Autor Thema: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein  (Gelesen 51514 mal)

Fritz Linow

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Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
« Antwort #60 am: 12:29:35 Di. 30.März 2021 »
Pressemitteilung der GDS vom 29.3.21:
Zitat
Der Arbeitgeber legte bei der letzten Verhandlungsrunde am 22. März 2021 zwar ein verbessertes Angebot vor. Dieses reichte jedoch wiederholt nicht an die Forderungen der Belegschaft heran und wurde deshalb von den Kolleginnen und Kollegen in der Tarifkommission abgelehnt.

Am UKSH sollen nach dem Willen des Vorstandes die Beschäftigten in der SSN künftig auch weiterhin, wie Menschen 2. Klasse behandelt werden! Diese Haltung ist nicht akzeptabel und provoziert weitere Arbeitskampfmaßnahmen. Es wird deshalb ausgeweitete Warnstreiks geben.

In Bezug auf die gemeinsame Verantwortung gegenüber Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie gegenüber den Patientinnen und Patienten im UKSH bekundeten beide Seiten den Willen, eine Notdienstvereinbarung abzuschließen. Der Arbeitgeber übermittelte einen Entwurf einer Notdienstvereinbarung, nach der allerdings so viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingesetzt werden sollten, dass schon fast ein Regelbetrieb aufrechterhalten würde.

Nachdem wir darauf hingewiesen haben, dass ein Abschluss einer Notdienstvereinbarung keine Verhandlung werden sollte, sondern viel mehr eine Vereinbarung sein soll, welche ausschließlich Notdienste abdeckt und damit das Grundrecht der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Gesundheit der Patientinnen und Patienten schützt, legte der Arbeitgeber erneut eine Vereinbarung mit überhöhten Zahlen von einzusetzenden Beschäftigten vor.

Es ist ohnehin unverantwortlich, Tarifverhandlungen für Beschäftigte an einem Universitätsklinikum ins Stocken geraten zu lassen, es ist aber fahrlässig und patientenwohlgefährdend, wenn der Arbeitgeber das gleiche Verhalten beim Abschluss einer Notdienstvereinbarung an den Tag legt. Während eines persönlichen, konstruktiven und sehr ernsten Gesprächs zwischen der Geschäftsführung des UKSH und dem Vorstand der GDS konnte in letzter Minute Einigkeit erzielt werden, eine Notdienstvereinbarung mit unserer Gewerkschaft zu schließen, die eine effektive Notfallversorgung am UKSH sicherstellt. Es sollte wohl jedem klar sein, dass bei einem Streik nicht 90 Prozent der Belegschaft an ihren Arbeitsplätzen verbleiben, wie der Arbeitgeber sich dies wünschte! Bei einem Streik werden die Kliniken auf Notbetrieb heruntergefahren!

Der Verhandlungskommission wurde während der letzten Verhandlungsrunde offen damit gedroht, die von der SSN am UKSH erbrachten Leistungen an Dritte auszulagern. Auch von den Beschäftigten wird darüber berichtet, dass Vorgesetzte ganz bewusst und massiv Existenzängste schüren, um sie von der Ausübung ihres Grundrechts auf Streik abzuhalten. Dieses Verhalten werden wir sehr genau beobachten und nicht tolerieren.

Wir fordern weiterhin eine faire Entlohnung für die Beschäftigten in der SSN, denn mit der Ausgliederung von Teilen der Belegschaft des UKSH in eine Service-Gesellschaft im Jahr 2005, wurde eine Zwei-Klassen-Gesellschaft am Klinikum etabliert. Die Gehälter der Belegschaft reichen trotz guter Tarifabschlüsse in den letzten Jahren für die damals nicht erwartbaren Steigerungen der Lebenshaltungskosten nicht aus. Dies führte dazu, dass für mehr und mehr Kolleginnen und Kollegen ein Zweitjob oder eine Aufstockung ihrer Einkommen durch Leistungen aus den Sozialkassen notwendig wurden. Leistung muss sich wieder lohnen!

Wir fordern eine Bezahlung, die sich an der Entlohnung des öffentlichen Dienstes orientiert. Wir wollen die Gleichbehandlung mit den direkt am UKSH Beschäftigten, denn die Tätigkeiten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der SSN sind ebenso wertvoll und systemrelevant.

Die Beschäftigten in der SSN arbeiten in der Logistik, in der Verpflegung, der Medizinprodukteaufbereitung (AEMP), in der Hauswirtschaft, in der Serviceassistenz, der Verwaltung und noch in vielen weiteren Bereichen des UKSH.

Kuddel

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Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
« Antwort #61 am: 09:54:20 Mo. 05.April 2021 »

Fritz Linow

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Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
« Antwort #62 am: 14:36:38 Mo. 05.April 2021 »
Im Interview wird erwähnt, dass die Kieler Nachrichten nicht über den Streik berichten. Das Drecksblatt ist eng verbandelt mit dem UKSH. Dieser kleine Herzschmerzfilm der Förderstiftung des UKSH gibt eine Ahnung davon:


(Ein Gründungsmitglied der Förderstiftung war übrigens Detlef Uthoff, der mit 29 Millionen Euro Steuerschulden davon kam, womit wir mal wieder beim Kieler Kaufmann e.V. wären, nicht nur wegen ihm. Vielleicht später noch etwas mehr dazu...)

Fritz Linow

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Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
« Antwort #63 am: 13:52:18 Di. 13.April 2021 »
Beim UKSH haben Auslagerungen von Servicebereichen eine gewisse Tradition. 1986 wurde in Kiel unter einer CDU-Regierung die hausinterne Wäscherei aufgelöst und an die Firma Wulff Textil-Service vergeben. Die SPD opponierte, dass es nicht wirtschaftlich sei und die Arbeitsplätze eher mies seien. Der KBW berichtete schon 1976:

Zitat
Die Firmenleitung, bestehend aus der Senior-Chefin, Sohn, Schwiegersohn und Schwiegertochter, lungert den ganzen Tag im Betrieb herum, kontrolliert und treibt zur Arbeit an. Kaum, daß die Kolleginnen mal kurz miteinander sprechen, kommt einer an und fragt, ob man denn nichts zu tun habe. Kolleginnen, die mehrfach krank sind – aufgrund der elenden Arbeitsbedingungen sind Erkältungen natürlich an der Tagesordnung – werden bespitzelt. Familie Wulff ruft sogar beim Arzt an, um sich danach zu erkundigen, ob man tatsächlich und wie krank man denn sei! Entlassungen und Neueinstellungen kommen ständig vor: in der dreimonatigen Probezeit kann man von einem Tag auf den anderen entlassen werden.
https://mao-archiv.de/Scans/BRD/S-H/K/KBW/Kiel_KBW645.jpg

2003 wurde eine Ausgliederung weiterer Bereiche in eine Service Gesellschaft in Angriff genommen, und zwar unter tatkräftiger Mithilfe einer rotgrünen Landesregierung. Genüsslich konnte die CDU nun verkünden:
Zitat
„Wäre dies unter christlich-demokratischer Verantwortung geschehen, hätten die Sozialdemokraten dies mit einem Aufschrei der Entrüstung begleitet. (…)  Eine Politik vor allem zu Lasten der unteren Einkommensbereiche – auch dieses Beispiel macht deutlich, warum der kleine Mann bei der SPD keine Heimat mehr sieht.“
http://www.ltsh.de/presseticker/2004-03/29/11-02-57-5efa/PI-QGfmQV76-cdu.pdf

Diese neue Service Gesellschaft war aber immer noch zu teuer, trotz überwiegend befristeter Arbeitsverträge und bis zu 30% Einkommensverluste. Also wurde eine Teilprivatisierung beschlossen. Diese externe „Managementkompetenz“, eher Blutsaugermentalität, sollte den Laden auf Vordermann bringen. Der CDU-Wirtschaftsminister wusste 2009:
Zitat
Die Arbeitsbedingungen im Servicebereich- das ist eine feste Einschätzung - werden sich dadurch ändern, dass wir eine Produktivitätssteigerung erleben werden. Die ist auch Gegenstand der Business-Pläne, die damit einhergehen. Das heißt, es wird eine andere Form des Managements in diesen Bereichen geben. Das heißt, auch die Produktivität pro Mitarbeiter muss gesteigert werden. Das kann natürlich eine Veränderung des Arbeitsalltags nach sich ziehen.
http://www.landtag.ltsh.de/export/sites/ltsh/infothek/wahl17/plenum/plenprot/2009/17-003%5F11-09.pdf

Die Veränderung des Arbeitsalltags bestand darin, dass die Beschäftigten als Wegwerfmenschen behandelt wurden und man über Leichen ging, so ähnlich wie es der KBW schon 1976 bei Wulff Textilien geschildert hatte.

Jens Scholz als UKSH-Chef soll eine großspurige und teilweise übergriffige Art haben.

https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0036-1575334

Großspurig ist er auf jeden Fall. Die jährlichen Gesamtbezüge der Vorstandsmitglieder haben sich von 2003 bis 2019 nahezu verdreifacht, von 556 T€ auf 1440 T€. Dazu kommen jede Menge gutdotierter Stabsstellen, die selbst der Landesrechnungshof öffentlich anprangert, obwohl er ansonsten in Bezug auf das UKSH eher verschwiegen ist. Überhaupt werden Verschwiegenheit und Intransparenz großgeschrieben, seien es nicht einsehbare Beraterverträge und Gutachten, die der damalige vom Land beauftragte „Sanierer“ in zweistelliger Millionenhöhe vergeben hatte, seien es Ausschreibungen, Pöstchenschacherei usw. Hinzu kommt eine Politik, die nicht gewillt ist, für Klarheit zu sorgen. Je nach dem, wer gerade auf der Regierungsbank sitzt, wird halt ein wenig gemotzt, aber eigentlich können alle ganz gut damit leben. Es ist unglaublich, zumal das UKSH ein landeseigener Arbeitgeber ist.
Die Gewerkschaft ver.di sieht sich eher als Co-Manager, ist im Aufsichtsrat vertreten und hat auch schon mal zusammen mit einem ehemaligen Vorstandvorsitzenden ein Gutachten in Auftrag gegeben, das die Wirtschaftlichkeit untersuchen sollte. Ver.di hält sich an die Erzählung, dass das UKSH chronisch vor der Pleite steht, lobt sich eher für den Verzicht der Beschäftigten und wirkt  halbherzig. Die Forderungen der GDS für die ausgelagerten Servicekräfte passen so gar nicht in den Business-Plan, den sich eine politische und wirtschaftliche Klüngelrunde ausgedacht hatte.

Fritz Linow

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Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
« Antwort #64 am: 20:22:51 So. 18.April 2021 »

Fritz Linow

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Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
« Antwort #65 am: 18:17:26 Di. 20.April 2021 »
Zitat
20.4.21
Streik der Servicemitarbeiter am UKSH Lübeck und Kiel

Die Gewerkschaft der Servicemitarbeiter (GDS) hat 2.000 Mitarbeiter des UKSH in Kiel und Lübeck erneut zum Warnstreik aufgerufen. Die GDS rechnet mit etwa 800 Teilnehmern. Der Arbeitskampf beginnt morgen früh um 5 Uhr und soll 48 Stunden dauern. Betroffen sind unter anderem die Krankenhaus-Bereiche Küche, Wäscherei, Reinigungsdienst, Technik, Verwaltung und der Hol- und Bringdienst. Die Gewerkschaft rechnet damit, dass in den kommenden Tagen Untersuchungen und Operationen verschoben werden müssen. Notfälle würden aber behandelt. Die GDS fordert mehr Lohn in den laufenden Tarifverhandlungen. Das UKSH hat sich bisher noch nicht zu den Warnstreik-Plänen geäußert.
https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/kurznachrichten/Schleswig-Holstein-aktuell-Nachrichten-im-Ueberblick,news1438.html

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Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
« Antwort #66 am: 20:48:58 Di. 20.April 2021 »
In Kiel passieren gerade interessante Dinge.

Zitat
Einschränkungen drohen UKSH: Warnstreik der Service-Kräfte

Am UKSH drohen Einschränkungen in der Verpflegung, längere Wartezeiten und die Verschiebung von OP-Terminen. Die Gewerkschaft der Servicekräfte (GDS) ruft ihre Mitglieder bei der UKSH-Tochter Service Stern Nord (SSN) in Kiel und Lübeck für Mittwoch ab fünf Uhr zu einem 48-stündigen Warnstreik auf.
https://www.kn-online.de/Nachrichten/Schleswig-Holstein/Einschraenkungen-drohen-Am-UKSH-streiken-die-Service-Kraefte

Fritz Linow

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Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
« Antwort #67 am: 22:07:31 Di. 20.April 2021 »
Aus dem KN-Bericht:
Zitat
...wirft Verdi dem Konkurrenten vor, lediglich Tarifabschlüsse „auf Mindestlohnniveau“ erreicht zu haben.

Ich weiß nicht. Wenn man mal die Charité-Servicetochter CFM vergleicht, wo verdi den Arbeitskampf und vor allem die Tarifverhandlungen führt, dann kommt da zum Beispiel für die Reinigung 12.50 Euro raus, und zwar erst letzten Monat:
https://www.verdi-cfm.com/tarif/

Am UKSH gibt es bisher für Reinigung 10.87 Euro, und Zulagen gibt es am UKSH und bei der CFM. Doll ist das alles nicht, aber nun zu raunen...
Zitat
und notfalls juristische Maßnahmen einleiten.

...wäre es sinnvoller, wenn verdi seine Mitglieder, die auch bei der Service Stern Nord beschäftigt sind, ebenfalls am Streik beteiligen lässt. Die Möglichkeit gäbe es.

Kuddel

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Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
« Antwort #68 am: 09:49:33 Mi. 21.April 2021 »
Hier nochmal der komplette KN Bericht

Zitat
UKSH: Warnstreik der Service-Kräfte

Am UKSH drohen Einschränkungen in der Verpflegung, längere Wartezeiten und die Verschiebung von OP-Terminen. Die Gewerkschaft der Servicekräfte (GDS) ruft ihre Mitglieder bei der UKSH-Tochter Service Stern Nord (SSN) in Kiel und Lübeck für Mittwoch ab fünf Uhr zu einem 48-stündigen Warnstreik auf.


2005 hatte das Klinikum alle nichtmedizinischen Services ausgegliedert. Die rund 2000 Beschäftigten der SSN kümmern sich um alle Leistungen außerhalb des Medizinischen – von der Essensversorgung über Patiententransporte, Empfang und Telefonzentrale bis zur Sterilisation von OP-Instrumenten.
Gewerkschaft beklagt unfaire Bezahlung

Nach Darstellung der Gewerkschaft gibt es unter dem Dach der SSN eine Zweiklassengesellschaft. Da seien die, die ihre Verträge damals behalten konnten, und die, die seitdem neu eingestellt wurden: „Beschäftigte im UKSH in der Reinigung verdienen, wenn sie heute im öffentlichen Dienst anfangen, 2240 Euro monatlich“, sagt GDS-Vorsitzender Steffen Beckmann. Kolleginnen und Kollegen in der SSN erhielten für die gleiche Tätigkeit 1891 Euro. Die GDS fordert eine Angleichung an den Tarifvertrag der Länder (TVL) bis 2023. Rund 70 Prozent der Belegschaft seien GDS-Mitglied.

Notdienstvereinbarung ist wackelig


Brisant ist der Warnstreik deshalb, weil Arbeitgeber und GDS eine Notdienstvereinbarung getroffen haben, die auf tönernen Füßen steht. Die GDS wirft der Gegenseite vor, die Regelung bei den ersten Warnstreiks im März missbraucht zu haben, etwa dadurch, dass Notdienstkräfte für reguläre Dienste eingesetzt worden seien. Beckmann: „Sollten wir das erneut feststellen, behalten wir uns die Kündigung der Vereinbarung vor.“ Beim UKSH, das diesen Vorwurf von sich weist, heißt es: „Die Notdienstfähigkeit ist gesichert.“ Von 10 bis 12 Uhr sind Protestaktionen an beiden Standorten geplant.

Die Konfliktlinie verläuft nicht nur zwischen GDS und Arbeitgeber, sondern auch zwischen der Minigewerkschaft mit ihren insgesamt 2500 Mitgliedern und dem Riesen Verdi. Das Klima ist eisig – man wirft sich gegenseitig vor, nicht genug für eine angemessene Bezahlung der SSN-Kräfte zu tun. Während die GDS Verdi vorhält, 2005 „untätig“ geblieben zu sein, als die Servicegesellschaft gegründet und somit „Tausende Arbeitsplätze“ aus dem Tarifertrag des öffentlichen Dienstes ausgelagert worden seien, wirft Verdi dem Konkurrenten vor, lediglich Tarifabschlüsse „auf Mindestlohnniveau“ erreicht zu haben. „Das UKSH ist mit der GDS gut gefahren und bevorzugt diese Organisation in vielerlei Hinsicht“, sagt Steffen Kühhirt, Landesfachbereichsleiter Gesundheit und Soziales bei Verdi Nord. Fakt ist, dass das Klinikum für die SSN nicht mit Verdi verhandelt, sondern nur mit der GDS. „Derzeit sind wir nur aktiver Beobachter“, räumt Kühhirt ein. Mit dieser Rolle jedoch wolle man sich nicht zufriedengeben und notfalls juristische Maßnahmen einleiten. Sollte sich das UKSH nicht bewegen, werde man auf das Land als Eigentümer zugehen. Dem gibt Verdi eine Mitschuld an dem Konflikt. Kühhirt: „Jetzt rächt sich, dass man sich mit dem UKSH 2014 in den TVL geflüchtet und die Servicekräfte draußen vor gelassen hat.“

Das UKSH kontert die Vorwürfe der GDS, spricht von „fairen Entgelten“ und „marktgerechter Bezahlung“. Je nach Entgeltgruppe und Tätigkeit verdienten die Service- Beschäftigten zwischen 1933 und 3526 Euro plus Zulagen und Zuschläge. Darüber hinaus werde ein Sonderentgelt von 800 Euro gezahlt. Für GDS-Mitglieder komme ein gewerkschaftsabhängiges Urlaubsentgelt hinzu. Dieses soll nach dem Willen des Arbeitgebers allen Beschäftigten der SSN zugutekommen. Im Übrigen teile man das Ziel einer Angleichung an den Ländertarif. Dies zeige auch das Angebot von 16 Prozent mehr Geld. Die Forderung der GDS sei mit 24 Prozent „völlig überzogen“. Die Gewerkschaft kontert, das UKSH operiere mit irreführenden Zahlen. Am kommenden Montag wird weiterverhandelt.
https://www.kn-online.de/Nachrichten/Schleswig-Holstein/Einschraenkungen-drohen-Am-UKSH-streiken-die-Service-Kraefte

Fritz Linow

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Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
« Antwort #69 am: 14:37:40 Mi. 21.April 2021 »
Zitat
21.4.21
Servicemitarbeiter am UKSH beginnen 48-Stunden-Warnstreik
(...)
Am Vormittag zogen nach Polizeiangaben in Kiel rund 150 Teilnehmer in einer Demonstrations am Gelände des UKSH vorbei. Mit Trillerpfeifen machten sie lautstark auf ihren Protest aufmerksam. Auf Transparenten stand unter anderem «Klatschen allein macht nicht satt» oder «Wir sind Mehrwert». Auch am Klinikstandort Lübeck beteiligten sich Servicekräfte am Vormittag an einem Demonstrationszug. Die Polizei sprach von etwa 180 Teilnehmern.
(...)
https://www.zeit.de/news/2021-04/21/warnstreik-der-servicemitarbeiter-am-uksh-hat-begonnen
















Fritz Linow

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Kuddel

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Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
« Antwort #71 am: 20:44:01 Mi. 21.April 2021 »





Fritz Linow

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Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
« Antwort #72 am: 18:55:34 Do. 22.April 2021 »
Filmchen von der Streikdemo aus Kiel:


Auszug aus der Laufschrift:
"Es gibt auch weiterhin massive Verstöße des Arbeitgebers gegen die Notdienstvereinbarung! ++++ Mitarbeiter werden wiederholt von ihren Vorgesetzten bedroht und es wird versucht, sie einzuschüchtern! ++++ Das ist ein Skandal für das Land Schleswig-Holstein! Das UKSH - ein Landesbetrieb und rechtsfreier Raum für die Führungskräfte? Skandalöse Zustände am UKSH in Kiel und Lübeck!"

Kuddel

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Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
« Antwort #73 am: 09:10:37 Fr. 23.April 2021 »
Endlich haben die Streikenden es geschafft, in die Medien zu kommen, regional und teilweise auch überregional.
(Gerade bei NDR online gegangen: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/UKSH-800-Servicemitarbeiter-beteiligten-sich-an-Streik,uksh614.html )

Es wird lapidar die GDS erwähnt. Es wurde noch nirgendwo thematisiert, daß ein kraftvoller Streik auch außerhalb des DGB möglich ist. DAS sollte bundesweit ein Thema sein.

Fritz Linow

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Re: Tarifsituation am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein
« Antwort #74 am: 19:36:31 Mi. 28.April 2021 »
Zitat
28.4.21
Service-Mitarbeiterin am UKSH: Darum streike ich

Seit Anfang März streiken die Mitarbeiter des Service Stern Nord am UKSH immer mal wieder für eine schrittweise Angleichung an die Gehälter an die der direkt beim UKSH Beschäftigten. Jetzt steht die Urabstimmung kurz bevor. Eine Mitarbeiterin aus Lübeck erklärt, warum auch sie streikt.

Dagmar Albrecht ist gelernte Restaurantfachfrau und Köchin. Seit mehr als fünf Jahren arbeitet sie für die UKSH-Tochter Service Stern Nord in Lübeck. Ihre Arbeit sei zwar anstrengend, aber dennoch ein schöner Job, sagt die 54-Jährige. Doch die Tatsache, dass sie und ihre 900 Lübecker Kollegen für die gleiche Arbeit deutlich schlechter bezahlt werden als die direkt am UKSH Beschäftigten, ist für Albrecht ein Zeichen geringer Wertschätzung. Deshalb streikt sie mit.

„Verantwortungsvoller und anstrengender Job“

Bis zu einer schweren Bandscheiben-Erkrankung 2019 mit OP und anschließender Reha, erzählt Dagmar Albrecht, war sie in der Serviceassistenz beschäftigt. Dort war sie zuständig für die Bestellung und Versorgung der Patienten und der Station mit allen Dingen des täglichen Bedarfs wie Essen, Getränke, Geschirr und Wäsche, aber auch medizinischem Bedarf wie Spritzen, Verbände und ähnliches. „Für jeden Patienten werden alle Mahlzeiten individuell auf seine Wünsche und Bedürfnisse zugeschnitten, täglich neu erfragt und bestellt. Bei Bedarf werden diese von uns auch mundgerecht zubereitet, was nicht gerade selten vorkommt.“ Es sei ein äußerst verantwortungsvoller, anstrengender aber auch schöner Job, der gerne mit gelernten Kräften aus der Gastronomie besetzt werde.

Man sei, sagt sie, „ein Bindeglied zwischen den Patienten und dem medizinischen Personal und braucht viel Einfühlungsvermögen“. Nach ihrer Erkrankung wechselte Albrecht in eine andere Abteilung – sie ist jetzt in der Logistik der Service Stern Nord tätig.

Kein Weihnachtsgeld, wenig Urlaubsgeld

Dagmar Albrecht listet kurz auf: Ihr Verdienst bei einer Lohnerhöhung von 0,94 Euro in fünf Jahren beträgt 11,82 Euro pro Stunde. Das gezahlte Urlaubsgeld in Höhe von nicht einmal zehn Euro pro Tag und Weihnachtsgeld in Höhe von 0,00 Euro – das gleiche den geringen Grundlohn wahrlich nicht aus. Nur durch Sonn- und Feiertagsdienste sowie Nachtschichten, sagt die 54-Jährige, „kann man vom Gehalt einigermaßen würdevoll existieren“.

UKSH-Beschäftigte auch im Krankheitsfall besser gestellt

Ein gleichgestellter Kollege mit UKSH-Vertrag verdiene etwa 1000 Euro brutto mehr als ein beim Service Stern Nord beschäftigter, das Weihnachtsgeld betrage ein knappes 13. Gehalt, bei Krankheit stocke das UKSH das bereits gut bemessene Krankengeld für bis zu sechs Monate auf 100 Prozent auf. „Nicht so für die Service-Stern-Mitarbeiter“, die in allen nichtmedizinischen Bereichen inklusive Verwaltung arbeiteten. „Zu Weihnachten gab es für die Belegschaft der Service-Gesellschaft nicht etwa einen kleinen Bonus für den zusätzlichen Einsatz in Zeiten der Pandemie, sondern warme Worte, eine Trinkflasche aus Bambus und einen Kugelschreiber.“

Geringe Wertschätzung

Und bei der Berechnung von Krankengeld, Übergangsgeld und ähnlichem würden Zuschläge nicht eingerechnet. „So wird aus diesem ,wertvollen‘ Mitarbeiter der Servicegesellschaft einer, der sich plötzlich am Rande der Armutsgrenze wiederfindet“, bilanziert Albrecht, die aus Erfahrung spricht. Als Alleinstehende habe sie sich von einem dreiviertel Jahr Krankengeldbezug finanziell noch nicht wieder erholt. Bitter stellt sie fest: „Soviel zum Thema Wertschätzung des Mitarbeiters durch das UKSH, das sich ja auch gerne als ausgezeichneter ‚Top-Arbeitgeber‘ darstellt.“

„Tarifangebot ist ein Schlag ins Gesicht“

Und jetzt habe es durch das vorgelegte Tarifangebot einen Schlag ins Gesicht gegeben: Zunächst bot der Arbeitgeber der Gewerkschaft der Servicekräfte (GDS) 16 Prozent auf drei Jahre, in der Verhandlungsrunde am Montag dann 19 Prozent auf vier Jahre. GDS-Vorsitzender Steffen Beckmann bilanziert: „Der Streik hat nichts gebracht.“ Zwar habe die Arbeitgeberseite das Angebot erhöht, aber beim genaueren Hinsehen stelle man fest, dass die 19 Prozent nur durch die Laufzeit-Verlängerung um ein Jahr erreicht würden. Im Klartext: Das sei sogar weniger als zuvor geboten.

„Streik ist wichtig für alle – Zusammenarbeit für Patienten

Am Dienstag beschloss die Tarifkommission, die Urabstimmung über einen unbefristeten Streik einzuleiten. Für Dagmar Albrecht ist auf alle Fälle klar: Der Streik ist nicht nur wichtig für die betroffenen Mitarbeiter, sondern für alle. Denn: „Ärzte, Pflege und Service arbeiten Hand in Hand für den Patienten. Wir bilden gemeinsam das Fundament des Hauses. Je bröckeliger es wird, desto eher stürzt das Haus ein. Und in den Trümmern befindet sich, unverschuldet, der Patient.“
https://www.ln-online.de/Lokales/Luebeck/UKSH-Luebeck-Darum-streiken-Mitarbeiter-der-Service-Gesellschaften