Autor Thema: Ärzte: Höre nichts sehe und sage nichts und das wollen angesehene Leute sein??  (Gelesen 1242 mal)

scalpell

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  • ERRARE HUMANUM EST Irren ist menschlich
Ärzte gehen selten offen mit ihren Fehlern um.

Behandlungsfehler und die Folgen

Arzt am Pranger

Wenn Ärzte irren, können die Folgen nicht nur für die Patienten fatal, sondern auch für die betroffenen Kollegen tragisch sein. Hier werden bisweilen Existenzen vernichtet. Der Psychiater B. Mäulen zeigt im folgenden Beitrag, wie Ärzte mit der eigenen Fehlbarkeit besser umgehen können und gibt Hilfestellung zur Schadensbegrenzung bei echten oder vermeintlichen Behandlungsfehlern. Von einer Klage betroffene Kollegen und Kolleginnen erhalten überdies Tipps zur Krisenbewältigung sowie Vorschläge zur Selbsthilfe.
(Anmerkung: Woher bekommt der Patient der zu Schaden gekommen ist HIlfe??????)

Die Ansprüche der Patienten an Ärzte werden immer zahlreicher, die Sche- re zwischen dem, was die Medizin kann, und dem, was in der Praxis als ausreichend und zweckmäßig bezahlt wird, öffnet sich immer weiter. Kommt es zu einem Schaden, wehren sich immer mehr Patienten erfolgreich, die Patientenschutzbünde schließen sich gegenwärtig zu einem nationalen Forum zusammen, die Politiker stärken die Rechte der Patienten und die Krankenkassen richten Beratungsstellen ein, um Patienten bei vermeintlichen Kunstfehlern den Weg zu einem Schadensersatz zu weisen. Müssen wir Ärzte angesichts dieser Entwicklung „die Wagenburg zur Rundumabwehr“ schließen oder werden wir Partner in einem konstruktiven Umgang mit den Fehlern und den Opfern dieser Fehler?

Mit den eigenen Fehlern offener umgehen Im Gespräch mit betroffenen Kollegen und im Austausch mit Richtern habe ich immer wieder gesehen: Die jetzige Ärztegeneration begreift sich bestenfalls in Ansätzen als Dienstleistende, deren Tun regelmäßig auch kritisch und vor Gericht geprüft wird. Jeder Handwerker rechnet mit einem bestimmten Prozentsatz an Regressen, wir Ärzte spalten hier unsere eigene Fehlbarkeit in enormer, ja fast narzisstischer Weise ab. Kommt es zur Klage, fühlen wir uns im Kern bedroht und reagieren emotional über. Sowohl individuell als auch kollektiv fehlt uns eine vorausschauende Bewältigung Es reichder Grenzen des eigenen Könnens. Dabei sind sich alle Experten einig:  nicht nur gut haftpflichtversichert zu sein, wir müssen auch persönlich verantwortlich sein und lernen, mit möglichen Fehlern umzugehen.

Was also sind die Voraussetzungen für einen offeneren Umgang mit den Fehlern von uns Ärzten? Bei allem Bemühen werden wir weder in der Medizin allgemein noch individuell persönlich fehlerfrei arbeiten. Besser als ein unerfüllbares Berufsideal von Perfektion zu kultivieren ist es, die eigenen Grenzen zu sehen und anzuerkennen, die eigene Fehlerhaftigkeit zu akzeptieren. Wir müssen aufräumen mit der mentalen Fehlattributisierung: Wer als Arzt einen Fehler macht, sei ein schlechter Arzt. Vielmehr machen auch fähige Kollegen Fehler. Mit der gewachsenen Erfahrung, der Ausweitung der Praxis, der hierarchisch höheren Position, ja sogar mit der Zahl der akademischen Ehren steigt die Wahrscheinlichkeit, verklagt zu werden. Wir Ärzte müssen lernen, untereinander offener über Fehler zu reden! Wir brauchen die Erlaubnis, die Geduld und das kollegiale Verständnis anderer in diesem Prozess. Damit meine ich nicht, dass eine Krähe der anderen kein Auge aushackt, also Fehler vom System vertuscht werden. Anmerkung:  Gemaiu das ist aber die Regel und ob sich dias wirklich ändert da habe ich große Zweifel. Da ich selbst gerade solch einen Prozess führe weiß ich wovon ich rede.
Vielmehr geht es um die breitere Diskussion des Umgangs mit Fehlern, das Hineinnehmen in Ausbildungscurricula, ggfs. auch in die Niederlassungsberatung so wie in die Fortbildung der in der Praxis tätigen Kollegen. Neben der individuellen Verantwortung und Verarbeitung ärztlicher Fehler ist eine systemische Veränderung nötig (und wird durch die aktuelle Rechtsprechung auch unumgänglich): Die kontinuierliche Optimierung von Praxisteams/Praxis- und Klinikorganisation Richtung Fehlerminimierung. Das bedeutet konkret beim Auftreten eines Fehlers in der Medizin: den Fehler analysieren — denselben Fehler in der Zukunft ver- meiden allgemein gefährliche Situationen erkennen und vermeiden.
 
Wenn etwas schiefgeht wie reagieren Sie? Verklagt zu werden ist für die meisten Ärzte ein Trauma! Anmerkung:  Was ist mit dem Trauma des Patienten. Siehe Contergan.
Das emotionale Gleichgewicht geht verloren. Je nach Persönlichkeit und Art der Schädigung kommt es zu verschieden schwer wiegenden Folgeerscheinungen (Tabelle 1 auf S. 6). Größere Untersuchungen an betroffenen Ärzten zeigen, dass die Mehrzahl von ihnen zumindest über einen gewissen Zeitraum negative Veränderungen an sich und ihrem Umfeld feststellen. Einige Kollegen sind krisenfester als andere, manche brechen innerlich zusammen, andere legen ihre Gefühle auf Eis und arbeiten stur weiter. Andere etwa solche mit einer zusätzlichen privaten Krise oder einer Suchterkrankung – müssen mit erhöhter Vulnerabilität rechnen. (Risikogruppen in Tabelle 2 auf S. 8) Die Reaktionen der Ärzte (und Krankenhäuser) nach einem Zwischenfall durchlaufen häufig gewisse Phasen:

1.
Nicht wahrhaben wollen Betroffene äußern: „Das kann gar nicht sein, das ist ausgeschlossen, so etwas kann mir nicht passieren“ (Verleugnung). Es kommt zu Rückzugsverhalten und Isolation. Seitens der Institution Praxis oder Klinik wird jeder Fehler bestritten, dem Patienten oder dritten wird die Schuld gegeben, statt Überprüfung der eigenen Handlungen und Feststellen der Fakten wird pauschal erklärt: „Alle Beteiligten haben zu jeder Zeit ihr Bestes gegeben.“

2.
Zorn Wenn Patienten, Anwälte, Medien etc. hartnäckig den Fehlervorwurf aufrecht erhalten, kommen u. U. aggressiv getönte Gedanken: „Die wollen nur Geld, jemand will mich fertig machen etc.“.  Anmerkung: Wenn ich diesen Schwachsinn lese stehen mir die Haare zu Berge. Die Ärzte haben doch die Pharmalobby im Rücken die ihnen den Weg auch vor Gericht ebenen so daß sie immer mit einem blauen Auge davon kommen. Niemand interessiert sich von denen was aus dem geschädigten Patienten wird.

3.
Verhandeln Eigenes Mitbeteiligtsein am Fehler wird zögernd und schrittweise zugegeben: „Vielleicht war die Aufklärung/Dokumentation/ OP nicht ganz optimal, aber ich/wir hatten einen schweren Tag, überraschend ist ein Mitarbeiter krank geworden, der Krankheitsverlauf war untypisch, das OP-Feld war besonders unübersichtlich, mit so etwas konnten wir nicht rechnen etc.“

4.
Niedergeschlagenheit Die Gedanken an den Prozess verdrängen alles andere und werden immer negativer: „Das ist mein berufliches Ende, der Richter, die Anwälte, die Medien machen mich fertig, die Kollegen werden mich verachten etc.“ Anmerkung: Es ist genau umgekehrt, nicht der Arzt sondern der Patient wird von den Richtern ferig gemacht, weil er eben keinen Lobby hat. Die Kollegen fühlen sich sehr depressiv, einige fassen den Entschluß ihren Beruf aufzugeben oder das Facharztgebiet zu wechseln, u. U. erfolgt eine krisenhafte Zuspitzung mit Suizidalität.

5.
Akzeptanz der Situation:  Schrittweise stellt sich das emotionale Gleichgewicht wieder ein, man kann sehen, dass man auch nach einem (schweren) Fehler weiterarbeiten kann und darf, dass die juristischen/psychischen und finanziellen Folgen zu überstehen sind. Die obigen fünf Phasen ähneln denen, die Dr. Elisabeth Kübler-Ross bei Sterbenden beschrieben hat. In beiden Si- tuationen muss die Psyche mit einer subjektiv stark bedrohlichen Realität zurecht kommen. Parteien vor Gericht Ist ein Schaden entstanden und kommt es zu einem Gerichtsverfahren, so stehen verschiedene Parteien mit kontrastierenden Bedürfnissen einander gegenüber: Arzt, Patient, Anwälte, Haftpflichtversicherung. Gelingt es nicht, einen Ausgleich für alle zu finden, drohen lange Verfahrenszeiten. So gibt es Situationen, in denen der Arzt seinen Fehler zugibt und mit dem Geschädigten einen schnellen, großzügigen Prozessausgang anstrebt, womit die Haftpflichtversicherung i. d. R. nicht einverstanden ist. In anderen Fällen ist es der Wunsch des Arztanwalts, dass der verklagte Arzt nichts ohne ihn unter- nimmt und ansonsten „den Mund hält“, wogegen der Arzt am liebsten jeden sofort von seiner Unschuld überzeugen will.

Die Wünsche der Patienten bzw. ihrer Angehörigen sind nicht primär die nach einer hohen Geldsumme, sondern vielmehr, dass der Arzt für einen Fehler einsteht und Verantwortung übernimmt, manchmal auch, dass er bestraft wird. Patient und Arzt wünschen sich ein schnelles Verfahren, Haftpflichtversicherer und bei entsprechender Publizität des Falls in den Medien  auch die Anwälte häufig eine längere Prozessdauer. Versicherer wollen naturgemäß viele Freisprüche bzw. Verfahrenseinstellungen, da sie nur so niedrige Prämien anbieten und gegenüber der Konkurrenz bestehen können.

Checkliste für den Notfall
Gerade weil die emotionalen Reaktionen so stark sind, verpassen viele Kollegen nach einem Schadensereignis die Chance der Korrektur bzw. der Schadenseingrenzung. Dabei kann jeder Arzt mit einer Art Checkliste dafür sorgen, dass bei einem Notfall bzw. Fehler zweckentsprechend vorgegangen wird. Nachfolgend einige Vorschläge, die je nach Praxis oder Klinik variiert werden müssen: ³ Sorge um den Patienten und seine Angehörigen Sorge um sich selbst als Arzt Administrative bzw. juristische Schritte Fehlerprophylaxe für die Zukunft

Erster Schritt:
Sorge um den Patienten An erster Stelle steht die Sorge um den Patienten: persönliche Ansprache, gründ-iche Untersuchung, ggfs. Hinzuziehung weiterer Ärzte, Anordnung weiterer Maßnahmen, engmaschige Betreuung völlig unabhängig von irgendeiner Schuldfrage, intensive Bemühung um den Patienten und sein Wohl. Zum Ausdruck von Anteilnahme und Sorge gehört auch, dass Sie oder jemand aus Ihrem Team sich um die Angehörigen bemüht. Was die Wahrscheinlichkeit einer späteren Klage angeht, werden sehr oft an diesem Punkt die meisten Chancen verspielt, denn die allermeisten Patienten, die sich geschädigt fühlen und klagen, berichten, dass sie die Anteilnahme, die aktive Bemühung und Betroffenheit des Arztes am stärksten vermisst haben. Daraus entsteht oft ausdauernder Groll. Allzu oft haben Geschädigte den Eindruck: „Die (Ärzte, Pflegekräfte, Sanitäter etc.) haben ab dem Zeitpunkt X alle nur noch versucht, Ihre Haut zu retten.

Zweiter Schritt:
Sorge um sich selbst
An zweiter Stelle steht die Sorge um sich selbst als Arzt bzw. um nachgeordnete Ärzte/innen und Pflegekräfte, evtl. das Behandlungsteam. Ein Fehler, eine drohende Klage bringt uns als Helfer in Not. Oft gelingt es, sich nach dem ersten Schock wieder zu fangen, nicht alle der nachfolgenden Vorschläge sind in jedem Falle nötig. Trotzdem soll zunächst auf die Tabelle 3 hingewiesen werden.

Ziehen Sie andere ins Vertrauen!
Nach einem Fehler, der einen Patienten schädigt, nach Kenntnisnahme von einer Klage können unmittelbare Führung, Stützung ggf. auch direkte Handlungsanweisungen hilfreich sein. Während Klinikärzte sich durch eine telefonische Beratung mit dem Diensthabenden oder Chef Unterstützung holen können, sind Niedergelassene auf kollegiale Unterstützung angewiesen. Hier braucht es den Mut, sehr früh einen vertrauten oder befreundeten Kollegen um Unterstützung zu bitten. Meist ist die Angst und Scham jedoch zu groß, um diesen wichtigen Schritt zu tun. Dabei kann das Gespräch z. B. mit dem Chefarzt der nahe gelegenen Klinik oft wichtige Hilfen geben. Passiert der Fehler in der Klinik, dann geht es auch um die Überprüfung, ob der in den Behandlungsfehler verwickelte Arzt noch weiter arbeiten kann, oder erst mal pausieren muss. Sorge um die Mitarbeiter heißt auch, dass nach einem gravierenden Fehler die Betroffenen nicht sofort abgestraft, nicht unnötig bloßgestellt oder beschämt werden. Mit etwas Abstand kann dann eine Aufarbeitung des Fehlers gelingen, unmittelbar bei dem Ereignis sind die Beteiligten i.d.R. so schwer psychisch belastet, dass weiterer Druck nur schadet. Offen bleibt, welche Art von Unterstützung man selbst oder betroffene Mitarbeiter brauchen, um mit Schuldgefühlen und realer Schuld umzugehen. Hier kann früh einsetzende Su- pervision, einige Gespräche mit einem Vertrauten oder therapeutischen Helfer eine bleibende Beeinträchtigung des Berufslebens und der beruflichen Lebensqualität reduzieren. Es braucht Zeit, um einen eigenen Weg zwischen geradliniger offener Verarbeitung in Ehrlichkeit und maximaler Verleugnung, Orientierung an dem, was juristisch nützlich ist, zu gehen. Oft sind andere Ärzte, die durch einen Prozess und Verurteilung durchge- gangen sind, die einfühlsamsten Zuhörer. Derzeit gibt es Bestrebungen, eine Selbsthilfegruppe bzw. ein Unterstützungsnetz auch in Deutschland aufzubauen.

Administrative und juristische Schritte
Hierzu gehören die genaue Feststellung des Geschehensablaufs, Kopie und Sicherstellung der Karteikarte bzw. Krankenakte, vorläufige Einschätzung des möglichen Fehlers, eine praxis- bzw. abteilungsinterne Besprechung, wenn nötig die Information der weiteren diensthabenden Ärzte, u. U. die Vorbereitung einer schriftlichen Stellungnahme für Behörden oder Medien und die Meldung an die diversen Versicherungen. Aus den Fehlern lernen — Bilden Sie sich regelmäßig in Haftungsfragen, Aufklärung etc. fort. Geeignete Seminare bieten u. a. die Versicherungen an, z. B. die DBV Winterthur, München Regelmäßige Qualitätssicherung, Mitarbeit in Qualitätszirkeln Abteilungsspezifische Fehlerkonferenzen .Nach einem Fehler Maßnahmen durchführen, damit der Fehler so nicht mehr auftreten kann.

Für Kliniken:
regelmäßige Risiko aufdeckende interne Revision bzw. interdisziplinäre Visiten Incident reports: ungefilterte, anonyme schriftliche Meldung aller Situationen, die von den Mitarbeitern für gefährlich gehalten werden Schriftliche Festlegung so genannter Hausstandards, wie in bestimmten Situationen vorzugehen ist Ein besserer Umgang mit Fehlern wird nicht über Nacht gelingen, er wird zunächst auch gegen innere Widerstände thematisiert und umgesetzt werden müssen. Dazu können auf Konferenzen, bei Treffen von medizinischen Fachgesellschaften, in der Mittwochsfortbildung der niedergelassenen Kollegen entsprechende Fallbeispiele diskutiert werden. In den lokalen und überregionalen Ärzteorganisationen könnten Ansprechparter/innen für von einer Klage betroffene Kollegen benannt werden.

Quelle:
http://www.aerztliches-qualitaetszentrum.at/upload/behandlungsfehler-tipps_2000.pdf

Ärzte die ihre Fehler nicht eingestehen und sich auch noch Deckung von danderen Kollegen holen sind das Allerletzte. Mehr gibt es dazu nicht mehr zu sagen.
Gruss scalpell ?(
Die Plutokraten haben das Ruder in die Hand genommen
Die "Politiker" sind ihre Stimme