkungen bekannt. Dazu kommt, dass ein Arzt im Schnitt 30 bis 40 Patienten pro Tag sieht.

Computer-Programme sollen helfen

Verschiedene Schweizer Spitäler entwickeln heute Medikations-Software. Diese warnt den Arzt, sollte er zwei Medikamente mit bekannten Wechselwirkungen verschreiben.

Allerdings sind sich die Fachleute einig, dass auch das beste Computersystem immer nur ein Hilfsmittel in den Händen der Ärzte bleiben wird. Denn die Programme kennen wohl Wechselwirkungen zwischen zwei Medikamenten – bei komplexen Cocktails aber stösst auch der Computer an seine Grenzen.

Die beste Massnahme gegen unerwünschte Wechselwirkungen ist, als Patient selber kritisch und aufmerksam zu bleiben.

 Quelle

Scalpell   8)
Die Plutokraten haben das Ruder in die Hand genommen
Die "Politiker" sind ihre Stimme

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Gefährlcihe Medikamentenkombinationen
« Antwort #1 am: 16:39:20 Do. 02.Oktober 2008 »
Scalpell,
die Beiträge sind interessant und bereichern das Forum. Ich möchte Dich jedoch bitten, etwas mehr zur Übersichlichkeit beizutragen und nicht ständig neue Threads zu beginnen, obwohl viele Beiträge zusammengehören.

Deine wichtigsten Themen sind in meinen Augen:

-Die Machenschaften der Pharmaindustrie und ihrer Lobby.
-Die (Neben)wirkungen von Medikamenten.
-Die Ärtzteschaft und das Gesundheitswesen.
-Die Gesundheitspolitik der Bundesregierung.

Wilddieb Stuelpner

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Gefährlcihe Medikamentenkombinationen
« Antwort #2 am: 14:59:07 Mi. 15.Oktober 2008 »
... lebensbedrohlicher, unkontrollierter Chinaimport an gepanschten und verdreckten Medikamenten:

MDR, Sendung "exakt" vom 14.10.2008, 20:15 Uhr: Gefährliche Medikamente aus dem Reich der Mitte

Manuskript des Beitrages

von Knud Vetten, Karsten Scholtyschik

Chinas billige Waren überschwemmen den Weltmarkt. Mittlerweile kommen 70 Prozent der Medikamente aus dem Fernen Osten und das hat dramatische Folgen für die Patienten.

Es ist eine lebensbedrohliche Situation eingetreten, als Doktor Johann Nußer alarmiert wird. Zu diesem Zeitpunkt ahnt der Chefarzt der Anästhesie am Klinikum Passau nicht, dass er Zeuge eines Pharmaskandals wird. Patienten waren kurz nach der Verabreichung des blutverdünnenden Medikamentes Heparin kollabiert.

O-Ton: Dr. Johann Nußer, Klinikum Passau
"Was dann bedrohlich gewesen ist, dass sie dramatische Blutdruckabfälle entwickelt haben, teilweise nicht mehr messbare Blutdrücke gehabt haben. Sodass man dann das gesamte Spektrum der Intensivmedizin und der anästhiologischen Maßnahmen hat einsetzen müssen, um den Kreislauf zu stabilisieren."

Zur gleichen Zeit 470 Kilometer entfernt wartet auch Karl Stichter auf seine Behandlung. Seit einem Schlaganfall und einer Niereninsuffizienz muss der 85-Jährige zur Dialyse. Auch er bekommt den Blutverdünner Heparin verabreicht. Kurz darauf bricht sein Kreislauf zusammen, auch bei ihm geht es nun um Leben und Tod.

O-Ton: Karl Stichter
"Die Übelkeit, gegen die ich versucht habe anzukämpfen, die wurde immer stärker. Und da habe ich gemerkt, ich brauche doch Hilfe. Und als ich den Alarmknopf drücken wollte, war es zu spät, da war ich schon weg, da war ich bewusstlos. Und Gott sei Dank hat mein Bettnachbar das mitgekriegt und sofort den Alarm ausgelöst."

Die Ärzte können Karl Stichter retten, warum er kollabierte, dafür gibt es zu diesem Zeitpunkt noch keine Erklärung. Alles nur Zufälle? Zurück zum Passauer Klinikum. Anästhesist Johann Nußer registriert an nur einem Tag hintereinander drei Patienten, bei denen die Operation einen dramatischen Verlauf nimmt.

O-Ton: Dr. Johann Nußer, Klinikum Passau
"Wir hatten ja ganz großes Glück, dass drei Fälle an einem Tag aufgetreten sind. Das hat uns hellhörig gemacht und wir hatten das dann gemeldet. Die Konsequenzen sind in Deutschland dann sehr rasch gezogen worden."

Der Auslöser für die lebensbedrohlichen Schockreaktionen, das Medikament Heparin, ist ein Standardmittel um Blut flüssiger zu machen, Thrombosen zu verhindern. Es wird massenhaft eingesetzt - täglich in Deutschland rund 700.000 Mal.

Hauptlieferant der Grundsubstanz ist China. Der Wirkstoff für das Medikament wird eigentlich aus Schweinedärmen gewonnen - eigentlich...

O-Ton: Axel Thiele, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)
"Heparin ist ein Naturstoff, ein Gemisch aus vielen verschiedenen Substanzen. Und wir haben festgestellt, dass es verunreinigt wurde mit einer synthetisch hergestellten Substanz, die zwar der Natursubstanz relativ ähnlich ist, die aber im normalen Produktionsprozess nicht vorkommt. Deswegen gehen wir davon aus, dass es eine wissentliche Verunreinigung war, insbesondere deswegen, weil ein sehr hoher Preisunterschied war zwischen dem Heparin und der Verunreinigung. Sodass man vermuten kann, dass es auch kommerzielle Gründe hatte, dieses zu strecken."

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte entscheidet einen Rückruf der gefährlichen Heparinchargen. Sie werden aus dem Verkehr gezogen, gut 100.000 Fläschchen. Allein in Deutschland haben 40 Patienten Schockreaktionen, die Hälfte gerät in Lebensgefahr. Doch auch andere Staaten haben das verunreinigte Medikament bezogen. In den USA sterben mehr als 100 Patienten, weil die Beimischungen nicht rechtzeitig entdeckt wurden.

Wir treffen den Medikamentenexperten Harald Schweim von der Universität Bonn. Unabhängig vom Heparinskandal warnt er vor einer unheilvollen Entwicklung.

O-Ton: Harald Schweim, Universität Bonn
"Das Problem ist, dass auf unserer Seite das Thema ist: billig, billig, billig. Und wenn man dann Grundstoffe in China einkauft, das bereit ist, den letzten Dreck zu liefern, Hauptsache der Preis stimmt, dann kann aus 'billig, billig' sehr leicht 'lebensgefährlich' werden."

Die deutsche Firma, die das zuerst auffällige Heparin bei uns auf den Markt gebracht hat, ist das Pharmaunternehmen Rotexmedica aus Schleswig-Holstein. Von dort kein Interview - man fühle sich selbst als Opfer krimineller Machenschaften.

Fakt ist: Bei Einfuhren nach Deutschland sind die Importeure verpflichtet zu prüfen, ob die notwendigen Substanzen im Medikament stecken und wie deren Wirkung ist. Die Labore, die das verunreinigte Heparin testeten, hatten aber keine Chance:

O-Ton: Axel Thiele, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)
"Da es sich um eine bislang unbekannte Substanz handelt, konnte man darauf nicht prüfen. Das ist insbesondere schwierig, wenn es sich um pflanzliche oder tierische Vielstoffgemische handelt. Man kann nicht jeden einzelnen Stoff da selektiv untersuchen."

Heißt, das kann immer wieder passieren, man muss sich halt auf die chinesischen Händler verlassen. Doch die haben im Fall Heparin noch nicht einmal erklärt, woher die giftige Substanz überhaupt gekommen ist. Ob es je rauskommt, ist eher fraglich.

Tatsache ist jedoch, dass es, wie bei etlichen Medikamenten, inzwischen kaum noch Alternativen zu den Lieferungen aus China gibt. 70 Prozent des deutschen Heparinbedarfes kommt aus China.

O-Ton: Axel Thiele, Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)
"Im Augenblick sieht es so aus, dass ein relativ großer Anteil nur aus China bezogen werden kann."

O-Ton: Harald Schweim, Universität Bonn
"Das heißt, wir machen uns hier auch abhängig von solchen entsprechenden Lieferquellen und wenn die nicht liefern, dann haben wir nichts."

Solange die Abhängigkeit so bleibt, gibt es im Grund nur einen Weg, um Patienten wie Karl Stichter zu schützen: Kontrollen müssen verbessert, Auffälligkeiten international schnell verbreitet werden. Am Ende aber bleibt es ein Wettlauf mit den Panschern.

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2008, 13:01 Uhr