Autor Thema: Repression in China  (Gelesen 8841 mal)

Nao

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Re: Repression in China
« Antwort #60 am: 17:06:44 Do. 19.Dezember 2019 »
Ich habe Xiangzi in Guangzhou kennengelernt.
Ein freundlicher und beeindruckender Mensch. Er hatte da von seinem Berufsverbot als Arzt erzählt und wie seine Familie (die Eltern im Dorf, dann das halbe Dorf) unter Druck gesetzt worden ist. Er ließ sich nicht einschüchtern. Er ging bereits vor gut zwei Jahren davon aus, daß es ihn seine Freiheit kosten würde.

Zitat
Bekannter Gewerkschaftsaktivist in Guangzhou inhaftiert



19. Nov. 2019. Ein junger Gewerkschaftsaktivist*, der vor allem dafür bekannt ist, dass er Sanitärarbeiter bei der Verteidigung ihrer Rechte unterstützt, wurde am Dienstagnachmittag, dem 17. Dezember, von der Polizei in der südlichen Stadt Guangzhou abgeführt.

Chen Weixiang, bekannt als "Xiangzi", führte einen öffentlichen WeChat-Account namens Heart Sanitation (心环卫), der Nachrichten über die Kämpfe der SanitärarbeiterInnen veröffentlichte und über ihre gesetzlichen Rechte informierte. Nur drei Tage vor der Verhaftung von Chen veröffentlichte die Platform zum Beispiel einen Artikel über 130 SanitärarbeiterInnen in Guangzhou's Universitätsstadtbezirk, die 1,8 Millionen Yuan an Lohnrückständen hatten.

Zwei von Chens Mitarbeitern, ein Helfer und eine Praktikantin bei Heart Sanitation, wurden zur gleichen Zeit wie Chen festgenommen oder verschwanden. Und sechs weitere Sanitärarbeiter, die mit Chen in Verbindung stehen, wurden Berichten zufolge zu einem Verhör geladen.

Als Sohn von Wanderarbeitern ist Chen seit langem ein Verfechter der Rechte und Interessen der Sanitärarbeiter. Sein Aktivismus führte jedoch dazu, dass er nach seinem Abschluss an der medizinischen Fakultät der Sun Yat-sen Universität im Jahr 2015 keine Arbeit in Guangzhou finden konnte. Schließlich ging er 2017 in die Vereinigten Staaten und erhielt einen Master-Abschluss in Arbeit und globale Arbeiterrechte an der Penn State University.

In diesem Jahr kehrte er nach Guangzhou zurück und gründete Heart Sanitation, die bald zu einem beliebten Forum für die Sanitärarbeiter der Stadt wurde, die seit langem unter niedriger Bezahlung, überlangen Arbeitszeiten und informeller Beschäftigung mit wenigen oder gar keinen Sozialleistungen leiden.

Die SanitärarbeiterInnen von Guangzhou haben in der Vergangenheit mehrere erfolgreiche Streiks wegen Lohn- und Vertragskonflikten organisiert, aber da die Lebenshaltungskosten weiter steigen, stagnieren die Löhne und setzen die meist älteren WanderarbeiterInnen, die die Straßen der Stadt säubern, noch mehr unter Druck. In dieser Hinsicht leistete Chens Gruppe einen dringend benötigten und wertvollen Dienst, der nun zumindest vorläufig unterbunden wurde.

Chen ist der jüngste Aktivist, der in diesem Jahr allein deshalb inhaftiert wurde, weil er benachteiligten Arbeitern geholfen hat, ihre Rechte zu verteidigen. Das Jahr begann mit der Inhaftierung von drei Arbeitsaktivisten und Bürgerjournalisten von iLabour, die Wanderarbeitern mit Berufskrankheiten bei der Verteidigung ihrer Rechte geholfen hatten. Etwa zur gleichen Zeit nahm die Polizei in Shenzhen fünf Aktivisten fest, darunter die bekannten Aktivisten Zhang Zhiru und Wu Guijun. Der prominente Antidiskriminierungsaktivist Cheng Yuan und seine beiden Kollegen Liu Dazhi und Wu Gejianxiong wurden im Juli von den Behörden in Changsha festgenommen, und mehrere bekannte Sozialarbeiter, die Wanderarbeitern in Peking, Guangzhou und Shenzhen geholfen hatten, wurden im Mai bei koordinierten Razzien festgenommen. Ende Oktober wurde auch der #MeToo-Aktivist und Journalist Huang Xueqin von den Behörden in Guangzhou festgenommen. Einige der Aktivisten wurden geräuschlos und ohne Anklage freigelassen, während andere offiziell angeklagt wurden und auf ihren Prozess warten.
https://www.forumarbeitswelten.de/blog/bekannter-gewerkschaftsaktivist-in-guangzhou-inhaftiert/

*Labouractivist könnte auch als "Arbeiteraktivist" übersetzt werden. Er ist aber weder Arbeiter, noch ein Gewerkschaftsmitglied, sondern ein Aktivist in Arbeiterfragen, der selbst einen akademischen Hintergrund hat.

Nao

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Re: Repression in China
« Antwort #61 am: 10:46:37 Sa. 21.Dezember 2019 »
Petitionen sind zwar eine sehr schwache Form des Kampfes, doch in diesem Fall sollte man nichts unversucht lassen.



Ich habe gerade die Petition „Release Xiangzi and Chinese Labor Activists" unterschrieben und wollte euch bitten, auch mitzumachen.

Unser Ziel ist es, 500 Unterschriften zu sammeln und dafür brauchen wir Unterstützung. Hier könnt ihr mehr über die Petition erfahren:

http://chng.it/dd2sZvQsKW

Vielen Dank!

Troll

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Re: Repression in China
« Antwort #62 am: 11:11:22 Sa. 21.Dezember 2019 »
Politik ist der Spielraum, den die Wirtschaft ihr lässt.
Dieter Hildebrandt
Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein.
Jiddu Krishnamurti

BGS

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Re: Repression in China
« Antwort #63 am: 13:48:33 Sa. 21.Dezember 2019 »



MfG

BGS
"Ceterum censeo, Berolinensis esse delendam"

https://forum.chefduzen.de/index.php/topic,21713.1020.html#lastPost
(:DAS SINKENDE SCHIFF DEUTSCHLAND ENDGÜLTIG VERLASSEN!)

Nao

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Re: Repression in China
« Antwort #64 am: 12:32:40 Do. 02.Januar 2020 »
Xiangzi ist aus der Haft entlassen worden. Die beiden anderen Inhaftierten ebenso.
Er bedankt sich für die Solidarität.
Er sagt, man soll sich keine Sorgen machen. Er ist vorsichtig, da er weiß, daß der Fall nicht abgeschlossen ist.


Onkel Tom

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Re: Repression in China
« Antwort #65 am: 13:32:12 Do. 02.Januar 2020 »
Das ist besser, als im Knast vergammeln zu müssen und die Pedition geht
stramm auf die 10000 Unterzeichnungen zu  :D
Lass Dich nicht verhartzen !

Nao

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Bürgerjournalistin wg. Wuhanbericht festgenommen
« Antwort #66 am: 19:55:42 Mi. 20.Mai 2020 »


Zhang Zhan, 37, wird in einem Untersuchungsgefängnis in Shanghai festgehalten, nachdem sie seit Februar vom Epizentrum des Ausbruchs berichtet hatte.

https://www.forumarbeitswelten.de/blog/burgerjournalistin-wg-wuhanbericht-festgenommen/