Autor Thema: Wo man wieder früher stirbt  (Gelesen 2873 mal)

ManOfConstantSorrow

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Wo man wieder früher stirbt
« am: 18:21:47 Di. 22.April 2008 »
In den USA verzeichnen Forscher in einigen Teilen des Landes eine sinkende Lebens er war tung - die vermutlichen Ursachen sind wach sende Armut und schwere Mängel im Gesundheitssystem

Boston - Die Ziele sind militärisch knapp formuliert und hochgesteckt: "Steigere die Qualität und Anzahl der Jahre gesunden Lebens" sowie "Eliminiere gesundheitliche Ungleichheiten". Es sind die Kernaufgaben der US-Regierungsinitiative "Healthy People 2010", die vor acht Jahren gestartet wurde und jedem Bürger des riesigen Landes zwischen Kalifornien und New York bis zum Ende des Jahrzehnts bessere Gesundheitsbedingungen bieten soll. Jedem.

Trümmer eines Traums

Das ehrgeizige Projekt droht allerdings genau an diesem Punkt zu scheitern. Die Chancengleichheit, eine Basis des vielbeschworenen "amerikanischen Traums", bleibt wohl auch in gesundheitlichen Angelegenheiten eine Utopie. Bereits 2006 schlugen Forscher Alarm. Nicht nur die Kluft zwischen Arm und Reich wachse in den USA weiter, auch in Bezug auf Mortalität öffne sich die Schere.

Zwar konnten die Forscher für alle gesellschaftlichen Klassen stetig sinkende Kindersterblichkeit und steigende Lebenserwartung verzeichnen, doch die Unterschiede in der mittleren Lebensdauer wuchsen mit. Die reichen US-Amerikaner lebten Anfang der Achtziger im Schnitt 2,8 Jahre länger als ihre armen Landsleute. 2000 war diese Differenz auf 4,5 Jahre angewachsen ("International Journal of Epidemiology", Bd. 35, S. 969).

Ein noch viel bedenklicherer Trend kommt in der aktuellen Ausgabe des frei zugänglichen Internet-Fachmagazins "PLoS Medicine" ans Licht. Nicht überall in den USA macht die Volksgesundheit Fortschritte. Der Teufel steckt - wie so oft - im Detail. Zusammen mit Kollegen von anderen US-Universitäten hat der an der Harvard School of Public Health in Boston tätige kanadische Gesundheitsexperte Majid Ezzati die Sterblichkeitsdaten sämtlicher "Counties" des Landes für den Zeitraum 1961 bis 1999 einer detaillierten Analyse unterzogen. Das Ergebnis: In manchen Regionen stieg die Lebenserwartung seit 1983 nicht weiter oder sie sank sogar wieder, während anderswo deutliche Verbesserungen stattfanden.

Misere in den Südstaaten

Früher gestorben wurde laut der Studie vor allem in Counties der ländlichen Südstaaten wie z. B. Alabama, Tennessee und Mississippi. Dass in diesen Gebieten soziale Probleme wie Arbeitslosigkeit und Bildungsmangel häufig auftreten, dürfte nicht weiter verwundern. Es könnten laut Ezzati allerdings noch zusätzliche, soziokulturelle Faktoren im Spiel sein. Frauen sind besonders stark betroffen.

"Was passiert eigentlich in diesen Teilen des Landes?", sei denn auch die zentrale Frage, die sich die Behörden stellen müssen. Die neuesten Entwicklungen konnte der Forscher übrigens nicht analysieren. Für die Zeit ab 2001 stellte das "National Center for Health Statistics" keine Daten zur Verfügung. Der Trend dürfte nach Ezzatis Einschätzung jedoch anhalten.

Hauptursachen für die stagnierende oder sinkende Lebenserwartung waren laut der Studie Lungenkrebs und andere Atemwegserkrankungen sowie Diabetes und weitere Folgen von Fettleibigkeit. Rauchen und Fehlernährung sind deren wichtigste Auslöser. (Kurt de Swaaf/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22. 4. 2008)
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counselor

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Re:Wo man wieder früher stirbt
« Antwort #1 am: 22:12:07 Fr. 14.September 2012 »
Kindersterblichkeit
Rückgang von Kindersterblichkeit: Todesfälle seit 20 Jahren fast um die Häfte gesunken
14.09.2012, 11:00 Uhr Von Edith Lederer 

Nach Angaben von UNICEF ist die Zahl früh gestorbener Kinder in den vergangenen 20 Jahren um fast die Hälfte gesunken. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen erklärte am Mittwochabend in New York, im vergangenen Jahr seien 6,9 Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag gestorben. 1990 waren es noch rund zwölf Millionen ...

Quelle: Hamburger Abendblatt

PS: Jedoch ist die Kindersterblichkeit in armen Ländern viel höher, als in reichen entwickelten Ländern.
Alles ist in Bewegung. Nichts war schon immer da und nichts wird immer so bleiben!

Troll

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Re:Wo man wieder früher stirbt
« Antwort #2 am: 12:00:05 Fr. 19.Oktober 2012 »
So geht's auch.

Zitat
Lieferprobleme auch in Kliniken
Medikamente werden zur Mangelware

Nach dem Engpass bei Grippe-Impfstoff ist nun auch aus Krankenhäusern zu hören, dass einige Medikamente nicht mehr zu bekommen seien. Selbst Krebspatienten müssen teilweise auf Präparate zweiter Wahl ausweichen. Bei einigen Arzneien werden die Vorräte möglicherweise künstlich verknappt.

Quelle: tagesschau

Krisen und Mangel, all das was zu gerne all jenen zugeschrieben wird die nicht unserer "kapitalistischen Freiheit" angehören haben wir mittlerweile täglich vor Augen, im besten System das es angeblich gibt.
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Kuddel

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Entsorgung der Unterschichten
« Antwort #3 am: 20:22:03 Mi. 09.Oktober 2013 »
Zitat
Lebenserwartung
Arme sterben fünf Jahre früher

Wer viel verdient, lebt deutlich länger: Forscher des Max-Planck-Instituts haben die Lebenserwartung von armen und reichen Deutschen verglichen - die Unterschiede sind erheblich. Und sie werden immer größer.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/lebenserwartung-arme-sterben-fuenf-jahre-frueher-als-reiche-a-927034.html

Kuddel

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Re:Wo man wieder früher stirbt
« Antwort #4 am: 11:00:30 Di. 26.November 2013 »
Zitat
Datenreport 2013:
Arme Deutsche sterben früher

dem neuen Datenreport sind mehr Menschen von Armut bedroht als 2007. Das habe gravierende Folgen, sagen die Statistiker. So sei die Lebenserwartung von Geringverdienern deutlich niedriger.


In Deutschland gibt es so viele Erwerbstätige wie nie, aber auch immer mehr Verlierer des Aufschwungs. So seien trotz des Jobbooms mehr Menschen von Armut bedroht und mehr Menschen dauerhaft arm.

Mit 41,5 Millionen Erwerbstätigen hatten 2012 so viele Bürger Arbeit wie noch nie. Das Arbeitsvolumen war aber dem Report zufolge niedriger als vor 20 Jahren. Die Zahl der Stunden, die Erwerbstätige im Durchschnitt arbeiten, habe in den vergangenen 20 Jahren kontinuierlich abgenommen. Ein Grund sei, dass immer mehr Menschen Teilzeitjobs haben.

Als arm galt 2011, wer weniger als 980 Euro im Monat zur Verfügung hatte. Der Anteil der armutsgefährdeten Personen stieg seit 2007 von 15,2 auf 16,1 Prozent. Besonders bei den 55- bis 64-Jährigen habe sich das Armutsrisiko verschärft. So stieg in dieser Altersgruppe der Anteil um fast drei Prozentpunkte auf 20,5 Prozent an. Zugleich habe die dauerhafte Armut zugenommen. Von den gefährdeten Personen seien 40 Prozent bereits in den vergangenen fünf Jahren arm gewesen. Zur Jahrtausendwende lag dieser Anteil noch bei 27 Prozent.

Elf Jahre Unterschied bei der Lebenserwartung

Die Sozialforscher beschreiben auch, welche Folgen Armut für den Gesundheitszustand hat. So hätten arme Männer und Frauen ein 2,7- beziehungsweise ein 2,4-fach erhöhtes Sterberisiko. Die mittlere Lebenserwartung von Männern der unteren Einkommensgruppe liege fast elf Jahre unter jener von Top-Verdienern. Bei Frauen betrage die Differenz rund acht Jahre.

"Überspitzt könnte man die Befunde treffend so charakterisieren: Arme sterben früher", sagte Roland Habicht vom Wissenschaftszentrum Berlin (WZB).

Herausgegeben hat den Datenreport das WZB gemeinsam mit dem Statistischen Bundesamt, der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Sozio-oekonomischen Panel am DIW. Die wichtigsten Ergebnisse finden Sie in unserer Grafikstrecke.
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/viele-deutsche-profitieren-nicht-vom-job-boom-a-935515.html

Ich glaube dem Hinweis sehr wohl, daß noch nie so viel gearbeitet wurde, wie heute. Eine sehr bedeutende Feststellung.
Ich bin auch der Meinung, daß nicht "Arbeitslosigkeit" das gesellschaftliche Problem ist, sondern das Zuviel an Arbeit.
Das Beklagen der Arbeitslosigkeit ist in meinen Augen nichts weiter als die Fortsetzung des "hauptsache Arbeit" Arguments.

Weltweit sterben mehr Menschen an den Folgen der Arbeit, als an allen Kriegen zusammen.
Wir sollten uns fragen, welche Tätigkeiten überhaupt sinnvoll sind. Und zentrale Fragen, die gestellt werden sollten wäre Fragen der Verteilung: Verteilung der Arbeit und Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums.

Eivisskat

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Re:Wo man wieder früher stirbt
« Antwort #5 am: 14:00:16 Di. 26.November 2013 »
Zitat
Als arm galt 2011, wer weniger als 980 Euro im Monat zur Verfügung hatte.

 Der Anteil der armutsgefährdeten Personen stieg seit 2007 von 15,2 auf 16,1 Prozent. Besonders bei den 55- bis 64-Jährigen habe sich das Armutsrisiko verschärft. So stieg in dieser Altersgruppe der Anteil um fast drei Prozentpunkte auf 20,5 Prozent an.

Zugleich habe die dauerhafte Armut zugenommen. Von den gefährdeten Personen seien 40 Prozent bereits in den vergangenen fünf Jahren arm gewesen.


Eine Schande ist das!

Vermutlich schaltet sich der Körper unbewußt von selber ab/aus, denn wer will unter diesen Umständen noch weiter leben &  noch länger leiden?

 ::) :o

BGS

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Re:Wo man wieder früher stirbt
« Antwort #6 am: 14:47:58 Di. 26.November 2013 »
Es ist in der Tat skandalös!

Die Armen müssen sich zusammenschliessen, damit es endlich besser werden kann.

MfG

BGS
"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

https://forum.chefduzen.de/index.php/topic,21713.1020.html#lastPost
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)