Autor Thema: 14 Monate bis zum Arzttermin - »Drohende Unterversorgung« in Sachsen / LINKE startet Umfrage  (Gelesen 1489 mal)

Wilddieb Stuelpner

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 8919
Neues Deutschland, vom 5. März 2008

14 Monate bis zum Arzttermin - »Drohende Unterversorgung« in Sachsen / LINKE startet Umfrage

Von Hendrik Lasch, Dresden

In Sachsen gibt es zunehmend Lücken in der medizinischen Versorgung. Das Land und die Ärzte setzen auf regionale Erste Hilfe. Die LINKE will einen »Ruck« – und sammelt Daten.

Wer in Bautzen wohnt, sollte keine Augenprobleme haben, zumindest keine akuten. 14 Monate müssen einige Patienten auf Termine beim Spezialisten warten. Nicht besser ist die Lage in Aue. Die erzgebirgische Stadt galt bis vor Kurzem noch als bestens versorgt mit Augenärzten – bis in einer Viererpraxis drei Kollegen in Rente gingen.

Keine verlässlichen Kriterien zu Versorgungsgrad

Beispiele wie diese häufen sich in Sachsen. Zwar herrscht hier, nach offiziellen Kriterien, noch keine Unterversorgung. Die träte erst ein, wenn der per Gesetz festgelegte Arzt-Patienten-Schlüssel bei Hausärzten um 25, bei Fachärzten gar um 50 Prozent unterschritten wird. Abgesehen davon, dass die Vorgaben aus den 90er Jahren stammen, als die Sachsen jünger und gesünder waren, warnt indes nicht nur die Kassenärztliche Vereinigung (KV) bereits vor »drohender Unterversorgung«. Unter Verweis auf das steigende Alter etwa der Hausärzte, von denen jeder Dritte über 60 ist, sprach auch Sozialministerin Helma Orosz (CDU) bereits im April 2007 vor »ernst zu nehmenden Lücken« in der Versorgung.

Wie groß die Löcher bereits sind, ist umstritten. Offiziell werde von 150 bis 200 fehlenden Ärzten im ambulanten Bereich ausgegangen, sagt Dietmar Pellmann, Sozialpolitiker der LINKEN. Eine neue Studie beziffere die Lücke aber auf 500 Mediziner. Er fordert zunächst verlässliche Kriterien und neue Maßzahlen für den Versorgungsgrad, die den Bevölkerungswandel berücksichtigen.

Ältere Menschen, sagt seine Kollegin Kerstin Lauterbach, seien schließlich häufiger krank und zudem auch schlechter in der Lage, weite Entfernungen bis zum Arzt zurückzulegen.

Darüber, wie die drohende Unterversorgung abgewendet werden könnte, herrscht weitgehende Einigkeit: Vor allem die Schlechterstellung ostdeutscher Ärzte beim Honorar müsse beendet werden, sagt Pellmann ebenso wie ein Sprecher der KV. Diese hat daneben zusammen mit Land und Krankenkassen erste Maßnahmen beschlossen, um die in einigen Regionen bereits gravierenden Probleme einzudämmen. So werden in manchen Landkreisen »Sicherstellungsprämien« gezahlt, wenn sich Ärzte niederlassen.

LINKE verlangt von der CDU einen Ruck zur Offenheit

Auch im Ausland wird um Mediziner geworben. Zudem werden Gemeindeschwestern eingesetzt. Weil diese die Ärzte deutlich entlasteten, fordert Lauterbach, das Modell sofort flächendeckend einzuführen. Die KV ist skeptisch: Es handle sich »nicht um eine generelle Lösung«.

Während die CDU derlei Ansätze als »ambitioniertes Maßnahmepaket« bezeichnet, verlangt die LINKE, Sachsens Regierung müsse sich endlich »einen Ruck« geben – und die Probleme offen aussprechen. Weil das Sozialministerium keine klaren Zahlen liefere, will die LINKE nun eigene Daten erheben. Lauterbach kündigte eine Umfrage zur medizinischen Versorgungssituation an, für die Bürger und Ärzte befragt werden sollen. Termin für die Ergebnisse ist nicht in 14 Monaten, sondern schon in zehn Wochen.

matten

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 745
Das ist ohne Worte..14 Monate warten wegen Arzttermin..

wo wollen Sie die 150 bis 200 Ärzte den herholen?

das mit der Gemeindeschwester finde ich generell

gut..kann mich in meiner Jugendzeit an eine solche Schwester

erinnern kam ins Haus bei bettlägrigen und bei alten Menschen

die sich nicht selber versorgen konnten..war eine Ordensschwester.

mfg
matten

Wilddieb Stuelpner

  • Hero Member
  • *****
  • Beiträge: 8919
Das medizinische Fachpersonal, was an deutschen Hochschulen und Universitäten ausgebildet wird, kennt durch die Praktika die Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern und aus den Arztpraxen ihrer Eltern oder Verwandtschaft. Nach der Ausbildung wollen sie keine gesellschaftliche Verantwortung für die medizinische Versorgung der deutschen Bevölkerung wegen der schlechten Berufskarriere und wegen des Dienststresses übernehmen und türmen ab Richtung Skandinavien, Großbritannien oder den USA.

Also hatte der deutsche Staat nur die Bildungsspesen und sonst nichts.

Ein anderer Teil der Nachwuchsmedizinier verdrückt sich in die medizinische Verwaltung, in die Kassenärztliche Vereinigung als Amtsarzt, Arbeitsmediziner, medizinischer Sachverständiger und Ähnliches. Sind also auch für die medizinische Praxis verloren.

Die gegenwärtigen Reformen im Gesundheitswesen, bei den Kranken-, Pflege- und Rentenversicherern garantieren hohe Profite der größten Lobby - der Pharmaindustrie, den Pharmavertretern, den Herstellern von Medizintechnik und für niedergelassene Ärzte gedeckelte Honorare im Bereich der gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung. Letztere werden mit einem Haufen Bürokratie zusätzlich zugeschüttet trotz des Einsatzes von EDV-Technik. Es muß Schluß gemacht werden mit dem Aushebeln einer positiven oder negativen Liste zugelassener Medikamente durch die Pharmaindustrie.

Durch die durchgängige Anwendung der elektronischen Gesundheitskarte wäre man gezwungen die EDV-Programme von allen Anbietern zu vereinheitlichen, nach dem Baukastenprinzip in Bearbeitungsmodule mit standardisierten Schnittstellen und Auswertungssystemen aufzugliedern. So könnte man die Verwaltungsarbeit des medizinischen Personals erheblich reduzieren und in nutzbringende Behandlungszeit umwandeln. Ein weiterer Vorteil wäre die zentrale und regionale Früherkennung von Kostentreibern, denen man rechtzeitig auf ihre raffenden Finger klopfen könnte und das strategische Vorgehen vor (Anwendung prophylaktischer Maßnahmen, prophylaktischer Kuren, Reihenuntersuchungen, Volksröntgenaktionen, vorbeugendes Impfen) und beim Ausbruch von Epedemien.

Da die Gesundheit zur profitablen Handelsware wie die menschliche Arbeitskraft erklärt und verkommen ist, liegt kein Interesse vor, sinnvoll mit den verfügbaren Kräften, Mitteln und Ressourcen zum Nutzen der Bevölkerung umzugehen und die Entscheidungsträger in Regierung, Verwaltung, Ärzte-, Apotheker-, Pharmaverbänden lässt man ihre Lobbyinteressen verfolgen.

Der Dumme ist der zur Zahlung von Beiträgen verdonnerte Patient und Versicherte. Für ihn gibt es keine einflußreiche Lobby in den Parlamenten.

Wenn das ausgebildete medizinische Personal sich frühzeitig dünnemacht oder der Verantwortung entzieht, dann schadet diese Regierung doch lieber anderen Staaten innerhalb und außerhalb der EU, indem sie die medizinischen deutschen Versorgungslücken durch Abwerben von medizinischen und Pflegepersonal dort abwirbt. Das Problem der medizinischen Versorgung wird also nicht gelöst, sondern auf andere verlagert oder vor sich hergeschoben. Wunderst Du Dich nun noch, warum die Zahl ausländischer Fachärzte und Pflegepersonal in deutschen Krankenhäusern, Sanatorien, Kur- und Seniorenheimen, in der häuslichen Pflege zunimmt. Ich wundere mich da überhaupt nicht. Dieses Personal fehlt logischerweise in ihren Heimatländern. Hauptsache das egoistissche, großmäulige, großspurige Deutschland kommt mit seinem fetten Arsch an die Wand. Ist doch völlig egal, wenn woanders der medizinische Notstand ausbricht.

Auch hier sehe ich soziale Mißstände in der Infrastruktur der EU, wo es wichtiger gewesen wäre, diese zu verhindern statt durch den bekloppten Kohl und Waigel nur den Euro im Interesse der Unternehmer einzuführen, die sich so im größer gewordenen europäischen Wirtschaftsraum die Währungsrisiken vom Hals geschafft hatten, aber Standortunterschiede jeglicher Art zu ihrem Profitvorteil so belassen hatten wie sie waren und damit die Bevölkerungen eines jeden Landes sozial gegeneinander ausspielen.

Um schon einstellungsmäßig und moralisch bei den herangebildeten, deutschen Meduizinern etwas zu bessern, wäre eine Einsatzverpflichtung der Absolventen nötig, so wie es in der DDR an jeder Fach- und Hochschule oder Universität üblich war, man im Westen aber großzügig drauf verzichtet wird, weil man seiner "gutsituierten, großbürgerlichen" Wählerklientel für die CDU/CSU/FDP nicht vor den Kopf stoßen will und ihre berufliche Laufbahnen einschränken will.

Bei dieser Klientel fehlt häufig die Einsicht in die gesellschaftliche Notwendigkeit, dort für längere Zeit eingesetzt zu werden, wo es gesellschaftspolitisch notwendig ist. Es ist genau diese Einsicht, die man von Arbeitslosen immer wieder erwartet, indem man beliebig lange und beliebig oft Entbehrungen auf sich zu nehmen hat. Bei Arbeitslosen gilt eben nicht der Qualifikationsschutz und die Sicherung der freien Berufswahl, bei Medizinern artet Qualifikationsschutz und freie Berufswahl in grenzenloser Narrenfreiheit aus. Das merkt man auch im Anspruchdenken und -verhalten ihrer Standesvertretungen und abgespalteten Separatgewerkschaften. Sie dünken sich etwas Besseres zu sein als der große Rest der Bevölkerung, der über seine gezahlte Steuern erst ihre langjährige Medizinausbildungen ermöglichte. Deshalb habe ich kein Verständnis für die überzogenen Separatforderungen des Marburger Bundes, der sich außerhalb der zuständigen DGB-Branchengewerkschaft ver.di stellt, nur für die Ärzteschaft die Forderungen eintreibt und alle anderen medizinischen Berufsgruppen als ihre zuarbeitenden Hilfspampel geringschätzt. Wenn ich deren anmaßenden Vertreter Dr. Frank Ulrich Montgomery auf Fernsehauftritten verfolge, wird mir regelmäßig schlecht und kotzübel.

Wikipedia: Kritik am Marburger Bund

Von Seiten der DGB-Gewerkschaften, insbesondere von der Gewerkschaft ver.di wird das Verhalten des Marburger Bund heftig kritisiert. Es wird unterstellt, dass die herausgehobene Position der Ärzteschaft in den Kliniken dazu benutzt wird, überhöhte Gehaltsforderungen zu Lasten der anderen Berufgruppen in den Krankenhäusern zu stellen. Außerdem habe der Marburger Bund den Schutz der Ärztinnen und Ärzte vor überlangen Arbeitszeiten zu Gunsten von Geld aufgegeben. Eine Spaltung der Gewerkschaften in der Gesundheitsbranche führe zur Entsolidarisierung der Arbeitnehmerschaft.

Diesen Kritikpunkten widerspricht der Marburger Bund in zahlreichen Flugschriften, Rundmails und Ihrer Verbandszeitung Marburger Bund Zeitung. Die Realgehälter und Arbeitsbedingungen der Ärztschaft seien in den Tarifverhandlungen der Vorgängergewerkschaft ÖTV in den letzten Jahren vor allem zu Gunsten des Pflegepersonals verschlechtert worden. Einen weiteren Reallohnverlust und Verschlechterung der Arbeitsbedingungen wolle die Ärzteschaft aber nicht hinnehmen.

Die schliesslich erzielten Tarifabschlüsse werden aber auch von Seiten der Ärzteschaft kritisiert. Die Arbeitsbedingungen hätten sich kaum verändert, Formulierungen seien nicht eindeutig genug gewählt worden und die Lohnzuwächse von rechnerisch 2 bis 3 % insgesamt zu gering, zumal die Öffentlichkeit von erheblichen Lohnzuwächsen ausginge. Weiterhin wurde vor allem intern immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass die Logistik des Marburger Bundes in Bezug auf den rasanten Mitgliederzuwachs der letzten zwei Jahre deutlich hinter den Anforderungen liege.

Das man bestrebt ist, daß:
  • Hausarztprinzip
  • die Ärztehäuser (nach dem Vorbild der DDR-Polikliniken) zur gemeinsamen Nutzung und Auslastung der Medizintechnik
  • das Betriebsgesundheitswesen durchzusetzen und zu verbessern, finde ich gut und richtig.
Ich finde die Trennung zwischen gesetzlicher und privater Kranken-, Pflege- und Rentenversicherungen falsch, weil dadurch betuchte Bevölkerungsteile sich entsolidarisieren, sich von den gesellschaftlich zu tragenden Gesundheitsrisiken abkoppeln. Einen Konkurrenzkampf zwischen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherungen finde ich grundsätzlich falsch, weil so kranke und Menschen mit gesundheitlichen Handicaps auf der Strecke bleiben. Ich befürworte eine durchgängige, echte Bürgerversicherung und nicht so eine aktuelle Mauschelei aus der letzten Gesundheitsreform.

Joey

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 1
> Um schon einstellungsmäßig und moralisch bei den herangebildeten, deutschen Meduizinern etwas zu bessern, wäre eine Einsatzverpflichtung der Absolventen nötig, so wie es in der DDR an jeder Fach- und Hochschule oder Universität üblich war, man im Westen aber großzügig drauf verzichtet wird, weil man seiner "gutsituierten, großbürgerlichen" Wählerklientel für die CDU/CSU/FDP nicht vor den Kopf stoßen will und ihre berufliche Laufbahnen einschränken will.

Das funktioniert nur in einem Land mit Mauer.

> Bei dieser Klientel fehlt häufig die Einsicht in die gesellschaftliche Notwendigkeit, dort für längere Zeit eingesetzt zu werden, wo es gesellschaftspolitisch notwendig ist.

Die wollen einfach nur gut leben. Als Landarzt im Osten kann man das definitiv nicht. Die noch in Deutschland verbliebenen Ärzte haben bereits jetzt mehrheitlich ein Helfer Syndrom.

> Es ist genau diese Einsicht, die man von Arbeitslosen immer wieder erwartet, indem man beliebig lange und beliebig oft Entbehrungen auf sich zu nehmen hat.

 Ärzte sind aber keine Arbeitslosen sondern weltweit nachgefragte Spezialisten.

> Bei Arbeitslosen gilt eben nicht der Qualifikationsschutz und die Sicherung der freien Berufswahl, bei Medizinern artet Qualifikationsschutz und freie Berufswahl in grenzenloser Narrenfreiheit aus.

Mit Verlaub: Das ist Unsinn.

> Das merkt man auch im Anspruchdenken und -verhalten ihrer Standesvertretungen und abgespalteten Separatgewerkschaften. Sie dünken sich etwas Besseres zu sein als der große Rest der Bevölkerung, der über seine gezahlte Steuern erst ihre langjährige Medizinausbildungen ermöglichte. Deshalb habe ich kein Verständnis für die überzogenen Separatforderungen des Marburger Bundes, der sich außerhalb der zuständigen DGB-Branchengewerkschaft ver.di stellt, nur für die Ärzteschaft die Forderungen eintreibt und alle anderen medizinischen Berufsgruppen als ihre zuarbeitenden Hilfspampel geringschätzt. Wenn ich deren anmaßenden Vertreter Dr. Frank Ulrich Montgomery auf Fernsehauftritten verfolge, wird mir regelmäßig schlecht und kotzübel.

Verdi hat viele Jahre lang die unteren Lohngruppen im Krankenhaus erhöht und gleichzeitig die Arzteinkommen reduziert. In so fern ist der Ärztemangel jetzt eine direkte Folge von Verdis vorgehen.

Der Ärztemangel in D wird in den nächsten Jahren dramatisch zunehmen, zumindest solange in Deutschland die Löhne nur 50% des europäischen Niveaus betragen.