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Stage-Hands

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Le Frog:
Man muß sich die Nachrichten aus Frankreich mal richtig auf der Zunge zergehen lassen: Bühnenarbeiter, Techniker, Saisonkräfte lassen große Festivals platzen!

Man muß sich hier die "Stage-Hands" nur mal angucken mit ihren Arbeitshandschuhen, Mag-Lite und Gaffa am Gürtel der Cargohose und diverse Stage-und Festivalpässe über dem schwarzen Band-T-Shirt. Man sieht ihre super-wichtigen Gesichtsausdrücke und weiß, wie geil sie sich vorkommen im Kultur-(oder gar Rock-n-Roll-)Biz DABEISEIN zu dürfen. Einige sind ja schon stolz darauf in der Bergstraße Türsteher zu sein.

Da fragt man sich ernsthaft, welche Diskussionen in Frankreich vorausgegangen sein müssen, um solche Kampfbereitschaft in dieser Szene zu erreichen...

Eine Verdi-Oper wurde mit Trillerpfeifen und Feuerwerkskörpern von den Streikenden gestört, bis nicht nur die Aufführung gestoppt, sondern auch das gesamte Festival abgeblasen wurde. Das wichtigste französische Chansonfestival fiel genauso aus wie ein international renommiertes Theaterfestival. Festivals mit Besucherzahlen von 70 000 bis mehrere Hunderttausend. Mehrere Millionen Euro müssen zurückgezahlt werden an diejenigen, die schon Tickets hatten.

In der Nähre von Paris entschieden die "Stage-Hands" ein großes Rockfestival nicht zu bestreiken, da es sowieso von den Behörden ungeliebt ist und als Folge nie wieder hätte stattfinden können. Die Künstler solidarisierten sich mit den Technikern und unterbrachen ihre Auftritte um die Aktivisten ihre Forderungen auf der Bühne vortragen zu lassen. Die Saisonarbeiter rasten in Gruppen Schwarzgekleidet oder Splitternakt über das Festival und machten eine Menge lustiger Aktionen. RADIOHEAD versprach im Ausland auch den Kampf der Arbeiter im französichen Kulturbetrieb bekannter zu machen.

Und worum der Kampf eigentlich geht?
Die französche Regierung will den Anspruch von Saisonarbeitern für Arbeitslosengeld von 12 auf 10 Monate verkürzen. Es ist also der löbliche Kampf von Arbeitenden für die Rechte von Arbeitslosen. Und es ist der Versuch von Saisonarbeitern sich die Möglichkeit zu erhalten mit möglichst wenig Arbeit über das Jahr zu kommen.

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Spektakuläre Aktionen der "intermittents du spectacle"

Die Bewegung der prekären Kulturschaffenden (intermittents du spectacle), die Frankreich den Hochsommer über im Atem hielt, macht seit einigen Tagen wieder viel von sich reden. Denn ihre letzte Aktion vom vorletzten Samstag traf ins Schwarze. An einem Samstag abend fiel das Fernsehprogramm volle zwei Stunden lang aus: Skandal! Die Sendung Star académie (die französische Entsprechung zu "Deutschland sucht den Superstar") hatte gerade begonnen, da gelang es am Samstag gegen 21 Uhr mehreren Dutzend intermittents, in das Fernsehstudio im Pariser Südwesten einzudringen. Für den Fernsehzuschauer gut sichtbar, zeigten sie ein breites Transparent mit der Aufschrift "Schaltet die Fernseher aus" in die Kamera (die vollständige Demoparole lautet "und fangt an zu denken"). Es folgte einiger Tumult, dann ein Werbeblock, und eine vorgefertigte Serie wurde zugeschaltet. Erst gegen 23 Uhr konnte zu star académie zurück in's Studio geschaltet werden. 10 Personen wurden auf Seiten der intermittents verletzt, und vier Festgenommene wurden zu Anfang der letzten Woche dem Untersuchungsrichter vorgeführt.

Der Sender TF1 - der erste Fernsehkanal wurde 1987 durch Premierminister Jacques Chirac privatisiert - behauptete in der Öffentlichkeit tagelang, die Eindringlinge hätten Gewalt angewendet, Türen eingeschlagen und den Moderator bedroht. Die ersten Reaktionen in der Presse waren daher auch überwiegend negativ, die Rede war (sinngemäß) von fanatischer Kompromisslosigkeit. In einem Leserbrief, den die linksliberale Pariser "Libération" am Dienstag voriger Woche publizierte, bekundete ein Schauspieler ("selbst ein intermittent du spectacle"), dass er sich für seine gesamte Berufsgruppe für solcherlei Aktionsformen "schäme".

Doch gegen Mitte voriger Woche begann das Blatt sich zu wenden.  Anlässlich einer Vollversammlung der intermittents am Dienstag kam die Videoaufnahme eines Amateurfilmers zum Vorschein, die den Durchsuchungen durch private Wachleute bei TF1 entgangen war. Man sieht darauf sehr deutlich, wie Teilnehmer an der Aktion durch den Sicherheitsdienst zusammen geschlagen werden, während keine Spur von Gewalt seitens der intermittents zu sehen ist. In der Presse löste dies eine rege Debatte aus. "Libération" publizierte etwa eine volle Seite in ihrem Kulturteil dazu und druckte eine Bildfolge von vier Momentaufnahmen (die aus dem fraglichen Filmdokument) stammen) dazu, die einen prügelnden Sicherheitsbediensteten und einen geschlagenen intermittent in eindeutiger Pose zeigt. Zugleich erschienen im Leserbriefteil des Blattes mehrere Schreiben von LeserInnen, die der "Scham"bekundung vom Dienstag energisch und argumentativ widersprachen.

Das Vorbeischauen bei TF1 am Samstagabend (18. Oktober) war der Höhepunkt einer Aktionswoche, zu der auch eine Demo von 3.000 Personen am vorletzten Donnerstag gehörte. Die intermittents protestieren noch immer gegen eine im Sommer verabschiedete Reform, die vielen von ihnen die ökonomische Existenz zu entziehen droht.

Bernhard Schmid, Paris



ManOfConstantSorrow:
Frankreich: Streik der Kulturschaffenden
Intermittents " Il existe une autre réforme "(Es gibt eine andere Reform)

Einen Gegenentwurf zum Regierungsprojekt haben die Streikversammlungen der Prekären des Kultursektors beschlossen - mit ihm sollen insbesondere die Kulturschaffenden mit den geringsten Einkommen, die bei kleinen Theatern, Filmstudios usw. arbeiten, abgesichert und zu einem solidarischen Ausgleich mit denen, die in den grossen Medien und Sendern arbeiten, geführt werden.

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Parallel zum ESF: Kulturstreik vor Entscheidungspunkt ?
ESF-TeilnehmerInnen aufgepasst: Wer sich in den kommenden Tagen nach Paris, Saint-Denis und Bobigny begibt, wird zufällig auch Zeitzeuge der nächsten Phase des französischen Kulturstreiks. Diese kündigt sich als entscheidende Phase an. An spektakulären Aktionen, bis hin zur Unterbrechung der Abendnachrichten des öffentlichen Fernsehkanals France 2 durch Kulturschaffende am Montag abend, besteht derzeit kein Mangel.

 
Neueröffnung der Verhandlungen - ein abgekartetes Spiel?
Am Donnerstag, 13. November sollen die so genannten Sozialpartner erneut ein Abkommen zur Neuregelung der Sozialansprüche prekär beschäftigter Kulturschaffender (intermittents du spectacle) abschließen. Zwar existierte seit dem 26. Juni dieses Jahres ein neues, sehr regressives Abkommen, das in den Jahren 2004 und 2005 schrittweise in Kraft treten sollte. Aufgrund technisch falscher Passagen, die illegalerweise nachträglich ausgebessert wurden - um ja nur den Deckel auf dem Topfel zu halten und nicht in neue Verhandlungen zu treten - wurde jedoch stark mit einer gerichtlichen Annullierung des Texts gerechnet. Deswegen kam der Kapitalverband MEDEF einem solchen Gerichtsbeschluss, der die Protagonisten des sozialen Rollbacks gegen die intermittents in die Defensive gebracht hätte, durch Neueröffnung der Verhandlungen zuvor.

Allerdings verlautbarte aus Kreisen, die den Rechtsstreit aus nächster Nähe verfolgen, dass die strategische Achse MEDEF -  CFDT sich bereits auf das Vorgehen am Donnerstag geeinigt habe. (Die CFDT, der Gewerkschafts-Dachverband sozialliberaler bis neoliberaler Ausrichtung, ist der entscheidende Partner des MEDEF bei dieser "Reform".) Beide Organisationen wollten auf keinen Fall eine Neueröffnung der Verhandlungen in der Sache selbst zulassen, sondern darauf drängen, einfach das bisher bestehende Abkommen in seiner nachträglich korrigierten Form zur Grundlage zu nehmen. Dadurch sollen die illegal eingeflickten Korrekturen nachträglich doch noch abgesegnet, und der aus ihrer heimlichen Einfügung bestehende Rechtsmangel geheilt werden.

Fraglich ist allerdings, ob die anderen Gewerkschaftsorganisationen, die nach geltendem Recht bei einer Neueröffnung der Verhandlungen ebenfalls geladen werden müssen, dabei mitspielen. Da die Verhandlungen sich im Rahmen der Arbeitslosen-Versicherung UNEDIC abspielen und die CFDT seit langen Jahren die Verwaltung der Arbeitslosenkase führt (die paritätisch besetzten Aufsichtsräte der Sozialkassen werden jeweils durch eine Organisation, mit Zustimmung einer Mehrheit der vertetenen Kapital- und Gewerkschafts-Repräsentanten, verwaltet) wird die Debatte durch die CFDT organisiert. Diese hat, neben dem MEDEF (der weniger Sozialbeiträge für die Unternehmen erreichen will) ein ureigenes Interesse am Abbau der sozialen Rechte der intermittents: "Ihre" Kasse soll betriebswirtschaftlich besser dastehen. Daher ist damit zu rechnen, dass versucht werden wird, die Debatte eilig zu kanalisieren.

Reality TV mal ganz anders
Den Konflikt nicht kanalisiert sehen wollen unterdessen die Hauptbetroffenen selbst, deren Mobilisierung in den letzten Tagen noch mal richtig in Schwung gekommen ist. Für besagten Donnerstag, 13. November rufen die intermittents zu einem Generalstreik des gesamten Kulturbetriebs - Kinos, Theater... - auf. Ferner organisieren sie jetzt auch eine Demonstration, die am Donnerstag um 14 Uhr vor dem UNEDIC-Sitz (bei der Metro-Station Montgallet) beginnen soll.

Der Demotermin steht zwar erst seit kurzem fest, aber mittlerweile ist er in ganz Frankreich bekannt. Dafür sorgte eine spektakuläre Aktion: Am Montagabend gelang es mehrere Dutzend intermittents, in das Fernsehstudios des öffentlichen Kanals France 2 einzudringen und die Abendnachrichten gegen 20.20 Uhr zu unterbrechen (die Tagesschau dauert in Frankreich rund 40 Minuten). Im Gegensatz zum Privatsender TF 1, dessen Sicherheitsdienst am 18. Oktober mit brutaler Gewalt auf "störende" intermittents reagierte, suchte man bei France 2 nach einem Kompromiss. Man stellte den Kulturschaffenden das Sendestudio während der Hauptnachrichten zur Verfügung - "für eine Minute", wie präzisiert wurde, aus der dann in Realität rund zwei Minuten wurden. Tatsächlich räumte Nachrichten-Moderator David Pujadas seinen Platz.

Die intermittents durften ein Kommuniqué verlesen, das von einer sehr ergriffenen jungen Frau vorgetragen wurde - improvisiert genug, um bewegend zu wirken, aber trotzdem sicher genug, um überzeugend zu erscheinen. Am Ende akzeptierten die "Eindringlinge", nach dem vorher mit France 2 vereinbarten Kompromiss, einen friedlichen Abzug nach dem Vorlesen des Papiers - aber nicht ohne, nunmehr frei sprechend, zur Demonstration aufgerufen zu haben.

Vielleicht lässt sich ja ein Vorbeigucken seitens der ESF-TeilnehmerInnen organisieren - nur ein bescheidener Vorschlag....

Bernard Schmid

ManOfConstantSorrow:

--- Zitat ---Original von labournet

Neue Proteste der prekären Kulturschaffenden in Frankreich ­ Vor Störungen des Festivals in Cannes?

"Bis Mittwoch, in Cannes!" grüßen sich derzeit viele Teilnehmer in den Diskussionsforen im Internet, die im Vorjahr durch die streikenden Kulturarbeiter eingerichtet wurden und seitdem Orte aktiven Austauschs geblieben sind. Nicht, dass die prekär abgesicherten Kulturschaffenden -  die intermittents du spectacle ­ jetzt alle Aussicht darauf hätten, bei der Preisverleihung in Cannes die berühmte Treppe hochzusteigen. Aber derzeit ist vollkommen unsicher, ob das Filmfestival an der Côte d¹Azur in diesem Jahr störungsfrei ablaufen wird. Denn nachdem Kulturminister Renaud Donnedieu de Vabres vor einer Woche die neuen Maßnahmen für die intermittents verkündete, kocht erneut die Wut bei den Kulturleuten.

Am vorigen Freitag hatten engagierte Kulturschaffende in der Pariser Vorstadt Garges-les-Gonesse, bei der Gesellschaft Filminger, das Aufladen von Filmrollen und anderem Material für das Festival von Cannes blockiert und behindert. Erst das Versprechen der Festivalleitung, der Protestbewegung einen Redebeitrag bei der Eröffnungszeremonie zu gewähren, hatte die Lage zunächst beruhigen können. Aber zugleich sind die Wortführer des Protests, von denen viele der Pariser "Koordination der intermittents und Prekären" und oft zugleich der linken Basisgewerkschaft SUD angehören, gespalten. Während einige das Festival von Cannes als Tribüne für spektakulären Protest nutzen wollen, warnen andere vor Zusammenstößen, die - durch sämtliche Medien übertragen - ein schlechtes Bild von der Protestbewegung vermittelten. Schließlich wird ein Großaufgebot an Polizeikräften und privaten Sicherheitsdiensten erwartet. Und während einige ihr Anliegen auf die Kulturwelt beschränken wollen, sehen andere dagegen die intermittents-Proteste als Angelegenheit der gesamten sozialen Bewegung und vor allem der prekär Beschäftigten insgesamt. Einige von ihnen nahmen am Wochenende des 1. Mai in Mailand an einem europaweiten Treffen der Prekären unter dem Titel "Euro May Day" teil; sie träumen von einer Art "spontanem internationalen Sozialforum" mitten im Gewimmel von Cannes. Unterstützung für Proteste ist auf dem Festival von einigen Prominenten wie Ken Loach, Michale Moore (also den üblichen Verdächtigen), der französischen Regisseurin und Schauspielerin Agnès Jaoui und anderen angekündigt.

Die intermittents haben in Frankreich nach einem besonderen System, das zu den Errungenschaft des "Volksfront"- und Generalstreik-Jahres 1936 zählt, Anspruch auf Überbrückungsgelder während ihrer auftraglosen Zeit. Diese wird ihnen nach einem spezifischen Modus aus der Arbeitslosenkasse bezahlt. Die Inanspruchnahme dieser Absicherung auch etwa durch große Fernsehsender ­ die ihre Existenz dazu benutzen, um ihre Beschäftigten zu prekarisieren ­ hat zu einem chronischen Defizit des Systems geführt, derzeit rund 800 Millionen Euro. Eine drastische Reduzierung der Ansprüche auf Überbrückungsgelder, die im Juni 2003 beschlossen wurde, sollte das Problem auf buchhalterische Weise lösen, und den Arbeitgeberverbänden eine Erhöhung ihrer Beiträge zur Arbeitslosenkasse ersparen. Infolge der "Reform" sind derzeit 18.000 der rund 100.000 intermittents akut mit dem Verlust ihrer Existenzgrundlagen bedroht.

Präsident Jacques Chirac hatte am 1. April in einer Fernsehansprache, die auf die katastrophale Wahlniederlage seiner konservativen UMP bei den Regionalparlamentswahl folgte, eine teilweise Rücknahme der "Reform" angekündigt. Doch daraus wurde ein jetzt ein "Maßnähmchen", wie die CGT Kultur ­ die den Protest stärker in institutionelle Bahnen lenken will, als die Koordination ­ beklagt. Der Staat will jährlich 20 Millionen Euro in einen Sonderfonds zuschießen, mit dessen Hilfe die dringendsten soziale Notfälle gemildert werden sollen. Aber das macht monatlich nur 93 Euro pro Betroffenen aus. Und das dicke Ende kommt noch, denn wie Kulturminister Donnedieu de Vabre zugleich ankündigte, soll bis im Sommer entschieden werden, welche Kategorien ganz aus der Kategorie der intermittents ausgegliedert werden müssen. Sie sollen künftig dem ungünstigeren Zeitarbeiterstatus unterliegen; so wären Bühnenbauer und ­techniker oder Kameraleute davon betroffen.

Dass Präsident und die Regierung überhaupt etwas an der "Reform" änderten, dürfte vor allem auch daran liegen, dass diese ohnehin durch die Gerichte gekippt zu werden drohte. Im Vorjahr hatten die so genannten Sozialpartner ­ unter Federführung der sozialdemokratisch-neoliberalen CFDT und der Arbeitgeberverbände ­ es sichtbar zu eilig, als Träger der Arbeitslosenkasse die Sparmaßnahme zu beschließen, die dann per Regierungsverordnung für rechtsverbindlich erklärt wurde. Denn ihre Beschlüsse weisen eine Reihe von Rechtsmängel und Formfehlern auf. Der gravierendste unter ihnen: Die zuständigen Gremien bei der Arbeitslosenkasse sind nicht gesetzesgemäß zusammengesetzt. Das hatten findige ProtestaktivistInnen und ihre Anwälte herausgefunden.

Aus diesem Grunde drohten alle regressiven "Reformen", die in den letzten Jahren durch die Arbeitslosenkasse beschlossen wurde, annulliert zu werden. Der Oberste Gerichtshof nahm dazu am vorigen Freitag seine Verhandlungen auf. Neben den intermittents waren auch die Arbeitslosen betroffen, deren Ansprüche ebenfalls ­ auf Grundlage einer "Reform" vom Dezember 2002 ­ seit Anfang dieses Jahres schmerzhaft reduziert worden waren. 300.000 von ihnen waren deshalb aus dem Solidarsystem heraus gefallen und in die Sozialhilfe verwiesen worden.

Doch wegen der Rechtsfehler hatten Erwerbslose, die gegen den plötzlichen Entzug ihrer Rechtsansprüche geklagt hatten, vor mehreren Gerichten gewonnen ­ zuerst am 15. April in Marseille. Insgesamt hatten 2.050 von ihnen Klage erhoben. Deswegen, und wegen der drohenden Annullierung aller "Reformen" zur Arbeitslosenkasse durch die höchsten Richter, hat die Regierung hier in weiser Voraussicht politischen Ballast abgeworfen. Am Dienstag voriger Woche nahm sie auch die Kürzung der Gelder für die Arbeitslosen zurück. Aber nur für jene, die vor 2003 erwerbslos geworden sind; für die anderen sind ihre Rechtsansprüche verloren. Und obwohl allgemein mit einer Beitragserhöhung für die Arbeitgeber gerechnet worden war, konnten letztere durch erheblichen Druck diese "Zumutung" abwehren. Die Milliarde Euro, welche die Rücknahme der Sparmaßnahme kostet, wird stattdessen aus dem Steuersäckel aufgebracht.

Bernhard Schmid, Paris


--- Ende Zitat ---

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